Neu im Kino/Filmkritik: Aus den Akten des DC Universe: Wie Clayface „Clayface“ wurde

Oktober 22, 2026

Ein neuer DC-Film und wieder ein Film aus der Welt der Superhelden, in denen uns erzählt wird, wie einer der Bösewichter aus der Superheldenwelt zum Bösewicht wird. Dieses Mal ist es Clayface. Er ist bis jetzt als Schurke aus diversen Batman-Comics (mit verschiedenen Namen und Biographien) und TV-Serien bekannt.

Sein Kinodebüt hat er jetzt in James Watkins‘ „Clayface“. Mike Flanagan und Hossein Amini schrieben das Drehbuch. Tom Rhys Harries übernahm die Hauptrolle. Er spielt den aufstrebenden Schauspieler Matt Hagens, der im Verlauf des Films zu Clayface wird; – einem Menschen, der sein Gesicht und seine Gestalt verändern kann. Matt wurde gerade für einen wichtigen Preis nominiert, ist bei allen beliebt und anscheinend kurz davor, zum internationalen Superstar zu werden. Und er kommt aus Gotham aus ärmlichen Verhältnissen. Das ist für den Film unwichtig, für die im Film präsentierten Zeitschriftengeschichten über ihn wichtig.

Während der Promotour für seinen neuen Film, trifft er in Gotham in einer Disco auf eine dunkelhaarige Schönheit.

Als er am nächsten Tag im Bett neben ihr erwacht, steht ihr Mann vor ihr: der stadtbekannte, unangreifbare Gangsterboss Markos Szabo (David Dencik). Er verunstaltet Matts Gesicht. Damit ist seine Karriere als Schauspieler vorbei. Seine Agenten lassen ihn fallen. Sein Vermögen schmilzt rapide.

Da erfährt er von einer experimentellen Therapie mit Nanozellen. Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) behandelt ihn. Die Narben verschwinden aus Matts Gesicht. Aber wie jedes Wunderheilmittel hat auch diese Therapie ihre Nebenwirkungen.

Außerdem will Matt sich an den Menschen rächen, die ihm Unrecht antaten.

„Clayface“ ist, nach „Superman“ und „Supergirl“, der dritte Film im DC Universe (DCU), das von James Gunn und Peter Safran verantwortet wird. Er gehört außerdem zum, etwas umständlich betitelten „Chapter One: Gods and Monsters films“. Clayface gehört zu den Monstern. Immerhin ermordet der Antiheld während des Films, zunehmend kaltblütig, einige Menschen. Wie es mit ihm im DC Universe weitergeht, ist unklar. Im Moment ist „Clayface“ in jeder Beziehung ein Einzelfilm, für den man absolut nichts über Gotham und die DCU-Welt wissen muss.

Im Gegensatz zu den quietschbunten ersten beiden DCU-Filmen ist „Clayface“ ein Bodyhorrorfilm mit einem für einen Superheldenfilm extrem niedrigen Budget von irgendetwas zwischen 30 und 44 Millionen US-Dollar. Das ist ein Budget, das Experimente erlaubt und immer noch für einen Gewinn an der Kinokasse sorgen sollte. Entsprechend eklig sind viele der Horrorszenen. Es ist auch ein Film ohne große Stars und ohne epische Schlachten. Ein Kampf in einer Disco beeindruckt vor allem dadurch, dass Matt ständig seine Gestalt verändert. Dafür wird er von verschiedenen Schauspielern gespielt.

Diese Gestaltwandler-Fähigkeit ist eine Nebenwirkung der von Corr bei ihm angewandten Therapie, die irgendetwas mit Nanozellen zu tun hat. Es ist auch eine Fähigkeit, deren Wirkungsweise im Film mal so, mal so funktioniert. Einmal kommt sie zufällig, einmal wenn er wütend ist (dann verwandelt sich sein Gesicht in das Gesicht der Person auf die er wütend ist) und dann kann er die Verwandlung steuern. Beispielsweise in der eben erwähnten Disco-Szene. Letztendlich setzen Flanagan, Amini und Watkins Matts Gestaltwandler-Fähigkeit nach Belieben und vollkommen willkürlich ein. Für Spannung sorgt das nicht, weil Matt, wenn er in Gefahr ist, einfach seine Gestalt ändert und so aus jeder brenzligen Situation entkommenn kann.

