Ich habe keine Ahnung, ob die folgenden 530 Seiten das Versprechen der ersten Zeilen halten können, aber das erste Kapitel von Joe Hills neuem Roman „Teufelszeug“ (Horns) ist grandios:
Ignatius Martin Perrish hatte die ganze Nacht lang gesoffen und fürchterliche Dinge getan. Am nächsten Morgen erwachte er mit Kopfschmerzen und fasste sich an die Schläfen. Dort spürte er etwas Fremdartiges – zwei gebogene, spitze Auswüchse. Ihm war so übel, dass er sich im ersten Moment nichts dabei dachte.
Erst als er schwankend vor der Toilette stand und sein Blick auf den Spiegel über dem Waschbecken fiel, sah er, dass ihm im Schlaf Hörner gewachsen waren. Bestürzt taumelte er einen Schritt zurück, und zum zweiten Mal innerhalb von zwölf Stunden pinkelte er sich auf die Füße.
Später bemerkt Ig Perrish, dass er, wenn er jemand berührt, deren dunkelsten Geheimnisse und verborgensten Gelüste kennt. Mit dieser Gabe will er den Mörder von seiner großen Liebe Merrin finden.
Joe Hill ist der Sohn von Stephen King (Ja, genau dem Stephen King.). Seine Romane und Kurzgeschichten waren für den Bram Stoker Award (auch gewonnen), den World Fantasy Award und Macavity Award nominiert. Oh, und Comics schreibt er auch. Und eine TV-Serie ist für nächstes Jahr geplant.
Morgen, am Dienstag, den 5. Oktober, um 20.00 Uhr stellt Joe Hill seinen druckfrischen Roman „Teufelszeug“ in der Otherland-Buchhandlung (Bergmanstraße 25, Berlin [feiner Laden, der zu hemmungslosen Kaufexzessen verführt]) vor. Übersetzer und Ladeninhaber Hannes Riffel wird die deutschen Teile lesen und Buchlektor Andy Hahnemann wird durch den Abend führen.
Drehbuch: Howard Gordon, Evan Katz, Manny Coto, Brannon Braga
Erfinder: Joel Surnow, Robert Cochran
Heute beginnt der achte und letzte Tag für Jack Bauer. In New York will er einen Anschlag auf die Nahost-Friedensverhandlungen verhindern.
Neue Stadt, neuer Sendetermin, neuer Sender (?), altes Programm: trotz aller Mäkeleien gibt es in den kommenden zwölf Wochen (yep, es gibt wieder Doppelfolgen) ein sattes Brett Action und Polit-Thriller.
Vor allem weil Pro 7 um 21.15 mit „Human Target“ den Action-Abend startet.
mit Kiefer Sutherland, Mary Lynn Rajskub, Anil Kapoor, Mykelti Williamson, Katee Sackhoff, Freddie Prinze Jr., Cherry Jones, Elisha Cuthbert
Sin City (USA 2005, R.: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])
Drehbuch: Frank Miller
LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])
Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.
Heute läuft nicht die Kinofassung, sondern die etwas längere „Recut & Extended“-Version, mit einer Betonung auf „Recut“.
Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood
Stephen J. Cannell war als Autor und Produzent einer der wichtigsten TV-Macher der letzten Jahrzehnte. Seine erste wichtige Arbeit war „Detektiv Rockford“. Später, vor allem in den Achtzigern, kamen etliche weitere langlebige Serien, wie „Trio mit vier Fäusten“, „Hunter“, „Hardcastle & McCormick“, „Das A-Team“, „Stingray“ und „21 Jump Street – Tatort Klassenzimmer“, dazu. Danach wurde es etwas „ruhiger“. Denn der Workaholic trat auch als Schauspieler vor die Kamera und schrieb etliche Thriller. Und er erfand, produzierte und schrieb weitere Krimiserien, wie „Der Polizeichef – Eis im Blut“, „Renegade – Gnadenlose Jagd“ und „Palm Beach Duo“. Außerdem gehen einige TV-Filme und viele kurzlebige Serien, die teilweise düsterer oder ironischer (Was bei dem Erfinder von Jim Rockford etwas heißen will.) waren, auf sein Konto. Bei all der Arbeit fand er trotzdem Zeit, sich immer wieder für ein Pokerspiel mit Rick Castle zu treffen.
Er starb am 30. September in Pasadena, Kalifornien, in seiner Wohnung. Er hatte Krebs (wer’s genau wissen will: er hatte Melanom, auch bekannt als Schwarzer Hautkrebs, und es gab Komplikationen).
Wer seine Zeit nicht mit „Wetten, dass…?“, „Das Supertalent“, „Made in Germany – ein Wirtschaftsmärchen“, den „Kastelruther Spathen“ oder der „Königin von Honolulu“ (Ähem, Ohnsorg-Theater) verbringen will, kann über „Leben und sterben lassen“ nachdenken:
Kabel 1, 20.15
JAMES BOND: Leben und sterben lassen (GB 1973, R.: Guy Hamilton)
Drehbuch: Tom Mankiewicz
LV: Ian Fleming: Live and let die, 1954 (Leben und sterben lassen)
In Ian Flemings zweitem Bond-Roman finanziert Mr. Big mit Goldmünzen aus einem Piratenschatz die sowjetische Spionage in den USA. In der Karibik kommt es zum abschließenden Kampf zwischen Mr. Big und Bond.
