Neu im Kino/Filmkritik: Ein Titel, der alles sagt: „Der Teufel trägt Prada 2“

April 30, 2026

Ein Satz für die Fans des ersten Teils, die nichts über den Film wissen wollen (aber in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten jeden Informationskrümel begierig aufsogen und interpretierten): wenn euch „Der Teufel trägt Prada“ gefallen hat, dürfte euch auch „Der Teufel trägt Prada 2“ gefallen.

Nach dem Trailer geht es weiter für die Menschen, die etwas mehr wissen möchten.

 

Vor zwanzig Jahren war „Der Teufel trägt Prada“ mit Meryl Streep als Miranda Priestly, einem Boss aus der Hölle, ein Überraschungserfolg. Gute Schauspieler, neben Streep sind Anna Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci und Simon Baker (hier in seiner Vor-“The Mentalist“-Zeit noch ziemlich unbekannt) dabei, flotte Inszenierung, Humor, minimaler Tiefgang zwischen Liebe und Beruf, und Schauwerte. Jedenfalls für den Teil der Bevölkerung, der den Unterschied zwischen Gucci und Prada kennt.

Jetzt kommt die Fortsetzung in die Kinos. Schon während der Dreharbeiten wurde heftig die Werbetrommel gerührt. Anna Hathaway, Meryl Streep, Stanley Tucci und Emily Blunt übernahmen wieder die Hauptrollen. Kenneth Branagh als liebevoller Ehemann von Miranda (wie wir aus dem Film erfahren) und Violonist und Komponist (wie wir aus dem Presseheft erfahren), Justin Theroux, B. J. Novak und Lucy Liu gehören zu den prominenten Neuzugängen. Ihre Rollen sind teils sehr kurz. Auf Empfängen gibt es dazu noch einige Cameos, die hier nicht verraten werden. Die Story wirkt im ersten Moment wie eine neue Geschichte, die sich fundamental von der Geschichte von „Der Teufel trägt Prada“ unterscheidet und gleichzeitig die vertrauten und gelungenen Elemente des ersten Films beibehält. „Der Teufel trägt Prada 2“ behält auch die nicht gelungenen Teile des ersten Films bei. Die Story selbst wiederholt, wie man mit zunehemender Laufzeit bemerkt, mit kleinsten Variationen die Story des erstens Teils, minus der Entwicklungsgeschichte von Andy Sachs. Schließlich kennt sie die Modezeitschrift Runway und die dort arbeitenden Menschen.

Dorthin kehrt die Investigativ-Journalist nach zwanzig Jahren zurück. Gerade hat sie einen Preis für ihre Arbeit bekommen und, wie ihre Kollegen, ihren Job bei der Zeitung verloren. Gleichzeitig wird das Modemagazin Runway heftig für eine Story kritisiert, in der die schlechten Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Luxuskleidern nicht angesprochen wurden. Andy soll jetzt den, uh, guten Ruf der Zeitschrift wieder herstellen.

Andy nimmt den fabelhaft dotierten Job an und wieder ist Miranda Priesley ihre Chefin. Sie trifft wieder auf Emily Charlton (Emily Blunt), die inzwischen in der Modewelt einen anderen Job und einen vermögenden Freund hat. Bei einer Wohnungsbesichtigung trifft Andy auf einen netten Mann, der zufälligerweise auch der Vermieter der Nobelwohnungen ist (Remember Simon Baker? Nur etwas anders.). Sie muss für Miranda ein Interview mit einer Frau organisieren, die keine Interviews gibt (Remember die Harry-Potter-Episode?). Wieder wählt Nigel Kipling (Stanley Tucci) die Kleider für sie aus. Dazwischen gibt es Bilder von Empfängen und Modeschauen und bedeutungsschwangere Auftritte, Wagenkolonnen und Sonnenbrillen. Dazwischen gibt es, wie schon im ersten Film, einen Kampf um die Zukunft des Modemagazin und um Mirandas Chefposten.

Wie schon im ersten Teil wird jede Spur von Tiefgang vermieden. Wieder wird elliptisch erzählt. Die Figuren, vor allem Andy, simulieren Arbeit ohne zu arbeiten. Irgendwann werden dann Ergebnisse präsentiert.