Matt selbst ist – und das ist ein durchgängiges Problem aller Superbösewichter-Origin-Geschichten – kein sympathischer Charakter. Nicht am Anfang, nicht am Ende und auch nicht dazwischen. Er ist eine eindimensionale Figur, die im Verlauf des Films keine Wandlung erfährt. Er ändert sich nicht. Er ist böse. Er hat keinen moralischen Konflikt. Er fragt sich nie, ob er dieses oder jenes tun soll, ob er etwas lernt aus seinen Erfahrungen und ob er ein besserer Mensch werden möchte. Er fragt sich nie, wie er mit seiner Veränderung umgeht. Darum ging es beispielsweise in „Die Fliege“ (David Cronenberg zeigt in seiner Version, wie ein Mensch und eine Fliege zu einem neuen Wesen werden) oder in Sam Raimis „Darkman“. ‚Clayface‘ Matt Hagens will sich einfach nur rächen an den Menschen, die ihm sein Aussehen, seine Karrieren und sein Geld stahlen. Anfangs geschehen seine Morde eher zufällig, später geplant. Dabei haben Szabos Handlanger ebenfalls den Tod verdient.

Diese Rachegeschichte erzählt James Watkins durchaus effektiv, aber auch strikt entlang der bekannten Storykonventionen.

Clayface (Clayface, Großbritannien/UUSA 2026)

Regie: James Watkins

Drehbuch: Mike Flanagan, Hossein Amini (nach einer Geschichte von Mike Flanagan, basierend auf Figuren aus dem DC-Universum)

mit Tom Rhys Harries, Naomi Ackie, David Dencik, Max Minghella, Eddie Marsan, Nancy Carroll, Joshua James

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Clayface“

Metacritic über „Clayface“

Rotten Tomatoes über „Clayface“

Wikipedia über „Clayface“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Watkins‘ „Bastille Day“ (Bastille Day, USA/Frankreich/Großbritannien 2016)

Meine Besprechung von James Watkins‘ „McMafia – Staffel 1“ (McMafia, Großbritannien 2018)

Meine Besprechung von James Watkins‘ „Speak no evil“ (Speak no evil, USA 2024)

Meine Besprechung von James Gunns „Superman“ (Superman, USA 2025)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Supergirl“ (Supergirl, USA 2026)


DVD-Kritik: „Der Verdacht des Mr. Whicher“ führt viermal zum Täter

August 1, 2016

Vor Sherlock Holmes gab es Jack Whicher. Er ermittelte im viktorianischen England der 1860er und 1870er Jahre und – das kommt jetzt für einige Holmesianer vielleicht als Schock – Jack Whicher ist eine reale Gestalt, die eine Inspiration für Charles Dickens‘ Inspector Bucket in „Bleak House“ war. Er war Scotland-Yard-Inspector und einer seiner bekanntesten Fälle war der Mord von Road Hill House 1860, der 2008 von Kate Summerscale in dem Sachbuch „The Suspicions of Mr Whicher or The Murder at Road Hill House“ verarbeitet wurde. Das Buch war dann die Vorlage für den gleichnamigen Film, der den Auftakt zu einer kleinen, betulich erzählten Filmreihe bildete. Insgesamt entstanden zwischen 2011 und 2014 vier spielfilmlange Filme mit Paddy Considine als Jack Whicher. Dabei ist er nur in „Der Mord von Road Hill House“ Polizist. In „Der Mord in Angel Lane“, „Mein Fleisch und Blut“ und „Der Schein trügt“ arbeitet er als Privatdetektiv.

In „Der Mord von Road Hill House“ versucht er den Mord an einem dreijährigem Kind aufzuklären. Der Mörder muss, weil es keine Einbruchspuren gibt, jemand aus der Familie oder des Personals sein. Der wahre Fall ist ein echter Rätselkrimi, ein Locked-Room-Mystery, das damals von der Öffentlichkeit interessiert verfolgt wurde und in der Literatur seine Spuren hinterließ, wie in Wilkie Collins‘ „Der Monddiamant“.

In „Der Mord in der Angel Lane“ arbeitet Jack Whicher nicht mehr als Polizist. Er wird von Lady Susan Spencer gebeten, ihre schwangere Nichte Mary Spencer, die in London spurlos verschwunden ist, zu suchen. Da wird ihre Leihe gefunden. Whicher sucht ihr verschwundenes Kind und ihren Mörder.

In „Mein Fleisch und Blut“ bittet Sir Edward Shore Whicher ihn um Hilfe. Sein Sohn, der einige Zeit in Indien lebte, wird in London von einem Inder verfolgt. Anscheinend will der Inder Charles Shore umbringen, weil dieser in Indien etwas getan hat.

In „Der Schein trügt“ beschattet Whicher die Frau von Sir Henry Coverly. Es gelingt ihm, Beweise für ihre Untreue zu beschaffen. Als ihr Liebhaber ermordet wird, beginnt Whicher den Täter zu suchen.

Wer von „Der Verdacht des Mr. Whicher“ eine Variante von Sherlock Holmes, vor allem in seinen neuen Inkarnationen, erwartet, – immerhin wird die Serie mit dem Spruch „Im viktorianischen England beruht die Gerechtigkeit auf dem Verdacht des Mr. Whicher.“ beworben -, und es gerne etwas stylisch in Richtung „Peaky Blinders“ oder „Ripper Street“ hätte, dürfte enttäuscht sein. Mr. Whicher ist doch ein ziemlich normaler Mann. Er ist kein Exzentriker oder Genie, sondern eher ein Kommissar Maigret oder ein notorisch schlecht gelaunter Inspector Barnaby. Seine Ermittlungen stützen sich weniger auf Spuren, als auf Befragungen von Menschen, die mehr oder weniger viel zu verbergen haben und mehr oder weniger schamlos lügen. Dabei ist er mit Fällen und Motiven konfrontiert, die jederzeit spielen könnten. Gesellschaftliche Zwänge und Regeln werden nicht, wie in anderen in der Vergangenheit spielenden Krimis, als wichtiger Teil der Ermittlung angesprochen.

Aber das Zeitkolorit ist mit den Gebäuden, den Kutschen und den Kleidern gut getroffen, Paddy Considine ist immer ein Gewinn, die anderen Schauspieler sind auch gut und allzuviele historische Kriminalfilme gibt es nicht.

Als Bonusmaterial gibt es ein informatives kurzes „Behind the Scenes“ zum ersten Whicher-Film „Der Mord von Road Hill House“.

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House (The Suspicions of Mr Whicher: The Murder at Road Hill House, Großbritannien 2011)

Regie: James Hawes

Drehbuch: Neil McKay

LV: Kate Summerscale: The Suspicions of Mr Whicher or The Murder at Road Hill House, 2008 (Der Verdacht des Mr Whicher oder Der Mord von Road Hill House)

mit Paddy Considine, Peter Capaldi, Tom Georgeson, William Beck, Emma Fielding, Tim Pigott-Smit, Kathe O’Flynn

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord in der Angel Lane (The Suspicions of Mr Whicher: The Murder in Angel Lane, Großbritannien 2013)

Regie: Christopher Menaul

Drehbuch: Neil McKay

mit Paddy Considine, Olivia Colman, William Beck, Shaun Dingwall

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Mein Fleisch und Blut (The Suspicions of Mr Whicher: Beyond the Pale, Großbritannien 2014)

Regie: David Blair

Drehbuch: Helen Edmundson

mit Paddy Considine, Nancy Carroll, John Hefferman, Adrian Quinton, Laura Frances-Morgan, Raphael Brandman, Tyler Bennett, Nicholas Jones, Ellora Torchia, Tim Pigott-Smith

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Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Schein trügt (The Suspicions of Mr Whicher: The Ties that bind, Großbritannien 2014)

Regie: Geoffrey Sax

Drehbuch: Helen Edmundson

mit Paddy Considine, Helen Bradbury, Nancy Caroll, Ristead Cooper, Joanna Horton, James Northcote, Luke Thompson

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Die DVDs

Der Verdacht des Mr Whicher - Road Hill House - Angel Lane - DVD-Cover - 4

Der Verdacht des Mr. Whicher: Der Mord von Road Hill House/Der Mord in der Angel Lane

Polyband

Bild 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Behind the Scenes

Länge: 180 Minuten (2 x 90 Minuten)

FSK: ab 12 Jahre

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Der Verdacht des Mr Whicher - Fleisch und Blut - Schein - DVD-Cover - 4

Der Verdacht des Mr. Whicher: Mein Fleisch und Blut/Der Schein trügt

Polyband

Bild 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 180 Minuten (2 x 90 Minuten)

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Verdacht des Mr. Whicher“

Wikipedia über „Der Verdacht des Mr. Whicher“ und Jack Whicher


TV-Tipp für den 13. August (und DVD-Tipp): Father Brown: Der mysteriöse Agent/Der Fluch der Mumie

August 13, 2015

ZDFneo, 20.15
Father Brown: Der mysteriöse Agent/Der Fluch der Mumie (Großbritannien 2015, Regie: Paul Gibson, Matt Carter)
Drehbuch: Rob Kinsman, Jude Tindall
Erfinder: Rachel Flowerday, Tahsin Guner
LV: Charakter von Gilbert Keith Chesterton
Bleiben wir in den Fünfzigern, bewegen uns aber von den sonnigen italienischen Stränden (an denen Mr. Ripley gestern mordete) in die ebenso sonnige englische Provinz, in der Father Brown Mördern auf ihrem Weg zur Sühne hilft.
In „Der mysteriöse Agent“, der Auftaktepisode der dritten Staffel der lauschigen BBC-Krimiserie, will Father Brown (Mark Williams) herausfinden, wer einen Restaurator ermordete. Der Tote restaurierte im Anwesen von Lord Masters dessen Gemäldesammlung. Schwierig wird der Fall für unseren naseweisen geistlichen Ermittler, weil die Polizei versucht, die Tat zu vertuschen und der britische Geheimdienst ebenfalls involviert ist.
Auch wenn es dieses Mal um Geheimdienste und ihren Kampf gegen die bösen Kommunisten geht, ändert sich in der Welt von Father Brown wenig. Der Ton bleibt humorvoll, das Erzähltempo gemächlich und die aus den vorherigen Staffeln bekannten Charaktere sind wieder dabei.
ZDFneo zeigt die fünfzehn Folgen der dritten Staffel donnerstags in Doppelfolgen.
mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Tom Chambers (Inspector Sullivan), John Burton (Sgt Goodfellow)
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Bonushinweis

Father Brown - Staffel 2 - DVD-Cover - 4
Wem das zu wenig „Father Brown“ ist und wer die Folgen in der englischen Fassung sehen möchte, sollte zur DVD „Father Brown – Staffel 2“, in der die zehn Fälle der zweiten Staffel enthalten sind, kaufen. Sie hält, auch wenn Father Brown Geister und Bewohner einer Irrenanstalt trifft, das Niveau der ersten Staffel und die dritte Staffel scheint das Niveau der zweiten Staffel zu halten. Da ist es doch beruhigend, dass der die Kirchenoberen ihren Geistlichen nicht aus seiner Gemeinde Kembleford abziehen wollen und die vierte „Father Brown“-Staffel bereits angekündigt ist.
„Father Brown – Staffel 3“ erscheint am 5. Oktober 2015.

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Father Brown – Staffel 2
Polyband
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 466 Minuten (10 x 46 Minuten) (3 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)

Meine Besprechung von „Father Brown – Staffel 1“ (Großbritannien 2013)


DVD-Kritik: Cozy, cozy, die Welt des „Father Brown“

August 6, 2014

Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb dauerte es, jedenfalls bei mir, einige Zeit, bis ich Mark Williams (Arthur Weasley in den „Harry Potter“-Filmen) als Geistlichen akzeptierte. Er spielt in der neuen, in den Fünfzigern spielenden BBC-Serie „Father Brown“ den titelgebenden Geistlichen ähnlich verschmitzt und liebenswürdig wie Heinz Rühmann, bringt aber eine Pfunde mehr auf die Waage.

Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alec Guiness als Priester und die ITV-TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast vollkommen unbekannt.

Alle diese Filme basieren auf dem von Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) erfundenem Charakter.

Er schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalfen den Geschichten zum Klassikerstatus. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten und Verstöße gegen die zehn Gebote anhören und dann den Sündern, im Namen Gottes, verzeihen musste.

Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.

Die erste Staffel der von Tahsin Guner und Rachel Flowerday erfundenen BBC-Serie „Father Brown“ verlegt Chestertons Geschichten in die fünfziger Jahre in ein malerisches englisches Städtchen irgendwo auf dem Land mit einer intakten religiösen Gemeinde, einer Adligen und einem Kriminalpolizisten, der auch als Gemeindepolizist (sozusagen die weltliche Ausgabe von Father Brown, mit weniger Witz und mehr harter Polizistenschale) fungiert, und immer versucht, den Geistlichen aus den Ermittlungen herauszuhalten. Erfolglos.

Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet. Und genau wie „Inspector Barnaby“ richtet „Father Brown“ sich schnell in einer Parallelwelt ein, die ein verklärtes Bild vom Leben auf dem Land in den Fünfzigern zeichnet. „George Gently – Der Unbestechliche“ (neue Fälle gibt es ab Sonntag, den 10. August, um 22.00 Uhr im ZDF) ist da ganz anders: in dieser in den Sechzigern spielenden Serie werden die damaligen Konflikte und gesellschaftlichen Veränderungen zum Ausgangspunkt der Fälle genommen. „George Gently“ ist ohne den sozialpolitischen und historischen Hintergrund nicht denkbar. Für „Father Brown“ ist das Gegenteil konstitutiv.

Außerdem ist der religiöse Anteil in den „Father Brown“-Episoden auf ein allgemeinverträgliches Maß hinuntergebrochen worden. Eigentlich zeugt nur noch das große Verständnis des weltoffenen und neugierigen Geistlichen für die menschlichen Schwächen und sein Glaube an das Gute im Menschen, auch bei einem Verbrecher, von einem religiösem Hintergrund. So will er in „Das blaue Kreuz“ einen Profidieb von einem Diebstahl abhalten. In anderen Episoden will er den Mörder zu einem Geständnis bewegen.

In England wurden bereits zwanzig Fälle mit Mark Williams als Father Brown gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit.

„Father Brown“ ist eine mehr entspannende als spannende TV-Serie, garantiert jugendfrei, durchaus witzig und mit einigen Einblicken in das Leben vor sechzig Jahren auf dem Land, als es noch keinen Fernseher gab.

Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover

 

Father Brown – Staffel 1 (Großbritannien 2013)

Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday

LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton

mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine), Kasia Koleczek (Susie Jasinski)

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DVD

Polyband

Bild: 1,78:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 466 Minuten (10 x 46 Minuten) (3 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

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Die ersten Bekehrungen von Father Brown

Der Hammer Gottes (The Hammer of God)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Tahsin Guner

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Die fliegenden Sterne (The Flying Stars)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Rachel Flowerday

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Die falsche Form (The wrong Shape)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Nicola Wilson

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Der Mann im Baum (The Man in the Tree)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Rebecca Wojciechowski

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Das Auge Apollos (The Eye of Apollo)

Regie: Matt Carter

Drehbuch: Tahsin Guner

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Die Braut Christi (The Bride of Christ)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Jude Tindall

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Der Staub des Teufels (The Devil’s Dust)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Dan Muirden

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Im Angesicht des Todes (The Face of Death)

Regie: Matt Carter

Drehbuch: Lol Fletcher

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Der Bürgermeister und der Zauberer (The Mayor and the Magician)

Regie: Dominic Keavey

Drehbuch: Nicola Wilson

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Das blaue Kreuz (The blue Cross)

Regie: Ian Barber

Drehbuch: Paul Matthew Thompson

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Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)


TV-Tipp für den 28. April: Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne

April 28, 2014

ZDFneo, 20.15/21.00
Father Brown: Der Hammer Gottes/Die fliegenden Sterne (Großbritannien 2013, Regie: Ian Barber)
Drehbuch: Tahsin Guner (Episode 1), Rachel Flowerday (Episode 2)
Erfinder: Tahsin Guner, Rachel Flowerday
LV: Charakter von Gilbert K. Chesterton
Dank der regelmäßigen Wiederholungen der beiden Spielfilme „Das schwarze Schaf“ und „Er kann’s nicht lassen“ ist für uns natürlich Heinz Rühmann der einzig wahre Father Brown und deshalb verglich ich beim Ansehen der ersten beiden Folgen der neuen BBC-Serie „Father Brown“ Mark Williams, der den Geistlichen in der Serie spielt, auch immer mit Heinz Rühmann. Außerdem spielt die Serie in den Fünfzigern.
Der englische Film „Die seltsamen Wege des Pater Brown“ (Father Brown) von 1954 mit Alex Guiness als Priester und die TV-Serie „Father Brown“ aus den Siebzigern mit Kenneth More sind dagegen bei uns fast bis vollkommen unbekannt.
Gilbert Keith Chesterton (1874 – 1936) schrieb die fünfzig Father-Brown-Geschichten, die in fünf Büchern veröffentlicht wurden, zwischen 1911 und 1936 und gerade die Verbindung von Glaube und rationaler Verbrechensaufklärung verhalten den Geschichten zum Klassikerstaut. Denn der nach außen hin so unscheinbare Father Brown ist ein genauer Beobachter und ein Menschenkenner, der in zahlreichen Beichten zahllose Schandtaten anhören musste.
Neben den „Father Brown“-Geschichten schrieb Chesterton zahlreiche weitere Geschichten, Biographien und Essays, die in seiner Heimat auch sehr populär waren. Bei uns sind sie, auch weil sie nicht oder erst sehr spät übersetzt wurden, kaum bekannt.
In der ersten „Father Brown“-Episode, „Der Hammer Gottes“, wird während der Einweihungsfeier der neuen Glocken der Dorfkirche der allgemein unbeliebte Bruder von Pastor Wilfred mit einem Hammer erschlagen. Bevor die Polizei die Verdächtigen auseinandersortieren kann, gesteht Elizabeth Barnes, die Frau des Schmiedes, die von Norman Bohun zum Sex erpresst wurde, die Tat. Aber Father Brown zweifelt.
In „Die fliegenden Sterne“ stirbt Anne-Marie Adams. Father Brown hält einen Unfall für unwahrscheinlich, aber wer aus Anne-Maries Famile hat die Alkoholikerin getötet? Denn ihr nach langer Abwesenheit aus Nairobi gekommener Bruder, dem Father Brown am ehesten die Tat zutrauen würde, hat ein wasserdichtes Alibi.
Die TV-Serie ist sehr cozy, aber auch kurzweilig und selbstverständlich absolut unrealistisch. Denn, wie in „Inspector Barnaby“, wird in einem kleinen, abseits der Großstadt liegendem Ort, in dem sich auf den ersten Blick alle gern haben, hemmungslos gemordet.
Zwanzig Fälle wurden in England bereits gezeigt. Eine dritte Staffel, dann mit fünfzehn Fällen, ist in Arbeit. ZDFneo zeigt jetzt, immer in Doppelfolgen, die erste, aus zehn Episoden bestehende Staffel.
Am 30. Mai veröffentlicht Polyband die erste Staffel auf DVD.
Früher hätte das ZDF die Serie im Vorabendprogramm gezeigt. Aber da ermitteln inzwischen ja die verschiedenen Sokos.
mit Mark Williams (Father Brown), Sorcha Cusack (Mrs. McCarthy), Nancy Carroll (Lady Felicia), Alex Price (Sid Carter), Hugo Speer (Inspector Valentine)
Father Brown - Staffel 1 - DVD-Cover
Hinweise
BBC-Homepage zur Serie
ZDFneo über die Serie
Wikipedia über „Father Brown“ (deutsch, englisch) und Gilbert K. Chesterton (deutsch, englisch)
Kirjasto über Gilbert K. Chesterton
Alle Father-Brown-Geschichten von Gilbert K. Chesterton

G. K. Chesterton im Projekt Gutenberg (derzeit fünf Texte, zwei mit Pater Brown)