Neu im Kino/Filmkritik: Mit „Fast & Furios 9“ geht die Fast & Furious Saga weiter

Juli 15, 2021

Beginnen wir mit der schockierenden Meldung: wer den neuen „Fast & Furious“-Film für ein pubertäres Trinkspiel nutzen möchte, hat gute Chancen, den Actionfilm halbwegs nüchtern zu überleben. Jedenfalls gefühlt hat Dom Toretto (Vin Diesel) dieses Mal viel seltener „Familie“ gegrummelt als in den vorherigen Filmen der Reihe. Dabei lernen wir jetzt seinen uns und seiner großen Filmfamilie bislang vollkommen unbekannten Bruder kennen. Und wir erfahren, wie ihr Vater gestorben ist. Das hat uns bis jetzt nicht interessiert. Es war einfach vollkommen unwichtig für die Filme.

Ihr Vater verunglückte 1989 tödlich bei einem Autorennen. Sein Tod war selbstverständlich kein Unfall. Und als Dom damals mehr über den Tod erfuhr, verstieß er Jakob. Seitdem sind sie, so wird uns gesagt, Todfeinde. Das überzeugt weder psychologisch, noch erzählerisch.

Aber psychologisch und erzählerisch überzeugende Erklärungen waren noch nie die Stärke der „Fast & Furious“-Filme. Zuerst waren es kleine B-Pictures mit Männern, Muskeln, Mädels und Motoren. Inszwischen hat der Eskapismus der Filme damals ungeahnte und heute immer noch fantastische Dimensionen erreicht.

Aus der Bande Straßenrennfahrer, die vor zwanzig Jahren im ersten „Fast & Furious“-Film mit Überfällen Geld für ihr Hobby verdienen, ist inzwischen eine die Welt vor Bösewichtern rettenden James-Bond-Eliteeinheit mit unbegrenzten Ressourcen geworden. Ihr neuer Auftrag ist, einen Bösewicht davon abzuhalten, die Welt zu vernichten. Dafür benötigt er einen in zwei Hälften geteilten achteckigen Würfel (sieht gut aus) und ein Passwort (sieht ebenfalls gut aus). Alle drei Teile sind irgendwo auf dem Globus an verschiedenen Orten.

Danach kann er mit einem Computervirus die gesamte Welt nach seinen Wünschen neu programmieren. Die einzige Rettung der Menschheit: Spezialteam Dom & Family.

Die Story dieser Schnitzeljagd wurde wahrscheinlich entworfen, nachdem auf Notizzettel Szenen, Situationen und One-Liner aufgeschrieben und diese dann von dem zweijährigem Sohn des Produzenten nebeneinander gelegt wurden. Wie bei „Godzilla vs. Kong“ gibt es auch in „Fast & Furious 9“ keine Story; jedenfalls keine Story, mit der man sich auseinandersetzen kann.

Der Bösewicht; – uh, das ist ein großes Problem des Films. Bei einem Bond-Film kennen wir ihn. Wir kennen seinen Namen. Er hat einige große und größenwahnsinnige Auftritte. Er hat eine grandiose Zentrale, die am Ende des Films fotogen vernichtet wird. In „Fast & Furious 9“ werden uns zwei wenig überzeugende Bösewichter angeboten. Der eine ist Doms Bruder Jakob (John Cena). Nachdem sich vor dreißig Jahren die Wege der Toretto-Brüder trennten, wurde Jakob, über einige Umwege, zu einem Auftragskiller und Söldner, der seinem Bruder immer noch zeigen will, wie toll er ist, und der unbedingt von ihm anerkannt werden möchte.

Er ist allerdings nur der Handlanger des Bösewichts. In einem Bond-Film iwäre er die Figur, die Bond einigen Ärger bereitet und von ihm getötet wird.

Im Rahmen der „Fast & Furious“-Saga ist da natürlich ein anderer Weg vorgezeichnet. Nämlich die Rückkehr in die Familie. Das macht Jakob von Anfang an zu einem schwachen Gegner. Oder, anders gesagt, einem Gegner, dessen seit über dreißig Jahren gepflegter Hass auf den Helden nie glaubwürdig wirkt. Der andere Bösewicht ist der Mann für den Jakob arbeitet. Otto heißt er. Er ist ein verwöhnter Milliardärssohn und, laut Presseheft, ein aufstrebender Oligarch. Weil sich das Drehbuch nicht weiter für ihn interessiert, ist er weder bedrohlich, noch erinnerungswürdig.

Der Rest des Films besteht aus Actionszenen (dazu gleich mehr), einigen Solala-Gags, in denen auch selbstironisch die übertriebenen und unmöglichen Ereignisse dieses und der vorherigen Filme kommentiert werden, einer touristischer Weltreise einmal rund um den Globus in achtzig Minuten und Auftritten vieler alter Bekannter. Ungefähr jeder, der mal irgendwann in einem der Filme dabei war, darf in irgendeinem Zusammenhang auftreten. Mehr oder weniger sinnvoll. Manchmal auch nur in einer Rückblende. Oder er wird von den Toten wieder zu den Lebenden zurück geholt und die Fans freuen sich, dass Han damals nicht gestorben ist, sondern dass sein Tod ein elaborierter Schwindel war, weil Han andere Dinge tun musste, die für den neuen Film von entscheidender Bedeutung sind.

Die Action ist erstaunlich rar gesät, übertrieben und unglaubwürdig. Da kloppen sich die Toretto-Brüder in einem alten Gebäude in Edinburgh durch die Wände, als seien es keine meterdicken Steinwände, sondern dünne Pappwände. Da wird auf durch Straßen rasenden Autos gestanden, als stünden sie in einer Garage. Da wird von Fahrzeug zu Fahrzeug gesprungen, als könne nichts passieren. Da wird gegen eine Überzahl gekämpft, mal mit Fäusten, mal mit Schusswaffen, mal mit Bomben – und trotzdem fließt nie auch nur ein Tropfen Blut. Auch wenn sie gerade in einer Innenstadt alle Autos demolieren, Unfälle provozieren und über Bürgersteige rasen, wird kein Unbeteiligter verletzt. Da wird mit ultrastarken Magneten gespielt, was dann dazu führt, dass man Gegenstände, von Messern und Gabeln bis hin zu Autos und Lastern durch die Gegend bewegen kann. Das alles würde in einen Cartoon nicht weiter auffallen. Und es ist auch fast einerlei, ob die Cartoon-Action gezeichnet oder, wie hier, am Computer erschaffen wurde.

In diesem Kosmos physikalischer Unmöglichkeiten (jedenfalls soweit ich das mit meiner schlechten Physiknote beurteilen kann) ist dann ein 1984er Pontiac Fiero im Weltraum noch die vernünftigste Unmöglichkeit.

Das Finale spielt in Tiflis und selbstverständlich auf der Straße, weil es in der Serie ja irgendwie um Autos und Autostunts geht. Deshalb ist die Zentrale des Bösewichts auch kein prächtiges Gebäude, sondern ein durch die Stadt fahrender gepanzerter Laster. Ein rein funktionales, militärisches Gefährt, das laut Presseheft 4 Meter hoch und 26 Tonnen schwer ist. Trotzdem kann es sich, dank der Hilfe von Team Toretto und den schon erwähnten Magneten, überschlagen.

Auch wenn ständig etwas passiert, ist „Fast & Furious 9“ eine ziemliche langweilige Angelegenheit, in der alles größer und spektakulärer sein muss und noch mehr den Fan-Wünschen entsprechen muss als in den vorherigen Filmen. Nur gehen die Macher mit diesem Konzept jetzt mindestens zwei Schritte zu weit und lassen die Story zu sehr links liegen. So kann der neueste „Fast & Furious“-Film in keinster Weise an die gelungeneren vorherigen Filme anknüpfen. Vor allem nicht an den fantastischen fünften Film. Das ist der, in dem Don und seine Verbrecherkumpels tagsüber durch Rio de Janeiro einen zimmergroßen Safe abtransportieren. Das war, mit zwei zugedrückten Augen, noch möglich.

Und dieses Cartoon-Actionspektakel soll in zwei Filmen noch so weitergehen. Justin Lin soll sie inszenieren. Chris Morgan, der dieses Mal nicht das Drehbuch schrieb, soll wieder das Drehbuch schreiben. Dann werden wir auch sehen, wie wichtig Morgan für die vorherigen Filme war und ob sie, um noch einmal auf James Bond zurückzukommen, „F9“ als ihren „Moonraker“ begreifen und den nächsten, noch titellosen „Fast & Furios“-Film als Rückkehr zu einem realistischeren Actionfilm begreifen. Bei Bond hieß das „In tödlicher Mission“. Danach kamen „Octopussy“ und „Im Angesicht des Todes“.

Fast & Furious 9 (F9: The Fast Saga, USA 2021)

Regie: Justin Lin

Drehbuch: Daniel Casey, Justin Lin (nach einer Geschichte von Justin Lin, Alfredo Botello und Daniel Casey, basierend auf Charekteren von Gary Scott Thompson)

mit Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, John Cena, Nathalie Emmanuel, Jordana Brewster, Sung Kang, Helen Mirren, Kurt Russell, Charlize Theron, Anna Sawai, Don Omar, Shea Whigham, Shad Moss, Lucas Black, Jason Tobin, Michael Rooker, Thue Ersted Rasmussen

Länge: 143 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homeapge zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Fast & Furious 9“

Metacritic über „Fast & Furious 9“

Rotten Tomatoes über „Fast & Furious 9“

Wikipedia über „Fast & Furious 9“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7“ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von F. Gary Grays „Fast & Furious 8“ (The Fate of the Furious, USA 2017)

Meine Besprechung von David Leitchs „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“ (Fast & Furious presents: Hobbs & Shaw, USA 2019)

Meine Besprechung von Justin Lins „True Detective – Die komplette zweite Staffel“ (True Detective – Season 2, USA 2015; Lin führte bei zwei Folgen die Regie)

Meine Besprechung von Justin Lins „Star Trek Beyond“ (Star Trek Beyond, USA 2016)


TV-Tipp für den 15. April: L. A. Crash

April 14, 2017

One, 23.15

L. A. Crash (USA 2004, Regie: Paul Haggis)

Drehbuch: Paul Haggis, Robert Moresco

Oscarprämiertes Episodendrama über die zufälligen Begegnungen von Menschen verschiedener Ethnien und Schichten in Los Angeles. Das alles zusammenhaltende Thema ist Rassismus.

2005 war das Jahr für Paul Haggis. Nachdem er jahrelang in Hollywood arbeitete, hatte er endlich seinen großen Durchbruch. Zuerst verfilmte Clint Eastwood sein Oscar-nominiertes Drehbuch „Million Dollar Baby“. Danach schrieb Haggis, wieder für Clint Eastwood, das ebenfalls Oscar-nominierte Drehbuch für „Letters from Iwo Jima“ und „Flags of our Fathers“, leistete gutbezahlte Arbeit an den Drehbüchern der beiden Daniel-Craig-Bond-Filme und erhielt für „L. A. Crash“ unter anderem den Oscar für das beste Original-Drehbuch und den besten Film. Auch sein zweiter Spielfilm „Im Tal von Elah“ überzeugte – jedenfalls die wenigen Menschen, die ihn im Kino gesehen haben.

