Die Gewinner des Friedrich-Glauser-Preis 2010

September 13, 2010

Die Krimiautorenvereinigung „Das Syndikat“ hat nach der Longlist und der Shortlist jetzt den Friedrich-Glauser-Preis 2010 verliehen:

Bester Roman

ZORAN DRVENKAR: Sorry (Ullstein)

Bestes Debüt

ANDREAS FÖHR: Der Prinzessinnenmörder (Knaur)

Bester Kurzkrimi

ZOE BECK: Draußen (aus: München. Blutrot, Köln.-preuß. Verlagsanstalt)

Hansjörg-Martin-Preis (Kinder- und Jugendkrimipreis)

MARLENE RÖDER: Zebraland (Ravensburger)

Friedrich-Glauser-Ehrenpreis für besondere Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur

DR. RUTGER BOOSS (Verleger, grafit-Verlag)


TV-Tipp für den 13. September: Der Teufel mit der weißen Weste

September 13, 2010

Arte, 20.15

Der Teufel mit der weißen Weste (F 1962, R.: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

LV: Pierre Lesou: Le Doulos, 1958

Regieassistenz: Volker Schlöndorff

Nach einem missglückten Einbruch wird Maurice verhaftet. Er glaubt, dass Silien ihn verraten hat und er beauftragt einen Verbrecher, Silien umzubringen. Gleichzeitig tut Silien alles, um Maurice aus dem Gefängnis zu befreien.

Düsterer Gangsterfilmklassiker, mit Jean-Paul Belmondo, Michel Piccoli, Serge Reggiani

Hans Gerhold in „Jean-Pierre Melville“ (Hanser Verlag, Reihe Film 27): „Aus einem durchschnittlichen Série Noire-Stoff wurde ein „Melville“. Tatsächlich macht die komplizierte Konstruktion des Drehbuchs mit unvorhersehbaren Volten und Rückblenden (in den Erzählungen der Personen und in visuellen flash-backs) LE DOULOS zu dem spannendsten und undurchschaubarsten Film Melvilles. Denn LE DOULOS ist eine Anti-Tragödie und auf dem Prinzip der Lüge aufgebaut, die jede Äußerung und jedes Bild sofort wieder relativiert.“

Wiederholung: Dienstag, 21. September, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


Der Kommissar: Todesboten

September 12, 2010

Ein Film aus der auf dem Symposium „Verbotene Filme“ gezeigten Mashup-Rolle:

Herbert Reinecker gab später, als „Todesboten“ im TV ausgestrahlt werden sollte, sein Einverständnis für diese Bearbeitung der von ihm erfundenen TV-Serie.


TV-Tipp für den 12. September: Casablanca

September 12, 2010

Arte, 20.15

Casablanca (USA 1942, R.: Michael Curtiz)

Drehbuch: Julius J. Epstein, Philip G. Epstein, Howard Koch

LV: Murray Burnett, Joan Alison: Everybody comes to Rick’s (Theaterstück)

Gerade hat sich Rick in Casablanca eingerichtet, als seine alte Liebe auf der Flucht vor den Nazis bei ihm auftaucht.

Casablanca ist das Kernstück des Bogart-Kults und ein Pflichttermin für Cineasten.

Mit Humphrey Bogart, Ingrid Bergman, Paul Henreid, Claude Reins, Conradt Veidt, Sydney Greenstreet, Peter Lorre, Curt Bois

Hinweise

Wikipedia über „Casablanca“ (deutsch, englisch)


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

September 11, 2010

Ich bin noch erschöpft vom Symposium „Verbotene Filme“ (dazu später mehr). Deshalb gibt es ohne große Worte den Hinweis auf meine bei den Alligatorpapieren erschienenen TV-Krimi-Buch-Tipps (Der Dank für die Bilder geht an den gierigen Alligator Alfred):

