Neu im Kino/Buch- und Filmkritik: Über Ridley Scotts Peter-Heller-Verfilmung „Das Ende der Sterne“

August 29, 2026

Neun Jahre nachdem eine Grippe ungefähr die gesamte Menschheit dahinraffte – Das müsst ihr als Prämisse einfach so akzeptieren. Außerdem handelt es sich um eine Science-Fiction-Geschichte. – leben Hig (Jacob Elordi), sein Hund Jasper und der militärische geschulte Überlebensexperte Bruce Bangley (Josh Brolin) in der Nähe von Denver auf einem Provinzflugplatz. Hig fliegt mit seiner Cessna die Gegend ab. Er sucht nach Auffälligkeiten. Das sind vor allem andere Menschen, die sie bedrohen könnten. In regelmäßigen Abständen fliegt er in die Stadt und holt Vorräte. Ab und an besucht er eine Mennoniten-Gemeinde, die ebenfalls die Seuche überlebte. Bangley erschießt alle Menschen, die in Schußweite ihres Flughafens kommen. Es ist ein eintöniges Leben.

Das ändert sich, als Hig sich entschließt, einem von dem Flughafen Grand Junction kommendem Funkspruch zu folgen. Mit dem Benzin, das er in seiner Cessna mitnehmen kann, kann er Grand Junction gerade so erreichen.

Outdoor-Fanatiker Peter Heller hat sich diese Geschichte ausgedacht, die Ridley Scott jetzt sehr kontemplativ verfilmte. Obwohl es in dem zweistündigem Film viel Action gibt – mehrere Angriffe und große Kämpfe in Gebäuden und, meistens, der freien Natur, eine Notlandung (im Film, nicht im Buch) -, beherrscht ein Gefühl der Ruhe, Friedfertigkeit und auch Empathie den Science-Fiction-Film. In den ersten Minuten, wenn Scott zeigt, wie Hig und Bangley in ihrer Männer-WG auf einem verlassenem Provinzflughafen zusammen leben und wie Hig die Beobachtungs- und Besorgungsflüge absolviert, etabliert Scott die Stimmung. Auch später sind ihm die ruhigen Momente, wenn Hig über die Wälder fliegt oder, nach einer Notlandung, eine Startbahn präpariert, wichtiger als die Action.

Damit setzt Scott einen Gegenpunkt zu den üblichen Dystopien, in denen in einer unwirtlichen Welt alle Errungenschaften der Zivilisation zugunsten des für Action guten, für die Realität und die Bildung einer Gemeinschaft untauglichen Faustrecht des jeder gegen jeden regiert. Es ist aber auch eine Welt die im Film und im Buch erstaunlich blass bleibt. Es gibt keine Erklärung für die Seuche, das Sterben der Menschheit und die immer noch vorhandenen Lebensmittel. Wobei, zugegeben, das das geringste Problem der Geschichte ist. Wenn plötzlich alle Menschen tot sind, halten die Vorräte an Sprite und Cola ewig.

Während der aus Higs Perspektive erzählte Roman es größtenteils bei ruhigen Naturbetrachtungen und einer kleinen Gruppe sich zusammenfindender Menschen in einer menschenleeren Landschaft belässt, bevorzugt der Film vor allem nach Higs Aufbruch mit einer Notlandung, Angriffen größerer durch die Landschaft marodierender Gruppen und der Grand-Junction-Episode immer wieder das Spektakel. Vor allem die Grand-Junction-Episode ist im Film viel größer als im Roman. Sie ist gleichzeitig satirisch überspitzt, erinnerungswürdig (auch dank Allison Janney als Herrscherin von Grand Junction) und in jeder Beziehung vollkommen sinnfrei. Sie kümmert sich in keinster Weise um die vorher etablierte Welt.

Hier wie auch in fast allen Episoden, in denen Menschen, also Hig, Bangley, Pops (Guy Pearce) und seine Tochter Cima (Margaret Qualley), auf andere Menschen treffen, regiert das Faustrecht und es wird munter, wie wir es auch aus anderen Endzeit-Dystopien zwischen „Mad Max“ und „The Walking Dead“ oder, für die literarisch versierten, „The Road“ kennen, gemordet, während die Protagonisten durch eine menschenleere Landschaft stolpern.

So stecken der Roman (weniger, weil es weniger Tote gibt) und der Film (mehr, weil es mehr Tote gibt) in einem seltsamen Zwiespalt zwischen behaupteter Botschaft, friedlicher Stimmung und dem Gezeigten. Durchgängig zeigt Scott Szenen, in denen umstandlos gemordet wird. Die ruhigen Momente zeigen dann kleine und kleinste Gruppen von Menschen, die isoliert voneinander leben, die nicht auf andere Menschen treffen wollen und die letztendlich nur auf ihren Tod warten. Denn ohne Kinder würde auch der Rest der Menschheit innerhalb weniger Jahre sterben. Die friedliche und überaus hilfsbedürftige Mennoniten-Gemeinde, die Hig besucht, bleibt Staffage. Mehr als die behauptete Utopie eines friedlichen Zusammenlebens ist sie nicht.

Entsprechend unvermittelt und mit dem visuellen Zaunpfahl wird am Ende von „Das Ende der Sterne“ die Botschaft in den Kinosaal gehämmert. Die einzige Figur, die in dem Moment eine aus dem Nichts kommende Wandlung erfährt, ist Bangley.

Das Ende der Sterne“ ist ein spannungsfreies Stimmungsstück mit Naturaufnahmen und, je nach Zählung, drei bis fünf eindimensional sympathischen Menschen, die all die Abenteuer erleben, die wir auch aus anderen Dystopien kennen und die dieses Mal von einer positiven Botschaft, nämlich dass Menschen Menschen brauchen und ein Zusammenleben möglich und wünschenswert ist, ummäntelt werden.

Das gilt gleichermaßen für den Roman und den Film. Drehbuchautor Mark L. Smith veränderte einiges an Hellers Geschichte, aber letztendlich blieb er dem Roman treu. Scott liefert dazu den Film mit schönen Menschen in schöner Landschaft mit schöner Musik. Das hat durchaus seinen Charme, ist aber auch etwas langweilig und durchgehend vorhersehbar.

Das Ende der Sterne (The Dog Stars, USA 2026)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Mark L. Smith

LV: Peter Heller: The Dog Stars, 2012 (Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte; Das Ende der Sterne)

mit Jacob Elordi, Josh Brolin, Margaret Qualley, Guy Pierce, Benedict Wong, Allison Janney

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Die Vorlage

Peter Heller: Das Ende der Sterne

(übersetzt von Eva Bonné)

Heyne, 2026

384 Seiten

14 Euro

Originalausgabe

The Dog Stars

Knopf, 2012

Deutsche Erstausgabe

Das Ende der Sterne, wie Big Hig sie kannte

Eichborn, 2013

Hinweise

Moviepilot über „Das Ende der Sterne“

Metacritic über „Das Ende der Sterne“

Rotten Tomatoes über „Das Ende der Sterne“

Wikipedia über „Das Ende der Sterne“ (Buch; Film: deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Gladiator II“ (Gladiator II, USA 2024)


TV-Tipp für den 11. November: Der Mann, der niemals lebte

November 10, 2025

Tele 5, 23.10

Der Mann, der niemals lebte (Body of Lies, USA 2008)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: William Monahan

LV: David Ignatius: Body of Lies, 2007 (Der Mann, der niemals lebte)

CIA-Agent Roger Ferris fahndet im Nahen Osten nach einer islamistischen Terrorzelle. Als sie nicht weiterkommen, hecken Ferris und sein in Washington, D. C., sitzender Chef einen verwegenen Plan aus.

Okayer, schrecklich ausgewogener, realistischer Polit-Thriller, bei dem man nie den Eindruck los wird, dass hier alle unter ihren Möglichkeiten bleiben. Außerdem ist das Ende enttäuschend.

David Ignatius gefällt die Verfilmung.

mit Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong, Oscar Isaac

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann, der niemals lebte“

Wikipedia über „Der Mann, der niemals lebte“ (deutsch, englisch)

Hollywood Hills: Interview mit David Ignatius über die Verfilmung (Teil 1, Teil 2)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

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Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

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Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Gladiator II“ (Gladiator II, USA 2024)


TV-Tipp für den 9. März: Thelma & Louise

März 8, 2025

Arte, 20.15

Thelma & Louise (Thelma & Louise, USA 1991)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Callie Khouri

Hausfrau Thelma und ihre Freundin, die Kellnerin Louise, brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. In Notwehr erschießt Louise ihn. Weil ihnen das aber niemand glaubt, fliehen Thelma und Louise nach Mexiko. Verfolgt von der Polizei.

Ein feministisches Roadmovie, ein Kassen- und Kritikererfolg und inzwischen ein Klassiker.

Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

Anschließend, um 22.20 zeigt Arte die brandneue fünfzigminütige Doku „Thelma & Louise: Ein feministischer Western“ (Frankreich 2024).

mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt, Stephen Tobolowsky

Wiederholung: Mittwoch, 12. März, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Thelma & Louise“

Wikipedia über „Thelma & Louise“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Thelma & Louise“ (Final shooting script, 5. Juni 1990) von Callie Khouri

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Thelma & Louise“ (Thelma & Louise, USA 1991)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Gladiator II“ (Gladiator II, USA 2024)


TV-Tipp für den 28. Februar: Alien – Meisterwerk aus dem Weltraum

Februar 27, 2025

Arte, 22.40

Alien – Meisterwerk aus dem Weltraum (Frankreich 2024)

Regie: Anne Cutaia, Sophie Peyrard

Brandneue 52-minütige Doku über „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“.

