TV-Tipp für den 6. Mai: Pulp Fiction

Mai 6, 2010

Vox, 22.20

Pulp Fiction (USA 1994, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

Tausendmal gesehen, tausendmal hat’s Spaß gemacht.

Im Stil der Pulp Fiction, der Groschenromane und B-Pictures aus den 30er und 40er Jahren, komprimiert Quentin Tarantino eine Handvoll Typen und Storys zu einem hochtourigen Film noir (…) Ein ausgezeichnetes Darsteller-Ensemble, eine intelligente Inszenierung und ein gutes Timung durch flotte Schnitte tragen dazu bei, dass Blutorgien mit Slapstick und bitterer Zynismus mit leichter Ironie so raffiniert ineinander übergehen oder aufeinander folgen, dass die Brüche und Übergänge nicht stören.“ (Fischer Film Almanach 1995)

Tarantino erzählt von zwei Profikillern, die zuerst Glück und dann Pech bei ihrer Arbeit haben, einem Boxer, der entgegen der Absprache einen Boxkampf gewinnt und sich dann wegen einer Uhr in Lebensgefahr begibt, einem Gangsterpärchen, das ein Schnellrestaurant überfällt, einem Killer, der die Frau seines Chefs ausführen soll und in Teufels Küche gerät, einer Gangsterbraut, die eine Überdosis nimmt, einem Killer, der zum Christ wird und von einem Tanzwettbewerb.

Kurz: wir haben mit einem Haufen unsympathischer Leute eine verdammt gute Zeit.

Der Kassenknüller erhielt zahlreiche Preise, aber für Krimifans zählt natürlich nur der gewonnene Edgar.

Mit Tim Roth, Harvey Keitel, Uma Thurman, Amanda Plummer, John Travolta, Samuel L. Jackson, Bruce Willis, Rosanna Arquette, Ving Rhames, Eric Stoltz, Christoper Walken, Quentin Tarantino, Steve Buscemi

Wiederholung: Freitag, 7. Mai, 01.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

The Quentin Tarantino Archives

Quentin-Tarantino-Film-Forum

Everything Tarantino

Quentin Tarantino (inoffizielle deutsche Fanseite)

Wikipedia über “Pulp Fiction”

Pulp Fiction (deutsche Fanseite zum Film)

Drehbuch “Pulp Fiction” von Quentin Tarantino und Roger Avary


R. i. P. Peter O’Donnell

Mai 5, 2010

R. i. P. Peter O’Donnell (11. April 1920 – 3. Mai 2010)

Peter O’Donnell war ein enorm produktiver Autor und der Erfinder von Modesty Blaise. Ihren ersten Auftritt hatte sie 1963 als Comicfigur in der Londoner Zeitung „Evening Standard“. Sie wurde schnell populär. Die Comics erschienen bis 2001. 1966 entstand ein Film. Regie führte Joseph Losey, Monica Vitti übernahm die Hauptrolle und geplant war sicher eine ähnlich langlebige Serie wie bei James Bond. Während der Produktion entstand die Idee für eine Serie von Modesty-Blaise-Romane. Zwischen 1965 und 1985 schrieb Peter O’Donnell elf Romane und einige Kurzgeschichte, die auch in Sammelbänden veröffentlicht wurden.

Modesty Blaise ist die weibliche Version von James Bond, aber während Bond als Geheimagent ihrer Majestät letztendlich nur ein vergnügungssüchtiger Beamter ist, arbeitet sie auf eigene Rechnung, war die Chefin des internationalen Verbrechersyndikats „Das Netz“ und übernimmt inzwischen Spezialaufträge des britischen Außenministeriums. Sie hat Freunde, sammelt Kunst und kann mühelos eine Bande Verbrecher verkloppen. Sie ist das Vorbild für die modernen Action-Heldinnen wie Lara Croft.

Als Madeleine Brent schrieb O’Donnell historische Abenteuerromane.

Peter O’Donnell starb am 3. Mai 2010. Er hatte Parkinson.

Nachrufe gibt es in der Times, Guardian, Shotsmag, Make Mine Mystery, Bleeding Cool und Krimiblog.

Weitere Informationen über Peter O’Donnel bei Wikipedia (deutsch, englisch), Kaliber .38 und Unionsverlag (seinem letzten deutschsprachigem Verlag).


Agatha-Award 2010 verliehen

Mai 5, 2010

Die höflichen Damen und Herren von Malice Domestic haben auf ihrem Treffen den Agatha-Award (benannt nach Agatha Christie) verliehen:

Best Novel

A Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

nominiert

Swan for the Money, von Donna Andrews (Minotaur)

Bookplate Special, von Lorna Barrett (Berkley Prime Crime)

Royal Flush, von Rhys Bowen (Berkley Prime Crime)

Air Time, von Hank Phillippi Ryan (Mira)

Best First Novel

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte Press)

nominiert

For Better, for Murder, von Lisa Bork (Midnight Ink)

Posed for Murder, von Meredith Cole (Minotaur)

The Cold Light of Mourning, von Elizabeth Duncan (St. Martin’s Press)

In the Shadow of Gotham, von Stefanie Pintoff (Minotaur)

Best Non-fiction

Dame Agatha’s Shorts, von Elena Santangelo (Bella Rosa Books)

nominiert

Duchess of Death, von Richard Hack (Phoenix Books)

Talking About Detective Fiction, von P.D. James (Knopf)

