In den vergangenen Jahren waren vor allem Katastrophenmeldungen über die von Rolf Basedow geschriebene und von Dominik Graf inszenierte zehnteilige TV-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ zu hören. Steigende Budgets, eine geschrottete Produktionsgesellschaft undsoweiter.
Graf selbst sagt zwar, dass es vielleicht nicht schlecht sei, die Serie an einem Stück zu sehen, aber wenn eine Serie schon als zehnteilige Serie konzipiert wird, sollte doch wenigstens die Erstausstrahlung so ablaufen.
Jedenfalls für alle, die noch nicht wissen, ob sie die Serie ansehen sollen (Was ich nicht verstehen kann.) oder die Serie erst nach der TV-Ausstrahlung an einem Stück sehen wollen (Was ich aufgrund meines eigenen Sehverhaltens gut verstehen kann) gibt es hier eine ziemlich umfassende, durchaus eigennützige Sammlung der Berichte und Kritiken zur Serie:
Im Alexander-Verlag erscheint im September das Filmbuch „Im Angesicht des Verbrechens“ von Johannes Sievert. Geplant ist ein umfassender Einblick in die Dreharbeiten.
LV: John Buchan: The Thirty-Nine Steps, 1915 (Die neundundreißig Stufen)
Richard Hannay wird verdächtigt einen Spion umgebracht zu haben. Die Suche nach dem Mörder führt ihn durch halb England zu einem mordlüsternem Spionagering.
Hitchcock-Klassiker aus seiner englischen Phase.
“Was mir bei The 39 Steps gefiel, waren die jähen Umschwünge und das rapide Springen von einer Situation in die nächste. (…) Sollte ich The 39 Steps noch einmal drehen, dann würde ich wieder nach diesem Rezept vorgehen. Aber das kostet wirklich eine Menge Arbeit. Man muss einen Einfall auf den anderen folgen lassen, und das unheimlich schnell.” (Alfred Hitchcock zu Peter Bogdanovich)
Mit Madeleine Carroll, Robert Donat, Lucie Mannheim, Godfrey Tearle, Peggy Ashcroft, John Laurie
Wiederholung: MDR, Montag, 3. Mai, 01.00 Uhr (Taggenau!)
Die Story ist einfach und altbekannt: ein Polizist jagt einen ihm geistesverwandten Dieb.
Der Film ist sogar ein Remake. Michael Mann nahm einfach sein altes Drehbuch für „Showdown in L. A.“ (L. A. Takedown, 1989) und machte aus einem anderthalbstündigem TV-Piloten einen dreistündigen Kinofilm. Dank des größeren Budgets und guter Schauspieler (eine aus heutiger Sicht sehr beeindruckende Liste von Mann-Vertrauten, Stars und damals noch unbekannteren Namen) entstand ein Klassiker.
Berater bei dem Film waren Chuck Adamson (vor seinem Tod: Polizist und Autor für „Miami Vice“ und „Crime Story“), Dennis Farina (heute: Ex-Polizist und Schauspieler) und Andy McNab (heute: Ex-SAS und Schriftsteller).
mit Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight, Tom Sizemore, Amy Brenneman, Ashley Judd, Mykelti Williamson, Wes Studi, Diane Venora, Ted Levine, Dennis Haysbert, William Fichtner, Natalie Portman, Tom Noonan, Danny Trejo, Henry Rollins, Jeremy Piven, Xander Berkeley, Marty Ferrero, Rick Avery, Bud Curt (ungenannt, als Restaurantmanager Solenko)
Seine letzten guten Filme liegen schon einige Jahre zurück, aber davor spielte er in einigen All-Time-Klassikern mit: Der Pate (alle drei Teile), Asphalt-Blüten (fast unbekannt), Serpico, Hundstage, …und Gerechtigkeit für alle (Mein erster Al-Pacino-Film), Cruising, Scarface, Melodie des Todes (nach einer vierjährigen Kinopause), Dick Tracy (aus heutiger Sicht für die aktuellen Comicverfilmungen als Missing Link einen neuen Blick wert), Glengarry Glenn Rose, Der Duft der Frauen, Carlito’s Way, Heat, City Hall, Donnie Brasco, Im Auftrag des Teufels (vor allem wegen Al Pacino als —), The Insider, An jedem verdammten Sonntag, Insomnia – Schlaflos und seine ungewöhnliche Shakespeare-Verfilmung „Al Pacino’s Looking for Richard“ (auch Regie).
