TV-Tipp für den 30. Mai: Nur eine Frau

Mai 29, 2021

HR, 20.15

Nur eine Frau (Deutschland 2019)

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Florian Oeller

Beeindruckendes Biopic über die am 7. Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossene Hatun Sürücü. Sie wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie ein selbstbestimmtes Leben leben wollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Almina Bagriacik, Rauand Taleb, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Armin Wahedi, Aram Arami, Merve Aksoy, Mehmet Atesci, Jacob Matschenz, Lara Aylin Winkler, Idil Üner

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Nur eine Frau“

Moviepilot über „Nur eine Frau“

Wikipedia über „Nur eine Frau“

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „3096 Tage“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „Nur eine Frau“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 29. Januar: Nur eine Frau

Januar 28, 2020

ARD, 20.15

Nur eine Frau (Deutschland 2019)

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Florian Oeller

Wenige Monate nach dem Kinostart und wenige Wochen nach dem DVD-Start läuft im Fernsehen das beeindruckende Biopic über die am 7. Februar 2005 in Berlin von ihrem Bruder erschossene Hatun Sürücü. Sie wurde von ihrer Familie ermordet, weil sie ein selbstbestimmtes Leben leben wollte.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Almina Bagriacik, Rauand Taleb, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Armin Wahedi, Aram Arami, Merve Aksoy, Mehmet Atesci, Jacob Matschenz, Lara Aylin Winkler, Idil Üner

Wiederholung: Donnerstag, 30. Januar, 00.20 Uhr (Taggenau! – und wahrscheinlich auch in der ARD-Mediathek)

Hinweise

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Meine Besprechung von Sherry Hormanns „3096 Tage“ (Deutschland 2012)

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „Nur eine Frau“ (Deutschland 2019)


DVD-Kritik: „Nur eine Frau“, die Geschichte von Hatun Sürücü

Oktober 25, 2019

In Berlin wird jedes Jahr der Hatun-Sürücü-Preis verliehen und wer wissen möchte, wer Hatun Aynur Sürücü war, sollte sich „Nur eine Frau“ ansehen. Basierend auf den Gerichtsakten, dem Buch und Film der rbb-Journalisten Matthias Deiß und Jo Goll über den Fall und eigenen Recherchen, erzählt das Biopic Hatuns Geschichte.

Die am 17. Januar 1982 geborene Deutschtürkin wird nach dem Ende der achten Schulklasse von ihren Elten vom Gymnasium gekommen und in die Türkei zwangsverheiratet. Ihr Mann, ein von ihrem Vater ausgewählter Cousin, schlägt sie. Schwanger kehrt sie zwei Jahre später nach Berlin zurück. Ihre strenggläubige, traditionsbewusste Familie, sunnitische Kurden, ist damit nicht einverstanden.

Noch im gleichen Jahr, im Oktober 1999, erhält sie einen Platz in einem Wohnheim für minderjährige Mütter. Später zieht Hatun in eine eigene Wohnung, schließt die Schule ab, beginnt eine Ausbildung als Elektroinstallateurin, zieht ihren Sohn Can allein groß, genießt das Nachtleben und verliebt sich in Tim, einen deutschen Mann. Ihre strenggläubige Familie ist mit keinem dieser Verstöße gegen die strenge sunnitische Auslegung des Islam einverstanden.

Am 7. Februar 2005 erschießt Nuri, der jüngste Sohn der Sürücü-Familie, seine 23-jährige Schwester auf offener Straße. Damit soll die Ehre der Familie wieder hergestellt werden.

Dieser ‚Ehrenmord‘ führt zu einer breiten öffentlichen Diskussion über ‚Ehrenmorde‘ und ihrer Behandlung durch die Justiz. Es geht vor allem um die Frage, ob das Motiv der ‚Ehre‘ weiterhin strafmildernd sein soll oder ob es sich um einen kaltblütigen Mord handelt, der kollektiv von der Familie beschlossen und ausgeführt wird.

Außerdem wurde Hatun Sürücü zu einem Symbol einer jungen Frau, die ihr Leben leben will – und dabei gegen Traditionen aufbegehren muss.

Jetzt verfilmte Sherry Hormann Hatun Sürücüs Geschichte als ein ergreifendes, aber auch arg didaktisches Lehrstück und Fallstudie. Sie beginnt ihren Film mit Hatuns Tod, zeigt Dokumentaraufnahmen vom Tatort, und lässt anschließend Hatun ihre Geschichte erzählen. Mit den notwendigen Erklärungen zu Familie, Tradition und Islam. Dazwischen gibt es Texttafeln mit den sechs Kriterien des BKA, die zu einem ‚Ehrenmord‘ an einer Frau führen können. Auf Hatun treffen alle diese Gründe zu. Außerdem wird der Fluss der Erzählung immer wieder durch Fotos, die manchmal wie in einem Fotoroman die Geschichte erzählen, und einem Privatvideo, das Hatun mit ihrem Freund Tim zeigt, unterbrochen.