Hinweise

Arte über die Doku (in der Mediathek bis zum 29. März 2025)

Rotten Tomatoes über „Alien“

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch) und das Alien-Franchise (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Alien – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Alien, 2019)

Meine Besprechung von J. W. Rinzlers „Aliens – Die Entstehungsgeschichte“ (The Making of Aliens, 2020)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017) (Filmroman)

Meine Besprechung von Fede Alvaraz‘ „Alien: Romulus (Alien: Romulus, USA 2024)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Blutlinien (Band 1)“ (Alien (2021) # 1 – 6, Mai – Oktober 2021)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larrocas „Alien: Erweckung (Band 2)“ (Alien (2021) # 7 – 12, September 2021 – Juni 2022; Alien Annual (2022) 1, September 2022)

Meine Besprechung von Phillip Kennedy Johnson/Julius Ohta: Alien: Icarus (Band 3) (Alien (2022) # 1 – 6, November 2022 – April 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardos „Alien: Tauwetter (Band 1)“ (Alien (2023) # 1 – 5, April 2023 – August 2023)

Meine Besprechung von Declan Shalvey/Andrea Broccardo/Danny Earls‘ „Alien: Descendant (Band 2)“ (Alien Annual (2023) 1, Dezember 2023; Alien (2023 B) # 1 – 4, Januar – April 2024)


Neu im Kino/Filmkritik: „Gladiator II“ – Kloppen und Sterben im Kolosseum

November 13, 2024

Dieses Mal gibt es Haie und Seeschlachten im Kolosseum, das vorher natürlich geflutet wurde. Als große Attraktion für das Publikum gab es während des Römischen Imperiums solche nachgestellten Seeschlachten. Die Haie entspringen der Fantasie der Macher von „Gladiator II“, der auf den ersten Blick überflüssigen Fortsetzung von „Gladiator“. Denn „Gladiator“ ist ein Monumentalfilm mit einem perfektem Ende. Da muss es keine Fortsetzung geben.

Russell Crowe ist wieder dabei. In Rückblenden aus dem ersten „Gladiator“-Film. Connie Nielsen ist ebenfalls wieder dabei. In echt. Sie spielt wieder die Kaisertochter Lucilla. Nach den damaligen Ereignissen, die mit dem Tod von Maximus Decimus Meridius (Crowe) und Commodus (Joaquin Phoenix) endeten, schickte sie ihren Sohn Lucius in die Fremde und brach jeden Kontakt zu ihm ab.

Jetzt, knapp zwanzig Jahre später, im Jahr 200 A. D., lebt Lucius Verus (Paul Mescal) in Nordafrika in Numidien. Er ist ein begnadeter Kämpfer und glücklich verheirateter Bauer. Er und seine Frau, ebenfalls eine begnadete Kämpferin und Bogenschützin, kämpfen mit hren Landsleute gegen das römische Heer, das ihre Heimat Numidien zu einer römischen Provinz machen will. Bei einer für beide Seiten verlustreichen Schlacht gegen die von General Marcus Acacius (Pedro Pascal) angeführten römischen Truppen stirbt sie. Lucius wird gefangen genommen und nach Rom verschifft. Dort trifft er den mit Gladiatorenkämpfen Geld verdienenden Geschäftsmann Macrinus (Denzel Washington), der am Hof aufsteigen will, und er muss im Kolosseum um sein Überleben kämpfen. Denn er will sich an General Marcus, der mit Lucilla verheiratet ist, rächen. Das Publikum verliebt sich schnell in den tapferen Gladiator. Gleichzeitig gerät er, ein wenig und vor allem als Spielball, in die Machtkämpfe zwischen den verschiedenen um die Herrschaft in Rom kämpfenden Männern und Fraktionen.

Gladiator II“, der jetzt, 25 Jahre nach „Gladiator“, im Kino anläuft, erzählt eigentlich die aus dem an der Kinokasse, bei Preisverleihungen, unter anderem den Oscar als bester Film des Jahres, und der Kritik enorm erfolgreichen Monumentalfilm bekannte Geschichte noch einmal. Einige neue Namen und eher minimal veränderte Handlungselemente ändern daran nichts. „Gladiator II“ ist einfach nochmal „Gladiator“. Nur nicht so gut.

Während in „Gladiator“ der Konflikt zwischen Maximus und Commodus im Mittelpunkt steht, ist das in „Gladiator II“ nicht so klar. „Gladiator“ erzählt eine Rachegeschichte, eine Geschichte von Verrat und gegensätzlichen Vorstellungen über die Zukunft des römischen Imperiums. Verkörpert wird dieser Konflikt durch die beiden Hauptfiguren, die mal Freunde waren und zu Feinden wurden, nachdem Commodus seinen Vater ermordet, um an die Macht zu gelangen. Als Maximus ihm danach nicht helfen will, sondern sich gegen ihn stellt, lässt er dessen Familie ermorden und gibt den Befehl, Maximus zu ermorden. Maximus überlebt und begibt sich nach Rom, um dort Commodus zu ermorden. Das ist eine einfache Geschichte, die gradlinig mit Schauwerten präsentiert wird.

In „Gladiator II“ sind schon die Motive der beiden Gegner schwächer. General Marcus Acacius ist ein Feldherr, der einfach eine Schlacht gewinnen will. Der Tod von Lucius‘ Frau ist dabei einer der vielen Tote, die es in einer Schlacht gibt. Ein persönliches Motiv ist nicht erkennbar. Auch später, in Rom, hat Marcus kein Interesse daran, Lucius zu töten. Unnötig verklompliziert wird die Beziehung zwischen Marcus und Lucius, weil Marcus mit Lucius‘ Mutter Lucilla verheiratet ist.

Der mit den beiden Hauptfiguren verknüpfte Kampf um das künftige Schicksal des römischen Imperiums, also von wem es wie regiert werden soll, entfällt ebenfalls. Beide Hauptpersonen interessieren sich nicht dafür. Der eine will seine Frau rächen. Der andere will eigentlich in den wohlverdienten Ruhestand gehen. Für Politik und Macht interessieren sie sich nicht.

Macrinus (Denzel Washington) interessiert sich dafür. Er ist eine Mischung aus Unternehmer und politischem Profiteur. Er will in die Herrschaftsriege aufsteigen. Eine besondere Mission oder eine Vorstellung, was sich unter seiner Herrschaft ändern soll, hat er nicht. Er ist einfach nur ein Profiteur, der die Macht um ihrer selbst will.

Seine Gegner sind die Kaisergeschwister Caracalla und Geta. Sie sind verwöhnte, psychotische, leicht beeinflussbare reiche Kinder. Besonders angsteinflößend sind sie nicht. Wie sie, nachdem am Ende von „Gladiator“ die Zeichen für eine bessere Zukunft gesetzt waren, an die Macht kamen, wird nicht erklärt und bleibt rätselhaft. Denn nichts qualifiziert sie für das Amt, das sie auch nicht ausfüllen möchten. Fred Hechinger und Joseph Quinn sorgen im ihrem Overacting eher für einen schrägen Camp-Humor in dem ernsten Film.

In diesen Momenten erzählt „Gladiator II“, neben der Rachegeschichte, auch eine Polit-Intrige, ohne sich für den politischen noch für den intriganten Teil zu interessieren. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Mechanismen der Macht würde vom Spektakel im Kolosseum ablenken. Aber vielleicht erzählt Scott das ja in epischer Breite in der schon jetzt angedeuteten möglichen und deutlich längeren Fassung des zweieinhalbstündigen Films.

In der Langfassung wird dann vielleicht auch erkennbar, ob Scott möchte, dass die Filmgeschichte als Metapher für die aktuelle Situation in den USA gelesen werden soll und wie sie gelesen werden soll. Im Moment kann sie nämlich mühelos in jede politische Richtung interpretiert werden. „Gladiator II“ ist kein Monumentalfilm mit einer politischen Agenda oder einem klar gekennzeichnetem Konflikt verschiedener Vorstellungen von Gesellschaft und dem richtigen Leben. Das war früher, als es in Monumentalfilmen um den Kampf gegen das Christentum oder um Sklavenaufstände ging, anders. In „Gladiator II“ geht es um nichts.

Weitere Probleme von „Gladiator II“ sind schon in den ersten Minuten offensichltich. Der Monumentalfilm beginnt mit einer epischen, CGI-gesättigten Schlacht, bei der brennende Kugeln und Pfeile locker Festungsmauern und Rüstungen durchschlagen und Schiffe schwuppdiwupp zum Sinken bringen. Während der Schlacht fällt Lucius ins Wasser und taucht erst lange nach dem Ende der Schlacht wieder auf. Eigentlich müsste er ertrunken sein. Realismus und Wahrscheinlichkeit werden schon in diesen Minuten zugunsten vermeitlicher Schauwerte geopfert.