Im Balkanexpress verschwindet eine nette, ältere Dame. Eine junge Frau und ein ebenfalls junger Mann suchen sie, obwohl die anderen Passagiere behaupten, die alte Dame habe niemals existiert.
Hitchcocks letzter bedeutender englischer Film. Danach ging’s nach Hollywood und der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte.
“Die hervorragenden Schauspieler tragen das ihre dazu bei, aus der launigen Geschichte ein fesselndes Abenteuer zu machen. Am überzeugendsten aber siegt hier Hitchcocks Genie, den Thrill aus dem kontrapunktischen Spiel von Suspense und Komik zu schöpfen.” (Robert A. Harris/Michael S. Lasky: Alfred Hitchcock und seine Filme)
Mit Margaret Lockwood, Michael Redgrave, Paul Lukas
4 (-) Paco Ignacio Taibo II: Der Schatten des Schattens
5 (8) Arne Dahl: Dunkelziffer
6 (-) Friedrich Ani: Die Tat
6 (-) Michael Connelly: So wahr uns Gott helfe
7 (-) Gerben Hellinga: Dollars
7 (5) Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus
8 (-) Adrian McKinty: Der sichere Tod
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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.
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Fünf Neueinsteiger ist schon wieder eine ganze Menge. Einiges davon liegt auch auf meinem Zu-Lesen-Stapel. Denn in den vergangenen Tagen hatte ich verdammt wenig Zeit. Ansonsten befindet die Liste sich fest in Männerhänden und die Ani-Begeisterung werde ich wahrscheinlich nie verstehen.
Kopfschüttelnd lese ich den neuen Blettenberg, „Murnaus Vermächtnis“, weiter. Feines Buch. Jedenfalls die ersten Seiten.
Bei den Alligatorpapieren sind meine neuen, wie immer von Alfred üppig bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps online:
Am 29. April 1980 starb Alfred Hitchcock. Für die TV-Macher ist dieses Datum die – von uns Suspense-Fans euphorisch begrüßte – Gelegenheit, gaaanz viele Hitchcock-Filme zu zeigen. Neben den Hitchcock-Filmen gibt es auch die letzten beiden Teile der TV-Version von „Der Pate“, Joseph Sargents John-Godey-Verfilmung „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“ (deutlich besser als das Remake), Francois Truffauts Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Geheimnis der falschen Braut“, Lars Beckers „Nachtschicht: Vatertag“, Francesco Rosis Biopic „Lucky Luciano“, Daniel Percivals Val-McDermid-Verfilmung „Ein Ort für die Ewigkeit“, Barry Sonnenfelds Elmore-Leonard-Verfilmung „Schnappt Shorty“, Shane Blacks Brett-Halliday-Verfilmung „Kiss Kiss Bang Bang“, Orson Welles‘ Whit-Masterson-Verfilmung „Im Zeichen des Bösen“, Clint Eastwoods Andrew-Klavan-Verfilmung „Ein wahres Verbrechen“, Ang Lees Daniel-Woodrell-Verfilmung „Wer den Teufel reitet“ (Ach, liebe Verleiher, ich würde gerne die neue Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“ im Kino sehen.) und für die Oldie-Fans gibt es die Francis-Durbridge-Verfilmung „Das Halstuch“.
Anlässlich des 30. Todestages von Alfred Hitchcock (13. August 1899 – 29. April 1980) gibt es heute und in den folgenden Tagen eine satte Portion Hitchcock-Filme. Den Anfang macht
BR, 20.15
Der unsichtbare Dritte (USA 1959, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Ernest Lehman
Ein immer wieder unterhaltsamer Hitchcock-Cocktail: Feindliche Agenten halten den lebenslustigen Werbekaufmann Roger Thornhill für einen US-Spion und die Polizei für einen Mörder. Um seine Unschuld geht die Jagd „North by Northwest“.
