Kleinkram

Mai 26, 2010

Eine Neuigkeit für die Larsson-Fans (es soll ja einige Zehntausende geben): Die US-Verfilmung von „Verblendung“, „Verdamnis“ und „Vergebung“ rückt näher. Der erste Film soll im Dezember 2011 in den USA starten und die nächsten beiden Teile sollen gleich mitgedreht werden. Bei „Verblendung“ führt David Fincher Regie und Steven Zaillian schreibt das Drehbuch. Ob diese Rollenverteilung für den zweiten und dritten Teil bleibt, ist noch unklar.

Und das Besetzungskarussell beginnt sich zu drehen.

(Nebenbei bemerkt: Sarah Weinman feiert Stieg Larsson und seine drei Schmöker ab. Denn die Amis entdecken ihn gerade.)

Collider war dabei: vor einigen Tagen gab es eine Sondervorführung von „The Empire strikes back“ (dem zweiten „Krieg der Sterne“-Film) und Harrison Ford beantwortete einige Fragen zum Film.

Spinetingler gewährt einen Blick in Darwyn Cookes neuen Comic „Richard Stark’s Parker: The Outfit“. Yep. Der Richard Stark. Der Parker.

Darwyn Cooke (The Spirit) hat bereits für zwei weitere „Parker“-Geschichten unterschrieben.

Die deutsche Ausgabe von Darwyn Cooks erstem Parker-Comic (ähem, Graphic Novel) „The Hunter“ ist für nächstes Jahr bei Eichborn angekündigt.

Der Noir of the Week ist „Touch of Evil“ (Im Zeichen des Bösen, USA 1958). Regie führte Orson Welles. Er spielte auch mit. Außerdem Charlton Heston, Janet Leigh, Akim Tamiroff und Marlene Dietrich.

Der Klassiker basiert auf dem Roman „Badge of Evil“ (Unfehlbarkeit kann tödlich sein, 1956) von Whit Masterson.

Bei Trailers from Hell lobt Drehbuchautor Chris Wilkinson (Nixon, Ali) den Klassiker „Network“. Demnächst in diesem Theater, im Rahmen der Sidney-Lumet-Woche, „Fail Safe“ und „Serpico“.

Einfach mal rumstöbern: Lost Films.

Der San Francisco Chronicle (Carolyn Jones) schreibt über Noir-Autor Dominic Stansberry und seinen neuen Roman „Naked Moon“.

Leider ist von Stansberry bis jetzt noch nichts übersetzt.

Beim CrimeFest in Bristol wurden auch einige Preise vergeben. Neben den Preisen für Hörbücher wurde auch der

Last Laugh Award (“for the best humorous crime novel first published in the British Isles in 2009)

an

The Day of the Jack Russell, von Colin Bateman (Headline)

vergeben.

Nominiert waren

Beat the Reaper (Schneller als der Tod), von Josh Bazell (William Heinemann)

The Good Thief’s Guide to Paris (Kleine Morde in Paris), von Chris Ewan (Long Barn Books)

Bone Idle, von Suzette Hill (Constable & Robinson)

From Aberystwyth with Love, von Malcolm Pryce (Bloomsbury)

Ten Little Herrings, von Len Tyler (Macmillan)

Die letzte Folge von „24“ wurde am Montag im US-TV ausgestrahlt. Bis die achte Staffel auch über den deutschen Bildschirm flimmert, dauert es noch eine Weile.

Bis dahin können Spoiler-resistente Menschen die Gedanken von Kiefer Sutherland, Mary Lynn Rajskub und Howard Gordon (oder kürzer) zum Ende der Serie lesen und anhören.

In den USA ist auch – nach 20 Staffeln – die letzte Folge von „Law & Order“ bereits gelaufen. Einige Gedanken zur Serie gibt’s bei The Rap Sheet (J. Kingston Pierce) und dem New York Magazine (Emily Nussbaum).


Oh, herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!


TV-Tipp für den 26. Mai: Wilsberg: Interne Affären

Mai 25, 2010

ZDFneo, 21.00

Wilsberg: Interne Affären (D 2008, R.: Catharina Deux)

Drehbuch: Ulli Stephan

LV: Charakter von Jürgen Kehrer

Kommissarin Anna Springer glaubt, dass eine junge Polizistin, die Verbrechen bei der Polizei aufdecken wollte, ermordet wurde. Sie engagiert Wilsberg.

Bewährtes Team, bewährte Qualität.

Mit Leonard Lansink, Rita Russek, Katharina Wackernagel, Ina Paule Klink, Götz Schubert

Hinweise

Homepage von Jürgen Kehrer

Meine Besprechung von Jürgen Kehrers „Wilsberg und die dritte Generation“


Cover der Woche

Mai 25, 2010


TV-Tipp für den 25. Mai: Kennwort Kino: Clint Eastwood – Eine Legende wird 80

Mai 25, 2010

3sat, 22.25

Kennwort Kino: Clint Eastwood – Eine Legende wird 80 (D 2010, R.: Peter Paul Huth, Maik Platzen)

Drehbuch: Peter Paul Huth, Maik Platzen

Halbstündige Doku über Clint Eastwood, die sich vor allem auf sein Werk ab „Erbarmungslos“ konzentriert und, anlässlich von Eastwoods Geburtstag am kommenden Montag, eine sehr kleine 3sat-Reihe einläutet.

Auch die anderen TV-Sender zeigen demnächst etliche Filme von und mit Clint Eastwood.

Anschließend


Hinweise

3sat über die Clint-Eastwood-Reihe

Wikipedia über Clint Eastwood (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 24. Mai: Spartan

Mai 23, 2010

RTL, 22.00

Spartan (USA 2004, R.: David Mamet)

Drehbuch: David Mamet

Die Tochter des US-Präsidenten wird entführt. Spezialagent Robert Scott soll sie finden – und der Befehlsempfänger deckt ein Komplott auf.

