Neu im Kino/Filmkritik: Was geschieht in diesen „Backrooms“?

Zum Glück orientiert sich der Film am ersten Trailer. Der zweite Trailer lässt einen generischen 08/15-Horrorfilm erwarten, in dem Menschen von einem Monster mehr oder weniger blutig, mehr oder weniger schrecklich durch dunkle Räume gejagt und fotogen ermordet werden.

Backrooms“ verlässt sich dagegen auf die Idee der Backrooms, der kafkaesken Hinterzimmer, in denen mal nichts, mal teils deformierte Möbel und und auch andere Gegenstände herumliegen. Vieles sieht aus, als habe jemand sie hergestellt, der die Originale nicht kennt. Die Wände, Decken und Böden schimmern in einem kränklichen Ocker; eigentlich haben sie keine Farbe, sondern einen Platzhalter-Farbton. Ein Raum führt in die nächsten Räume. Einige spätere Räume erinnern an seltsam verschobene Küchen und funktionslose Freizeiträume. Manchmal scheint man am Ende des Ganges auch einen anderen Menschen zu erblicken. Und es gibt seltsame Geräusche und nicht minder seltsame Stimmen.

Es ist ein M.-C.-Escher-würdiges Labyrinth, das Clark (Chiwetel Ejiofor) im Sommer 1990 erkundet. Es ist im Keller des von ihm geführten, kurz vor der Pleite stehenden Möbelgeschäftes, das in einem Vorort von Silicon Valley ist. Der Zugang erfolgt indem man einfach an einer bestimmten Stelle der Wand durch die Wand geht. Danach ist man in Räumen, die viel größer als das Möbelgeschäft sind und die keine erkennbare Funktion haben.

Zuerst erkundet er die Räume allein, dann mit seiner Angestellten Kat (Lukita Maxwell) und ihrem Freund Bobby (Finn Bennett). Sie sollen bezeugen können und auf Video aufnehmen, was er sieht. Sonst wird ihm niemand glauben. So ist seine Psychologin Dr. Mary Kline (Renate Reinsve), als er ihr davon erzählt, skeptisch. Er ist bei ihr wegen seiner gescheiterten Ehe, seiner ebenso gescheiterten Karriere als Architekt, seinen Wutausbrüchen und seiner generell instabilen Psyche in Behandlung. Es klingt auch ziemlich irre, was er ihr erzählt. Trotzdem folgt sie ihm später durch die Wand in die Backrooms.

Die Idee dafür hatte der heute Zwanzigjährige Kane Parsons als Sechzehnjähriger. Inspiriert von einer Internet-Horrorgeschichte, einer Creepypasta, experimentierte er mit der Open-Source-3D-Software Blender und Adobe After Effects und dem Konzept von Liminal Spaces herum, also unbewohnten Orten, Nicht-Orten und Transiträumen. In diesem Fall sind es Räume, die mehr Skizzen als echte Räume sind. Seinen ersten Film lud er 2022 auf YouTube hoch. Innerhalb von zwei Wochen wurde der neunminütige Clip zwanzig Millionen Mal aufgerufen. Seitdem erstellte er 24 weitere Episoden und Hollywood klopfte an seine Tür.

Mit seinem Spielfilmdebüt „Backrooms“ übertrug er dieses Konzept mit TV-Drehbuchautor Will Soodik auf die große Leinwand. Innerhalb weniger Tage wurde der 10 Millionen US-Dollar teure Horrorfilm zu einem riesigen Kassenerfolg und dem erfolgreichsten Film von A24. In den USA spielte er seit seinem Kinostart am 29. Mai etwas über 160 Millionen US-Dollar und weltweit über 250 Millionen US-Dollar ein. Um die Zahlen besser einordnen zu können helfen einige Vergleiche: „Masters of the Universe“ spielte in den USA bislang keine 50 Millionen US-Dollar und „Star Wars: The Mandalorian & Groku“ etwas über 160 Millionen US-Dollar ein. „Backrooms“ ist aktuell der zweiterfolgreichste Horrorfilm des Jahres; auf dem ersten Platz steht „Obsession“ (der bei uns am 25. Juni anläuft).

Neben den die Buchhalter in einen Glücksrausch versetzenden Zahlen überzeugt „Backrooms“ auch als Horrorfilm. In für einen Spielfilm, vor allem für einen Horrorfilm, unüblichen langen Einstellungen erzählt Kane Parsons eine Geschichte, die vor allem von ihrer Atmosphäre lebt. Die riesigen menschenleeren und funktionslosen Räume und die Geräusche beunruhigen. Die Räume wirken immer etwas falsch. Und die Hauptfiguren haben mit seelischen Problemen zu kämpfen. Parsons lässt sich auf seine Figuren und ihr Gefühlsleben ein. Und er erklärt fast nichts. Das führt dazu, dass die Erklärung am Filmende zugleich zu viel und zu wenig erklärt.

Aber das ist bestenfalls ein kleiner Kritikpunkt an diesem überzeugendem Debütfilm eines überraschend jungen Regisseurs. Wenn man nicht wüsste, dass Parsons erst zwanzig Jahre alt ist, würde man einen älteren Regisseur hinter der Kamera vermuten.

Selbstverständlich wird es weitere Filme geben, die in der Welt der Backrooms spielen. Davor dürfte „Backrooms“, zu Recht, auf einigen Jahresbestenlisten auftauchen.

Backrooms (Backrooms, USA 2026)

Regie: Kane Parsons

Drehbuch: Will Soodik

mit Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Lukita Maxwell, Finn Bennett

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot ober „Backrooms“

Metacritic über „Backrooms“

Rotten Tomatoes über „Backrooms“

Wikipedia über „Backrooms“ (deutsch, englisch)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..