Blood on the Stage, 1925-1950, von Amnon Kabatchnik (Scarecrow Press)

The Talented Miss Highsmith, von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)

Best Short Story

On the House” von Hank Phillippi Ryan (aus Quarry, herausgegeben von Kate Flora, Ruth McCarty und Susan Oleksiw; Level Best Books)

nominiert

Femme Sole” von Dana Cameron (aus Boston Noir, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic Books)

Handbaskets, Drawers, and Killer Cold” von Kaye George (aus Crooked)

The Worst Noel” von Barb Goffman (aus The Gift of Murder, herausgegeben von John M. Floyd; Wolfmont Press)

Death Will Trim Your Tree” von Elizabeth Zelvin (aus The Gift of Murder)

Best Children’s/Young Adult Novel

The Hanging Hill, von Chris Grabenstein (Random House)

nominiert

The Morgue and Me, von John C. Ford (Viking Juvenile)

The Case of the Poisoned Pig, von Lewis B. Montgomery (Kane Press)

The Other Side of Blue, von Valerie O. Patterson (Clarion Books)

The Case of the Cryptic Crinoline, von Nancy Springer (Philomel)

Lifetime Achievement Award

Mary Higgins Clark

Poirot Award

William Link

(Dank an The Rap Sheet für die Infos)


TV-Tipp für den 5. Mai: Ein wahres Verbrechen

Mai 5, 2010

Kabel 1, 20.15

Ein wahres Verbrechen (USA 1999, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Larry Gross, Paul Brickman, Stephen Schiff

LV: Andrew Klavan: True Crime, 1995 (Ein wahres Verbrechen)

Zynischer Reporter mit familiären und beruflichen Problemen will einen zum Tode Verurteilten retten.

Solider Krimi, der Hollywoods klassische Erzähltugenden mit guten Schauspielern hochhält.

Mit Clint Eastwood, James Woods, Isaiah Washington, Denis Leary, Lisa Gay Hamilton, Bernard Hill, Diane Venora, Mary McCormack, John Finn

Hinweise

Homepage von Andrew Klavan

Cinema Blend: Interview mit Andrew Klavan (17. April 2010)

Homepage zum Film

Drehbuch „True Crime“ von Stephen Schiff


Cover der Woche

Mai 4, 2010


TV-Tipp für den 4. Mai: Kiss Kiss, Bang Bang

Mai 4, 2010

http://www.youtube.com/watch?v=ZdDXO-iiuk8Tele 5, 22.00

Kiss Kiss, Bang Bang (USA 2005, R.: Shane Black)

Drehbuch: Shane Black

LV: Brett Halliday: Bodies are where you find them, 1941

Zuerst stolpert Einbrecher Harry Lockhart auf seiner Flucht vor der Polizei in einen Vorsprechtermin und erhält prompt eine Filmrolle. Als er über eine Hollywood-Party stolpert, trifft er seine Jugendliebe Harmony Faith Lane und, als er zwecks Rollenstudium, mit einem knallharten PI Gay Perry (schwul) durch die Straßen Hollywoods schlendert, stolpern sie alle in einen undurchsichtigen Komplott, der direkt aus einem Film der Schwarzen Serie stammen könnte.

Köstliche Liebeserklärung an die Pulps, der natürlich nur lose auf dem Mike-Shayne-Roman basiert, aber dafür ausführlich Chandler zitiert (Zwischentitel, Voice-Over,…).

first significant neo-noir of the twenty-first century” (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

mit Robert Downey Jr., Val Kilmer, Michelle Monaghan, Corbin Bernsen, Rockmond Dunbar

Wiederholung: Mittwoch, 5. Mai, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Kiss Kiss Bang Bang“

Spike: Interview mit Shane Black (17. Oktober 2005)

Drehbuch „Kiss, Kiss, Bang, Bang“ von Shane Black (Fassung vom 21. November 2003)

Wikipedia über Brett Hallida

Kirjasto über Brett Halliday

Mordlust über Brett Halliday

Thrilling Detective über Michael Shayne


DVD-Kritik: Über den Hongkong-Action-Film „Beast Stalker“

Mai 3, 2010

Sergeant Tong hat sich ganz dem Beruf verschrieben und trotz seiner jungen Jahre leitet er schon eine Einsatzgruppe. Wenn bei einem Einsatz etwas schief geht, putzt er die dafür verantwortlichen Kollegen gnadenlos herunter. Auch wenn es die eigene Verwandtschaft ist. Selbstverständlich nimmt so ein 150-prozentiger sich den Unfall bei seinem letzten Einsatz besonders zu Herzen: Bei der Verhaftung eines gesuchten Mafiosi erschoss er unwissentlich die Tochter einer Staatsanwältin.

Als die Vertrauten des Mafiosi die andere Tochter der Staatsanwältin entführen und von ihr fordern, einen prozessentscheidenden Beweis zu manipulieren, sieht Tong seine Chance auf moralische Rehabilitation gekommen. Er will das Mädchen finden.

Dante Lams „Beast Stalker“ ist ein straffer Hongkong-Thriller, der neben den atemberaubenden Action-Szenen auch dem zunächst emotionslosem Entführer viel Zeit widmet. So wird aus einem Verbrecher mit der Zeit ein Mensch mit alltäglichen Problemen und Sorgen. Er pflegt seine vollständig gelähmte Frau, kämpft gegen sein Erblinden an und erledigt seinen Job professionell und ohne überflüssige Gewalt. Er unterscheidet sich letztendlich gar nicht so sehr von Tong.

