TV-Tipp für den 2. Januar: Die glorreichen Sieben

Januar 1, 2022

RTL, 22.05

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)

Die friedlichen Farmer von Rose Creek heuern sieben Revolverhelden an. Sie sollen sie gegen eine skrupellosen Minenbesitzer und seine gesetzlosen Handlanger beschützen.

Überaus gelungene und hundertfünfzigprozentig eigenständige Neuadaption von „Die sieben Samurai“, die schon einmal als Western geremaked wurden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer

Wiederholung: Montag, 3. Januar, 03.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Die glorreichen Sieben“

Metacritic über „Die glorreichen Sieben“

Rotten Tomatoes über „Die glorreichen Sieben“

Wikipedia über „Die glorreichen Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Joel Coens „Macbeth“

Dezember 27, 2021

Die Geschichte von Macbeth, diesem Feldherren, dem drei Hexen die Königswürde prophezeien, und der sich danach, zusammen mit seiner Frau, zum König von Schottland morden will, dürfte bekannt sein. Auch ihr tödliches Ende. William Shakespeare erzählte sie in einem Theaterstück. Die autoritative Textfassung erschien, sieben Jahren nach seinem Tod, 1623. Setidem gehört das Drama zum festen Theaterrepertoire und wurde auch unzählige Male verfilmt. Die bislang letzte, äußerst bildgewaltig Kinoverfilmung ist von Justin Kurzel mit Michael Fassbender als Macbeth. Frühere, heute noch bekannte Verfilmungen sind von Roman Polanski, Akira Kurosawa (als „Das Schloss im Spinnwebwald“) und Orson Welles. Seine Verfilmung stand eindeutig Pate für Joel Coens neue „Macbeth“-Verfilmung, die auch gleichzeitig sein Solo-Regiedebüt ist. Alle seine anderen Filme inszenierte er mit seinem Bruder Ethan.

Joel Coen inszenierte seine extrem expressionistisch stilisierte „Macbeth“-Version, wie Orson Welles, in einem Studio in Schwarzweiß im 4:3-Bildformat. Die Dialoge kürzte er nur leicht. Seine Frau Frances McDormand übernahm die Rolle der Lady Macbeth. Sie spielte diese Rolle bereits 2016 in einer Produktion des Berkeley Repertory Theatre und sie schlug ihm das Projekt vor. Denzel Washington spielt Macbeth. Die Bildgestaltung übernahm Bruno Delbonnel („Inside Llewyn Davis“), das Szenenbild Stefan Dechant, die Kostüme sind von Mary Zophres und die Musik ist von Carter Burwell. Sie alle haben schon mit den Coen-Brüdern zusammen gearbeitet und sie trugen jetzt auch einen Teil zum Gelingen von „Macbeth“ bei.

Entstanden ist eine visuell brillante, sehr düstere, zum depressiven Wahnsinn neigende „Macbeth“-Version. Für Shakespeare-Fans ist das unbedingt sehenswert.

Andere Zuschauer sollten sich überlegen, wie groß ihre Toleranz für prächtig aussehende Theaterkulissen und Shakespeare-Dialoge ist. Das gilt auch für Fans der Coen-Brüder. Denn die typischen Stilelemente und der Humor der Coens fehlen hier fast vollständig. Obwohl „Macbeth“ eine ziemlich schwarzhumorige und bitterböse Geschichte ist, die für ihre Figuren immer wieder die schlimmstmögliche Wendung nimmt. Trotzdem wollte Joel Coen hier keinen typischen Coen-Film inszenieren. Er wollte das Shakespeare-Stück möglichst originalgetreu verfilmen und dabei die Beschränkungen eines von der Bühne abgefilmten Theaterstücks überwinden. Das ist ihm gelungen.

Macbeth (The Tragedy of Macbeth, USA 2021)

Regie: Joel Coen

Drehbuch: Joel Coen

LV: William Shakespeare: Macbeth, 1611/1623 (ursprünglich „The Tragedy of Macbeth“) (Macbeth)

mit Denzel Washington, Frances McDormand, Bertie Carvel, Alex Hassell, Corey Hawkins, Harry Melling, Brendan Gleeson, Kathryn Hunter, Moses Ingram

Länge: 105 Minuten

FSK: ? (dürfte aber mit Kulturbonus in Richtung FSK-12 gehen)

Jetzt in einigen Kinos und ab 14. Januar 2022 weltweit auf Apple TV+

Hinweise

Moviepilot über „Macbeth“

Metacritic über „Macbeth“

Rotten Tomatoes über „Macbeth“

Wikipedia über „Macbeth“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Bill Green/Ben Peskoe/Will Russell/Scott Shuffitts „Ich bin ein Lebowski, du bist ein Lebowski – Die ganze Welt des Big Lebowski“ (I’m a Lebowski, you’re a Lebowski, 2007)

Meine Besprechung von Michael Hoffmans “Gambit – Der Masterplan” (Gambit, USA 2012 – nach einem Drehbuch von Joel und Ethan Coen)

Meine Besprechung des Coen-Films „Blood Simple – Director’s Cut“ (Blood Simple, USA 1984/2000)

Meine Besprechung des Coen-Films “Inside Llewyn Davis” (Inside Llewyn Davis, USA/Frankreich  2013)

Meine Besprechung des Coen-Films „Hail, Caesar!“ (Hail, Caesar!, USA/Großbritannien 2016)

Die Coen-Brüder in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 30. November: The Equalizer

November 29, 2021

Nitro, 22.15

The Equalizer (The Equalizer, USA 2014)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)

Als ihr Zuhälter eine junge Prostituierte brutal zusammenschlägt, beschließt Robert McCall, dem Schläger eine Lektion zu erteilen. Die Sache läuft dann aus dem Ruder.