Mit Cary Grant, Eva Marie Saint, James Mason, Leo G. Carroll, Martin Landau
Wiederholung: Sonntag, 25. April, 23.45 Uhr
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BR, 22.45
Bei Anruf Hitchcock (USA 1999, R.: Te Haimes)
Drehbuch: Ted Haimes
Spielfilmlange Doku über Alfred Hichtcock
mit Patricia Hitchcock, Brian De Palma, Jonathan Demme, Curtis Hanson, Robert Altman, Peter Bogdanovich Tippi Hedren, Teresa Wright, Janet Leigh, Joseph Stefano, Norman Lloyd
Wiederholung: Sonntag, 25. April, 02.05 Uhr (Taggenau!)
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BR, 00.25
Verdacht (USA 1941, Regie: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville
LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)
Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb glaubt sie, dass er sie umbringen will.
Klassiker.
Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.
“Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‚Verdacht‘ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)
mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce
Das faszinierendste an dem aus den Krimis „1974“, „1977“, „1980“ und „1983“ bestehendem Red-Riding-Quartett von David Peace ist die Sprache. Es ist eine Sprache, die zu einer Hörbuchfassung einlädt, und die in direkter Opposition zu einer Verfilmung, die sich auf den Plot und die Bilder konzentriert, steht. Aber der werbefinanzierte Sender Chanel 4 hat es trotzdem gewagt und es entstand, nach den Drehbüchern von Tony Grisoni (Angst und Schrecken in Las Vegas, In this World, Tideland), eine überzeugende und eigenständige Interpretation der Romane „1974“, „1980“ und „1983“.
In „1974“ versucht der junge, ehrgeizige Journalist Edward Dunford (Andrew Garfield) herauszufinden, was in Yorkshire mit drei verschwundenen Mädchen geschah.
In „1980“ soll Peter Hunter (Paddy Considine) die Ermittlungen seiner Kollegen im Fall des Yorkshire-Rippers überprüfen.
In „1983“ soll der Anwalt John Piggott (Mark Addy) den unschuldig verurteilten, psychisch kranken Kindermörder Michael Myshkin (Daniel Mays) frei bekommen. Gleichzeitig hadert der Polizist Maurice Jobson (David Morrissey) mit seinem Gewissen. Denn er ist tief in die schmutzigen Geschäfte und verbrecherischen Ermittlungsmethoden der Yorkshire-Polizei verwickelt. Und wieder ist ein Mädchen verschwunden.
Anhand der Geschichten dieser Männer, von denen nur – neben einigen Nebencharakteren – der Polizist Maurice Jobson in allen drei Filmen auftritt, wird Yorkshire als eine Gegend porträtiert, in der die Polizei, Verbrecher und die geistlichen und weltlichen Honoratioren wie Könige herrschen und sich nur an ihre eigenen Gesetze halten. Sie tun alles, damit keine Fremden, wie Dunford und Hunter, ihre Kreise stören. Aber auch Jobson und Pigott verfangen sich in dem Netz.
Umgesetzt wurden die Geschichten von Julian Jarrold, James Marsh und Anand Tucker in ruhigen, fast schon träumerischen Bildern, die wie ein Alptraum einen Sog entwickeln und mit wenigen Aufnahmen und Accessoires ein stimmiges Porträt der Jahre 1974, 1980 und 1983 heraufbeschwören.
„1974“ orientiert sich dabei vor allem am traditionellen Noir und den Paranoia-Thrillern der Siebziger, in denen Journalisten (öfters) und Detektive (seltener) eine Verschwörung aufdeckten und und den Abspann oft nicht überlebten.
„1980“ ist dagegen, vor allem weil die Ermittlungen von Detective Peter Hunter und die Streitigkeiten innerhalb der Polizei im Mittelpunkt stehen, ein Polizeifilm. Selbstverständlich mit einer satten Portion Noir.
