Altlastenbeseitigung: Nur Bild

Es hilft nichts. Ich muss endlich mal wieder meinen Schreibtisch aufräumen. Dabei kann ich dann auch einige Werke, die ich teils schon vor Monaten genossen, aber bis jetzt immer noch nicht besprochen habe, endlich, nicht immer in der gebührenden Länge, besprechen.

Die Story von „Shadow und der Fluch des Khan“ ist reinster Pulp und von da kommt der Shadow auch. Er ist Lamont Cranston, der als reicher Müßiggänger im New York der dreißiger Jahre die Nachtclubs unsicher macht und als geheimnisumwitterter Shadow (oder auf deutsch „Schatten“) das Verbrechen bekämpft. Jetzt kommt Shiwan Khan, ein direkter Nachfahre von Dschingis Khan, nach New York. Er will die Weltherrschaft. Dabei möchte er, dass der Shadow auf seiner Seite mitkämpft. Immerhin hat auch der Shadow eine Vergangenheit als Bösewicht.

Die Umsetzung orientiert sich an den Dreißiger-Jahre-Serials und hat damit ein angenehm nostalgisches Flair. Dazu trägt auch der Dreh in den Universal Studios, und dass bei den Außenaufnahmen die Kulisse auch immer als Kulisse erkennbar ist, bei. Hier wurde mit erstaunlicher Liebe zum Detail ein New York erfunden, das es so niemals gegeben hat.

Aber weil „Highlander“-Regisseur Russell Mulcahy Regie führte, bleibt „Shadow und der Fluch des Khan“ nicht, wie Francis Ford Coppolas „Einer mit Herz“, im leblosen Kulissentheater stecken. Bei Mulcahy ist die Inszenierung ziemlich modern geraden und die Tricks sind heute immer noch überzeugend.

Nur die von David Koepp, dem zuverlässigen Autor von gehobenem Hollywood-Popcornkino, erfundene Story schwächelt. Denn neben dem Kampf zwischen dem Shadow und Shiwan Khan muss der Shadow sich auch mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und er verliebt sich in Margo Lane, die seine Gedanken lesen kann (was dann auch der Anlass für einige Screwball-Comedyhafte Wortgefechte ist). In „Shadow und der Fluch des Khan“ gelingt Koepp noch nicht der richtige Mix zwischen dem Hauptplot und den teilweise zu sehr im Zentrum stehenden Subplots. Außerdem sind die Charaktere alle arg zweidimensional geraten.

Dafür herrscht ein mild ironischer Ton mit kleinen Abstechern ins cartoonhafte. So als ob alle einem zuflüsterten: „Wir wissen, dass die Story Unfug ist, aber lass uns einfach zwei Stunden Spaß haben.“

Doch damals half es nicht. Der 45 Millionen teure Film war bei den Kritikern und an der Kasse ein Flop. Heute, zwischen all den Superheldenfilmen, kann „Shadow und der Fluch des Khan“ erstaunlich gut bestehen und, trotz der Mängel in der Story, gefällt mir dieser unterschätze, naive Film, der den Zauber der alten Serials, B-Pictures (weniger) und Noirs (noch weniger) wiederaufleben lassen will, viel besser als einige der hoch budgetierten, bedeutungsschwangeren Comicverfilmungen (ich sage nur „Batman“), die in den vergangenen Jahren in den Kinos liefen.

Shadow und der Fluch des Khan (The Shadow, USA 1994)

Regie: Russell Mulcahy

Drehbuch: David Koepp

LV: Charakter von Maxwell Grant (Pseudonym von Walter B. Gibson)

mit Alec Baldwin, John Lone, Penelope Ann Miller, Peter Boyle, Ian McKellen, Tim Curry, Jonathan Winters

DVD

Koch Media

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Booklet, Making of, Interviews mit Russell Mulcahy, David Koepp, Martin Bregman, Alec Baldwin, John Lone, Penelope Ann Miller und Jonathan Winters, Musikvideo (Taylor Dayne), Deutscher und Originaltrailer, TV-Spots, Bildergalerie

Länge: 103 min

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Shadow und der Fluch des Khan“ (deutsch, englisch)

Comic Book Movie über „The Shadow“ (mit vielen Bildern und Ausschnitten)

In „Slow Burn – Verführerische Falle“ spielt Ray Liotta den für das Bürgermeisteramt kandidierenden Staatsanwalt Ford Cole. Er will unbedingt den geheimnisumwitterten Verbrecher Danny Ludin überführen. Aber niemand weiß, wie er aussieht und wo er sich gerade aufhält. In einer Nacht erschießt seine beste Anklägerin, die Farbige Nora Timmer, in Notwehr einen Mann, der sie vergewaltigen wollte. Ein klarer Fall, wenn da nicht ein Freund des Toten in der Polizeistation auftauchen und eine ganz andere Geschichte erzählen würde. Cole versucht die Wahrheit herauszufinden und dabei glaubt er, dass Ludin seine Finger im Spiel hat.

Na, das klingt doch ganz spannend. Aber letztendlich ist „Slow Burn – Verführerische Falle“ nur eine weitere Variante von „Die üblichen Verdächtigen“, in der man als Zuschauer immer zwei Schritte vor den durchgehend unsympathischen Charakteren ist, die einem – was noch schlimmer ist – auch herzlich egal sind.

So funktionieren die Plotwendungen und Enthüllungen dann vor allem als schnell langweilende Taschenspielertricks.

