TV-Tipp für den 17. April: Castle: Tödliche Schulden

April 17, 2010

Kabel 1, 20.15

Castle: Tödliche Schulden (USA 2009, R.: Rob Bowman)

Drehbuch: Andrew W. Marlowe

Erfinder: Andrew W. Marlowe

Heute startet die zweite Staffel von einer meiner derzeitigen Lieblingsserien. „Castle“ ist eine in den USA sehr erfolgreiche und amüsante Crime-Comedy über den leicht überheblichen, kindischen, sehr erfolgreichen Krimiautor Rick Castle und Kate Beckett, einer New Yorker Polizistin, die er als Vorbild für seinen neuen Seriencharakter Nikki Heat auserwählt hat. Aufgrund seiner guten Freundschaft zum Bürgermeister durfte er sie in der ersten Staffel (die in den vergangenen Wochen auf Kabel 1 lief) begleiten und sie wurden Freunde (obwohl Castle…).

Dank guter und zuletzt steigender Quoten (teils sogar vor CSI) wurde in den USA die zweite Staffel mehrfach auf inzwischen 24 Folgen verlängert und die dritte Staffel ist auch schon bestellt.

Aber nur die Meldung, dass bei uns die zweite Staffel unmittelbar nach der Ersten gezeigt wird, wäre kein „Tipp des Tages“.

Auch nicht, dass Rick Castle wieder Poker spielt. Das tat er auch in der Pilotfolge mit Stephen J. Cannell und James Patterson. Jetzt spielt er wieder mit seinen Schriftstellerkollegen Poker. Stephen J. Cannell (Detektiv Rockford – Anruf genügt, Das A-Team, Hunter, 21 Jump Street – Tatort Klassenzimmer, Renegade – Gnadenlose Jagd) ist wieder dabei; und dieser Autor, der in Deutschland zuletzt „So wahr uns Gott helfe“ (doofer Titel) veröffentlichte.

Als ich die Szene sah, blieb mir die Spucke weg. Denn der Name wird in den Credits nicht verraten.

Der Grund für das Pokerspiel mit seinen Schriftstellerkollegen ist, dass Rick Castle Kate Beckett bei einem schwierigen Mordfall helfen will und so hofft, sie wieder zu besänftigen. Denn Kate Beckett ist stinkig, weil er auf eigene Faust in ihrer Vergangenheit herumwühlte und neue Fakten über den Mord an ihrer Mutter herausgefunden hat, und genervt, weil Castles neuer Krimi „Heat Wave“ in ihrem Büro mit einer pompös-klischeebehafteten Werbekampagne beworben wird.

mit Nathan Fillion (Richard Castle), Stana Katic (Kate Beckett), Susan Sullivan (Martha Rodgers), Molly C. Quinn (Alexis Castle), Jon Huertas (Javier Esposito), Seamus Dever (Kevin Ryan), Ruben Santiago-Hudson (Captain Roy Montgomery), Tamala Jones (Lanie Parish)

Wiederholung: Sonntag, 18. April, 01.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

ABC-Seite über „Castle“

Kabel-1-Seite über “Castle”

Wikipedia über „Castle“ (deutsch, englisch)

The Futon Critic interviewt Andrew W. Marlowe (21. November 2009)

„Castle“-Fanseite

Kriminalakte über „Castle“


Kurzkritik: Franco Limardi: Die dunkle Spur des Todes

April 15, 2010

Bereits auf der ersten Seite von „Die dunkle Spur des Todes“ lässt Franco Limardi, wie Billy Wilder in „Boulevard der Dämmerung“, keinen Zweifel am Ausgang der Geschichte. Der Erzähler ist tot und er wird jetzt seine Geschichte erzählen.

Lorenzo Madralta ist in der Provinz der Sicherheitschef eines Einkaufszentrums. Als Ex-Soldat ist er natürlich sträflich unterfordert. Aber ihm genügt das ruhige, abgeschiedene Leben, das von gelegentlichen Abendessen mit Vittori, dem Leiter des Einkaufszentrums, und Sex mit Vittoris Freundin Giuliana unterbrochen wird. Als er sich in die Studentin Laura verliebt, entschließt er sich, bei dem großen Projekt von Vittori mitzumachen: einem Diebstahl der Einnahmen des Kaufhauses wenige Tage vor Weihnachten. Madralta hat zwar, als er seine Komplizen sieht, seine Zweifel, aber der Wunsch mit Laura und einem Haufen Geld die Stadt zu verlassen, ist stärker. Allerdings geht schon der Überfall schief.

Die dunkle Spur des Todes“ von Franco Limardi ist ein netter kleiner Noir, der sich gelungen und ohne große Überraschungen in den vertrauten Bahnen bewegt.

