Die Barry-Nominierungen 2010

Juni 11, 2010

Für alle, die noch überlegen, was sie während der Fußballspiele lesen sollen, gibt es jetzt auch die Liste der Barry-Nominierungen, dem Preis des Deadly Pleasures Mystery Magazine. Dieses Jahr sogar mit einer neuen Kategorie: dem besten Kriminalroman des Jahrzehnts. Der Barry wird am Sonntag, den 17. Oktober, in San Francisco auf der Bouchercon verliehen.

Nominiert sind:

Best Novel

The Gates, von John Connolly (Atria)

The Hidden Man (Der Mann im Schatten), von David Ellis (Putnam)

Spade & Archer, von Joe Gores (Knopf)

The Last Child (Das letzte Kind), von John Hart (Minotaur)

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

Best First Novel

Beat the Reaper (Schneller als der Tod), von Josh Bazell (Little, Brown)

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

Black Water Rising, von Attica Locke (Harper)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

Best British Novel

Awakening, von S. J. Bolton (Bantam Press)

The Lovers, von John Connolly (Hodder & Stoughton)

Midnight Fugue, von Reginald Hill (HarperCollins)

If the Dead Rise Not, von Philip Kerr (Quercus)

Still Midnight, von Denise Mina (Orion)

The Ignorance of Blood, von Robert Wilson (HarperCollins)

Best Paperback Original

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Quarry in the Middle, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

The Weight of Silence, von Heather Gutenkauf (Mira)

Fatal Lies, von Frank Tallis (Mortalis)

The Herring-Seller’s Apprentice, von L.C. Tyler (Felony & Mayhem)

Best Thriller

No Survivors (aka „The Survivor“; deutscher Titel: Survivor), von Tom Cain (Viking)

Running from the Devil (Lauf), von Jamie Freveletti (Morrow)

The Gray Man, von Mark Greaney (Jove)

Columbus, von Derek Haas (Pegasus)

House Secrets, von Mike Lawson (Atlantic Monthly)

Walking Dead, von Greg Rucka (Bantam)

Mystery/Crime Novel of the Decade

The Guards (Jack Taylor fliegt raus), von Ken Bruen (Minotaur)

The Lincoln Lawyer (Der Mandant), von Michael Connelly (Little, Brown)

The Girl with the Dragon Tattoo (Verblendung), von Stieg Larsson (Knopf)

Mystic River (Spur der Wölfe; Mystic River), von Dennis Lehane (Morrow)

Still Life (Denn alle tragen Schuld), von Louise Penny (Minotaur)

The Shadow of the Wind (La sombra del viento [Original]; Der Schatten des Windes [Deutsch], von Carlos Ruiz Zafón (Penguin Press)

Best Short Story

• “My Mother’s Keeper,” von Barbara Callahan (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], June 2009)

• “Erin’s Journal,” von David Dean (EQMM, December 2009)

• “Real Men Die,” von John H. Dirckx (Alfred Hitchcock Mystery Magazine [AHMM], September 2009)

• “The High House Writer,” von Brendan DuBois (AHMM, July-August 2009)

• “A Hollywood Ending,” von Melodie Johnson Howe (EQMM, July 2009)

• “Hard Blows,” von Morley Swingle (aus „The Prosecution Rests: New Stories About Courtrooms, Criminals, and the Law“, herausgegeben von Linda Fairstein; Little, Brown)

Etliche Bücher sind schon übersetzt. Einige andere, wie die neuen Werke von Philip Kerr und Mike Lawson, werden sicher in den kommenden Monaten übersetzt.

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 12. Juni: Der Manchurian Kandidat

Juni 11, 2010

Pro 7, 20.15

Der Manchurian Kandidat (USA 2004, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Daniel Pyne, Dean Georgaris

LV: Richard Condon: The Manchurian Candidate, 1959 (Botschafter der Angst, Der Manchurian Kandidat)

Der weltumspannende Konzern “Manchurian Global” hat einer Golfkrieg-I-Einheit falsche Erinnerungen implantiert. So wollen sie den vielversprechenden Politiker Raymond Shaw ins Weiße Haus bringen. Doch Shaws ehemaliger Vorgesetzter Ben Marco zweifelt an seinen Erinnerungen und will die Wahrheit herausfinden.

Gut besetztes Remake des Kalter Krieg-Klassikers „Botschafter der Angst“. Etliche der Nebendarsteller sind aus anderen Zusammenhängen oder aus verschiedenen hochkarätigen TV-Serien und Filmen bekannt. Der Film selbst ist gut – obwohl für mich die Prämisse heute schlechter funktioniert als vor über vierzig Jahren, als Frank Sinatra die Rolle von Denzel Washington spielte. Davon abgesehen gibt es zahlreiche grandiose Szenen (ich sage nur Meryl Streep), eine beeindruckende Vision des zu viels an Informationen, überraschende Verknüpfungen von Szenen und eine träumerische Stimmung. Fast immer könnte es sein, dass Ben Marco aus einem Alptraum aufwacht.