Die Produzenten waren wohl nicht allzu überzeugt von dem Werk. Immerhin wurde der Film bereits 2003 abgedreht und hatte, nach der IMDB, erst 2007 seine US-Premiere.

Slow Burn – Verführerische Falle (Slow Burn, USA 2005)

Regie: Wayne Beach

Drehbuch: Wayne Beach (nach einer Geschichte von Wayne Beach und Anthony Walton)

mit Ray Liotta, LL Cool J, Mekhi Phifer, Jolene Blalock, Guy Torry, Taye Diggs, Chiwetel Ejiofor, Bruce McGill

DVD

Atlas Film Home Entertainment

Bild: 1.78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer

Länge: 88 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Slow Burn“

Ein Team von Abhörspezialisten der Polizei hört eine Investmentfirma, die verdächtigt wird, illegalen Insiderhandel an der Börse zu betreiben, ab. Irgendwann fragen die Polizisten sich, ob sie nicht ihr erlauschtes Wissen gewinnbringend einsetzen sollen. Immerhin können sie etwas Geld gut gebrauchen und sie tun ja auch niemandem weh, wenn sie an der Börse etwas spekulieren. Trotzdem beginnt mit ihrer ersten kleinen Spekulation der Weg in den Abgrund. Denn ihre Geschäfte fallen ihren Vorgesetzten und den Gangstern auf.

Abgehört – Trau niemals einem Cop“ ist das neue Werk der „Infernal Affairs“-Macher Felix Chong und Alan Mak und wieder begeben sie sich in moralische Grauzonen und treiben ein perfides Spiel mit den gängigen Zuschreibungen von „Gut“ und „Böse“.

Das ist allerfeinstes Hongkong-Kino, das, wie „Infernal Affairs“, weitgehend auf Action und graphische Gewalt verzichtet und ein absolut blödes Cover, das dem Hongkong-Filmplakat entspricht, hat.

Abgehört – Trau niemals einem Cop (Qie ting feng yun/Overheard, Hongkong 2009)

Regie: Felix Chong, Alan Mak

Drehbuch: Alan Mak, Felix Chong

mit Louis Koo, Daniel Wu, Lau ching Wan, Zhang Jingchu, Michael Wong, Waise Lee

BluRay (DVD identisch)

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Kantonesisch (DTS HD-Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Bildergalerie, Originaltrailer

Länge: 100 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Abgehört – Trau niemals einem Cop“

Asian Movie Web über „Abgehört – Trau niemals einem Cop“

Grégoire Vigneron erzählt in seinem Regiedebüt „Spurlos“ die alte Geschichte von dem anständigen Mann, der zufällig ein Verbrechen begeht und sich immer tiefer in Schuld verstrickt. Dieser Mann, der Yuppie Étienne Meunier, hat auch wirklich etwas zu verlieren. Er ist mit der Tochter seines jetzigen Chefs verheiratet und er soll in wenigen Tagen der Chef des Konzerns werden. Den Grundstein für diese Karriere legte er vor fünfzehn Jahren, als er von François Michelet, der ihnen eine Formel für einen Fleckenentferner zuschickte, die Formel stahl, die jetzt die Grundlage für ein Produkt ist, das den größten Teil des Firmenumsatzes ausmacht. Aber diese Tat nagt immer noch an seinem Gewissen.

Jetzt will er sich, auf den Vorschlag seines alten, lange nicht mehr gesehen Schulfreundes Patrick, bei Michelet entschuldigen. Aber das Gespräch eskaliert und am Ende ist Michelet tot; erschlagen von Patrick, der Étienne bei einem Kampf gegen Michelet half. Anschließend drängt Patrick sich in Étiennes Leben. Und dann ist da noch der freundliche Kommissar, der Étiennes Verhalten, wozu auch seine Hilfsbereitschaft gegenüber Michelets Tochter gehört, verdächtig findet.

Spurlos“ reiht sich in die aktuelle Serie von guten französischen Krimis, die vertraute Genreformen mit neuen Inhalten und Twists füllen, ein. Hier ist es der eher sanfte Noir und Psycho-Thriller mit einem Hauch Hitchcock. Denn egal, was Étienne auch unternimmt, um seine Schuld zu sühnen, ohne zur Polizei zu gehen, führt dazu, dass sein Leben immer bedrohter und er immer verdächtiger wird. Aber wenn er zur Polizei geht, wäre seine Karriere und seine Ehe kaputt. Was soll er also tun? Vigneron erzählt diese Geschichte straff und kurzweilig. Entstanden ist so ein feiner, im besten Sinn altmodischer Thriller, in dem die inneren Konflikte des Protagonisten im Mittelpunkt stehen.

Spurlos (Sans laisser de traces, Frankreich 2010)

Regie: Grégoire Vigneron

Drehbuch: Grégoire Vigneron, Laurent Tirard

mit Benoît Magimel, François-Xavier Demaison, Julie Gayet, Léa Seydoux, Jean-Marie Winling, Dominique Labourier, André Wilms, Stéphane De Groodt, Yves Jacques, Christelle Cornil, Georges Siatidis, William Miller

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch (DD 5.1/DTS), Französisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: ?

Länge: 91 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Spurlos“ (deutsch, französisch)

One Response to Altlastenbeseitigung: Nur Bild

  1. […] Meine ausführliche Besprechung von „Shadow und der Fluch des Khan“ […]

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