In den kommenden beiden Wochen gibt es auch einige lange nicht mehr gezeigte, sehenswerte Morde. Das Einschalten des Fernsehers (oder Programmieren des Rekorders) lohnt sich bei Lars Beckers „Tatort: Dschungelbrüder“, Michael Crichtons Robin-Cook-Verfilmung „Coma“ (Gute Besserung, Michael Douglas.), Claude Pinoteaus Francis-Ryck-Verfilmung „Ich – Die Nummer eins“, Constantin Costa-Gavras Donald-E.-Westlake-Verfilmung „Die Axt“, Jean-Pierre Melvilles Pierre-Lesou-Verfilmung „Der Teufel mit der weißen Weste“, Jean-Luc Godards Dolores-Hitchens-Verfilmung „Die Außenseiterbande“, Claude Sautets Claude-Néron-Verfilmung „Das Mädchen und der Kommissar“ (Uff, das war’s mit den Franzosen.), Fernando Meirelles‘ erstaunlich lange nicht mehr gezeigte John-le-Carré-Verfilmung „Der ewige Gärtner“, Robert Harmons Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone – Eiskalt“, David Cronenbergs John-Wagner/Vince-Locke-Verfilmung „A History of Violence“, Martin Enlens Friedrich-Ani-Verfilmung „Tatort: A gmahde Wiesn“, Robert Aldrichs Mickey-Spillane-Verfilmung „Rattennest“, Stuart Rosenbergs Donn-Pearce-Verfilmung „Der Unbeugsame“, Dominik Grafs Uwe-Erichsen-Verfilmung „Die Katze“, Matthew Vaughns J.-J.-Connolly-Verfilmung „Layer Cake“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“ und Alfred Hitchcocks Robert-Bloch-Verfilmung „Psycho“.


TV-Tipp für den 11. September: Tatort: Dschungelbrüder

September 11, 2010

RBB, 20.15

TATORT: Dschungelbrüder (D 2003, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Ritter und Stark müssen den Mord an einem illegal eingereisten Nigerianer aufklären.

Lars Becker (Nachtschicht) befindet sich auch in Berlin auf vertrautem Terrain: das Leben von Ausländern und Flüchtlingen in deutschen Großstädten. Den beiden Berliner Kommissaren konnte nach ihrem grottenschlechten vorherigen Fall „Rosenholz“ nichts Besseres passieren.

Mit Dominic Raacke, Boris Alijonic, Armin Rohde

Hinweise

Tatort-Fundus über das Team Ritter/Stark

Wikipedia über Lars Becker

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Lars Becker



„Freiheit statt Angst“ am Samstag

September 10, 2010

Samstag ist Demotag. Dieses Mal:

Alle weiteren sachdienlichen Informationen hier.


TV-Tipp für den 10. September: Castle – Tödliche Schulden

September 10, 2010

Kabel 1, 20.15

Castle: Tödliche Schulden (USA 2009, R.: Rob Bowman)

Drehbuch: Andrew W. Marlowe

Erfinder: Andrew W. Marlowe

Nach der Sommerpause geht’s mit zweiten Staffel der witzigen Krimiserie „Castle“ auf einem neuen Sendeplatz und mit einer Wiederholung des natürlich äußerst gelungenem und für Krimifans sehr prominent besetztem Staffelauftakt weiter.

Alle weiteren Informationen hier oder hier.

mit Nathan Fillion (Richard Castle), Stana Katic (Kate Beckett), Susan Sullivan (Martha Rodgers), Molly C. Quinn (Alexis Castle), Jon Huertas (Javier Esposito), Seamus Dever (Kevin Ryan), Ruben Santiago-Hudson (Captain Roy Montgomery), Tamala Jones (Lanie Parish)

Wiederholung: Samstag, 11. September, 00.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Kriminalakte über „Castle“


TV-Tipp für den 9. September: Jesse Stone – Knallhart

September 9, 2010

ZDF, 00.35

Jesse Stone – Knallhart (USA 2006, R.: Robert Harmon)
Drehbuch: Tom Epperson

LV: Robert B. Parker: Night Passage, 1997 (Das dunkle Paradies)

Der zweite Jesse-Stone-Film erzählt die Vorgeschichte: in ihr tritt Jesse Stone seinen Job in Paradise an und muss zuerst den Kleinstadtsumpf ausmisten. Denn – Überraschung! – Stone hat den Job nur wegen seines Lebenslaufs (und dem Fazit: kaputter Verlierer) bekommen.

Im Buch endet die Ankunft von Jesse Stone in Paradise in einem Western-Showdown. Im Film ist es etwas weniger dramatisch. Aber auch der zweite Jesse-Stone-Film ist gute altmodische Unterhaltung, bei der die Charaktere im Mittelpunkt stehen.