Franco Limardi: Die dunkle Spur des Todes

(übersetzt von Christiane Rhein)

Goldmann, 2009

224 Seiten

7,95 Euro

Originalausgabe

Ance una sola lacrima

Marsilio Editori, Venedig, 2005

Hinweise

Homepage von Franco Limardi

Europolar: Giovanni Zucca über „Die dunkle Spur des Todes“


Neu im Kino: Cop Out – Geladen und entsichert

April 15, 2010

Cop Out – Geladen und entsichert (Cop Out, USA 2010)

Regie: Kevin Smith

Drehbuch: Rob & Mark Cullen

Just another Buddy-Movie: Zwei Cops, die sich die halbe Zeit streiten, jagen Gangster.

Harold Faltermeyer (Beverly Hills Cop, Top Gun, Fletch) schrieb die Musik.

Kevin Smith (Clerks, Chasing Amy) wollte mal einen Film mit Bruce Willis drehen, nahm erstmals für einen Spielfilm ein fremdes Drehbuch und darf sich – sicher dank großflächiger Werbung und prominenter Platzierung in den Multiplexen – freuen. „Cop Out“ ist sein kommerziell erfolgreichster Film.

Die Kritiker sind dagegen nicht begeistert und Kevin Smith findet das, via Twitter, S-C-H-E-I-S-S-E.

mit Bruce Willis, Tracey Morgan, Guillermo Diaz, Rashida Jones, Kevin Pollack

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Cop Out“


TV-Tipp für den 16. April: St. Elmo’s Fire

April 15, 2010

ZDFneo, 20.15

St. Elmo’s Fire – Die Leidenschaft brennt tief (USA 1985, R.: Joel Schumacher)

Drehbuch: Joel Schumacher, Carl Kurlander

Episodenfilm über sieben junge Erwachsene, die nach dem College die ersten Erfahrungen im Arbeitsleben sammeln.

gefällige, glatte Komödie mit einigen ernsten Anklängen, die aber wegen ihrer Oberflächlichkeit wenig Überzeugungskraft besitzen.“ (multimedia)

Der Ensemblefilm ist heute vor allem als ein Blick zurück auf die ersten Karrierejahre einer beachtlichen Riege von Jungstars sehenswert.

Joel Schumacher drehte danach „The Lost Boys“, „Flatliners“, „Falling Down“, „Batman Forever“, „Batman & Robin“ und „Nicht auflegen“.

Außerdem lief dieser eine Song damals überall:


mit Emilio Estevez, Rob Lowe, Andrew McCarthy, Demi Moore, Judd Nelson, Ally Sheedy, Mare Winningham, Martin Balsam, Andie MacDowell, Joyce Van Patten

Hinweise

Wikipedia über „St. Elmo’s Fire“ (deutsch, englisch)

Den of Geek über „St. Elmo’s Fire“

Fast-Rewind über „St. Elmo’s Fire“

DVD Verdict über „St. Elmo’s Fire“

Daily Film Dose über „St. Elmo’s Fire“


Zur aktuellen Ausgabe des „Lexikons des Internationalen Films“

April 15, 2010

Am bewährten Aufbau des von der katholischen Filmzeischrift „Film-Dienst“ herausgegebenen „Lexikon des internationalen Films“ hat sich auch in der neuesten Ausgabe, die sich mit dem „Filmjahr 2009“ beschäftigt, nichts geändert. Den Hauptteil bildet ein Lexikon mit wahrscheinlich allen Spiel- und Dokumentarfilmen (Kino, DVD, TV) die im deutschsprachigen Raum 2009 angelaufen sind. Jeder Film wird kurz vorgestellt und kritisch gewürdigt. Die Bewertungen sind, wie schon seit langem, undogmatisch und am Film orientiert.

Da gibt es auch für FSK-18-Filme, die schon vom Titel ein bestimmtes Publikum ansprechen, positive Bewertungen: „Dicht inszeniert und überzeugend gespielt, gleichwohl etwas spekulativ“ (The Boston Strangler), „Ruppig-melancholischer Gangsterfilm, der durch die Verwendung von Farbfiltern eine eigenwillige Atmosphäre schafft.“ (The Butcher – A new Scarface), „Brutaler Actionfilm voller Blutbäder und ausgefallener Tötungsvarianten, die immerhin recht fantasiereich inszeniert werden.“ (The Tournament).

