LV: Robert Daley: Tainted Evidence, 1993 (Nacht über Manhattan)
Der junge Staatsanwalt Casey möchte seinen Vater verteidigen. Nur ist der Vater nicht so unschuldig, wie sein Sohn annimmt.
Lumet inszenierte eine makellose Mischung aus Polizeifilm, Gerichtsdrama und Thriller.
Der Fischer Film Almanach schrieb zutreffend: „Großes Kino alter Schule: Perfekte Inszenierung, psychologisch ausgefeilte Szenen, die das Ringen der Personen transparent machen, eine adäquat karge Ausstattung, exzellente Darsteller und die Musik von Mark Isham fesseln bis zur letzten Minute.“
Mit Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, Ron Leibman, James Gandolfini
Vor seinem Spielfilmdebüt gehörte Michael Martin zu den Autoren von „Sleeper Cell“ und Antoine Fuquas „Training Day“ (ebenfalls mit Ethan Hawke) gehört zu den besten Cop-Filmen des vergangenen Jahrzehnts. Seine Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“ war auch nicht schlecht. Ein gewisses Niveau ist also garantiert.
In ihrem starbesetzten „Gesetz der Straße“ erzählen sie parallel drei Geschichten: ein ausgebrannter Cop will seine letzten Arbeitstage gemütlich abfeiern; ein Undercoverpolizist will aussteigen; ein Drogenfahnder ist in illegale Geschäfte verstrickt und den Rest können wir uns denken.
„Die Achillesferse von ‚Gesetz der Straße‘ zeigt sich in diversen Erzähllinien, die allzu vorhersehbar abgespult werden, aber es gelingt Fuqua doch über weiteste Strecken, seine drei Geschichten zu spannungsreich vibrierenden Dramen auszuformen.“ (Rainer Gansera in epd Film 4/2010). Das Rotten-Tomatoes-Fazit ist ähnlich.
mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Lili Taylor, Ellen Barkin, Will Patton
LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)
Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.
Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.
Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe.
Mit Guy Pearce, Russell Crowe, Kevin Spacey, Kim Basinger, Danny DeVito
Wiederholung: Samstag, 3. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)
Jean-Luc Godard sagte: „Um einen Film zu machen genügen eine Waffe und ein Mädchen.“
„Las Bandidas“ hat vier gutaussehende, vornehmlich knapp begleitete Frauen und ein ganzes Arsenal von Waffen.
Damit erfüllt „Las Bandidas“ Godards Minimaldefin ition für einen Film locker.
Aber ein guter Film ist es nicht geworden.
Denn nach dem Versprechen von Cover und Trailer folgen einfach nur zwei Stunden Langeweile.
Woran liegt das?
Nun, mal wieder an grundlegenden Plotproblemen.
Denn auch wenn die einzelnen Charaktere ein Ziel haben (die mexikanischen Gangster wollen mit den Koreanern ein Drogengeschäft abwickeln; die spanischen Einbrecherinnen wollen sie ausrauben), müssen wir Zuschauer erstens wissen, was sie erreichen wollen, und zweitens, wie sie es erreichen wollen. Erst dann können wir mitfiebern.
Aber in „Las Bandidas“ bohren die Frauen sich nur durch irgendwelche Gemäuer, schrauben an Fahrrädern herum, kriechen im roten Abendkleid durch Fenster und klettern irgendwelche Mauern hoch (Jaja, sieht lecker aus.) und machen dann irgendetwas furchtbar kompliziertes (was wahrscheinlich auch einfacher ginge), um an eine im Safe des Gangster liegende Festplatte zu kommen. Keine Ahnung, warum sie die externe Festplatte klauen und das Geld im Safe lassen. Keine Ahnung, warum sie dann die Festplatte gegen einen ziemlich geringen Geldbetrag zurückgeben und dann etwas noch viel komplizierteres anstellen, um an eine riesige Tasche voller Geld zu kommen.
Das bietet – Habe ich schon erwähnt, dass die Einbrecher vier heiße Weiber sind? – natürlich einiges für das Auge des männlichen Betrachters. Aber solange dem Zuschauer nicht gesagt wird, wie Ana, Aurora, Gloria und Paloma an die Kohle rankommen wollen, langweilen die ziemlich irrwitzigen Aktionen der Frauen. Zum Beispiel: Warum müssen sie eine Laser-Schusswaffe bauen, diese dann in dem Fahrrad verstecken und kurz vor ihrem Einsatz mühevoll zusammenbauen? Warum – und wo – buddeln sie ein Loch in den Boden und tarnen es anschließend fein säuberlich? Sowieso ist unklar, wie sie in die Zentrale des Gangsterbosses einbrechen und anschließend flüchten wollen.
Irgendwann zertrümmert der Gangsterboss, der wahrlich keine Zierde für uns Männer ist, einer der Einbrecherinnen die Hand. In den nächsten Szenen scheint ihre Hand geheilt zu sein. Später ist sie wieder dick verbunden und sie eignet sich gut als Schlagwaffe. Die kaputte Hand scheint außer einer kleinen körperlichen Unbequemlichkeit den Einbruchsplan der Frauen überhaupt nicht zu beeinflussen. Bei einem besseren Drehbuch wäre in diesem Moment der ursprüngliche Einbruchsplan ein Fall für die Geschichtsbücher.
Auch die anderen Taten der drei Einbrecherinnen (Ana liegt nach einem Unfall im Koma) und der Gangster wirken zufällig und haben meist keine Konsequenzen für die weitere Geschichte. Subplots werden plötzlich fallengelassen. Über weite Strecken wirkt „Las Bandidas“ wie der lieblose Zusammenschnitt aus einigen möglicherweise interessanten Filmen.
Außerdem erfahren wir niemals, warum die Frauen die Einbrüche verüben. Diese Nicht-Psychologie führt auch dazu, dass die Vier bis zum Ende austauschbar bleiben – Gutgut, die eine ist etwas älter und hat hellere Haare als die beiden Schwarzhaarigen. – und uns herzlich egal sind. Sie scheinen sogar die gleichen Einbruchsfähigkeiten zu haben. In einem klassischen Heist-Movie, wozu „Las Bandidas“ gehören möchte, hat jeder Gauner seine feste Rolle und seine für das gelingen des Unternehmens wichtigen Aufgaben.
Am meisten psychologische Tiefe in diesem Desaster hat noch der Killer Gabriel. Er hat keine Probleme damit, Männer umzubringen. Aber Frauen – immerhin hat sein Vater seine Mutter erschlagen – bringt er nicht um. Als sein Boss und Freund beginnt, die Frauen schlecht zu behandeln, zerbricht auch diese Freundschaft.
Autor und Regisseur Augustín Díaz Yanes konnte sich allerdings nicht entscheiden, ob er die Geschichte von Gabriel und seinem Gewissenskonflikt oder von den vier Frauen und ihren Einbrüchen bei den Gangstern erzählen wollte. Also entschloss er sich, weder die eine noch die andere Geschichte zu erzählen, sondern uns einfach nur mit Bildern von heißen Frauen, grenzdebilen, blowjobgeilen Gangstern, schmutzigen mexikanischen Straßen und austauschbaren Zimmern zu bedienen.
Denn Yanes scheint sich vor allem, in der Hoffnung, dass die konfuse Geschichte dann nicht weiter auffällt, darüber Gedanken gemacht zu haben, wie er die Frauen apart ins Bild setzt und das ganze relativ jugendfrei mit Sex und Gewalt garniert. Das ist ihm gelungen.
Aber ein guter Gangsterfilm ist so nicht entstanden.
Las Bandidas – Kann Rache schön sein! (Solo Quiero Caminar, Spanien/Mexiko 2009)
Regie: Agustín Díaz Yanes
Drehbuch: Agustín Díaz Yanes
mit Victoria Abril, Diego Luna, Ariadna Gil, Pilar López de Ayala, Elena Anaya, José María Yazpik