No fools over at CBS, the net quickly followed one of last year’s best TV movies, „Stone Cold,“ with this equally first-rate prequel.” (Variety)

Mit Tom Selleck, Stephanie March, Stephen Baldwin, Saul Rubinek, Viola Davis, Kohl Sudduth

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Madame Pelletier besucht die „Suite Noire“

September 8, 2010

Für Noir-Fans ist offensichtlich, dass Chantal Pelletiers „Schießen Sie auf den Weinhändler“ eine Hommage an David Goodis‘ „Schießen Sie auf den Pianisten“ („Tirez sur la pianiste“; der Originaltitel „Down there“ zählt im Moment nicht.) ist. Dabei hat Pelletiers Geschichte, wir ahnen es, nichts mit Goodis‘ Werk zu tun. Denn zwischen einem in einer Vorstadtkneipe vegetierendem Klavierspieler und geachteten, in der Provinz lebendem Weinhändlern gibt es nicht so viele Gemeinsamkeiten.

Gleich auf der ersten Seite erschießt dieser Weinhändler seine Frau, weil sie mal wieder die Sellerie-Remoulade falsch zubereitet hat. Danach bessert sich sein Leben. Jedenfalls in kulinarischer Hinsicht. Er trifft sogar auf eine junge Frau, die er als seine Köchin engagiert. Aber nach kurzem ist er auch mit ihren Leistungen in der Küche unzufrieden.

In der Mitte von „Schießen Sie auf den Weinhändler“ ändert Chantal Pelletier dann plötzlich die Perspektive und erzählt aus der Perspektive einer jüngeren Person, die sich mit einer älteren Frau als Verbrecherpaar durchs Leben schlägt. Erst viel später wird deutlich, dass diese Person die junge Köchin des Weinhändlers wird.

Weil nach diesem Perspektivenwechsel lange unklar ist, wie und ob die die zweite Geschichte mit der ersten zusammenhängt, ist man viel zu lange mit eben dieser formalen Frage beschäftigt und man distanziert sich von der großen Geschichte.

Deshalb ist „Schießen Sie auf den Weinhändler“ der schwächste Noir der ersten, aus vier Kurzromanen bestehenden „Suite Noire“-Lieferung.

Demnächst erscheint im Distel Literturverlag mit Didier Daeninckxs „Nur DJs gibt man den Gnadenschuss“, Marc Villards „Die Stadt beißt“, Laurent Martins „Die Königin der Pfeifen“ und Romain Slocombes „Das Tamtam der Angst“ die zweite „Suite Noire“-Lieferung. Auch diese Bücher wurden verfilmt.

Die DVD-Box mit den Verfilmungen dieser „Suite Noire“-Geschichten erschient im Herbst bei Edel.

Chantal Pelletier: Schießen Sie auf den Weinhändler

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2010

96 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Tirez sur la caviste

Éditions La Branche, 2007

Verfilmung

Tirez sur le caviste (Frankreich 2009)

Regie: Emmanuelle Bercot

Drehbuch: Emmanuelle Bercot

mit Julie-Marie Parmentier, Niels Arestrup, Christine Citti, Pierre-Félix Gravière

Hinweise

Homepage der „Suite Noire“ (englische Version)

Seite der Éditions La Branche über die „Suite Noire“

Homepage von Chantal Pelletier

Krimi-Couch über Chantal Pelletier

Meine Besprechung von Patrick Raynals „Suite Noire“-Buch „Landungsbrücke für Engel“ (Le débarcadère des anges, 2007)

Meine Besprechung von Colin Thiberts „Nächste Ausfahrt Mord“ (Vitrage à la corde, 2007)

Meine Besprechung von José-Louis Bocquets „Papas Musik“ (La musique de papa, 2007)


TV-Tipp für den 8. September: Reservoir Dogs – Wilde Hunde

September 8, 2010

Arte, 23.00 (VPS 22.50)

Reservoir Dogs (USA 1992, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Buch zum Film (Drehbuch): Quentin Tarantino: Reservoir Dogs – Das Buch zum Film/Zweisprachige Ausgabe (rororo 1997)

Einige Gangster überfallen einen Juwelier. Der Überfall geht schief. Sie flüchten in eine Garage. Mr. Orange (sie kennen sich nur unter Farb-Pseudonymen) liegt schwerverletzt auf dem Boden und kämpft um sein Leben. Die anderen Gangster versuchen währenddessen die 100.000-Dollar-Frage „Wer hat uns verraten?“ zu klären.