Ergänzt werden die fundierten Bewertungen mit Hinweisen auf das Bonusmaterial der DVDs und zu unterschiedlichen Schnittfassungen. So erfahren wir, dass „The Tournament“ für die „ab 18“-Fassung stark beschnitten, für die Leihfassung „SPIO/JK I – Keine schwere Jugendgefährdung“ wurden immerhin noch zwei Minuten aus dem Film herausgeschnitten und sogar die in Österreich und der Schweiz veröffentlichte Fassung wurde um etwa eine Minute erleichtert. Normalerweise sind die dort erscheinenden Fassungen ungekürzt

Es gibt längere Besprechungen der Redaktionslieblinge. Dieses Jahr sind das „Alle Andere“, „Antichrist“, „Gran Torino“, „Il Divo“, „Jerichow“, „Der Knochenmann“, „The Wrestler“, „Tödliches Kommando“, „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“ und „Zeiten des Aufruhrs“. Es gibt einen Überblick über herausragende DVD- und Blu-Ray-Editionen von älteren Filmen, einen Überblick über 2009 vergebene wichtige Filmpreise, Anschriften aus Film und Fernsehen, einen Rückblick auf das Kinojahr 2009 und die Dokumentation der Tagung des Verbands der deutschen Filmkritik vom 11. Dezember 2009 in Berlin.

Dieses Mal geht es um die wirtschaftliche Lage der Filmjournalisten und wie die Zukunft der Filmkritik aussieht. Beides ist, so das Fazit der Tagung, sehr düster. Die Honorare für die meistens freien Mitarbeiter sind in den vergangenen Jahren gleich geblieben oder gesunken. Der Platz für Filmkritiken in Zeitungen und Zeitschriften wird zunehmend kleiner (von einem Filmjournalismus im TV und im Radio kann ja nicht mehr gesprochen werden). Es wird sich – auch in der Filmkritik – zunehmend auf Agenturmeldungen konzentriert und und statt fundierter Kritiken gibt es mehr Boulevard.

Auch wenn die Vortragenden nur über die Lage von Filmjournalisten und der Filmkritik sprechen, sind die Analysen leicht auf den gesamten Kulturjournalismus und die Lage der freien Mitarbeiter in allen Ressorts übertragbar.

Wie in den letzten Jahren ist die Auflistung der verstorbenen Filmschaffenden sehr lückenhaft und es fehlt ein Rückblick auf die wirtschaftliche Seite mit Umsatz- und Besucherzahlen. Aber das sind die einzigen Kritikpunkte an diesem feinen Lexikon.

Als Bonus gibt es dieses Mal für ein Jahr den Zugang zur Datenbank des Film-Dienstes.

Film-Dienst: Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2009

Schüren Verlag, 2010

600 Seiten

22,90 Euro

Hinweise

Homepage des Film-Dienstes

Homepage des Verbandes der deutschen Filmkritik

Schüren Verlag: Leseprobe: Die besten Kinofilme des Jahres 2009

Meine Besprechung vom „Lexikon des Internationalen Films – Filmjahr 2008“


TV-Tipp für den 15. April: Ninotschka

April 15, 2010

3sat, 22.25

Ninotschka (USA 1939, R.: Ernst Lubitsch)

Drehbuch: Charles Brackett, Billy Wilder, Walter Reisch (nach einer Geschichte von Melchior Lengyel)

Die 150-prozentige Kommunistin Ninotschka soll in Paris einige abtrümmige Genossen wieder auf Parteilinie bringen und den Verkauf von Edelsteinen in die Wege leiten. Aber auch sie muss schnell gegen die Verlockungen des Kapitalismus kämpfen.

Nach einem halben Jahrzehnt ist dieser Lubitsch-Klassiker, endlich wieder, wieder im TV zu sehen.

ein Meisterwerk“ (Herbert Spaich: Ernst Lubitsch und seine Filme)

Ninotschka“ war für vier Oscars nominiert: Bester Film, Bestes Drehbuch, Beste Originalgeschichte (Ja, ist eine rätselhafte Doppelkategorie) und Beste Hauptdarstellerin. Aber „Vom Winde verweht“ war einfach stärker.

mit Greta Garbo, Melvyn Douglas, Ina Claire, Bela Lugosi

Wiederholung: RBB, Samstag, 17. April, 23.40 Uhr (im Anschluss die Garbo-Filme „Die Frau mit den zwei Gesichtern“ und „Anna Karenina“)

Hinweise

Wikipedia über „Ninotschka“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Ninotschka“


DVD-Kritik: Sam Peckinpahs Debüt „Gefährten des Todes“

April 13, 2010

Das erste was bei der jetzt erschienen DVD-Veröffentlichung von Sam Peckinpahs Debütspielfilm „Gefährten des Todes“ auffällt, ist die Bildqualität. Denn bislang gab es nur Kopien im falschen Format und einer, sehr höflich formuliert, sehr bescheidenen Bildqualität. Nach dem Remaster sind die Farben meistens noch etwas blass, aber die Details sind gut zu erkennen und die Bildkompositionen sind – was bisher ebenfalls nicht zu erkennen war – gelungen.

