TV-Tipp für den 23. Oktober: Im Jahr des Drachen

Oktober 23, 2010

WDR, 23.15

Im Jahr des Drachen (USA 1985, R.: Michael Cimino)

Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino

LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)

Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.

Mit Mickey Rourke, John Lone

Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“

Hinweise

City on Fire (Ziemlich umfangreiche Fanseite zum Film)

Wikipedia über Robert Daley

Wikipedia über „Im Jahr des Drachen“ (deutsch, englisch)

DVD Times (Mike Sutton) über “Year of the Dragon”


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Oktober 22, 2010

Pünktlich zur gewohnten Zeit sind bei den Alligatorpapieren meine TV-Krimi-Buch-Tipps (auch bekannt als „die Liste, die alle im TV laufenden Krimiverfilmungen enthält“) online:

Der Höhepunkt der kommenden beiden Krimiwochen sind die Jesse-Stone-Verfilmungen „Dünnes Eis“ und „Ohne Reue“, von Robert Harmon mit Tom Selleck in der Hauptrolle.
Wer danach noch nicht genug gute Filme gesehen hat, sollte bei Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Bob Rafelsons James-M.-Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“, Norman Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“ (mit Klassikerbonus), John Schlesingers William-Goldman-Verfilmung „Der Marathon-Mann“ (sogar zu einer publikumsfreundlichen Uhrzeit), Don Siegels J.-Campbell-Bruce-Verfilmung „Flucht von Alcatraz“ (die letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood), Alfred Hitchcocks Victor-Canning-Verfilmung „Familiengrab“ (sein letzter Film) und, als TV-Premiere, bei Urs Eggers Craig-Russell-Verfilmung „Wolfsfährte“ einen Blick riskieren.
Oder ins Kino gehen. Dort laufen ab dem 4. November „Buried“ (ein Mann in einem Sarg. 90 Minuten Hochspannung) und das Biopic „Carlos“ über den Terroristen Carlos (trotz Schwächen lohnt sich der Besuch). Meine Besprechungen erscheinen zum Filmstart in der Kriminalakte.


TV-Tipp für den 22. Oktober: Im Angesicht des Verbrechens (mit ausführlicher Kritik)

Oktober 22, 2010

ARD, 21.45

Im Angesicht des Verbrechens: Berlin ist das Paradies/Wo wir sind, ist vorne (D 2010, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Nach der Premiere von „Im Namen des Verbrechens“ auf der Berlinale schrieben die Kritiker Jubelarien. Das kann allerdings auch einfach daran gelegen haben, dass sie sich beglückwünschten in zwei, jeweils gut fünfstündigen Sitzungen, den TV-Zehnteiler gemeinsam im Kinosaal gesehen zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass nach dem letzten Bild im Saal ein ähnliches Gefühl herrschte, wie bei einer Wandergruppe, die den Gipfel erstürmte. Geschafft und stolz auf die eigene Leistung.

Die TV-Premiere im Frühling auf Arte wurde dann auch mit mehr als wohlwollenden Artikeln begleitet und jetzt, zur ARD-Premiere zu einer durchwachsenen Uhrzeit (aufgrund der vielen nackten Haut kann der Film nicht um 20.15 Uhr gezeigt werden und einen späteren Serienslot hat das Erste nicht mehr), gibt es wieder seitenlange Jubelarien.

Dabei ist eines unbestritten: „Im Namen des Verbrechens“ ist das bislang umfangreichste Werk von Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow.

Und sehr wahrscheinlich werden Graf und Basedow nie wieder zehn Millionen Euro erhalten und die Tortur eines 500-minütigen Films mit 120 Drehtagen und 140 Sprechrollen und unzähligen Komparsen auf sich nehmen.

Allein dafür gebührt ihnen Respekt und natürlich gibt es in „Im Angesicht des Verbrechens“ viele grandiose Szenen. Aber insgesamt, vor allem wenn man sich den Zehnteiler in einem Rutsch ansieht (und nicht vom Gruppengefühl beeinflusst wird), enttäuscht die Serie.

Denn die Serie wirkt niemals wie ein in einem Stück gedrehtes Werk, sondern wie die von verschiedenen Autoren und Regisseuren gedrehten Folgen für eine Serie, die nach der ersten Folge lange nach der episodenübergreifenden Geschichte sucht.

Da kann man dann auch damit Leben, dass Subplots fallengelassen werden, es Irrwege gibt, die im Nachhinein, weil die Folge bereits gezeigt wurde, nicht mehr korrigiert werden können und einige für das Verständnis der Geschichte wichtige Punkte in jeder Episode wiederholt werden. Das kennt jeder, der sich US-amerikanische Serien, die fast in Echtzeit produziert werden, ansieht. Ich sage nur „24“.

Aber „Im Angesicht des Verbrechens“ wurde geschrieben, gedreht, geschnitten und erst dann der Öffentlichkeit präsentiert. Da müsste der episodenübergreifende Plot viel deutlicher sein und sich in jeder Folge weiterentwickeln.

Außerdem scheint Dominik Graf hier mit jeder Folge einen anderen Stil ausprobieren zu wollen. Da wird plötzlich exzessiv mit Split-Screens gearbeitet. Andere Folgen und Szenen erinnern mal an einen Horrorfilm, mal an einen Polizeifilm, mal an einen kitschigen Heimatfilm und mal an einen Märchenfilm. Außerdem feiern die russischen Gangster ungefähr einmal pro Folge ein rauschendes Fest mit Wein, Weib, Gesang und Tanz. Und ungefähr alle zehn Minuten gibt es eine das Herz des Berliners erfreuende Panoramaaufnahme von seiner Stadt.

Entsprechend verfranst wirkt vieles. So sollen nach dem vor jeder Folge gezeigten Vorspann (es spricht einiges dafür, dass das auch die für die Macher wichtigen Geschichten und Themen sind) der junge Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt), seine Liebe zu Jelena (Alina Levshin), die Suche nach dem Mörder seines Bruders Grischa und die enge Beziehung zu seiner Schwester Stella (Marie Bäumer), die einen russischen Gangsterboss Mischa (ungewohnt blass: Misel Maticevic) geheiratet hat, im Mittelpunkt der Serie stehen.

Nur Mareks Wunsch, den Mörder seines vor zehn Jahren ermordeten Bruders zu finden, bezeichnet ein konkretes Ziel. Das ist allerdings über weite Strecken nicht handlungstreibend. Stattdessen jagen Marek und sein Polizistenkumpel Sven Lottner (Ronald Zehrfeld, der als draufgängerischer Polizist viel präsenter als Riemelt ist) russische Gangster, verfolgen einen halbseidenen Spediteur in den Osten und haben viel Spaß bei ihrer Arbeit. Doch auch der Kampf gegen die Russenmafia bleibt episodisches Stückwerk. Hier mal eine Razzia, da mal ein Zugriff auf ein Lagerhaus. Denn es wird nie deutlich, welcher Gangster am Ende der Staffel verhaftet werden soll. Entsprechend abrupt endet dann auch der Zehnteiler mit einer weiteren Razzia im benachbarten Brandenburg.

Die Liebesgeschichte zwischen Marek und Jelena spielt in der ersten Hälfte der Serie keine Rolle, in der zweiten Hälfte wird sie wichtiger. Aber sie erscheint psychologisch unmotiviert (jaja, Liebe macht blind und Wer verliebt ist, reagiert nicht vernünftig) und es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb Marek plötzlich versucht Jelenas Freundin Swetlana aus einem letztklassigem Puff in Weißrussland zu befreien.

