Neu im Kino/Filmkritik: Über Denis Villeneuves Verfilmung der ersten Hälfte von Frank Herberts „Dune“

September 16, 2021

Als Warner Bros. Pictures im Dezember 2020 ankündigte, dass sie in den USA „Dune“ und weitere Blockbuster gleichzeitig im Kino und auf ihrem Streamingportal HBO Max veröffentlichen würden, war „Dune“-Regisseur Denis Villeneuve verärgert. Er befürchtete, dass dieser Schritt weitere „Dune“-Kinofilme verhindere.

Damals klang das nach dem Gefühlsausbruch eines gekränkten Regisseurs, der seine Filme lieber im Kino sieht. Heute wissen wir, dass er das auch sagte, weil er in „Dune“ nur die erste Hälfte von Frank Herberts achthundertseitigem SF-Klassiker „Dune – Der Wüstenplanet“ verfilmt hat. Sein Film endet nach hundertfünfzig Minuten einfach mitten in der Geschichte. Das Ende gibt es dann in ein, zwei Jahren und einen dritten „Dune“-Film, der auf „Der Herr des Wüstenplaneten“ (Dune Messiah, 1969) basieren soll, später. Falls es nicht dazu kommt, hat man mit „Dune“ einen halben Film gesehen. Und, ja, ich meine das genau so, wie ich es sage: „Dune“ ist wie ein „Tatort“, den man nach 45 Minuten anhält. Wobei der Vergleich mit Robert Schwentkes „Die Bestimmung – Allegiant“ (The Divergent Series: Allegiant, USA 2016) treffender wäre. Das war die erste Hälfte des zweiteiligen Finales einer vierteiligen Young-Adult-Dystopie, von der der Abschluss des Finales nie gedreht wurde. Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Auch weil bis jetzt noch nicht bekannt ist, ob es „Dune: Part Two“ geben wird.

Immerhin führt die schon lange vor dem Dreh gefällte Entscheidung, „Dune – Der Wüstenplanet“ in zwei Filmen zu erzählen, dazu, dass Villeneuve viel Zeit hat, die Geschichte zu erzählen. Nämlich, wenn der zweite Teil wieder hundertfünfzig Minuten lang ist, gut fünf Stunden. Er kann also in aller Ruhe Figuren, Konflikte und Themen einführen. Er kann, immerhin soll „Dune“ der Auftakt einer Trilogie sein, das alles so einführen, das es bereits im ersten Film Hinweise auf Entwicklungen gibt, die erst im zweiten oder dritten Film wichtig werden. Genau das scheint Villeneuve mit dem aus der Perspektive der Fremen erzähltem Prolog zu beabsichtigen. Es wird, so der erste Eindruck, nicht die Geschichte von Paul Atreides sondern die der Fremen erzählt. In den nächsten Minuten ändert sich das. Die ersten vierzig Minuten spielen auf dem Wasserplaneten Caladan, dem alten Sitz des Hauses Atreides. Die nächsten fünfzig Minuten spielen dann auf Arrakis, dem neuen Sitz des Hauses Atreides, dem Wüstenplanet. Diese neunzig Minuten sind vor allem eine Einführung der Welt, in der die Geschichte spielt und der wichtigen Figuren. Villeneuve folgt hier zwar Herberts Buch, aber er präsentiert den Protagonisten Paul Atreides (Timothée Chalamet), der schon auf Caladan Visionen von einer in der Wüste lebenden, für ihn wichtigen, jetzt aber noch unbekannten Frau hat und der der Auserwählte ist, seinen Vater Leto Atreides (Oscar Isaac), einem besonnenem Herrscher, und seine Mutter Jessica Atreides (Rebecca Ferguson), einer Bene Gesserit, und die verschiedenen Konflikte so, dass sie nachvollziehbar sind. Besonders wichtig ist der Konflikt mit dem Haus der Harkonnen. Sie sind die bisherigen Kolonialherren von Arrakis und sie wollen den Planeten wieder in ihren Besitz bringen. Auf dem Planeten gibt es das Gewürz, auch Melange oder Spice genannt. Es ist gleichzeitig eine Bewusstseinserweiternde Droge und der Treibstoff für die Raumschiffe. Deshalb ist die Herrschaft über den Wüstenplaneten eine Lizenz zum Gelddrucken.