Als zweites fällt auf, dass der Film sich ziemlich gut gehalten hat. Das liegt daran, dass er das in Peckinpahs Ouevre immer wieder auftauchende, zeitlose Thema von Schuld und Sühne behandelt und die Frau in dem Film kein verhuschtes Hascherls ist. Maureen O’Hara ist als Sandra-Bullock-Typ des netten Mädchens von nebenan ziemlich sexy und sie zeigt auch, für damalige Verhältnisse, viel nackte Haut.

Immerhin reden wir hier von 1960. Das war die Zeit, als Frauen, die über Dreißig waren, wie Großmütter aussahen; als in „Der unsichtbare Dritte“ (North by Northwest) die nur sieben Jahre ältere Jessie Royce Landis die Mutter von Cary Grant spielte und Doris Day die Frau mit dem größten Sex-Appeal; — Hm, wahrscheinlich waren deshalb damals in den USA europäische Filme so beliebt.

Jedenfalls spielt Maureen O’Hara in „Gefährten des Todes“ die Hure mit dem goldenen Herz.

Nachdem Yellowleg (Brian Keith) in einem Schusswechsel irrtümlich ihren Sohn erschießt, will Kit Tilden ihr Kind neben seinem Vater beerdigen. Dummerweise liegt das Grab im Apachengebiet in der Geisterstadt Siringo. Sie macht sich alleine auf den Weg. Yellowleg, der von Schuldgefühlen geplagt ist, begleitet sie, gegen ihren Wunsch, mit seinen beiden Gefährten, den Verbrechern Billy (Steve Cochran) und Turk (Chill Wills). Auf der Reise nach Siringo gibt es den erwartbaren Ärger zwischen ihnen, mit den Apachen und der Natur.

Yellowleg hat nicht nur Schuldgefühle wegen dem Jungen. Er ist auch ein von Rachsucht getriebener Mann. Er verfolgte Turk ein halbes Jahrzehnt, weil dieser ihn damals skalpierte. Turk kann sich nicht daran erinnern und Yellowleg zögert seine Rache hinaus. Denn, so fragt er in einer Szene Kit, was bleibe ihm, wenn er den Sinn seines Lebens umbringe.

Und Turk, ein ziemlich unsympathischer Feigling, ist, wie spätere Szenen in „Gefährten des Todes“ zeigen, selbst ein von den Dämonen der Vergangenheit getriebener Mann.

Da ist Billy die psychologisch langweiligste Figur. Er ist einfach ein junger Berufsverbrecher.

Peckinpah-Fans entdecken in „Gefährten des Todes“ leicht viele Elemente, die auch in seinen späteren Filmen auftauchen. Aber, so Mike Siegel zutreffend in dem Audiokommentar, es gebe nur eine bestimmte Menge an Situationen und Themen und die meisten dieser Elemente stünden bereits in A. S. Fleischmans Roman und Drehbuch.

Der ausschließlich vor Ort in Old Tucson, Arizona, gedrehte „Gefährten des Todes“ ist von seinem Budget und der Drehzeit ein TV-Film fürs Kino. Gerade weil er einen ziemlich realistischen Blick auf den Wilden Westen wirft und zeitlose Themen, wie Schuld und Sühne ohne einfache Lösungen verhandelt, ist er auch heute noch einen Blick wert. Es ist einer der ersten Spätwestern und damit ein Western, der sich an ein erwachsenes Publikum richtet.

Die Action-Szenen sind dagegen TV-Niveau und sie zeigen noch nichts von Sam Peckinpahs späterem Ruf als Action-Regisseur.

Als Bonusmaterial gibt es eine umfangreiche, interessante Bildergalerie, ein Booklet, ein halbstündiges Featurette und einen Audiokommentar von Peckinpah-Fan Mike Siegel. In dem informativem Featurette verarbeitet er viel bereits aus der absolut sehenswerten Doppel-DVD „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“ bekanntes Material. Der Audiokommentar ist dagegen eher enttäuschend, weil Siegel sich nicht wiederholen wollte und die Menge an Informationen über einen fast fünfzig Jahre alten Western einfach begrenzt ist.

Gefährten des Todes ist kein Meisterwerk, aber in der remasterden Version durchaus einen Blick wert.