Insgesamt ist der Polit-Thriller „Der Manchurian Kandidat“ ein gelungenes, eigenständiges Remake, das besonders beim porträtieren der Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft ein gespenstisches Bild der USA entwirft.

Mit Denzel Washington, Meryl Streep, Liev Schreiber, Jon Voight, Kimberly Elise, Jeffrey Wright, Bruno Ganz, Vera Farmiga, Robyn Hitchcock (eigentlich Musiker), Al Franken (als TV-Interviewer fast als er selbst), Paul Lazar, Roger Corman, Zeljko Ivanek, Walter Mosley (eigentlich Krimiautor), Charles Napier, Jude Ciccolella, Dean Stockwell, Ted Levine, Miguel Ferrer, Sidney Lumet

Wiederholung: Sonntag, 13. Juni, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Der Manchurian Kandidat“

Drehbuch „The Manchurian Candidate“ von Daniel Pyne und Dean Georgaris

Wikipedia über Richard Condon (deutsch, englisch)

Kirjasto über Richard Condon

Wired for Books: Don Swain redet mit Richard Condon (1982, 1986, 1990 – jeweils eine knappe halbe Stunde)


Kurzkritik: Charlie Huston – Das Clean-Team

Juni 11, 2010

Auch wenn die ersten Zeilen von Charlie Hustons neuem Roman „Das Clean-Team“ einen zünftigen Noir erwarten lassen, ist der Krimiplot letztendlich nur die Tarnung für eine Entwicklungsgeschichte. Der Ich-Erzähler Webster Fillmore Goodhue muss endlich wieder ins Leben zurückkehren. Denn obwohl er am Anfang des Romans faul bei seinem Kumpel Chev herumhängt, sich von ihm durchfüttern lässt und sich erfolgreich bemüht, ein möglichst großes Arschloch zu sein, war er früher ein Lehrer, der sich für seine Schüler engagierte. Bis es einen Anschlag gab, der sein gesamtes Leben auf den Kopf stellte.

Jetzt stellt ihn Chev vor die Alternative, entweder etwas zum gemeinsamen Junggesellenhaushalt beizutragen oder sich eine neue Bleibe zu suchen. Zähneknirschend nimmt Goodhue daher den Tagesjob bei Po Sin an und er wird Tatortreiniger.

Aber auch da kann er seine große Klappe nicht halten. Als er sich bei der Tochter eines reichen Selbstmörders für eine dumme Bemerkung entschuldigen soll, versteht er sich überraschend gut mit ihr und er wird kurz darauf von ihr gebeten, mitten in der Nacht unter den wachsamen Augen eines bewaffneten Psychopathen, ein billiges Motelzimmer zu reinigen.

Während er das macht, wird bei Po Sin der Wagen gestohlen und er ist auch mitten in einem Krieg der Tatortreiniger um Aufträge.

Während um Goodhue die Kacke am Dampfen ist, muss er sich entscheiden, ob er endlich wieder die Verantwortung für sein Leben übernehmen will.

Das alles erzählt Hank-Thompson- und Joe-Pitt-Erfinder Charlie Huston gewohnt pointiert aus der Sicht des letztendlich liebenswerten Arschlochs und Möchtegern-Marlowes Goodhue; – jedenfalls wenn man nicht die Wohnung mit ihm teilen muss.

Das Clean-Team“ ist ein feiner Hardboiled, der vollkommen zu recht auf einigen Nominierungslisten landete. Mal sehen, ob er auch die Preise erhält.

Charlie Huston: Das Clean-Team

(übersetzt von Alexander Wagner)

Heyne, 2009

496 Seiten

8,95

Originalausgabe

The Mystic Arts of Erasing all Signs of Death

Ballantime Books, 2009

Hinweise

Pulp Noir: Homepage/Blog von Charlie Huston

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Killing Game“ (The Shotgun Rule, 2007)

Mein Interview mit Charlie Huston

Charlie Huston in der Kriminalakte

Trailerpark


TV-Tipp für den 11. Juni: Tatort: Wolfsstunde

Juni 11, 2010

ARD, 21.45

Tatort: Wolfsstunde (D 2008, R.: Kilian Riedhof)

Drehbuch: Kilian Riedhof, Marc Blöbaum

In Münster wird eine Studentin ermordet. Der verdächtige Ex-Freund flieht. Thiel glaubt, dass ein Serientäter sein Unwesen treibt. Professor Boerne nervt Alberich, Thiel und alle, denen er begegnet und selbstverständlich verfolgt er eine eigene Theorie.

Aber der Fall ist, solange der maulfaule Thiel und der arrogante Professor Boerne sich die Bälle zuschieben, egal.

mit Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Claus D. Clausnitzer, Thomas Dannemann, Katharina Lorenz, Arnd Klawitter, Jörg Pilawa

Hinweise

ARD über das Team Thiel/Boerne

Tatort-Fundus über das Team Thiel/Boerne