„1983“ beginnt wie ein klassischer italienischer Mafiafilm und wird schnell zu einer sehr düsteren und bedrückenden Fantasie, die durch das ständige Wechseln zwischen den verschiedenen Erzählsträngen und zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu einer Allegorie auf die Zeitlosigkeit von Macht wird. Über die Jahre werden verschiedene Menschen von der Polizei mit den immergleichen Worten und Ritualen gefoltert. Die Hintergründe der Ereignisse aus den vorherigen Filmen „1974“ und „1980“ werden enthüllt. Drehbuchautor Tony Grisoni und Regisseur Anand Tucker springen, wie schon David Peace in seinem Roman, bruchlos zwischen den verschiedenen Ebenen hin und her. Die „1974“ in einen schon korrupten Boden gelegte Saat geht in „1983“ endgültig auf.
Am Ende des Noir ist das Kind gerettet und viel näher an ein konventionelles Happy End kommt der düstere Kosmos von David Peace und seinem genauem Adapteur Tony Grisoni nicht.
Die aus drei kinotauglichen Filmen bestehende „Red Riding Trilogy“ zeigt wieder einmal, auf welch hohem Standard das englische Fernsehen Geschichten erzählt. Es sind Filme für ein denkendes Publikum, das das Einschalten des Fernseher nicht als eine bedingungslose Aufforderung zum Abschalten des Gehirns verstehe.
Die Filme sind, wie die Romane von David Peace, nicht jedermanns Sache. Denn obwohl die Männer in den Verfilmungen positiver als in den Büchern gezeichnet werden, ist Yorkshire für die Männer und Frauen eine Vorhölle, aus der sie lebend nicht entkommen können. Die klaustrophisch-meditativen Interpretationen der Romane sind in jeder Hinsicht exzellent.
Das kann von dem spärlichen Bonusmaterial nicht behauptet werden. Es gibt einige geschnittene Szenen und kurze, großzügig auf „1980“ und „1983“ verteilte, weitgehend überflüssige Making-of-Interviewschnipsel. Interessant sind nur die Bemerkungen von Drehbuchautor Tony Grisoni und Regisseur Julian Jarrold.
Red Riding Trilogy (GB 2009)
Regie: Julian Jarrold, James Marsh, Anand Tucker
Drehbuch: Tony Grisoni
LV: David Peace: 1974, 1980, 1983
mit Andrew Garfield (Eddie Dunford), Paddy Considine (Peter Hunter), David Morrissey (Maurice Jobson), Mark Addy (John Piggott), Sean Bean (John Dawson), Jim Carter (Harold Angus), Warren Clarke (Bill Molloy), Anthony Flanagan (Barry Gannon), Rebecca Hall (Paula Garland), Sean Harris (Bob Craven), Gerard Kearns (Leonard Cole), Eddie Marsan (Jack Whitehead), Peter Mullan (Martin Laws), Maxine Peake (Helen Marshall)
Robert Sheehan (BJ), Daniel Mays (Michael Myshkin)
More than one reviewer over the years has called THE LAST GOOD KISS nothing less than “the best private eye novel ever written,” but I think that’s merely what it could have been, had Crumley shown a greater regard — or any regard, really — for realism. And plots that do more than circle back upon themselves, over and over again. Whatever the best private eye novel ever written really is — and that’s a debate for another day — I have to believe it’s a much deeper read than THE LAST GOOD KISS, and that its author did a better job of balancing pathos with the absurd.
Der Krimiautor nennt auch seine großen Vorbilder:
I was reading people like Lawrence Block and Ross MacDonald; John D. McDonald, Raymond Chandler and Jonathan Valin. Authors who showed little or none of the interest in super-sized fantasy that Crumley appears to have exulted in. Block, in particular, took pains to scale everything in his stories back — character, dialogue, sex — to keep all within the realm of the genuinely possible, doling out humor, in particular, in doses Crumley would have no doubt considered miserly. Block’s was a style of writing within genre I found most involving from a reader’s perspective, and most challenging from a writer’s, and so it was Block whom I ultimately chose to emulate — as I continue to do today. (I’ve yet to reach the Grand Master’s level, of course, and indeed, I never may. But Block’s stuff is still my target, and I’ve got no problem admitting it.)
„Die britische Antwort auf ’24’“ ist die gern benutzte Kurzbeschreibung der BBC-Serie „Spooks – Im Visier des MI5“. Das ist in vielen Punkten Quatsch. Denn „Spooks“ ist kein zeitgemäßes Update von „Die Profis“, um eine englische Serie zu nennen, sondern eher ein dramatisierter Einblick in die Arbeit eines Geheimdienstes und wie sich die Arbeit auf das Psyche auswirkt. Natürlich gibt es auch Action, aber im Vergleich zu „Die Profis“ (für die älteren Semester) oder „24“ (für die Jüngeren) fällt der Actionanteil eher gering aus, es gibt wenige Außendrehs und die MI5-Agenten wirken alle etwas unnahbar. Denn sie sind alle professionelle Lügner. Sie belügen ihre Vorgesetzten, ihre Kollegen und ihre Partner. Außerdem sind sie jederzeit ersetzbar oder können, wie das Ende der zweiten Folge „Gefährliche Idee“ zeigt und das Staffelende vermuten lässt, sterben. In „Spooks“ gibt es nicht, wie in „24“ einen Jack Bauer, der garantiert bis zur letzten Folge der Staffel überlebt. Das ist im ersten Moment, weil man sich nicht bedingungslos mit einem Charakter identifiziert, ein Nachteil. Ebenso können Nebencharaktere aus den ersten Episoden später wichtiger werden und es ist anfangs unklar, – jedenfalls für die erste Staffel – wer der wichtigste Mann im Team ist. Aber nach einigen Folgen und wenn man sich auf die Welt der „Spooks“ einlässt, ist das ein Vorteil. Denn die erzählerischen Möglichkeiten sind viel größer.
So wird von gefährlichen Undercover-Einsätzen gegen Rechtsradikale („Gefährliche Idee“), dem Kampf gegen radikale Abtreibungsgegner („Heilige Rache“), Geiselnahmen von Terroristen in einer Botschaft („Späte Rache“), der Frage, ob ein legendärer Agent während eines Undercover-Einsatzes gegen Globalisierungsgegner die Seiten wechselte („Verzweifelungstat“), den kompromittierenden Memoiren eines ehemaligen Staatsmannes („Die Memoiren“) und dem Kampf gegen islamistische Terroristen, die in England ein Atomkraftwerk zerstören wollen („Dreht Harry durch?“) erzählt.
Neben diesen Einsätzen, die teilweise noch komplizierter werden, weil MI5-Agenten undercover zu den Geiseln gehören, die Informationen von einer irischen Terrorgruppe kommen, es sich um ein Ablenkungsmanöver handelt oder handeln könnte und natürlich niemandem vertraut werden kann (in diesem Punkt gleicht „Spooks“ „24“), gibt es auch einige fortlaufende Geschichten. Die wichtigste ist dabei die auf einer Lüge aufgebaute Liebesgeschichte zwischen dem Agenten Tom Quinn (Matthew Macfadyen) und der alleinerziehenden Restaurantbesitzerin Ellie Simm (Esther Hall). Denn sie glaubt, dass er ein biederer, für den Staat arbeitender Informatiker ist. Auch die hochrangige MI5-Agentin Tessa Phillips (Jenny Agutter), die auf den ersten Blick wie eine graue Maus wirkt, wird zunehmend wichtiger und sie hat es faustdick hinter den Ohren.
In zwei Folgen spielt Hugh Laurie (seit 2004 „Dr. House“; – aber das wisst ihr ja alle) den überheblich-blasierten MI6-Mann Jools Siviter, der als Auslandsgeheimdienstler auf den MI5 als Kindergartenveranstaltung nur mit Verachtung herabschaut und so auch etwas Humor in die Serie bringt.
Das informative Bonusmaterial fällt mit neunzig Minuten für eine britische Serie ungewohnt üppig aus. Es wird viel über die Produktion und die Hintergründe der Serie gesprochen. Es wird verraten, warum „Spooks“ keine Credits hat. Dass bei dem Bonusmaterial ebenfalls auf das Einblenden von Name und Beruf der redenden Autoren, Cutter, Produzenten und Regisseure verzichtet wurde, übertreibt die Idee mit der Anonymität dann doch etwas. Die Hauptdarsteller erzählen etwas über ihre Anfänge und, manchmal, auch über ihre Rolle. Und es gibt, als überflüssigster und, mit zehn Minuten, kürzester Teil des Bonusmaterials, einige geschnittene Szenen.
Die „Spooks“ sind nicht so catchy wie die Gauner aus „Hustle“ (einer weiteren Kudos-Serie), sondern eher unauffällig-bieder. Halt wie echte Spione, die ihren le Carré gelesen haben und manchmal gerne James Bond wären, aber wissen, dass das Eskapismus ist.
Polyband veröffentlichte die „Internationale Fassung“. Diese Version wird bereits in England hergestellt, indem pro Folge etwa zehn Minuten herausgeschnitten werden. Insofern: ja, gekürzt, aber vom Hersteller.
Spooks – Im Visier des MI5 – Staffel 1 (Spooks, GB 2002)
mit Matthew Macfadyen (Tom Quinn), Keely Hawes (Zoe Reynolds), Peter Firth (Harry Pearce), David Oyelowo (Danny Hunter), Jenny Agutter (Tessa Phillips), Lisa Faulkner (Helen Flynn), Hugh Laurie (Jools Siviter), Esther Hall (Ellie Simm)
Gaststars: Lisa Eichhorn, Anthony Head, David Calder, Lorcan Cranitch
Bonusmaterial: Spooks (Idee und Ursprung, Das Format, Kein Abspann, Die Credits für Episode 1 – 6, Die Terror-Frage, Das Casting), Cast (Matthew Macfadyen, Keely Hawes, Peter Firth, David Oyelowo, Jenny Agutter, Hugh Laurie als Jools Siviter [Interwies mit den Schauspielern über ihre Anfänge und ihre Rolle; über Hugh Laurie und seine Rolle äußern sich andere), Crew (Die Produzenten, Der Autor [Wolstencroft], Der Regisseur [Nalluri], Der Cutter), Deleted Scenes, Wendecover
Laufzeit: 300 Minuten (6 x 50 Minuten), 90 Minuten Bonusmaterial
FSK: ab 16 Jahre
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Die ersten sechs Einsätze der „Spooks“
Heilige Rache (Thou shalt not kill)
Regie: Bharat Nalluri
Drehbuch: David Wolstencroft
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Gefährliche Idee (Looking after our own)
Regie: Bharat Nalluri
Drehbuch: David Wolstencroft
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Späte Rache (One last dance)
Regie: Rob Bailey
Drehbuch: Simon Mirren
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Verzweifelungstat (Traitor’s Gate)
Regie: Rob Bailey
Drehbuch: Howard Brenton
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Die Memoiren (The Rose Bed Memoir)
Regie: Andy Wilson
Drehbuch: Howard Brenton
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Dreht Harry durch? (Mean, dirty, nasty; US-Titel: Lesser of two Evils)
Was macht der Nachwuchs der Filmhochschule Konrad Wolf und der Deutschen Film- und Fernsehakademie? Nun, heute gibt’s als Arbeitsproben die Kurzfilme „Lebendkontrolle“ (22.45 Uhr), „Magda“ (23.15 Uhr) und „Mondwärts“ (23.45 Uhr), morgen dann „Jessi“ (23.45 Uhr), „Orpheus“ (00.15 Uhr) und „Der Kommissar“ (00.45 Uhr).
Columbo: Blumen des Bösen (USA 1972, R.: Boris Sagal)
Drehbuch: Jonathan Latimer
Onkel Jarvis, Orchideenzüchter und Verwalter des Familienvermögens, schlägt dem in finanziellen Nöten steckenden Playboy Goodland eine fingierte Entführung vor. Aber Goodland bleibt für immer verschwunden. Oder wird Columbo ihn finden?
Diese natürlich äußerst gelungene Columbo-Folge (Plot gut, Dialoge gut, Schauspieler dito) ist das letzte Drehbuch des Pulp-Autors. Joseph Latimer schrieb auch Drehbücher für die langlebige Perry Mason-Serie mit Raymond Burr.
Seit vier Jahren schicken die Autoren Jimmy Palmiotti und Justin Gray im Wilden Westen den Kopfgeldjäger Jonah Hex auf die Jagd nach Verbrechern. Gejagt wird auch im heutigen Manhattan in dem ebenfalls von ihnen geschriebenen Begleitbuch zu dem Videospiel „Prototype“.
Dort jagen die harten NYPD-Cops McKlusky und Ella Garcia eine unbekannte Bestie, die in einem U-Bahn-Schacht einen Berg zerfetzter Leichen hinterlassen hat. Gleichzeitig riegelt das Militär Manhattan ab. Zusammen mit der Söldnerarmee Blackwatch jagen sie Menschen, die von einem Virus infiziert wurden, der sie zu menschenfressenden Bestien macht. Dieser Virus brach vor vierzig Jahren aus einem geheimen Labor aus und seitdem jagt Peter Randall die Infizierten und tötet sie. Kollateralschäden inclusive. Nur so kann der Schaden für den Konzern Genteck minimiert werden. Und natürlich jagen die Infizierten Menschen. Außerdem springt ein Gestaltwandler durch die Panels.
Dieser Gestaltwandler Alex Mercer ist im Comic (im Gegensatz zum Spiel) nur eine Nebenfigur und deshalb in der sechsteiligen Miniserie ein rätselhaft-unwichtiger Charakter.
Die Story von „Prototype“ ist ein hübsch noirischer Thriller, in dem alles, was Genrejunkies zwischen wildgewordenen Monstern, durchgeknallten Militärs, einem alles beherrschendem militärisch-industriellem Komplex und zwei hartgesottenen Bulle lieben, aufgefahren wird.
In die in Manhattan spielende Geschichte von McKlusky und Garcia werden immer wieder Episoden aus der Vergangenheit eingefügt. In ihnen erzählen Palmiotti und Gray, warum Randall die Monster jagt und wo sie herkommen. Das entbehrt, wenn er und seine Männer 1969 in Idaho das Städtchen Hope einäschern, natürlich nicht einer schwarzhumorigen Ironie.
Obwohl „Prototype“ als sechsteilige Miniserie in sich abgeschlossen ist, steht auf der letzten Seite zutreffend „Ende?“. Denn in weiten Teilen wirkt „Prototype“ wie der Pilotfilm für eine aufregende TV-Serie.
Das Gefühl stellt sich so auf auf der letzten Seite von „Jonah Hex – Zeit zu sterben“ nicht ein. Denn hier erzählen Palmiotti und Gray sechs abgeschlossene, im Wilden Westen spielende Geschichten mit dem bekannt-berüchtigten Kopfgeldjäger Jonah Hex, der von Apachen mit einem glühend heißen Tomahawk im Gesicht entstellt wurde. Jetzt erkennt jeder ihn auf den ersten Blick. Dass Jonah Hex dabei, wenn er von Stammzeichner Luke Gross gemalt wird, wie Clint Eastwood in einem seiner klassischen Western zwischen „Für eine Handvoll Dollar“ und „Ein Fremder ohne Namen“ aussieht, gibt dann auch optisch eindeutig die Marschrichtung der sechs in dem ersten Jonah-Hex-Sammelband „Zeit zu sterben“ versammelten Geschichten an. Palmiotti und Gray erzählen, mit kleinen Variationen, die bekannten Westernsituationen, bevorzugt die des namenlosen Fremden, der in einer von Verbrechern beherrschten Stadt aufräumt, nach. Dabei macht Hex keine Gefangenen: „Nachdem er drei Jahrzehnte lang ein Leben voller Qualen durchlitten hatte, konnte Jonah Hex mit ziemlicher Gewissheit sagen, dass Gott ihn hasste. Und Jonah tat sein bestes, um es dem Herrn mit gleicher Münze heimzuzahlen.
Wenn ein Mann weiß, dass im Himmel kein Platz für ihn ist, ist es klug von ihm, sich beim Teufel beliebt zu machen. Und so hatte Jonah es auf sich genommen, so viele Sünder in die Hölle zu schicken, wie dort Platz fanden und nicht zurückzublicken.“
Dennoch fragt er sich am Ende der ersten Geschichte „Was dem Teufel gebührt“, ob sein Handeln wirklich im Widerspruch zu Gottes Wille stehe. In dieser Geschichte soll er einen entführten Jungen finde.
In „Kugeln aus Silber, Kreuz aus Gold“ wird aus einer Kirche ein Kreuz gestohlen. Als Jonah Hex es zurückholen will, muss er sich mit einem ganzen, aus Verbrechern bestehendem Ort anlegen.
In „Auge um Auge“ rettet Jonah Hex eine Siedlerfamilie vor einer Banditenbande. In der nächsten Stadt wird Hex vom Sheriff verhaftet. Denn der Anführer der Banditen war sein Bruder und er will dessen Tod rächen.
In „Als ich fast gestorben wäre“ bringt er einen Verbrecher Chako zurück in den Ort, in dem er die junge Mayleen vergewaltigt haben soll. Als sie ihm sagt, dass Chako unschuldig ist, versucht Hex ihm zu helfen.
In „Weihnachten mit den Gesetzlosen“, der einzigen Geschichte, die von Tony DeZuniga (dem Zeichner der ersten Jonas-Hex-Geschichten in den Siebzigern) gezeichnet wurde, sitzt Jonah Hex mit einem Gefangenen in einer abgelegenen, von Gesetzlosen belagerten Bahnstation, fest.
In „Eine Eichenkiste nach Texas“ muss Jonah Hex in einer kleinen Ortschaft, die von Schwester Agatha beherrscht wird, um sein Leben kämpfen.
Buch zum Film: Max Allan Collins: Air Force One, 1997 (Air Force One)
Russische Terroristen entführen die Air Force One. Der US-amerikanische Präsident James Marshall wirft sie – Wer könnte bei dem Namen daran zweifeln? – aus seinem Flugzeug. Davor erkundet er den Gepäckraum der Air Force One und versucht mit dem Weißen Haus zu telefonieren.
Gut besetztes Popcorn-Kino von unserem Mann in Hollywood.
Mit Harrison Ford, Glenn Close, Gary Oldman, Wendy Crewson, Paul Guilfoyle, Xander Berkeley, William H. Macy, Dean Stockwell, Jürgen Prochnow, Bill Smitrovich, Philip Baker Hall, Werner Sonne (als deutscher Journalist)
Wiederholung: Dienstag, 20. April, 01.50 Uhr (Taggenau!)
LV: James Leo Herlihy: Midnight Cowboy, 1965 (Mitternachts-Cowboy)
Der naive Cowboy Joe Buck aus Texas will in New York als Gigolo viel Geld verdienen. Aber bei den reichen Damen hat er kein Glück und sein einziger Freund, der an Tuberkulose erkrankte Kleingauner Ratso, vermittelt ihn an schwule Kunden. Denn die lieben einen echten Cowboy.
Mit dem vor Ort gedrehten, den ‚american way of life‘ kritisierendem Drama hatte John Schlesinger in den USA seinen Durchbruch, Jon Voight und Dustin Hoffman (der bereits mit „Die Reifeprüfung“ einen Hit hatte) stiegen in die erste Liga auf und, nachdem der Film für zahlreiche Preise nominiert wurde und etliche erhielt (der bekannteste ist natürlich der Oscar für den besten Film des Jahres), wurde auch das X-Rating (nicht jugendfrei und damit vor allem für Pornos reserviert) für diesen Film überdacht und in ein R-Rating.
Für das muntere Partygeplauder sollte man wissen, dass „Asphalt-Cowboy“ nicht nur einzige Film ist, der mit einem X-Rating, der einen Oscar als bester Film erhielt, sondern dass er auch der einzige als nicht jugendfrei eingestufte Spielfilm ist, der einem amtierendem US-Präsidenten gezeigt wurde.
Für Cineasten ist „Asphalt-Cowboy“ einer der ersten New-Hollywood-Filme.
mit Dustin Hoffman, Jon Voight, Sylvia Miles, John McGivern, Brenda Vaccaro
Wiederholung: Dienstag, 20. April, 01.00 Uhr (Taggenau!)