Spannender Actionthriller, der nur sehr lose von der gleichnamigen TV-Serie inspiriert ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Marton Csokas, Chloë Grace Moretz, David Harbour, Haley Bennett, Bill Pullman, Melissa Leo, David Meunier, Johnny Skourtis, Alex Veadov

Wiederholung: Donnerstag, 2. Dezember, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „The Equalizer“

Metacritic über „The Equalizer“

Rotten Tomatoes über „The Equalizer“

Wikipedia über „The Equalizer“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)

Meine Besprechung von „The Equalizer – Staffel 1“


TV-Tipp für den 23. November: Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit

November 22, 2021

Kabel Eins, 22.25

Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit (Out of Time, USA 2003)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: David Collard

Matt Whitlock schiebt als Polizeichef von Banyan Key eine ruhige Kugel in dem Sunshine State Florida. Seine verheiratete Geliebte Ann verzuckert seinen Alltag. Als sie unheilbar an Krebs erkrankt und ihn als Begünstigten in ihre Lebensversicherung einsetzt, will er ihr helfen. Er gibt ihr die seinem Polizeisafe gebunkerte halbe Million Dollar Drogengeld. Wenige Stunden später sind sie und ihr Mann tot. Sie wurden ermordet und anschließend verbrannt. Whitlocks Ex Alex leitet die Ermittlungen. Alle Beweise deuten auf den unbekannten Geliebten als Mörder. Matt Whitlock muss daher das Komplott aufdecken, bevor er als Mörder verhaftet wird.

Für Genre-Junkies ist der wunderschön entspannte Florida-Noir-Thriller „Out of Time – Sein Gegner ist die Zeit“ ein Festschmaus.

Collard schrieb ein wendungsreiches, kunstvoll die Balance zwischen Tradition und Innovation haltendes, Drehbuch. Franklin setzte es punktgenau um. Das Ensemble, angeführt von dem immer guten Denzel Washington, spielte genussvoll auf. Gerade die vielen Nebendarsteller, wie der Pathologe (als Sidekick des Helden ist er natürlich sehr wichtig), die Untergebenen von Alex und Matt, die DEA-Agenten, der Hotelchef und die ältere Zeugin, hatten prächtige Auftritte. Die Stuntmen durften vor allem bei einem Kampf auf Leben und Tod an einem Balkongitter im siebten Stock eines Hotels ihr Können zeigen. Die Aufnahmen Florida, besonders der Sonnenuntergängen, sind traumhaft und die Musik von Graeme Revell gibt allem einen entspannt-südamerikanischen Touch.

Mit Denzel Washington, Eva Mendes, Sanaa Lathan, Dean Cain, John Billingsley

Wiederholung: Mittwoch, 24. November, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über”Out of Time”

Wikipedia über „Out of Time“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Cop Denzel Washington entdeckt „The little Things“

Juli 8, 2021

Kleinstadt-Cop Joe ‚Deke‘ Deacon (Denzel Washington) fährt von Kern County nach Los Angeles. Er soll einige Beweismittel abholen. Dort, nach einer zweieinhalbstündigen Autofahrt, trifft der Mann mit dem Blick für Details auf seine alten, ihn betont reserviert begrüßende Kollegen (sein Abschied war wohl etwas problematisch), seinen strebsamen Nachfolger, Sergeant Jim Baxter (Rami Malek), und einen Mordfall, der ihn an einige andere Fälle erinnert. Baxter bittet ihm, gegen den Rat seiner Kollegen, um Mitarbeit in dem Serienkillerfall und der gestandene Krimifan fragt sich, ob die Welt wirklich noch einen weiteren Serienkillerthriller benötigt. In den neunziger Jahren waren sie, beginnend mit „Das Schweigen der Lämmer“, fortgesetzt mit unzähligen Variationen, wenige sehr gelungene, wie „Se7en“, etliche okaye, wie „Copykill“ („Copycat“) und „Der Knochenjäger“ („The Bone Collector“, ebenfalls mit Denzel Washington), ein Trend im Kino, in dem die Morde, die Motive und auch die Täter immer exzentrischer wurden. Seitdem sind sie vor allem in TV-Krimis zu finden.

Da wirkt „The little Things“ wie ein weiterer, mindestens zwanzig Jahre zu spät kommender Nachklapp. Aber in diesem Fall ist es etwas anders. Denn Regisseur John Lee Hancock schrieb das Drehbuch für die 1990 spielende Geschichte bereits in den frühen Neunziger. Verschiedene Versuche, es zu verfilmen, unter anderem mit Clint Eastwood, scheiterten. Warum es gerade jetzt gelang, ist etwas rätselhaft. Der Plot folgt brav den inzwischen sattsam vertrauten Konventionen und der spätestens seit „Se7en“ etablierten Idee, einen älteren, erfahrenen, illusionslosen Ermittler und einen jungen, unerfahrenen, naiven, in diesem Fall christlich überzeugten Ermittler, gemeinsam ermitteln zu lassen. Etwas überraschend in Hancocks ruhig erzähltem Film ist, wie sehr die Ermittler sich auf die Arbeit des Kriminallabors verlassen. Das wurde erst 2000 mit den zahlreichen „CSI“-TV-Serien zu einem Standard im Genre.