Etwas später muss Lucius in der Kampfarena gegen Fantasy-Monsterpaviane auf Speed kämpfen. In diesem Moment qualifiziert „Gladiator II“ sich endgültig zum todernsten Fantasy-Film mit teilweise erstaunlich schlechten und unglaubwürdigen CGI-Effekten.

Als Spektakel erreicht der Sandalenfilm mühsam seine Ziellinie. Als ernstzunehmender Film hat er sich schon in den ersten Filmminuten Richtung Trash und freudlos-züchtiger Anything-can-go-Fantasy verabschiedet. Bei Ridley Scotts neuem Film ist nur beeindruckend, wie wenig beeindruckend der Film ist. Dabei war schon „Gladiator“ nicht wirklich gut, aber immerhin über die gesamte Laufzeit unterhaltsam.

Gladiator II (Gladiator II, USA 2024)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: David Scarpa (nach einer Geschichte von Peter Craig und David Scarpa, nach Charakteren von David Franzoni)

mit Paul Mescal, Pedro Pascal, Joseph Quinn, Fred Hechinger, Lior Raz, Derek Jacobi, Connie Nielsen, Denzel Washington

Länge: 148 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Gladiator II“

Metacritic über „Gladiator II“

Rotten Tomatoes über „Gladiator II“

Wikipedia über „Gladiator II“ (deutsch, englisch)

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TV-Tipp für den 10. November: Gladiator

November 9, 2024

Am Donnerstag, den 14. November, läuft „Gladiator II“, die lang erwartete (?) Fortsetzung von „Gladiator“ an. Zeit also, den Sandalenfilm wieder oder erstmals zu sehen und sich zu fragen, wie gut er die Zeit überstanden hat.

3sat, 22.00

Gladiator (Gladiator, USA/Großbritannien 2000)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: David Franzoni, John Logan, William Nicholson (nach einer Geschcihte von David Franzoni)

Tribun Maximus Decimus Meridius (Russell Crowe), ein tapferer und ehrlicher Krieger, will sich an Commodus (Joaquin Phoenix), Sohn von Kaiser Marc Aurel, Vatermörder und amtierender Herrscher von Rom, rächen. Denn dieser ermordete seine Familie und versuchte ihn umzubringen. Maximus tauchte unter und kommt als Gladiator nach Rom. Im Kolosseum wird er zum Liebling des Publikums.

Der Überraschungshit „Gladiator“ erhielt unter anderem einen Oscar als bester Film des Jahres. Die Story ist minimalistisch, Die Länge mit 155 Minuten in der von Ridley Scott favorisierten Kinofassung (es gibt noch einen 171-minütigen Extended Cut) episch. Das Ergebnis mit fotogen durch die Arena fliegenden abgetrennten Körperteilen durchwachsene Hollywood-Unterhaltung. Nie wirklich schlecht, aber auch nie wirklich gut.

Mit Russell Crowe, Joaquin Phoenix, Connie Nielsen, Oliver Reed,, Derek Jacobi, Djimon Hounsou, Richard Harris, David Schofield, Ralf Moeller, David Hemmings, Tommy Flanagan

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Gladiator“

Wikipedia über „Gladiator“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Thelma & Louise“ (Thelma & Louise, USA 1991)

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TV-Tipp für den 11. August: The Last Duel

August 10, 2024

RTL, 23.30

The Last Duel (The Last Duel, USA 2021)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Ben Affleck, Matt Damon, Nicole Holofcener

LV: Eric Jager: The Last Duel: A True Story of Trial by Combat in Medieval France, 2004

Frankreich, 1386: Jacques LeGris und Jean de Carrouges sind beste Freunde. Bis Jeans Ehefrau Marguerite behauptet, sie sei von Jacques vergewaltigt worden. Die beiden Männer werden zu Todfeinden, die in dem titelgebenden letzten Duell die Wahrheit herausfinden wollen.

TV-Premiere kurz vor Mitternacht. Wegen der Erzählstruktur – Ridley Scott erzählt die Geschichte nacheinander aus der Perspektive jeder Hauptfigur – längliches Drama, das als mittelalterliche Soap-Opera über gekränkte männliche Eitelkeiten mit einem brutalen Duell am Filmende im Gedächtnis bleibt.

Mehr über den Film und die historischen Hintergründe in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Nathaniel Parker, Harriet Walter, Marton Csokas, Adam Nagaitis, Alex Lawther

Hinweise

Moviepilot über „The Last Duel“

Metacritic über „The Last Duel“

Rotten Tomaotes über „The Last Duel“

Wikipedia über „The Last Duel“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood beteiligt sich an der Wahrheitsfindung

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Thelma & Louise“ (Thelma & Louise, USA 1991)

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„Thelma & Louise“ wieder auf der großen Leinwand

Juli 1, 2024

Am Dienstag, den 2. Juli, läuft Ridley Scotts bahnbrechendes Roadmovie „Thelma & Louise“ in einer sicher prächtig aussehenden 4K-Restaurierung im Rahmen der monatlichen „Best of Cinema“-Reihe wieder im Kino. Einige Kinos zeigen ihn auch noch in den darauffolgenden Tagen.

Die denkbar einfache Filmgeschichte dürfte bekannt sein: die brave Hausfrau Thelma (Geena Davis) und ihre Freundin, die forsche Kellnerin Louise (Susan Sarandon), brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. Er will Thelma vergewaltigen. Louise erschießt ihn. Weil ihnen das aber niemand glauben würde, fliehen Thelma und Louise in Richtung Mexiko. Verfolgt von der Polizei.

Aber wie präzise Drehbuchautorin Callie Khouri und Regisseur Ridley Scott diese (Zufalls)verbrecher-auf-der-Flucht-Geschichte erzählen, macht den Film zu großem Kino. Die wunderschönen Landschaftsaufnahme verlangen nach der Kinoleinwand. Auch der Rest sieht, wie immer bei Ridley Scott, sehr gut aus.

Das feministische Roadmovie war 1991, neben „Das Schweigen der Lämmer“, ein Kassen- und Kritikererfolg. Inzwischen ist „Thelma & Louise“ ein Klassiker, der keinerlei Patina angesetzt hat. Bei der wiederholten Sichtung fällt auf, wie sehr er damals, vor über dreißig Jahren, seiner Zeit voraus aus; obwohl er eigentlich nur die Geschlechter veränderte und dann anstatt zwei Männer, wie „ Butch Cassidy und Sundance Kid“, oder einen Verbrecher und seine Geliebte, wie „Bonnie und Clyde“ oder „Badlands“, vor der Polizei quer durch die USA flüchten ließ. Scott kennt die Vorbilder, er zitiert sie immer wieder und macht daraus ein eigenständiges, sich auf die Tradition beziehendes und sie konsequent weiterentwickelndes Road-Movie, das heute immer noch nichts von seinem revolutionärem Geist eingebüßt hat. Das Thema das Films, die Gewalt von Männern gegen Frauen, ist auch nach #MeToo immer noch brennend aktuell.

Außerdem fällt auf, wie zügig Scott die Geschichte beginnt, wie komplex die Beziehungen zwischen den wenigen Figuren sind, wie konsequent auf jeder Ebene des Films die Entwicklung der beiden Heldinnen erzählt wird, und wie souverän Ridley Scott die Geschichte erzählt. Hier ist er unbestritten auf der Höhe seines Könnens. „Thelma & Louise“ gehört, neben „Alien“ und „Blade Runner“ zu seinen drei besten Filme. Ad hoc würde ich ihn wegen seiner fröhlichen Stimmung sogar auf den ersten Platz setzen.

Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

Thelma & Louise (Thelma & Louise, USA 1991)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Callie Khouri

mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt, Stephen Tobolowsky

Länge: 124 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Thelma & Louise“

Wikipedia über „Thelma & Louise“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Thelma & Louise“ (Final shooting script, 5. Juni 1990) von Callie Khouri

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

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Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)


Ade Muckibude, hallo Filmbuch: Über einige schwere Bücher über „Alien“, „Aliens“, „Dune: Part Two“, James Bond, Disney, Jane Campion, den deutschen Dokumentarfilm und der neuesten Ausgabe des Lexikon des Internationalen Films

April 12, 2024

Es gibt Filmbücher, die haben mehr Text als eine Doktorarbeit und einige die These illustrierende Bilder. Es gibt Filmbücher, die haben viele große bunte Bilder und weniger Text als ein Kinderbuch. Und dann gibt es noch Filmbücher, die haben viel Text und viele Bilder, die überzeugend präsentiert werden.

Das gilt für J. W. Rinzlers Bücher über Ridley Scotts „Alien“ und James Camerons Fortsetzung „Aliens“. Rinzler ist als Filmautor bekannt für seine Bücher, in denen er die gesamte Produktion des Films abdeckte. Zu seinen teilweise ins Deutsche übersetzten Werken gehören „The Making of Star Wars: Revenge of the Sith“ (2005), „The Making of Star Wars“ (2007), „The Complete Making of Indiana Jones: The Definitive Story Behind All Four Films“ (2008), „The Making of Star Wars: The Empire Strikes Back“ (2010), „The Making of Return of the Jedi: The Definitive Story Behind the Film“ (2013), „The Making of Planet of the Apes“ (2018, der Klassiker von 1968 mit Charlton Heston), „Stanley Kubrick’s The Shining“ (2023, posthum. Rinzler starb 2021 mit 58 Jahren) und die jetzt ins Deutsche übersetzten Bücher über die Science-Fiction-Filme „Alien“ und „Aliens“, die für Fans der Filme und Filmfans eine wahre Fundgrube sind.