Wenn David Mamet einen Polit-Thriller schreibt und inszeniert, dann sind einerseits die üblichen Genrestandards enthalten und andererseits, dank guter Schauspieler und Dialoge, auch viel mehr.

Außerdem waren bei den Vorbereitungen und dem Dreh zahlreiche Polizei- und Militärspezialisten dabei. Der bekannteste (und wichtigste) dürfte Eric L. Haney sein, dessen „Inside Delta Force“ auch die Grundidee für die von David Mamet und Shawn Ryan (The Shield) erfundene grandiose Serie „The Unit“ lieferte.

mit Val Kilmer, Derek Luke, William H. Macy, Ed O’Neill, Kristen Bell, Tia Texada, Mark Pellegrino

Wiederholung: Dienstag, 27. Mai, 00.00 Uhr (Taggenau! – Yep, die zeigen den Film zweimal hintereinander.)

Hinweise

Homepage zum Film

Drehbuch „Spartan“ von David Mamet

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)


Dagger-Shortlist – Runde 1

Mai 23, 2010

Die britische Autorenvereinigung Crime Writers’ Association (CWA) hat als Vereinigung der Spannungshandwerker natürlich gelernt, dass ein Gewinner nicht einfach bekannt gegeben wird. Nein, zuerst müssen die Erwartungen geschürt werden. Da gibt es eine Longlist, später eine Shortlist. Aber nicht gleich die Shortlists für alle Kategorien, sondern zunächst nur für:

THE CWA INTERNATIONAL DAGGER

(For crime, thriller, suspense or spy fiction novels which have been translated into English from their original language)

Badfellas von Tonino Benacquista, übersetzt von Emily Read (Bitter Lemon Press)

August Heat von Andrea Camilleri, übersetzt von Stephen Sartarelli (Picador)

Hypothermia von Arnaldur Indriðason, übersetzt von Victoria Cribb (Harvill Secker)

The Girl Who Kicked the Hornets’ Nest (Vergebung) von Stieg Larsson, übersetzt von Reg Keeland (MacLehose Press)

Thirteen Hours von Deon Meyer, übersetzt von K.L. Seegers (Hodder and Stoughton)

The Darkest Room von Johan Theorin, übersetzt von Marlaine Delargy (Doubleday)

THE CWA GOLD DAGGER FOR NON-FICTION

David Cesarani: Major Farran’s Hat (Heinemann)

David R. Dow: Killing Time (Heinemann)

Ruth Dudley Edwards: Aftermath: The Omagh Bombing & the Families’ Pursuit of Justice (Harvill Secker)

Jeff Guinn: Go Down Together: The True, Untold Story of Bonnie & Clyde (Simon & Schuster)

Alex McBride: Defending the Guilty (Penguin/Viking)

Douglas Preston, with Mario Spezi: The Monster of Florence (Virgin/Random House)

CWA DAGGER IN THE LIBRARY

(Nominated and judged by librarians and awarded to an author for a body of work, not one single title.)

Simon Beckett (Bantam)

R. J. Ellory (Orion)

Ariana Franklin (Random House)

Mo Hayder (Bantam)

Denise Mina (Transworld)

Chris Simms (Orion)

CWA SHORT STORY DAGGER

A Calculated Risk von Sean Chercover, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

The Weapon von Jeffrey Deaver, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Can You Help Me Out There von Robert Ferrigno, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Boldt’s Broken Angel von Ridley Pearson, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Like a Virgin von Peter Robinson, aus The Price of Love (Hodder and Stoughton)

Killing Time von Jon Land, aus Thriller 2 (Mira) herausgegeben von Clive Cussler

Protecting the Innocent von Simon Wood, aus Thriller 2 (Mira), herausgegeben von Clive Cussler

CWA DEBUT DAGGER

All the Precious Things, von Jan Napiorkowski (UK)

A Murder in Mumbles, von Rick DeMille (USA)

A Place of Dying, von Patrick Eden (UK)

Case No 1, von Sandra Graham (Australia)

Chinese Whispers, von Alan Carter (Australia)

In the Lion’s Throat, von Bob Marriott (New Zealand)

Legacy, von Rebecca Brodie (UK)

Lockdown, von Danielle Ramsay (UK)

Pretty Preeti, von Stephanie Light (India)

Safe Harbour, von Rosemary McCracken (Canada)

The Beggar’s Opera, von Peggy Blair (Canada)

The Chameleon Factor, von Kathleen Stewart (Australia)

CARTIER DIAMOND DAGGER

Val McDermid

Die weiteren Shortlists demnächst.

Die Preisverleihung ist am 23. Juli.


Die Longlist für den Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award 2010

Mai 23, 2010

Diese zwanzig Krimis sind für den diesjährigen Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award nominiert:

In the Dark, von Mark Billingham (Little, Brown)

If It Bleeds, von Duncan Campbell (Headline)

The Surrogate, von Tania Carver (Little, Brown)

The Business, von Martina Cole (Headline)

A Simple Act of Violence, von R.J. Ellory (Orion)

Until It’s Over, von Nicci French (Penguin)

The Crossing Places, von Elly Griffiths (Quercus)

Cold in Hand, von John Harvey (Arrow)

Skin, von Mo Hayder (Transworld)

Vows of Silence, von Susan Hill (Vintage)

The Dying Breed, von Declan Hughes (John Murray)

Dead Tomorrow, von Peter James (Pan Books)

Target, von Simon Kernick (Transworld)

A Darker Domain, von Val McDermid (HarperCollins)

Gallows Lane, von Brian McGilloway (Pan Macmillan)

Geezer Girls, von Dreda Say Mitchell (Hodder)

Singing to the Dead, von Caro Ramsay (Penguin)

Doors Open (Der Mackenzie Coup), von Ian Rankin (Orion)

All The Colors of Darkness, von Peter Robinson (Hodder)

Child 44, von Tom Rob Smith (Simon & Schuster)

Bis zum Freitag, den 11. Juni, kann online abgestimmt werden.