Der Mörder, oder, um jetzt nichts zu spoilern, den Mann, den Deacon und Baxter für den Täter halten, ist ein intelligenter Psychopath mit Charles-Manson-Gedächtnisfrisur. Gespielt wird Albert Sparma von Jared Leto angenehm bedrohlich. Also mehr so bedrohlich wie der nervige, ständig aus dem Fenster stierende, wahrscheinlich illegale Drogen konsumierende Nachbar und weniger wie der mörderisch-axtschwingende Nachbar.

Hancock ist mit Filmen wie „Blind Side – Die große Chance“, „Saving Mr. Banks“ und „The Founder“ vor allem als Schauspielerregisseur und nicht als Thriller-Regisseur aufgefallen. Wobei auch in dem Neo-Noir „The little Things“ der Fokus nicht auf der eigentlich nicht vorhandenen Action und dem kaum vorhandenen Thrill liegt. Viel mehr interessiert er sich für seine Figuren. Er zeigt sie auch in ihrer Freizeit und mit ihrer Familie und ihren Freunden. Den Fall entwickelt er äußerst geduldig, Schritt für Schritt und mit einem Blick auf die titelgebenden Kleinigkeiten.

Das ist nicht schlecht. Aber letztendlich bleibt alles zu sehr in den inzwischen zweihundertprozentig etablierten Genrestandards (das war 1993 anders), um wirklich zu begeistern. Die immer wieder eingestreuten christlichen Symbole, Kreuze, Kirchtürme und Gebete deuten eine christlich konnotierte Behandlung von Schuld und Sühne an, ohne dass sie in der Filmgeschichte konsequent vertieft wird. So ist „The little Things“, nach all den Serienkillerthrillern der vergangenen Jahrzehnte ein überflüssiger Nachklapp.

The little Things (The little Things, USA 2021)

Regie: John Lee Hancock

Drehbuch: John Lee Hancock

mit Denzel Washington, Rami Malek, Jared Leto, Natalie Morales, Terry Kinney, Chris Bauer, Josis Jarsky, Isabel Arraiza, Michael Hyatt

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The little Things“

Metacritic über „The little Things“

Rotten Tomatoes über „The little Things“

Wikipedia über „The little Things“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „Saving Mr. Banks“ (Saving Mr. Banks, USA/Großbritannien/Australien 2013)

Meine Besprechung von John Lee Hancocks „The Founder“ (The Founder, USA 2016)

 


TV-Tipp für den 12. Juni: Teufel in Blau

Juni 11, 2021

ZDFneo, 22.00

Der Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Während Mosley in den USA regelmäßig neue Romane (auch mit Easy Rawlins) veröffentlich, sind die deutschen Verlage wieder ausgestiegen.

Am 8. Juli 2021 läuft Denzel Washingstons neuer Film, der Neo-Noir-Serienkillerthriller „The little Things“ (Regie: John Lee Hancock, nach seinem Drehbuch), bei uns an.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teufel in Blau“

Wikipedia über „Teufel in Blau“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Easy Rawlins

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)


TV-Tipp für den 14. April: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

April 13, 2021

Nitro, 20.15

Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)

In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.

Für das Update des 1973er Thriller-Klassikers „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ von Joseph Sargent, nach einem Drehbuch von Peter Stone, mit Walter Matthau, Robert Shaw und Martin Balsam musste Brian Helgeland nicht viel tun. Denn Romanautor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen. Tony Scott bebilderte dann das ganze mit einer für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltenden Regie.

Aber während die 1973er-Version immer noch thrillt, bedient Scott einfach nur ziemlich glatt und damit auch vorhersehbar-langweilig die Spannungsmachinerie. Es ist nicht wirklich Falsches in „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“, aber auch nichts, was zum wiederholten Ansehen reizt.

Danach, um 22.00 Uhr, zeigt Nitro den Entführungsthriller „Mann unter Feuer“ (USA 2004). Ebenfalls von Tony Scott und ebenfalls mit Denzel Washington. Aber nicht so gelungen.

mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini

Wiederholung: Donnerstag, 15. April, 00.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Rotten Tomatoes über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Wikipedia über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Godeys „Abfahrt Pelham 1 Uhr 23“ (The Taking of Pelham One Two Three, 1973)

„The Taking of Pelham 123“ in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 10. Februar: Unstoppable – Außer Kontrolle

Februar 9, 2021

Kabel 1, 20.15

Unstoppable – Außer Kontrolle (Unstoppable, USA 2010)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Mark Bomback

Zugfahren mit „Last Boy Scout“ Tony Scott: nach „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ lässt Tony Scott in seinem letzten Spielfilm den feuchten Traum jedes Trassenküssers wahr werden: ein Zug mit sehr gefährlicher Ladung donnert im Affentempo auf sein Ziel zu. Nur zwei Männer wissen, wie man die Superduperkatastrophe verhindern kann. Sie besteigen den fahrenden Zug.