Ritzer konnte für beide Bücher auf das Archiv von 20th Century Fox und private Archive von, unter anderem, „Alien“-Regisseur Ridley Scott, Set-Fotograf Robert Penn und Alien-Designer H. R. Giger, zurückgreifen. Außerdem führte er zahlreiche Interviews. Unter anderem mit Ridley Scott. Um nur den bekanntesten Namen zu nennen.

Im etwas unhandlichen Querformat (jedenfalls für die U-Bahn- und Bettlektüre) sind in den beiden schweren Büchern (die locker einen Besuch im Fitness-Studio ersparen) zahlreiche Bilder von den Dreharbeiten, Konzeptzeichnungen und Storyboards abgebildet. Originaldokumente, wie Drehbuchentwürfe und Überlegungen zu den Aliens sind ebenfalls abgedruckt. Dazu beschreibt Rinzler für „Alien“ und „Aliens“ chronologisch den gesamten Produktionsprozess von der ersten Idee bis zur Kinopremiere. Das tut Rinzler in beiden Büchern so ausführlich, dass pro Buch locker allein für seinen Text ein langes Lesewochenende eingeplant werden muss.

Ab dem 6. Mai sind die Bücher auch zusammen im Schuber erhältlich.

J. W. Rinzler: Alien – Die Entstehungsgeschichte

(übersetzt von Felix Gass)

Cross Cult, 2023

336 Seiten

59 Euro

Originalausgabe

The Making of Alien

Titan Publishing, 2019

J. W. Rinzler: Aliens – Die Entstehungsgeschichte

(übersetzt von Thorsten Walch)

Cross Cult, 2023

300 Seiten

59 Euro

Originalausgabe

The Making of Aliens

Titan Publishing, 2020

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Alien“

Rotten Tomatoes über „Aliens“

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch) und über „Aliens“ (deutsch, englisch)

Der Titel „Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick“ verrät den Inhalt. In seinem Buch nimmt Filmjournalist Mark Salisbury sich die Daniel-Craig-James-Bond-Filme „Casino Royale“, „Ein Quantum Trost“, Skyfall“, „Spectre“ und „Keine Zeit zu sterben“ vor. Jedem der fünf Filme widmet er ein eigenes Kapitel. „Casino Royale“, der den neuen James Bond etablierte, hat mit siebzig Seiten das längste Kapitel. Salisbury erzählt die Geschichte von jedem dieser Bond-Filme von der ersten Idee über die Besetzung wichtiger Rollen, die Vorbereitung des Drehs (wozu auch die Suche nach den richtigen Drehorten gehört) und die Dreharbeiten bis zur Premiere. Viele großformatige Bilder von der Produktion und den Dreharbeiten runden das Buch ab. Auf die bekannten Filmfotos wird weitgehend verzichtet.

Dank des großen Querformats ist das sehr informative und schön aussehende Filmbuch ein Hingucker und, auch wenn es deutlicher leichter als „Alien“ oder „Aliens“ ist, nur bedingt als Bettlektüre geeignet.

Mark Salisbury: Being Bond: Daniel Craig – Ein Rückblick

(übersetzt von Johannes Neubert)

Cross Cult, 2024

256 Seiten

49 Euro

Originalausgabe

Being Bond: A Daniel Craig Retrospective

Titan Publishing Group, 2024

Hinweise

Wikipedia über die James-Bond-Filme (deutsch, englisch)

zu James-Bond-Romanen

Meine Besprechung von Ian Flemings ersten drei James-Bond-Romanen “Casino Royale”, “Leben und sterben lassen” und “Moonraker”

Meine Besprechung von John Gardners “James Bond – Kernschmelze” (James Bond – Licence Renewed, 1981; alter deutscher Titel “Countdown für die Ewigkeit”)

Meine Besprechung von John Gardners „James Bond – Der Mann von Barbarossa“ (James Bond – The Man from Barbarossa, 1991)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman “Carte Blanche” (Carte Blanche, 2011)

Meine Besprechung von William Boyds James-Bond-Roman “Solo” (Solo, 2013)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz’ “James Bond: Trigger Mortis – Der Finger Gottes” (James Bond: Trigger Mortis, 2015)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Ewig und ein Tag“ (James Bond – Forever and a day, 2018)

Meine Besprechung von Anthony Horowitz‘ „James Bond: Mit der Absicht zu töten“ (James Bond – With a mind to kill, 2022)

Meine Besprechung von Kim Sherwoods „Doppelt oder nichts“ (Double or nothing, 2022)

zu James-Bond-Filmen

Meine Besprechung der TV-Miniserie „Fleming – Der Mann, der Bond wurde“ (Fleming, Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Films „Skyfall“ (Skyfall, GB/USA 2012)

Meine Besprechung von Sam Mendes’ James-Bond-Film “Spectre” (Spectre, USA/GB 2015)

Meine Besprechung von Cary Joji Fukunaga James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ (No time to die, Großbritannien 2021)

zu anderem James-Bond-Zeug

Meine Besprechung von Danny Morgensterns „Unnützes James Bond Wissen“ (2020)

Kriminalakte: Mein Gespräch mit Danny Morgenstern über „Keine Zeit zu sterben“ und sein Buch „Das ultimative James-Bond-Quizbuch“ (1. Oktober 2021) (Sehbefehl?)

Meine Besprechung von cinemas (Hrsg.) „Inside James Bond“ (2022)

James Bond in der Kriminalakte

Ian Fleming in der Kriminalakte

Einige Tage nach dem Filmstart erschien der Bildband zu „Dune: Part Two“. „Hinter den Kulissen von Dune: Part Two“ wurde von Tanya Lapointe, zusammen mit Stefanie Broos, geschrieben. Lapointe hatte als Produzentin und Second-Unit-Regisseurin von „Dune: Part Two“ und Frau von „Dune“-Regisseur Denis Villeneuve einen mehr als exclusiven Blick in die gesamte Produktion des Films. Und aus diesem Grund enttäuscht der Bildband dann auch ein wenig. Anstatt tief in die Produktion einzutauchen, bleibt sie doch sehr an der Oberfläche. Sicher, es gibt Interviews mit den Machern, Hintergrundinformationen, Bilder von den Dreharbeiten und viele, oft doppelseitige Konzeptbilder von Räumen, Gegenständen, Flug- und Fahrzeugen und Kostümen. Die Bilder werden kurz erklärt. Mit zunehmender Lektüre entsteht das Gefühl, durch einen Ausstellungskatalog zu blättern. Das sieht gut aus. Das ist informativ. Aber man würde gerne mehr erfahren.

Hinter den Kulissen von Dune: Part Two“ ist ein Erinnerungsbuch der Macher an ihre Arbeit an dem Science-Fiction-Epos und für Fans des Films eine schöne Vertiefung des Filmerlebnisses.

Tanya Lapointe/Stefanie Broos: Hinter den Kulissen von Dune: Part Two

(Vorwort von Denis Villeneuve, Einführung von Brian Herbert und Kevin J. Anderson)

(übersetzt von Andreas Kasprzak)

Panini Books, 2024

240 Seiten

49 Euro

Originalausgabe

The Art and Soul of Dune: Part Two

Insight Editions, Kalifornien, USA, 2024

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dune: Part 2“

Metacritic über „Dune: Part 2“

Rotten Tomatoes über „Dune: Part 2“

Wikipedia über „Dune: Part 2“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune“ (Dune, USA 2021)

Meine Besprechung von Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ (Dune, 1965)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves Frank-Herbert-Verfilmung „Dune: Part Two“ (Dune: Part Two, USA 2024)

Zum hundertsten Geburtstag von Disney, der am 16. Okober 1923 von Walt Disney und seinem älteren Bruder Roy gegründeten Firma, die seitdem zu einem globalen Unterhaltungskonzern wurde, veröffentlichte die Filmzeitschrift „cinema“ „100 Jahre Disney: Der Weg vom Maus-Haus zum Entertainment-Giganten: Facts, Hintergründe, Interviews – und die 100 besten Filme“. Das Buch orientiert sich vom Aufbau und Stil an den bereits erschienenen cinema-Filmbüchern. Das Buch beginnt mit einem längeren Text, der knapp die Geschichte von Disney nacherzählt. Kürzere Hintergrundtexte zu bestimmten Aspekten (wie das Merchandise, Streaming, Kinderstars und dem Vergnügungspark Disney World in Orlando, Florida) und Interviews mit Menschen, die im Disney-Konzern arbeiten oder für ihn arbeiteten, runden das Buch ab.