Gefährten des Todes (The Deadly Companions, USA 1961)

Regie: Sam Peckinpah

Drehbuch: Albert Sidney Fleischman

LV: A. S. Fleischman: Yellowleg, 1960 (später „The Deadly Companions“)

mit Maureen O’Hara, Brian Keith, Steve Cochran, Chill Wills, Strother Martin, Will Wright, Jim O’Hara, Billy Vaughn

DVD

Koch-Media

Bild: 2.25:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Booklet, Audiokommentar und Featurette von Mike Siegel, Bildergalerie

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Bonusinformation

Eine gekürzte Fassung des Films lief 1965 als „Trigger Happy“ in den amerikanischen Kinos.

Hinweise

Wikipedia über „Gefährten des Todes“

Homepage von Sid Fleischman

New York Times: Nachruf auf Sid Fleischman (24. März 2010)

Western Boot Hill: Nachruf auf Albert Sidney Fleischman

Meine Besprechung der DVD „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Sam Peckinpah in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. April: Columbo: Schreib oder stirb

April 13, 2010

SRTL, 22.15

Columbo: Schreib oder stirb (USA 1974, R.: Robert Butler)

Drehbuch: Peter S. Fischer

Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall

Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.

Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Mickey Spillane

Hinweise

Wikipedia über „Columbo“ (deutsch, englisch)

The Museum of Broadcast Communications über “Columbo”

Fernsehlexikon über “Columbo”

“Columbo”-Fanseite

Deutsche “Columbo”-Fanseite

Noch eine deutsche “Columbo”-Fanseite

TV Time Machine: Audiointerview mit Peter Falk und Mark Dawidziak

Fanpage über Mickey Spillane (letzte Aktualisierung: 2001)

Thrilling Detective über Mickey Spillane

Thrilling Detective: Max Allan Collins über Mickey Spillane

January Magazine: Max Allan Collins zum Tod von Mickey Spillane

Evolver: Martin Compart zum Tod von Mickey Spillane

Mystery File: Steve Holland über Mickey Spillane

Crimetime: Interview mit Mickey Spillane

Combustible Celluloid: Interview mit Mickey Spillane

Kaliber .38 über Mickey Spillane

Krimi-Couch über Mickey Spillane

Mordlust über Mickey Spillane

New York Times: Nachruf auf Mickey Spillane

Washington Post: Nachruf auf Mickey Spillane

Meine Besprechung von Mickey Spillanes “Dead Street”


Cover der Woche

April 13, 2010


TV-Tipp für den 13. April: Mord am Meer

April 13, 2010

ZDFneo, 21.00

Mord am Meer (D 2004, R.: Matti Geschonneck)

Drehbuch: Thomas Kirchner

LV: Ulrich Woelk: Die letzte Vorstellung, 2002

Wer ermordete den Freund von Kommissar Glauberg? Und warum schickt das BKA eine Polizistin in die norddeutsche Provinz? Gemeinsam decken Glauberg und die hübsche BKAlerin RAF-, Stasi-, West- und Ost-Ängste auf.

Woelks Roman kam damals bei den Kritikern nicht gut an. Ganz im Gegensatz zu den Fernsehkritikern. Die mochten den Film des immer zuverlässigen Matti Geschonneck. Und beim Hamburger Filmfest 2004 erhielt „Mord am Meer“ den TV-Produzentenpreis.

Mord am Meer“ ist ein insgesamt gelungener Film, der unter den Beschränkungen des 90-Minuten-TV-Formats (einige Minuten länger wäre besser gewesen), einem zuviel an verschiedenen angesprochenen Themen (hier wäre weniger mehr gewesen) und einer enttäuschenden Lösung leidet. Aber die schönen Berlin-Bilder und die guten Leistungen der Schauspieler, die teilweise nur eine Szene haben, trösten darüber hinweg.

Mit Heino Ferch, Nadja Uhl, Manfred Zapatka, Birge Schade, Ulrike Krumbiegel, Otto Mellies, Ellen Schwiers, Thomas Sarbacher, Markus Boysen

Wiederholung: Mittwoch, 14. April, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Ulrich Woelk

Wikipedia über Ulrich Woelk


Dennis Lehane über „Im Aufruhr jener Tage“ (The given day)

April 12, 2010

Der neue Roman von „Shutter Island“-Autor Dennis Lehane, „Im Aufruhr jener Tage“ (The given day, 2008), ist jetzt bei Ullstein erschienen. Aber 768 engbedruckte Zeilen zu lesen dauert einige Tage. Auch wenn es über den Streik der Bostoner Polizei nach dem Ersten Weltkrieg und die Geschichte einer Freundschaft in schwierigen Zeiten geht.