„Unstoppable“ basiert auf wahren Ereignissen. Aber die Macher haben sich einige spannungsfördernde Freiheiten genommen.

mit Chris Pine, Denzel Washington, Rosario Dawson

Wiederholung: Donnerstag, 11. Februar, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Unstoppable – Außer Kontrolle”

Rotten Tomatoes über “Unstoppable – Außer Kontrolle”

Wikipedia über “Außer Kontrolle” (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 4. Januar: Die glorreichen Sieben

Januar 3, 2021

ZDF, 22.15

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven, USA 2016)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto (basierend auf dem Drehbuch von Akira Kurosawa, Shinobu Hashimoto und Hideo Oguni)

Die friedlichen Farmer von Rose Creek heuern sieben Revolverhelden an. Sie sollen sie gegen eine skrupellosen Minenbesitzer und seine gesetzlosen Handlanger beschützen.

Überaus gelungene und hundertfünfzigprozentig eigenständige Neuadaption von „Die sieben Samurai“, die schon einmal als Western geremaked wurden.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer

Hinweise

Moviepilot über „Die glorreichen Sieben“

Metacritic über „Die glorreichen Sieben“

Rotten Tomatoes über „Die glorreichen Sieben“

Wikipedia über „Die glorreichen Sieben“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „The Equalizer 2“ (The Equalizer 2, USA 2018)


TV-Tipp für den 20. März: Inside Man

März 19, 2020

RTL II, 20.15

Inside Man (Inside Man, USA 2006)

Regie: Spike Lee

Drehbuch: Russell Gewirtz

Dalton Russell überfällt eine Wall-Street-Bank. Schnell wird sie von der Polizei umzingelt und Detective Keith Frazier beginnt mit den Verhandlungen. Spätestens als Madaline White als Unterhändlerin des Bankgründers auftaucht und sich in die Verhandlungen einmischt, weiß er, dass er es nicht mit einem normalen Banküberfall zu tun hat.

„‘Inside Man’ ist ein typischer Spike-Lee-Film, insofern er in jeder Sekunde ein bisschen mehr ist al ein reiner Genrefilm. Er macht böse Witze ebenso über den kulturellen Reichtum New Yorks wie über Post-9/11-Paranoia und War-on-Terror-Vorurteile. Er analysiert die Mechanik der Macht, verbindet sie mit gesellschaftlicher Hierarchie und bricht sie an der Politik der Hautfarben.“ (Alexandra Seitz: Inside Man, in Gunnar Landsgesell/Andreas Ungerböck, Hrsg.: Spike Lee, 2006)

Ein feiner Thriller

mit Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Willem Dafoe, Chiwetel Ejiofor, Christopher Plummer

Hinweise

Wikipedia über „Inside Man“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über “Inside Man”

Drehbuch “Inside Man” von Russel Gewirtz (Fassung vom 17. Januar 2005)

Meine Besprechung von Spike Lees „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“ (Miracle at St. Anna, USA/Italien 2008)

Meine Besprechung von Spike Lees “Oldboy” (Oldboy, USA 2013)

Meine Besprechung von Spike Lees „BlacKkKlansman“ (BlacKkKlansman, USA 2018)


TV-Tipp für den 4. Dezember (+ Buchtipp): Der Knochenjäger

Dezember 3, 2019

Kabel 1, 20.15

Der Knochenjäger (The Bone Collector, USA 1999)

Regie: Philip Noyce

Drehbuch: Jerome Iacone

LV: Jeffery Deaver: The bone collector, 1997 (Die Assistentin, Der Knochenjäger)

Der fast vollständig gelähmte Superdetektiv Lincoln Rhyme sucht mit seinem Assistenten, der Streifenpolizistin Amelia Donaghy, einen Serienkiller.

Nach all den grandiosen Serienkiller-Filmen der neunziger Jahre ist der Whodunit „Der Knochenjäger“ ziemlich langweilige Kost. Der Roman ist eine andere Angelegenheit.

Mit Denzel Washington, Angelina Jolie, Ed O´Neill, Michael Rooker, Queen Latifah, Luis Guzman

Wiederholung: Donnerstag, 5. Dezember, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Frisch aus der Druckerpresse

Der Todbringer“ heißt der gerade auf Deutsch erschienene vierzehnte Lincoln-Rhyme-Thriller. Dieses Mal suchen der immer noch bettlägerige Lincoln Rhyme und seine die Tatorte besichtigende Assistentin Amelia Sachs einen Killer, der Liebespaare in ihren glücklichsten Momenten ermordet. So schnitt der Killer einem jungen Liebespaar und einem Diamanthändler in seinem Geschäft die Kehlen durch. Die Diamanten ließ er am Tatort liegen.

Das klingt nach gewohnt spannender Unterhaltung von Deaver mit seinen beiden bekanntesten Figuren.

Außerdem wird es wieder eine Lincoln-Rhyme-Verfilmung geben. Beginnend mit „Der Knochenjäger“ verfilmt NBC mit Russell Hornsby und Arielle Kebbel Deavers Romane als TV-Serie. „Lincoln Rhyme: Hunt for the Bone Collector“ startet am Freitag, den 10. Januar 2020, im US-TV und wenn die Knochen eingesammelt sind, wissen wir auch, ob Lincoln Rhyme und Amelia Sachs im TV weiter ermitteln dürfen.