Die Schlusspointe lädt dann sogar zum Nachdenken über das Verhältnis von Zufall und Schicksal ein. Sie verleiht einem Thriller, der auch vorzüglich ohne diese Pointe funktioniert, eine zusätzliche Dimension. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Beast Stalker (Ching yan, Internationaler Titel: The Beast Stalker, Hongkong 2008)

Regie: Dante Lam

Drehbuch: Wai Lun Ng (aka Jack Ng), Dante Lam

Mit Nicholas Tse, Nick Cheung, Zhang Jingchu, Kai Chi Liu

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Kantonesisch (DTS, Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt für Special Edition): Audiokommentar von Regisseur Dante Lam, Autor Jack Ng und Produktionsdesigner Yau Wai-Ming, Originaltrailer, Teaser, Making of, Behind the Scenes, Geschnittene Szenen

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Beast Stalker“

Film-Zeit über „Beast Stalker“

AsianMediaWiki über „Beast Stalker“

Love HK-Film: Besprechung von „Beast Stalker“

The Hollywood Reporter über „Beast Stalker“

Kino-Zeit: Besprechung von „Beast Stalker“

Asian Film Web über „Beast Stalker“

Manifest über „Beast Stalker“


TV-Tipp für den 3. Mai: Schnappt Shorty

Mai 2, 2010

NDR, 23.00

Schnappt Shorty (USA 1995, R.: Barry Sonnenfeld)

Drehbuch: Scott Frank

LV: Elmore Leonard: Get Shorty, 1990 (Schnappt Shorty)

Musik: John Lurie

Produktion: u. a. Danny DeVito

Ein Mafia-Geldeintreiber aus Miami gerät in Hollywood an einen drittklassigen Filmproduzenten. Der Geldeintreiber möchte, dass sein Leben verfilmt wird. Aber diese Hollywood-Fritzen sind irgendwie anders.

Köstliche Leonard-Verfilmung über den Zusammenprall zweier Welten: eiskalter Profikiller trifft auf die Hollywood-Schickeria.

Mit John Travolta, Gene Hackman, Rene Russo, Danny DeVito, Dennis Farina, Delroy Lindo, James Gandolfini, Martin Ferrero, Miguel Sandoval, Harvey Keitel, Bette Midler

Von Elmore Leonards Homepage: „With Get Shorty Hollywood finally did right by Elmore and put his ´sound´ on the screen and not just his plots. In Scott Frank´s screenplay, the lines in the movie were delivered just the way that they were written, seriously, without reaction. The fact that many lines were funny, labeled Get Shorty a comedy, and helped make it a box-office hit. The story is about Chili Palmer, (John Travolta) who is ´fired´ by his unstable loanshark boss, Ray Bones (Dennis Farina). Ray sends Chili to Vegas to collect a bad debt, and a casino boss there enlists Chili to find an even bigger deadbeat: Harry Zimm (Gene Hackman), a Hollywood producer of low-budget horror films. In Hollywood, Chili meets Harry, as well as his scream-queen leading lady, Karen Flores (Rene Russo); Harry’s drug-dealing financier, Bo Catlett (Delroy Lindo), and his muscle, Bear (James Gandolfini). ´Shorty´ is Karen’s ex, Martin Weir (Danny DeVito), a big star with a giant ego. Chili learns that being a wiseguy helped when you wanted to produce movies. Get Shorty was win, win, win. Everything worked perfectly. The film had a winning combination in Danny DeVito’s Jersey Films, screenwriter Scott Frank and Director Barry Sonnenfeld. Everybody liked Elmore´s work and wanted to put it on the screen – the right way. Elmore was on the set four days in Beverly Hills. A couple of times, Barry came over after the shot and asked him what he thought, and if he had any suggestions. Elmore was surprised and tickled a little that a director would ask the book writer his opinion.“

Hinweise

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Kleinkram

Mai 2, 2010

Die Mai-Augsabe von The Big Thrill ist online. Dieses Mal werden unter anderem Lee Child, Douglas Preston/Lincoln Child, Thomas Perry (deutscher Verlag dringend gesucht), Ken Kuhlken und Gayle Lynds porträtiert und dafür oft auch ausführlich interviewt.

Joseph Wambaugh beantwortet einige Fragen (Teil 1, Teil 2).

David Baldacci war ebenfalls im Verhörzimmer.

Die unterschätzte Daniel-Woodrell-Verfilmung „Wer mit dem Teufel reitet“ (Ride with the Devil, USA 1999, Regie: Ang Lee, Drehbuch: James Schamus) scheint dank der Criterion-Veröffentlichung eine Neubewertung zu erfahren.

Andre Dellamorte (Collider): Watching it again, I felt the film had become a must-have.

Sodele, der langerwartete Trailer für die Comicverfilmung „Jonah Hex“ ist draußen:

Sieht irgendwie wie der nächste, überflüssige, lärmige 08/15-Actionfilm, der sich anstatt in die Zukunft oder Gegenwart, zufällig in den Wilden Westen verirrt hat, aus.