Der Einfluss von Quentin Tarantinos Kinodebüt auf das Kino der Neunziger Jahre kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Ich sage nur nicht-chronologisches Erzählen (Bis dahin galt die eiserne Regel: Keine Rückblenden!), lustvoll zelebrierte Gewalt, coole Dialoge und oft ebenso coole Monologe.

Wirklich erstaunlich bei dem Klassiker ist nur, dass er erst 2009 seine TV-Premiere hatte. Wer also in den vergangenen Jahren wirklich jede Kinoaufführung verpasste, keine der zahlreichen DVD-Ausgaben kaufte und die Erstausstrahlung versäumte, kann jetzt das Werk sehen.

Mit Harvey Keitel, Tim Roth, Michael Madsen, Chris Penn, Steve Buscemi, Lawrence Tierney, Edward Bunker, Quentin Tarantino

Wiederholung: Montag, 20. September, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

The Quentin Tarantino Archives

Deutsche Quentin-Tarantino-Fanseite

Wikipedia über „Reservoir Dogs“

Drehbuch „Reservoir Dogs“ von Quentin Tarantino

Quentin Tarantino in der Kriminalakte


Cover der Woche

September 7, 2010


Happy Birthday, Sonny Rollins!

September 7, 2010

Unglaublich, aber wahr: Tenorsaxophonist Sonny Rollins wird Achtzig. Seit über sechzig Jahren ist er aktiv und während er früher älter wirkte, als er war, wirkt er seit Jahren jünger als er ist.


TV-Tipp für den 7. September: Die zweigeteilte Frau

September 7, 2010

Nachdem das Erste die TV-Premiere der „zweigeteilten Frau“ nach Mitternacht versendete, zeigt sich Deutschlands bester Hauptstadtsender publikumsfreundlicher


RBB, 22.45

Die zweigeteilte Frau (F/D 2007, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Cécile Maistre

Als die TV-Wetterfee Gabrielle von ihrem verheirateten Liebhaber, einem deutlich älteren Bestsellerautor, verstoßen wird, nimmt sie sich einen neuen Liebhaber. Dieser hat allerdings einen seelischen Knacks.

In dem ruhigen Krimidrama über eine Frau zwischen zwei verkorksten Männern führt Chabrol wieder einmal die französische Bourgeoisie vor. Sicher nicht sein bester Film und nach dem grandiosen „Geheime Staatsaffären“ eine Enttäuschung.

Mit Ludivine Sagnier, Benoît Magimel, François Berléand, Mathilda May

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Film-Zeit über „Die zweigeteilte Frau“

Wikipedia über „Die zweigeteilte Frau“ (deutsch, englisch, französisch)


Monsieur Bocquet besucht die „Suite Noire“

September 6, 2010

Papas Musik“ von José-Louis Bocquet konnte „Suite Noire“-Herausgeber Jean-Bernard Pouy nicht ablehnen. Denn Bocquets Noir ist eine Hommage an den Roman „Le Cinéma de papa“ (Papas Kino) von Jean-Bernard Pouy. Dass Bocquets Geschichte, soweit ich weiß, nichts mehr mit Pouys Geschichte zu tun hat, hat auch bei den anderen „Suite Noire“-Romanen nicht gestört. Auch dass der Krimianteil (gemessen an den normalen Krimibeigaben) eher klein ausfällt, aber dafür der Noir-Anteil größer, stört nicht weiter.

In „Papas Musik“ muss sich ein inzwischen vom Pech verfolgter, geschiedener Musikproduzent notgedrungen um seinen Sohn kümmern. Jules hat die Schule geschmissen und ist bei seiner Mutter ausgezogen. Denn beim Vater, den er am Buchanfang bei einem Selbstmordversuch stört, ist es einfach entspannter. Aber dann versucht dieser, für seinen Sohn ein Vater zu sein und sich aus seiner finanziellen Misere zu befreien. Er schenkt Jules eine Gitarre und als er während eines Konzerts bemerkt, dass Jules und seine Rockband talentiert sind, will er eine Platte mit ihnen machen. Dafür nimmt er weitere Schulden auf.