Gerade die Fotostrecken und das damit verbundene Einfrieren des Bildes reißt einen immer wieder aus dem Fluss der Erzählung heraus. Wenigstens für einige Sekunden wird man wird wieder zum rationalen Beobachter der Vorgeschichte eines Mordes an einer lebenslustigen, lebensbejahenden, intelligenten jungen Frau.

Bei all dem berechtigen Lob, das es zum Kinostart für „Nur eine Frau“ gab, wurde nie auf Feo Aladags „Die Fremde“ (Deutschland 2010) hingewiesen. Aladag erzählt in ihrem Film kaum fiktionalisiert Hatun Sürücüs Geschichte. Als das Drama vor knapp zehn Jahren im Kino lief, war es auch ein wichtiges Statement zu der damals breit geführten Debatte über ‚Ehrenmorde‘ und das Streben junger Frauen nach Freiheit. Im Vergleich zwischen meiner Erinnerung an „Die Fremde“ und „Nur eine Frau“ ist „Die Fremde“ der beeindruckendere und bessere Film.

Das interessante Bonusmaterial der DVD besteht aus insgesamt etwas über dreißig Minuten Interviews mit Hauptdarstellerin Almila Bagriacik, Produzentin Sandra Maischberger und Regisseurin Sherry Hormann und einem einstündigen Audiomitschnitt eines Gesprächs zwischen Almila Bagriacik, Sandra Maischberger und Sherry Hormann.

Nur eine Frau (Deutschland 2019)

Regie: Sherry Hormann

Drehbuch: Florian Oeller

mit Almina Bagriacik, Rauand Taleb, Meral Perin, Mürtüz Yolcu, Armin Wahedi, Aram Arami, Merve Aksoy, Mehmet Atesci, Jacob Matschenz, Lara Aylin Winkler, Idil Üner

DVD

NFP Marketing & distribution

Bild: 16:9 (1,85:1)

Ton: Deutsch, Deutsch für Sehgeschädigte

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte

Bonusmaterial: Interviews mit Almila Bagriacik, Sandra Maischberger und Sherry Hormann, Audiogespräch mit, Trailer

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

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Filmportal über „Nur eine Frau“

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Wikipedia über „Nur eine Frau“

Meine Besprechung von Sherry Hormanns „3096 Tage“ (Deutschland 2012)


TV-Tipp für den 30. März: Solo für Schwarz: Tod im Park

März 30, 2017

ZDFneo, 20.15

Solo für Schwarz: Tod im Park (Deutschland 2003)

Regie: Martin Eigler

Drehbuch: Sven S. Poser

Nach Jahrzehnten kehrt Hannah Schwarz nach Schwerin zurück. Ihr Vater, ein Kriminalpolizist, starb an einem Herzinfarkt und jetzt muss der Haushalt aufgelöst werden. Als sie erfährt, dass seine Ex-Kollegen ihn für einen Frauenmörder halten, beginnt sie in der Vergangenheit herumzustochern.

Gelungener erster von vier Krimis mit Barbara Rudnik als Kriminalpsychologin Hannah Schwarz.

mit Barbara Rudnik, Harald Schrott, Meral Perin, Dieter Mann, Birke Bruck

Hinweis

Wikipedia über „Solo für Schwarz“


DVD-Kritik: Ist „Der Tel-Aviv-Krimi“ ein guter Krimi?

April 4, 2016

Erinnert sich noch jemand an „Strangers“/“Sanfte Augen lügen nicht“ (A Stranger among us), diesen 1992 von Sidney Lumet inszenierten Krimi, in dem Melanie Griffith als Polizistin in New York im jüdischen Viertel unter Chassiden in einem Mordfall ermitteln muss? Der war gar nicht so schlecht in seiner Verbindung unterschiedlicher Elemente, garniert mit einem Einblick in eine fremde Kultur.

Wenn jetzt ein deutscher Krimi, eigentlich wohl eher der geplante Start einer ARD-Serie, als „Der Tel-Aviv-Krimi“ an den Start geht, dann erwartet der geneigte Krimifan natürlich, dass der, ähem, Titel irgendwie Programm ist und nicht nur den Schauplatz der Handlung nennt. Wobei das auch nur für den zweiten von bislang zwei „Tel-Aviv-Krimis“ zutrifft. Im Mittelpunkt der beiden, jeweils neunzigminütigen Krimis steht die Berliner Kommissarin Sara Stein, gespielt von Katharina Lorenz.

In „Tod in Berlin“ wird Tamar, eine israelische DJane, ermordet. Ihr Freund, ein Palästinenser, und seine Familie sind natürlich verdächtig. Aber natürlich könnte der Fall auch ein politisches Motiv haben. Sara Stein ermittelt brav nach Lehrbuch, hat zwei ziemlich nervige Assistenten, eine Vorgesetzte mit Beziehungsproblemen und einem Drang zu Pressekonferenzen (wegen: die Presse verlangt Antworten und da müssen wir halt auch Zwischenstände als Ergebnisse verkaufen), einer Familie (nett, aber überflüssig für die Geschichte) und einem Freund. Einem israelischen Pianisten, der gerade in Berlin gastiert und in den sie sich unsterblich verliebt.