Die Harkonnen sind die bösen Bösewichter, die als Kolonialherren despotische Unterdrücker waren. Um wieder die Herren über den Planeten zu werden, ermorden sie Leto Atreides und fast alle seine Gefolgsleute.

Paul und seine Mutter flüchten in die Wüste, wo die Fremen leben.

Ab diesem Moment wird der Film zu einer länglichen Abfolge von Episoden, die die Handlung nicht erkennbar voranbringen. Wer das Buch kennt und weiß, wie die Geschichte endet, ist hier im Vorteil. Denn nachdem Villeneuve in der ersten Hälfte des Films die Romanhandlung intelligent auf die Leinwand übertrug, klebt er nach Leto Atreides‘ Tod zu sehr an der episodenhaften Romanhandlung. Ein Thema ist nicht mehr erkennbar. Der den Roman bestimmende Konflikt mit den Harkonnen über die Herrschaft über den Wüstenplaneten verschwindet hier, wie im Roman, aus der Geschichte.

Auffallend ist in dem Moment auch das überkommene Frauenbild des 1965 erschienenen Romans, das hier bruchlos in den Film übertragen wird. Pauls Mutter Jessica Atreides, die ein Mitglied des einflussreichen Frauenordens der Bene Gesserit ist und die deshalb über außergewöhnliche Fähigkeiten verfügt, ist jetzt nur noch ein hilfsbedürftiges Anhängsel von Paul, der sie aus gefährlichen Situationen retten muss und gefährliche Situationen allein meistert. Und die Filmgeschichte ähnelt immer mehr „Lawrence von Arabien“ mit Paul als Retter der Fremen. Aber das ist dann die Geschichte des zweiten „Dune“-Films.

Villeneuve erzählt diese Geschichte, wie schon in seinem vorherigem Film „Blade Runner 2049“, mit teilweise enervierender, prätentiöser Langsamkeit. Natürlich sind die Bilder von dem Wüsten- und dem Wasserplaneten überwältigend. Die Präsentieraufmärsche der Soldaten sind, wie in den „Star Wars“-Filmen, zweckfrei, aber schön anzusehen. Und die Räume, durch die die Menschen gehen müssen, sind oft verschwenderisch groß. Das weckt auch immer wieder Erinnerungen an diverse Bibel-Filme; vielleicht auch weil Paul Atreides der Auserwählte, der Messias, ist,

In jedem Bild ist ein Übermaß an Respekt vor der Vorlage zu spüren. Villeneuve kürzte nicht herzhaft, setzte keine eigenen Schwerpunkte oder veränderte Perspektiven (was hätte aus „Dune“ für ein Film werden können, wenn Villeneuve die gesamte Geschichte aus der Perspektive der Fremen erzählt hätte!). Stattdessen folgt er Frank Herberts Geschichte fast schon sklavisch.

Trotz guter Momente, guter Schauspieler (teils nur in Minirollen), imposanter, für das Kino komponierter Bilder und einer guten ersten Hälfte, ist „Dune“ letztendlich ein enttäuschendes Werk. Das liegt allerdings nicht an der Vorlage, sondern an dem fehlendem Mut, die Geschichte aus den Sechzigern (wo sie mit ihrer Ideologie und ihren Bezügen steht) in die Gegenwart zu bringen und für den Film umfassend umzuarbeiten. Denn so wahnsinnig komplex, wie immer wieder behauptet wird, ist der Roman nicht.

Stattdessen gibt es eine viel zu ehrfurchtsvolle Bebilderung der ersten Hälfte des Romans.

Dune (Dune, USA 2021)

Regie: Denis Villeneuve

Drehbuch: Denis Villeneuve, Jon Spaihts, Eric Roth

LV: Frank Herbert: Dune, 1965 (Dune – Der Wüstenplanet)

mit Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Jason Momoa, Stellan Skarsgård, Stephen McKinley Henderson, Josh Brolin, Javier Bardem, Sharon Duncan-Brewster, Chang Chen, Dave Bautista, David Dastmalchian, Zendaya, Charlotte Rampling, Babs Olusanmokun, Benjamin Clementine

Länge: 156 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage

Frank Herbert: Dune – Der Wüstenplanet

(übersetzt von Jakob Schmidt)

Heyne, 2020 (die Filmausgabe)

800 Seiten

12,99 Euro

Zum Filmstart erschien der Roman mit einem neuen Cover.

Vor dem Filmstart erschien der Roman bereits in mehreren Übersetzungen.

Originalausgabe

Dune

Chilton Books, 1965

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Dune“

Metacritic über „Dune“

Rotten Tomatoes über „Dune“

Wikipedia über „Dune“ (2021) (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Enemy“ (Enemy, Kanada/Spanien 2013)

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Sicario“ (Sicario, USA 2015) und der DVD und des Soundtracks

Meine Besprechung von Denis Villeneuves „Arrival“ (Arrival, USA 2016)

Meine Besprechung von Frank Herberts „Dune – Der Wüstenplanet“ (Dune, 1965)


Neu im Kino/Filmkritik: „Aquaman“ Arthur Curry sucht einen Dreizack

Dezember 20, 2018

Neben Marvel ist DC Comics das andere große Unternehmen, das mit seinen Superheldencomics seit Jahrzehnten unendlich viele Kinder zum Lesen verführte. Bei den Filmen hat Marvel seit Jahren die Nase vorn. Die Kritiken sind gut. Die Einspielergebnisse fantastisch. Die Fans begeistert. Bei DC Comics kann man sich dagegen nur so halbwegs über die Einspielergebnisse des DC Extended Universe freuen. „Man of Steel“ (2013), „Batman v Superman: Dawn of Justice“ (2016), „Suicide Squad“ (2016) und „Justice League“ (2017) waren mehr oder weniger missratene Geduldsproben. Nur „Wonder Woman“ (2017) überzeugte.

Aquaman“ ist wieder eine Geduldsprobe. Gut aussehend, mit viel Action und durchaus sympathischen Darstellern, aber mit einem konfusem Nichts an Story.

Arthur Curry (Jason Momoa), der titelgebende Aquaman, Sohn von Atlanna (Nicole Kidman), Königin von Atlantis, und dem Leuchtturmwächter Tom Curry (Temuera Morrison), kann mühelos im Wasser und auf der Erde leben. Als erster Sohn von Königin Atlanna könnte er den Thron von Atlantis für sich beanspruchen. Aber der Einzelgänger ist daran nicht interessiert. Viel lieber lebt er das Leben eines ungebundenen Drifters, der ab und an selbstlos einigen Menschen hilft.

Als er erfährt, dass sein machtgieriger Halbbruder Orm (Patrick Wilson) alle Ozean-Königreiche vereinigen und gegen die Landbewohner in den Krieg ziehen will, beschließt Arthur um den Thron zu kämpfen. Denn er möchte nicht, dass die Landbewohner getötet werden. Auch wenn sie seit Jahrzehnten die Ozeane verschmutzen. Orm benutzt diese Umweltsünden als Rechtfertigung für seinen Krieg gegen die Menschen.

Bevor Arthur die Königswürde zugestanden wird, muss er den verlorenen Dreizack von Atlan findet und sich so als legitimer Herrscher des Meeres erweisen. Weil niemand weiß, wo der Dreizack ist, muss Curry mit Mera (Amber Heard), der Prinzessin des Meereskönigreichs Xebel, um die halbe Welt reisen. Von einem Abenteuer zum nächsten.

Diese Story ist die Entschuldigung für eine Abfolge viel zu lang geratener Actionszenen, die auch in einem „Fast & Furious“-Film nicht auffielen (naja, bis auf die Unterwasser-Action), langweiligen Erklärdialogen und Szenen, die anscheinend aus einem anderen Film stammen. Oder wie will man sonst damit umgehen, dass zwischen zwei Actionszenen Aquaman und Mera auf Sizilien Zeit haben, gemütlich wie ein frisch verliebtes Paar über den Markt zu schlendern, während ein bekannter Song die Boxen des Kinos austestet? Immerhin wird nach dem Song die Harmonie von einer wilden Hatz über die Dächer des Dorfes abgelöst. Oder dass, als sie auf ihrer globalen Schnitzeljagd in der Wüste die nächste Spur zum Ziel suchen, er sich wie ein pubertierender Teenager, der keine Lust auf eine Wanderung hat, benimmt? Das sind Szenen, die von ihrer Tonalität in einen vollkommen anderen Film gehören und die auch einen vollkommen anderen Arthur Curry zeichnen. Das ist, als ob James Bond plötzlich Mr. Bean würde.

In dem Moment hat man schon lange alle Fragen von Logik, storyinterner Stimmigkeit und Plausibilität ad acta gelegt. Da können Meeresbewohner mal mühelos Luft atmen, mal nicht. Da wird die Reise zum nächsten Ziel zunächst mit einem alten Fischerboot tuckernd begonnen, bevor Aquaman und Mera den Rest des Weges superflott im Wasser zurücklegen und so im Sturm den sie attackierenden Seemonstern entkommen. Da gibt es in Atlantis einen eigentümlichen Mix aus High Tech und tiefster Urzeit. Da ist die Gesellschaft immer noch wie ein uraltes Königreich aufgebaut, das sich in den vergangenen Jahrhunderten nicht veränderte. Das ist der verstaubte Mythenquark, der vor Jahrzehnten in den Zimmern pubertierender Jungs abgeladen wurde.

Da hilft auch kein muskelbepackter Jason Momoa als breit grinsender Aquaman.

Am Ende des mit gut zweieinhalb Stunden viel zu lang geratenen Wasserfilms bleibt eine große Frage: Warum ist es so schwer, einen gescheiten Superheldenfilm zu drehen? Oder anders formuliert: Was macht Marvel so viel besser als DC bei seinen Filmen?

Aquaman (Aquaman, USA 2018)

Regie: James Wan

Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick, Will Beall (nach einer Geschichte von Geoff Johns, James Wan und Will Beall) (nach einem Charakter von Mort Weisinger und Paul Norris)

mit Jason Momoa, Amber Heard, Willem Dafoe, Patrick Wilson, Nicole Kidman, Dolph Lundgren, Yahya Abdul-Mateen II, Temuera Morrison, Michael Beach, Randall Park, Graham McTavish, Leigh Whannell

Länge: 144 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche WarnerBrosDC-Facebook-Seite zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Aquaman“

Metacritic über „Aquaman“

Rotten Tomatoes über „Aquaman“

Wikipedia über „Aquaman“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Wans „Insidious: Chapter 2“ (Insidious: Chapter 2, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring“ (The Conjuring, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7″ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von James Wans „The Conjuring 2″ (The Conjuring 2, USA 2016)

 


Neu im Kino/Filmkritik: Nach dem Tod von Superman muss die „Justice League“ ran

November 16, 2017

Am Anfang von „Justice League“, dem neuen Film aus dem DC Extended Universe, ist Superman immer noch tot. ‚Batman‘ Bruce Wayne und „Wonder Woman“ Diana Prince bekämpfen weiterhin Bösewichter. Insofern läuft alles seinen gewohnten Gang. Seltsam ist nur die auch für Batman-Verhältnisse Häufung seltsamer Bösewichter, die in letzter Zeit vermehrt auftauchen. Wayne glaubt, dass sie die Vorboten einer irgendwo aus dem Weltall kommenden großen Attacke auf die Menschheit sind.

Deshalb will er ein Team talentierter Personen (also Männer) zusammenstellen. Die titelgebende „Justice League“. Am Ende besteht das Team aus Aquaman (der mit den Fischen reden kann), Flash (der unglaublich schnell ist, weniger schnell ißt und für den Humor zuständig ist), Cyborg (der im Zweifelsfall irgendwie alles kann), Wonder Woman, Batman und einem Überraschungsgast, der dann doch nicht so super überraschend ist. Sie müssen gegen Steppenwolf kämpfen, der die drei Mother Boxes zusammenfügen will. Das wäre der Untergang der Welt, wie wir sie kennen. Deshalb wurden die Mother Boxes vor Ewigkeiten, nach einer großen Schlacht, an verschiedenen Orten versteckt. Eine in der Welt von Wonder Woman, eine in der von Aquaman und eine an einem unbekannten Ort.

Das ist die mühsam über den halben Film entwickelte Prämisse, die dann schnell in dem unvermeidlichen Finale mündet, bei dem höchstens überrascht, dass nichts überrascht. Bis dahin ist der Film voller Exposition, in der zwei Charaktere, meistens bewegungslos, sich erklären, was sie gerade fühlen und dabei den Plot zum nächsten Plot Point schieben. Das ist dann ungefähr emotional so involvierend wie das Studium eines Bauplans.

Entsprechend zäh gestalten sich die zwei Filmstunden, in denen die Mitglieder der Justice League blasse Gesellen bleiben. Im Gegensatz zu den Avengers von der deutlich unterhaltsameren Marvel-Konkurrenz.

Davon abgesehen erzählt „Justice League“ die Geschichte von „Batman v Superman: Dawn of Justice“ fort und baut darauf, dass man auch die DCEU-Filme „Man of Steel“ und „Wonder Woman“ (jau, der war gut) gesehen hat. Dann versteht man einige Anspielungen und Szenen besser und man weiß, warum so viele bekannte und großartige Schauspieler, wie Amy Adams, Jeremy Irons, Diane Lane und J. K. Simmons (in seinem Debüt als Commissioner Gordon), teilweise in Minirollen dabei sind.

Ben Affleck schaut als Bruce Wayne so missmutig in die Kamera, dass man förmlich hört, wie er sich die ganze Zeit fragt, was er in dem Scheiss sucht. Vielleicht weil der Ärger mit seinem Batman-Film sich während dem Dreh von „Justice League“ kontinuierlich steigerte. Der Hauptdreh für „Justice League“ war von April bis Oktober 2016. Im Frühjahr gab es, nachdem Zack Snyder im März wegen dem Suizid seiner Tochter die Arbeit niederlegte, zwei Monate Nachdrehs. Joss Whedon hatte die Regie übernommen und auch das Drehbuch überarbeitet. Es hieß auch, dass nach dem überragenden Erfolg von „Wonder Woman“ die Tonalität des Film geändert werden sollte.

Affleck, der den nächsten Batman-Film nach seinem Drehbuch inszenieren sollte, trat zwischen diesen beiden Drehs von der Regie für den geplanten Batman-Film zurück. Matt Reeves übernahm die Regie. Ihm gefiel Afflecks Drehbuch (Hey, gibt es das irgendwo im Netz?) nicht und anscheinend wird jetzt ein vollkommen neues Drehbuch geschrieben. Es gab auch Gerüchte, dass Warner überlegte, Afflecks Batman aus dem DCEU herauszuschreiben. Das alles ist bei einem Big-Budget-Film, vor allem vor Drehbeginn, nicht unbedingt ungewöhnlich, aber dass Affleck nach dem ganzen Ärger nach einem Weg aus dem Franchise sucht, ist nachvollziehbar. In aktuellen Interviews spricht er, ohne irgendetwas genaues zu sagen, über ein mögliches Ende seines Batmans. Es würde auch sein lustlos-verbissenes Spiel erklären.

Gal Gadot stahl in „Batman v Superman“ in ihren wenigen Szenen als Wonder Woman den Superhelden-Jungs mühelos die Show. In ihrem Solofilm „Wonder Woman“ war sie eine in jeder Beziehung willkommene Überraschung. In „Justice League“ wird sie hoffnungslos unter Wert verkauft.

Die anderen, ähem, Charaktere sind dann nur noch Staffage. Henry Cavill als Superman hat letztendlich nur eine Nebenrolle. Auch weil er die meiste Filmzeit tot ist. Und wenn er dann wiederbelebt wird, liefert er sich erst einmal eine Klopperei mit der Justice League, ehe er tiefsinnig über riesige Maisfelder blicken darf. Jason Momoa als Aquaman Arthur Curry und Ray Fisher als Cyborg Victor Stone sind blass. Ezra Miller als The Flash Barry Allen ist für den in Richtung des letzten Spider-Man-Films „Homecoming“ gehenden stubenreinen Pennäler-Humor zuständig. Schnell nervt dieser Humor und man wünscht sich noch langen vor dem Abspann Jesse Eisenberg zurück. In „Batman v Superman“ spielte er den bekannten Superman-Antagonisten Lex Luthor. Seine Spiel war zwar in Fankreisen umstritten, aber auch absolut bizarr und kurzweilig.

Dieses Mal ist der Bösewicht Steppenwolf, ein zweieinhalb Meter großer Krieger von der Alptraumwelt Apokolips. Viel mehr gibt es über ihn nicht zu sagen. Es ist eine CGI-Gestalt, die im Original von Ciarán Hinds gesprochen und wohl auch etwas gespielt wurde.

Und damit kommen wir zu Zack Snyder, dem Mastermind im DCEU-Filmkosmos. Wieder hat er die Regie übernommen und wieder gibt es Michael Bay für griesgrämige Comic-Nerds. Daran ändert der Wechsel des Regisseurs nichts. Whedon drückte dem Film nicht seinen Stempel auf, sondern er ergänzte in Snyders Sinn. Auch wenn man sich nach dem Erfolg von „Wonder Woman“ um eine andere Tonalität bemüht und alles bunter ist, ist der Grundton immer noch düster und schwermütig. Wie eine missglückte Pseudo-Doom-Metal-Version eines Beatles-Songs. – – Hm, im Abspann gibt es mit dem Beatles-Cover „Come together“ von Junkie XL, feat. Gary Clark Jr., so etwas ähnliches.