Am Donnerstag, den 1. Juli, wird die Liste mit den acht höchstplatzierten Bücher veröffentlicht. Danach werden Einige um eine zweite Stimmabgabe gebeten und, endlich, am Donnerstag, den 22. Juli, wird der glückliche Gewinner auf dem Theakstons Old Peculier Crime Writing Festival in Harrogate bekannt gegeben.

(Via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 23. Mai: Ehrbare Ganoven

Mai 23, 2010

MDR, 04.00

Ehrbare Ganoven (F 1985, R.: Constantin Costa-Gavras)

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras

LV: Francis Ryck: Le Conseil de famille, 1983

Glückliches Familienleben: der Vater wird aus dem Knast entlassen und der Sohn möchte den Beruf des Vaters ergreifen. Gemeinsam rauben sie Safes aus. Erst als die us-amerikanische Mafia in den Familienbetrieb einsteigen will, gibt es Probleme.

Nett-belanglose Gaunerkomödie mit Johnny Hallyday, Fanny Ardant, Guy Marchand

Hinweise

Wikipedia über Francis Ryck

IMDB über Francis Ryck

Nouvelobs über Francis Ryck


TV-Tipp für den 22. Mai: Der Mackintosh-Mann

Mai 22, 2010

ARD, 00.55

Der Mackintosh-Mann (USA 1973, R.: John Huston)

Drehbuch: Walter Hill, William Fairchild (ungenannt)

LV: Desmond Bagley: The freedom trap, 1971 (Lebenslänglich mit Rückfahrkarte)

Geheimagent Rearden soll sich im Knast mit einem Sowjetagenten anfreunden. Sie werden von Freunden des Sowjetagenten befreit. Auf ihrer Flucht dämmert Rearden, dass er nur eine Marionette in einem viel größeren Spiel ist.

Spannender, seit sechs Jahren nicht mehr gezeigter Agententhriller (wobei die Agenten-Sache eher nebensächlich ist)

mit Paul Newman, James Mason, Dominique Sanda, Ian Bannen

Hinweise

Wikipedia über „Der Mackintosh-Mann“

New York Times: Vincent Canby bespricht „The Mackintosh Man“ (26. Juli 1973)

Sun Times: Roger Ebert bespricht „The Mackintosh Man“ (15. August 1973, 1,5 Sterne)

Ain’t it cool: Quint über „The Mackintosh Man“ (30. Juni 2009)

Things that don’t suck: Bryce Wilson über „The Mackintosh Man“ (13. Januar 2010, ebenfalls positiv)

Wikipedia über Desmond Bagley (deutsch, englisch)

Kirjasto über Desmond Bagley

Desmond-Bagley-Fanseite



Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Mai 21, 2010

Pünktlich zum laaangen Wochenende sind die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps (ein Dank an Alfred für die Bildersuche) online:

Jetzt verstehe ich, warum Kommissar Wallander immer so stinkig ist. Überstunden ohne Ende, Nachtarbeit und dann die immergleichen Täter verhaften, die einige Stunden später schon wieder frei sind, damit die Wiederholung gezeigt werden kann.
Da gehen einige andere, hm, Helden wesentlich herzhafter zu Werk. Paul Newman ist nach sechs Jahren Sendepause wieder „Der Mackintosh-Mann“ in John Hustons Desmond-Bagley-Verfilmung.
Außerdem gibt es Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“, Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“ und seine Edwin-Torres-Verfilmung „Tödliche Fragen“, John Hustons Dashiell-Hamemett-Verfilmung „Die Spur des Falken“, Tim Metcalfes Thomas-E.-Gaddis/James-D.-Long-Verfilmung „Killer – Tagebuch eines Serienmörders“, Lucky McKee und Trgve Allister Diesens Jack-Ketchum-Verfilmung „Blutrot“, José Giovannis John-D.Carrick-Verfilmung „Im Dreck verreckt“ und Anthony Minghellas Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der talentierte Mr. Ripley“.


TV-Tipp für den 21. Mai: Miami Blues

Mai 21, 2010

3sat, 22.25

Miami Blues (USA 1990, R.: George Armitage)

Drehbuch: George Armitage

LV: Charles Willeford: Miami Blues, 1984 (Miami Blues)

Als erstes bringt Junior in Miami einen bettelnden Krishna um. Dann beginnt er mit seinem Brotjob: Überfälle. Als ihm Sgt. Hoke Moseley zu nahe kommt, raubt er ihn aus (Dienstpistole, Ausweis, Gebiss). Und das nimmt Moseley wirklich persönlich.

Willefords Hoke-Moseley-Krimis sind eine bitterböse, urkomische Abrechnung mit dem amerikanischen Traum. Armitages Adaption bebildert in weiten Teilen nur Willefords Buch. Trotzdem: „Hervorragend gespielte Kriminalgroteske, die sich nach und nach als böse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum entpuppt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Fred Ward, Alec Baldwin, Jennifer Jason Leigh

Hinweise

Wikipedia über Charles Willeford (deutsch, englisch)

Charles Willeford Paperback Covers

Meine Besprechung von Charles Willefords „Die schwarze Messe“ (Honey Gal, 1958; The Black Mass of Brother Springer)

Meine Besprechung von Charles Willefords „Ketzerei in Orange“ (The burnt-orange heresy, 1971)


Film des Tages: Nosferatu

Mai 20, 2010

Nach dem ganzen Gerede über Friedrich Wilhelm Murnau wollt ihr jetzt sicher einen Murnau-Film sehen. „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ ist ein guter Einstieg

Es ist die englische Fassung, die Bildqualität ist okay und vermittelt einen guten ersten Eindruck von dem Film und der beklemmenden Atmosphäre. Denn Murnau war der Erste. Alle anderen haben ihm nachgeeifert.