Und Mareks Beziehung zu seiner Schwester Stella wird zwar immer wieder angesprochen. Aber es wird nie deutlich, wo denn genau der Konflikt für den superehrlichen, fast schon 150-prozentig korrekten (und entsprechend langweiligen) Polizisten Marek liegt. Denn er hat keine Ahnung, wie sehr Stellas Mann Mischa in die Geschäfte der Russenmafia verwickelt ist. Daher muss Marek sich über viele Folgen nicht zwischen seinem Beruf und seiner Schwester beziehungsweise seiner Familie entscheiden. Dieser Konflikt könnte, vor allem nach den in mehrfacher Hinsicht überraschenden Ereignissen in den letzten beiden Episoden von „Im Angesicht des Verbrechens“, in einer zweiten Staffel von „Im Angesicht des Verbrechens“ wichtig werden.

Aber ob es eine zweite Staffel gibt, werden die Fernsehredakteure erst nach der Ausstrahlung der ersten Staffel entscheiden. Dass die DVD, mal wieder mit einem ausgesucht hässlichem Cover und wenig Bonusmaterial (Herrje, warum darf Dominik Graf nicht mal einen Audiokommentar sprechen? Warum gibt es keine Doku über die Russenmafia?), bereits für den 16. November angekündigt ist, sagt allerdings einiges über die Erwartungen der Macher aus. Denn dann läuft die Serie noch im Ersten.

Trotz aller Kritik spricht für die Serie, dass hier endlich einmal mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht wurde, dass versucht wurde ein großes Epos zu drehen und dass sich nicht an die biederen Konventionen des neunzigminütigen TV-Films gehalten wurde.

Die weiteren Folgen von „Im Angesicht des Verbrechens“ werden an den kommenden Freitagen, um 21.45 Uhr, gezeigt. Eins Festival wiederholt die Serie, teilweise zu einer publikumsfreundlicheren Zeit, im ursprünglich geplanten Senderhythmus.

mit Max Riemelt (Marek Gorsky), Marie Bäumer (Stella), Misel Maticevic (Mischa), Ronald Zehrfeld (Sven Lottner), Alina Levshin (Jelena), Katja Nesytowa (Swetlana)

Wiederholungen

Berlin ist das Paradies

Eins Festival, Montag, 25. Oktober, 20.15 Uhr, 23.20 Uhr

Eins Festival, Dienstag, 26. Oktober, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Eins Festival, Montag, 1. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Wo wir sind, ist vorne

Eins Festival, Montag, 1. November, 20.15 Uhr, 23.35 Uhr

Eins Festival, Dienstag, 2. November, 02.25 Uhr (Taggenau!)

und in der Mediathek

Hinweise

ARD über „Im Angesicht des Verbrechens“

Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau: Klaudia Wick über „Im Angesicht des Verbrechens“ (21. Oktober 2010)

Tagesspiegel: Markus Ehrenberg über „Im Angesicht des Verbrechens“ (21. Oktober 2010)

Kriminalakte: Links zu Artikeln über die Serie und das Gespräch mit dem Publikum nach der Berlinale-Premiere

 


DVD-Kritik: „Vengeance“ von Johnnie To mit Johnny Hallyday

Oktober 21, 2010

Mit seinen neuesten Film „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.

Auch in „Vengeance“ zitiert To öfters Melville. So heißt der von Johnny Hallyday gespielte Vater, der seine Tochter rächen will und die meiste Zeit in einem Trenchcoat und Hut durch den Film geht, Francis Costello. Alain Delon hieß in Melvilles „Der eiskalte Engel“ (der im Original „Le Samourai“ heißt) Jef Costello und ursprünglich sollte Alain Delon, der letzte Überlebende des klassischen französischen Gangsterfilms, auch die Hauptrolle spielen. Er sagte ab und der in Frankreich enorm populäre Musiker und Ab-und-zu-Schauspieler Johnny Hallyday übernahm die Rolle des Killers, der sein Gedächtnis verliert. Immerhin hat er ein rollendienliches Outlaw-Image und er hatte 1989 in der kurzlebigen französischen Krimiserie „David Lansky“ (die ich als ziemlich schlecht in Erinnerung habe) schon einen harten Cop gespielt.

Der von Johnny Hallyday gespielte Costello war früher ein Profikiller und ist heute ein Restaurantbesitzer und Koch (Hm, ist das eine Anspielung auf „Alarmstufe Rot“ oder nur das Bedienen eines Klischees über Frankreich?).

Als in Macau in ihrem Haus seine Tochter schwer verletzt und ihr Mann und ihre beiden Kinder feige und brutal ermordet werden, fliegt Costello zu ihr. Weil die Polizei keine heiße Spur hat und er schon immer die Dinge in die eigenen Hände genommen hat, will er die Killer auf eigene Faust jagen und umbringen. Schnell stellt er fest, dass er als Fremder ohne die Hilfe von Einheimischen nicht weiterkommt. In seinem Hotel trifft er auf eine Gruppe von Killern, die gerade einen Auftrag erledigt haben. Er engagiert sie und die Killer müssen sich schnell zwischen der Loyalität zu ihrem Triadenboss, der den Mord an Costellos Familie veranlasste, und Costello entscheiden.

Diese Geschichte wird von Johnnie To und seinem Drehbuchautor Ka-Fai Wai (Mad Detective, Running on Karma, Fulltime Killer) mit einigen atemberaubenden Shootouts und interessanten Wendungen bis zum letzten Duell zwischen Costello und dem Triadenboss erzählt. In dem Duell erinnert Costello in seiner kalten Entschlossenheit an den „Terminator“. Beide verfolgen stoisch ihr Ziel: der aus der Zukunft kommende Roboter, weil er so programmiert wurde; der an Gedächtnisverlust leidende Vater weil er seine Tochter rächen will und jede Ablenkung ihn von seinem Ziel ablenken kann.

Seinen vollen Reiz entfaltet der Film in der Originalversion. Denn während für die deutsche Version mal wieder gnadenlos eingedeutscht wurde, unterhalten sich im Original die Charaktere, wie es auch in der Realität geschehen würde, untereinander in ihren Muttersprachen und miteinander auf Englisch.

Das zehnminütige Making-of beschränkt sich weitgehend auf das übliche Werbeblabla. Dennoch gibt es einige interessante Einblicke in die Herausforderungen eines internationalen Drehs und der unterschiedlichen Arbeitsweise zwischen europäischen und Hongkong-Filmteams. Denn Johnny Hallyday war bei den Dreharbeiten, wie Costello, der Fremde, der sich in einer fremden Welt und einem eingeschworenem Team und ihrer schnellen Arbeitsweise zurechtfinden musste.

Vengeance (Vengeance/Fuk sau, Frankreich/Hongkong 2009)

Regie: Johnnie To

Drehbuch: Ka-Fai Wai

mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam

DVD

Koch-Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch/Kantonesisch/Französisch (beziehungsweise: Englische Originalversion) (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Deutscher Trailer, Zwei Originaltrailer

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vengeance“

Wikipedia über „Vengeance“


TV-Tipp für den 21. Oktober: Taxi zur Hölle

Oktober 21, 2010

Arte, 20.15

Taxi zur Hölle (D/USA/GB 2007, R.: Alex Gibney)

Drehbuch: Alex Gibney

Der afghanische Taxifahrer Dilawar wird 2002 während einer Taxifahrt mit seinen Fahrgästen vom US-Militär festgenommen und ohne einen Prozess im Gefängnis festgehalten. Fünf Tage später stirbt er in seiner Zelle an den Folgen der Misshandlungen, die ihm die US-Soldaten zugefügt haben. In der gleichen Weise sind seit dem Beginn des „Krieges gegen den Terror“ über hundert US-Gefangene unter mysteriösen Umständen umgekommen. Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation zeigt den Umgang mit Folter als legitimes staatliches Handeln vonseiten der Bush-Regierung und wie sie dadurch gegen die Genfer Konvention verstößt.