Erst am Ende des Krimis fliegt Sara Stein nach Tel Aviv zu David Shapiro, ihrer großen Liebe.

Nachdem sie, was in den Filmen nicht angesprochen wird, alle ihrer Berliner Kollegen und Familie in Berlin zurückgelassen hat, eine Versetzung von Berlin nach Tel Aviv durchsetzen konnte und ein Jahr auf der dortigen Polizeiakademie war, muss sie in „Shiv’a“ als ihren ersten Fall den Mord an einem geachteten Kriminalpolizisten aufklären. Sie soll dafür sorgen, dass die Ermittlungen der Mordkommission bei der Suche nach dem Mörder ihres Kollegen Noam ordentlich verlaufen. Die sind selbstverständlich nicht von dem deutschen Wachhund begeistert. Verdächtige gibt es einige. Eine Spur führt zu einem nie aufgeklärtem Einbruch, dem einzigen Fall, den Noam nicht klären konnte. Aber auch ein Kollege von Noam könnte der Mörder sein.

Sonderlich realistisch ist diese Ausgangslage nicht. Eine neue „Kollegin“, die die Landessprache kaum beherrscht und die Staatsbürgerin eines anderen Landes ist, soll mal so eben einen wichtigen Fall aufklären.

Die Hintergründe von Sara Steins Wechsel von Berlin nach Tel Aviv werden auch nicht geklärt.

Aber das sind nur eine Kleinigkeiten, die aber auf tiefere Probleme hinweisen. Jedenfalls wenn man von „Der Tel-Aviv-Krimi“ (Sorry, das ist ein Untertitel. Das ist noch nicht einmal ein Arbeitstitel.) mehr erwartet als einen bestenfalls biederen Rätselkrimi vor austauschbarer Kulisse auf dem Niveau einer der zahlreichen Vorabendkrimiserien, der in diesem Fall mit vielen privaten Geschichten auf Spielfilmlänge gedehnt wird. Berlin und Tel Aviv sind, wie bei den zahlreichen ZDF-„Sokos“, die austauschbare Kulisse für einen ebenso austauschbaren Fall.

Neben dem 08/15-Rätselplot verplätschert die Geschichte zu oft in vollkommen uninteressanten privaten Subplots zwischen Liebe auf den ersten Blick und familiären Zusammentreffen. Einmal mit Saras, einmal mit Davids ebenso netter Familie. Gerade in „Tod in Berlin“ sind Sara Steins Kollegen zum Erbrechen merkwürdig und ausgedacht (das gilt vor allem für Steins Kollegin Anne Rodeck, bei der es vollkommen rätselhaft ist, wie sie die Polizeischule überlebte). Es gibt zeitraubende Scheinkonflikten, die in vertrauter Art und Weise abgehandelt werden (Wie oft müssen Kommissare zur Pressekonferenz geprügelt werden?). In den papiernen Dialogen wird viel zu oft erklärt, was wir gerade erfahren haben. Falls die Kommissare nicht gerade die berühmte Frage „Wo waren sie zur Tatzeit?“ stellen.

Dagegen werden alle potentiell interessanten Fragen peinlich vermieden, fast so, als sei der Unterschied zwischen Tel Aviv, Venedig und Paris die Skyline. Bei Venedig und Paris kann das noch – auch wenn es bedauerlich ist – verziehen werden, aber bei Tel Aviv und mit einer deutschstämmigen jüdischen Polizistin als Protagonistin kann das nicht verziehen werden. Da müssen die Fälle die Befindlichkeiten der Kulturen erforschen. Da muss über das Judentum, Religion, deutsche Verantwortung, das Leben der Juden im heutigen Deutschland (immerhin spielt „Tod in Berlin“ in Berlin) undundund gesprochen werden. Wie Sidney Lumet es in „A Stranger among us“ tat.

Der Tel Aviv Krimi - Cover

Der Tel-Aviv-Krimi: Tod in Berlin/Shiv’a (Deutschland 2016)

Regie: Matthias Tiefenbacher

Drehbuch: Martin Kluger, Maureen Herzfeld, Matthias Tiefenbacher (Bearbeitung)

mit Katharina Lorenz, Katharina Marie Schubert, Aljoscha Stadelman, Itay Tiran, Ramin Yazdani, Camill Jammal, Meral Perin, Samuel Finzi, Gill Frank

DVD

Edel:Motion

Bild: PAL 16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 177 Minuten (2 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

ARD über „Der Tel-Aviv-Krimi“ (Tod in Berlin, Shiv’a)

Moviepilot über „Der Tel-Aviv-Krimi“

Fernsehserien über „Der Tel-Aviv-Krimi“

Wikipedia über „Der Tel-Aviv-Krimi“


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