Im Film will Mr. Big die USA mit Heroin überschwemmen.
Der Action-Höhepunkt in Roger Moores erstem Auftritt als James Bond ist ein Bootsrennen in Louisiana. Der Film ginge als netter Agententhriller durch, wenn da nicht der Bösewicht und, damit verbunden, die unerträgliche Zeichnung der Afroamerikaner als eine Horde degenerierter Krimineller wäre. In dem Magazin „Time“ wurde Bond deshalb – zu Recht – ein „rassistisches Schwein“ genannt.
Im Anschluss läuft „James Bond: Der Mann mit dem goldenen Colt“.
Seine Schauspielerkarriere begann in den späten Vierzigern mit kleinen Nebenrollen. Zum Beispiel in Robert Siodmaks Noir „Gewagtes Alibi“ (Criss Cross, 1949, mit Burt Lancaster). Seine bekannteste Rolle dürfte in Billy Wilders Komödie „Manche mögen’s heiß“ (Some like it hot, 1959) die von Joe/Josephine gewesen sein.
Davor spielte Curtis eine Hauptrolle in dem Drama „Flucht in Ketten“ (The defiant ones, 1958), das vor allem deshalb bekannt ist, weil ein weißer und ein afroamerikanischer Sträfling aneinandergekettet in die Freiheit flüchten. Stanley Kramers Film war ein Statement zur Versöhnung der Rassen. In „Der Frauenmörder von Boston“ (The Boston Strangler, 1968) überzeugte der Frauenschwarm auch als Schauspieler. Danach gehörte er zum Ensemble der TV-Krimiserien „Die 2“ (The Persuaders!, 1971/1972) und „Vegas“ (1978-1981).
Arthur Penn (27. September 1922 – 28. September 2010)
Arthur Penn erlebte seine Kindheit und Jugend als Sohn jüdischer Eltern in Philadelphia und New York. 1944 war er als Infanterist bei der Ardennen-Schlacht dabei und diese Erfahrungen von Gewalt und Tod prägten ihn. Seine ersten Sporen im Filmgeschäft verdiente er sich von 1951 bis 1958, wie John Frankenheimer, Sidney Lumet und George Roy Hill, im Fernsehen, als alle Sendungen (wozu auch fiktionale Programme gehörten) noch live inszeniert wurden. Seinen ersten Spielfilm inszenierte er 1958: „Einer muss dran glauben“/“Billy the Kid“ (The left-handed gun) mit Paul Newman in der Hauptrolle und der Western wurde ein kleiner Klassiker. Seine bekanntesten Filme sind die Schlag auf Schlag aufeinander folgenden Klassiker „Bonnie und Clyde“ (Bonnie and Clyde, 1967), „Alices Restaurant“ (Alice’s Restaurant, 1969), „Little Big Man“ (1970) und, nach einer fünfjährigen Pause, „Die heiße Spur“ (Night Moves, 1975). „Duell am Missouri“ (The Missouri breaks, 1976) wurde damals zu unrecht verrissen und auch seine späteren Filme „Vier Freunde“ (Four Friends, 1981), „Target – Zielscheibe“ (Target, 1985) und „Tod im Winter“ (Dead of winter, 1987), auch wenn sie nicht mehr den gesellschaftlichen Einfluss seiner früheren Filme hatten, sind sehenswert. In seinen Filmen ging es immer um das Verhältnis von Außenseitern (mit denen er sympathisierte) zur Gesellschaft, zu seinem Land und zur Gewalt.
Erst aus der aktuellen epd-Film habe ich erfahren, dass Alain Corneau bereits vor über einem Monat gestorben ist. Corneau begann als Regieassistent und Filmfan, vor allem des französischen und amerikanischen Kinos. Fritz Lang und Don Siegel waren seine Vorbilder und er war, wenig erstaunlich, auch ein Jazzfan. Sein erstes Filmprojekt war eine Verfilmung von Jim Thompsons „Pop. 1280“ (1280 schwarze Seelen). Sein Kollege Bertrand Tavernier verfilmte den Roman 1981 als „Coup de torchon“ (Der Saustall).
Corneau gab 1974 sein Spielfilmdebüt mit „France société anonyme“ (Tödlicher Markt). Danach drehte er, meistens mit Yves Montand als Hauptdarsteller, einige der besten französischen Kriminalfilme: „Police Python 357“ (1976), „La menace“ (Lohn der Giganten/Die Bedrohung, 1977), „Serié Noire“ (1979, nach Jim Thompsons „A hell of a woman“), „Le choix des armes“ (Wahl der Waffen, 1981) und „Le môme“ (Blues Cop, 1986). Danach folgten, ebenfalls erfolgreich, Filme in anderen Genres: „Fort Saganne“ (1984), „Nocturne indien“ (Nächtliches Indien, 1989) und „Tous les matins du monde“ (Die siebente Saite, 1992). In den vergangenen Jahren wandte er sich mit „Le deuxième souffle“ (2007; José Giovannis Roman wurde bereits 1966 von Jean-Pierre Melville verfilmt) und „Crime d’amour“ (2010) wieder dem Kriminalfilm zu. Beide Filme wurden bislang, abgesehen von Festivals, noch nicht in Deutschland gezeigt.
Er hatte Krebs und starb in der Nacht zum Montag, den 30. August 2010, in einem Pariser Krankenhaus.