Die hundert besten Disney-Filme, die auf meistens ein bis zwei Seiten, seltener auch fünf bis sechs Seiten, vorgestellt werden, zeigen, auch wenn über den ein oder anderen in diese Liste aufgenommenen Film diskutiert werden kann, eindrucksvoll die Bandbreite von Disney-Filmen auf. Seit den jüngsten Zukäufen gehören auch Pixar, Marvel, Lucasfilm und 20th Century Fox zu Disney. Wem jetzt die Namen der Firmen nichts sagen, sagen in jedem Fall die Titel der Filme etwas. Vorgestellt werden in diesem Teil des Buches selbstverständlich die klassischen Disney-Zeichentrickfilme, wie „Dornröschen“, „Alice im Wunderland“, „Susi und Strolch“, „Dumbo“, „Robin Hood“, „Bambi“ und „Das Dschungelbuch“, neuere Trickfilme, wie „Der König der Löwen“, „Pocahontas“ und „Mulan“, Mischfilme, wie „Mary Poppins“, „Elliot, das Schmunzelmonster“ und „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“, Pixar-Filme, wie „Toy Story“, „Cars“ und „Ratatouille“, Live-Action-Remakes, wie „The Jungle Book“, „Alice im Wunderland“ und „Der König der Löwen“, einige „Star Wars“- und Marvel-Filme (Hey, die kennt ihr doch alle aus dem Schlaf.) und Realfilme, die man nicht sofort mit Disney assoziiert, wie „Pretty Woman“, „Good Will Hunting“, „Kevin – Allein zu Haus“, „Avatar“ und der „Fluch der Karibik“.

cinema (Hrsg.): 100 Jahre Disney

Panini, 2023

224 Seiten

33 Euro

Hinweise

Wikipedia über Disney (deutsch, englisch)

Homepage von Cinema

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg) „Making of – Hinter den Kulissen der größten Filmklassiker aller Zeiten“ (2019)

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg.) „Filmstars: Die 30 größten Ikonen der Kinogeschichte“ (2021)

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg.) „Making of – Hinter den Kulissen der größten Klassiker aller Zeiten: Band 2“ (2022)

Meine Besprechung von Cinema (Hrsg) „ Inside James Bond“ (2022)

Neben diesen ‚Bilderbüchern‘ gibt es immer noch die Filmbücher, in denen der Text eindeutig wichtiger als die Bilder sind. Die sind hier nur kleines, eher schmückendes SW-Beiwerk.

Das wären Marisa Buovolos „Jane Campion & ihre Filme“ und die aktuelle Ausgabe des Lexikons des internationalen Films, das immer noch von der Filmzeitschrift filmdienst.de und der Katholischen Filmkommission für Deutschland herausgegeben wird. Die neueste Ausgabe des Lexikons beschäftigt sich mit dem Filmjahr 2023.

Beim Lexikon des internationalen Films wurde der bewährte Aufbau beibehalten. Es gibt knapp zweihundert Seiten mit längeren Filmkritiken (zu den 20 besten Filmen und den 15 besten Serien des Jahres), Interviews (mit, u. a., Hans Steinbichler, François Ozon und Colm Bairéad), Nachrufe (auf, u. a. William Friedkin, Peter Simonischek und Kenneth Anger) und Aufsätze, die sich mit bestimmten wichtigen Aspekten des 2023er Filmjahres beschäftigen (u. a. über Aki Kaurismäki, Ari Aster,Taylor Sheridan, Das Kleine Fernsehspiel, den Autorenstreik in Hollywood, Mädchen in Kinderfilmen und die Atombombe im Film) und das aus knapp dreihundert Seiten bestehende Filmlexikon, das alphabetisch alle Spiel- und Dokumentarfilme auflistet, und kundig bewertet, die 2023 in Deutschland erstmals im Kino, auf DVD/Blu-ray, im Fernsehen und bei Streamingportalen gezeigt wurden. Es handelt sich um ungefähr 1500 Filme.

Nach Ansicht der Filmdienst-Kritiker waren die zwanzig besten Filme des Kinojahres 2023:

Tár

Anatomie eines Falls

Fallende Blätter

Roter Himmel

Killers of the Flower Moon

The Quiet Girl

Das Lehrerzimmer

Oppenheimer

Die Fabelmans

The Banshees of Inisherin

Barbie

Die Frau im Nebel

Pacifiction

Music

Close

Tótem

Limbo

Spider-Man: Across the Spider-Verse

Sisi & Ich

Past Lives – In einem anderen Leben

Ein feines Buch, das in jeder gutsortierten Filmbibliothek stehen sollte.

Filmdienst.de/Katholische Filmkommission für Deutschland (Redaktion: Jörg Gerle, Felicitas Kleiner, Josef Lederle, Marius Nobach): Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2023/2024

Schüren, 2024

528 Seiten

28,00 Euro

Hinweise

Homepage der Zeitschrift „Filmdienst“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“

Meine Besprechung von „Lexikon des internationalen Films – Filmjahr 2009“

Meine Besprechung von “Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2010″

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2011“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2012“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2013“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2014“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2015“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2016“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2017“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2019/2020“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2020/2021“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2021/2022“

Meine Besprechung von „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2022/2023“

Ihr bekanntester Film ist immer noch „Das Piano“. In den letzten Jahren erreichte sie mit der TV-Serie „Top of the Lake“ und dem Netflix-Western „The Power of the Dog“, der in einigen wenigen Kinos lief und für den sie den Regie-Oscar erhielt, wieder eine größere Öffentlichkeit.

Wie ein Blick auf ihre schmales Werk – neun Spielfilme, zwei, drei TV-Serien (je nach Zählung) und mehrere Kurzfilme in 44 Jahren – zeigt, ist die 1954 in Wellington, Neuseeland geborene Jane Campion nicht die produktivste Regisseurin. Dafür sind zumindest die Titel ihrer Filme „Sweetie“, „Ein Engel an meiner Tafel“ (An Angel at my Table), „Das Piano“ (The Piano), „Portrait of a Lady“, „Holy Smoke“, „In the Cut“ (ihr verzichtbarer Hollywood-Ausflug in das Serienkillerthrillergenre, der uns eine nackte Meg Ryan bescherrte und in den letzten Jahren eine Neubewertung erfuhr), „Bright Star“ (das dürfte ihr unbekanntester neuer Film sein) und „The Power of the Dog“ bekannt. Ebenso ihre TV-Serie „Top of the Lake“ und „Top of the Lake: China Girl“ (mit Nicole Kidman).

In ihrem Buch „Jane Campion & ihre Filme“ beschäftigt die Soziologin und Hochschuldozentin Marisa Buovolo sich intensiv mit Campions Filme. Die größte Aufmerksamkeit widmet sie den Filmen „Das Piano“ und „In the Cut“ und der aus zwei Staffeln bestehenden TV-Serie „Top of the Lake“. Dabei will sie keine Interpretationen vorschreiben, sondern Angebote für unterschiedliche Interpretationen machen und den Leser zum Nachdenken und (wieder) Ansehen der Filme anregen.

Marisa Buovolo: Jane Campion & ihre Filme

Schüren, 2024

208 Seiten

24 Euro

Hinweise

Schüren über Marisa Buovolo

Rotten Tomatoes über Jane Campion

Wikipedia über Jane Campion (deutsch, englisch)

Weil ich das Buch hier noch nicht empfohlen habe, es aber gut in diese Kolumne passt: vor zwei Jahren erschien bei der Bundeszentrale für politische Bildung das von Peter Zimmermann geschriebene Buch „Dokumentarfilm in Deutschland: Von den Anfängen bis zur Gegenwart“. Zimmermann ist Privatdozent, Literatur- und Medienwissenschaftler und war vierzehn Jahre Wissenschaftlicher Leiter am Haus des Dokumentarfilms. Er veröffentlichte bereits mehrere Bücher zu verschiedenen Aspekten des Dokumentarfilms in Deutschland.

Sein in die Tiefe gehendes Buch „Dokumentarfilm in Deutschland“ ist die erste Gesamtdarstellung der Geschichte des deutschen Dokumentarfilms. Er benötigt dafür, aufgelockert durch einige Bilder, gut vierhundert zweispaltig engbedruckte Seiten. Damit dürfte es für die nächsten Jahre das Standardwerk zur Geschichte des deutschen Dokumentarfilms sein.

Für den 2023 verstorbenen Filmwissenschaftler Hans Helmut Prinzler war Zimmermanns Buch das „Filmbuch des Jahres“.

Wer jetzt immer noch zweifelt, den sollte der einmalig günstige Verkaufspreis von 7 Euro für das dicke Buch überzeugen.

Peter Zimmermann: Dokumentarfilm in Deutschland: Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Bundeszentrale für politische Bildung, 2022

400 Seiten

7 Euro

Hinweise

Bundeszentrale für politische Bildung über das Buch (und, ja, da könnt ihr noch viele weitere Bücher und Filme bestellen. Könnte am Ende dann sogar ziemlich teuer werden.)

Wikipedia über den Dokumentarfilm

Homepage vom Haus des Dokumentarfilms (HDF)

 

 


TV-Tipp für den 28. Januar: Der Mann, der niemals lebte

Januar 27, 2024

Arte, 21.50

Der Mann, der niemals lebte (Body of Lies, USA 2008)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: William Monahan

LV: David Ignatius: Body of Lies, 2007 (Der Mann, der niemals lebte)

CIA-Agent Roger Ferris fahndet im Nahen Osten nach einer islamistischen Terrorzelle. Als sie nicht weiterkommen, hecken Ferris und sein in Washington, D. C., sitzender Chef einen verwegenen Plan aus.

Okayer, schrecklich ausgewogener, realistischer Polit-Thriller, bei dem man nie den Eindruck los wird, dass hier alle unter ihren Möglichkeiten bleiben. Außerdem ist das Ende enttäuschend.