Jeffery Deaver: Der Todbringer

(übersetzt von Thomas Huafschild)

Blanvalet, 2019

576 Seiten

20 Euro

Originalausgabe

The cutting Edge (Lincoln Rhyme 14)

Grand Central Publishing, 2018

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Knochenjäger”

Wikipedia über “Der Knochenjäger” (deutsch, englisch)

Homepage von Jeffery Deaver

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche Ein James-Bond-Roman” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Angebetete“ (XO, 2012)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Todeszimmer“ (The Kill Room, 2013)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. November: Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

November 21, 2019

Tele 5, 20.15

Die Entführung der U-Bahn Pelham 123 (The Taking of Pelham 123, USA 2009)

Regie: Tony Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: John Godey: The Taking of Pelham One Two Three, 1973 (Abfahrt Pelham 1 Uhr 23)

In New York nehmen Gangster die Passagiere einer U-Bahn als Geisel. Sie fordern binnen einer Stunde 10 Millionen Dollar Lösegeld. Ein Fahrdienstleiter beginnt mit den Verhandlungen.

Für das Update des 1973er Thriller-Klassikers „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ von Joseph Sargent, nach einem Drehbuch von Peter Stone, mit Walter Matthau, Robert Shaw und Martin Balsam musste Brian Helgeland nicht viel tun. Denn Romanautor John Godey hat sich eine ebenso einfach, wie spektakuläre Story ausgedacht. Da musste Brian Helgeland nur der Story folgen und aus den vielen im Buch auftretenden Charakteren (die so auch ein Bild der US-amerikanischen Gesellschaft in den frühen Siebzigern entstehen lassen) die für einen Film wichtigen auswählen. Tony Scott bebilderte dann das ganze mit einer für seine Verhältnisse angenehm zurückhaltenden Regie.

Aber während die 1973er-Version immer noch thrillt, bedient Scott einfach nur ziemlich glatt und damit auch vorhersehbar-langweilig die Spannungsmachinerie. Es ist nicht wirklich Falsches in „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“, aber auch nichts, was zum wiederholten Ansehen reizt.

mit Denzel Washington, John Travolta, Luis Guzmán, John Turturro, James Gandolfini

Wiederholung: Samstag, 23. November, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Metacritic über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Rotten Tomatoes über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″

Wikipedia über “Die Entführung der U-Bahn Pelham 123″ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von John Godeys „Abfahrt Pelham 1 Uhr 23“ (The Taking of Pelham One Two Three, 1973)

„The Taking of Pelham 123“ in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. Juli: Teufel in Blau

Juli 4, 2019

3sat, 22.30

Der Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Während Mosley in den USA regelmäßig neue Romane (auch mit Easy Rawlins) veröffentlich, sind die deutschen Verlage wieder ausgestiegen.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teufel in Blau“

Wikipedia über „Teufel in Blau“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Easy Rawlins

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)


TV-Tipp für den 5. Mai: Der Manchurian Kandidat

Mai 4, 2019

Damals eine paranoide Phantasie.

Heute…

Sat.1, 00.10

Der Manchurian Kandidat (The Manchurian Candidate, USA 2004)

Regie: Jonathan Demme

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des Informationsüberschusses, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Dar Manchurian Kandidat“

Wikipedia über „Der Manchurian Kandidat“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Daniel Pyne und Dean Georgaris

Wikipedia über Richard Condon (deutsch, englisch)

Kirjasto über Richard Condon

Wired for Books: Don Swain redet mit Richard Condon (1982, 1986, 1990 – jeweils eine knappe halbe Stunde)

Meine Besprechung von Jonathan Demmes „Ricki – wie Familie so ist“ (Ricki and the Flash, USA 2015)

 


TV-Tipp für den 29. Dezember: Teufel in Blau

Dezember 28, 2018

ZDFneo, 00.02

Der Teufel in Blau (Devil in a blue dress, USA 1995)

Regie: Carl Franklin

Drehbuch: Carl Franklin

LV: Walter Mosley: Devil in a blue dress, 1990 (Teufel in Blau)

Los Angeles, 1948: Amateurdetektiv Easy Rawlins soll Daphne finden. Aber Daphne hat es faustdick hinter den Ohren.

Franklins gelungene Verfilmung von Mosley Debütroman. „Teufel in Blau“ ist ein Film Noir, der seine Vorbilder aus der Schwarzen Serie immer deutlich zitiert und damit immer zum gut gemachten, aber auch langweiligem Ausstattungskino tendiert.

Während Mosley in den USA regelmäßig neue Romane (auch mit Easy Rawlins) veröffentlich, sind die deutschen Verlage wieder ausgestiegen.

Mit Denzel Washington, Tom Sizemore, Jennifer Beals, Don Cheadle

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Teufel in Blau“

Wikipedia über „Teufel in Blau“ (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Easy Rawlins

Homepage von Walter Mosley

Meine Besprechung von Walter Mosleys Kurzroman „Archibald Lawless: Freier Anarchist“ in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)


Neu im Kino/Filmkritik: Kreative Titel, neuer Versuch: „The Equalizer 2“

August 17, 2018

Die Idee mit der Zeitungsannonce, in der er Hilfesuchenden Hilfe anbietet, hat Robert McCall wohl schnell aufgegeben. Er bekommt auch so in Boston genug zu tun. Zum Beispiel wenn er als Lyft-Fahrer eine Kundin mitnimmt, die von einigen reichen Schnöseln schlecht behandelt wurde, und er anschließend den Jungs eine Lektion erteilt. Oder wenn in dem Mietshaus, in dem er wohnt, eine Wand mit Graffitis beschmiert wird und er einem anderen Mieter, einem künstlerisch begabtem Jungen, der am Scheideweg zwischen Verbrecher und Künstler steht, bei der Entscheidungsfindung hilft. Oder wenn er einem Holocaust-Überlebenden der immer noch nach seiner wahrscheinlich schon lange verstorbener Schwester sucht, hilft, indem er eine alte Freundin um einen Gefallen bittet. Er versucht ein guter Mensch zu sein und nicht aufzufallen. Für seine früheren Kollegen ist er tot.