Das führt dazu, dass man vieles einfach so hinnehmen muss. Andy kann den Ruf des Magazins mit einem Meinungsartikel retten, in dem sie sich für die Arbeit ihres Vorgängers entschuldigt und ankündigt, jetzt werde alles besser. Andy kann das Interview mit der Person, die keine Interviews gibt, organisieren. Miranda ist selbstverständlich immer bestens informiert. Und die Schlacht um die Zukunft des Modemagazins bleibt immer an der Oberfläche.

Das ist alles, wie im ersten „Der Teufel trägt Prada“-Film.

Neu ist, dass Miranda Priestly etwas menschlicher wird. Sie zeigt mehr Gefühle und verändert, notgedrungen, einiges in ihrem Leben. Mehr Tiefe erhält sie aber nicht.

Andy Sachs – und das ist ziemlich nervig – benimmt sich nicht wie eine gestandene Journalistin mit nun über zwanzig Jahren Berufserfahrung, die für ihre Reportagen Journalistenpreise erhielt, sondern wie eine überaus naive und unsichere Berufsanfängerin vor ihrem ersten Job als Teenager in einem Fastfood-Restaurant. Sogar bei ihrem ersten Gespräch vor zwanzig Jahren mit der ihr in dem Moment vollkommen unbekannten Miranda Priestly (eine der ikonischen Szenen des ersten Films) trat sie souveräner auf. Jetzt mutierte sie zum kieksenden Teenager.

Der Teufel trägt Prada 2“ gehört zu den Fortsetzungen, die wissen, warum der erste Film erfolgreich war und der genau diese Momente nachstellen. Mit kleinen Variationen wird, ohne die Qualität des ersten Films zu erreichen, noch einmal der gleiche Film für die Zielgruppe präsentiert.

Wer dieses Gefühl allumfassender Nostalgie haben will, wird „Der Teufel trägt Prada 2“ lieben.

Der Teufel trägt Prada 2 (The Devil wears Prada, USA 2026)

Regie: David Frankel

Drehbuch: Aline Brosh McKenna (basierend auf von Lauren Weisberger erfundenen Figuren)

mit Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci, Justin Theroux, Lucy Liu, Kenneth Branagh, B.J. Novak, Simone Ashley, Tracie Thoms, Tibor Feldman, Patrick Brammall, Caleb Hearon, Helen J. Shen

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Der Teufel trägt Prada 2“

Metacritic über „Der Teufel trägt Prada 2“

Rotten Tomatoes über „Der Teufel trägt Prada 2“

Wikipedia über „Der Teufel trägt Prada 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von David Frankels „Verborgene Schönheit” (Collateral Beauty, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: „F1 – Der Film“ über im Kreis fahrende Männer

Juni 26, 2025

Ruben Cervantes (Javier Bardem) bittet Sonny Hayes (Brad Pitt) um Hilfe. Vor dreißig Jahren fuhren sie in der Formel 1. Ein Unfall beendete Sonnys Karriere und verschaffte ihm den hämischen Namenszusatz „Der Beste, der es niemals geschafft hat“. Seitdem schlägt Sonny sich auf anderen Rennstrecken durch’s Leben. Für ihn ist die Welt in Ordnung, solange er Rennen fahren kann.

Ruben leitet den Formel1-Rennstall APXGP, der in dieser Saison mit seinem neuen Fahrer Joshua Pearce (Damson Idris) und einem neuen Rennwagen nur durch seinen absolut schlechten Punktestand auffällt. Wenn sie in der zweiten Hälfte der Rennsaison nicht endlich Rennen gewinnen, ist Ruben am Ende der Saison seinen Job und sein Unternehmen los. Sonny soll das verhindern. Nicht als Berater, sondern als Fahrer. Er wäre damit der mit Abstand älteste Fahrer in der Formel 1.

Sonny nimmd das Angebot an. So könnte er endlich wieder in der Formel 1 fahren und, mit etwas Glück endlich die Hoffnungen, die vor dreißig Jahren in ihn gesteckt wurden, erfüllen.