Spinetingler-Award 2010 vergeben

Mai 2, 2010

Die Voten sind vergeben und aus der Nominierungsliste wurden diese Werke und Autoren als Lieblinge der Spinetingler-Leser erwählt:

Best Novel: New Voice

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville

Best Novel: Rising Star

50 Grand, von Adrian McKinty

Best Novel: Legend

The Scarecrow, von Michael Connelly

Best Short Story on the Web

Insatiable, von Hillary Davidson, aus Beat to a Pulp

Best Mystery or Crime Comic/Graphic Novel

Parker: The Hunter, von Darwyn Cooke

Best Mystery/Crime Fiction Press, Publisher or Imprint

Busted Flush Press

Special Services to the Industry & Community

Bookgasm

Best Reviewer

Lesa Holstine

Best Cover

Finch – Illustration and design by John Coulthart

Auch wenn ich noch nicht alle Bücher kenne: Eine feine Liste.

Adrian McKinty hat inzwischen bei Suhrkamp ein deutsches Haus gefunden.

Parker: The Hunter“ ist die Comicversion des ersten Parker-Romans von Richard Stark (bzw. Donald E. Westlake).


TV-Tipp für den 2. Mai: Der Auslandskorrespondent

Mai 2, 2010

3sat, 00.20

Der Auslandskorrespondent (USA 1940, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Charles Bennett, Joan Harrison, James Hilton, Robert Benchley

Holland, 1939: Journalist Johnny Jones wird während der Recherchen für eine Reportage über den in Europa drohenden Krieg Zeuge eines Anschlags auf einen Diplomaten. Er beginnt die Hintermänner zu suchen.

Spannender Thriller, der auch Anti-Nazipropaganda ist.

Es wird wahrscheinlich die vom ZDF angefertigte Synchronisation gezeigt.

mit Joel McCrea, Laraine Day, Herbert Marshall, George Sanders

auch bekannt als “Mord”

Hinweise

Um 00.40 startet „Frenzy“ und um 01.00 Uhr „Die 39 Stufen“.

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 1. Mai: Ein Ort für die Ewigkeit

April 30, 2010

NDR, 00.15

Ein Ort für die Ewigkeit (GB 2008, R.: Daniel Percival)

Drehbuch: Patrick Harbinson

LV: Val McDermid: A Place of Execution, 1999 (Ein Ort für die Ewigkeit)

1963 verschwand eine 13-jährige aus einem 20-Seelen-Ort. Ihr Stiefvater wurde als ihr Mörder gehängt. Als heute eine Journalistin eine Doku über den alten Fall drehen will, stößt sie auf unerwartete Probleme und beginnt genauer zu recherchieren.

BBC-Verfilmung des Dagger-nominierten Werkes von McDermid.

Juliet Stevenson erhielt für ihre Rolle einen Dagger und das Drehbuch erhielt den diesjährigen Edgar als bester Kriminalfilm.

mit Lee Ingleby, Guy Manning, Juliet Stevenson

HInweise

Homepage von Val McDermid

Deutsche Homepage von Val McDermid

Wikipedia über Val McDermid (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Val McDermid


Die Edgar-Gewinner 2010

April 30, 2010

Die glücklichen Gewinner der diesjährigen, von der Mystery Writers of America vergebenen Edgars sind:

BEST NOVEL

The Last Child (Das letzte Kind) von John Hart (Minotaur Books)

nominiert

The Missing von Tim Gautreaux (Random House – Alfred A. Knopf)

The Odds von Kathleen George (Minotaur Books)

Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team) von Charlie Huston (Random House – Ballantine Books)

Nemesis von Jo Nesbø, übersetzt von Don Bartlett (HarperCollins)

A Beautiful Place to Die von Malla Nunn (Simon & Schuster – Atria Books)

BEST FIRST NOVEL BY AN AMERICAN AUTHOR

In the Shadow of Gotham von Stefanie Pintoff (Minotaur Books)

nominiert

The Girl She Used to Be von David Cristofano (Grand Central Publishing)

Starvation Lake von Bryan Gruley (Simon & Schuster – Touchstone)

The Weight of Silence von Heather Gudenkauf (MIRA Books)

A Bad Day for Sorry von Sophie Littlefield (Minotaur Books – Thomas Dunne Books)

Black Water Rising von Attica Locke (HarperCollins)

BEST PAPERBACK ORIGINAL

Body Blows von Marc Strange (Dundurn Press – Castle Street Mysteries)

nominiert

Bury Me Deep von Megan Abbott (Simon & Schuster)

Havana Lunar von Robert Arellano (Akashic Books)

The Lord God Bird von Russell Hill (Pleasure Boat Studio – Caravel Books)

The Herring-Seller’s Apprentice von L.C. Tyler (Felony & Mayhem Press)

BEST FACT CRIME

Columbine von Dave Cullen (Hachette Book Group – Twelve)

nominiert

Go Down Together: The True, Untold Story of Bonnie and Clyde von Jeff Guinn (Simon & Schuster)

The Fence: A Police Cover-Up Along Boston’s Racial Divide von Dick Lehr (HarperCollins)

Provenance: How a Con Man and a Forger Rewrote the History of Modern Art von Laney Salisbury und Aly Sujo (The Penguin Press)

Vanished Smile: The Mysterious Theft of Mona Lisa von R.A. Scotti (Random House – Alfred A. Knopf)

BEST CRITICAL/BIOGRAPHICAL

The Lineup: The World’s Greatest Crime Writers Tell the Inside Story of Their Greatest Detectives, herausgegeben von Otto Penzler (Hachette Book Group – Little, Brown and Company)

nominiert

Talking About Detective Fiction von P.D. James (Random House – Alfred A. Knopf)

Haunted Heart: The Life and Times of Stephen King von Lisa Rogak (Thomas Dunne Books)

