Der Wolf: Dein bis in den Tod (Dänemark/Schweden/Deutschland 2008, R.: Erik Richter Strand)
Drehbuch: Kjersti Rasmussen
LV: Gunnar Staalesen: Din, til døden, 1979 (Dein bis in den Tod)
Varg Veum soll ein gestohlenes Auto wiederbeschaffen. Als er beginnt Fragen zu stellen, wird’s gefährlich.
Anscheinend ziemlich aktualisierte und storytechnisch veränderte Verfilmung des zweiten Varg-Veum-Romans.
Das ist der erste von vier neuen Varg-Veum-Filmen, die über die Ostertage gezeigt werden und alle mit den Romanvorlagen anscheinend sehr wenig zu tun haben.
Mit Trond Espen Seim, Bjørn Floberg, Kathrine Fagerland
Der Wolf: Gefallene Engel: Samstag, 11. April, 22.55 Uhr
Der Wolf: Auf eigene Faust: Sonntag, 12. April, 22.45 Uhr
Der Wolf: Tote Hunde beißen nicht: Montag, 13. April, 22.45 Uhr
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Samstag, 11. April
Tele 5, 20.15
Bei Anruf Mord (USA 1954, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Frederick Knott
LV: Frederick Knott: Dial M for Murder, 1952 (Theaterstück)
Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner untreuen Ehefrau Margot. Als sie den Killer umbringt, wird es Zeit für Plan B.
Für Hitchcock war die Verfilmung des Broadway-Stückes eine Verlegenheitsarbeit, bei dem er damals modische 3-D-Effekte einbauen musste. Er tat dies nur in einer Szene: als Margot den Killer mit einer Schere ersticht. Der Rest ist gut abgefilmtes Theater.
Mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson
Bahnbrechendes Action-Kino, das Bruce Willis zum Star machte – im Buch besucht der Held seine Tochter, im Film besucht der Held seine Frau, der Rest (Terroristen besetzten ein Hochhaus, unser Held kämpft gegen sie) ist bekannt. EPD Film meinte „ein durch und durch regressiver Film, der einer infantilen Lust an der Zerstörung Nahrung verschafft.“
Und das, mal wieder, zu Ostern.
Mit Bruce Willis, Alan Rickman
Hinweis
John McClanes nächste Feiertage
Stirb langsam 2: Montag, 13. April, 22.40 Uhr
Stirb langsam – Jetzt erst recht: Sonntag, 19. April, 22.15 Uhr
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Montag, 13. April
Kabel 1, 04.10
Leben und Sterben in L. A. (USA 1985, R.: William Friedkin)
Drehbuch: William Friedkin, Gerald Petievich
LV: Gerald Petievich: To live and die in L. A., 1984 (Leben und Sterben in L. A.)
Zwei Polizisten jagen einen Geldfälscher. Dabei sind sie in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich.
Nihilistischer Polizei- und Gangster-Thriller mit rasanten Action-Szenen.
Mit William L. Petersen, Willem Dafoe, John Pankow, John Turturro, Dean Stockwell, Gerald Petievich (in einer Minirolle als „Special Agent“)
Die einzige Vorgabe für Autoren bei der „Kaliber .64“-Reihe ist die Länge. Sie haben für ihre Geschichte nur 64 Seiten und genau an der damit zusammenhängenden Herausforderung, eine Geschichte zu erzählen, die nur in dieser Länge funktioniert, scheitern viele Autoren. Weil „Kaliber .64“-Geschichten von der Länge zwischen einer Kurzgeschichte und einem Roman liegen, funktionieren weder aufgeblasene Kurzgeschichten noch die Readers-Digest-Fassungen von Romanen, besonders wenn es sich um einen Rätselkrimi handelt.
Auch Christine Grän, die Autorin der unterhaltsamen Anna-Marx-Romane, scheitert letztendlich mit ihrem „Kaliber .64“-Buch „Jedermanns Gier“.
Gräns Heldin Victoria bringt ältere Männer um mehr oder weniger große Teile ihres Vermögens und manchmal bringt sie sie auch um. Diesem schändlichen Tun widmet Grän die erste Hälfte des Buches. Das ist, nach dem ersten Kapitel, nur noch mäßig interessant, weil wir nichtsentscheidend Neues über Victoria erfahren und auch keine ihrer auf diesen Seiten geschilderten Taten mit ihrem „vielleicht letzten Job“ in Miami zusammenhängen. Denn mit Mitte Vierzig fühlt sie sich langsam zu alt für ihre Art des Broterwerbs und sie hat inzwischen auch genug Geld für ein sorgloses Leben beisammen. Trotzdem macht sie sich in der Mitte der Geschichte auf nach Miami zum Ausnehmen des nächsten reichen, alten Knackers.
Dort trifft sie Franz, einen Wiener Gigolo, den sie von früher kennt (dem wir allerdings bis dahin noch nicht begegnet sind), und der, genau wie sie, ältere Herrschaften (bei ihm natürlich Frauen) ausnimmt. Die beiden Paare beginnen mehr Zeit miteinander zu verbringen und irgendwann schlägt Frank Victoria ein gemeinsam verübtes Verbrechen vor.
Doch auch jetzt, immerhin sind die 64 Seiten fast gefüllt, plätschert die Geschichte vor sich hin. Denn Victoria selbst hat kein konkretes Ziel, das sie erreichen will und sie hat auch keinen Gegner, der sie davon abhalten will. Sie ist in Miami (das das halbe Buch füllende und für das Miami-Abenteuer vollkommen bedeutungslose Vorspiel lassen wir mal links liegen) keiner Gefahr ausgesetzt. Sie könnte jederzeit, ohne dass sich für sie etwas ändern wurde, die Stadt verlassen.
Deshalb ist „Jedermanns Gier“ eine auf 64 Seiten gestreckte langweilige Kurzgeschichte.
Die Kommissare Till Ritter und Felix Stark müssen den Mord an einem illegal eingereisten Nigerianer aufklären.
Lars Becker befindet sich auch in Berlin auf vertrautem Terrain: das Leben von Ausländern und Flüchtlingen in deutschen Großstädten. Den beiden Berliner Kommissaren konnte nach ihrem grottenschlechten letzten Fall „Rosenholz“ nichts Besseres passieren.
Auch später wurde es für das Team Ritter/Stark, wie um 20.15 Uhr die Wiederholung des Tatortes „Kunstfehler“ von 2005 zeigt, nicht unbedingt besser.
Der Anlass für dieses Double-Feature ist natürlich nicht Einfallslosigkeit in der RBB-Programmredaktion, sondern die Ausstrahlung des zwanzigsten Einsatzes der Herren Ritter und Stark „Oben und unten“ am Sonntag, den 19. April, in der ARD.
Auch in der dritten Ausgabe des jährlich erscheinenden Film- und Drehbuch-Almanachs „Scenario“ hat Herausgeber Jochen Brunow den bewährt-flexiblen Aufbau des jährlich erscheinenden Sammelbandes beibehalten. Auf den ersten Seiten gibt es ein langes Interview mit einem Autor. Essays, ein Journal, Splitter einer Geschichte des Drehbuchs und Buchkritiken schließen sich an. Abgeschlossen wird der Sammelband mit dem Abdruck des mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichneten Drehbuchs. Wie die vorherigen beiden Bände ist auch „Scenario 3“ ein Buch für Drehbuchautoren und an Drehbüchern Interessierte.
Das Interview mit Chris Kraus, der bei „Scherbentanz“ und „Vier Minuten“ das Drehbuch schrieb und auch Regie führte, beginnt etwas zu abstrakt-wolkig, wird aber später, wenn Kraus von seinen Erlebnissen in der Filmbranche und den Einflüssen für seine Drehbücher spricht, sehr interessant. Bei den Essays bietet Fred Breinersdorfer mit „Der Ausbruch – Anmerkungen eines Drehbuchautors über sein Regiedebüt“ einen gelungenen Einblick in Entstehungsprozess seiner ersten Regiearbeit von Idee über die Finanzierung, das Casting, den Dreh und die Postproduktion und was er dabei lernte.
Wolfgang Kirchner besucht in New York ein Drehbuchseminar bei Black Snyder, dem Autor von „Save the Cat! – The last book on screenwriting you’ll ever need“. Snyder doziert, anscheinend sehr über überzeugend, über die Wichtigkeit einer „Save the Cat“-Szene in den ersten Minuten, dem guten Ein-Satz-Pitch, seiner eigenen Genreliste (die quer zur üblichen Genreeinteilung steht aber durchaus nachvollziehbar ist. So bilden „Alien“, „Der Exorzist“ und „Eine verhängnisvolle Affäre“ das Genre „Monster in the House“) und sein 15-Insel-Modell, das auch als ausdifferenziertes Drei-Akt-Modell gelesen werden kann.
Spiegel-Redakteur Lars-Olav Beier schreibt über die neue Welle von Hollywood-Drehbuchautoren, die auch Regie führen. Das sind vor allem Charlie Kaufman, Tony Gilroy und Paul Haggis. Und gleich wird ein neuer Trend ausgerufen, obwohl es sich bei ihnen letztendlich um Einzelfälle handelt. Auch weil unklar ist, ob diese Regiekarriere ähnlich langlebig sein wird wie die von John Huston, Woody Allen, Larry Cohen, Paul Schrader und David Mamet.
Im Journal schreibt Peter Schneider (unter anderem „Lenz“, „Messer im Kopf“ und „Der Mann auf der Mauer“) kurzweilig anhand von Tagebucheinträgen über sein Jahr 2008. Es geht vor allem um ein gescheitertes Vivaldi-Projekt, die Rückschau auf 1968 und die alltäglichen Selbstzweifel und Demütigungen, die auch ein renommierter Autor ausstehen muss: „Als Autor neigt man dazu, alle Entscheidungen rund um ein Drehbuch auf sich und die Qualität der eigenen Arbeit zu beziehen. Vielleicht handelt es sich hier um eine narzisstische Selbstüberschätzung. Vielleicht geben ganz andere Entscheidungen den Ausschlag, die wenig oder nichts mit dem Drehbuch zu tun haben.“ .
Bei den Splittern einer Geschichte des Drehbuchs findet sich ein schöner Text von Michael Töteberg über Vladimir Nabokov und dessen Liebe zum Kino, die er vor allem in seinen Romanen auslebte. Denn bis zum Drehbuch für „Lolita“ hatte er im Filmgeschäft kein Glück. Und auch sein „Lolita“-Drehbuch wurde von Stanley Kubrick nicht verfilmt. Es war zu unfilmisch. Bei dem Text stellt sich allerdings die Frage, was er in „Scenario 3“ zu suchen hat. Vor allem in der Rubrik „Backstory – Splitter einer Geschichte des Drehbuch“. Denn gerade damit hater nichts zu tun.
Bei den Buchbesprechungen gibt es längere Essays über David Bordwell und dessen filmtheoretischen Werke und über David Mamets „Lehrbücher“.
Den Abschluss des lesenswerten Bandes bildet das Drehbuch „Das zweite Leben des Häuslers Stocker“ von Klaus Krämer. Im Gegensatz zu den früheren Jahren fehlt die Begründung der Jury und deshalb kann nur gerätselt werden, was der Jury an dieser sehr undramatischen Geschichte gefiel.
Krämer erzählt von dem schweren Leben des bayerischen Bauern Hans Stocker und seiner Familie im 19. Jahrhundert. Ungefähr in der Mitte des Drehbuches stirbt Stocker und wird während des Trauergottesdienstes wieder lebendig. Er schwört, ein Holzkreuz auf Maria Himmelreich hochzutragen. Danach genießt Stocker sein neues Leben. Kurz vor dem Ende spricht ihn ein Großbauer auf seinen Schwur an. Ohne zu zögern erfüllt Stocker seinen Schwur und stirbt dabei.
Das ist alles. Daraus kann ein netter Heimatfilm für die gesamte Familie entstehen. Aber auch nicht mehr. Denn zu lange ist unklar, wer die Hauptfigur ist und was sein konkretes Ziel in der Geschichte ist. Denn der Tod Stockers als handlungsauslösendes Element kommt viel zu spät, das bei der Wiederauferstehung gegebene Versprechen spielt bis zum Ende keine Rolle und wird von Stocker, als er darauf angesprochen wird, sofort erfüllt. Weil es hier keine Konflikte gibt, gibt es auch keine handlungstreibenden Fragen und damit keine Spannung.
Wie die vorherigen Bände ist auch „Scenario 3“ eine sehr unterhaltsame und schön gelayoutete Wundertüte aus der Welt des deutschen Drehbuchs.
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Jochen Brunow (Hrsg.): Scenario 3 – Film- und Drehbuch-Almanach
Snatch – Schweine und Diamanten (GB/USA 2000, R.: Guy Ritchie)
Drehbuch: Guy Ritchie
Franky Four Fingers klaut in Antwerpen einen wertvollen Diamanten. Zurück in London kriegt er Ärger mit einem Russengangster, alle wollen den Stein haben, Gangster werden verletzt und sterben, die Gypsies spielen mit und dann gibt es noch einen Boxkampf, bei dem jeder jeden betrügt.
Wie schon in seinem Debüt „Bube, Dame, König, GrAs“ und seinem neuesten Werk „RocknRolla“ ist die Handlung ein einziges Chaos aus größeren und kleineren Katastrophen, die meisten Gangster sind geistig eher minderbemittelt und latschen, zu unserem Vergnügen, von einem Missgeschick in das nächste, meist ebenso blutige, Missgeschick.
Mit Benicio Del Toro, Denis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Sherbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Goldie
Wiederholung: Samstag, 11. April, 00.15 Uhr (Taggenau!)
Die erste Auflage war schnell verkauft. Die zweite auch. Und jetzt hat der Gmeiner-Verlag die dritte Auflage des von der Soko Criminale Singen herausgegebenen Kurzkrimbandes „Grenzfälle“, der meine (selbstverständlich) grandiose Kurzgeschichte „Der erste Auftrag“ enthält, gedruckt. Die neue Auflage erscheint pünktlich zur vom 6. bis 10. Mai in Singen und Umgebung stattfindende Criminale.
Die neueste Auflage von „Grenzfälle – Die 13 besten Kurzkrimis aus der Region Hegau/Bodensee“ hat ein etwas anderes Titelbild und ein etwas größeres Format. Der Verkaufspreis ist 9,90 Euro, der Umfang 288 Seiten und die anderen Geschichten sind von Nessa Altura, Ulrike Blatter, Klaus Dewes, Pierre Emme, Edi Graf, Gabriele Keiser, Veronika Kramer, Tatjana Kruse, Kurt Lehmkuhl, Christiane Melchers, Britt Reißmann und Angelika Schröder.
Und jeder Buchhändler händigt ihnen gerne ein Exemplar (oder zwei oder drei) aus.
Index – Die schwarze Liste des Vatikan – Teil 1 (D 2009)
Journalist Wolf von Lojewski und Historiker Hubert Wolf stellen einige Autoren und Bücher aus der 1998 veröffentlichten schwarzen Liste der katholischen Kirche vor. Denn der Papst wusste schon immer, was seine Schäfchen nicht lesen sollten. Zum Beispiel Kant, Darwin, Locke, Voltaire, Bentham, Mill, Marx, Swift, Hugo, Sartre und Martin Luther; – also alles Autoren, die aufgeklärt Geister gerne lesen.
Teil 2 gibt’s am Mittwoch um 22.15 Uhr
Wiederholung
Teil 1: Donnerstag, 9. April, 01.50 Uhr (Taggenau!)
Teil 2: Donnerstag, 9. April, 02.40 Uhr (Taggenau!)
To me, noir has got to have a tragic ending; that’s the number one thing. There are all kinds of ways you can structure it. It can be about any kind of subject matter, as long as it leads to a tragic ending. Noir really springs from the Greek conceptions of storytelling and tragedy. If it doesn’t have a tragic ending, it can be a great melodrama, or a roman gris, but it’s not a noir. This is why I largely avoid the term now, because even other noir specialists will define it differently. I just like the stricter set of rules about it. Just because, you know, a story’s set in a dark, dingy bar, and there’s a blonde at the bar who’s not wearing any underwear, it doesn’t mean it’s a noir yet.
Sie unterhalten sich über seine Bücher und Kurzgeschichten, die geänderte Perzeption der Woodrell-Verfilmung „Wer mit dem Teufel reitet“ (Ride with the devil) und die geplanten Verfilmungen.
I do sympathize with my villains. When I first got into writing someone told me that everyone is the hero of their own novel. Since then, I’ve tried to stay true to that philosophy.
No matter how bad a person is, they generally feel justified in what they’re doing or they’d stop. I like to explore those feelings and make the reader understand what makes that particular villain tick.
Kein Mord bleibt ungesühnt (F 2006, R.: Franck Mancuso)
Drehbuch: Franck Mancuso
LV: Lawrence Block: Like a bone in the throat (Kurzgeschichte, abgedruckt in “Enough Rope”)
Ein Sexualstraftäter ermordet die neunjährige Tochter des Polizisten Malinowski. Der kurz darauf als Täter verurteilte Eckman beteuert in Briefen gegenüber Malinowski seine Unschuld. Als Malinowski auf eigene Faust mit Ermittlungen beginnt, beginnt er immer mehr an Eckmans Unschuld zu glauben.
Regiedebütant Mancuso schrieb vorher unter anderem das Drehbuch für den Noir-Polizeithriller „36 – Tödliche Rivalen“. „Kein Mord bleibt ungesühnt“ erhielt ebenfalls gute Kritiken und (erlebte) ebenfalls seine Deutschlandpremiere auf DVD. Das scheint inzwischen bei französischen Kriminalfilmen so üblich zu sein.
Mit Jean Dujardin, Laurent Lucas, Agnès Blanchot, Jean-Pierre Cassel
Auch bekannt als „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“
Wiederholung: Mittwoch, 8. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)
Hostage – Entführt (USA 2005, R.: Florent Emilio Siri)
Drehbuch: Doug Richardson
LV: Robert Crais: Hostage, 2001 (Hostage – Entführt)
LAPD-Verhandlungsexperte Jeff Talley schiebt in einer Kleinstadt eine ruhige Kugel. Da nehmen drei Jugendliche einen Mafia-Buchhalter und dessen Kinder als Geisel. Talley muss, nachdem die Mafia seine Frau und Tochter entführt, wieder verhandeln.
