BR, 23.30
Alamo Bay (USA 1985, R.: Louis Malle)
Drehbuch: Alice Arlen
Vietnam-Veteran Shang ist ein Redneck und Fischer. Als die Regierung immer mehr vietnamesische Flüchtlinge in der Bucht von Alamo Bay ansiedelt und diese als Fischer ihr Glück versuchen, entziehen sie Shang und den anderen alteingesessenen Fischern ihren Lebensunterhalt. Der Konflikt zwischen den beiden Gruppen, zusätzlich angeheizt durch den Ku-Klux-Klan, eskaliert. Zwischen den verfeindeten Gruppen steht Glory, eine Jugendfreundin von Shang und Fischhändlerin.
Der selten gezeigte, fast unbekannte Louis-Malle-Film „Alamo Bay“ beruht auf wahren Ereignissen aus den späten siebziger und frühen achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In „Alamo Bay“ benutzt Louis Malle die Struktur des Western. Er liefert einen fast schon dokumentarischen Blick auf einen bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit. Ry Cooder schrieb die Musik. Die Schauspieler sind gut. Aber Malle pendelt zu unentschlossen zwischen den drei Hauptcharakteren (aka eine Frau zwischen zwei Männern) und den verschiedenen Geschichten (Erzählt er die Geschichte eines Rassisten? Eines Einwanderers? Einer Frau, die zwischen den Fronten steht? Oder eines Abschieds vom amerikanischen Traum?).
„Alamo Bay ist für mich die perfekte Einwanderer-Geschichte. Und die perfekte Metapher für dieses Land, ein Einwandererland seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Sie holten Leute, zuerst die Iren, dann die Deutschen, die Schweden, die Polen, die Russen, die Juden. Und jedes Mal – zuerst die Iren – wurden sie mit unglaublichem Rassismus konfrontiert. Jetzt sind es nicht nur die Mexikaner, sondern Leute aus dem übrigen Süd-Amerika. Und die Koreaner und Süd-Vietnamesen. Es ist immer dasselbe Muster. Sie kommen mit diesen riesigen kulturellen Unterschieden und sind eine ökonomische Herausforderung, das ist der Punkt. Sie nehmen den Leuten, die schon ein paar Generationen lang hier waren, die Jobs weg. Das ruft diesen phänomenalen Rassismus hervor, der eigentlich nicht Rassismus per se ist: der beginnt bei Leuten, die nicht nur anders aussehen, sondern eben auch die Jobs wegnehmen. Ich hörte von Schwierigkeiten, mit vietnamesischen Fischern, – von Mexiko bis Florida, in Louisiana und die ganze texanische Küste entlang, wo sich diese Leute niederlassen und anfangen, das zu tun, was Einwanderer machen: Geld zu sparen, um alte Boote zu kaufen, die sie in Ordnung bringen, um dann mit dem Garnelenfang anzufangen. Die einheimischen wandten sich gegen sie und fingen an, ihre eigenen Probleme auf die Vietnamesen zu schieben. Und weil es kulturelle Unterschiede gibt und eine Sprachbarriere – fast keiner der Vietnamesen sprach ausreichend Englisch – eskalierte alles in außerordentlicher Gewalt. Das passierte vor allem zwischen 1979 und 1981/82.“ (Louis Malle in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg.: Louis Malle, 1985)
Mit Amy Madigan, Ed Harris, Ho Nguyen, Donald Moffat