Im Fernsehen habe ich vor längerem eine restaurierte und kolorierte Version mit einem deutlich besseren Bild gesehen (das ist auch die DVD-Version [Schnittberichte hat die Public-Domain– und die restaurierte  Version miteinander verglichen]).

‚Nosferatu‘, das ist vielleicht der Film im Zentrum von Murnaus Werk: Nicht weil er, wie durch ein Brennglas, dessen Motive und Themen versammelt und konzentriert, sondern als Mittelpunkt eines locker geflochtenen Gewebes, durch dessen Stränge er mit allen anderen Filmen zusammenhängt, ein leeres Zentrum.

Kein weiterer Murnaufilm ist so frei und offen wie ‚Nosferatu‘.“ (Fritz Göttler in Hanser Reihe Film Band 43: Friedrich Wilhelm Murnau, 1990)

‚Nosferatu‘ ist nach wie vor die einzige Dracula-Adaption, die hauptsächlich auf den Schrecken abzielt. Max Schrecks rattenhafte, korsettierte Draculaversion besitzt keinen Zauber der Untoten, (…). Ebenso wie ‚Dracula‘ als Vorlage für den Horrorroman dienen kann, so dient ‚Nosferatu‘ (…) als Schablone für den Horrorfilm. Murnau fügte Stoker Nuancen hinzu, die überdauerten, vor allem, dass Vampire beim ersten Tageslicht vergehen.“ (James Marriott/Kim Newman: Horror – Meisterwerke des Grauens von Alien bis Zombie, 2006)


TV-Tipp für den 20. Mai: Nevada-Pass

Mai 20, 2010

HR, 00.50

Nevada-Pass (USA 1976, R.: Tom Gries)

Drehbuch: Alistair MacLean

LV: Alistair MacLean: Breakheart pass, 1974 (Nevada-Pass)

1873 im Winter: Undercover-Agent Deakon muß während einer Zugfährt ein Komplott aufklären.

Der Krimi spielt zwar im Wilden Westen, aber MacLean verbrät seine üblichen Ideen nur vor einer anderen Kulisse (Undercover-Agenten, große Verbrechen, Doppelspiele, Frauen – halt das, was wir auch von seinen Kriegs- und Agententhrillern kennen). Trotzdem ganz unterhaltsam.

Mit Charles Bronson, Jill Ireland, Ben Johnson, Charles Durning, Richard Crenna

Krimi-Autor Bill Crider schrieb im January Magazine über Detektive im Westen und dieses Buch: „There was a time when Scottish novelist MacLean was the premier thriller writer on both sides of the Atlantic. (Ask anyone who’s read some his early books, if you don’t believe that. Better still, read one yourself.) His forte was putting extremely competent heroes into situations that required physical strength, endurance and intelligence, and his plots were often quite complex mysteries. He was a little past his prime when he wrote Breakheart Pass, about an accused killer who’s taken on board a train loaded with medical supplies, relief troops and more than its fair share of troublemakers. Still, the book is a lot of fun, with one surprise after another (you never know just who’s on the side of the ungodly and who’s not in a MacLean novel), and enough action for two or three volumes. It rips along right until the breathless conclusion, and even the one embarrassing technical glitch probably won’t bother anyone too much.“

Hinweise

Wikipedia über Alistair MacLean (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Alistair MacLean

Kirjasto über Alistair MacLean

Deutsche Fanpage über Alistair MacLean

Englische Fanpage über Alistair MacLean

Eisenbahnen im Film über „Nevad-Pass“


Im Verhörzimmer: D. B. Blettenberg über „Murnaus Vermächtnis“

Mai 19, 2010

Unter den Krimiautoren ist der deutsche D. B. Blettenberg der Globetrotter. Seine inzwischen elf Romane spielen in Afrika, Asien, Südamerika, Florida und Berlin. Für jeden Roman war er, oft als Entwicklungshelfer, länger in den Ländern. Auch in Ghana, dem Schauplatz seines neuesten und umfangreichsten Romans „Murnaus Vermächtnis“, arbeitete er.

Der Krimi (ein verniedlichendes Wort, das Blettenberg nicht mag; er fragt sich auch, ob „Murnaus Vermächtnis“ überhaupt ein Kriminalroman ist) ist, wie Blettenbergs andere Werke, ein kurzweiliges und sehr informatives Vergnügen. Denn er möchte nicht nur unterhalten, sondern auch Wissen vermitteln, ohne dabei eine bestimmte Weltsicht zu predigen. Als 1981 sein erster Roman „Weint nicht um mich in Quito“ erschien, wurde das mit dem gut dotierten Edgar-Wallace-Preis ausgezeichnete Werk von einigen Kritikern als das Ende des Soziokrimis gefeiert. Denn bereits in seinem Debütroman orientierte er sich vor allem an den Größen der angloamerikanischen Polit-Thriller-Riege, wie Eric Ambler und Ross Thomas.

Dieser Einfluss ist auch in seinem neuesten Werk „Murnaus Vermächtnis“ spürbar. Der Erzähler Victor Voss ist als Vierzigjähriger in Ghana gestrandet. Er war bei der Fremdenlegion, schreibt jetzt ein Buch und spielt Fremdenführer. Jetzt bittet Albin Grau ihn, ihn in die Voltaregion zu fahren. Schon auf der Hinfahrt kommt es zu einer Konfrontation mit dem cholerischen William und Grau wird ermordet. Zurück in Accra wird seine mütterliche Freundin Vera, die an einem Buch über Friedrich Wilhelm Murnau arbeitete, ermordet und alles hängt mit dem am 11. März 1931 bei einem Autounfall tödlich verunglückten Regisseur zusammen. Denn unter Filmfanatikern werden für Kopien seiner verschollenen Filme hohe Preise gezahlt. Anscheinend ist einer dieser verschollenen Filme in der Voltaregion.