Sehr okayer, unterschätzter Geiselnahmethriller mit einem irgendwo zwischen Italo-Western und Horrorfilm oszillierendem Look und einigen hübschen Twists, wie der doppelten Geiselnahme und den sich verändernden Loyalitäten. Allerdings ist das Buch gerade bei dem Mafia-Plot glaubwürdiger. Und wer wissen will, wie die Polizei verhandelt, sollte auch zu dem grandiosen Buch greifen.
Der Film ist nur die bleihaltige Action-Variante davon.
Mit Bruce Willis, Kevin Pollak, Jimmy Bennett, Michelle Horn, Ben Foster, Jonathan Tucker, Marshall Allman, Serena Scott Thomas, Rumer Willis (Tochter von Bruce Willis), Kim Coates, Robert Knepper
Wiederholung: Montag, 6. April, 02.25 Uhr (Taggenau!)
Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin (D 2009, R.: Martin Enlen)
Drehbuch: Claus Cornelius Fischer
LV: Friedrich Ani: Süden und das Geheimnis der Königin, 2002
Vor zehn Jahren verschwand Soraya. Jetzt wird bei einem verhungerten Mann ein Foto der vermissten Frau gefunden. Kommissar Tabor Süden von der Vermisstenstelle der Kripo beginnt wieder nach Soraya zu suchen.
Erste Süden-Verfilmung. Friedrich Ani hatte mit der Serie um Tabor Süden seinen Durchbruch als Krimiautor.
Am Montag, den 20. April, läuft der zweite und wie es heißt bessere Süden-Film „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ (Regie: Dominik Graf).Aber auch „Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin“ erhält gute Vorabkritiken.
Mit Ulrich Noethen, Martin Feifel, Jeannette Hain, Johanna Bantzer, Jürgen Tonkel, Iris Berben
In den USA ist er vor allem unter Horrorfans schon länger bekannt und beliebt. Bereits sein erster Roman „Beutezeit“ sorgte 1981 wegen der Gewalt für einen Aufschrei bei den Sittenwächtern. Village Voice sprach von Gewaltpornographie. Neben mehreren Nominierungen und Bram-Stoker-Preisen, werden bekannte Kollegen wie Bentley Little, Robert Bloch, Richard Laymon und, vor allem, Stephen King, nicht müde seine Werke in den höchsten Tönen zu preisen. In den vergangenen Jahren erhielt Jack Ketchum in seiner Heimat dank der gelungenen Verfilmungen seiner Werke einen weiteren Popularitätsschub. „Jack Ketchum’s Evil“ und „Jack Ketchum’s The Lost“ gibt es inzwischen auch in Deutschland auf DVD. „Red“ erscheint demnächst und dürfte die einzige Ketchum-Verfilmung sein, die auch von Jugendlichen gesehen werden kann. Seit 2006 hat der Heyne-Verlag vier Ketchum-Romane veröffentlicht. Der fünfte Roman „Beutegier“ ist für Juni angekündigt.
Ende März besuchte Jack Ketchum Frankreich und Deutschland. Dabei ergab sich über seinen deutschen Lektor die Gelegenheit zu einem Interview (das letztendlich in dieser Fassung elektronisch zustande kam).
Spätestens als Jack Ketchum die letzte Frage beantwortete, wusste ich, warum mir seine Bücher gefallen.
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AxelB: Für viele bist du ein Horrorschriftsteller. Aber für mich sind „Blutrot“ und „Amoklauf“ gute Kriminalromane. Wie würdest du daher die verschiedenen Genres Horror, Krimi und Thriller voneinander abgrenzen?
Jack Ketchum: Alle meine Bücher haben ein Element von Horror, eines mehr als andere. Aber wie mein Freund (und ein selbst ein guter Autor) Douglas E. Winter sagt ‚Horror ist eine Emotion, kein Genre’. Das trifft sicher auf die Gefühle des alten Mannes in „Blutrot“ zu, wenn sein Hund vor ihm erschossen wird. Oder wenn in „Amokjagd“ meine beiden zur Mitfahrt gezwungenen Passagiere die zufälligen Morde von Wayne beobachten müssen. Ich habe kein Problem damit, ein Horrorautor genannt zu werden, aber ich denke nicht, dass das Schubladendenken in Genres sehr hilfreich ist. Ich denke, das ist etwas, das uns Verleger und Händler vorgeben – eine Art des herunterbrechens der Leserschaft für die einfache Werbung. Wenn ich gezwungen werde, dann sage ich, dass ich meistens Horror- und Spannungsliteratur schreibe. Aber es gibt auch Schwarze Komödien. In meinem Werk ist alles Mögliche drin.
In diesen Büchern gibt es eine großartige Eröffnung, einprägsame Charaktere und eine gute Geschichte mit einem befriedigenden Ende. Aber was ist zuerst da: die Geschichte, das Thema oder die Charaktere?
Ich denke das Thema; also was ich sagen will. Dann eindeutig die Charaktere. Ich würde nie anfangen zu schreiben, bevor ich meine Charaktere habe. Denn ich denke, dass jedes gute Buch vor allem über menschliche Anliegen ist. Der Plot – wie die Charaktere ihr Ziel erreichen – ist für mich am unwichtigsten.
Wie schreibst du deine Geschichten?
Ich mache keine Outlines mehr. Ich finde es zu einschränkend. Ich arbeite mit drei Pinnwänden, auf denen ich Notizen über Setting, Geschichte, Charaktere, undsoweiter, befestigte. Wenn es nötig ist, arrangiere ich die Zettel um. Vor dem Schreiben habe ich eine grobe Idee von meinem Ziel, dem Thema und den Charakteren, aber wenn ich mit dem Schreiben beginne, versuche ich den Charakteren eine ziemlich lange Leine zu lassen. Sie sollen ihre eigenen Entscheidungen fällen. Genau wie im richtigen Leben. Da improvisiere ich dann viel. Wenn ich neue Szenen schreibe, tendiere ich dazu, nach ungefähr vier Stunden todmüde zu sein. Überarbeiten kann ich dagegen bis zu sieben Stunden.
In deiner Bibliographie gibt es neben den Romanen auch viele Kurzgeschichte. Was ist für dich der Unterschied zwischen ihnen?
Der Unterschied ist der zwischen einer Heirat und einem One-Night-Stand, im Wesentlichen. Das schöne beim Schreiben eines Romans ist, dass du für mindestens mehrere Monate weißt, was du jeden Tag tust. Und es ist sehr befriedigend, zu einer Gruppe alter Bekannter in neuen Situationen zurückzukehren. Das Schöne bei Kurzgeschichten ist, dass du in wenigen Tagen fertig bist. Ich denke, sie schaffen untereinander einen schönen Ausgleich.
Du hast außerdem einige Drehbücher geschrieben. Welche Erfahrungen hast du dabei gemacht?
Ich habe es auf dem schweren Weg herausgefunden, dass du bei einem Drehbuch mit viel mehr davonkommen kannst als in einem Buch. Die Tatsache, dass ein Film normalerweise nur zwei Stunden dauert, bedeutet, dass dir einige Ungenauigkeiten, Plotlöcher und sogar widersprüchliche Charakter-Eigenschaften beim Sehen überhaupt nicht auffallen. Ich rede nicht von den „Plotlöchern, durch die ein Truck passt“. Aber die Kleinigkeiten. „Old Flames“, zum Beispiel, begann als Drehbuch – eines das ich damals teilweise nicht mochte, weil es mir zu überflüssig erschien. Außerdem mochte es niemand sonst. Also legte ich es für einige Jahre weg. Dann erhielt ich die Möglichkeit, eine Prosaversion zu schreiben. Ich entfernte das überflüssige Material und schrieb eine neue Fassung, die mir gefiel. Beim Schreiben fand ich einige störende Ungenauigkeiten und Unterlassungssünden und beseitigte sie. Danach schrieb ich das Drehbuch mit den Änderungen neu. Es ist jetzt ein viel besseres Buch. Chris Siverston, der Regisseur von „The Lost“, schnappte es sich sofort
Es gibt noch weitere Unterschiede, die, obwohl ich gerne Drehbücher schreibe, für mich das Schreiben von Prosa befriedigender machen. In einem Film arbeitest du wirklich nur mit zwei Sinnen: Sehen und Hören, obwohl du die anderen implizieren kannst. In Prosa kannst du sie alle vollständig ansprechen.In Filmen kannst du nur die Oberfläche der Gefühle eines Charakters zeigen. Du kannst nicht wirklich so tief in das Bewusstsein von jemand einsteigen, wie in einem Roman. Auf der Haben-Seite ist, dass ein Drehbuch viel schneller als ein Roman oder ein Kurzroman geschrieben ist.
Vor allem “Blutrot” hat eindeutig eine moralische Botschaft. Wie behandelst du moralische Fragen und Themen in deinen Büchern?
Ich interessiere mich dafür, wie wir miteinander umgehen – in dem Fall von „Blutrot“ und einigen anderen Geschichten, habe ich auch Tiere einbezogen. Als Schriftsteller hast du im Rahmen von guten, unterhaltsamen Geschichten die einzigartige Möglichkeit, vor einem ziemlich großen Publikum deine Sorgen zu thematisieren und deinen Interessen nachzugehen, ohne dabei zu predigen.