Als ungefähr in der Filmmitte seine beim Geheimdienst arbeitende Freundin Susan Plummer (Melissa Leo) ermordet wird, will McCall herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Weil ihr Tod mit der Ermordung zweier Geheimagenten in Brüssel zusammenhängt, ist klar, wohin die Spur führt: in McCalls alte Welt. Denn er war, was Kenner des ersten „The Equalizer“-Films und der legendären TV-Serie „The Equalizer“ wissen, vorher ein Geheimagent. Während dieser Arbeit verübte er Verbrechen, die sein Gewissen immer noch belasten. Nach dem Ende seiner Agentenkarriere zog er sich deshalb zurück und versucht jetzt Menschen zu helfen. So will er, als sei Gott ein penibler Buchhalter, seine Schuld abzutragen. Der deutsche TV-Serientitel „Der Equalizer – Der Schutzengel von New York“ (gedreht in den Achtzigern, als Manhattan wahrlich einen Schutzengel benötigte) brachte das gut auf den Punkt. Im ersten „The Equalizer“-Film übernahm Denzel Washington die Rolle des Schutzengels und Antoine Fuqua inszenierte den ruhigen Thriller, in dem McCall eine Teenager-Prostituierte vor der Russenmafia rettet.

Vier Jahre später spielt Washington wieder McCall und Fuqua inszeniert wieder den Film. Für beide ist es in ihrer Karriere die erste Fortsetzung und in Interviews schloss Fuqua einen dritten Film nicht aus. Richard Wenk schrieb wieder das Drehbuch. Damit ist an wichtigen Positionen für eine hohe Kontinuität gesorgt und die Ankündigung, dass wir dieses Mal mehr über McCalls Vergangenheit erfahren, macht neugierig.

Aber viel Neues erfahren wir dann doch nicht und gerade die Suche nach Plummers Mörder wird von Fuqua als wenig überraschendes Tätersuchspiel in der altbekannten Rätselkrimitradition erzählt. Schon damals war das Motiv denkbar uninteressant. In „The Equalizer 2“ ist es nicht anders. Denn als Motiv für die Morde gibt es letztendlich nur ein „Es war ein Auftrag“. Dabei sparte die TV-Serie nicht mit politischen Anspielungen und politischen Geschichten, in denen östliche und westliche Geheimdienste involviert waren. In seinen früheren Filmen sprach Fuqua immer wieder politische Themen an. Hier verzichtet er im Hauptplot vollkommen darauf. Dafür darf McCall in den ausführlich geschilderten Nebenplots als Schutzengel und gute Seele des Viertels agieren, der die Welt zu einem besseren Ort machen will. Mit Worten und, wenn diese nicht helfen, Taten.

Das Ende ist dann durchaus spektakulär. In einem wegen eines Hurrikans menschenleerem Küstendorf treffen McCall und Plummers Mörder aufeinander und McCall schaltet sie der Reihe nach aus; – wobei sie ihm mehr oder weniger unfreiwillig helfen oder in seine Fallen tappen. Dabei sind sie ihm ebenbürtige Killer. In diesen Minuten demonstriert Fuqua, wieder einmal und wie zuletzt in „Die glorreichen Sieben“, sein Faible für Action.

The Equalizer 2“ ist ein ruhiger Thriller, der sich viel Zeit (eigentlich schon zu viel Zeit) für die vorhersehbaren Nebengeschichten nimmt, dabei den Hauptplot sträflich vernachlässigt und immer wieder zu pathetisch wird. Denn McCall ist der Gute Mensch des Arbeiterviertels.

The Equalizer 2 (The Equalizer 2, USA 2018)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Richard Wenk (basierend auf der von Michael Sloan und Richard Lindheim erfundenen TV-Serie)

mit Denzel Washington, Pedro Pascal, Ashton Sanders, Orson Bean, Bill Pullman, Melissa Leo, Jonathan Scarfe, Sakina Jaffrey, Kazy Tauginas, Garrett A. Golden

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „The Equalizer 2“

Metacritic über „The Equalizer 2“

Rotten Tomatoes über „The Equalizer 2“

Wikipedia über „The Equalizer 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Training Day” (Training Day, USA 2001)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Gesetz der Straße – Brooklyn’s Finest” (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Olympus has fallen – Die Welt in Gefahr” (Olympus has fallen, USA 2013)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “The Equalizer” (The Equalizer, USA 2014)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas “Southpaw” (Southpaw, USA 2015)

Meine Besprechung von Antoine Fuquas „Die glorreichen Sieben“ (The Magnificent Seven, USA 2016)

Meine Besprechung von „The Equalizer – Der Schutzengel von New York: Staffel 1“ (The Equalizer, USA 1985/1986)

 


TV-Tipp für den 4. August: American Gangster

August 3, 2018

ZDF, 23.00

American Gangster (American Gangster, USA 2007)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Steven Zaillian

LV: Mark Jacobson: The Return of Superfly (Reportage, New York Magazine, August 2000)

Biopic über den Aufstieg und Fall des Drogenbarons Frank Lucas in Harlem in den frühen Siebzigern.

