Cem Melou ist Facharzt für Physiologie und Ernährungsmediziner. Das wäre nicht wichtig, wenn sein Debüt „Toxische Killer“ nicht ein verkappter Ernährungsratgeber mit einer unglaubwürdigen Story wäre.
Bei einer Lebensmittelstudie treten bei einem Patienten Nebenwirkungen auf, die eine Genehmigung des Medikaments gefährden könnte. Also bringt der Konzern, anstatt bei ihm das Medikament abzusetzen, zuerst den auffälligen Probanten um und löscht dann alle seine Daten aus der Untersuchung. Etwas später bringen die Konzern-Killer die Leiterin des Projektes, weil sie geheime Unterlagen gefunden hat (Kleiner Tipp: Legen Sie Unterlagen, die nicht innerhalb weniger Sekunden auf ihrem PC gefunden werden sollen, auf der Festplatte nicht unter offensichtlichen Namen ab.), um. Doch die beiden Killer müssen, um die Interessen des Konzerns zu schützen, noch viel mehr Menschen umbringen. Nur ein kleiner Wiener Polizist stellt sich dem Weltkonzern entgegen.
Für Melou ist dieser Plot, der sich in dieser Zusammenfassung wie eine trashig-spaßige David-gegen-Goliath-Geschichte liest, nur das Mittel seine Botschaft über die richtige Ernährung zu verkünden. Deshalb repetiert er seitenlang sein Wissen und schreibt im Stil eines Lexikonartikels über die Wirkung von verschiedenen Drogen und tödlichen Giften. Das alles bringt die Geschichte nicht voran und hat in dieser Form in einem Roman nichts zu suchen. Denn wenn ich etwas über richtige und falsche Ernährung, über Drogen und Gifte, erfahren will, dann schnappe ich mir ein Fachbuch. In einem Roman muss es ein Teil der Geschichte sein. Sonst interessiert es nicht.
Die Geschichte von „Toxische Killer“, sogar wenn wir glauben, dass Nahrungsmittelkonzerne heimlich süchtig und krank machende Substanzen in Lebensmittel mischen, funktioniert nie, weil sie einfach nicht glaubwürdig ist. Denn ein multinationaler Konzern hat elegantere Möglichkeiten ein Problem zu beseitigen, als, wie in einem drittklassigen Krimi, einige Killer loszuschicken. Und ein Polizist, der nach Dienstende zu einem Selbstmord gerufen wird und Dokumente stiehlt, ist einfach nur ein tiefer Griff in die Klischeekiste. Dass am Ende die Bösen ihre Taten freiwillig gestehen, zeigt dann wieder einmal das schlechte Plotting von „Toxische Killer“. Denn bei Melou steht immer die Botschaft an erster Stelle.
Cem Melou: Toxische Killer
Pendragon, 2007
216 Seiten
9,90 Euro