Voss ist auf den ersten Buchseiten, wie der klassische Ambler-Held, der Spielball in einem Spiel, in das er gegen seinen Willen hineingestoßen wird, das er nicht überblickt und bei dem er froh sein kann, wenn er überlebt. Später wird deutlich, dass Voss viel stärker involviert ist, als er zunächst glaubte und dass er gerade wegen seiner Vergangenheit (Nein, nicht die Zeit bei der Fremdenlegion.) von Albin Grau als Führer engagiert wurde.

Die Ursprünge von „Murnaus Vermächtnis“

Die erste Idee für den Roman hatte Blettenberg, wie er mir Anfang Mai in einem ausführlichen Interview erzählte, allerdings nicht vor sechs Jahren in Ghana, sondern bereits in den frühen Neunzigern in Managua, der Hauptstadt von Nicaragua. Dort las er in der Wochenendbeilage der Berliner Morgenpost, anlässlich einer Arte-Dokumentation, einen Artikel über Friedrich Wilhelm Murnau und seinen letzten Film „Tabu“, den dieser mit Ureinwohnern auf einer Südseeinsel drehte. Das Murnau-Porträt mit dem an einer Schreibmaschine sitzenden Regisseur erinnerte ihn an den mit ihm befreundeten Regisseur Peter Keglevic („Der Bulle und das Mädchen“). Blettenberg arbeitete an den Drehbüchern für die Keglevic-Filme „Vickys Alptraum“ und „Falling Rocks“ mit.

Zufällig sah er kurz darauf in einem regionalen Sender, der sonst nur ein uninteressantes Programm brachte, Keglevics Spielfilm „Der Skipper“ (der für diese Ausstrahlung kein Geld erhielt. Murnau war in Mexiko mit einer illegalen Vorführung eines seiner Filme konfrontiert.). Bei einem Telefongespräch unterhielt er sich mit Keglevic darüber.

Zurück in Deutschland sah er dann die Dokumentation, recherchierte über Murnau und überlegte, ob er, wie Jörg Fauser es mit Marlon Brando getan hatte, über den Stummfilmregisseur eine subjektive Biographie schreiben sollte.

Aus der Idee wurde nichts und der Murnau-Artikel wanderte in Blettenbergs Archivbox.

2003/2004 arbeitete Blettenberg als Landesdirektor für den Deutschen Entwicklungsdienst in Ghana. Im Gegensatz zu seinen früheren Auslandsaufenthalten wollte er zuerst kein in Ghana spielendes Buch schreiben.

Er traf King Ampaw. Ampaw ist in Ghana ein bekannter Regisseur. Zuletzt inszenierte er den auch in deutschen Kinos gelaufenen Spielfilm „No Time to die“. Außerdem hatte Ampaw in Werner Herzogs Bruce-Chatwin-Verfilmung „Cobra Verde“, neben Klaus Kinski, eine Hauptrolle.

Bereits acht Jahre vor „Cobra Verde“ drehte Werner Herzog mit Klaus Kinski „Nosferatu – Phantom der Nacht“, ein fast bildgenaues Remake von Murnaus stilbildendem Horrorfilm „Nosferatu, eine Symphonie des Grauens“, der auf Bram Stokers „Dracula“ basiert.

Die Voltaregion, das ehemalige Deutsch-Togo, in der auch wichtige Teile des Romans „Murnaus Vermächtnis“ spielen, faszinierte Bletteberg in Ghana am meisten. Einerseits wegen der Landschaft, andererseits weil dort noch Juju (eine Form des Voodoo) praktiziert wird.

Er las viel über die Kolonialgeschichte. So erfuhr er von der Segelschule als Teil der deutschen Entwicklungshilfe. Er informierte sich über die Geschichte von Ghana und über Jerry John Rawlings, der von 1981 bis 2001 der Präsident von Ghana war und der „Che Guevara von Westafrika“ (Blettenberg) ist. Er durchstöberte die Antiquariate nach Büchern und Freunde empfahlen ihm Bücher über Rawlings und die Militärdiktatur, die es nur in Ghana gibt und auch dort teilweise nicht mehr erhältlich sind.

Es kam über die Jahre also einiges zusammen und irgendwann packte Blettenberg der Ehrgeiz, eine Geschichte zu erzählen, die die auf den ersten Blick nicht zusammenpassenden Elemente Ghana und Murnau miteinander verbindet. Das gelang ihm mit dem Thema Tabus und Tabubrüche.

Gleichzeitig wollte er sich verschiedener Genres bedienen und ein Schauerelement sollte enthalten sein. Er selbst nennt den Roman auch Tropical Noir oder Tropical Gothic. Die meisten seiner Romane würde er Abenteuer-Politthriller nennen. „Barbachs Bilder“ als sein Non-Maigret sei die große Ausnahme.

Das Schreiben von „Murnaus Vermächtnis“

Bevor er mit dem Roman bekann, schrieb er eine 120-seitigen Murnau-Biographie. „Bis jetzt gibt es – außer einem schmalen Buch von Lotte Eisner aus dem Jahr 1967 – keine Murnau-Biographie.“

Die Passagen über Friedrich Wilhelm Murnau in „Murnaus Vermächtnis“ sind, weil sie auf Tatsachen basieren, in der dritten Person geschrieben. Blettenberg übernahm große Teile seiner Murnau-Biographie in den Roman.