Alex Gibney zeigt in seiner eindrücklichen, sachlich argumentieren spielfilmlangen Dokumentation am Schicksal eines Jedermanns, wie die US-amerikanische Regierung ihre Soldaten ermutigte, Folter als Verhörmethode wieder einzusetzen.

Taxi zur Hölle” wurde auf den Filmfestival in Tribeca (New York) und Chicago als beste Dokumentation ausgezeichnet.

Wiederholungen

Dienstag, 2. November, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 9. November, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Arte zum Film

Wikipedia über „Taxi to the dark side“


Adrian Monk hilft der Polizei

Oktober 20, 2010

Während RTL die letzten Folgen der TV-Krimiserie „Monk“ zeigt, ist bei den Büchern mit Adrian Monk noch lange kein Ende abzusehen. In den USA erscheinen die Romane, was für Tie-In-Novels, auch wenn sie neue Fälle mit den vertrauten Filmcharakteren erzählen, eine Seltenheit ist, inzwischen als Hardcover und Lee Goldberg erfindet fleißig weitere Fälle für den genialen, von zahllosen Manien und Phobien geplagten Detektiv.

Zuletzt sind auf Deutsch der achte und neunte Monk-Roman, „Mr. Monk und die Wurzel allen Übels“ und „Mr. Monk und Mr. Monk“, erschienen.

„Mr. Monk und die Wurzel allen Übels“ ist ein schwächerer Monk-Roman. Denn im Gegensatz zu den normalen Monk-Fällen, in denen er zum Tatort gerufen wird und mit seinen Ermittlungen beginnt, entfaltet sich hier das Komplott gegen seinen Freund Captain Leland Stottlemeyer vor unseren Augen. Der Polizistenmord für den Stottlemeyer verhaftet wird, geschieht relativ spät und Stottlemeyer bittet erst nach seiner Verhaftung auf Seite 250 Monk um Hilfe. Entsprechend schnell klärt Monk dann auch den Fall.

Aber bis dahin liefert Goldberg zahlreiche vergnügliche Szenen, in denen Stottlemeyer auf einer Polizistentagung von Monk vor seinen Kollegen blamiert wird (was Monk nicht wollte), Stottlemeyer Monk und Natalie zu einem alten, inzwischen dementen Spitzel mitnimmt, Monk den Windeltwister (ein Mülleimer, in dem jede einzelne Babywindel in einem Plastikbeutel versiegelt wird) entdeckt und alle damit beglückt (was Randy „Bullitt“ Disher, dem härtesten Cop von L. A. – so ist jedenfalls seine ungeschönte Selbstwahrnehmung -, nicht gefällt), Monk nicht mehr als Polizei-Berater beschäftigt werden soll, er ihr aber anonym Tipps gibt und Monk ein Angebot von einer großen Sicherheitsfirma erhält. Das bringt ihm und seiner Assistentin Natalie Teeger Geld, ein tolles Auto, viele Fälle und Probleme mit dem Firmenethos. Denn Monk will die Ordnung des Universums wiederherstellen. Dazu gehört, dass Verbrecher überführt und bestraft werden. Auch wenn sie gut bezahlende Klienten der Firma sind.

„Mr. Monk und Mr. Monk“ bietet dann wieder die vertraute Formel mit dem Mord am Anfang und den anschließenden Ermittlungen.

Monk muss in der früheren Goldgräberstadt Trouble den Mord an Manny Feikema, einem ehemaligen Polizisten und Freund von Captain Stottlemeyer, aufklären. Feikema hat in der Goldgräberstadt Trouble seine Rente als Wachmann des Museums aufgebessert. Während einer Nachtschicht wurde er ermordet. Es wurde nichts geklaut und die Täter sind noch auf freiem Fuß.

Als Monk in Trouble von dem legendären und bis heute nicht aufgeklärten Eisenbahnraub von 1962 hört, muss er auch diesen Fall aufklären. Und Natalie entdeckt die Aufzeichnungen von Abigail Guthrie über einen Artemis Monk, der in Trouble während dem Goldrausch Verbrecher überführte und einige Ticks hatte, die verdächtig an Adrian Monks Manien erinnern. Für Natalie Teeger ist Artemis Monk daher ein direkter Vorfahre von Adrian Monk. Er hält die Ähnlichkeiten für puren Zufall.

Nachdem Monk in der Vergangenheit bereits in Deutschland („Mr. Monk in Germany“) und Frankreich („Bonjour, Mr. Monk“) Fälle löste, muss er in „Mr. Monk und Mr. Monk“ wieder sein heimisches San Francisco verlassen und sich den Gefahren des Wilden Westens, wozu unbefestigte Wege, schießwütige Einheimische, getarnte Minenschächte und Kamikaze-Schmetterlinge zählen, stellen. Denn der Name des Städtchens ist Programm.

„Mr. Monk und die Wurzel allen Übels“ und „Mr. Monk und Mr. Monk“ sind, wie die vorherigen sieben Monk-Romane, spannende und witzige Kriminalromane. Außerdem erfreut das Namedropping die Psyche des Krimiliebhabers.

Lee Goldberg: Mr. Monk und die Wurzel allen Übels

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini, 2009

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk and the Dirty Cop

Obsidian, 2009

Lee Goldberg: Mr. Monk und Mr. Monk

(übersetzt von Caspar D. Friedrich)

Panini, 2010

336 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

Mr. Monk in Trouble

Obsidian, 2009

Hinweise

Homepage von Lee Goldberg

USA Network über “Monk”

Thrilling Detective über Adrian Monk

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk und die Feuerwehr“ (Mr. Monk goes to the Firehouse, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk besucht Hawaii“ (Mr. Monk goes to Hawaii, 2006)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs “Mr. Monk und die Montagsgrippe“ (Mr. Monk and the Blue Flu, 2007)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk und seine Assistentinnen“ (Mr. Monk and the two Assistants, 2008)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk und die Außerirdischen“ (Mr. Monk in outer space, 2008)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Mr. Monk in Germany“ (Mr. Monk goes to Germany, 2008)

Meine Besprechung von Lee Goldbergs „Bonjour, Mr. Monk“ (Mr. Monk is miserable, 2008)


Die Crimespree-Awards 2010

Oktober 20, 2010

Die diesjährigen Preise des Krimimagazins „Crimespree“ wurden am Sonntag in San Francisco (während eines weltweiten Treffens einer verschworenen Bruderschaft) vergeben:

Favorite Book of 2009

The Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team), von Charlie Huston (Ballantine Books)

nominiert

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Tower, von Ken Bruen und Reed Farrel Coleman (Busted Flush Press)

Trust No One, von Gregg Hurwitz (St. Martin’s Press)

The Amateurs, von Marcus Sakey (Dutton)

Favorite First Book 2009

Even, von Andrew Grant (Minotaur)

nominiert

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

Running from the Devil, von Jamie Freveletti (Morrow)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

Best Book in an Ongoing Series for 2009

Walking Dead, von Greg Rucka (Bantam)

nominiert

The Silent Hour, by Michael Koryta (Minotaur)

Shatter, von Michael Robotham (Doubleday)

The Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

Truth, von Peter Temple (Farrar, Straus and Giroux)

Jack Reacher Award (“given to an author who is someone we would recommend to everyone we meet and is also great to their fans and gives back to the mystery community”)

Val McDermid

(via The Rap Sheet)

 


TV-Tipp für den 20. Oktober: Wilsberg: Todesengel (und Jürgen Kehrer liest)

Oktober 20, 2010

ZDFneo, 21.00

Wilsberg: Todesengel (D 2005, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Jürgen Kehrer

LV: Jürgen Kehrer: Wilsberg isst vietnamesisch, 2001

Ermordet die gewissenhafte Frau Kentrup Rentner? Wilsberg ermittelt, während Freund Manni den Bau einer Seniorenresidenz überwacht und Kommissarin Springer am liebsten eine ruhige Kugel schieben möchte.