The Talented Miss Highsmith: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith von Joan Schenkar (St. Martin’s Press)

The Stephen King Illustrated Companion von Bev Vincent (Fall River Press)

BEST SHORT STORY

Amapola” (in Phoenix Noir) von Luis Alberto Urrea (Akashic Books)

nominiert

Last Fair Deal Gone Down” (in Crossroad Blues) von Ace Atkins (Busted Flush Press)

Femme Sole” (in Boston Noir) von Dana Cameron (Akashic Books)

Digby, Attorney at Law” (in Alfred Hitchcock Mystery Magazine) von Jim Fusilli (Dell Magazines)

Animal Rescue” (in Boston Noir) von Dennis Lehane (Akashic Books)

BEST JUVENILE

Closed for the Season von Mary Downing Hahn (Houghton Mifflin Harcourt Children’s Books)

nominiert

The Case of the Case of Mistaken Identity von Mac Barnett (Simon & Schuster Books for Young Readers)

The Red Blazer Girls: The Ring of Rocamadour von Michael D. Beil (Random House Children’s Books – Alfred A. Knopf)

Creepy Crawly Crime von Aaron Reynolds (Henry Holt Books for Young Readers)

The Case of the Cryptic Crinoline von Nancy Springer (Penguin Young Readers Group – Philomel Books)

BEST YOUNG ADULT

Reality Check von Peter Abrahams (HarperCollins Children’s Books – HarperTeen)

nominiert

If the Witness Lied von Caroline B. Cooney (Random House Children’s Books – Delacorte Press)

The Morgue and Me von John C. Ford (Penguin Young Readers Group – Viking Children’s Books)

Petronella Saves Nearly Everyone von Dene Low (Houghton Mifflin Harcourt Children’s Books)

Shadowed Summer von Saundra Mitchell (Random House Children’s Books – Delacorte Press)

BEST TELEVISION EPISODE TELEPLAY

Place of Execution” Drehbuch von Patrick Harbinson (PBS/WGBH Boston)

nominiert

Strike Three” (The Closer), Drehbuch von Steven Kane (Warner Bros TV for TNT)

Look What He Dug Up This Time” (Damages), Drehbuch von Todd A. Kessler, Glenn Kessler & Daniel Zelman (FX Networks)

Grilled” (Breaking Bad), Drehbuch von George Mastras (AMC/Sony)

Living the Dream” (Dexter), Drehbuch von Clyde Phillips (Showtime)

ROBERT L. FISH MEMORIAL AWARD

A Dreadful Day” (in Alfred Hitchcock Mystery Magazine) von Dan Warthman (Dell Magazines)

GRAND MASTER

Dorothy Gilman

RAVEN AWARDS

Mystery Lovers Bookshop, Oakmont, Pennsylvania

Zev Buffman, International Mystery Writers’ Festival

ELLERY QUEEN AWARD

Poisoned Pen Press (Barbara Peters & Robert Rosenwald)

THE SIMON & SCHUSTER – MARY HIGGINS CLARK AWARD

(Presented at MWA’s Agents & Editors Party on Wednesday, April 28, 2010)

Awakening von S.J. Bolton (Minotaur Books)

nominiert

Cat Sitter on a Hot Tin Roof von Blaize Clement (Minotaur Books)

Never Tell a Lie von Hallie Ephron (HarperCollins – William Morrow)

Lethal Vintage von Nadia Gordon (Chronicle Books)

Dial H for Hitchcock von Susan Kandel (HarperCollins)

Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!


Kristof Kryszinski und die beiden Rotzlöffel

April 30, 2010

Ein alter Mann mit einer Lidl-Tüte schlurfte vorbei, ohne sich groß an dem Toten oder den beiden Leichenfledderern zu stören. Ein tätowiertes Pärchen mit einem Kinderwagen hingegen hielt an, drehte den Wagen so, dass der Kleine einen guten Blick hatte, und stand dann mit hängenden Liedern und Kiefern einfach da und glotzte.

Manche Stadtviertel versprühen einen solch unnachahmlichen Charme, dass man sich insgeheim fragt, wann wohl die Touristenbusse anrollen.“

Die vor Kristof Kryszinski aufgeschlagene Leiche ist sein Vorgänger: der Hausmeister des Mühlheimer Wohnpark Nord und Privatdetektiv Kryszinski soll undercover herausfinden, wer in diesem sozialen Brennpunkt für die Einbrüche verantwortlich ist. Eine Bürgerwehr hat sich auch schon gegründet. Die üblichen Verdächtigen lungern ebenfalls in dem Sozialbau herum. Kryszinskis Tarnung fliegt, obwohl er gewissenhaft seinen Pflichten als Hausmeister nachkommt und sich von den im Wohnblock lebenden Frauen verköstigen lässt, schnell auf. Aber das ist auch nicht so schlimm. Denn Kryszinski erwischt ungewohnt schnell die beiden titelgebenden, an der Schwelle zur Pubertät stehenden Rotzlöffel Yves und Sean Kerner mit dem Diebesgut in ihrem Kellerversteck und, weil deren Eltern grandiose Vorbilder für einen mustergültigen Fall von schwerer Kindesvernachlässigung sind, werden die beiden Zwillinge sofort in eine Pflegefamilie gesteckt. Im benachbarten Luxemburg.

Eigentlich könnte Kryszinski jetzt sein Honorar einstreichen. Aber er sieht sich noch einmal die Fakten an und er ist sich sicher, dass er verarscht wurde. Die beiden Rotzlöffel Yves und Sean sind als Täter einfach zu perfekt. Er will seinen Fehler wiedergutmachen und fährt nach Luxemburg. Aber die Pflegeeltern wollen ihn nicht zu den Jungs lassen. Als Kryszinski sich etwas umhört, erfährt er, dass die nach außen ach so honorige und um das Wohl der Schutzbefohlenen sehr besorgte Pflegefamilie nicht ganz koscher ist.

Erfahrene Krimileser können sich spätestens jetzt denken – auch weil der Klappentext es schon verrät -, womit die Pflegefamilie ihr Geld verdient.

Das ist nicht so schlimm, wie Spoiler-Hasser jetzt vielleicht befürchten. Denn die Kristof-Kryszinski-Krimis von Jörg Juretzka werden in erster Linie wegen der schnoddrig-lakonischen Sprache und dem saloppen ignorieren jeder Anwandlung politischer Korrektheit gelesen.

Denn obwohl sein eher glückloser Detektiv Kryszinski dieses Mal tief im Milieu der Sozialhilfeempfänger ermittelt und er versucht, zwei benachteiligten Kindern zu helfen, gibt es in „Rotzig & Rotzig“ kein Betroffenheitsgesülze, keine sozialdemokratischen Anklagen gegen die böse Gesellschaft und auch keine Hilferufe nach dem Staat. Das alles bleibt dem sonntäglichen „Tatort“ vorgehalten.

Bei Juretzka wird sich dagegen durchgeschlagen und die beiden Rotzlöffel haben dann auch ihre ganz eigene Ansicht zu der von Kryszinski letztendlich erfolgreich veranstalteten Rettungsaktion.

Jörg Juretzka: Rotzig & Rotzig

Rotbuch, 2010

256 Seiten

16,95 Euro

Hinweise

Krimi-Couch über Jörg Juretzka

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Jörg Juretzka

Kaliber .38 interviewt Jörg Juretzka (2002)

Literaturschock interviewt Jörg Juretzka (2003)

Alligatorpapiere: Befragung von Jörg Juretzka (2004)

2010LAB interviewt Jörg Juretzka (2010)

Meine Besprechung von Jörg Juretzkas „Bis zum Hals“


TV-Tipp für den 30. April: Lucky Luciano

April 30, 2010

WDR, 23.15

Lucky Luciano (I/F 1973, R.: Francesco Rosi)

Drehbuch: Francesco Rosi, Lino Jannuzi, Tonino Guerra

Material/Buch zum Film: Lino Jannuzzi, Francesco Rosi: Lucky Luciano, 1973

Überzeugendes Biopic über den Mafiosi Salvatore “Lucky” Luciano.

Mit Gian Maria Volonté, Rod Steiger, Charles Siragusa, Edmond O’Brien

Hinweise

Wikipedia über Lucky Luciano (deutsch, englisch)

Wikipedia über Francesco Rosi (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Francesco Rosi

Cinémathèque über Francesco Rosi

The Hollywood Reporter interviewt Francesco Rosi (14. Februar 2008)

Movie-College interviewt Francesco Rosi (2001)


Ein Blick in fremde Welten

April 29, 2010

Beginnen wir mit dem großen Minuspunkt von Joachim Körbers „Das bekannte Fremde“: dem Inhaltsverzeichnis. Es sind nur die Titel abgedruckt. Dabei wären einige weitere Informationen schon gut.

Also muss ich es hier machen:

Teil 1: Leute

Das bekannte Fremde (über Ursula K. Le Guin)

Was ist Wahrheit? (über Philip K. Dick)

Die Frau im Mond (über Thea von Harbou)

Der Prophet des Untergangs (über J. G. Ballard)

Teil 2: Bücher

Guter Autor – böser Autor (über „Desperation“ von Stephen King und „The Regulators“ von Richard Bachman)

Wider den billigen Nervenkitzel (über „Der Gedankenleser“ von Gunter Gross)

Die Welt stinkt (über „Gegen die Welt, gegen das Leben“ von Mchel Houllebecq)

Tanz im anderen Wind (über „Rückkehr nach Erdsee“ von Ursula K. Le Guin)

Mit dem Vorschlaghammer dem Leser eins in die Fresse“ (über „Ein amerikanischer Thriller“ und „Ein amerikanischer Albtraum“ von James Ellroy)

It’s hard to be a king (über „Bote der Nacht“ von Dean Koontz)

Brave New World Revisted (über „Die Enteigneten“ von Ursula K. Le Guin)

Teil 3: Themen

Raumpatrouille Orion (Ähem, das ist selbsterklärend.)

