Neu im Kino/Filmkritik: Über den FSK-18-Grindhouse-Horrorfilm „Dolly“

Juni 11, 2026

Beginnen wir bei diesem ziemlich unerfreulichem Horrorfilm mit der für Horrorfans erfreulichen Nachricht. Prinzipiell ist es begrüßenswert, wenn ein Horrorfilm, der vor wenigen Jahren nur auf DVD erschienen wäre, im Kino läuft. Es zeigt auch, dass Horrorfilme im Kino eine Wiederauferstehung feiern. In den USA sind „Backrooms“ (deutscher Kinostart am 18. Juni) und „Obsession – Du sollst mich lieben“ (deutscher Kinostart am 25. Juni) Erfolge, die alle Erwartungen übertreffen. Am Startwochenende von „Backrooms“ landete der Horrorfilm auf dem ersten Platz. „Obsession“ auf dem zweiten. Und „Star Wars: The Mandalorian and Groku“ auf den dritten Platz. Das hatte Disney/Lucasfilm anders erwartet. In der Folgewoche konnten die beiden Horrorfilme am umsatzträchtigen Wochenende ihre Plätze gegen die Neustarts „Scary Movie“ und „Masters of the Universe“ nicht verteidigen. Aber ihr Budget spielten sie bereits jetzt um ein mehrfaches wieder ein. In diesem Umfeld ist der Kinostart von „Dolly“ nicht mehr so ungewöhnlich. Und die nächsten Monate werden etliche weitere Horrorfilme im Kino starten.

Im Gegensatz zu „Backrooms“ und „Obsession“ erzählt Rod Blackhurst in „Dolly“ eine Geschichte, die sich am trashig-brutalen 70er-Jahre-Grindhouse-Horrorfilm orientiert. Die Filme wurden gemacht mit geringstem Budget, unbekannten Schauspielern, billigen Locations und genug Sex und Gewalt, um ein jugendliches Publikum zu begeistern. Die etablierte Filmkritik verriss die Filme als unappetitliche Machwerke. Inzwischen sind einige dieser Horrorfilme Klassiker. Viele wurden vergessen. Einige poppen manchmal in Filmreihen wieder auf. Dann sieht man, dass die Filme, die man als Teenager wegen der neugierig machenden Plakate und Mundpropaganda unbedingt sehen wollte, nicht gut sind.

Blackhursts „Dolly“ ist eine stilecht auf Super 16mm gedrehte Liebeserklärung an genau diese Grindhouse-Filme. Bei einer Wanderung will Chase seiner Freundin Macy einen Heiratsantrag machen. Davor entdecken sie im Wald einen beunruhigend aussehenden Puppenfriedhof und sie hören seltsame Geräusche. Chase will herausfinden, woher die Geräusche kommen. Allein begibt er sich in den Wald und begegnet der titelgebenden Dolly. Sie ist ein maskiertes, sich kindlich verhaltendes Monstrum. Ihr Gesicht hat sie verdeckt mit einer an eine Porzellanpuppe erinnernden Maske. Sie greift ihn an und verletzt ihn schwer; – die Szene ist so inszeniert, dass wir glauben sollen, sie habe ihn ermordet. Aber später im Film beginnt er sich durch den Wald zu Dollys Haus zu robben. Gehen kann er nicht mehr.

Kurz darauf gerät Macy in Dollys Hände. Dolly schleppt Macy in ihr Haus, sperrt sie ein und verdeutlicht ihr, dass sie jetzt ihr Kind, Spielzeug und Puppe ist. Macy versucht zu flüchten.

Im Gegensatz zu „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ (vorherige Woche angelaufen) dient die Gefangenschaft in „Dolly“ nur der Präsentation von Abscheulichkeiten. Gewalt um der Gewalt willen, in einer Welt, in der es keine moralischen Maßstäbe gibt. Alle Menschen, die Dolly begegnen, werden von ihr fast immer sofort möglichst brutal getötet. Blackhurst inszeniert diese Begegnungen für den Splatter-Fan angemessen blutig und in jeder Beziehung unappetitlich. Durchgängig ersetzten Schocks und Ekel Suspense. Es ist auch eine Welt, in der die Hauptfiguren immer die dümmste Entscheidung treffen in einer Geschichte, die wenig bis kaum Sinn ergibt.