Witzig-ironischer Wilsberg-Krimi mit etlichen gelungenen Szenen und einer nicht sonderlich überraschenden Auflösung.

Störend ist das hölzerne Spiel von Caroline Peters (sie spielt Wilsbergs Auftraggeberin Susanne Diepenbrock).

Vollkommen unverständlich ist, weshalb „Wilsberg isst vietnamesisch“ im Abspann als Vorlage genannt wird. Denn die Story des Buches hat nichts mit dem Film zu tun und auch der Titel des Romans hat keinen Bezug zum Film.

„Todesengel“ ist der letzte Wilsberg-Krimi mit Heinrich Schafmeister als Manni. Sein Nachfolger ist Oliver Korittke. Er spielt einen Steuerprüfer.

Dieser Wilsberg knüpft nahtlos an den äußerst gelungenen vorherigen, etwas besseren Wilsberg „Schuld und Sühne“ an.

Mit Leonard Lansink, Heinrich Schafmeister, Rita Russek, Helmut Zierl, Bela B. Felsenheimer

Hinweise

ZDF über „Wilsberg“

Wikipedia über „Wilsberg“

Homepage von Jürgen Kehrer

Meine Besprechung von Jürgen Kehrers „Wilsberg und die dritte Generation“


Cover der Woche

Oktober 19, 2010


TV-Tipp für den 19. Oktober: Neues aus der Anstalt

Oktober 19, 2010

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Ein Bettenwechsel wird vollzogen. Georg Schramm will raus, Erwin Pelzig will rein, Helmut Schleich, Andreas Rebers und Jürgen Becker wollen nur schnell „Hallöchen“ sagen und wir dürfen darauf spekulieren, wer den ersten „Stuttgart 21“-Witz macht.

Hinweise

ZDF über „Neues aus der Anstalt“ (mit der Möglichkeit, in der Mediathek alte Folgen anzusehen)

Meine Besprechung von Georg Schramms „Lassen Sie es mich so sagen“


DVD-Kritik: „Der Ghostwriter“ – Roman Polanski ist zurück

Oktober 18, 2010

Ewan McGregor spielt, nach „Männer, die auf Ziegen starren“, wieder einen Schreiber. Und wieder stolpert er in eine Geschichte hinein, die er die meiste Zeit nur ungläubig staunend erlebt – und bei der Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit beabsichtigt sind. In der Komödie „Männer, die auf Ziegen starren“ war es die wahre Geschichte der us-amerikanischen Psycho-Soldaten und wie deren Ideen im „war on terror“ pervertiert wurden. In „Der Ghostwriter“ geht es ebenfalls um den „war on terror“ und um Tony Blair. Auch wenn Autor Robert Harris und Regisseur Roman Polanski im Bonusmaterial der DVD betonen, dass ihr britischer Premierminister Adam Lang nicht Tony Blair sei. Aber schon optisch erinnert Pierce Brosnan an Tony Blair. Und gute Polit-Thriller, wie „Der Ghostwriter“, verzerren die Wirklichkeit zur Kenntlichkeit, zeigen, was in den Hinterzimmern der Macht geschieht und regen zum Denken an.

Daher ist Roman Polanskis fulimanter Polit-Thriller „Der Ghostwriter“ viel mehr als ein billiges Blair-Bashing. In dem Film wird Adam Lang, wie Tony Blair, vorgeworfen, den Kampf der USA gegen den internationalen Terrorismus nach dem 11. September 2001 zu bedingungslos unterstützt und sich so auch wissentlich an Kriegsverbrechen beteiligt zu haben.

Neben der fast schon tagespolitisch aktuellen Filmgeschichte waren auf der Berlinale auch die persönlichen Probleme von Roman Polanski zwischen dem Dreh und der Premiere auf der diesjährigen Berlinale das Gesprächsthema Nummer 1. Aber schon jetzt interessiert das immer weniger.

(Daher eine kurze Zusammenfassung: Polanski stand in der Schweiz unter Hausarrest. Er sollte an die USA ausgeliefert werden, weil er 1977 eine Dreizehnjährige vergewaltigte. Er gestand damals die Tat und flüchtete nach Europa. Der Internationale Haftbefehl wurde dann sehr überraschend vollstreckt und die alte Geschichte wieder aufgewühlt. Dabei gab es auf der einen Seite von Künstlern viele Solidaritätserklärungen und auf der anderen Seite eine bigotte Aufregung, dass ein Kinderschänder für seine Taten bestraft werden müsse. Diese Aufregung wäre halbwegs nachvollziehbar, wenn Polanski sich in den vergangenen Jahrzehnten vor der Justiz versteckt hätte [tat er nicht] oder sein Privatleben einen wichtigen Bestandteil bei der Rezeption seiner Filme gespielt hätte [tat es nicht] oder er diesen Teil seines Lebens verschwiegen hätte [hatte er nicht; aus meiner Erinnerung erfuhr ich zuerst diese Geschichte und lernte danach seine Filme kennen]. Jedenfalls musst er den Endschnitt aus seinem Hausarrest machen und daher war es auch zunächst unklar, ob der Film fertig gestellt würde und und er zur Berlinale gezeigt werden könne.

Bei vielen Berlinale-Kritiken wurde dann auch ein Vergleich zwischen der Situation von Adam Lang und der von Roman Polanski, die sich in diesem Moment verdächtig glichen, gezogen und vermutet, dass Polanski deshalb „Der Ghostwriter“ drehen wollte. Das ist natürlich Unfug, weil Polanski bei den Vorbereitungen und dem Dreh nicht ahnen konnte, dass der Internationale Haftbefehl gegen ihn vollstreckt würde.

Soviel zur Historie und der Rezeption bei der Premiere.)

Schon mit etwas zeitlichem Abstand fällt auf, was für einen gelungenen Paranoia-Thriller Roman Polanski drehte und wie stark er an seine Meisterwerke, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpfte. Denn Polanski letzte Filme waren oft nicht unbedingt Filme, die man gesehen haben muss. Aber mit dem kammerspielartigem „Der Ghostwriter“ ist er wieder zurück.

Ewan McGregor spielt den namenlosen Ghostwriter, der nachdem sein Vorgänger im Meer ertrank, innerhalb weniger Wochen die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang schreiben soll. Der Ghostwriter hat keine Ahnung von Politik, aber viel Ahnung vom Schreiben verkäuflicher Biographien. Deshalb ist er der geeignete Mann, in Langs Haus auf der Insel Martha’s Vineyard zusammen mit Lang die Biographie zu schreiben. Die lange Reise verbringt er größtenteils schlafen (Aber im Gegensatz zu modernen Spielereien, in denen der Film dann den Traum des Helden erzählt, hält Polanski sich strikt an die Filmrealität. Polanski erzählt nämlich die Geschichte des politischen Erwachens des Ghostwriters.).