Das Zeitkolorit ist toll, weniger toll ist, dass Denzel Washington als Drogenhändler Frank Lucas und Russell Crowe als den ihn jagenden Detective Richie Roberts erst am Ende eine gemeinsame Szene haben. Davor bekommen wir zwei Filme präsentiert: einen tollen Gangsterfilm (so als Best-of-Gangsterfilm), einen weniger tollen Polizeifilm und insgesamt einen doch ziemlich durchschnittlichen Film, der sich nie entscheiden kann welche Geschichte er erzählen soll und er deshalb in deutlich über zwei Stunden (Hey, früher gab’s für die Spielzeit auch zwei Filme) beide Geschichten erzählt. Das kommt dabei heraus, wenn man zwei Stars hat, die auf ihrer Filmzeit bestehen. Vielleicht hätte Ridley Scott Val Kilmer für die Rolle des Polizisten anfragen sollen.

mit Denzel Washington, Russell Crowe, Cuba Gooding jr., Josh Brolin, RZA, John Ortiz, Ted Levine, Chiwetel Eliofor, Armand Assante, Carla Gugino

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „American Gangster“

Rotten Tomatoes über „American Gangster“

Wikipedia über „American Gangster“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „American Gangster“ von Steven Zaillian

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 26. Juli: Der Knochenjäger

Juli 25, 2018

Vox, 22.05

Der Knochenjäger (The Bone Collector, USA 1999)

Regie: Philip Noyce

Drehbuch: Jerome Iacone

LV: Jeffery Deaver: The bone collector, 1997 (Die Assistentin, Der Knochenjäger)

Der fast vollständig gelähmte Superdetektiv Lincoln Rhyme sucht mit seinem Assistenten, der Streifenpolizistin Amelia Donaghy, einen Serienkiller.

Nach all den grandiosen Serienkiller-Filmen der neunziger Jahre ist der Whodunit „Der Knochenjäger“ ziemlich langweilige Kost.

Mit Denzel Washington, Angelina Jolie, Ed O´Neill, Michael Rooker, Queen Latifah, Luis Guzman

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Jeffery-Deaver-Kaufhinweis

So als Urlaubslektüre: Blanvalet hat Jeffery Deavers achten Lincoln-Rhyme-Thriller die Tage wieder veröffentlicht.

Dieses Mal muss Rhyme seinen Cousin von einem Mordverdacht befreien. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

Jeffery Deaver: Der Täuscher

(übersetzt von Thomas Haufschild)

Blanvalet, 2018

544 Seiten

9,99 Euro

Originalausgabe

The Broken Window

Simon & Schuster, 2008

Deutsche Erstausgabe

Blanvalet, 2009

Denzel-Washington-Vorschautipp

Am 16. August läuft bei uns Denzel Washingtons neuer Film „The Equalizer 2“ an. Wieder inszeniert von Antoine Fuqua. Wieder muss der von Washington gespielte Robert McCall für Gerechtigkeit sorgen. Und wieder gibt es meine Besprechung zum Filmstart.

Hier der Trailer:

Hinweise

Rotten Tomatoes über “Der Knochenjäger”

Wikipedia über “Der Knochenjäger” (deutsch, englisch)

Homepage von Jeffery Deaver

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzroman „Auf ewig“ (Forever, 2005)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers Kurzgeschichtensammlung “Gezinkt” (More twisted, 2006)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Menschenleserin“ (The sleeping doll, 2007)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Lautloses Duell“ (The blue nowhere, 2001)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Der Täuscher” (The broken window, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers “Carte Blanche Ein James-Bond-Roman” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Die Angebetete“ (XO, 2012)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers „Todeszimmer“ (The Kill Room, 2013)

Jeffery Deaver in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Denzel Washington ist „Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“

April 19, 2018

Roman J. Israel hat sich in Los Angeles sein Reich geschaffen. Er ist ein brillanter Anwalt und Bürgerrechtler, der in seiner bis zur Zimmerdecke mit juristischen Texten vollgestopften Gelehrtenkammer Schriftsätze formuliert, die sein Kanzleipartner William Henry Jackson vor Gericht verteidigt. In der Szene ist er bekannt. In der Öffentlichkeit ist er ein Sonderling. Allein in einem 1-Zimmer-Apartment mit Erinnerungen an die Helden der Bürgerrechtsbewegung und vielen Schallplatten aus den siebziger Jahren (Herrje, ich will diese Wohnung haben!) in einer schlechten Gegend lebend, nicht an Äußerlichkeiten interessiert, kontaktscheu, introvertiert, mit einem enzyklopädischen Gedächtnis und einem untrüglichen Gerechtigkeitssinn. Er lebt noch in den sechziger und siebziger Jahren, als Männer selbstverständlich aufstanden, um einer Frau ihren Platz anzubieten.