Die Geschichte von Victor Voss ist dagegen in der ersten Person Singular geschrieben. Für die Ich-Perspektive habe gesprochen, dass Voss immer am Ort des Geschehens ist (Ein Problem beim Konstruieren vieler Geschichten ist, dass der Autor dafür sorgen muss, dass der Ich-Erzähler entweder selbst am Ort des Geschehens ist oder ihm jemand anderes die wichtigen Informationen erzählt, ohne dass die Geschichte langweilig wird. Das ist gar nicht so einfach.) und es um Tabuverletzungen geht. Es geht um moralische Grauzonen und das Verdrängen von unangenehmen Erinnerungen.

Das kann nur in der ersten Person erzählt werden. Sonst wirkt es schnell künstlich“, so Blettenberg. Denn sein Erzähler muss sich seiner Vergangenheit stellen. So wird Voss, nachdem er auf den ersten Seiten noch der normale, austauschbare Ich-Erzähler, der, ähnlich einem Detektiv oder Reporter, vor allem durch die Geschichte führen soll, immer mehr zu einem komplexen Charakter, der sich auch mit den Tabus, gegen die er in der Vergangenheit verstieß, und den moralischen Grauzonen, in die er sich so begab, stellen muss.

Eine Folge dieser Entscheidung war, so Blettenberg, dass das Buch, auch wegen der komplexen Geschichte, mindestens zweihundert Seiten dicker werde und er über vierhundert Seiten schreiben werde. Das wusste er von Anfang an. Die erste Fassung hatte dann neunhundert Seiten.

Beim Schreiben versucht Blettenberg einen Kompromiss zwischen Planung und Improvisation zu finden.

Vor dem Schreiben entwirft er einen Plot. Aber es ist nicht alles geplant und er lässt die Charaktere auch ihre eigenen Entscheidungen treffen. Außerdem beschäftigt er sich mit einigen Fragen erst, wenn sie entschieden werden müssen. So informierte er sich erst relativ spät über die Archivierung von Filmen und er war erstaunt, wieviel Platz ein Spielfilm benötigt.

Auch werden einige Charaktere im Lauf des Schreibens zunehmend wichtiger. So war der schweizer Saft- und Marmeladenfabrikant zunächst nur ein Charakter, der in der Abafun Lodge für einen glaubwürdigen Hintergrund sorgte. „Später ist mir aufgefallen, dass er die Lösung für ein Problem, das ich hatte, war“, erzählt Blettenberg.

Ich habe eine gewisse Sicherheit, dass ich gut rauskomme“, fährt er fort. Dennoch kann es sein, dass er, wenn er gute Ideen hat, die zweite Hälfte komplett neu aufbaut.

Während des Schreibens verwirft er selbstverständlich einige Ideen, wie einen Tauchgang von Voss. Andere Szenen streicht er, nachdem er das Manuskript abgeschlossen hat. So hatte er in einer früheren Fassung die komplette 30-seitige Synopse von Murnaus verschollenem „Four Devils“ aufgenommen.

Einige seiner Testleser hielten diese Passage für zu lang. „Andere sagten, ich solle keine Zeile des 900-seitigen Manuskripts streichen.“ Aber weil er einen Roman und keine filmhistorische Abhandlung schreiben wollte, kürzte er die Inhaltsangabe von „Four Devils“ auf wenige Zeilen ein. Auch einige Passagen aus Murnaus Leben und seinem Umfeld, die in seiner Murnau-Biographie standen, sind – falls er sie überhaupt in eine frühere Fassung aufgenommen hatte – vor dem Druck von ihm gestrichen worden.

Am Ende erstellte er, wegen der Länge von „Murnaus Vermächtnis“, den Prolog, den er „Aufblende“ nannte. „Es ist ein Versprechen und Einstimmung auf die Geschichte.“

Die Einteilung in vier Akte, eine Auf- und Abblende machte er nach dem Schreiben. Sie weist noch einmal darauf hin, dass es in dem Buch um Filme, vor allem Stummfilme, die noch in Akte (vulgo Filmspulen), unterteilt waren, geht.

D. B. Blettenbergs Lektüre

Mit meiner traditionellen Abschlussfrage nach fünf Büchern für den nächsten Urlaub stellte ich D. B. Blettenberg dann vor ungeahnte Probleme. In den vergangenen Monaten hatte er vor allem Sachbücher für seinen nächsten Roman gelesen und er wollte mir unbedingt Bücher empfehlen, die ich noch nicht gelesen hatte. Nach längerem Überlegen nannte er:

– Hugh R. Trevor-Roper: Der Eremit von Peking

– Albert Sánchez Pinol: Pandora im Kongo

– Ulf Miehe: Puma

– Hans Herbst: Mendoza

– Charles McCarry: Christophers‘ Ghost

Als wir dann zur Bücherwand gingen, zeigte er mir die Bücher seiner Lieblingsautoren, die ihn teilweise um die halbe Welt begleiteten. Elmore Leonard, Eric Ambler, Carl Hiaasen („Ich kann von ihm allerdings nur ein halbes Buch lesen. Dann wird es mir zu viel.“), James W. Hall, Brian Freemantle, Ted Allbeury, Len Deighton, Charles McCarry, Alan Furst, James Lee Burke, James Ellroy (mit einer persönlichen Widmung), Ed McBain („Ein Meister des Dialogs.“), Natsuo Kirino, Dennis Lehane, Michael Connelly, Tony Hillerman, Maj Sjöwall/Per Wahlöö, etwas Mickey Spillane, zwei Keller-Romane von Lawrence Block („Mehr kenne ich noch nicht von ihm.“), und die Geschenkausgabe von Elmore Leonards „Ten Rules of Writing“.