Auf der Insel darf der Ghostwriter das Manuskript nur in dem am Meer gelegenen Haus lesen. Als Lang als Kriegsverbrecher angeklagt wird, wittert der Ghostwriter einen guten Aufhänger für die Biographie. Außerdem beginnt er sich zu fragen, was sein Vorgänger in Langs Vergangenheit entdeckte, das zu seiner Ermordung führte. Und er fragt sich, ob er als nächster sterben soll.

Gleichzeitig fragt man sich, was für ein Bohei um Langs Memoiren gemacht wird. Das Manuskript darf nur in Langs Villa bearbeitet werden. Es wird immer in eine Schachtel gelegt, die im Schreibtisch eingesperrt wird, und es dürfen keine Kopien gemacht werden. Weil die meisten bekannten Politikermemoiren absolut harmlos sind und die Memoiren sowieso demnächst veröffentlicht werden sollen, ist das ein etwas seltsames Gebaren von Lang und seiner Vertrauten.

Es könnte also auch sein, dass der Ghostwriter nicht auf der Spur einer großen Verschwörung ist, wie J. J. Gittes in „Chinatown“, sondern sich langsam, wie Trelkovsky in „Der Mieter“, in eine ausgewachsene Paranoia und damit verbundene Wahnwelt hineinsteigert.

Diesen Zwiespalt löst Polanski erst in den letzten Minuten auf. Bis dahin liefert er perfektes, vielschichtiges Spannungskino, das von den Schauspielern, den Dialogen, dem gelungenen Spiel mit Andeutungen lebt.

Die DVD

Das Bonusmaterial ist zeitlich nicht so umfangreich, aber dafür sehr informativ und pointiert geschnitten. Laurent Bouzereau, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Features für DVDs erstellte, stellte die richtigen Fragen. Dabei gewährt er Robert Harris, der die Vorlage und, zusammen mit Polanski, das Drehbuch schrieb, erfreulich viel Zeit, um über die Hintergründe zum Roman und seiner Zusammenarbeit mit Roman Polanski zu erzählen. Auch Roman Polanski und die Schauspieler liefern interessante Einblicke in den Dreh und die Geschichte des Films.

Allerdings sollte das Bonusmaterial erst nach dem Film angesehen werden. Denn fasst alle Interviewten äußern sich zum Ende des Films.

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

DVD

Arthaus (Kinowelt)

Bild: 2,35:1 (anamorph)
Sprache: Deutsch, Englisch (5.1 DD), Deutsch (Stereo DD)
Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial „Der Ghostwriter: Die Besetzung“, „Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität?“, Interviews mit Ewan McGregor, Olivia Williams, Pierce Brosnan, Robert Harris und Roman Polanski; Fotogalerie; Trailer; Wendecover

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Ghostwriter“ (aka The Ghost“ von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu „Der Ghostwriter“ (12. Februar 2010)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Mr. Brooks – Der Mörder in dir

Oktober 17, 2010

ZDF, 22.15

Mr. Brooks – Der Mörder in dir (USA 2007, R.: Bruce A. Evans)

Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon

Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.

Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.

„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)

Weil der Film „frei ab 18 Jahre“ (Keine Ahnung warum.) ist, dürfte eine gekürzte Fassung laufen.

mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth

Hinweise

Drehbuch „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans und Raynold Gideon

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mr. Brooks“

„Mr. Brooks“ in der Kriminalakte (zum Kinostart)

Nachtrag (22. Oktober 2010): Schnittberichte dokumentiert die vom ZDF gemachten Schnitte (fast 3 Minuten).


Preisregen auf der Bouchercon 2010: Anthony Award, Shamus Award, Barry Award, Macavity Award

Oktober 17, 2010

Ohne große Vorrede: die Gewinner der verschiedenen dieses Jahr auf der Bouchercon verliehenen Krimipreise:

Die Anthony Awards

Best Novel

The Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

nominiert

The Last Child, von John Hart (Minotaur)

The Mystic Arts of Erasing All Signs of Death, von Charlie Huston (Ballantine Books)

The Girl Who Played with Fire, von Stieg Larsson (Quercus/Knopf)

The Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

Best First Novel

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

nominiert

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

The Ghosts of Belfast (aka The Twelve), von Stuart Neville (Soho Press/Harvill Secker)

In the Shadow of Gotham, von Stefanie Pintoff (Minotaur)

Best Paperback Original

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

nominiert

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Tower, von Ken Bruen und Reed Farrel Coleman (Busted Flush Press)

Quarry in the Middle, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

Death and the Lit Chick, von G.M. Malliet (Midnight Ink)

Air Time, von Hank Phillippi Ryan (Mira)

Best Short Story

“On the House” von Hank Phillippi Ryan (aus Quarry: Crime Stories von New England)

nominiert

“Last Fair Deal Gone Down” von Ace Atkins (aus Crossroad Blues; Busted Flush Press)

“Femme Sole” von Dana Cameron (aus Boston Noir, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic Books)

“Animal Rescue” von Dennis Lehane (Boston Noir)

“Amapola” von Luis Alberto Urrea (aus Phoenix Noir, herausgegeben von Patrick Millikin; Akashic Books)

Best Critical Non-fiction Work

Talking About Detective Fiction, von P.D. James (Bodleian Library/Knopf)

nominiert

The Line Up: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Little, Brown)

Haunted Heart: The Life and Times of Stephen King, von Lisa Rogak (Thomas Dunne Books)

Dame Agatha’s Shorts: An Agatha Christie Short Story Companion, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

The Talented Miss Highsmith: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith, von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)

Die Shamus Awards, verliehen von den Private Eye Writers of America

Best Hardcover P.I. Novel

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

nominiert

The Silent Hour, von Michael Koryta (Minotaur)

Where the Dead Lay, von David Levien (Doubleday)

Schemers, von Bill Pronzini (Forge)

My Soul to Take, von Yrsa Sigurdardottir (William Morrow)

Best First P.I. Novel

Faces of the Gone, von Brad Parks (Minotaur)

nominiert

Loser’s Town, von Daniel Depp (Simon & Schuster)

The Last Gig, von Norman Green (Minotaur)

The Good Son, von Russel D. McLean (Minotaur)

Chinatown Angel, von A.E. Roman (Minotaur)

Best Paperback Original P.I. Novel

Sinner’s Ball, von Ira Berkowitz (Three Rivers Press)

nominiert

Dark Side of the Morgue, von Raymond Benson (Leisure)

Red Blooded Murder, von Laura Caldwell (Mira)

Vengeance Road, von Rick Mofina (Mira)

Body Blows, von Marc Strange (Dundurn)

Best P.I. Short Story

“Julius Katz” von Dave Zeltserman (Ellery Queen Mystery Magazine, September/October 2009)

nominiert

“The Dark Island” von Brendan DuBois (aus Boston Noir, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic)

“Deadline Edition” von S.L. Franklin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, April 2009)

“Blazin’ on Broadway” von Gary Phillips (aus Phoenix Noir, herausgegeben von Patrick Millikin; Akashic)

“Suicide Bonds,” von Tim L. Williams (Ellery Queen Mystery Magazine, March/April 2009)

Lifetime Achievement Award

Robert Crais

Die Barry Awards

Best Novel

The Last Child, von John Hart (Minotaur)

nominiert

The Gates, von John Connolly (Atria)

The Hidden Man, von David Ellis (Putnam)

Spade & Archer, von Joe Gores (Knopf)

Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

Best First Novel

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

nominiert

Beat the Reaper, von Josh Bazell (Little, Brown)