Natürlich, immerhin ist „Papas Musik“ ein Noir und die kennen für den Helden nur einen Weg, nämlich abwärts, endet das nicht gut. Bocquet erzählt diese Geschichte einiger kleiner Leute angenehm pathosfrei, illusionslos und mit einger guten Portion trockenen Humors auf hundert Seiten. Es gibt einige Einblicke in das sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal gewandelte Musikgeschäft und dem alltäglichen Überlebenskampf eines kleinen Produzenten. Außerdem gibt es eine Vater-Sohn-Geschichte, in der keiner um die Gunst des anderen buhlt. Für den Vater ist sein Sohn am Anfang nur das „kleine Arschloch“, das wegen der Art des Schuleschwänzens von ihm respektiert wird. Und der Vater ist eine gescheiterte Existenz, der regelmäßig vom Gerichtsvollzieher besucht wird. Dabei ist er kein schlechter Mensch, sondern nur ein Pechvogel.

José-Louis Bocquet: Papas Musik

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2010

108 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

La musique de papa

Éditions La Branche, 2007

Verfilmung

La musique de papa (Frankreich 2009)

Regie: Patrick Grandperret

Drehbuch: ?

Mit Antoine Chappey, Léo Grandperret, Marilyne Canto, Agnès Soral, Florence Thomassin, Eric Defosse

Hinweise

Homepage der „Suite Noire“ (englische Version)

Seite der Éditions La Branche über die „Suite Noire“

Wikipedia über José-Louis Bocquet

Evene.fr über José-Louis Bocquet

Meine Besprechung von Patrick Raynals „Suite Noire“-Buch „Landungsbrücke für Engel“ (Le débarcadère des anges, 2007)

Meine Besprechung von Colin Thiberts „Nächste Ausfahrt Mord“ (Vitrage à la corde, 2007)


TV-Tipp für den 6. September: Lautlos wie die Nacht

September 6, 2010

Arte, 20.15

Lautlos wie die Nacht (F/I 1962, R.: Henri Verneuil)

Drehbuch: Albert Simonin

LV: John Trinian: Mélodie en sous-sol, 1961 (Lautlos wie die Nacht)

Jean Gabin plant zusammen mit Alain Delon seinen letzten Coup: ein Einbruch in das Casino von Cannes. Ein fast perfekter Plan. Spannender Gangsterfilm.

Wiederholung: Montag, 20. September, 14.45 Uhr

Hinweis

Arte über die Filmreihe „Kontinent der Gangster – Internationale Gangsterfilme“


TV-Tipp für den 5. September: I, Robot

September 5, 2010

RTL, 20.15

I, Robot (USA 2004, R.: Alex Proyas)

Drehbuch: Jeff Vintar, Akiva Goldsman

LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)

2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.

Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.

mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf

Wiederholung um 23.55 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „I, Robot“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „I, Robot“

Homepage von Isaac Asimov


Leatherface kommt

September 4, 2010

Just the Facts!

Tja, nun:

Heute Abend (Samstag, den 4. September) ist es soweit. Da läuft Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ um 22.30 Uhr im Filmkunst 66 nach vielen Jahren wieder einmal auf der großen Leinwand.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „The Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.

Weitere Infos zum Film und zur Veranstaltung. Bei Trailers from Hell gibt es den kommentierten Trailer und im Neuen Deutschland (Kira Taszman) einen schönen Artikel zum Film:

mit »TCM« trifft das Verbot ein Werk, dessen Horror-Ästhetik im Vergleich zu heutigen Standards relativ harmlos ist. Zwar gibt es durchaus unappetitliche Momente, doch entbehrt der Anblick von in der Pfanne brutzelnden (Menschenfleisch-)Würstchen auch nicht eines gewissen (sehr schwarzen) Humors. Die unfreiwillige Komik des Films ist ebenfalls genre-inhärent. Jedenfalls fängt »The Texas Chainsaw Massacre« sehr anschaulich den »Peace und Love«-Geist seiner jungen 70er-Jahre-Protagonisten ein und prangert unter anderem Unsitten wie Massentierhaltung an. Zudem geschehen die brutalsten Handlungen außerhalb des Kamerablickfelds. Filme, die heute ungesühnt auf Fantasy-Festivals gezeigt werden, sind oft um ein vielfaches drastischer.

Es gibt auch eine deutsche TCM-Version:

Nachtrag (6. September): In der taz schreibt Nina Scholz über den Abend:

Dadurch, dass das Verbot von The Texas Chainsaw Massacre so lange zurückliegt, wird die Crux solcher Verbote besonders deutlich. Alte Fragen werden neu formuliert: Was ist überhaupt ein gefährlicher Film, und wer ist Fachmann genug, das einzuschätzen? Gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen den Szenen im Film (…) und realer Gewalt? Die Geschichte des Verbots des Kettensägenmassakers in Deutschland zeigt, wie sehr Einschätzungen Kinder ihrer Zeit und dem jeweiligen Betrachter geschuldet sind. Und sie zeigt, wie absurd solche Verbote sein können.


TV-Tipp für den 4. September: Blade Runner – Der Final Cut

September 4, 2010

MDR, 00.15

Blade Runner – Der Final Cut (USA 1982, R.: Ridley Scott)

Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples

LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)

LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.

Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.

Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.

Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“

Heute wird’s anders gesehen: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)

Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich Director’s Cut – Final Cut

Homepage von Philip K. Dick


Vorschläge für Deutschen Katzen-Krimi-Preis gesucht

September 3, 2010

Ich gestehe, ich habe noch nie einen Katzenkrimi gelesen.

Ich gestehe, meine Lektüreerfahrung von Tierkrimis geht gegen Null.

Ich gestehe, dass dieser Trend bislang von mir ignoriert wurde.

Aber ich will mich bessern.

Ehrlich. Als erstes Zeichen tätiger Reue veröffentliche ich hier und jetzt alle Informationen zum Deutschen Katzen-Krimi-Preis:

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg ruft zum Wettbewerb um den 1. Deutschen Katzen-Krimi-Preis auf. Bis zum 15. September 2010 können Vorschläge für den besten deutschsprachigen Katzen-Krimi eingereicht werden. Eine unabhängige Jury wird am 25. November 2010 im Rahmen der Berliner Katzen-Krimi-Nacht1. Deutschen Katzen-Krimi-Preis im Berliner »Theater im Palais am Festungsgraben« vergeben. erstmalig den

»Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht und der Deutsche Katzen-Krimi-Preis tragen der ständig gewachsenen Popularität des Katzenkrimis Rechnung und wollen herausragende Katzenkrimis aus der Feder deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in den Vordergrund stellen«, teilt Verbandsgeschäftsführer Detlef Bluhm mit. »Entstanden ist die Idee dazu übrigens in einem Facebook-Dialog zwischen der Autorin und Übersetzerin Silvija Hinzmann und Kater Paul, einer singulären Erscheinung auf Facebook, die bei vielen Katzen- und Facebook-Freunden bereits Kultstatus genießt.«

Vorschläge für den besten deutschsprachigen Katzen-Krimi können auf Facebook in der Gruppe »Katzenkrimi« auf Kater Pauls Account, per Post (Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Lützowstraße 33, 10785 Berlin) oder per Mail (1KaterPaul1@googlemail.com) eingereicht werden. Für den Preis können alle Katzen-Kriminalromane und -erzählungen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren nominiert werden, die von 2008 bis zum 31. August 2010 gedruckt oder als E-Book erschienen sind. Die Vorschläge werden am 16. September auf Kater Pauls Blog (www.katerpaul.wordpress.com) veröffentlicht. Dort entsteht bis zum 3. Oktober durch Stimmabgabe des Publikums die fünf Titel umfassende Shortlist, die am 4. Oktober, dem Eröffnungstag der Frankfurter Buchmesse, veröffentlicht wird. Zur Jury, die aus der Shortlist die Preisträgerin oder den Preisträger ermittelt, zählen Detlef Bluhm, Christiane Gass, Elisabeth Herrmann und ein prominentes Überraschungsmitglied, das ebenfalls zur Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben wird. Der Deutsche Katzen-Krimi-Preis ist nicht dotiert. Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht und der Deutsche Katzen-Krimi-Preis werden finanziell unterstützt von den Katzenartikelherstellern Gimborn und Royal Canin sowie dem Verlag Page & Turner.

Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe STADT  LAND  BUCH statt. Vom 21. bis zum 28. November 2010 lädt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg unter der Beteiligung von Buchhandlungen, Verlagen und Bibliotheken aus Berlin und Brandenburg zu einem umfangreichen Programm mit Veranstaltungen rund um das Buch ein.

STADT  LAND  BUCH wird finanziell unterstützt von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und der Europäischen Union. Hauptsponsor der Veranstaltungsreihe ist der Aufbau Verlag.