Die Bilder erinnern, wie man es von Zack Snyder gewohnt ist, an Comic-Panels. Das sieht unbestritten gut aus. Aber der gesamte Film sieht, abgesehen von einem kurzen „Watchmen“-Selbstzitat in den ersten Minuten, wie eine Abfolge von Panels aus. Nur ergibt eine Abfolge von Standbildern keinen Film. Das zeigt sich in den Actionszenen, die alle wenig dynamisch sind. Dialoge sind banale Schuss-Gegenschuss-Montagen, die mit einer Bräsigkeit zelebriert werden, die ihnen jedes Leben aussagen bis sie zu einem Standbild gefrieren. Da hat sogar ein Dialog in einer 08/15-TV-Serie oder einer TV-Show mehr Dynamik. Alles in „Justice League“ ist statisch. Nichts hat einen eigenständigen Rhythmus.

Das Drehbuch ist nur eine Abfolge von Plot Points, die eine niemals überraschende Geschichte erzählen. Im Gegensatz zu „Batman v Superman“ ist die Geschichte wenigstens immer nachvollziehbar und in sich schlüssig. Die Charaktere sind durchgehend eindimensional. Ihre Dialoge banal. Für keinen Schauspieler gibt es etwas, mit dem er arbeiten könnte. Sie müssen nur die Stichworte für den nächsten Plot Point geben. Entsprechend blass bleiben sie.

Wie bei Marvel gibt es im Abspann zwei Szenen, wobei die zweite die gelungenere ist. Sie teast auch den nächsten Film an, der – die Hoffnung stirbt zuletzt – besser als „Justice League“ sein könnte. Wenn sie bei DC endlich einmal Geld für ein schlüssiges, überraschendes, wendungs- und facettenreiches Drehbuch ausgeben. Bis dahin wird man diesen Langweiler, der nichts aus seinem Budget von dreihundert Millionen US-Dollar macht, vergessen haben.

Justice League (Justice League, USA 2016)

Regie: Zack Snyder, Joss Whedon (ungenannt)

Drehbuch: Chris Terrio, Joss Whedon (nach einer Geschichte von Chris Terrio und Zack Snyder)

mit Ben Affleck, Henry Cavill, Amy Adams, Gal Gadot, Ezra Miller, Jason Momoa, Ray Fisher, Jeremy Irons, Diane Lane, Connie Nielsen, J. K. Simmons, Ciarán Hinds, Amber Heard, Joe Morton, Lisa Loven Kongsli, Ingvar Sigurdsson, David Thewlis, Sergi Constance

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Warner/DC-Facebook-Seite

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Justice League“

Metacritic über „Justice League“

Rotten Tomatoes über „Justice League“

Wikipedia über „Justice League“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Zack Snyders „Batman v Superman: Dawn of Justice“ (Batman v Superman: Dawn of Justice, USA 2016)


TV-Tipp für den 25. Oktober: Shootout – Keine Gnade

Oktober 25, 2016

Pro7 Maxx, 22.25

Shootout – Keine Gnade (Bullet to the Head, USA 2013)

Regie: Walter Hill

Drehbuch: Alessandro Camon

LV: Alexis Nolent: Du plomb dans la tête (Graphic Novel)

Feines Alterswerk von Walter Hill, der hier, wie schon in „Nur 48 Stunden“ und „Red Heat“, letztendlich einfach noch einmal die Geschichte von zwei gegensätzlichen Charakteren erzählt, die gegen einen Verbrecher zusammen arbeiten müssen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Sylvester Stallone, Sung Kang, Sarah Shahi, Adewale Akinnouye-Agabje, Christian Slater, Jon Seda, Jason Momoa

Wiederholung: Mittwoch, 26. Oktober, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Deutsche Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Shootout – Keine Gnade“

Metacritic über „Shootout – Keine Gnade“

Rotten Tomatoes über „Shootout – Keine Gnade“

Wikipedia über „Shootout – Keine Gnade“ (deutsch, englisch) und  Walter Hill (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Walter Hills “Straßen in Flammen” (Streets on Fire, USA 1984)

Meine Besprechung von Walter Hills “Shoutout – Keine Gnade” (Bullet to the Head, USA 2013)

Walter Hill in der Kriminalakte


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