DVD-Kritik: Sex sells „The Outlaw – Geächtet“

Bekannt ist der Film wegen der Oberweite von Jane Russell.

Produzent und Regisseur Howard Hughes brachte seine Entdeckung mit einem speziellen BH, den sie nach eigener Aussage nie trug, und einem tiefen Ausschnitt opulent ins Bild – und legte sich mit der Zensurbehörde an. Die brüllte „sittenwidrig“.

Hughes plakatierte „What are the two great reasons for Jane Russell’s rise to stardom?“

Der Streit dauerte von 1941 bis 1946. 1943 kam der Film erstmals, für wenige Tage, ins Kino. Danach verschwand er wieder wegen Problemen mit der Zensur und den damaligen puritanischen Moralvorstellungen, die mit dem Hays-Code durchgesetzt werden sollten. 1946 gab es die offizielle Wiederaufführung und „Geächtet“ wurde wegen der Hauptdarstellerin (Ja, wir Jungs sind so berechenbar.) überall ein Hit. In New York war „Geächtet“ bis zum 11. September 1947 verboten. Der deutsche Kinostart war am 16. März 1951.

Aus heutiger Sicht ist der Skandal nur noch schwer nachvollziehbar. Denn es gibt wirklich nichts zu sehen, was nicht heute auch im Nachmittagsprogramm läuft und auch im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Filmen zeigt Hughes wenig, was es nicht auch in anderen Filmen gab (abgesehen von der Szene, in der Jane Russell zu dem fiebernden Billy the Kid ins Bett steigt, um ihn zu wärmen), aber dafür inszenierte er, nachdem er auf Wunsch der Zensoren eine halbe Minute geschnitten hatte, eine beispiellose Werbekampagne, die aus Jane Russell ein wahres Pin-up-Girl machte.

Dabei spielt sie, obwohl die Werbung für den Film sich nur um sie drehte, nur eine Nebenrolle.

Denn, soweit in „Geächtet“ von einer Geschichte gesprochen werden kann, geht es darum, dass Billy the Kid (Jack Buetel) das Pferd von Doc Holliday (Walter Huston, grandios als lebensweis-amüsierter Revolverheld) gestohlen hat. Doc möchte sein Pferd wieder zurückhaben, aber ihm ist der junge Revolverheld auch irgendwie sympathisch. Jedenfalls balgen sie sich wie zwei kleine Kinder um das Pferd. Docs alter Freund Pat Garrett (Thomas Mitchell, schmierig) verdient inzwischen seine Brötchen als Sheriff und er möchte, nachdem Doc und Billy sich verbündet haben, die beiden aus seiner Stadt haben.

Da versucht Rio McDonald (Jane Russell) in einer Scheune Billy the Kid zu ermorden. Sie prügeln sich und Billy erfährt, dass er vor einiger Zeit ihren Bruder erschoss.

Später wird Billy angeschossen. Doc flüchtet mit ihm zu seiner Freundin Rio McDonald und bittet sie, den Verletzten zu pflegen.

Tja, und da verlieben sich Billy und Rio ineinander. Aber in erster Linie balgen sich Doc und Billy bis zum Filmende um das Pferd. Davor müssen sie wieder vor dem Gesetz flüchten. Pat schnappt sie. Indianer wollen sie umbringen – und dann ist da noch die Sache mit dem Pferd.

Denn unter echten Männern zählt ein Pferd einfach mehr als eine Frau.

Das ist ziemlich frauenverachtend und nur wegen des Spiels von Walter Huston, Jack Buetel und Thomas Mitchell erträglich. Sie versuchen das beste aus ihren Szenen herauszuholen, aber auch sie scheinen die meiste Zeit nicht zu wissen, wo das ganze hinführen soll. Jane Russell ist die damalige Version von Megan Fox: ein Augenschmaus, der bestimmt nicht wegen ihrer schauspielerischen Qualitäten die Rolle erhielt. Die Regie von Howard Hughes in seinem zweiten und letztem Spielfilm, der sich anscheinend öfters vertreten ließ, ist amateurhaft. Nie kommt eine echte Western-Atmosphäre auf. Es gibt keine bemerkenswerten Bilder sondern einfach nur eine funktionale Kamera, die man eher in einem der damals zahllosen Serials (Flash Gordon, „Western von Gestern“) und B-Movie-Serien (Sherlock Holmes, Mr. Moto, Charlie Chan, Tarzan) vermutet.

Es gab zahlreiche Nachdrehs, die sicher nicht die Geschichte runder machten.

Geächtet“ ist, dank der Hauptdarsteller, ein mäßig amüsanter, immer wieder in seine Einzelteile zerfallender Western, der zwar die Heldenimages von Doc Holliday, Pat Garrett und Billy the Kid etwas demontiert ohne sich der historischen Wirklichkeit allzu sehr anzunähern. Stattdessen gibt es eine abstruse und sogar latent homosexuelle Geschichte. Denn die Beziehung zwischen Doc Holliday, Billy the Kid und Pat Garrett kann auch als Liebesgeschichte gesehen werden: dann wären Doc und Pat das alte Liebespaar und Billy der junge Nebenbuhler. Diese Lesart drängt sich, angesichts des offensichtlichen Desinteresses von Doc Holliday und Billy the Kid an den Reizen von Rio McDonald, ihrer Unwilligkeit um sie zu kämpfen und ihrem, eher vorgeschobenen, Interesse an dem Pferd, sogar auf. Aber ob das von Howard Hughes beabsichtigt war?

Der ursprüngliche Regisseur Howard Hawks wollte einen kleinen Western drehen, der in jedem Fall auch ein besserer Film geworden wäre. Als er die höher budgetierte Kriegsheldengeschichte „Sergeant York“ mit Gary Cooper (der dafür seinen ersten Oscar erhielt) drehen konnte, übergab er den Regiestuhl an den Produzenten Howard Hughes. Der tobte sich schon während des Drehs in Richtung Jane Russell aus.

Ohne den Skandal, die gut inszenierte Werbekampagne (Wer kennt nicht die sich im Heu räkelnde Jane Russell?) und den damaligen Kassenerfolg wäre „Geächtet“ heute noch nicht einmal von historischem Interesse.

Auf der DVD ist der Film in Schwarzweiß und einer nachträglich, erst vor kurzem angefertigten kolorierten Version enthalten. Das restaurierte Bild ist durchwachsen. Weitere Extras, wie ein Audiokommentar (auf der US-Fassung enthalten) oder eine Doku, die sich gerade bei diesem Film anbieten würde, fehlen.

The Outlaw – Geächtet (The Outlaw, USA 1940/1943)

Regie: Howard Hughes, Howard Hawks (ungenannt)

Drehbuch: Jules Furthman, Howard Hawks (ungenannt), Ben Hecht (ungenannt) (nach einer Geschichte von Ben Hecht)

mit Jane Russell, Jack Buetel (im Vorspann „Jack Beutel“), Walter Huston, Thomas Mitchell

DVD

HMH Home Entertainment

Bild: 4:3

Ton: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: – (außer man zählt eine Fassung des Films dazu), Wendecover

Länge: 113 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Geächtet“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „The Outlaw“

Internet Archive: „The Outlaw“ (kompletter Film)

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