D. B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis

Dumont, 2010

576 Seiten

19,95 Euro

Hinweise

Homepage von D. B. Blettenberg

Meine Besprechung von D. B. Blettenbergs „Land der guten Hoffnung“

Meine Besprechung von D. B. Blettenbergs „Murnaus Vermächtnis“

Wikipedia über D. B. Blettenberg

Lexikon der deutschen Krimiautoren über D. B. Blettenberg

Krimi-Couch über D. B. Blettenberg


TV-Tipp für den 19. Mai: The Score

Mai 19, 2010

Kabel 1, 20.15

The Score (USA/D 2001, R.: Frank Oz)

Drehbuch: Kario Salem, Lem Dobbs, Scott Marshall Smith (nach einer Geschichte von Daniel E. Taylor und Kario Salem)

Hehler Max überredet den immer allein arbeitenden Profieinbrecher Nick Wells zu einem Einbruch ins ausgezeichnet gesicherte Zolllager von Montreal. Dort ist für einige Tage ein wertvolles Königszepter. Die Pläne erhält Nick dank eines Insiders. Dummerweise will der Insider bei dem Coup nicht nur helfende Hand sein.

Drei Schauspielgiganten in einem amüsanten Caper. Was will man mehr an einem lauschigen Frühlingsabend?

The Score” ist der letzte Film von Marlon Brando. Nach mehreren, sehr höflich formuliert, schlechten Werken, gelang ihm mit dem elegant, altmodischen “The Score” ein würdevoller Abschied.

Mit Robert De Niro, Edward Norton, Marlon Brando, Angela Bassett, Gary Farmer, Paul Soles

Wiederholung: Donnerstag, 20. Mai, 00.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „The Score“ (deutsch, englisch)

Cineclub unterhält sich mit Frank Oz über „The Score“

Anschließend läuft um 22.25 Uhr „15 Minuten“ (USA/D 2001, R.: John Herzfeld). Ebenfalls mit Robert De Niro.


Seeßlen, Romero und die Zombies

Mai 18, 2010

Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kehren die Toten auf die Erde zurück – mit dieser lapidaren Erklärung und einer Horde sich langsam bewegender, menschenfleisch(fr)essender Untoter wurde George A. Romero bekannt. Sein an Wochenenden in den späten Sechzigern in Pittsburgh mit Freunden gedrehtes SW-Debüt „The Night of the Living Dead“ (Die Nacht der lebenden Toten) wurde über die Mitternachtsvorstellungen zu einem Kassenhit und, über die Jahre, zu einem stilbildendem Klassiker des modernen Horrorfilms, der auch heute noch schockiert. In Europa wurde der Film auch von der Kritik wahrgenommen, teils positiv besprochen und die Zensoren aller Länder zückten erfreut ihre Schere. Auch bei Romeros weiteren Zombie-Filmen „Dawn of the Dead“ und „Day of the Dead“ hatten sie einiges zu tun. In diesem Jahrtausend waren die Horrorfilme brutaler geworden, die Zensurschere wurde vor allem für Werke wie „Saw“ benutzt und Romeros neueste Zombie-Filme „Land of the Dead“, „Diary of the Dead“ und „Survival of the Dead“ wurden weniger, teils sogar überhaupt nicht mehr, beschnitten.

Denn langsam auf einen zustampfende Zombies, die man mit einem gezielten Kopfschuss erlegen kann, sind im Vergleich zu den Scheußlichkeiten von „Saw“ und Konsorten nicht mehr so schrecklich. Jedenfalls wenn sie nicht gerade in Massen auftauchen und ausreichend Munition vorhanden ist.

Außerdem, und das unterscheidet Romero von vielen seiner Nachfolger, kritisiert er in seinen Filmen auch immer die amerikanische Gesellschaft. Dabei ist seine linke Gesellschaftskritik ungefähr so subtil wie ein Kopfschuss.

Und das ist auch einer der Gründe, warum „George A. Romero und seine Filme“ zu den enttäuschenderen Filmbüchern des produktiven und immer lesenswerten Georg Seeßlen gehört. Denn er kann hier sein Wissen nur begrenzt ausbreiten.

Nach einem Überblick über Romeros Leben und seine Anfänge, nimmt er sich weitgehend chronologisch jeden Romero-Film vor („Dawn of the Dead“ wird vor „Martin“ besprochen) und geht anschließend auf Romeros Wirkung, die sich vor allem in unzähligen Zombie-Filmen niedergeschlagen hat, ein.

Während in Seeßlens anderen Büchern die Besprechungen der einzelnen Filme das immer wieder lesenswerte Herzstück sind, erschöpfen sie sich in „George A. Romero und seine Filme“ weitgehend in Nacherzählungen, die um einige Informationen von der Produktion und Hinweisen auf die doch eindimensional bleibende Gesellschaftskritik gegen Regierung, Militär und Kapitalismus ergänzt werden.

Die Probleme von George A. Romero mit dem Hollywood-Filmbetrieb werden nur gestreift und teilweise zu einem Hohelied auf das unabhängige Filmemachen verklärt. Denn es ist schon erstaunlich, wie bruchstückhaft Romeros Karriere trotz des kommerziellen Erfolgs verlief. Immer wieder gibt es jahrelange Pausen zwischen seinen Filmen. Oft hatte er, obwohl wahrscheinlich jeder seiner Film die Kosten wieder eingespielt hat, Probleme mit den Geldgebern.

Romeros Probleme mit der Zensur werden von Georg Seeßlen immer wieder gestreift, aber nie ausführlich behandelt. Hier hätte sich ein eigenes Kapitel zur FSK, der Indizierung von Filmen und den wandelnden gesellschaftlichen Normen angeboten.

Spätestens bei der Filmographie fehlen umfassende Erläuterungen zu den verschiedenen Schnittfassungen. Bei einigen Filmen werden diese Informationen halbwegs geliefert. Bei „Day of the Dead“ (Zombie 2 – Das letzte Kapitel, USA 1985) steht nur der rätselhafte Satz „Die Kastration dieses Meisterwerks durch den deutschen Verleih ist eine bodenlose Schande“ (Norbert Stresau). Denn auf weitere Erklärungen wird verzichtet, aber dafür wird die Länge der Originalfassung und der deutschen, indizierten Fassung mit 96 Minuten angegeben.

Absolut ärgerlich ist die unglaublich hohe Zahl von Tippfehlern. Hier hätte (falls nicht die falsche Datei zur Druckerei geschickt wurde) schon das Einschalten der automatischen Rechtschreibkorrektur das Schlimmste verhindern können. Und, wenn man schon ein anscheinend schon im Frühjahr/Sommer 2009 fertiggestelltes Manuskript druckt, hätte man wenigstens die Filmographie des momentan sehr produktiven George A. Romero auf den neuesten Stand bringen können. Denn Romeros neuester Film „Survival of the Dead“, der im September 2009 auf den Internationalen Filmfestspielen von Venedig seine Premiere hatte und der am 6. Mai 2010 in unseren Kinos anlief, wird mit keinem Wort erwähnt.

Trotzdem ist Georg Seeßlens „George A. Romero und seine Filme“ für Horrorfilmfans ein wichtiges Buch. Denn es ist das einzige auch nur halbwegs aktuelle Buch zu dieser Ikone des Horrorfilms.

Georg Seeßlen: George A. Romero und seine Filme

kuk, 2010

368 Seiten

23 Euro

Hinweise

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‚Inglourious Basterds’“ (2009)

Wikipedia über George A. Romero (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über George A. Romero (von Brian Wilson, November 2006)

Arte über George A. Romero (mit bewegten Bildern zum Start von „Diary of the Dead“)

tip: Jörg Buttgereit unterhält sich mit George A. Romero (5. Mai 2010)

Shock till you drop interviewt George A. Romero (12. Mai 2010)

Homepage of the Dead (eine lebendige Fanseite)

Dead Source (noch eine Fanseite; schon etwas untot)

Internet Archive: „The Night of the Living Dead“ (Yep, der komplette Film mit dem alles begann)



Ein Abend mit Mr. Nisbet

Mai 18, 2010

Die ehrbaren Jungs von Pulp Master und Hammett haben weder Kosten noch Mühen (inclusive falscher Versprechen) gescheut, um Jim Nisbet aus dem sonnigen San Francisco in das kalte Berlin zu bringen.

Der 1947 geborene Jim Nisbet veröffentlichte in den vergangen drei Jahrzehnten elf Noirs, von denen auch zwei dank Frank Nowatzki bei uns erschienen sind. Nisbets „Tödliche Injektion“ erschien in der ganz schnell eingestellten Black-Lizard-Reihe und verschwand schnell aus den Buchhandlungen in die Antiquariate. Mit „Dunkler Gefährte“ (Dark Companion, 2006), das auch für den Hammett Award nominiert war, kehrte Jim Nisbet dank Pulp Master vor wenigen Monaten glorreich zu den deutschen Lesern zurück. In dem Noir erzählt Jim Nisbet auf wenigen Seiten, wie das Leben des indisch-stämmigen Akademikers Banerjhee Rolf ohne dessen Zutun im Chaos endet.

Jim Nisbet stellt seinen neuesten Roman „Dunkler Gefährte“ am Mittwoch, den 19. Mai um 20.30 Uhr in der Burger Bar (Torstraße 40, Nähe S/U-Bahnhof Alexanderplatz) vor.

Karsten Weinert liest die deutschen Teile und Nisbets deutscher Verleger Frank Nowatzki moderiert Nisbets einzigen Deutschlandtermin.

Alle weiteren Informationen bei Hammett.


Cover der Woche

Mai 17, 2010


Kleinkram

Mai 17, 2010

Ohne weitere Kommentare:

Spinetingler unterhält sich mit Joe R. Lansdale

The Rap Shee mit Max Allan Collins (über Mickey Spillane)

Coffee with a Canine mit Charlaine Harris (Ähem, True Blood, Sookie Stackhouse)

Things I’d rather be doing mit Duane Swierczynski (oder Duane Louis)

Tom Piccirilli traf sich mit seinem Kollegen Duane Swierczynski

Genug geredet.

Der Noir of the Week ist „The Night of the Hunter“  (Die Nacht des Jägers, USA 1954, Regie: Charles Laughton, Drehbuch: James Agee, nach dem Roman von Davis Grubb, mit Robert Mitchum, Shelley Winters, Lilian Gish, Peter Graves).

Ein Klassiker, der sich seine Sonderbehandlung (nämlich Teil 1, Teil 2) redlich verdient hat.


TV-Tipp für den 18. Mai: Wild at Heart

Mai 17, 2010

ZDF, 00.20

Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula (USA 1990, R.: David Lynch)

Drehbuch: David Lynch

LV: Barry Gifford: Wild at Heart: The Story of Sailor and Lula, 1984

Sailor und Lula flüchten vor einem Detektiv und einem Killer, die beide im Auftrag von Lulas durchgeknallter Mutter reinen Tisch machen sollen. Und dann treffen sie auf den Gangster Bobby Peru und dessen Komplizin Perdita Durango.

Lynchs wildes Roadmovie, ausgezeichnet mit der Goldenen Palme in Cannes, ist ein hemmungslos übertriebener Trip durch einen Alptraum namens Amerika. Ein Meisterwerk.

Barry Gifford schrieb später das Drehbuch für den Lynch-Film „Lost Highway”. Außerdem publizierte er neben seinen Romanen, wie „Perdita Durango“, lesenswerte Sachbücher, wie „Out of the past“ über den Film Noir.

Mit Nicolas Cage, Laura Dern, Diane Ladd, Willem Dafoe, Isabella Rossellini, Harry Dean Stanton, Crispin Glover

Hinweise

Homepage von Barry Gifford

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch