„Die britische Antwort auf ’24’“ ist die gern benutzte Kurzbeschreibung der BBC-Serie „Spooks – Im Visier des MI5“. Das ist in vielen Punkten Quatsch. Denn „Spooks“ ist kein zeitgemäßes Update von „Die Profis“, um eine englische Serie zu nennen, sondern eher ein dramatisierter Einblick in die Arbeit eines Geheimdienstes und wie sich die Arbeit auf das Psyche auswirkt. Natürlich gibt es auch Action, aber im Vergleich zu „Die Profis“ (für die älteren Semester) oder „24“ (für die Jüngeren) fällt der Actionanteil eher gering aus, es gibt wenige Außendrehs und die MI5-Agenten wirken alle etwas unnahbar. Denn sie sind alle professionelle Lügner. Sie belügen ihre Vorgesetzten, ihre Kollegen und ihre Partner. Außerdem sind sie jederzeit ersetzbar oder können, wie das Ende der zweiten Folge „Gefährliche Idee“ zeigt und das Staffelende vermuten lässt, sterben. In „Spooks“ gibt es nicht, wie in „24“ einen Jack Bauer, der garantiert bis zur letzten Folge der Staffel überlebt. Das ist im ersten Moment, weil man sich nicht bedingungslos mit einem Charakter identifiziert, ein Nachteil. Ebenso können Nebencharaktere aus den ersten Episoden später wichtiger werden und es ist anfangs unklar, – jedenfalls für die erste Staffel – wer der wichtigste Mann im Team ist. Aber nach einigen Folgen und wenn man sich auf die Welt der „Spooks“ einlässt, ist das ein Vorteil. Denn die erzählerischen Möglichkeiten sind viel größer.
So wird von gefährlichen Undercover-Einsätzen gegen Rechtsradikale („Gefährliche Idee“), dem Kampf gegen radikale Abtreibungsgegner („Heilige Rache“), Geiselnahmen von Terroristen in einer Botschaft („Späte Rache“), der Frage, ob ein legendärer Agent während eines Undercover-Einsatzes gegen Globalisierungsgegner die Seiten wechselte („Verzweifelungstat“), den kompromittierenden Memoiren eines ehemaligen Staatsmannes („Die Memoiren“) und dem Kampf gegen islamistische Terroristen, die in England ein Atomkraftwerk zerstören wollen („Dreht Harry durch?“) erzählt.
Neben diesen Einsätzen, die teilweise noch komplizierter werden, weil MI5-Agenten undercover zu den Geiseln gehören, die Informationen von einer irischen Terrorgruppe kommen, es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt oder handeln könnte und natürlich niemandem vertraut werden kann (in diesem Punkt gleicht „Spooks“ „24“), gibt es auch einige fortlaufende Geschichten. Die wichtigste ist dabei die auf einer Lüge aufgebaute Liebesgeschichte zwischen dem Agenten Tom Quinn (Matthew Macfadyen) und der alleinerziehenden Restaurantbesitzerin Ellie Simm (Esther Hall). Denn sie glaubt, dass er ein biederer, für den Staat arbeitender Informatiker ist. Auch die hochrangige MI5-Agentin Tessa Phillips (Jenny Agutter), die auf den ersten Blick wie eine graue Maus wirkt, wird zunehmend wichtiger und sie hat es faustdick hinter den Ohren.
In zwei Folgen spielt Hugh Laurie (seit 2004 „Dr. House“; – aber das wisst ihr ja alle) den überheblich-blasierten MI6-Mann Jools Siviter, der als Auslandsgeheimdienstler auf den MI5 als Kindergartenveranstaltung nur mit Verachtung herabschaut und so auch etwas Humor in die Serie bringt.
Das informative Bonusmaterial fällt mit neunzig Minuten für eine britische Serie ungewohnt üppig aus. Es wird viel über die Produktion und die Hintergründe der Serie gesprochen. Es wird verraten, warum „Spooks“ keine Credits hat. Dass bei dem Bonusmaterial ebenfalls auf das Einblenden von Name und Beruf der redenden Autoren, Cutter, Produzenten und Regisseure verzichtet wurde, übertreibt die Idee mit der Anonymität dann doch etwas. Die Hauptdarsteller erzählen etwas über ihre Anfänge und, manchmal, auch über ihre Rolle. Und es gibt, als überflüssigster und, mit zehn Minuten, kürzester Teil des Bonusmaterials, einige geschnittene Szenen.
Die „Spooks“ sind nicht so catchy wie die Gauner aus „Hustle“ (einer weiteren Kudos-Serie), sondern eher unauffällig-bieder. Halt wie echte Spione, die ihren le Carré gelesen haben und manchmal gerne James Bond wären, aber wissen, dass das Eskapismus ist.
Polyband veröffentlichte die „Internationale Fassung“. Diese Version wird bereits in England hergestellt, indem pro Folge etwa zehn Minuten herausgeschnitten werden. Insofern: ja, gekürzt, aber vom Hersteller.
Spooks – Im Visier des MI5 – Staffel 1 (Spooks, GB 2002)
mit Matthew Macfadyen (Tom Quinn), Keely Hawes (Zoe Reynolds), Peter Firth (Harry Pearce), David Oyelowo (Danny Hunter), Jenny Agutter (Tessa Phillips), Lisa Faulkner (Helen Flynn), Hugh Laurie (Jools Siviter), Esther Hall (Ellie Simm)
Gaststars: Lisa Eichhorn, Anthony Head, David Calder, Lorcan Cranitch
Bonusmaterial: Spooks (Idee und Ursprung, Das Format, Kein Abspann, Die Credits für Episode 1 – 6, Die Terror-Frage, Das Casting), Cast (Matthew Macfadyen, Keely Hawes, Peter Firth, David Oyelowo, Jenny Agutter, Hugh Laurie als Jools Siviter [Interwies mit den Schauspielern über ihre Anfänge und ihre Rolle; über Hugh Laurie und seine Rolle äußern sich andere), Crew (Die Produzenten, Der Autor [Wolstencroft], Der Regisseur [Nalluri], Der Cutter), Deleted Scenes, Wendecover
Laufzeit: 300 Minuten (6 x 50 Minuten), 90 Minuten Bonusmaterial
FSK: ab 16 Jahre
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Die ersten sechs Einsätze der „Spooks“
Heilige Rache (Thou shalt not kill)
Regie: Bharat Nalluri
Drehbuch: David Wolstencroft
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Gefährliche Idee (Looking after our own)
Regie: Bharat Nalluri
Drehbuch: David Wolstencroft
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Späte Rache (One last dance)
Regie: Rob Bailey
Drehbuch: Simon Mirren
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Verzweifelungstat (Traitor’s Gate)
Regie: Rob Bailey
Drehbuch: Howard Brenton
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Die Memoiren (The Rose Bed Memoir)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Howard Brenton
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Dreht Harry durch? (Mean, dirty, nasty; US-Titel: Lesser of two Evils)
Was macht der Nachwuchs der Filmhochschule Konrad Wolf und der Deutschen Film- und Fernsehakademie? Nun, heute gibt’s als Arbeitsproben die Kurzfilme „Lebendkontrolle“ (22.45 Uhr), „Magda“ (23.15 Uhr) und „Mondwärts“ (23.45 Uhr), morgen dann „Jessi“ (23.45 Uhr), „Orpheus“ (00.15 Uhr) und „Der Kommissar“ (00.45 Uhr).
Columbo: Blumen des Bösen (USA 1972, R.: Boris Sagal)
Drehbuch: Jonathan Latimer
Onkel Jarvis, Orchideenzüchter und Verwalter des Familienvermögens, schlägt dem in finanziellen Nöten steckenden Playboy Goodland eine fingierte Entführung vor. Aber Goodland bleibt für immer verschwunden. Oder wird Columbo ihn finden?
Diese natürlich äußerst gelungene Columbo-Folge (Plot gut, Dialoge gut, Schauspieler dito) ist das letzte Drehbuch des Pulp-Autors. Joseph Latimer schrieb auch Drehbücher für die langlebige Perry Mason-Serie mit Raymond Burr.
Seit vier Jahren schicken die Autoren Jimmy Palmiotti und Justin Gray im Wilden Westen den Kopfgeldjäger Jonah Hex auf die Jagd nach Verbrechern. Gejagt wird auch im heutigen Manhattan in dem ebenfalls von ihnen geschriebenen Begleitbuch zu dem Videospiel „Prototype“.
Dort jagen die harten NYPD-Cops McKlusky und Ella Garcia eine unbekannte Bestie, die in einem U-Bahn-Schacht einen Berg zerfetzter Leichen hinterlassen hat. Gleichzeitig riegelt das Militär Manhattan ab. Zusammen mit der Söldnerarmee Blackwatch jagen sie Menschen, die von einem Virus infiziert wurden, der sie zu menschenfressenden Bestien macht. Dieser Virus brach vor vierzig Jahren aus einem geheimen Labor aus und seitdem jagt Peter Randall die Infizierten und tötet sie. Kollateralschäden inclusive. Nur so kann der Schaden für den Konzern Genteck minimiert werden. Und natürlich jagen die Infizierten Menschen. Außerdem springt ein Gestaltwandler durch die Panels.
Dieser Gestaltwandler Alex Mercer ist im Comic (im Gegensatz zum Spiel) nur eine Nebenfigur und deshalb in der sechsteiligen Miniserie ein rätselhaft-unwichtiger Charakter.
Die Story von „Prototype“ ist ein hübsch noirischer Thriller, in dem alles, was Genrejunkies zwischen wildgewordenen Monstern, durchgeknallten Militärs, einem alles beherrschendem militärisch-industriellem Komplex und zwei hartgesottenen Bulle lieben, aufgefahren wird.
In die in Manhattan spielende Geschichte von McKlusky und Garcia werden immer wieder Episoden aus der Vergangenheit eingefügt. In ihnen erzählen Palmiotti und Gray, warum Randall die Monster jagt und wo sie herkommen. Das entbehrt, wenn er und seine Männer 1969 in Idaho das Städtchen Hope einäschern, natürlich nicht einer schwarzhumorigen Ironie.
Obwohl „Prototype“ als sechsteilige Miniserie in sich abgeschlossen ist, steht auf der letzten Seite zutreffend „Ende?“. Denn in weiten Teilen wirkt „Prototype“ wie der Pilotfilm für eine aufregende TV-Serie.
Das Gefühl stellt sich so auf auf der letzten Seite von „Jonah Hex – Zeit zu sterben“ nicht ein. Denn hier erzählen Palmiotti und Gray sechs abgeschlossene, im Wilden Westen spielende Geschichten mit dem bekannt-berüchtigten Kopfgeldjäger Jonah Hex, der von Apachen mit einem glühend heißen Tomahawk im Gesicht entstellt wurde. Jetzt erkennt jeder ihn auf den ersten Blick. Dass Jonah Hex dabei, wenn er von Stammzeichner Luke Gross gemalt wird, wie Clint Eastwood in einem seiner klassischen Western zwischen „Für eine Handvoll Dollar“ und „Ein Fremder ohne Namen“ aussieht, gibt dann auch optisch eindeutig die Marschrichtung der sechs in dem ersten Jonah-Hex-Sammelband „Zeit zu sterben“ versammelten Geschichten an. Palmiotti und Gray erzählen, mit kleinen Variationen, die bekannten Westernsituationen, bevorzugt die des namenlosen Fremden, der in einer von Verbrechern beherrschten Stadt aufräumt, nach. Dabei macht Hex keine Gefangenen: „Nachdem er drei Jahrzehnte lang ein Leben voller Qualen durchlitten hatte, konnte Jonah Hex mit ziemlicher Gewissheit sagen, dass Gott ihn hasste. Und Jonah tat sein bestes, um es dem Herrn mit gleicher Münze heimzuzahlen.
Wenn ein Mann weiß, dass im Himmel kein Platz für ihn ist, ist es klug von ihm, sich beim Teufel beliebt zu machen. Und so hatte Jonah es auf sich genommen, so viele Sünder in die Hölle zu schicken, wie dort Platz fanden und nicht zurückzublicken.“
Dennoch fragt er sich am Ende der ersten Geschichte „Was dem Teufel gebührt“, ob sein Handeln wirklich im Widerspruch zu Gottes Wille stehe. In dieser Geschichte soll er einen entführten Jungen finde.
In „Kugeln aus Silber, Kreuz aus Gold“ wird aus einer Kirche ein Kreuz gestohlen. Als Jonah Hex es zurückholen will, muss er sich mit einem ganzen, aus Verbrechern bestehendem Ort anlegen.
In „Auge um Auge“ rettet Jonah Hex eine Siedlerfamilie vor einer Banditenbande. In der nächsten Stadt wird Hex vom Sheriff verhaftet. Denn der Anführer der Banditen war sein Bruder und er will dessen Tod rächen.
In „Als ich fast gestorben wäre“ bringt er einen Verbrecher Chako zurück in den Ort, in dem er die junge Mayleen vergewaltigt haben soll. Als sie ihm sagt, dass Chako unschuldig ist, versucht Hex ihm zu helfen.
In „Weihnachten mit den Gesetzlosen“, der einzigen Geschichte, die von Tony DeZuniga (dem Zeichner der ersten Jonas-Hex-Geschichten in den Siebzigern) gezeichnet wurde, sitzt Jonah Hex mit einem Gefangenen in einer abgelegenen, von Gesetzlosen belagerten Bahnstation, fest.
In „Eine Eichenkiste nach Texas“ muss Jonah Hex in einer kleinen Ortschaft, die von Schwester Agatha beherrscht wird, um sein Leben kämpfen.
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
Wiederholung: Dienstag, 20. April, 01.50 Uhr (Taggenau!)
LV: James Leo Herlihy: Midnight Cowboy, 1965 (Mitternachts-Cowboy)
Der naive Cowboy Joe Buck aus Texas will in New York als Gigolo viel Geld verdienen. Aber bei den reichen Damen hat er kein Glück und sein einziger Freund, der an Tuberkulose erkrankte Kleingauner Ratso, vermittelt ihn an schwule Kunden. Denn die lieben einen echten Cowboy.
Mit dem vor Ort gedrehten, den ‚american way of life‘ kritisierendem Drama hatte John Schlesinger in den USA seinen Durchbruch, Jon Voight und Dustin Hoffman (der bereits mit „Die Reifeprüfung“ einen Hit hatte) stiegen in die erste Liga auf und, nachdem der Film für zahlreiche Preise nominiert wurde und etliche erhielt (der bekannteste ist natürlich der Oscar für den besten Film des Jahres), wurde auch das X-Rating (nicht jugendfrei und damit vor allem für Pornos reserviert) für diesen Film überdacht und in ein R-Rating.
Für das muntere Partygeplauder sollte man wissen, dass „Asphalt-Cowboy“ nicht nur einzige Film ist, der mit einem X-Rating, der einen Oscar als bester Film erhielt, sondern dass er auch der einzige als nicht jugendfrei eingestufte Spielfilm ist, der einem amtierendem US-Präsidenten gezeigt wurde.
Für Cineasten ist „Asphalt-Cowboy“ einer der ersten New-Hollywood-Filme.
mit Dustin Hoffman, Jon Voight, Sylvia Miles, John McGivern, Brenda Vaccaro
Wiederholung: Dienstag, 20. April, 01.00 Uhr (Taggenau!)
Castle: Tödliche Schulden (USA 2009, R.: Rob Bowman)
Drehbuch: Andrew W. Marlowe
Erfinder: Andrew W. Marlowe
Heute startet die zweite Staffel von einer meiner derzeitigen Lieblingsserien. „Castle“ ist eine in den USA sehr erfolgreiche und amüsante Crime-Comedy über den leicht überheblichen, kindischen, sehr erfolgreichen Krimiautor Rick Castle und Kate Beckett, einer New Yorker Polizistin, die er als Vorbild für seinen neuen Seriencharakter Nikki Heat auserwählt hat. Aufgrund seiner guten Freundschaft zum Bürgermeister durfte er sie in der ersten Staffel (die in den vergangenen Wochen auf Kabel 1 lief) begleiten und sie wurden Freunde (obwohl Castle…).