Ein Krieg wird kommen (über die Verquickung von militärischen Entwicklungen und Science-Fiction, unter besonderer Berücksichtigung der Verbindungen zum völkischen Denken)

Manche mögen’s kalt (über die Welteislehre oder Glazial-Kosmogonie und ihre Beliebtheit bei den Nazis)

Das Ende der Zukunft? (ein Essay über die Wichtigkeit von Visionen)

Herr Roland kam zum finstern Turm… (über Stephen Kings Saga vom Dunklen Turm)

Proletarier im Fantasy-Land (Abschließendes zu Fafhrd und dem Grauen Mausling – und dem Werk von Fritz Leiber und seiner Bedeutung)

Von Mäusen und Menschen oder Spiegelungen in einem dunklen Glas (über Susan Palwicks „Das Schicksal der Mäuse“ und Daniel Keyes‘ „Blumen für Algernon“)

Der James Bond des neuen Jahrtausends (vor allem über „Casino Royale“)

J. G. Ballard und die Erinnerungen an das Raumfahrtzeitalter (über J. G. Ballard und seine ganz wenigen Schriften zur Mondlandung)

Die meisten Texte sind in den vergangenen Jahren an verschiedenen Orten, wie Jungle World, Mephisto und Alien Contact, erschienen und für Hardcore-Krimifans nicht sonderlich interessant. Aber wer einen etwas weiteren Blick hat, wird viele Perlen finden. Dazu gehören die Rückblicke in die Geschichte der phantastischen Literatur in den Aufsätzen „Ein Krieg wird kommen“ und „Manche mögen’s kalt“. Sie beschäftigen sich vor allem mit dem deutschen Weg in der Verbindung zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen (die sich teilweise als Unfug herausstellten), populären Zukunftsromanen, völkisch-faschistischem Denken und ihren Nachwirkungen nach 1945.

In „Das Ende der Zukunft“ spricht Körber sich für eine überfällige Wiederkehr von Visionen aus:

Wir, als Volk, als Bürger, haben ein Recht auf Utopien und Visionen, und es ist Aufgabe von Politik, Wissenschaft und Kunst, sie uns zu geben. Welche Folgen Politik ohne Visionen haben kann, das führt uns der aktuelle Zustand des Staates und seiner Regierung jeden Tag vor Augen.“

Mit den Texten über Ursula K. Le Guin konnte ich weniger anfangen. Aber das liegt – weil ich kein Fantasy-Fan bin – vor allem daran, dass ich von Le Guin, außer ihrem Schreibratgeber „Kleiner Autoren-Workshop“, nichts gelesen habe. Die Texte über Ballard, Dick, Ellroy, King, Koontz und von Harbou bieten lesenswerte Einblicke in das Leben und Werk der Autoren.

Ein wiederkehrendes Thema der von Körber für diesen Sammelband zusammengestellten Texte ist das Verhältnis von vertrauter und fremder Welt. Diese kann auf anderen Planeten, in der Zukunft, in der Gegenwart oder in unserer Psyche liegen.

Joachim Körber ist Verleger (unter anderem die Edition Phantasia und kuk), Übersetzer (unter anderem Stephen King, Max Brooks, Neal Stephenson und Dan Simmons), Autor (unter anderem „Wolf“) und einer der deutschsprachigen Experten im Bereich der phantastischen Literatur. Dass er nebenbei in der Edition Phantasia auch eine kleine, feine Krimireihe pflegt, macht ihn nur noch sympathischer.

Joachim Körber: Das bekannte Fremde – Schriften zur Phantastik (nebst einigen anderen)

kuk, 2010

240 Seiten

20 Euro


TV-Tipp für den 29. April: Frenzy

April 29, 2010

Arte, 20.15

Frenzy (GB 1972, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Anthony Shaffer

LV: Arthur La Bern: Goodbye Piccadilly, Farewell Leicester Square, 1966 (Frenzy)

Ein Frauenmörder versetzt ganz London in Panik. Die Polizei tappt im Dunkeln. Und ein Unschuldiger kennt den richtigen Täter: seinen besten Freund.

Oder in Hitchcocks Worten: „Frenzy ist die Geschichte eines Mannes, der impotent ist und sich deshalb durch Mord ausdrückt.“

Hitchcocks vorletzter Film, seine Rückkehr nach London und seine Rückkehr in die Kritikerherzen, nachdem er seit „Die Vögel“ (1963) nichts wirklich weltbewegendes präsentierte. Zum Beispiel: „wunderbar komisches Drehbuch“ (New York Times), „Der strahlende Beweis, dass jeder, der einen spannenden Film macht, immer noch ein Lehrling dieses Meisters ist“ (Time Magazine), „Frenzy ist das reine Hitchcock-Festival“ (Harris/Lasky) – Ich konnte diese Euphorie nie teilen. Denn alle Beziehungen sind steril oder enden mit Mord. „Frenzy ist bis zum letzten Bild eine hermetische und kalt negative Vision des menschlichen Daseins.“ (Donald Spoto)

Mit Jon Finch, Barry Foster, Barbara Leigh-Hunt

Wiederholung: Montag, 3. Mai, 00.40 Uhr (Taggenau!))

Hinweis

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


D. B. Blettenberg enthüllt „Murnaus Vermächtnis“

April 28, 2010

Was hat D. B. Blettenberg in den letzten Jahren getan? Seit seinem Südafrika-Krimi „Land der guten Hoffnung“ vergingen vier Jahre.

Mit „Murnaus Vermächtnis“ liegt jetzt die Antwort vor. Blettenberg hat mit gut sechshundert Seiten sein bislang umfangreichstes Werk geschrieben.

In dem Abenteuerroman soll in Ghana der deutschstämmige Tourguide Victor Voss den seltsam blass aussehenden Albin Grau nach Ho begleiten. Schon vor der Abfahrt häufen sich die seltsamen Ereignisse. Aus Voss‘ Auto wird seine Sporttasche und ein Minisarg gestohlen. Fledermäuse wecken ihn aus einem alptraumhaftem Schlaf. Als Voss sich über seinen seltsamen Kunden erkundigt, erfährt er, dass er kein Spiegelbild hat.

Außerdem ist Grau ein Murnau-Fan und die Fahrt hat etwas mit dem verstorbenen Stummfilmregisseur, der mit der Dracula-Variante „Nosferatu“ einen Klassiker des Horrorfilms drehte, zu tun. Die Zeichen für kommende Katastrophen sind unübersehbar.

Aber bevor Voss und Grau das Ziel ihrer Fahrt erreichen, wird Grau nachts in seinem Hotelzimmer ermordet. Jemand hat ihm eine dreizackige Wunde in die Halsschlagader gestochen (oder gebissen?) und verbluten gelassen.

Kurz darauf wird Voss‘ mütterliche Freundin Vera ermordet. Voss will jetzt herausfinden, warum Grau und Vera ermordet wurden und was das alles mit Friedrich Wilhelm Murnau zu tun hat.

In „Murnaus Vermächtnis“ entwirft Blettenberg ein detailliertes Bild von Ghana vor sechs Jahren. 2003 und 2004 arbeitete Blettenberg als Entwicklungshelfer in Ghana und, wie schon in seinen vorherigen Romanen, verarbeitet er seine Reiseeindrücke in einem spannenden Roman.

Aber im Gegensatz zu seinen vorherigen Krimis ist „Murnaus Vermächtnis“ kein Politthriller, sondern ein Old-School-Abenteuerroman mit Schatzjägern, korrupten Polizisten, schönen Frauen, Mystizismus, Okkultismus, Geisterglaube und Tabus (so auch der Titel von Murnaus letztem Film). Das ganze ergänzt er um eine satte Portion deutscher Geschichte (so wurde die Ghana Air Force von der Deutschen Hanna Reitsch aufgebaut), Familienbande und Inzest.

Das ist natürlich schönster Pulp, der hier von D. B. Blettenberg auf gut sechshundert Seiten ausgerollt wird. Früher hätten dafür dreihundert Seiten gereicht. Aber dann hätten wir – leider – viel weniger über Friedrich Wilhelm Murnau, Ghana, die deutsche Kolonialgeschichte und das alltägliche Leben in und um Accra, der Hauptstadt von Ghana, erfahren. Das hat letztendlich teilweise nichts mit der Schatzsuche zu tun, aber während Ich-Erzähler Voss noch in seinem Alltagsleben gefangen ist, entsteht so das Gefühl einer diffusen Bedrohung (Hey, es gibt keine Vampire! Oder vielleicht doch?) und Blettenberg legt viele richtige und einige falsche Spuren aus.

Murnaus Vermächtnis“ ist, wie bei D. B. Blettenberg auch nicht anders zu erwarten, ein feiner Schmöker für ein langes Wochenende.

D. B. Blettenberg: Murnaus Vermächtnis

Dumont, 2010

576 Seiten

19,95 Euro

Lesung

D. B. Blettenberg stellt am Donnerstag, den 29. April, um 19.00 Uhr, im Veranstaltungssaal des Berliner Verlags (Karl-Liebknecht-Straße 29, Nähe S/U-Bahnhof Alexanderplatz) seinen neuen Roman vor.

Als Eintritt wird um eine großzügige Spende von Lebenszeit gebeten.

Hinweise

Homepage von D. B. Blettenberg

Meine Besprechung von D. B. Blettenbergs „Land der guten Hoffnung“

Wikipedia über D. B. Blettenberg

Lexikon der deutschen Krimiautoren über D. B. Blettenberg

Krimi-Couch über D. B. Blettenberg

Die Verbrechen des Herrn Blettenberg

Weint nicht um mich in Quito, 1981

Agaven sterben einsam, 1982

Barbachs Bilder, 1984

Siamesische Hunde, 1987

Farang, 1988

Blauer Rum, 1994

Harte Schnitte, 1995

Null Uhr Managua, 1997

Berlin Fidschitown, 2003

Land der guten Hoffnung, 2006

Murnaus Vermächtnis, 2010


TV-Tipp für den 28. April: Das Halstuch – Teil 1

April 28, 2010

Eins Festival, 21.10

Das Halstuch – Teil 1 (D 1962, R.: Hans Quest)

Drehbuch: Francis Durbridge (Übersetzung: Marianne de Barde)

In dem Kaff Littleshore wird eine junge Frau mit einem Halstuch erdrosselt. Inspektor Harry Yates sucht den Täter.

Legendäre, sechsteilige Durbridge-Verfilmung, die damals als „Straßenfeger“ für leere Straßen sorge.

Im Gegensatz zu seinem Ruf ist „Das Halstuch“ allerdings sehr schlecht gealtert. Es ist ein abgefilmtes Theaterstück und die wenigen Außenaufnahmen könnten überall gedreht worden sein. Die Story ist Durbridge-typisch mit einem Cliffhanger am Ende jeder Folge, vielen Verdächtigen, auf eine altmodische Art spannend (wenig Thrill, eher entspannend und nett anzusehen) und letztendlich nicht sehr logisch.

Den zweiten Teil gibt’s erstmals am kommenden Mittwoch, den 5. Mai, um 21.15 Uhr.

Mit Heinz Drache, Albert Lieven, Margot Trooger, Dieter Borsche, Horst Tappert, Hellmut Lange, Eva Pflug

Wiederholungen

Samstag, 1. Mai, 18.20 Uhr

Sonntag, 2. Mai, 14.10 Uhr

Hinweis

Meine ausführliche Besprechung von „Das Halstuch“


Cover der Woche

April 27, 2010