Mit Sandra Bullock, Don Cheadle, Matt Dillon, Jennifer Esposito, Brandan Fraser, Terrence Howard, Chris „Ludacris“ Bridges, Thandia Newton, Ryan Phillippe, Larenz Tate, Michael Pena, William Fichtner

Wiederholung: Montag, 17. April, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über “L. A. Crash“

Rotten Tomatoes über „L. A. Crash“

Wikipedia über „L. A. Crash“ (deutsch, englisch)

Film School NYFA: Guest Lecture: Paul Haggis – Part 1

Cinema Blend: Interview mit Paul Haggis

Indie London: Interview mit Paul Haggis

Meine Besprechung von Paul Haggis‘ „Dritte Person“ (Third Person, Großbritannien/USA/Deutschland/Belgien 2013)

Paul Haggis in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: „Fast & Furios 8“ – nächste Runde mit der bekannten Familie und unbekannten Blechschäden

April 14, 2017

Die Ein-Satz-Besprechung für das Publikum mit Twitter-Aufmerksamkeitsspanne: Wenn dir die vorherigen zwei, drei „Fast & Furious“-Filme gefallen haben, wird dir „Fast & Furious 8“ gefallen.

Alles ist halt noch eine Nummer größer und es gibt einige neue Familienmitglieder.

Und ab jetzt geht es mit ein, zwei Spoilern weiter, die beim Ansehen des Films dann doch nicht so überraschend sind. Das Plakat verrät auch einiges.

Aber Hey!, die Filme dieser an der Kinokasse unglaublich erfolgreichen Actionserie haben sich nie für den David-Mamet-Preis beworben.

In „Fast & Furious 8“ trifft Dom Toretto (Vin Diesel) auf Kuba (Fun Fact: erster Dreh einer US-Produktion auf Kuba) Cipher (Charlize Theron). Sie erpresst ihn, seine Freunde zu betrügen. Er tut es und stiehlt von ihnen eine äußerst gefährliche Waffe, die sie im Auftrag der US-Regierung kurz vorher von irgendwelchen gesichtslosen Bösewichter geklaut haben.

Seine langjährigen Freunde sind fassungslos über Doms Verrat. Denn für ihn ist, wie wir aus den vorherigen Filmen wissen, Familie alles und seine Freunde sind seine ständig wachsende Familie, die er niemals betrügen oder verraten würde. Er würde für sie durch die Hölle gehen.

Sie, also Doms Freundin Letty (Michelle Rodriguez), Hobbs (Dwayne Johnson), der Rest der Gang – Roman Pierce (Tyrese Gibson), Tej (Chris ‚Ludacris‘ Bridges) und Ramsey (Nathalie Emmanuel) -, unterstützt von Mr. Nobody (Kurt Russell), seinem paragraphenreitendem Lehrling (Scott Eastwood), der vor allem als willkommener Punchingball für Gags benutzt wird, und ihrem früheren Gegner und jetzigen Mr.-Nobody-Zwangsverpflichtung Deckard Shaw (Jason Statham), beginnen Cipher und Dom zu jagen, während Dom weitere Verbrechen begeht, die Cipher mit all den Dingen ausrüstet, die sie braucht, um einen Weltkrieg zu entfesseln. Denn Cipher ist nicht nur eine begnadete Hackerin, die überall und nirgends ist (weshalb ihre Zentrale in einem Flugzeug ist), sondern auch ein waschechter James-Bond-Bösewicht.

Ihre Aktionen gehorchen dabei dem Prinzip „mehr ist besser“; was spannungstechnisch keine gute Idee ist. In Manhattan muss Dom den Koffer mit den Nuklearcodes von dem russischen Verteidigungsminister klauen. Cipher unterstützt ihn dabei, indem sie alle Autos im Umkreis von mehreren Wohnblocks fernsteuert. Dann rasen ganze Armeen von Zombieautos durch die engen Häuserschluchten, verursachen Massenkarambolagen und hunderte Autos nehmen aus einem Parkhaus die Abkürzung. Sie stürzen vom Himmel und begraben die Reste des russischen Autokonvois unter sich.

Im Writers‘ Room mag das wie eine gute Idee geklungen haben. Auf der Leinwand ist es ein unglaubwürdiger Overkill. Es sind einfach zu viele Autos. Sie sehen einfach zu sehr nach Computertricks aus.

Immerhin gibt es in New York dann noch eine konventionelle „Fast & Furious“-Autoverfolgungsjagd, die sogar tagsüber spielt. Deshalb kann man halbwegs sehen, was passiert. Denn F. Gary Gray schneidet hier, wie in allen Action-Szenen, mehr als nötig. Gray inszenierte auch „Verhandlungssache“, „The Italian Job – Jagd auf Millionen“ und, zuletzt, „Straight Outta Compton“. Bei „Fast & Furious 8“ fungiert er, ohne eine erkennbare persönliche Note, als williger Erfüllungsgehilfe eines erfolgreichen Franchise.

Das große Action-Set-Piece ist am Filmende nimmt mindestens ein Drittel des Films, eher sogar eine gute Stunde, ein. Und das ist gut so. In einer geheimen U-Boot-Station an der Barentssee soll Dom für Cipher eine Atomrakete in, uh, Besitz bringen (Frag nicht nach der einfachen Lösung, wenn es auch mit viel Rumms geht).

Nachdem im vorherigen „Fast & Furious“-Film eine Startbahn ewig lang war, liefern sie sich jetzt auf dem Eis, unter Wasser und in der Luft ein Wettrennen mit einem U-Boot, das durch eine Schleuse ins freie Meer fahren könnte. Während das U-Boot sich unter dem Eis seinem Ziel nähert, rasen Dom und seine Gang, verfolgt und beschossen von allerlei meist anonymen Bösewichtern, auf dem Eis in Richtung Schleuse. Und sie scheinen mit ihren Flitzern nicht wesentlich schneller als ein U-Boot voranzukommen. Dabei – schnelle Internetrecherche – fährt das modernste russische Atom-U-Boot höchstens 31 Knoten, also 57 Stundenkilometer.

Während des gesamten Films werden viele Szenen nur für die Lacher gespielt. Dazu gehört, am Filmanfang, Hobbs Minuten dauernde große, zum verlustreichen Kampf anstachelnde Ansprache direkt in die Kamera (wir können uns die Pointe denken, die immerhin direkt danach eine schöne Fortsetzung findet), die Neckereien von Hobbs und Deckard Shaw im Hochsicherheitsgefängnis (die deutlich länger als notwendig ausgespielt werden) oder Shaws liebevolle Betreuung eines Babys, das er befreien muss. Während er sich liebevoll um das Baby kümmert, tötet er nebenbei Dutzende Bösewichter.

Die Story selbst, wieder geschrieben von Chris Morgan, fügt wenig innovativ oder überraschend, aber zweckdienlich die einzelnen Actionszenen zusammen. Dass Dom dabei, wie wir gegen Ende erfahren, nur zum Schein auf Ciphers Erpressung einging, können wir uns von der ersten Minute an Denken. Warum er allerdings nicht gleich mit seiner Familie über die Erpressung redet, erfahren wir nie.

Doms Familie wird, auch wenn ab und an Familienmitglieder sterben, immer größer und damit wird der Film auch etwas behäbig. Schließlich muss jedes Familienmitglied seinen Auftritt haben – und dann kommen noch die mehr oder weniger bösen Neuzugänge hinzu. Das sind dieses Mal Charlize Theron als Bösewicht (Resozialisierung ist im Dom-Universum möglich) und Helen Mirren als – das soll eine Überraschung bleiben.

An einigen Stellen bezieht sich „Fast & Furious 8“, der von Universal Pictures als Auftakt der finalen Trilogie gelabelt wird, auf die vorherigen Filme. Aber das sind nur Nebensätze, die das Herz des langjährigen Fans erfreuen. Zum Verständnis des aktuellen Films sind sie nicht nötig.