Das macht „Dolly“ trotz seiner kurzen Laufzeit von 83 Minuten zu einer ziemlichen Geduldsprobe. Immerhin zeigt Rod Blackhurst sehr stilgerechte Hommage an den 70er-Jahre-Horrorfilm, warum die meisten dieser Filme inzwischen vergessen sind. Es sind einfach schlechte Filme.

Dolly (Dolly, USA 2025)

Regie: Rod Blackhurst

Drehbuch: Rod Blackhurst, Brandon Weavil

mit Max The Impaler, Fabianne Therese, Seann William Scott, Ethan Suplee, Kate Cobb, Russ Tiller, Michalina Scorzelli, Eve Blackhurst

Länge: 83 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Dolly“

Metacritic über „Dolly“

Rotten Tomatoes über „Dolly“

Wikipedia über „Dolly“


Neu im Kino/Filmkritik: Der Horror: „Night Swim“ im eigenen Swimminpool

Februar 8, 2024

Neue Stadt, neues Glück: die Wallers ziehen in ein Haus mit einem Swimmingpool. Eve hat eine Arbeit als Leiterin einer Sonderschule. Ihre Kinder, die 15-jährige Izzy und der zwölfjährige Elliott, freuen sich auf ihre neuen Klassenkameraden. Und Ehemann Ray kann sich erholen. Der ehemalige Baseballprofi musste sich vom Profisport zurückziehen. Er hat Multiple Sklerose im Anfangsstadium. Sein Arzt meint, schwimmen könne helfen.

Aber in dem Pool lauert etwas Böses, das eine nächtliche Runde im Pool zu einer furchteinflößenden, manchmal sogar tödlichen Angelegenheit macht.

Anstatt jetzt einen großen Bogen um das Schwimmbecken zu machen, gehen die Wallers tags und nachts in das Becken, planschen, schwimmen und ängstigen sich.

Die Wallers veranstalten auch eine zünftige Einstandsparty, bei der ihre Gäste selbstverständlich auch in das Becken steigen dürfen und gar schreckliches passiert.

Das passiert wohl, wenn man aus einem vierminütigem Kurzfilm (inclusiv einer Minute für den Abspann) einen Spielfilm macht. Bei dem gelungenem Kurzfilm genügt eine Situation: eine Frau schwimmt in der Nacht in einem beleuchteten Pool. Sie glaubt, jemand am Beckenrand zu sehen. Als sie das Gesicht des Fremden sieht, verschwindet sie spurlos im Wasser. Der Film beschränkt sich auf Suspense und Horror. Ohne auch nur den Ansatz einer Erklärung. Bei einem Spielfilm muss es dann eine Erklärung für das Monster im Pool geben. Diese erfolgt ziemlich spät im Film holterdipolter und wird anschließend noch nicht einmal schlüssig umgesetzt.

Night Swim“ ist ein lahmer Horrorfilm ohne besondere Überraschungen. Immerhin sieht der in der Nacht beleuchtete Swimmingpool fast wie ein Edward-Hopper-Gemälde aus und die Suspense-Momente funktionieren. Solange man sie nur als isolierte Suspense-Momente betrachtet.

Am Ende fragte ich mich, warum Blumhouse nicht einfach einige gute Horror-Kurzfilme zusammenstellt und als Compilation ins Kino bringt. Sicher, das würde an der Kinokasse wahrscheinlich weniger Geld einspielen als der jetzt aus dem Kurzfilm entstandene Spielfilm. In den USA hat „Night Swim“ bis jetzt fast 30 Millionen und global fast 44 Millionen US-Dollar eingespielt. Bei einem Budget von 15 Millionen Dollar ist das ein gutes Geschäft. Allerdings würde die Kurzfilm-Compilation auch weniger kosten und die einzelnen Kurzfilme wären spannender als die Spielfilmversionen.

Night Swim (Night Swim, USA 2024)

Regie: Bryce McGuire

Drehbuch: Bryce McGuire (basierend auf dem gleichnamigem Kurzfilm von Rod Blackhurst und Bryce McGuire)

mit Wyatt Russell, Kerry Condon, Amélie Hoeferle, Gavin Warren, Nancy Lenehan, Jodi Long, Elijah R. Roberts

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Night Swim“

Metacritic über „Night Swim“

Rotten Tomatoes über „Night Swim“ 

Wikipedia über „Night Swim“ (deutsch, englisch)

Der Kurzfilm