Nach diesem Set up entwickelt sich Joseph Kosinskis neuer Film „F1 – Der Film“ in jeder Sekunde exakt so, wie man es erwartet und wer möchte, kann schnell die mehr oder weniger deutlich verarbeiteten aktuellen Vorbilder herunterbeten. Der altbekannte Plot kann mühelos als „’Top Gun: Maverick‘ im Formel-1-Milieu“ interpretiert werden. Beide Male zeigt ein alter Hase den Jüngeren, was in ihm steckt. Beide Male hat der alte Hase ein lockeres Verhältnis zu den Regeln. Beide Male steht er vor einer ziemlich unmöglichen Mission. Und beide Male inszenierte Kosinski, nach einem Drehbuch von Ehren Kruger, den Film. „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“, „Rush“ und die beiden mit Aufnahmen von realen Rennen punktenden Rennfahrerfilmklassiker „Grand Prix“ und „Le Mans“ sind weitere ebenso offensichtliche wie unhintergehbare Referenzfilme. Auch „F1“-Regisseur Joseph Kosinski und sein Team scheuten keine Mühen, um hochauflösende Kameras zu erfinden und so in den Rennautos zu platzieren, dass überzeugende Aufnahmen von echten Rennsituationen entstehen konnten. Teils werden im Film von Formel-1-Fahrern während echter Rennen aufgenommene Bilder verwendet. Diese Bilder sollen beim Publikum, das den Film auch im IMAX ansehen kann, das Gefühl erzeugen, in einem Formel-1-Auto über die Rennstrecke zu brettern. Das gelingt, auch wenn diese Aufnahmen, weil alles im Rausch der Geschwindigkeit verschwimmt, teils eher an Computerbilder erinnern. Bei einigen Rennen wird auch etwas zu oft geschnitten. Der siebenfache Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton gehört zu den Produzenten des Films. Er öffnete Türen, die einen umfassenden Dreh im Rahmen der echten Formel-1-Rennen erlaubten.

Aber im Gegensatz zu den schon erwähnten, auf wahren Geschichten beruhenden und nah an der Realität entlang erzählten Rennfahrerfilmen „Rush“ und „Le Mans 66 – Gegen jede Chance“ kümmert sich „F1“ zugunsten des Spektakels nicht um die Hintergründe. Training und das langwierige Arbeiten am Fahrzeug, um Zehntelsekunden herauszuholen, werden galant ignoriert. Das fällt, nachdem in einer Szene angestrengt auf Computerbildschirme gestarrt wurde, wie Manna vom Himmel. Ebenso wird das Qualifying ignoriert. Irgendwann stehen die Rennautos in einer bestimmten Reihenfolge am Start. Die beiden APXGP-Fahrer stehen dann auf den letzten beiden Startpositionen, weil sie uns als das Verliererteam vorgestellt wurden. Nach dem Start provoziert und rammt Sonny die anderen Fahrer so rücksichtslos von der Strecke, dass er wahrscheinlich schon während der ersten beiden Runden gegen alle geschriebenen und ungeschriebenen Regeln verstößt. Das ist natürlich vollkommen unrealistisch, aber im Kinosessel sehr vergnüglich anzusehen. Vor allem wenn der immer noch erschreckend jugendliche Brad Pitt als sympathischer Agent des Chaos fungiert.

Dass die Formel 1 eine riesengroße kommerzielle Veranstaltung ist, findet ihren Niederschlag nur in omnipräsenten Firmenlogos und dem Hinweis im Abspann, dass es im Film Product Placement gibt.

Die Authentizität beim Dreh, Kosinskis schlackenfreie Inszenierung, die überzeugenden Schauspieler und der präzise Schnitt machen den Film trotz vorhersehbarer Geschichte, bestenfalls rudimentär gezeichneten Klischeefiguren und einer Länge von 156 Minuten, zu einem atemberaubendem, kurzweiligem und kompetent gemachtem Stück wirklichkeitsfernem Blockbuster-Kino.

F1“ ist bei den aktuellen sommerlichen Temperaturen genau der richtige Film für einen langen Besuch in einem gut gekühltem Kino.

F1 – Der Film (F1 – The Movie, USA 2025)

Regie: Joseph Kosinski

Drehbuch: Ehren Kruger (nach einer Geschichte von Joseph Kosinski und Ehren Kruger)

mit Brad Pitt, Kerry Condon, Javier Bardem, Damson Idris, Shea Whigham, Simone Ashley, Tobias Menzies, Liz Kingsman, Lewis Hamilton, Kim Bodnia

Länge: 156 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „F1 – Der Film“

Metacritic über „F1 – Der Film“

Rotten Tomatoes über „F1 – Der Film“

Wikipedia über „F1 – Der Film“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „Oblivion“ (Oblivion, USA 2013)

Meine Besprechung von Joseph Kosinskis „No Way Out – Gegen die Flammen“ (Only the Brave, USA 2017)

Meine Besprechung von Joseph Kosinkis „Top Gun: Maverick“ (Top Gun: Maverick, USA 2022)