Als Jackson nach einem Schlaganfall in ein Koma fällt, wird die Kanzlei aufgelöst. Einerseits, weil sie sowieso schon seit Jahren defizitär war, andererseits weil Israel keine Erfahrung als Verteidiger in Prozessen hat und er aufgrund seiner Persönlichkeit auch der denkbar schlechteste Anwalt für ein öffentliches Verfahren ist. George Pierce, ein Student von Jackson und Leiter einer großen, modernen, profitorientierten Anwaltskanzlei, übernimmt Jacksons restliche Mandanten und, nach kurzem Zögern, auch Israel. Einige Pro-Bono-Fälle sind gut für das Image, denkt er sich, und Israel scheint dafür der geeignete Mann zu sein.

Dummerweise hat Israel Probleme, sich anzupassen. Er kann und will die Regeln in Pierces Firma nicht befolgen. Er lernt Maya Alston kennen. Sie ist eine junge, engagierte Verfechterin von Gleichberechtigungsklagen, die eine Zweigstelle einer landesweit organisierten Freiwilligenorganisation für Bürgerrechtsklagen ist.

Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, der neue Film von „Nightcrawler“-Regisseur Dan Gilroy, ist vor allem ein Denzel-Washington-Solo. Washington spielt Roman J. Israel überzeugend als menschenscheuen, nicht auf seine Umwelt achtenden Sonderling. Für seine Darstellung wurde er unter anderem, als bester Hauptdarsteller, für den Oscar, den Golden Globe, den Screen Actors Guild Award (chancenlos gegen „Churchill“ Gary Oldman) und den Black Reel Award (chancenlos gegen „Get out“ Daniel Kaluuya) nominiert.

Auch die anderen Schauspieler, wie Colin Farell als George Pierce und Carmen Ejogo als Maya Alston, sind gut.

Aber das Drehbuch mäandert ziellos vor sich hin. Die einzelnen Szenen sind zwar gelungen, aber eine richtige Geschichte ist nicht erkennbar. Haupt- und Nebengeschichten werden niemals sinnvoll und sich verstärkend angeordnet. Die Anklage gegen ein überfordertes Justizsystem, das sich nicht für den einzelnen Menschen, sondern für reibungslose Verfahren interessiert, ist erkennbar, aber sie steht nicht im Mittelpunkt.

Der Noir-Krimiplot, in dem Israel das Gesetz in die eigenen Hände nimmt und, obwohl er es nicht dürfte, eine versprochene Belohnung kassiert, ist ebenfalls eher nebensächlich.

Seine Wandlung von einem Außenseiter zu einem sich wenigstens äußerlich in Pierces Firma anpassend und seinen unverdienten Reichtum genießenden Mann kommt zu plötzlich und ist auch nicht aus dem Charakter heraus motiviert.

Alles das könnte mit einem starken Ende geheilt werden. Aber anstatt die Geschichte von Roman J. Israel, Esq. mit einem Ende enden zu lassen, das der vorherigen Geschichte eine eindeutige ihre Botschaft verleiht, präsentiert Gilroy mehrere, sich mehr oder weniger im Weg stehende Enden, die teilweise sogar die vorherige Geschichte konterkarieren.

Gilroys menschelnde Charakterstudie „Roman J. Israel, Esq.“ erreicht niemals die Kraft von seinem hochkonzentrierten und auch zynischem Spielfilmdebüt „Nightcrawler“.

Aber als Denzel-Washington-Solo überzeugt das Drama restlos.

Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (Roman J. Israel, Esq., USA 2017)

Regie: Dan Gilroy

Drehbuch: Dan Gilroy

mit Denzel Washington, Colin Farrell, Carmen Ejogo, Lynda Gravátt, Amanda Warren, Hugo Armstrong, Sam Gilroy, Esperanza Spalding

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Deutscher Facebook-Hashtag zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Roman J. Israel, Esq.“

Metacritic über „Roman J. Israel, Esq.“

Rotten Tomatoes über „Roman J. Israel, Esq.“

Wikipedia über „Roman J. Israel, Esq.“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Dan Gilroys „Real Steel“ (Real Steel, USA 2011, Regie: Shawn Levy)

Meine Besprechung von Dan Gilroys „Das Bourne-Vermächtnis“ (The Bourne Legacy, USA 2012, Regie: Tony Gilroy)

Meine Besprechung vom Dan Gilroys „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ (Nightcrawler, USA 2014)

Heute online gegangen: Der Trailer zu Denzel Washingtons nächstem Film


TV-Tipp für den 12. April: Malcolm X

April 12, 2018

3sat, 22.25

Malcolm X (Malcolm X, USA 1992)

Regie: Spike Lee

Drehbuch: Spike Lee, Arnold Perl

LV: Alex Haley: The Autobiography of Malcolm X, 1965 (Malcolm X – Die Autobiographie)

Beeindruckendes, konventionell inszeniertes, über dreistündige Biopic über Malcolm X von der Wiege bis zur Bahre.

mit Denzel Washington, Angela Bassett, Albert Hall, Spike Lee, Al Freeman jr., Delroy Lindo, Theresa Randle, Giancarlo Esposito

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Malcolm X“

Wikipedia über „Malcolm X“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Spike Lees „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“ (Miracle at St. Anna, USA/Italien 2008)

Meine Besprechung von Spike Lees “Oldboy” (Oldboy, USA 2013)


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