Vor oder begleitend zur Lektüre können wir uns anhören, was Dennis Lehane über „Im Aufruhr jener Tage“ sagt:

Er nimmt uns mit auf einen Spaziergang zu einigen für den Roman wichtigen Orten:

Zusammen mit Tess Gerritsen stellt er seinen neuen Roman vor:


TV-Tipp für den 12. April: Firewall

April 12, 2010

ZDF, 22.15

Firewall (USA 2006, R.: Richard Loncraine)

Drehbuch: Joe Forte

Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.

Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.

Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.

mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin

Wiederholung: Dienstag, 13. April, 01.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Firewall“

Wikipedia über „Firewall“ (deutsch, englisch)

The Writing Studio: Interview mit Joe Forte über „Firewall“




TV-Tipp für den 11. April: Das Geheimnis der falschen Braut

April 11, 2010

Arte, 20.15

Das Geheimnis der falschen Braut (F/I 1969, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut

LV: Cornell Woolrich (als William Irish): Walz into darkness, 1947 (Walzer in die Dunkelheit)

Ein reicher Tabakhändler verliebt sich in eine wunderschöne Frau. Aber diese ist mehr an seinem Geld interessiert.

Damals war der Film bei der Kritik und an der Kasse ein Flop. Kein Wunder: Belmondo – ausgestattet mit einem betonharten Image als Draufgänger – spielt ein Weichei und Deneuve eine eiskalte Mörderin. Inzwischen hat sich Meinung zu Truffauts bösem Märchen im Hitchcock-Stil geändert: „Truffaut nutzt die Vorlage eines ´schwarzen´ Romans von Cornell Woolrich zu einer reizvollen Variation über das Thema der ‚amour fou‘ und spickt sie mit zahlreichen Verweisen auf die französische und amerikanische Kinotradition (Renoir, Hitchcock); ein hervorragend gespieltes Drama, das nie als ´Wirklichkeit´ verstanden werden will, vielmehr als Spiel mit Chiffren und Zeichen.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Jean-Paul Belmondo, Catherine Deneuve, Michel Bouquet

Hinweise

Wikipedia über Cornell Woolrich (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Cornell Woolrich

Mordlust über Cornell Woolrich

DetNovel (William Marling) über Cornell Woolrich


Kurzkritik: Max Allan Collins: Der erste Quarry

April 10, 2010

Nach dem Erfolg von „Der letzte Quarry“, in dem Max Allan Collins von dem letzten Auftrag des von ihm erfundenen Profikillers erzählt, hat er wieder Lust auf weitere Quarry-Geschichten bekommen und weil Quarry sich zur Ruhe gesetzt hat, springt Collins an das andere Ende von Quarry Karriere und erzählt in dem neuen Quarry-Roman „Der erste Quarry“ von dem ersten Auftrag des kaltschnäuzigen Profikillers.

Nach seinem Vietnameinsatz kehrt Quarry in die Heimat zurück und muss als erstes entdecken, dass seine Frau einen anderen Mann hat. Er bringt den Liebhaber um, geht aus politischen Gründen straffrei aus und wird von dem Broker gefragt, ob er sich ein Leben als Profikiller vorstellen könne. Quarry sieht darin eine Möglichkeit seine in der Ausbildung erworbenen Fähigkeiten gewinnbringend einzusetzen. Moralische Skrupel hat er – schon damals – keine.

Als Bewährungsprobe soll er in einem ruhigen Unikaff einen Professor umbringen. Während er den Professor beobachtet, entdeckt er auch dessen ausgedehntes Liebeslieben und weil Quarry einen Tick zu neugierig ist, lässt er sich etwas zu sehr in das Leben des Opfers und seiner Frauen hineinziehen und aus einem Mord werden schnell mehrere.

Der erste Quarry“ ist, wie bei Max Allan Collins nicht anders zu erwarten, ein kleiner schnörkelloser Noir. Und weil die Geschichte Ende 1970 spielt, gibt es auch schöne Begegnungen zwischen Quarry und der sexuell freizügigen Hippie-Kultur.

In den USA ist bereits ein weiterer Quarry-Band, „Quarry in the Middle“, erschienen. Er erzählt, wie der Titel erahnen lässt, von Quarrys verbrecherischen Taten zwischen seinem ersten und letzten Auftrag.

Max Allan Collins: Der erste Quarry

(übersetzt von Maike Stein)

Rotbuch, 2010

192 Seiten

9,95 Euro

Originalausgabe

The first Quarry

Hard Case Crime, 2008

Hinweise

Homepage von Max Allan Collins

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Two for the Money“ (2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „The last Quarry“ (2006)

Meine Besprechung von „Der letzte Quarry“ (The last Quarry, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“ (Bones: Buried deep, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes“ (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Das Dämonenhaus“ (Demon House, 2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise“ (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003)

Max Allan Collins in der Kriminalakte



TV-Tipp für den 10. April: Striptease

April 10, 2010

RTL II, 23.45

Striptease (USA 1996, R.: Andrew Bergman)

Drehbuch: Andrew Bergman

LV: Carl Hiaasen: Striptease, 1993 (Striptease)

Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozess in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.

Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle, Robert Patrick, Rumer Willis (Tochter von Demi Moore und Bruce Willis; spielt die Tochter von Erin Grant)

Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden

Wiederholung: Montag, 12. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Carl Hiaasen

Meine Besprechung von „Sumpfblüten“ (Nature Girl, 2006)

Meine Besprechung von „Der Reinfall“ (Skinny Dip, 2004)

Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999)

Meine Besprechung von „Unter die Haut“ (Skin Tight, 1989)


Sachdienliche Hinweise

April 9, 2010

Hardboiled Wonderland hat sich mit Duane Swierczynski (aka Duane Louis) über Genres, seine Bücher, „Level 26“ und den ganzen Rest unterhalten:

I love ticking clock stories — there something about them that tells the reader, „Look, there will be no fucking about with this one. We’re on a tight schedule, so buckle up.“

But like you said, it also helps me focus. Creative restrictions (be they temporal, or spatial, or otherwise) are a huge help to me. Every novel so far has had some set of handcuffs. That said, my next big novel project will be different in that there will be no ticking clock, and it will take place over a (relatively) long period of time — which is something very new for me. (…)

I do enjoy the extremes, and for whatever reason I seem drawn to writing about people on the worst days of their lives — and watching how they deal (or don’t deal) with it. These kinds of things fascinate me.

Dort gibt es auch ein, ebenfalls lesenswertes, Interview mit Victor Gischler.

The Rap Sheet hat Ali Karim zu „An Hour with Lee Child“ verdonnert. Ali war erfreut.



Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

April 9, 2010

Meine neuen TV-Krimi-Buch-Tipps sind, mit vielen schönen Bildern (Danke, Alfred!), bei den Alligatorpapieren online:

Nach dem österlichem Trommelfeuer geht’s jetzt geruhsamer durch den April. Zum Auftakt gibt es George Stevens A.-B.-Guthrie-jr.-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“ und die schon länger nicht mehr gezeigte Carl-Hiaasen-Verfilmung „Striptease“ (jaja, viele Razzies). Weiter geht’s mit Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Francois Truffauts Cornell-Woolrich-Verfilmung „Das Geheimnis der falschen Braut“, Norman Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“, Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“, Alfred Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“ (und schlaflos ist), Henri-Georges Clouzots Boileau/Narcejac-Verfilmung „Die Teuflischen“, José Giovannis „Der Mann aus Marseille“, den ersten beiden Teile der TV-Version von „Der Pate“ und zweimal Columbo. Einmal mit Mickey Spillane (Schreib oder stirb), einmal von Jonathan Latimer (Blumen des Bösen).


Spinnen die?

April 9, 2010

Als ich diese Überschrift las, war ich begeistert:

Javier Bardem, Jason Statham, and Mickey Rourke may star in upcoming Tony Scott Film POTZDAMER PLATZ

Endlich schien die schon seit Ewigkeiten angekündigte und sich in Entwicklung befindende Verfilmung von Buddy Giovinazzos gleichnamigem Roman in die Gänge zu kommen.

Dann las ich in dem Artikel, dass die Geschichte von Berlin nach Puerto Rico verlegt werden soll und ich dachte: „Spinnen die?“

Giovinazzos Geschichte lebt doch gerade von dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher Gangsterkulturen und Mentalitäten im Berlin der Nachwendezeit, als verschiedene Baufirmen sich um die Bebauung des damals noch brach liegenden Potsdamer Platzes kabbelten.

Und jetzt soll die Geschichte nach Südamerika verlegt werden? Ihr soll also genau das, was die Geschichte so einzigartig macht, genommen werden?

Das kann ein guter Film werden, aber mit Buddy Giovinazzos Roman hat das dann nichts mehr zu tun.


TV-Tipp für den 9. April: Running Scared

April 9, 2010

Pro 7, 22.30

Running Scared (USA 2006, R.: Wayne Kramer)

Drehbuch: Wayne Kramer

New Jersey: Mafiosi Perello beauftragt Joey, den Revolver, mit dem er einen Undercover-Polizisten erschossen hat, zu entsorgen. Joey versteckt den Revolver im heimischen Keller. Ein Nachbarjunge entdeckt den Revolver, erschießt seinen brutalen Stiefvater und, weil jetzt verschiedene Gangstergruppen und die Polizei die Waffe wollen, hat Joey plötzlich eine ganze Menge Probleme, die er in einer Nacht lösen muss.