David Ignatius gefällt die Verfilmung.

mit Leonardo DiCaprio, Russell Crowe, Mark Strong, Oscar Isaac

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Der Mann, der niemals lebte“

Wikipedia über „Der Mann, der niemals lebte“ (deutsch, englisch)

Hollywood Hills: Interview mit David Ignatius über die Verfilmung (Teil 1, Teil 2)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Napoleon“ (Napoleon, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Ridley Scotts „Napoleon“

November 23, 2023

Die Eckpunkte aus dem Leben von Napoleon Bonaparte dürften aus dem Schulunterricht bekannt sein: Geburt am 15. August 1769 auf Korsika, Militärdienst, Aufstieg mit erfolgreichen Feldzügen und Schlachten zum General und Kaiser der Franzosen, Erlass des Code Civil, ein gescheiterter Russlandfeldzug (Wer hätte auch ahnen können, dass russische Winter eiskalt sind und dass die Moskauer ihre Stadt verlassen, bis Napoleon sich frustriert zurückzieht?), Verbannung nach Elba, Rückkehr nach Paris für hundert Tage, Niederlage in Waterloo (Seitdem steht der Name des Dorfes für grandios-überwältigende finale Niederlagen.) und anschließénde Verbannung nach St. Helena. Dort stirbt er am 5. Mai 1821.

Sein kurzes Leben spielt sich vor dem Hintergrund der Französischen Revolution und ihrer Nachwirren ab.

Das ist alles, wie gesagt, Schulwissen.

Weniger bekannt über Napoleon ist, dass der Feldherr mit Joséphine de Beauharnais verheiratet war. Als er sie kennen lernt, ist sie eine Witwe mit zwei Kindern. Und sechs Jahre älter als er. Außerdem ist sie politisch gut vernetzt. Sie heiraten 1796 und sie fördert seinen politischen Aufstieg.

Jetzt verfilmte Ridley Scott dieses Leben als Epos, das brav den Konventionen eines Biopics folgt. Chronologisch wird eine Lebensstation nach der nächsten Station abgehandelt. Die Politik wird, wenn es nicht anders geht, gestreift. Aber dafür interessiert Scott sich nicht. Er interessiert sich für die von Napoleon geführten Schlachten und für seine Beziehung zu Joséphine. Alles andere ist Beiwerk

Darau ergibt sich ein stetiger Wechsel aus intimen Szenen und epischen Schlachtengemälden. Aber für Kampfstrategien und das Verhältnis zwischen Napoleon und seinen Soldaten interessiert Scott sich nicht. Viel lieber zeigt er die Schlachten als ein Aufeinandertreffen verfeindeter, sich gegenseitig tötender Soldaten.

Und damit kämen wir zum ersten Punkt, in dem „Napoleon“ sich von anderen Biopics über Feldherren unterscheidet. Scott zeigt drastisch, was eine Kanonenkugel, ein Schwerthieb, eine Kugel bei dem Opfer anrichtet. Blut und Gedärme von Menschen und Pferden spritzen über die Leinwand. Die Schlachten sind Massaker, bei denen die Seite gewinnt, die mehr Männer zum Sterben auf das Schlachtfeld schicken kann. Jedes Mal starben, wie auch eine Texttafel am Filmende verrät, bei den im Film gezeigten Schlachten zehntausende junger Männer.

Der zweite Punkt, der „Napoleon“ von anderen Biopics unterscheidet, ist die Präsentation der Beziehung zwischen Napoleon und Joséphine. Von Anfang an ist es eine schräge, toxische Beziehung, in der sie sich lieben, aber nicht miteinander leben können. Eine seltsamere große Liebe wurde wahrscheinlich noch nie gezeigt. Gleichzeitig hat, auch wenn Scott sich für diesen Aspekt weniger interessiert, ihre Beziehung auch immer etwas von einer Zweckehe. Er interessiert sich eher für die sexuelle, triebgesteuerte Seite der Beziehung.

Der Rest des über zweieinhalbstündigen Films ist konventionelles Biopic-Kino mit Schauwerten und einer immer wieder erstaunlich sprunghaften Erzählweise. So brechen die Schlachten immer wieder mitten im größten Getümmel ab. Die Folgen, also die Felder mit Toten und Verletzten, zeigt Scott nie.

In der von Scott bereits angekündigten deutlich über vierstündigen Langfassung des Films dürfte sich das nicht ändern. Denn er will nicht mehr über Napoleon (Joaquin Phoenix) und seine Verdienste als Feldherr und Politiker erzählen. Er will mehr über Joséphine de Beauharnais (Vanessa Kirby) erzählen. Damit dürfte „Napoleon“ endgültig nicht mehr, wie der Kinofilm, ‚Napoleon & Joséphine‘, sondern „Joséphine & Napoleon‘ sein.

Napoleon (Napoleon, USA 2023)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: David Scarpa

mit Joaquin Phoenix, Vanessa Kirby, Ludivine Sagnier, Tahar Rahim, Ian McNeice, John Hollingworth, Ben Miles, Rupert Everett, Paul Rhys

Länge: 159 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Napoleon“

Metacritic über „Napoleon“

Rotten Tomatoes über „Napoleon“

Wikipedia über „Napoleon“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood macht einen Faktencheck (und findet viele Punkte, in denen der Film sich nicht an die historisch verbürgten Fakten hält)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)


TV-Tipp für den 2. November: Blade Runner

November 1, 2023

Arte, 22.45

Blade Runner: Final Cut (Blade Runner, USA 1982)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples

LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)

LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.

Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.

„Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.

Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“

Schon vor Jahren hat sich diese Einschätzung geändert: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)

„Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blade Runner“

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise

Schnittberichte: Vergleich Director’s Cut – Final Cut

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Mein Hinweis auf die Neuauflage der Philip-K.-Dick-Romane „Marsianischer Zeitsturz“, „Ubik“ und „Der dunkle Schirm“

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)“ (Blade Runner 2019 # 5 – 8, 2020)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2029 – Alte Bekannte (Band 1)“ (Blade Runner 2029 # 1 – 4, 2020/2021)

 


TV-Tipp für den 29. August: Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

August 28, 2023

Nitro, 20.15

Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Alien, Großbritannien/USA 1979)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Dan O’Bannon (nach einer Geschichte von Dan O’Bannon und Ronald Shushett)

Buch zum Film: Alan Dean Foster: Alien, 1979 (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt)

Ein Notruf unterbricht den Raumflug der Nostromo. Die vom Bordcomputer aus dem Tiefschlaf aufgewachte Besatzung sieht sich den Ursprung des Signals an und kämpft kurz darauf gegen ein äußerst unfreundliches außerirdisches Lebewesen. Besonders Ellen Ripley (Sigourney Weaver als role model) bereitet dem Alien Ärger.

Ein SF-Klassiker, der einige langlebige Filmkarrieren initiierte. Der legendäre Filmpitch war, so heißt es, in einem Fahrstuhl „Der weiße Hai im All“; der ebenso legendäre Werbespruch für den Film ist „In space no one can hear you scream“ und der Trailer stimmt einen auf zwei Stunden Terror ein.

Der Film ist FSK-16 und darf deshalb um 20.15 Uhr nur in einer gekürzten Fassung gezeigt werden. Wenn allerdings diese gekürzte Fassung gezeigt wird, wurde erstaunlich wenig gekürzt: nämlich nur eine Szene, die nur im Director’s Cut enthalten ist.

Am Mittwoch, den 30. August, zeigt Nitro um 20.15 Uhr die Fortsetzung: James Camerons „Aliens – Die Rückkehr“.

mit Sigourney Weaver, Tom Skerritt, Harry Dean Stanton, John Hurt, Veronica Cartwright, Ian Holm, Yaphet Kotto

Wiederholung: Donnerstag, 31. August, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Alien“

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte

Homepage von Alan Dean Foster

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Trek“ (Star Trek, 2009)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Interview mit Alan Dean Foster über seinen Filmroman „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)


TV-Tipp für den 6. Juli: Robin Hood

Juli 5, 2023

ZDFneo, 23.00

Robin Hood (Robin Hood, USA/Großbritannien 2010)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Brian Helgeland

Ridley Scotts Interpretation der allseits bekannten Geschichte von Robin Hood.

mit Russell Crowe, Cate Blanchett, William Hurt, Max von Sydow, Matthew MacFadyen, Mark Strong, Oscar Isaac, Léa Seydoux, Scott Grimes, Danny Huston

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Robin Hood“

Wikipedia über „Robin Hood“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 4. Oktober (+ Bonushinweis): Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

Oktober 3, 2022

Nitro, 20.15

Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (Alien, Großbritannien/USA 1979)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Dan O’Bannon (nach einer Geschichte von Dan O’Bannon und Ronald Shushett)

Buch zum Film: Alan Dean Foster: Alien, 1979 (Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt)

Ein Notruf unterbricht den Raumflug der Nostromo. Die vom Bordcomputer aus dem Tiefschlaf aufgewachte Besatzung sieht sich den Ursprung des Signals an und kämpft kurz darauf gegen ein äußerst unfreundliches außerirdisches Lebewesen. Besonders Ellen Ripley (Sigourney Weaver als role model) bereitet dem Alien Ärger.