Dank guter und zuletzt steigender Quoten (teils sogar vor CSI) wurde in den USA die zweite Staffel mehrfach auf inzwischen 24 Folgen verlängert und die dritte Staffel ist auch schon bestellt.
Aber nur die Meldung, dass bei uns die zweite Staffel unmittelbar nach der Ersten gezeigt wird, wäre kein „Tipp des Tages“.
Als ich die Szene sah, blieb mir die Spucke weg. Denn der Name wird in den Credits nicht verraten.
Der Grund für das Pokerspiel mit seinen Schriftstellerkollegen ist, dass Rick Castle Kate Beckett bei einem schwierigen Mordfall helfen will und so hofft, sie wieder zu besänftigen. Denn Kate Beckett ist stinkig, weil er auf eigene Faust in ihrer Vergangenheit herumwühlte und neue Fakten über den Mord an ihrer Mutter herausgefunden hat, und genervt, weil Castles neuer Krimi „Heat Wave“ in ihrem Büro mit einer pompös-klischeebehafteten Werbekampagne beworben wird.
mit Nathan Fillion (Richard Castle), Stana Katic (Kate Beckett), Susan Sullivan (Martha Rodgers), Molly C. Quinn (Alexis Castle), Jon Huertas (Javier Esposito), Seamus Dever (Kevin Ryan), Ruben Santiago-Hudson (Captain Roy Montgomery), Tamala Jones (Lanie Parish)
Wiederholung: Sonntag, 18. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)
Bereits auf der ersten Seite von „Die dunkle Spur des Todes“ lässt Franco Limardi, wie Billy Wilder in „Boulevard der Dämmerung“, keinen Zweifel am Ausgang der Geschichte. Der Erzähler ist tot und er wird jetzt seine Geschichte erzählen.
Lorenzo Madralta ist in der Provinz der Sicherheitschef eines Einkaufszentrums. Als Ex-Soldat ist er natürlich sträflich unterfordert. Aber ihm genügt das ruhige, abgeschiedene Leben, das von gelegentlichen Abendessen mit Vittori, dem Leiter des Einkaufszentrums, und Sex mit Vittoris Freundin Giuliana unterbrochen wird. Als er sich in die Studentin Laura verliebt, entschließt er sich, bei dem großen Projekt von Vittori mitzumachen: einem Diebstahl der Einnahmen des Kaufhauses wenige Tage vor Weihnachten. Madralta hat zwar, als er seine Komplizen sieht, seine Zweifel, aber der Wunsch mit Laura und einem Haufen Geld die Stadt zu verlassen, ist stärker. Allerdings geht schon der Überfall schief.
„Die dunkle Spur des Todes“ von Franco Limardi ist ein netter kleiner Noir, der sich gelungen und ohne große Überraschungen in den vertrauten Bahnen bewegt.
Cop Out – Geladen und entsichert (Cop Out, USA 2010)
Regie: Kevin Smith
Drehbuch: Rob & Mark Cullen
Just another Buddy-Movie: Zwei Cops, die sich die halbe Zeit streiten, jagen Gangster.
Harold Faltermeyer (Beverly Hills Cop, Top Gun, Fletch) schrieb die Musik.
Kevin Smith (Clerks, Chasing Amy) wollte mal einen Film mit Bruce Willis drehen, nahm erstmals für einen Spielfilm ein fremdes Drehbuch und darf sich – sicher dank großflächiger Werbung und prominenter Platzierung in den Multiplexen – freuen. „Cop Out“ ist sein kommerziell erfolgreichster Film.
Am bewährten Aufbau des von der katholischen Filmzeischrift „Film-Dienst“ herausgegebenen „Lexikon des internationalen Films“ hat sich auch in der neuesten Ausgabe, die sich mit dem „Filmjahr 2009“ beschäftigt, nichts geändert. Den Hauptteil bildet ein Lexikon mit wahrscheinlich allen Spiel- und Dokumentarfilmen (Kino, DVD, TV) die im deutschsprachigen Raum 2009 angelaufen sind. Jeder Film wird kurz vorgestellt und kritisch gewürdigt. Die Bewertungen sind, wie schon seit langem, undogmatisch und am Film orientiert.
Da gibt es auch für FSK-18-Filme, die schon vom Titel ein bestimmtes Publikum ansprechen, positive Bewertungen: „Dicht inszeniert und überzeugend gespielt, gleichwohl etwas spekulativ“ (The Boston Strangler), „Ruppig-melancholischer Gangsterfilm, der durch die Verwendung von Farbfiltern eine eigenwillige Atmosphäre schafft.“ (The Butcher – A new Scarface), „Brutaler Actionfilm voller Blutbäder und ausgefallener Tötungsvarianten, die immerhin recht fantasiereich inszeniert werden.“ (The Tournament).
Ergänzt werden die fundierten Bewertungen mit Hinweisen auf das Bonusmaterial der DVDs und zu unterschiedlichen Schnittfassungen. So erfahren wir, dass „The Tournament“ für die „ab 18“-Fassung stark beschnitten, für die Leihfassung „SPIO/JK I – Keine schwere Jugendgefährdung“ wurden immerhin noch zwei Minuten aus dem Film herausgeschnitten und sogar die in Österreich und der Schweiz veröffentlichte Fassung wurde um etwa eine Minute erleichtert. Normalerweise sind die dort erscheinenden Fassungen ungekürzt
Es gibt längere Besprechungen der Redaktionslieblinge. Dieses Jahr sind das „Alle Andere“, „Antichrist“, „Gran Torino“, „Il Divo“, „Jerichow“, „Der Knochenmann“, „The Wrestler“, „Tödliches Kommando“, „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ und „Zeiten des Aufruhrs“. Es gibt einen Überblick über herausragende DVD- und Blu-Ray-Editionen von älteren Filmen, einen Überblick über 2009 vergebene wichtige Filmpreise, Anschriften aus Film und Fernsehen, einen Rückblick auf das Kinojahr 2009 und die Dokumentation der Tagung des Verbands der deutschen Filmkritik vom 11. Dezember 2009 in Berlin.
Dieses Mal geht es um die wirtschaftliche Lage der Filmjournalisten und wie die Zukunft der Filmkritik aussieht. Beides ist, so das Fazit der Tagung, sehr düster. Die Honorare für die meistens freien Mitarbeiter sind in den vergangenen Jahren gleich geblieben oder gesunken. Der Platz für Filmkritiken in Zeitungen und Zeitschriften wird zunehmend kleiner (von einem Filmjournalismus im TV und im Radio kann ja nicht mehr gesprochen werden). Es wird sich – auch in der Filmkritik – zunehmend auf Agenturmeldungen konzentriert und und statt fundierter Kritiken gibt es mehr Boulevard.
Auch wenn die Vortragenden nur über die Lage von Filmjournalisten und der Filmkritik sprechen, sind die Analysen leicht auf den gesamten Kulturjournalismus und die Lage der freien Mitarbeiter in allen Ressorts übertragbar.
Wie in den letzten Jahren ist die Auflistung der verstorbenen Filmschaffenden sehr lückenhaft und es fehlt ein Rückblick auf die wirtschaftliche Seite mit Umsatz- und Besucherzahlen. Aber das sind die einzigen Kritikpunkte an diesem feinen Lexikon.
Als Bonus gibt es dieses Mal für ein Jahr den Zugang zur Datenbank des Film-Dienstes.
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Film-Dienst: Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2009
Drehbuch: Charles Brackett, Billy Wilder, Walter Reisch (nach einer Geschichte von Melchior Lengyel)
Die 150-prozentige Kommunistin Ninotschka soll in Paris einige abtrümmige Genossen wieder auf Parteilinie bringen und den Verkauf von Edelsteinen in die Wege leiten. Aber auch sie muss schnell gegen die Verlockungen des Kapitalismus kämpfen.
Nach einem halben Jahrzehnt ist dieser Lubitsch-Klassiker, endlich wieder, wieder im TV zu sehen.
„ein Meisterwerk“ (Herbert Spaich: Ernst Lubitsch und seine Filme)
„Ninotschka“ war für vier Oscars nominiert: Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Originalgeschichte (Ja, ist eine rätselhafte Doppelkategorie) und Beste Hauptdarstellerin. Aber „Vom Winde verweht“ war einfach stärker.
mit Greta Garbo, Melvyn Douglas, Ina Claire, Bela Lugosi
Wiederholung: RBB, Samstag, 17. April, 23.40 Uhr (im Anschluss die Garbo-Filme „Die Frau mit den zwei Gesichtern“ und „Anna Karenina“)
Das erste was bei der jetzt erschienen DVD-Veröffentlichung von Sam Peckinpahs Debütspielfilm „Gefährten des Todes“ auffällt, ist die Bildqualität. Denn bislang gab es nur Kopien im falschen Format und einer, sehr höflich formuliert, sehr bescheidenen Bildqualität. Nach dem Remaster sind die Farben meistens noch etwas blass, aber die Details sind gut zu erkennen und die Bildkompositionen sind – was bisher ebenfalls nicht zu erkennen war – gelungen.
Als zweites fällt auf, dass der Film sich ziemlich gut gehalten hat. Das liegt daran, dass er das in Peckinpahs Ouevre immer wieder auftauchende, zeitlose Thema von Schuld und Sühne behandelt und die Frau in dem Film kein verhuschtes Hascherls ist. Maureen O’Hara ist als Sandra-Bullock-Typ des netten Mädchens von nebenan ziemlich sexy und sie zeigt auch, für damalige Verhältnisse, viel nackte Haut.
Immerhin reden wir hier von 1960. Das war die Zeit, als Frauen, die über Dreißig waren, wie Großmütter aussahen; als in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) die nur sieben Jahre ältere Jessie Royce Landis die Mutter von Cary Grant spielte und Doris Day die Frau mit dem größten Sex-Appeal; — Hm, wahrscheinlich waren deshalb damals in den USA europäische Filme so beliebt.
Jedenfalls spielt Maureen O’Hara in „Gefährten des Todes“ die Hure mit dem goldenen Herz.
Nachdem Yellowleg (Brian Keith) in einem Schusswechsel irrtümlich ihren Sohn erschießt, will Kit Tilden ihr Kind neben seinem Vater beerdigen. Dummerweise liegt das Grab im Apachengebiet in der Geisterstadt Siringo. Sie macht sich alleine auf den Weg. Yellowleg, der von Schuldgefühlen geplagt ist, begleitet sie, gegen ihren Wunsch, mit seinen beiden Gefährten, den Verbrechern Billy (Steve Cochran) und Turk (Chill Wills). Auf der Reise nach Siringo gibt es den erwartbaren Ärger zwischen ihnen, mit den Apachen und der Natur.
Yellowleg hat nicht nur Schuldgefühle wegen dem Jungen. Er ist auch ein von Rachsucht getriebener Mann. Er verfolgte Turk ein halbes Jahrzehnt, weil dieser ihn damals skalpierte. Turk kann sich nicht daran erinnern und Yellowleg zögert seine Rache hinaus. Denn, so fragt er in einer Szene Kit, was bleibe ihm, wenn er den Sinn seines Lebens umbringe.
Und Turk, ein ziemlich unsympathischer Feigling, ist, wie spätere Szenen in „Gefährten des Todes“ zeigen, selbst ein von den Dämonen der Vergangenheit getriebener Mann.
Da ist Billy die psychologisch langweiligste Figur. Er ist einfach ein junger Berufsverbrecher.
Peckinpah-Fans entdecken in „Gefährten des Todes“ leicht viele Elemente, die auch in seinen späteren Filmen auftauchen. Aber, so Mike Siegel zutreffend in dem Audiokommentar, es gebe nur eine bestimmte Menge an Situationen und Themen und die meisten dieser Elemente stünden bereits in A. S. Fleischmans Roman und Drehbuch.
Der ausschließlich vor Ort in Old Tucson, Arizona, gedrehte „Gefährten des Todes“ ist von seinem Budget und der Drehzeit ein TV-Film fürs Kino. Gerade weil er einen ziemlich realistischen Blick auf den Wilden Westen wirft und zeitlose Themen, wie Schuld und Sühne ohne einfache Lösungen verhandelt, ist er auch heute noch einen Blick wert. Es ist einer der ersten Spätwestern und damit ein Western, der sich an ein erwachsenes Publikum richtet.
Die Action-Szenen sind dagegen TV-Niveau und sie zeigen noch nichts von Sam Peckinpahs späterem Ruf als Action-Regisseur.
Als Bonusmaterial gibt es eine umfangreiche, interessante Bildergalerie, ein Booklet, ein halbstündiges Featurette und einen Audiokommentar von Peckinpah-Fan Mike Siegel. In dem informativem Featurette verarbeitet er viel bereits aus der absolut sehenswerten Doppel-DVD „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ bekanntes Material. Der Audiokommentar ist dagegen eher enttäuschend, weil Siegel sich nicht wiederholen wollte und die Menge an Informationen über einen fast fünfzig Jahre alten Western einfach begrenzt ist.
„Gefährten des Todes ist kein Meisterwerk, aber in der remasterden Version durchaus einen Blick wert.
Gefährten des Todes (The Deadly Companions, USA 1961)
Regie: Sam Peckinpah
Drehbuch: Albert Sidney Fleischman
LV: A. S. Fleischman: Yellowleg, 1960 (später „The Deadly Companions“)
mit Maureen O’Hara, Brian Keith, Steve Cochran, Chill Wills, Strother Martin, Will Wright, Jim O’Hara, Billy Vaughn
Columbo: Schreib oder stirb (USA 1974, R.: Robert Butler)
Drehbuch: Peter S. Fischer
Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall
Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.
Wer ermordete den Freund von Kommissar Glauberg? Und warum schickt das BKA eine Polizistin in die norddeutsche Provinz? Gemeinsam decken Glauberg und die hübsche BKAlerin RAF-, Stasi-, West- und Ost-Ängste auf.
Woelks Roman kam damals bei den Kritikern nicht gut an. Ganz im Gegensatz zu den Fernsehkritikern. Die mochten den Film des immer zuverlässigen Matti Geschonneck. Und beim Hamburger Filmfest 2004 erhielt „Mord am Meer“ den TV-Produzentenpreis.
„Mord am Meer“ ist ein insgesamt gelungener Film, der unter den Beschränkungen des 90-Minuten-TV-Formats (einige Minuten länger wäre besser gewesen), einem zuviel an verschiedenen angesprochenen Themen (hier wäre weniger mehr gewesen) und einer enttäuschenden Lösung leidet. Aber die schönen Berlin-Bilder und die guten Leistungen der Schauspieler, die teilweise nur eine Szene haben, trösten darüber hinweg.
Mit Heino Ferch, Nadja Uhl, Manfred Zapatka, Birge Schade, Ulrike Krumbiegel, Otto Mellies, Ellen Schwiers, Thomas Sarbacher, Markus Boysen
Wiederholung: Mittwoch, 14. April, 03.00 Uhr (Taggenau!)
Der neue Roman von „Shutter Island“-Autor Dennis Lehane, „Im Aufruhr jener Tage“ (The given day, 2008), ist jetzt bei Ullstein erschienen. Aber 768 engbedruckte Zeilen zu lesen dauert einige Tage. Auch wenn es über den Streik der Bostoner Polizei nach dem Ersten Weltkrieg und die Geschichte einer Freundschaft in schwierigen Zeiten geht.
Vor oder begleitend zur Lektüre können wir uns anhören, was Dennis Lehane über „Im Aufruhr jener Tage“ sagt:
Er nimmt uns mit auf einen Spaziergang zu einigen für den Roman wichtigen Orten:
Zusammen mit Tess Gerritsen stellt er seinen neuen Roman vor: