Robin Hood kennen wir vor allem als jungen Mann, wenn er die allseits bekannten Abenteuer mit seinen allseits bekannten Freunden erlebt und den bösen Sheriff von Nottingham besiegt. Was danach geschah, wird dagegen seltener erzählt. Richard Lester tat es 1975 in „Robin und Marian“ mit Sean Connery und Audrey Hepburn als bittersüßes Melodrama. Außerdem kann ein Film mit Sean Connery nicht ganz schlecht sein.
Michael Sarnoski wählt einen anderen Ansatzpunkt in seinem „The Death of Robin Hood“. Bekannt ist er für das düstere, langsam erzählte Rachedrama „Pig“, ein Anti-“John Wick“-Thriller mit Nicolas Cage in der Hauptrolle, und „A quiet Place: Tag Eins“, seinem gelungenem Eintrag in das SF-Franchise. Gerade den Fans von „Pig“ sollte „The Death of Robin Hood“ gefallen.
1247 ist Robin Hood (Hugh Jackman, zuletzt die Leiche in „Glennkill“) ein alter Mann. Eine Legende, die irgendwo in den Bergen leben soll. Als Little John ihn um Hilfe bittet, muss er wieder in den Kampf ziehen. Sarnoski inszeniert diesen Rachefeldzug bildgewaltig als blutiges Gemetzel à la „The Northman“. Es sind hochästhetische Bilder, die in ihrer Brutalität verstören sollen.
Nach ungefähr vierzig Minuten gibt es einen Bruch. Im Breitbildformat 1:2,39 wird Robin Hood schwer verletzt. Mehr tot als lebendig wacht er in einem auf einer Insel liegendem Kloster auf. Ab diesem Moment erzählt Sarnoski die Geschichte im deutlich schmaleren 1:1,66-Format weiter.
Mit dem Wechsel des Bildformats beginnt ein neuer Film, in dem es nur noch um die Genesung von Robin Hood geht. Zuerst körperlich, dann auch geistig. Sarnoski erzählt dies enervierend ruhig. Schon bei seiner ersten Begegnung mit Schwester Brigid (Jodie Comer) ist der weitere Verlauf der Geschichte absehbar.
Den Mythos Robin Hood und Robin Hood hat Sarnoski bereits in den ersten Filmminuten demontiert. Zuerst erzählt Hood, ein alter, zotteliger in den Bergen lebender Einsiedler, einem durch die Einöde irrendem Mädchen, dass die Heldengeschichten über Robin Hood Lügen seien. Anschließend tötet er mit einem traurigem Blick das Kind, weil es ihn töten wollte. Sarnoski braucht keine fünf Minuten für diese Heldendemontage. Sein Robin Hood ist kein strahlender Held, sondern ein von seinen Taten verfolgter Mann, der Erlösung sucht – und müde weitermordet bis zu seinem schon im Filmtitel angekündigtem Tod.
Das ist dann etwas wenig Story und thematische Variation für einen über zweistündigen Film, der kontemplativ ähnliche Szenen aneinanderreiht.

The Death of Robin Hood (The Death of Robin Hood, USA 2026)
Regie: Michael Sarnoski
Drehbuch: Michael Sarnoski
mit Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgård, Murray Bartlett, Fatih Delaney, Noah Jupe
Länge: 122 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Moviepilot über „The Death of Robin Hood“
Metacritic über „The Death of Robin Hood“
Rotten Tomatoes über „The Death of Robin Hood“
Wikipedia über „The Death of Robin Hood“ (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von Michael Sarnoskis „A quiet Place: Tag Eins“ (A quiet Place: Day One, USA 2024)