Neu im Kino/Filmkritik: Der überwältigend erfolgreiche Horrorfilm „Obsession – Du sollst mich lieben“

Inzwischen ist „Obsession – Du sollst mich lieben“ ein an der Kinokasse erfolgreicher Horrorfilm, der, zusammen mit dem letzte Woche gestarteten Horrorfilm „Backrooms“, zahlreiche Artikel inspirierte. Denn irgendetwas muss uns der gleichzeitige Erfolg von zwei Horrorfilmen an der Kinokasse doch über unsere Gesellschaft sagen.

Während „Backrooms“ mit dem Konzept liminaler Räume arbeitet und man leicht über die Unwirtlichkeit des Kapitalismus räsonieren kann, ist es bei „Obsession – Du sollst mich lieben“ anders.

Bear (Michael Johnston) ist schon seit Jahren in Nikki (Inde Navarrette), seine Arbeitskollegin in einem Musikgeschäft, verliebt. Sie verstehen sich auch gut, aber es bleibt bei einer Freundschaft. Weil der schüchterne Romantiker Bear sich nicht traut, Nikki seine Liebe zu gestehen, verfällt er auf einen One-Wish-Willow. Er hat diesen One-Wish-Willow in einem aus der Zeit gefallenem Geschäft für allerlei Zauberartikel gefunden und aus einer Laune heraus gekauft. Wenn man diesen One-Wish-Willow zerbricht, so erzählt ihm der Verkäufer, erfüllt er einen Wunsch. Bear wünscht sich, dass Nikki sich unsterblich in ihn verliebt.

Zuerst geschieht nichts.

Etwas später ist sie in ihn verliebt, zeigt ihm ihre Liebe und zieht bei ihm ein.

Kurz darauf dämmert es Bear, dass sich sein Wunsch erfüllte. Nikki ist jetzt in ihn verliebt. Sie erfüllt ihm jeden Wunsch. Sie will ihm nicht mehr von der Seite weichen. Und sie verteidigt ihre Liebe mit allen Mitteln gegen echte und vermeintliche Bedrohungen.

Curry Barker postete, wie „Backrooms“-Regisseur Kane Parsons, seine ersten Filme auf YouTube. „Obsession – Du sollst mich lieben“ ist jetzt das ebenfalls in langen Szenen gedrehte Spielfilmdebüt des 26-jährigen. Er inszenierte ihn mit einem Microbudget von 750.000 US-Dollar.

Inzwischen hat der Horrorfilm in den USA über 220 Millionen US-Dollar eingespielt. Aktuell steht der in den USA am 15. Mai gestartete Film immer noch mal auf dem zweiten, seltener auf dem dritten Platz der täglichen US-Kinocharts. Weltweit spielte er über 337 Millionen US-Dollar ein. Damit ist er der umsatzträchtigste Horrorfilm des Jahres.

Noch mehr als bei „Backrooms“ stellt sich die Frage, warum dieser Film so erfolgreich ist. Sicher, er ist gut gemacht. Die Schauspieler überzeugen, vor allem Inde Navarrette hat eine beunruhigende Präsenz, wenn sie etwas seltsam reagiert, in einer dunklen Zimmerecke steht oder zu lang in bestimmten Posen verharrt. Die Story von „Obsession“ wirft einen beunruhigenden Blick auf sich anders als erwartet entwickelnde Beziehungen. Es geht um Begehren, Macht, Besessenheit, Abhängigkeit und Freiheit. Das kann jeder nachvollziehen. Nach dem Film kann man mit dem Freund darüber reden, wann aus Liebe etwas anderes wird.

Das ändert aber nichts daran, dass die Geschichte nur sattsam bekannte Topoi leicht variiert. Der Plot ist in seinen Grundzügen bekannt. Ebenso die Moral der Geschichte und die sich schnell abzeichnende Lösung für Bears Problem. Es ist auch eine Geschichte, die mit 109 Minuten deutlich zu lang geraten ist. Eigentlich sollte sie in unter neunzig Minuten erzählt werden. Oder, dann unter sechzig Minuten, als Geschichte in einer Anthologieserie wie „The Twilight Zone“.

Selbstverständlich wird es aufgrund des überwältigenden Einspiels an der Kinokasse in den kommenden Jahren Fortsetzungen geben. Irgendwo wird sich nämlich immer wieder ein Trottel finden, der sich etwas wünscht und einen One-Wish-Willow zerbricht.

Obsession – Du sollst mich lieben (Obsession, USA 2025)

Regie: Curry Barker

Drehbuch: Curry Barker

mit Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Haley Fitzgerald, Darin Toonder

Länge: 109 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Obsession – Du sollst mich lieben“

Metacritic über „Obsession – Du sollst mich lieben“

Rotten Tomatoes über „Obsession – Du sollst mich lieben“

Wikipedia über „Obsession – Du sollst mich lieben“ (deutsch, englisch)

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