Mit dem achten Film des Franchise sind Dom und seine Familie, nachdem sie am Anfang Verbrecher waren, endgültig zu den Guten geworden, die jetzt für einen geheimen US-Geheimdienst die Welt retten. Mit, wie James Bond, einem Spesenkonto ohne Limit und gigantischen Kollateralschäden, die locker zwei große Versicherungen ruinieren könnten.

Insofern schließt „Fast & Furious 8“, der genau das liefert, was die Fans erwarten, nahtlos an die vorherigen Filme an. Ohne die Qualität von „Fast & Furious Five“ (das ist der Teil mit dem ersten Auftritt von Dwayne Johnson und dem unkonventionellen Transport eines riesigen Safes durch Rio de Janeiro) zu erreichen.

P. S.: Der Film läuft auch im IMAX.

Fast & Furious 8 (The Fate of the Furious, USA 2017)

Regie: F. Gary Gray

Drehbuch: Chris Morgan

mit Vin Diesel, Charlize Theron, Dwayne Johnson, Jason Statham, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Helen Mirren, Nathalie Emmanuel, Elsa Pataky, Scott Eastwood, Kurt Russell, Kristofer Hivju, Luke Evans

Länge: 136 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Fast & Furios 8“

Metacritic über „Fast & Furios 8“

Rotten Tomatoes über „Fast & Furios 8“

Wikipedia über „Fast & Furios 8“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)

Meine Besprechung von Justin Lins „Fast & Furios 6“ (Furios Six; Fast & Furious Six, USA 2013)

Meine Besprechung von James Wans „Fast & Furious 7“ (Furious 7, USA 2015)

Meine Besprechung von F. Gary Grays „Straight Outta Compton“ (Straight Outta Compton, USA 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: Die Motoren röhren immer noch in „Fast & Furious 6“

Mai 23, 2013

Schon vor dem offiziellen Kinostart jubelt Universal Pictures. Am Pfingstmontag, dem ersten Previewtag von „Fast & Furious 6“, sahen 230.000 Menschen den Film und für das „Fast & Furious“-Franchise und Universal Pictures bedeutet das: „Bester Starttag des Franchise“, „Bestes Tagesergebnis des Franchise“, „Bestes Previewergebnis an einem Tag in 2013“, „Bester Starttag in 2013“ (und dabei ist der Film noch gar nicht gestartet) und „Umsatzstärkster Universal-Starttag aller Zeiten“.

Aber Zahlen sagen nichts über die Qualität eines Films aus. Sie verraten höchstens einiges über die Erwartungen. Immerhin war „Fast & Furious Five“ der bislang beste Teil der Serie, der als Heist-Movie auch eine vollkommen neue Richtung einschlug. Nämlich weg von den Straßenrennfilmen mit Krimibeigabe hin zu einem Action-Thriller, mit einem Pflicht-Straßenrennen und viel grandioser Action, deren Höhepunkt der Diebstahl eines Safes war.

Am Ende des Films konnten Dominic Toretto (Vin Diesel) und seine Gang sich mit einer Millionenbeute zur Ruhe setzten.

Fast & Furios 6“ beginnt wenige Monate später: Doms Freund Brian O’Conner (Paul Walker), der ihn im ersten „The Fast & The Furious“-Film als Polizist verfolgte, ist inzwischen glücklicher Vater. Die anderen genießen das sorglose Luxusleben und Dom erhält Besuch von Luke Hobbs (Dwayne Johnson). Der Polizist verfolgt über die halbe Welt eine von Owen Shaw (Luke Evans) angeführte skrupellose Gangsterbande, die die Teile für eine Superwaffe zusammenklaut. Zu der Bande gehört auch Letty Ortiz (Michelle Rodriguez), Doms große Liebe, die eigentlich tot sein sollte.

Dom beschließt die Familie wieder zusammen zu führen. Dafür ruft er die alte Gang wieder zusammen und es geht, mit Hobbs‘ Zusicherung, dass, wenn sie erfolgreich sind, ihr Strafregister gereinigt wird, nach London, wo Shaws nächster Coup stattfinden soll.