Düster-grotesker, blut- und bleihaltiger, zynischer Thriller, den man, weil alles mit allem zusammenhängt und alle irgendwie miteinander verbandelt sind, besser nicht zu genau auf Logik und Wahrscheinlichkeit überprüfen sollte.

Wayne Kramer scheint seine letzten Filme nach dem Prinzip der größtmöglichen Distanz geschrieben zu haben. Anders ist nicht zu erklären, warum er nach dem Las-Vegas-Märchen für Erwachsene „The Cooler“ und der knalligen Thriller-Groteske „Running Scared“ das ernste Episodendrama „Crossing Over“ über illegale Einwanderer in die USA inszenierte.

mit Paul Walker, Cameron Bright, Vera Farmiga, Chazz Palminteri, Johnny Messner, Karel Roden

Wiederholung: Samstag, 10. April, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Film-Zeit über „Running Scared“

Wikipedia über „Running Scared“ (deutsch, englisch)

About.com: Interview mit Wayne Kramer über „Running Scared“

UGO: Interview mit Wayne Kramer über „Running Scared“

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Ulf Miehes „Puma“ ist wieder da

April 7, 2010

Puma“ liest sich wie – je nach Betrachtung – die Vorlage für einen Film von Jean-Pierre Melville mit Lino Ventura in der Hauptrolle oder dem Roman zu einem Film von Jean-Pierre Melville mit Lino Ventura in der Hauptrolle. Es ist eine klassische Noir-Geschichte vom großen Coup, der schiefgeht. Und es ist eine illusionslose Gangstergeschichte, die unverkennbar im Deutschland der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts spielt, aber nichts mit dem damals populären Soziokrimi gemein hat.

Zuletzt erschien der Roman, quasi zu Miehes zehntem Todestag (13. Juli 1989), als fünfter Band der von Martin Compart herausgegebenen „DuMont Noir“-Reihe. Wie bei den meisten anderen Bänden der viel zu kurzlebigen Reihe enthielt der Krimi einen informativen Anhang, der mit über sechzig Seiten sogar ungewohnt üppig ausgefallen war.

Jetzt gibt es, quasi zu Miehes siebzigstem Geburtstag (11. Mai 1940), wieder bei DuMont, eine Neuauflage von „Puma“ und wieder spendierte der Verlag dem Roman einen üppigen Anhang. Der gut fünfzigseitige Anhang der Neuausgabe unterscheidet sich, bis auf die Filmographie und die leicht aktualisierte Bio-/Bibliographie, stark von dem früheren Anhang.

Es gibt ein Interview mit Angelika Miehe über ihren Mann und lesenswerte Essays über Ulf Miehe von Peter Henning, Walter Adler, D. B. Blettenberg (über einen geplanten gemeinsamen Film), Manfred Sarrazin und Walter Fritzsche.

In der schon lange vergriffenen Ausgabe in der „DuMont Noir“-Reihe gibt es dagegen zahlreiche Briefe und Statements von Ulf Miehe zur in den Siebzigern geplanten Verfilmung von „Puma“, Pressestimmen zu dem 1976 beim Publikum und der Kritik sehr erfolgreichen Roman, Interviews mit Miehe, eine Reportage von 1987 zu Miehes zweitem Kinofilm „Der Unsichtbare“ und einen siebzehnseitigen Text von Rolf Giesen über das filmische Schaffen von Ulf Miehe als Regisseur und Autor (unter anderem zwei Münchner Kommisar-Lenz-Tatorte, zwei „Der Fahnder“-Folgen, „Verflucht dies Amerika“ und „Jaider, der einsame Jäger“).

Der Roman ist über jeden Zweifel erhaben und gehört wenigstens einmal in jedes gutsortierte Buchregal. Wer sich für das Bonusmaterial interessiert, muss sich beide Ausgaben kaufen. Denn es ist beide Male informativ. Aber vielleicht gibt es irgendwann auch ein Buch, in dem Texte zu Ulf Miehe gesammelt werden.

Und, wenn wir schon beim Wünschen sind, Ulf Miehes drei anderen Romane, „Ich hab noch einen Toten in Berlin“, „Lilli Berlin“ und sein Roman zum Film „Der Unsichtbare“ sollten auch mal wieder veröffentlicht werden.

Ulf Miehe: Puma

DuMont, 2010

480 Seiten

11,95 Euro

Erstausgabe

Piper Verlag, 1976

Hinweise

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Ulf Miehe

Wikipedia über Ulf Miehe