Ein neuer DC-Film und wieder ein Film aus der Welt der Superhelden, in denen uns erzählt wird, wie einer der Bösewichter aus der Superheldenwelt zum Bösewicht wird. Dieses Mal ist es Clayface. Er ist bis jetzt als Schurke aus diversen Batman-Comics (mit verschiedenen Namen und Biographien) und TV-Serien bekannt.
Sein Kinodebüt hat er jetzt in James Watkins‘ „Clayface“. Mike Flanagan und Hossein Amini schrieben das Drehbuch. Tom Rhys Harries übernahm die Hauptrolle. Er spielt den aufstrebenden Schauspieler Matt Hagens, der im Verlauf des Films zu Clayface wird; – einem Menschen, der sein Gesicht und seine Gestalt verändern kann. Matt wurde gerade für einen wichtigen Preis nominiert, ist bei allen beliebt und anscheinend kurz davor, zum internationalen Superstar zu werden. Und er kommt aus Gotham aus ärmlichen Verhältnissen. Das ist für den Film unwichtig, für die im Film präsentierten Zeitschriftengeschichten über ihn wichtig.
Während der Promotour für seinen neuen Film, trifft er in Gotham in einer Disco auf eine dunkelhaarige Schönheit.
Als er am nächsten Tag im Bett neben ihr erwacht, steht ihr Mann vor ihr: der stadtbekannte, unangreifbare Gangsterboss Markos Szabo (David Dencik). Er verunstaltet Matts Gesicht. Damit ist seine Karriere als Schauspieler vorbei. Seine Agenten lassen ihn fallen. Sein Vermögen schmilzt rapide.
Da erfährt er von einer experimentellen Therapie mit Nanozellen. Dr. Caitlyn Corr (Naomi Ackie) behandelt ihn. Die Narben verschwinden aus Matts Gesicht. Aber wie jedes Wunderheilmittel hat auch diese Therapie ihre Nebenwirkungen.
Außerdem will Matt sich an den Menschen rächen, die ihm Unrecht antaten.
„Clayface“ ist, nach „Superman“ und „Supergirl“, der dritte Film im DC Universe (DCU), das von James Gunn und Peter Safran verantwortet wird. Er gehört außerdem zum, etwas umständlich betitelten „Chapter One: Gods and Monsters films“. Clayface gehört zu den Monstern. Immerhin ermordet der Antiheld während des Films, zunehmend kaltblütig, einige Menschen. Wie es mit ihm im DC Universe weitergeht, ist unklar. Im Moment ist „Clayface“ in jeder Beziehung ein Einzelfilm, für den man absolut nichts über Gotham und die DCU-Welt wissen muss.
Im Gegensatz zu den quietschbunten ersten beiden DCU-Filmen ist „Clayface“ ein Bodyhorrorfilm mit einem für einen Superheldenfilm extrem niedrigen Budget von irgendetwas zwischen 30 und 44 Millionen US-Dollar. Das ist ein Budget, das Experimente erlaubt und immer noch für einen Gewinn an der Kinokasse sorgen sollte. Entsprechend eklig sind viele der Horrorszenen. Es ist auch ein Film ohne große Stars und ohne epische Schlachten. Ein Kampf in einer Disco beeindruckt vor allem dadurch, dass Matt ständig seine Gestalt verändert. Dafür wird er von verschiedenen Schauspielern gespielt.
Diese Gestaltwandler-Fähigkeit ist eine Nebenwirkung der von Corr bei ihm angewandten Therapie, die irgendetwas mit Nanozellen zu tun hat. Es ist auch eine Fähigkeit, deren Wirkungsweise im Film mal so, mal so funktioniert. Einmal kommt sie zufällig, einmal wenn er wütend ist (dann verwandelt sich sein Gesicht in das Gesicht der Person auf die er wütend ist) und dann kann er die Verwandlung steuern. Beispielsweise in der eben erwähnten Disco-Szene. Letztendlich setzen Flanagan, Amini und Watkins Matts Gestaltwandler-Fähigkeit nach Belieben und vollkommen willkürlich ein. Für Spannung sorgt das nicht, weil Matt, wenn er in Gefahr ist, einfach seine Gestalt ändert und so aus jeder brenzligen Situation entkommenn kann.
Matt selbst ist – und das ist ein durchgängiges Problem aller Superbösewichter-Origin-Geschichten – kein sympathischer Charakter. Nicht am Anfang, nicht am Ende und auch nicht dazwischen. Er ist eine eindimensionale Figur, die im Verlauf des Films keine Wandlung erfährt. Er ändert sich nicht. Er ist böse. Er hat keinen moralischen Konflikt. Er fragt sich nie, ob er dieses oder jenes tun soll, ob er etwas lernt aus seinen Erfahrungen und ob er ein besserer Mensch werden möchte. Er fragt sich nie, wie er mit seiner Veränderung umgeht. Darum ging es beispielsweise in „Die Fliege“ (David Cronenberg zeigt in seiner Version, wie ein Mensch und eine Fliege zu einem neuen Wesen werden) oder in Sam Raimis „Darkman“. ‚Clayface‘ Matt Hagens will sich einfach nur rächen an den Menschen, die ihm sein Aussehen, seine Karrieren und sein Geld stahlen. Anfangs geschehen seine Morde eher zufällig, später geplant. Dabei haben Szabos Handlanger ebenfalls den Tod verdient.
Diese Rachegeschichte erzählt James Watkins durchaus effektiv, aber auch strikt entlang der bekannten Storykonventionen.

Clayface (Clayface, Großbritannien/UUSA 2026)
Regie: James Watkins
Drehbuch: Mike Flanagan, Hossein Amini (nach einer Geschichte von Mike Flanagan, basierend auf Figuren aus dem DC-Universum)
mit Tom Rhys Harries, Naomi Ackie, David Dencik, Max Minghella, Eddie Marsan, Nancy Carroll, Joshua James
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Clayface“
Wikipedia über „Clayface“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von James Watkins‘ „McMafia – Staffel 1“ (McMafia, Großbritannien 2018)
Meine Besprechung von James Watkins‘ „Speak no evil“ (Speak no evil, USA 2024)
Meine Besprechung von James Gunns „Superman“ (Superman, USA 2025)
Meine Besprechung von Craig Gillespies „Supergirl“ (Supergirl, USA 2026)