Nach dem grandiosen „Fast & Furious Five“ ist „Fast & Furious 6“ eine leichte Enttäuschung, weil die Geschichte der Familienzusammenführung sich zwischen vorhersehbaren Witzen, fast schon normaler Ermittlerarbeit bei der Suche nach dem Versteck des Bösewichts und dem Ort seines nächsten Coups und ziemlich grandiosen Actionszenen eher schleppend entwickelt. So sind die Macher einerseits stolz darauf, die meisten Action-Szenen fast vollständig „real“ gedreht zu haben, andererseits werden sie oft so zerschnitten, dass sie kaum nachvollziehbar sind. Außerdem spielen sie ziemlich oft Nachts. So ist von der ersten Begegnung der beiden Gangs, einer langen und ziemlich spektakulären Autoverfolgungsjagd durch London, kaum etwas zu sehen. Auch der Höhepunkt, wenn Doms Gang ein Flugzeug am Starten hindern will, spielt mitten in der Nacht. Immerhin verfolgen sie den Panzer, in dem die Bösewichter mit einem wichtigen Teil entkommen wollen, tagsüber und gerade in dem Moment, als ich mich fragte, ob denn keine Menschen in den Autos sitzen, die von dem Panzer auf der Autobahn zerquetscht werden, lässt Regisseur Justin Lin viele Menschen panisch aus ihren Autos flüchten. Dennoch ist gerade diese Szene so gaga und vom Set-Up so unlogisch, dass sie kaum noch Spaß macht.

Die von Chris Morgan erfundene Geschichte, der auch für die vorherigen „Fast & Furious“-Filme die Bücher schrieb, koppelt den Kampf zwischen Dom und Shaw, ziemlich plakativ, zurück an widerstreitende Prinzipien von heimeliger Familie (vulgo Emotion) und eiskaltem Zweck-Egoismus (vulgo Rationalität). Denn Shaw hat, wie es sich für einen richtigen Bösewicht gehört, ein rein instrumentelles Verhältnis zu seinen Leuten und der ehemalige SAS-Soldat ordnet alles dem Erfolg der Mission unter. Dummerweise ist diese hier nur ein austauschbarer MacGuffin, der als Entschuldigung für Action dient. Und Dom will ja auch vor allem Letty wieder zurück in die Familie holen.

Der sechste Teil der Serie liefert letztendlich ziemlich genau das, was man von einem „Fast & Furious“-Film, die nie mit tiefsinnigen Geschichte beeindruckten, erwartet: eher altmodische Action, vor allem mit hochgetunten Autos, Faustkämpfe, knapp bekleidete Frauen, Männerfreundschaft, Testeron, einige Witze – und inzwischen auch einige sehr schlagkräftige Frauen.

Am Ende, wenn unsere Helden dann ihr Feierabendbier genießen, gibt es einen Hinweis auf den Gegner des siebten „Fast & Furious“-Films, der schon in Arbeit ist, und das Thema des Films (nämlich Rache). Das könnte wieder spannender als die Familienzusammenführung werden.

Fast and Furious Six - Plakat

Fast & Furious 6 (Fast & Furious 6, USA 2013)

Regie: Justin Lin

Drehbuch: Chris Morgan

mit Vin Diesel, Dwayne Johnson, Paul Walker, Luke Evans, Tyrese Gibson, Chris ‚Ludacris‘ Bridges, Michelle Rodriguez, Sung Kang, Gina Carano, Gal Gadot, Jordana Brewster, John Ortiz

Länge: 130 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Facebook-Seite zum Film

Film-Zeit über „Fast & Furious 6“

Metacritic über „Fast & Furious 6“

Rotten Tomatoes über „Fast & Furious 6“

Wikipedia über „Fast & Furious 6“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Fast & Furious Five“ (Fast Five, USA 2011)


%d Bloggern gefällt das: