Unterhaltsam vermitteltes Management-Wissen

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Sie wollen einen spannenden Kriminalroman lesen? Sie wollen nicht wissen, wie die Geschichte endet? Nun, dann ist „Turnaround“ von Fritjof Karnani nichts für Sie. Denn der Krimiplot ist, höflich formuliert, eine magere Verkaufshilfe. Dass Latika Bachmann die Geschichte überlebt und zur mächtigsten Frau Deutschlands aufsteigt verrät bereits der Prolog. Und dieser Aufstieg verläuft, was bei 260 Druckseiten auch nicht sonderlich überrascht, erstaunlich geradlinig.

Im Mittelpunkt von „Turnaround“ steht eine achtundzwanzigjährige Schönheit mit viel Hirn, die mit einigen Freunden einen maroden Fahrradhersteller saniert. Sie erhält diesen Job, nachdem sie bei der weltweit agierenden Unternehmensberatung DAI ohne einen ersichtlichen Grund herausgeworfen wurde und sich anschließend bei einer Präsentation gegen DAI durchsetzt. Innerhalb von vier Monaten soll sie die marode Firma 2Rad4Fun auf ein zukunftsträchtiges Gleis setzen. Sie will die Kernkompetenz des Unternehmens bewahren und damit den besten Kinderwagen der Welt herstellen.

Diese Erfolgsgeschichte wird von Fritjof Karnani geradlinig bis zur erfolgreichen Präsentation auf einer Messe geschildert. Die Messe beginnt auf Seite 145 und alle lieben den Kinderwagen, die dazugehörige Kollektion und das Puppentheater von Latikas Freund. Krimirelevantes ist bis dahin kaum geschehen. Aber das störte bei dieser herzigen Disney-tauglichen Erfolgsgeschichte (Manager sagen ‚success story’.) auch nicht.

Leider klebte Karnani dieser märchenhaften Geschichte einen vermeintlich verkaufsträchtigen Krimiplot an. Dieser beginnt so halbwegs, als sich Latikas Vater Krishna und dessen Freund Steffen Engler (auf Seite 114 wird er irrtümlich Ebert genannt) auf Seite 117 entschließen, den Grund für Latikas Entlassung bei DAI herauszufinden und es ihrem ehemaligen Chef Frank Hochheim heimzuzahlen. Auf Seite 158 stirbt Krishna Bachmann durch eine Autobombe. Eine gute Methode, um sich die ungeteilte Aufmerksamkeit der Polizei zu sichern. Auf Seite 193 wird Steffen Engler erschossen. Latika hat natürlich sofort die DAI in Verdacht, beschafft sich schnell die nötigen Beweise und kann die Täter samt Hintermännern überführen. Das geht noch einfacher als die Umstrukturierung des Fahrradherstellers, weil „Turnaround“ nur 260 Seiten hat und auch nach den Morden gemenschelt und Businesschinesisch ausgetauscht wird.

Diese Dialoge sind natürlich diese klugscheißerischen Dialoge, die wir so ähnlich jede Woche bei „CSI“ hören können. Da erzählen sich Menschen Dinge, die sie, aber nicht der Normalsterbliche, genau wissen. So muss der 2Rad4Fun-Geschäftsführer bei der Präsentation auf Seite 54 doch tatsächlich fragen, was ein Breakeven-Point sei. Als Teil eines Versuchs, auf unterhaltsame Weise etwas Wissen über Management zu vermitteln, sind sie, wie die CSI-Dialoge, akzeptabel.

„Turnaround“ ist halt eine märchenhafte Aufsteigergeschichte, bei der alle Charaktere auf ihre reine Funktion für die Ökonomie reduziert sind. Also genau das richtige für den Management-Nachwuchs.

 

Fritjof Karnani: Turnaround

Gmeiner Verlag, 2007

288 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage des Verlages: http://www.gmeiner-verlag.de/

4 Responses to Unterhaltsam vermitteltes Management-Wissen

  1. Sabine sagt:

    Ich bin sprachlos, hat da jemand ein anderes Buch gelesen?
    Aber man muss nur mal nachsehen, der Macher dieser Seite „arbeitet gerade an eine Gangsterkrimi.“
    Alles klar, wieder ein verhinderter möchteger Schriftsteller.
    Warum müssen diese Möchtegerns irgendwann eine Seite im Internetmachen eröffnen und ihren Frust über die eigene Unfähigkeit loswerde indem die sich über Bücher auskotzen an deren Qualität sie nie ran kommen werden?
    Wer eine richtige Buchkritik zu Karnani lesen will, sollte in der Financial Times nachlesen oder im Tagespiegel, oder in Die Zeit.
    Richtige Journalisten, richtige Buchkritiken.
    Das Internet hat auch seine Nachteile, diese Seite hier ist eine.

  2. AxelB sagt:

    Hallo Sabine,
    das Problem bei Karnani ist, dass es kein Kriminalroman ist, aber als solcher verkauft wird. Außerdem ist es nicht besonders aufregend, dass der Heldin nichts schlimmes zustößt.
    Umgekehrt ist „Turnaround“ als Versuch, Management-Wissen unterhaltsam zu vermitteln okay, auch wenn er nicht über eine der zahlreichen, platten Erfolgsgeschichten aus den Managementbüchern und Seminaren hinausgeht.
    Die euphorischen Karnani-Kritiken in Financial Times, Tagesspiegel und Zeit muss ich verpasst haben.
    Bye
    AxelB

  3. Sabine sagt:

    Ach Axel, ich muss dir recht geben, Du hast so einiges verpaßt.

    Versuch mal das:
    http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~EF7F623AA4DD149DBBB21BFCD20158318~ATpl~Ecommon~Scontent.html

    Ansosnten geht das so: http://www.google.de und dann Karnani und Takeover eingeben.

    Woher nimmst Du dein Wissen über Managementbücher?
    Also, ich vertraue da lieber der FTD.

  4. AxelB sagt:

    Sorry Sabine,
    die FAZ ist nicht die Zeit, Tagesspiegel oder Financial Times. Financial Times ist nicht gerade für ihren Kulturteil bekannt. Takeover ist nicht Turnaround.
    Und Management gehörte zu meinem schönen umfassenden Studium.
    Außerdem ist mir bei einer Kritik wichtig, dass sie begründet ist. Dass unterschiedliche Rezensenten ein Buch unterschiedlich bewerten ist ganz normal. Sonst fänden alle die gleichen Bücher, Filme und Musikstücke gut. Dem ist aber nicht so.
    Bye
    AxelB

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