Neu im Kino/Filmkritik: „The Gallows“ killt dumme Schüler

In den letzten Jahren mauserte sich Blumhouse Productions zu einer verläßlichen Bank für Horrorfilmfans. Allerdings, trotz einiger echter Hits und guter Filme, nicht unbedingt zu einer guten. Eher zu einer, die man mit Interesse beobachtet, immer auf einen guten Film hofft und oft enttäuscht ist. „Paranormal Activity“ war 2007 ihr großer Erfolg, dessen fünfter Teil als „Paranormal Activity: Ghost Dimension 3D“ (Yeah, der Horror erhält eine dritte Dimension) am 22. Oktober bei uns anläuft. Es ist ein Found-Footage-Horrorfilm: in einem Haus geschehen unheimliche Dinge, die von den überall platzierten Überwachungskameras in nicht gerade berauschender Bildqualität aufgenommen werden. Der Film kostete 15.000 US-Dollar und spielte weltweit fast 200 Millionen US-Dollar ein, was ihn zu einem der profitabelsten, vielleicht sogar zu dem profitabelsten Hollywood-Film aller Zeiten machte. Danach kamen „Sinister“, „Insidious“, „Unknown User“ (wird fortgesetzt), zahlreiche Fortsetzungen und die beiden „The Purge“-Filme, die sogar richtig gut und keine Horrorfilme sind. Aber der typische Blumhouse-Film ist ein billig produzierter Horrorfilm mit unbekannten Schauspielern, gedreht im Found-Footage-Stil (also mit Überwachungskameras, Videokameras und, inzwischen, Handy-Kameras), einer entsprechend improvisierten Geschichte und oft mit Geistern. Das führt dann dazu, dass wenig Blut fließt (was nicht unbedingt schlecht ist) und es wenige Schockmomente gibt, die oft schon im Trailer, der den Film ja verkaufen soll, gezeigt werden.
„The Gallows“, das Regiedebüt von Chris Lofing und Travis Cluff, reiht sich nahtlos in das Blumhouse-Oeuvre ein. In diesem Fall geht es um eine Schule, die nach zwanzig Jahren wieder das Stück „The Gallows“ aufführen will. Damals erhängte sich der Hauptdarsteller des Stücks während der Premiere durch einen bedauerlichen Unfall am nicht richtig präpariertem Galgen.
In der Nacht vor der Premiere schleichen sich die Schüler Cassidy, Reese und Ryan in die Schule. Sie wollen die Bühnendekoration zerstören und so die Premiere sabotieren. Aber bevor sie mit ihrem schändlichen Tun beginnen können, taucht Pfeifer auf und Reese, der in sie verknallt ist und sich deshalb als Schauspieler in dem Stück versucht, versucht sich an einer weit hergeholten Erklärung. Kurz darauf geschehen in der dunklen Schule seltsame Dinge, wie seltsame Geräusche und plötzlich auf- und zugehende Türen. Außerdem, und hier hört der Spaß für die vier Schüler auf, sterben sie der Reihe nach, ohne dem Täter oder der Lösung einen erkennbaren Schritt näher zu kommen.
Obwohl der Film mit knapp achtzig Minuten (ohne Abspann) angenehm kurz geraten ist, bleibt genug Zeit, sich Gedanken über den seltsamen Grundriss der Schule zu machen, die eher ein Escher-Labyrinth als eine real existierende Schule ist, und warum die Eingeschlossenen nicht die Polizei anrufen (denn jede Schule hat Telefone) oder die Feuerwehr rufen (denn jede Schule hat einen Feueralarm) oder ganz einfach aus der Schule flüchten. Denn eine Schule ist kein Hochsicherheitsgefängnis. Eine Flucht, vor allem wenn man Todesangst hat und sich deshalb über eine zerbrochene Fensterscheibe keine Gedanken mehr machen muss, wäre einfach zu bewältigen. Aber lieber stehen sie ratlos vor einer verschlossenen Tür und stolpern dann durch den Keller oder hinter der Bühne herum, bis der Bösewicht sein Werk vollenden kann.
Dazu kommt die nervige Handykamera, die immer wackelt und mal wieder am Verstand des Kameramanns zweifeln lässt, der in höchster Not doch nur an das Filmen der Ereignisse denkt.
Dabei ist die Auflösung dieses Mal gar nicht so übel geraten. Ich bin sogar überzeugt, dass „The Gallows“, wenn er konventionell gedreht worden wäre (also mit einem ausformuliertem Drehbuch und ohne Found-Footage-Gedöns), ein ganz ordentlicher kleiner Horrorfilm geworden wäre.
Aber so ist es, mal wieder, typischer Blumhouse-Mist, der aufgrund des geringen Budgets von 100.000 US-Dollar sein Geld mehr als einmal einspielen wird, bis nächstes Jahr „The Gallows 2 – Der Galgen steht immer noch“ (oder wie auch immer die unvermeidliche Fortsetzung heißt) in unseren Kinos anläuft. Laut Box Office Mojo hat „The Gallows“ bis jetzt weltweit fast 38 Millionen US-Dollar eingespielt.

Gallows - Plakat

The Gallows – Jede Schule hat ein Geheimnis (The Gallows, USA 2015)
Regie: Chris Lofing, Travis Cluff
Drehbuch: Chris Lofing, Travis Cluff
mit Reese Mishler, Pfeifer Brown, Ryan Shoos, Cassidy Gifford
Länge: 81 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „The Gallows“
Moviepilot über „The Gallows“
Metacritic über „The Gallows“
Rotten Tomatoes über „The Gallows“
Wikipedia über „The Gallows“ 

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