Ein SF-Klassiker, der einige langlebige Filmkarrieren initiierte. Der legendäre Filmpitch war, so heißt es, in einem Fahrstuhl „Der weiße Hai im All“; der ebenso legendäre Werbespruch für den Film ist „In space no one can hear you scream“ und der Trailer stimmt einen auf zwei Stunden Terror ein.

mit Sigourney Weaver, Tom Skerritt, Harry Dean Stanton, John Hurt, Veronica Cartwright, Ian Holm, Yaphet Kotto

Wiederholung: Donnerstag, 6. Oktober, 00.50 Uhr (Taggenau! – Dann auch ungekürzt. Der Film ist FSK-16.)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Alien“

Wikipedia über „Alien“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte

Homepage von Alan Dean Foster

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Trek“ (Star Trek, 2009)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Terminator: Die Erlösung“ (Terminator Salvation: The Official Movie Novelisation, 2009)

Interview mit Alan Dean Foster über seinen Filmroman „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Star Wars: Das Erwachen der Macht – Der Roman zum Film (Star Wars: The Force awakens, 2015)

Meine Besprechung von Alan Dean Fosters „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, 2017)

Meine Besprechung von Dan O’Bannon/Christiano Seixas/Guilherme Balbis „Alien – Die Urfassung“ (Alien: The Original Screenplay # 1 – 5, 2020)

Bonushinweis

In Comics wird die Alien-Welt weitergesponnen. Das letzte Erzeugnis ist der Comic „Blutlinien“ von Phillip Kennedy Johnson und Salvador Larroca. In der 2200 spielenden Geschichte geht es um Weyland-Yutani-Sicherheitschef Gabriel Cruz, der eigentlich im Ruhestand ist. Aber jetzt muss er noch einmal zurück auf die Forschungsstation Epsilon. Die Station wurde überfallen. Die Täter, zu denen sein Sohn gehört, haben jetzt Zugriff auf die gesamten Forschungen des Konzerns über die Xenomorphe. Aber Cruz soll nicht seinen Sohn, sondern den Alpha-Embryo retten.

Eine spannende Lektüre.

In den USA hat Johnson bereits weitere Geschichten aus dem Alien-Universum geschrieben. Außerdem schreibt er 007-Geschichten.

Phillip Kennedy Johnson/Salvador Larroca: Alien – Blutlinien (Band 1)

(übersetzt von Alexander Rösch)

Panini Comics, 2022

160 Seiten

20 Euro


TV-Tipp für den 31. Juli: Thelma & Louise

Juli 30, 2022

Arte, 20.15

Thelma & Louise (Thelma & Louise, USA 1991)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Callie Khouri

Hausfrau Thelma und ihre Freundin, die Kellnerin Louise, brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. In Notwehr erschießt Louise ihn. Weil ihnen das aber niemand glaubt, fliehen Thelma und Louise nach Mexiko. Verfolgt von der Polizei.

Ein feministisches Roadmovie, ein Kassen- und Kritikererfolg und inzwischen ein Klassiker.

Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.

mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt

Wiederholung: Mittwoch, 3. August, 01.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Thelma & Louise“

Wikipedia über „Thelma & Louise“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Thelma & Louise“ (Final shooting script, 5. Juni 1990) von Callie Khouri

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Der Marsianer – Rettet Mark Watney” (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Juni: Blade Runner: Final Cut

Juni 17, 2022

Tele 5, 20.15

Blade Runner: Final Cut (Blade Runner, USA 1982)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples

LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)

LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.

Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.

„Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.

Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“

Schon vor Jahren hat sich diese Einschätzung geändert: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)

„Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Blade Runner“

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch) und das Blade-Runner-Franchise

Schnittberichte: Vergleich Director’s Cut – Final Cut

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „House of Gucci“ (House of Gucci, USA 2021)

Meine Besprechung von Len Wisemans Philip-K.-Dick-Verfilmung „Total Recall“ (Total Recall, USA 2012)

Mein Hinweis auf die Neuauflage der Philip-K.-Dick-Romane „Marsianischer Zeitsturz“, „Ubik“ und „Der dunkle Schirm“

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Los Angeles“ (Blade Runner 2019 # 1- 4, 2020)

Meine Besprechung von Michael Green/Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2019: Off-World – Jenseits der Erde (Band 2)“ (Blade Runner 2019 # 5 – 8, 2020)

Meine Besprechung von Mike Johnson/Andrés Guinaldos „Blade Runner 2029 – Alte Bekannte (Band 1)“ (Blade Runner 2029 # 1 – 4, 2020/2021)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Das Endes des „House of Gucci“ als Familienunternehmen

Dezember 3, 2021

1970 – im Film wird 1978 genannt – lernt der introvertierte Maurizio Gucci (Adam Driver) in Mailiand Patrizia Reggiani (Lady Gaga), die ausgehfreudige Tochter eines Transportunternehmer, kennen. Sie verlieben sich ineinander, heiraten 1972 und trennen sich 1985. Die Scheidung war 1994. Am 27. März 1995 wird Maurizio Gucci auf offener Straße erschossen.

1998 wird Patrizia Reggiani verurteilt. Sie soll einen Killer beauftragt haben, ihren Ex-Mann zu ermorden.

Zwischen diesen beiden Daten spielt sich Ridley Scotts neuer Film „House of Gucci“ ab. Es ist eine wahre Geschichte, über die damals viel berichtet wurde. Immerhin war hier alles versammelt, was das Herz der Klatschpresse jubilieren lässt und Stoff für mindestens ein halbes Dutzend verschiedener Filme liefert. 2001 erschien Sara Gay Fordens Buch „The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour, and Greed“. Scott sicherte sich schnell die Verfilmungsrechte.

Angesichts des Films frage ich mich, was Scott an dieser Familiengeschichte und Ehe interessiert hat. Denn die von den wahren Ereignissen inspirierte Filmgeschichte hat keine Fokus. Scott spring sprunghaft zwischen der Geschichte der Ehe von Maurizio Gucci und Patrizia Reggiani und der Geschichte des Hauses Gucci hin und her, bleibt dabei trotz der epischen Laufzeit von fast hundertsechzig Minute erstaunlich kryptisch und oberflächlich. Vieles wirkt skizziert. Oft entwickelt sich die Handlung sprunghaft und lässt dabei immer wieder ein, zwei, drei wichtige Erklärschritte aus, die wichtig wären, um emotional involviert zu sein und die Gründe für die Handlungen der einzelnen Figuren zu verstehen.

Beide Geschichten können als selbstverschuldete Verfallsgeschichten gesehen werden. Denn noch vor seinem Tod verkaufte Maurizio Gucci, als letztes Mitglied der Familie, 1993 seine Firmenanteile an Investcorp. Davor zerfleischte sich die Familie und keiner der Söhne war fähig oder willens, das Unternehmen zu leiten. Maurizios Ehe endet in einer Scheidung. Danach plant Patrizia Reggiani hasserfült seine Ermordung. Im Film ist ihr Motiv eher enttäuschte Liebe, in der Realität könnten es primär finanzielle Überlegungen und die Hoffnung auf mehr Einfluss in dem Familienunternehmen gewesen sein. Lady Gaga spielt sie als Symbiose ungefähr aller italienischen Filmfrauen.

Über Maurizio Gucci wissen wir trotz Adam Drivers zurückhaltendem Spiel, nach zweieinhalb Stunden nicht mehr als am Anfang. Nämlich dass er wundervoll entspannt durch Mailand Fahrrad fahren kann. Es ist allerdings vollkommen unklar, wie er tickt, was er erreichen will und warum er was tut. Dabei scheint er in den Achtzigern, aus unbekannten Gründen, in die Rolle des Firmenchefs hingewachsen zu sein und in der Lage zu sein, seine Interessen durchzusetzen. Vorher sagte ihm seine Frau, was er zu tun habe und er, vollkommen desinteressiert an unternehmerischen Entscheidungen, folgte ihren Ratschlägen.

Scott findet auch keinen einheitlichen Tonfall. „House of Gucci schwankt zwischen 70er-Jahre-Italo-Thriller (vor allem am Anfang und bei den mit Al Pacino als Aldo Gucci in New York spielenden Szenen), Felliniesker Opulenz, überbordender Gefühls- und Verfallsoper, und Szenen, die wohl satirisch gemeint sind. Es gibt etwas Ehedrama und einige Firmenintrigen. Die Schauspieler geben dem Affen Zucker. Im besten Fall ist das als Einzelleistung überzeugend, im schlechtesten Fall einfach nur bizarr. Das gilt vor allem für den von Al Pacino gespielten Aldo Gucci, der in den USA das Gucci-Unternehmen vertritt und wie die Klischeevorstellung einer Kreuzung aus halbseidenem Unternehmer und 70er-Jahre-Mafiosi wirkt, und seinem von Jared Leto gespielten Filmsohn Paolo, der sich vor allem als Künstler sieht und dabei wie der Quartalsirre von nebenan wirkt. Er ist die erste Person, der man einen Vormund geben möchte. Für irgendeine Führungsposition ist er erkennbar unqualifiziert.

House of Gucci“ ist eine missglückte Seifenoper, die nie verrät, was sie uns erzählen will oder warum wir uns für das Schicksal der Familie Gucci interessieren sollten.

Inzwischen hat Ridley Scott in einem Interview von einer längeren Version gesprochen, die er vielleicht für die DVD-Veröffentlichung erstellt. Diese könnte dann sogar in sich stimmiger sein.

House of Gucci (House of Gucci, USA 2021)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Becky Johnston, Roberto Bentivegna (nach einer Geschichte von Becky Johnston)

LV: Sara Gay Forden: The House of Gucci: A Sensational Story of Murder, Madness, Glamour, and Greed, 2001 (GUCCI: Mode, Mord und Business)

mit Lady Gaga, Adam Driver, Al Pacino, Jeremy Irons, Jared Leto, Jack Huston, Salma Hayek, Alexia Murray, Vincent Riotta, Gaetano Bruno

Länge: 158 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „House of Gucci“

Metacritic über „House of Gucci“

Rotten Tomatoes über „House of Gucci“

Wikipedia über „House of Gucci“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywod über „House of Gucci“

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ (The Martian, USA 2015)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „The Last Duel“ (The Last Duel, USA 2021)

Ridley Scott in der Kriminalakte

 


Neu im Kino/Filmkritik: Über Ridley Scotts Mittelalterdrama „The last Duel“

Oktober 14, 2021

Natürlich ist das titelgebende „The Last Duel“ nicht wirklich das letzte Duell, sondern das Duell vom 29. Dezember 1386 ist das letzte gerichtlich verbürgte Duell in Frankreich. Aber es ist ein guter Filmtitel. Mit dem Duell sollte herausgefunden werden, ob Jacques Le Gris Marguerite de Carrouges vergewaltigt hatte. Solche Gerichtskämpfe, bei denen durch einen Kampf herausgefunden wurde, wer die Wahrheit sagt, waren damals schon eine Seltenheit.

Dieses Duell, die Schuldfrage und ob Marguerite de Carrouges vergewaltigt wurde, wurden seitdem, mehr oder weniger farbig ausgeschmückt, weiter erzählt. 2004 schilderte Eric Jager, nach zehnjähriger Recherche, in „The Last Duel“ das Duell. Matt Damon wurde auf das Buch aufmerksam. Er sprach Ridley Scott, mit dem er bereits bei „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ zusammengearbeitet hat, darauf an. Und er schrieb zusammen mit Ben Affleck und Nicole Holofcener das Drehbuch, bei dem vor allem seine Erzählstruktur auffällt. Denn die Ereignisse werden hintereinander, in drei ungefähr gleich langen Blöcken von jeweils ungefähr 45 Minuten geschildert. Zuerst werden die Ereignisse aus der Sicht von Jean de Carrouges (Matt Damon), dann von Jacques Le Gris (Adam Driver) und abschließend von Marguerite de Carrouges (Jodie Comer) geschildert. Holofcener („Genug gesagt“, „Can you ever forgive me?“) war vor allem für diesen Teil zuständig.

Carrouges und Le Gris sind alte Kampfgefährten und Freunde, die gemeinsam zahlreiche Kämpfe überlebten. Carrouges heiratete 1380 Marguerite de Thibouville. Durch die Heirat erhoffte er auch, seine prekäre finanzielle Situation zu verbessern. Trotzdem muss er immer wieder als Ritter in Kämpfe ziehen. Le Gris, Sohn eines normannischen Gutsherrn, beginnt währenddessen für Graf Pierre d’Alencon (Ben Affleck) zu arbeiten und Geld einzutreiben.

Während Carrouges auf einem Feldzug ist, hat Marguerite die Aufsicht über den Hof (und sie ist dabei wesentlich geschäftstüchtiger als ihr Mann). Als sie allein in der Burg ist, dringt Le Gris ein und vergewaltigt sie. Das behauptet sie jedenfalls später gegenüber ihrem Mann. Die Forschung, die sich in diesem Fall auf ungewöhnlich viele gut erhaltene und umfangreiche Dokumente stützen kann, interpretierte die Schuldfrage unterschiedlich. Jager geht in seinem Buch davon aus, dass Le Gris Marguerite vergewaltigte. Der Film folgt ihm darin.

Carrouges fordert Gerechtigkeit. Nachdem d’Alencon sie ihm nicht gewährt, zieht er vor den Justizpalast in Paris. Dort entscheidet der zuständige Richter, dass das Urteil durch ein Gottesurteil gefällt werden soll.

Diese Geschichte erzählt Ridley Scott, wie gesagt, aus drei verschiedenen Perspektiven. Das ist eine gute Idee, um ein Ereignis aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und jede neue Perspektive kann zu weiteren Erkenntnissen führen. Dominik Moll zeigt die Möglichkeiten dieser Herangehensweise in seiner letzte Woche gestarteten Colin-Niel-Verfilmung „Die Verschwundene“. Bei Scott unterscheiden sich die drei Perspektiven kaum. Sie wirken daher wie fast identische Wiederholungen einer Geschichte. Das ist dann arg redundant und langweilt auch.

Gleichzeitig wird offensichtlich, wie sehr der Vorwurf der Vergewaltigung und die Empörung von Carrouges über die Vergewaltigung seiner Frau und seine Versuche, den Täter in einem Gerichtsverfahren verurteilen zu lassen, alle andere Erklärungen und Motive aus dem Film verdrängt. In dem Moment erscheint Carrouges wie ein eifriger Kämpfer für die Rechte der Frauen. Dabei heiratete er Marguerite wegen ihrer Mitgift und als zukünftige Mutter eines Erben. Ihr Geschlechtsverkehr kann mühelos als lustlose Vergewaltigung in der Ehe beschrieben werden.

Genau dieses rein instrumentelle Verhältnis zu seiner Frau führt zur Frage, warum Carrouges seine Klage gegen Le Gris so stur und eifrig weiterbetrieb. Seine ständigen finanziellen Probleme, die ihm verwehrten Positionen und Ämter, auf die er, mehr oder weniger zu Recht, Anspruch gehabt hätte und verlorene Klagen gegen Graf d’Alencon und damit den König von Frankreich liefern Ansätze für eine andere mögliche Erklärung. Das alles wird im Film auch erwähnt, aber als Erklärung für Carouges‘ Verhalten nie weiter thematisiert. Andere Erklärungen und Interpretationen für sein Verhalten werden überhaupt nicht erwähnt.

So bleibt „The Last Duel“ vor allem als mittelalterliche Soap-Opera über gekränkte männliche Eitelkeiten in Erinnerung. Daran ändert auch die dritte, aus Marguerites Perspektive erzählte und endgültige Interpretation der Ereignisse nichts. Denn zwei Drittel des Films werden aus der Perspektive von zwei Männern erzählt und sie bestimmen die Handlung.

Scott inszenierte diese wahre Geschichte in dunklen grau-schwarzen Bildern und einem sehr brutalen Duell am Filmende.

The Last Duel (The Last Duel, USA 2021)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Ben Affleck, Matt Damon, Nicole Holofcener

LV: Eric Jager: The Last Duel: A True Story of Trial by Combat in Medieval France, 2004

mit Matt Damon, Adam Driver, Jodie Comer, Ben Affleck, Nathaniel Parker, Harriet Walter, Marton Csokas, Adam Nagaitis, Alex Lawther

Länge: 153 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „The Last Duel“

Metacritic über „The Last Duel“

Rotten Tomaotes über „The Last Duel“

Wikipedia über „The Last Duel“ (deutsch, englisch)

History vs. Hollywood beteiligt sich an der Wahrheitsfindung

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Juli: Der Marsianer – Rettet Mark Watney

Juli 15, 2021

Pro7, 20.15

Der Marsianer – Rettet Mark Watney (The Martian, USA 2015)

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Drew Goddard

LV: Andy Weir: The Martian, 2011/2014 (Der Marsianer)

Wegen eines Sturms wird die erste bemannte Marsmission hastig abgebrochen und, durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, Crewmitglied Mark Watney auf dem Mars zurückgelassen. Weil auch jede Funkverbindung unterbrochen ist, beginnt Watney sich auf dem Mars einzurichten. Bis Hilfe kommt…

Hochspannendes und realistisches SF-Abenteuer, mit einer ordentlichen Portion Humor. „Der Marsianer“ war ein Erfolg bei der Kritik und dem Publikum. Er ist einer von Scotts besten Filmen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wig, Jeff Daniels, Michael Pena, Kate Mara, Sean Bean, Sebastian Stan, Aksel Hennie, Chiwetel Ejiofor, Donald Glover, Benedict Wong, Mackenzie Davis

Wiederholung: Samstag, 17. Juli, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Die Vorlage

Andy Weir: Der Marsianer – Rettet Mark Watney
(übersetzt von Jürgen Langowski)
Heyne, 2015
512 Seiten
9,99 Euro

Deutsche Erstausgabe
Heyne, 2014

Originalausgabe
The Martian
2011 (online)
(gedruckt 2014 bei Crown und Del Rey)

Hinweise
Moviepilot über „Der Marsianer“
Metacritic über „Der Marsianer“
Rotten Tomatoes über „Der Marsianer“
Wikipedia über „Der Marsianer“ (deutsch, englisch)
Homepage von Andy Weir

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Prometheus” (Prometheus, USA 2012)

Meine Besprechung von Ridley Scotts “Exodus – Götter und Könige (Exodus – Gods and Kings, USA 2014)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alien: Covenant“ (Alien: Covenant, USA 2017)

Meine Besprechung von Ridley Scotts „Alles Geld der Welt“ (All the Money in the World, USA 2017)

Ridley Scott in der Kriminalakte