Ich beginne oft mit etwas, das mir stinkt. Kindesmissbrauch, Missbrauch von Tieren, Vergewaltigung, Soziopathie im Allgemeinen. All diese und noch einige andere Sachen stinken mir. Also schreibe ich darüber. Nicht nur um meinen Ärger und meine Wut zu zeigen, sondern hoffentlich um diese Sachen ein wenig zu erforschen; sie ein wenig zu verstehen; und um einigeunserer Reaktionen, wenn wir mit ihnen konfrontiert werden, zu verstehen.
Ein Jack-Ketchum-Interview kann unmöglich beendet werden, ohne eine Frage nach der Gewalt in deinen Büchern und inwiefern sie die amerikanische Kultur reflektiert zu stellen. Also: Wie ist die Verbindung zwischen deinen Charakteren und der Gewalt?
Es gibt Gewalt. So einfach ist das. Und offensichtlich nicht nur in der amerikanischen Kultur, sondern überall. Sollen wir über Josef Fritzl reden? Selbstverständlich kenne ich die Gewalt vor meiner Haustür in der guten alten USA am besten und deshalb schreibe ich vor allem darüber. Aber in „Cover“ schreibe ich über einen Überlebenden des Vietnamkrieges und die Gewalt dort. In „Closing Time“ ist der weltweite Terrorismus der Hintergrund.
Ich hatte nie ein Problem mit Gewalt in Büchern, Filmen oder dem Fernsehen. Im Gegenteil; ich denke es ist vielleicht heilsam und ein sicherer Ort, in dem du dich auf die schlimmsten Dingen, die dir vielleicht passieren können, vorzubereiten. In meiner eigenen Arbeit lehne ich grundlose Gewalt ab. Du sollst an sie glauben und Angst um die Menschen in Gefahr haben. Pappkameraden und Cartoongewalt langweilen mich zu Tode. Aus dem gleichen Grund langweilen mich Silikonbrüste. Ich tendiere dann zum Vorspulen.
Bist du in Minute 01:28 der Gerichtsmediziner in dem Trailer zur neuesten Jack-Ketchum-Verfilmung“Offspring”?
Ja. Du kannst mich außerdem hier sehen:
Würdest du fünf Bücher für den nächsten Urlaub empfehlen?
Hier gibt’s die Liste, abgestimmt wird bis zum 25. April beim Spinetingler Magazine (Achtung: Ihr müsst für jede Kategorie einzeln abschicken.) und am 30. April werden die Gewinner bekannt gegeben.
Die Nominierten
New Voice
• Sharp Teeth, von Toby Barlow (Harper)
• The Price of Blood, von Declan Hughes (Morrow)
• Everybody Knows This Is Nowhere, von John McFetridge (Harcourt)
• Borderlands, von Brian McGilloway (Minotaur Books)
• Go With Me, von Castle Freeman Jr. (Steerforth Press)
• The Crazy School, von Cornelia Read (Grand Central Publishing)
• Who Is Conrad Hirst?, von Kevin Wignall
• Crimson Orgy, von Austin Williams (Borderlands Press)
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Rising Star
• When Will There Be Good News?, von Kate Atkinson (Black Swan)
Heute werden zum 45. Mal die Grimme-Preise für besonders gutes Fernsehen verliehen. Die Nominierungsliste ist gewohnt reichhaltig und vereint locker Qualität mit Trash. Die Gewinner sind auch schon bekannt. Moderiert wird die Veranstaltung von der blonden Allzweckwaffe Barbara Schöneberger.
Die Zusammenfassung gibt es im ZDF um 00.25 Uhr (VPS 00.15) in einem 15-minütigen „aspekte extra“.
Sie ist jung, sieht gut aus, ihr Name ist Programm und sie verkauft massenweise Bücher. Kein Wunder, dass Kritiker ihr etwa soviel Wohlwollen entgegenbringen wie den Filmen von Mario Barth und Til Schweiger. Qualität und Quantität schließen sich nach einer Volksweisheit aus und damit ist der Fall erledigt. Auch ich verspürte bislang kein großes Interesse an einer Slaughter-Lektüre.
Doch jetzt erschien mit „Unverstanden“ ein kurzer, für den niederländischen „Monat des Thrillers“ geschriebener Roman von Karin Slaughter. Das ist, sagte ich mir, doch eine gute Gelegenheit, sich schnell eine eigene Meinung über Karin Slaughter zu bilden. Die ersten Zeilen gefallen mir und gute zwei Stunden später ist das Werk gelesen:
Martin Reed war schon vor langer Zeit zu der Einsicht gelangt, dass er in den falschen Körper hineingeboren wurde. Er fragte sich oft, wie anders sein Leben wohl verlaufen wäre, wenn dieser amorphe Klops, der ihn aus seinem ersten Babyfoto anstierte, auch nur ein Minimum an Potenzial hätte vermuten lassen.
In der Schule war Martin für alle der Prügelknabe. Jahre später im Job ist es nicht anders. Er ist Chefbuchhalter bei Southern Toilet Supply und wird immer noch von seinen Schulkameraden, die jetzt Arbeitskollegen in der Produktion sind, gehänselt und von seiner Mutter unterdrückt. In den Lack von seinem fast abbezahlten Toyota Camry hat jemand „Schlappschwanz“ eingeritzt und heute Morgen ist die Stoßstange fast abgerissen.
Der Tag beginnt für Martin mal wieder gewohnt Scheiße. Aber es wird noch besser. Denn die Polizei verhaftet ihn. Er soll mit seinem Auto seine Kollegin Sandy Burke überfahren haben. Ihr Blut ist, vermischt mit seinem, an der Stoßstange.
Ihr letzter Anschlag auf Martin war ein an seinen Schreibtisch festgeklebter dreißig Zentimeter langer, vibrierender Gummidildo. Martin sagt gegenüber der Polizei, dass das nur ein Scherz gewesen war. Für sein an der Stoßstange klebendes Blut hat er zwar eine glaubwürdige Erklärung, aber er will nicht verraten, wo er zur Tatzeit war.
Detective Anther ‚An’ Albada weiß nicht, ob Reed so unschuldig und naiv ist, wie er tut. Aber irgendwie findet sie ihn sympathisch. Sie selbst ist allerdings auch nicht ganz koscher. Denn nach dem Tod ihres Mannes wurde das Gerede ihrer Kollegen über ihre sexuelle Orientierung unerträglich. Irgendwann erfand sie eine lesbische Freundin und hatte ihre Ruhe. Seitdem die Freundin an Krebs gestorben ist, hoffen ihre Kollegen für sie auf eine neue Beziehung. Aber Albada will im Moment keine neue Geliebte erfinden.
Dieser gelungenen ersten Hälfte folgt eine deutlich schlechtere zweite Hälfte, in der Slaughter verrät, was Reed in der Mordnacht tat, und wie er die Stunden vor dem zweiten Mord an einer anderen Arbeitskollegin verbrachte. Dabei wird Reeds Charakter zunehmend unglaubwürdiger. Denn abgesehen von seiner beruflichen Qualifikation ist er ein extrem verweichlichtes Muttersöhnchen, das sich wirklich alles gefallen lässt, sich von jedem herumstoßen lässt, sich dafür noch bedankt und über keinerlei eigenen Antrieb verfügt. Er ist genau der Schlappschwanz, für den ihn seine Bekannten halten und wird einem so zunehmend gleichgültiger. Auch das unglaubwürdige Ende der schwarzen Komödie ändert daran nichts.
Letztendlich sind die Charaktere in „Unverstanden“ nur Erfüllungsgehilfen für einen unwahrscheinlichen und psychologisch unglaubwürdigen Plot. Das dünne Buch ist keine komplette Zeitverschwendung (es gibt Namedropping, einige treffende Beschreibungen und Lacher), aber die Geschichte hat auch nichts, das Karin Slaughter auf meine Zu-Lesen-Liste katapultiert.
…und Scotland Yard schweigt (GB 1967, R.: Samuel Gallu)
Drehbuch: Julian Bond, Samuel Gallu, Roger Marshall
LV: Gene Stackleborg: Double Agent
Ein Ex-CIA-Agent will beweisen, dass sein Freund kein Verräter ist.
Seltsamer deutscher Titel für einen vergessenen Agententhriller, der aber anscheinend ganz gut ist: „Niveauvoller Agentenfilm, der dank unaufdringlicher Regie und guter Schauspieler spannende Unterhaltung bietet.“ (Lexikon des internationalen Films)
Mit Van Heflin, Heidelinde Weis, Peter Vaughan, Charles Gray, Pinkas Braun
Die Thriller Awards werden am Samstag, den 11. Juli, auf einer Festveranstaltung im New Yorker Grand Hyatt während des ThrillerFest 2009 (8. – 11. Juli) verliehen.
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Einen herzlichen Glückwunsch an alle Nominierten.
Jeffery Deaver hat mit zwei Werken einen schon fast unverschämten Vorteil. Aber Harlan Coben soll nach einem schwächeren Werk wieder einen spannenden Thriller geschrieben haben. Die Debütanten Charlie Newton und Steven Thomas werden als Noir gehandelt; also muss ich sie mir mal genauer ansehen. Und bei den Kurzgeschichten-Nominierungen begegnen uns auch einige bekannte Namen.
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P. S.: Die April-Ausgabe von The Big Thrill ist online. Mit Jilliane Hoffman, Allison Brennan, Laurie R. King, Heather Graham, Lisa Jackson und Kyle Mills.