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

Black Water Rising, von Attica Locke (Harper)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

Best British Novel

If the Dead Rise Not, von Philip Kerr (Quercus)

nominiert

Awakening, von S. J. Bolton (Bantam Press)

The Lovers, von John Connolly (Hodder & Stoughton)

Midnight Fugue, von Reginald Hill (HarperCollins)

Still Midnight, von Denise Mina (Orion)

The Ignorance of Blood, von Robert Wilson (HarperCollins)

Best Paperback Original

Starvation Lake, von Bryan Gruley (Touchstone)

nominiert

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Quarry in the Middle, von Max Allan Collins (Hard Case Crime)

The Weight of Silence, von Heather Gutenkauf (Mira)

Fatal Lies, von Frank Tallis (Mortalis)

The Herring-Seller’s Apprentice, von L.C. Tyler (Felony & Mayhem)

Best Thriller

Running from the Devil, von Jamie Freveletti (Morrow)

nominiert

No Survivors, von Tom Cain (Viking)

The Gray Man, von Mark Greaney (Jove)

Columbus, von Derek Haas (Pegasus)

House Secrets, von Mike Lawson (Atlantic Monthly)

Walking Dead, von Greg Rucka (Bantam)

Mystery/Crime Novel of the Decade

The Girl with the Dragon Tattoo, von Stieg Larsson (Knopf)

nominiert

The Guards, von Ken Bruen (Minotaur)

The Lincoln Lawyer, von Michael Connelly (Little, Brown)

Mystic River, von Dennis Lehane (Morrow)

Still Life, von Louise Penny (Minotaur)

The Shadow of the Wind, von Carlos Ruiz Zafón (Penguin Press)

Best Short Story

“The High House Writer” von Brendan DuBois (AHMM, July-August 2009)

nominiert

“My Mother’s Keeper” von Barbara Callahan (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], June 2009)

“Erin’s Journal” von David Dean (EQMM, December 2009)

“Real Men Die” von John H. Dirckx (Alfred Hitchcock Mystery Magazine [AHMM], September 2009)

“A Hollywood Ending” von Melodie Johnson Howe (EQMM, July 2009)

“Hard Blows” von Morley Swingle (from The Prosecution Rests: New Stories About Courtrooms, Criminals, and the Law, herausgegeben von Linda Fairstein; Little, Brown)

Don Sandstrom Award for Literary Achievement in Mystery Fandom

Len & June Moffatt

Captain Bob Napier

Die Macavity Awards

Best Mystery Novel

Tower, von Ken Bruen and Reed Farrel Coleman (Busted Flush Press)

nominiert

Bury Me Deep, von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Necessary as Blood, von Deborah Crombie (William Morrow)

Nemesis, von Jo Nesbø (HarperCollins)

The Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

The Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

Best First Mystery Novel

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

nominiert

Running from the Devil, von Jamie Freveletti (William Morrow)

A Bad Day for Sorry, von Sophie Littlefield (Minotaur)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho Crime)

A Beautiful Place to Die, von Malla Nunn (Picador)

Best Mystery Non-Fiction

Talking About Detective Fiction, von P.D. James (Alfred A. Knopf)

nominiert

L.A. Noir: The Struggle for the Soul of America’s Most Seductive City, von John Buntin (Random House: Harmony Books)

Rogue Males: Conversations & Confrontations About the Writing Life, von Craig McDonald (Bleak House Books)

The Line Up: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Little, Brown & Company)

Provenance: How a Con Man and a Forger Rewrote the History of Modern Art, von Laney Salisbury and Aly Sujo (Penguin Press)

Dame Agatha’s Shorts: An Agatha Christie Short Story Companion, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

Best Mystery Short Story

“On the House” von Hank Phillippi Ryan in Quarry: Crime Stories von New England Writers (Level Best Books)

nominiert

“Last Fair Deal Gone Down” von Ace Atkins in Crossroad Blues (Busted Flush Press)

“Femme Sole” von Dana Cameron in Boston Noir (Akashic Books)

“Digby, Attorney at Law” von Jim Fusilli (AHMM, May 2009)

“Your Turn” von Carolyn Hart in Two of the Deadliest (Harper)

“The Desert Here and the Desert Far Away” von Marcus Sakey in Thriller 2: Stories You Just Can’t Put Down (Mira)

“Amapola” von Luis Alberto Urrea in Phoenix Noir (Akashic Books)

Sue Feder Historical Mystery

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

nominiert

In the Shadow of Gotham, von Stefanie Pintoff (Minotaur)

A Duty to the Dead, von Charles Todd (William Morrow)

Serpent in the Thorns, von Jeri Westerson (Minotaur)

Among the Mad, von Jacqueline Winspear (Henry Holt)

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!

Einige Bücher sind schon übersetzt (Ich bin jetzt zu faul, die deutschen Titel herauszusuchen), einige werden noch übersetzt und einige liegen auf meinem Zu-Lesen-Stapel (und werden dann auch gebührend besprochen).

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 17. Oktober: In der Glut des Südens

Oktober 17, 2010

SWR, 23.35

In der Glut des Südens (USA 1978, R.: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

USA 1916: Nach einem tödlichen Streit in einer Fabrik fliehen Bill und seine Freundin Abby aus Chicago in den Süden. Dort verliebt sich der reiche, todkranke Farmbesitzer in Abby und Bill wittert das Geschäft seines Lebens.

Selten gezeigtes, beeindruckend gefilmtes Südstaatendrama von Terrence Malick, der bereits mit seinem Debüt „Badlands“ einen Klassiker schuf und nach „In der Glut des Südens“ sich zwanzig Jahre aus Hollywood zurückzog. Mit dem poetischen Kriegsfilm „The Thin Red Line“ (ein starbesetztes Stück Kino, das man entweder liebt oder todsterbenslangweilig findet) kehrte er 1998 zurück.

Kameramann Nestor Almendros erhielt für seine Bilder einen Oscar.

Ennio Morricone schrieb die Musik.

mit Richard Gere, Brooke Adams, Sam Shepard, Linda Manz, Stuart Margolin

Wiederholung: Montag, 18. Oktober, 02.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „In der Glut des Südens“ (deutsch, englisch) und über Terrence Malick (deutsch, englisch)

Slant Magazine: Nick Schager über „Days of Heaven“ („greatest film ever made“, 22. Oktober 2007)


Ein bisschen Serienmord – oder „Schnittstellen“ in der „Killer/Culture“

Oktober 16, 2010

Schon der Titel „Killer/Culture“ des von Stefan Höltgen und Michael Wetzel herausgegebenen Sammelbandes über eine wissenschaftliche Tagung zum „Serienmord in der populären Kultur“ regt zum Nachdenken an. Dass in einer Tagung, vor allem wenn es eine eintägige Kurztagung mit fünf Wissenschaftlern und einem Künstler ist, und einem darauf basierendem Buch mit dreizehn Aufsätzen nur einige Punkte des Forschungsfeldes angerissen werden, dürfte jedem intuitiv einleuchten.

Daher ist „Killer/Culture“ als erste deutschsprachige, wissenschaftliche Bestandsaufnahme, trotz aller Kritik, eine gewinnbringende Lektüre. Dass die meisten Aufsätze sich mit dem Film beschäftigen ist, angesichts der Bedeutung von Filmen in der populären Kultur und der weltweiten Verständlichkeit (vor allem wenn die Filme synchronisiert werden), nachvollziehbar. Auch der von den überwiegend jungen Autoren gewählte Fokus auf aktuelle Entwicklungen und Werke ist aus dem gleichen Grund nachvollziehbar. Darunter leidet allerdings die historische Betrachtung von frühen Serienmörderfilmen (wie „The Lodger“/“Der Mieter“ und „M – Eine Stadt sucht den Mörder“), Liedern und Romanen. Ebenso wird nicht auf die schon immer vorhandene Popularität von Verbrechern und Serienmördern in der amerikanischen Popkultur eingegangen, die einen Erklärungsansatz für den Erfolg der Gangstersaga „The Sopranos“ (ein Mafiosi als Held), der Polizeiserie „The Shield“ (ein korrupter Cop als Held) und der Polizeiserie „Dexter“ (ein Serienmörder als Held; – und keiner dieser Helden hat, weil er seine Gemeinschaft beschützt, ein übermäßig schlechtes Gewissen) bietet. Denn diese Serien waren und sind in den USA Hits und hier Flops. Der Unterschied in den Sehgewohnheiten zwischen Amerika (und auch England) und Deutschland wäre deshalb eine eigene Betrachtung wert.

Hendrik Seither konzentriert sich in seinem Aufsatz über „Dexter“ auf den Aspekt der Wiederholung in der Serie und der Ritualisierung bei einem Serienmörder. Das ist wissenschaftlich in Ordnung, ignoriert aber die Produktionsbedingungen von TV-Serien, deren Kennzeichen ist, dass sie jede Woche das gleiche, aber anders liefern, und dass in einer TV-Serie innerhalb der ersten Minuten alle wichtigen Elemente für die kommenden Folgen etabliert werden. Das gilt für jede Serie.

Joachim Linder analysiert die beiden Romane „Tannöd“ und „Kalteis“ von Andrea Maria Schenkel und kommt zu dem zutreffendem Ergebnis: „Im Grunde lassen die beiden Texte alles beim Alten. Die Risikobereitschaft, die sich in der erzählerischen Präsentation auf genreuntypische Weise andeutet, findet in den Deutungsperspektiven keine Entsprechung. Darin mag man den Hauptgrund für den Erfolg sehen.“

Ivo Ritzer bespricht einige Songs über Serienmörder, Stefan Höltgen skizziert knapp und informativ das Verhältnis von Serienmördern und Videospielen von 1983 bis heute und Stephan Harbort bietet eine Kurzfassung seiner in zahlreichen Sachbüchern publizierten Arbeit über die wahren Serienmörder.

Die anderen Aufsätze befassen sich, teils in einzelnen Filmanalysen oder Überblicksartikeln, mit verschiedenen Aspekten des Phänomens Serienmörder in Spielfilmen. Es gibt Analysen von „Peeping Tom“ und „Se7en“. Michaela Wünsch thematisiert in ihrem aufgrund des überbordenden wissenschaftlichen Jargons sehr schwer zu lesendem Aufsatz anhand der „Halloween“-Filme den Serienmörder als Herrensignifikant und wendet die whiteness-Forschung auf die Filmanalyse an.

Christian Hoffstadt bleibt mit seinem „Zum Tod lachen“ eher im anekdotischen stecken, weil er sich zu sehr auf neue Filme zum Thema, wie „Scream“ und „Mann beißt Hund“, konzentriert, und auf Klassiker, wie „Arsen und Spitzenhäubchen“ (die beiden alten Damen haben ein beeindruckendes Sündenregister), verzichtet.

Oliver Nöding zeigt anhand einiger 80-er Jahre Actionfilme, wie sich in dem Genre in diesem Jahrzehnt ein tiefgreifender Wandel vollzog. Denn die neuen Serienmörderfilme haben nichts mit den alten Action-Filmen und den Macho-Helden zu tun: „Es wird recht deutlich sichtbar, dass der ‚Siegeszug‘ des Serienmörderfilms und der Niedergang des Actionfilms Hand in Hand gingen. (…) Der Actionfilm der 1980er zelebrierte ein Kino der Körperlichkeit: Doch im Konflikt mit dem Serienmörder musste diese Körperlichkeit letztlich vor dem Geist kapitulieren.“

Marcus Stiglegger nimmt diesen Faden auf, indem er sich dem Serienmörder als dunklem, amoralischem Souverän im zeitgenössischen Thriller (mehr) und Horrorfilm (viel weniger) widmet und mit „Untraceable“ im World Wide Web landet. In der zweiten Hälfte seines Aufsatzes widmet er sich Col. Kurtz und „Apocalypse Now“, der schon 1979 die Zuschauer verführte.

Roland Seim verknüpft in seiner Analyse der „The Texas Chainsaw Massacre“-Horrorfilmen und ihrer Wirkung auf das Genre mit der deutschen Zensurgeschichte, die derzeit ihren traurig-absurden Höhepunkt erlebt. Denn weil Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ in Deutschland verboten ist, gibt es derzeit keine Möglichkeit, ihn legal ungekürzt zu veröffentlichen. Dass das eine unbefangene Diskussion über den Film erschwert, muss wahrscheinlich nicht besonders erwähnt werden.

Insgesamt werden alle, die sich schon länger für Serienmörder in der populären Kultur interessieren, in dem umfangreichen Buch (die Seitenzahl täuscht) wenig neues erfahren, aber einige Anregungen zum Nachdenken finden. Einsteiger dürften in „Killer/Culture“, vor allem bei den Einzelanalysen, teilweise Probleme mit dem für einen Tagungsband unvermeidlichen wissenschaftlichen Duktus (ich sage nur „Herrensignifikanten“) haben. Für die deutschsprachige Wissenschaft ist „Killer/Culture“ allerdings ein sehr guter Aufschlag, der nach einigen weiteren Studien verlangt.

Mit „Schnittstellen – Serienmord im Film“ (Schüren) hat Stefan Höltgen, einer der beiden Herausgeber von „Killer/Culture“, bereits eine erste Lücke geschlossen. Es ist die fein illustrierte, überarbeitete Buchausgabe seiner Dissertation, die anhand 37 ausgewählter Filme zeigt, wie sich das Bild des Serienmörders im Film von 1924 („Das Wachsfigurenkabinett“) bis 2004 („The last horror movie“) veränderte. Bei den vorgestellten Filmen rekonstruiert Höltgen auch immer die damaligen und, wenn nötig, späteren Diskurse und Verbotsbeschlüsse zu den einzelnen Filmen. So entsteht auch eine kleine Kultur- und Sittengeschichte des Films, in der einige zeitgenössische Bewertungen aus heutiger Sicht verwundern und einige Vorwürfe wurden immer wieder gegen Serienmörderfilme erhoben.

Stefan Höltgen/Michael Wetzel (Hrsg.): Killer/Culture – Serienmord in der populären Kultur

(Medien/Kultur 1)

Bertz + Fischer, 2010

160 Seiten

19,90 Euro

enthält

Michael Wetzel: M. O. R. D. – Die unberechenbare Größe

Joachim Linder: Männer, die morden – Zu zwei Romanen von Andrea Maria Schenkel

Manfred Riepe: Wenn Blicke töten – Anmerkungen zu Michael Powells ‚Peeping Tom‘

Michaela Wünsch: Sehen – Toten – Ordnen – Der Serienkiller in der Funktion des Herrensignifikanten

Marcus Stiglegger: Der dunkle Souverän – Zur Faszination des allmächtigen Serial Killers im zeitgenössischen Thriller und Horrorfilm

Stephan Harbort: Wie entkommt man einem Serienmörder?

Hendrik Seither: Die Serialität des Tötens – Zur Homologie zwischen Serienmord und Fernsehserie am Beispiel ‚Dexter‘

Ivo Ritzer: Hip to Be Square – Serienmörder in der Pop-Musik

Arno Meteling: Eine Poetik der Liste – Serienmord und Apokalypse in David Finchers ‚Se7en‘

Oliver Nödling: Krankheit und Heilmittel – Die Serienmörder im Actionfilm der 1980er Jahre

Christian Hoffstadt: Zum Tod lachen?

Roland Seim: Schnitt-Stellen – Die Zensurgeschichte des Serienmörderfilms in Deutschland am Beispiel von ‚The Texas Chainsaw Massacre‘

Stefan Höltgen: Killer-Spiele – Serienmord und Serienmörder im Videospiel

Stefan Höltgen: Schnittstellen – Serienmord im Film

Schüren, 2010

420 Seiten

29,90 Euro

Hinweise

Bertz + Fischer über „Killer/Culture“

Schüren über „Schnittstellen

Homepage/Blog von Michael Wetzel

Homepage/Blog von Stefan Höltgen

Blog „F-lm“ von Stefan Höltgen und anderen


TV-Tipp für den 16. Oktober: James Bond – Moonraker

Oktober 16, 2010

Kabel 1, 20.15

JAMES BOND: Moonraker – Streng geheim (GB 1979, R.: Lewis Gilbert)

Drehbuch: Christopher Wood

LV: Ian Fleming: Moonraker, 1955 (Mondblitz)

Buch zum Film: Christopher Wood: James Bond and Moonraker, 1979 (Moonraker – Streng geheim)

Der stinkreiche Hugo Drax hält wenig von seinen Mitmenschen. Deshalb will er sie umbringen und mit einigen Auserwählten einen neuen Start machen. James Bond macht ihm einen Strich durch die Rechnung.

Natürlich hat der Film mit dem Buch eigentlich nichts mehr gemeinsam und das Ende – im Orbit – ist – auch heute – reinste Zukunftsmusik. Aber die bekannten Bond-Elemente wurden locker-flockig über den Globus verteilt. Das Ergebnis ist eine vergnügliche Mischung aus Action, leichtbekleideten Frauen, Witzen und einem glänzend aufgelegten Roger Moore. „Moonraker“ ist einer der guten Moore-Bonds.

Mit Roger Moore, Lois Chiles, Michael Lonsdale, Richard Kiel, Corinne Clery

Wiederholung: Sonntag, 17. Oktober, 17.55 Uhr

Hinweis

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)


Parnell Hall will King of Kindle werden

Oktober 15, 2010

Krimiautor Parnell Hall hat ein neues Musikvideo veröffentlicht:

Viel Spaß beim Erraten der auftretenden Krimiautoren und der Bildzitate.


TV-Tipp für den 15. Oktober: Vom Ende der Eiszeit

Oktober 15, 2010

Arte, 20.15

Vom Ende der Eiszeit (D 2006, R.: Friedemann Fromm)

Drehbuch: Christian Jeltsch

LV: Horst Bieber: Schnee im Dezember, 1990

Nach zwölf Jahren wird die Leiche von Lena Jörnings Schwester gefunden. Zwei Großstadtpolizisten beginnen in der Provinz zu ermitteln.

Schön, dass ein Buch von Horst Bieber verfilmt wird. Nicht schön, dass bereits im Pressematerial steht „nach Motiven von“ und dass in den meisten Ankündigungen Biebers Roman verschwiegen wird.

Aber das ist nach der Inhaltsangabe auch nicht weiter wild. Denn Biebers Buch erzählt eine ganz andere Geschichte. Christian Jeltsch meint im Presseheft dazu: „Die frostige Atmosphäre in dem Roman hatte mich sofort angesprochen. Weniger dagegen die Story, die ich völlig neu gestaltet habe, wie auch den Titel. Und aus einer Nebenfigur bei Bieber habe ich meine Hauptfigur, die Polizistin Lena Jörning, entwickelt.“

Hm, und warum wird dann ein Buch als Vorlage genommen, wenn doch alles verändert wird?

Der Film selbst ist gut, aber halt keine Romanverfilmung.

Mit Veronica Ferres, August Schmölzer, Detlev Buck, Martin Feifel

Hinweise

Pressemappe zu „Vom Ende der Eiszeit“

Meine Besprechung von Horst Biebers „Sein letzter Tresor“

Meine Besprechung von Horst Biebers „Anna verschwindet“


Kurzkritik: James Sallis „Dunkle Vergeltung“

Oktober 14, 2010

„Dunkle Vergeltung“, der zweite Turner-Roman von James Sallis, beginnt wie ein gewöhnlicher Krimi. Nachdem Turner, der inzwischen in dem ruhigen, in der Nähe von Memphis gelegenem Kaff, in dem er schon in „Dunkle Schuld“ als zurückgezogener Eremit lebte, als Sheriff arbeitet, von einem Gefangenentransport zurückkehrt, erfährt er, dass sein Kollege Don Lee einen betrunkenen Autofahrer verhaftet hat. Im Kofferraum seines Mustangs entdecken sie eine Sporttasche mit zweihunderttausend Dollar. Kurz darauf wird der Gefangene befreit, Don Lee dabei schwer verletzt und Turner, der glaubt, dass der Flüchtling ein Geldkurier für die Mafia ist, macht sich auf den Weg nach Memphis.

Diesen Krimiplot entkernt James Sallis in „Dunkle Vergeltung“ immer mehr. Dagegen rücken, noch mehr als im ersten Turner-Roman, der Ich-Erzähler Turner, seine Freunde und das Leben im ländlichen Amerika in den Mittelpunkt. Im dritten und letzten Turner-Roman „Salt River“ wird der Krimiplot noch unwichtiger. Dafür gibt es noch tiefere Einblicke in Turners pessimistische Weltsicht.

Ein feiner Roman für alle, die Kriminalroman nicht mit Detektivgeschichte übersetzen.

James Sallis: Dunkle Vergeltung

(übersetzt von Kathrin Bielfeldt und Jürgen Bürger)

Heyne, 2010

240 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

Cripple Creek

Walker Publishing Company, 2006

Hinweise

Homepage von James Sallis

Thrilling Detective über Turner

Eindrücke vom Berlin-Besuch von James Sallis

Meine ‘Besprechung’ von James Sallis’ „Deine Augen hat der Tod“ (Death will have your eyes, 1997)

Meine Besprechung von James Sallis’ „Driver“ (Drive, 2005)

Meine Besprechung von James Sallis‘ „Dunkle Schuld“ (Cypress Groove, 2003)


TV-Tipp für den 14. Oktober: Jesse Stone: Alte Wunden

Oktober 14, 2010

ZDF, 00.35

Jesse Stone: Alte Wunden (USA 2007, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: Ronni Kern

LV: Robert B. Parker: Sea Change, 2006

Ex-Großstadtcop Jesse Stone langweilt sich in der malerischen Kleinstadt Paradise. Also rollt er einen 15 Jahre alten Mordfall wieder auf.

Vierter Jesse-Stone-TV-Krimi, der das Niveau der vorherigen Stone-Filme hält: gutes altmodisches Schauspielerkino, das vom ZDF (wie die vorherigen Stone-Filme) zu einer indiskutablen Uhrzeit ausgestrahlt wird.

Tom Selleck erhielt für seine Darstellung von Jesse Stone eine Emmy-Nominierung

mit Tom Selleck, Viola Davis, William Devane, Kathy Baker, William Sadler, James Gammon, Saul Rubinek

Wiederholungen

Sonntag, 17. Oktober, ZDFneo, 20.15 Uhr

Montag, 18. Oktober, ZDFneo, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte