TV-Tipp für den 8. April: Schwarz Rot Gold: Alles in Butter

April 7, 2010

NDR, 23.15

Schwarz Rot Gold: Alles in Butter (D 1982, R.: Dieter Wedel)

Drehbuch: Dieter Meichsner

Zollfahnder Zaluskowski jagt den Betreiber einer Butterschmelze wegen Subventionsbetrug.

Zwischen 1982 und 1995 entstanden 18 TV-Spielfilme mit Uwe Friedrichsen als Zollfahnder Zaluskowski. Drehbuchautor Dieter Meichsner, der alle Drehbücher nach wahren Fällen schrieb, gelang es, das dröge Thema Wirtschaftskriminalität in spannende Krimis zu verpacken. Bis jetzt fand er keinen Nachfolger.

Vor allem in den Achtzigern war „Schwarz Rot Gold“ eine der Serien, in denen Qualität und Quote stimmten: „gehört zum Besten, was in den achtziger Jahren an deutscher Krimiunterhaltung geboten wurde“ (Martin Compart: Crime TV).

Mit Uwe Erichsen, Siegfried Kernen, Edgar Bessen, Georg Meyer-Groll, Gerd Böckmann, Heinz Moog, Hannelore Elsner

Hinweise

Wikipedia über „Schwarz Rot Gold“ und Dieter Meichsner

Zoll.de über „Schwarz Rot Gold“

TV-Kult über „Schwarz Rot Gold“

Homepage von Dieter Meichsner

Meine Besprechung von Dieter Wedels „Gier“


Arkadi Renko kann’s nicht lassen

April 7, 2010

Mit „Die goldene Meile“ setzt Martin Cruz Smith seine Chronik der russischen Geschichte durch die Augen des widerborstigen und desillusionerten Polizisten Arkadi Renko fort. In einem Bauwagen am Jaroslawler Bahnhof, einem Bahnhof der US-titelgebenden „Drei Stationen“, wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Für Renkos Kollegen ist der Fall schon nach einem Blick auf die Tote klar: Selbstmord. Renko sieht das anders. Für eine Straßennutte sieht die Tote zu gut aus. Sie hat keine Verletzungen, Einstichstellen und blaue Flecken. Und sie hat die Karte für eine Milliardärsmesse bei sich. Renko ordnet – natürlich unter Missachtung des Dienstweges – eine Obduktion an. Der Gerichtsmediziner bestätigt seinen Verdacht: sie wurde ermordet.

Zur gleichen treibt sich Renkos Quasi-Ziehsohn Schenja in dem Bahnhof herum. Er trifft auf die junge, aus der Provinz kommende Maja, die behauptet, ihr Baby wurde entführt. Schenja will ihr helfen.

In dem siebten, ungewöhnlich kurzem Arkadi-Renko-Roman erzählt Martin Cruz Smith diese beiden Geschichten parallel hin zu einem doch etwas überstürzt wirkendem Ende. Aber für Smith sind diese beiden Geschichten nur die erzählerische Krücke, um ein aktuelles Sittenbild von Moskau und der Sowjetunion zu zeichnen. Damit führt er die mit „Gorky Park“ 1981 eher zufällig begonnenen Chronik der russischen Geschichte fort. Der kommerzielle Erfolg von „Gorky Park“ und die Popularität von Arkadi Renko waren sicher ein Motiv für weitere Renko-Romane. Aber erst acht Jahre später veröffentlichte Smith mit „Polar Star“ den zweiten Renko-Roman. Denn, so Smith in verschiedenen Interviews, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem rapiden Wandel der russischen Gesellschaft gab es für ihn etwas Neues zu erzählen. In seinen Renko-Romanen dokumentiert Smith diesen gesellschaftlichen Wandel und schickt seinen Helden zu den Brennpunkten und schmerzhaften Wunden der russischen Seele.

Auch in „Die goldene Meile“ ist der gesellschaftliche Hintergrund ein wichtiger Teil des Romans und der Grund den Roman zu lesen. Smith erzählt von den Drei Bahnhöfen; einem Gebiet, auf dem drei Eisenbahnstationen, zwei Metro-Linien und eine zehnspurige Autostraße sich treffen und eine unbekannte Zahl obdachloser Jugendlicher lebt. Er erzählt von dem unfassbarem Reichtum der neuen Milliardäre, ihren Treffpunkten und wie sie sich von der restlichen Bevölkerung abgrenzen. Er erzählt – wieder einmal – von einem an der Aufklärung von Verbrechen vollkommen desinteressiertem Staat. Renko ist am Anfang von „Die goldene Meile“ kaltgestellt. Er bekommt keine Fälle mehr und kann auch in dem Prostituiertenmord nur ermitteln, weil er einen alkoholkranken Kollegen vorschiebt. Der Gerichtsmediziner lebt inzwischen (natürlich illegal) an seinem Arbeitsort. Und Renko muss am Ende gegen seine Entlassung ankämpfen. Aber er fragt sich, ob er überhaupt noch Polizist in einem Staat sein will, der das Verbrechen nicht bekämpft.

In diesen Momenten gelingen Martin Cruz Smith immer wieder dichte Beschreibungen einer nicht mehr funktionierenden Gesellschaft. Sie sind der Grund „Die goldene Meile“ zu lesen.

Martin Cruz Smith: Die goldene Meile
(deutsch von Rainer Schmidt)

Bertelsmann, 2010

256 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

Three Stations

Simon & Schuster, New York 2010

(angekündigt für August 2010)

Hinweise

Martin Cruz Smith in Leipzig auf dem Blauen Sofa (Leipziger Buchmesse 2010)

Meine Besprechung von „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)


TV-Tipp für den 7. April: Im Jahr des Drachen

April 7, 2010

SWR, 23.00

Im Jahr des Drachen (USA 1985, R.: Michael Cimino)

Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino

LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)

Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.

Mit Mickey Rourke, John Lone

Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“

Wiederholung: MDR, Sonntag, 11. April, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

City on Fire (Ziemlich umfangreiche Fanseite zum Film)

Wikipedia über Robert Daley

Wikipedia über „Im Jahr des Drachen“ (deutsch, englisch)

DVD Times (Mike Sutton) über “Year of the Dragon”


Cover der Woche

April 5, 2010


Pulp made in Germany: Jerry Cotton

April 5, 2010

Man kann dem neuen „Jerry Cotton“-Film vieles vorwerfen, aber nicht Martin Comparts Buch „G-man Jerry Cotton“.

Das ist nämlich ein viel zu kurzes, schön gelayoutetes Lesevergnügen über den fiktiven FBI-Agenten, der in Deutschland 1954 in dem Bastei-Kriminalroman Nummer 68 „Ich suchte den Gangster-Chef“ seinen ersten Fall löste. 1956 erhielt er dann eine eigene Reihe und als „G-man Jerry Cotton“ wird er seit Jahrzehnten gelesen. Zuerst nur als wöchentlich erscheinendes Groschenheft; seit 1963 auch als monatlich erscheinendes Taschenbuch. 1964 war „Jerry Cotton“ auf dem damals sehr wichtigen Heftromanmarkt die meistverkaufte Serie. In den Sechzigern wurden auch acht „Jerry Cotton“-Filme mit George Nader gedreht.

Später ging die Auflage zurück, aber wahrscheinlich immer noch hat jeder Krimifan irgendwann ein Jerry-Cotton-Abenteuer gelesen.

Martin Compart gibt in „G-man Jerry Cotton“ einen knappen Überblick über den Jerry-Cotton-Kosmos – also über Cottons Biographie, seine Freunde und seinen roten Jaguar -, die Geschichte der Groschenromane in den USA und Deutschland, die Probleme mit dem Jugendschutz und der seriösen Literaturkritik, die Autoren (wozu auch einige bekannte Namen, wie Rolf Kalmuczak [der TKKG-Erfinder Stefan Wolf], Irene Rodrian und Uwe Erichsen gehören), die Verfilmungen, Cotton-Merchandise-Artikel und wie sich die Serie in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder erneuerte.

Unter diesen Heftromanen sind einige der besten Krimis, die ich je gelesen habe. Cotton hat eine Qualität entwickelt, von der durchschnittliche deutsche Krimiautoren nur träumen können. Wenn man mich vor die Entscheidung stellte, was ich mit auf die einsame Insel nehmen würde – alle Krimibücher deutscher Autoren, deren Namen auf den Umschlägen genannt werden, oder alle Cotton-Hefte -, wäre die Wahl leicht.“ schreibt Compart, der sich als kritischen Fan bezeichnet, im Vorwort und wird auf den folgenden Seiten nicht müde die Cotton-Geschichten teilweise schon überschwänglich zu loben.

Der neue Cotton-Film wird eher pflichtschuldig mit einer kleinen Bildergalerie und einem Gespräch zwischen Cotton-Erfinder Delfried Kaufmann, Cotton-Darsteller Christian Tramitz und dem Drehbuchautoren/Regiegespann Cyrill Boss und Philipp Stennert abgehandelt.

Als Beilage gibt es die bislang noch nicht als Romanheft veröffentlichte Jerry-Cotton-Geschichte „Süße Bienen, blaue Bohnen“. Sie erschien 1965/1966 in der „Bravo“ als Fortsetzungsroman und ist ein verdammt gut geplotteter Whodunit. Jerry Cotton soll auf dem Empfang einer Privatschule seinen Chef vertreten. Während einer Tanzaufführung wird eine der Tänzerinnen erschossen. Noch während der ersten Zeugenbefragungen wird eine zweite Schülerin in ihrem Zimmer erdrosselt und ein Unbekannter hat den Schmuck der Schülerinnen geklaut. Jerry Cotton und sein Freund Phil Decker haben also einiges aufzuklären und es ist schon bewundernswert, wie fein die einzelnen Fälle miteinander verbunden sind und wie viel Handlung der unbekannte Autor auf 64 Seiten presste, ohne dass es gehetzt wirkt.

Martin Compart: G-Man Jerry Cotton

Lübbe Hardcover, 2010

208 Seiten

29,99 Euro

Hinweise

Blog von Martin Compart

Meine Besprechung von Martin Comparts „Der Sodom-Kontrakt“

Wikipedia über Jerry Cotton

Bastei über Jerry Cotton

Geisterspiegel über Jerry Cotton (neuester Beitrag: Mai 2009)


TV-Tipp für den 6. April: 12 Monate Bewährungsfrist

April 5, 2010

WDR, 01.15

12 Monate Bewährungsfrist (USA 1939, R.: Lloyd Bacon)

Drehbuch: Warren Duff (nach einer Originalgeschichte von Jonathan Finn

LV: Lewis E. Lawes

Cliff Taylor ist auf Bewährung draußen und möchte sauber bleiben. Aber das ist nicht so einfach.

Kraftvolles Gangsterdrama, das sich auf vertrauten Pfaden bewegt.

Ereignisreiche, routiniert inszenierte Gangstergeschichte mit tragischem Ausgang.” (Lexikon des internatioanlen Films)

Lewis E. Lawes leitete von 1920 bis 1941 das Gefängnis Sing-Sing. Er bemühte sich die Haftbedingungen zu verbessern und trat dafür mit Büchern und Radioshows an die Öffentlichkeit. Sein bekanntestes Werk dürfte “20.000 Years in Sing-Sing” sein, das mit Spencer Tracy und Bette Davis verfilmt wurde.

mit George Raft, Jane Bryan, William Holden, Humphrey Bogart

Hinweise

Wikipedia über „Invisible Stripes“

Turner Classic Movies über „Invisible Stripes“ (und hier der Trailer)

Black and White World über „Invisible Stripes“


Kleinkram

April 5, 2010

Die Nominierungen für den Science-Fiction-Preis „Hugo“ sind draußen.

Die April-Ausgabe von „The Big Thrill“ ist online. Dieses Mal werden unter anderem Gayle Lynds, Laurie R. KingR. L. Stine, Tess Gerritsen (über Ken Folletts „Die Nadel“) und Harlan Coben in Porträts und Interviews vorgestellt.

Im Rap Sheet unterhält J. Kingston Pierce sich mit Philip Kerr.

Jonathan Kellerman nennt seine zehn liebsten L.-A.-Noir-Krimis. Neben erwartbaren Namen wie Chandler, Latimer und Ellroy gibt es auch einige Überraschungen.

Lee Goldberg hat sich über vier Stunden mit Glen A. Larson (Quincy, Magnum, Knight Rider, Kampfstern Galactica) unterhalten.

Spinetingler unterhält sich mit Robert Crais (ein in den USA sehr beliebter Krimiautor, der seit Jahren nicht mehr übersetzt wird):

For me, a good novel means a novel I enjoy. A good novel has to have subtext of some kind, though that subtext doesn’t necessarily have to be about hit-you-over-the-head social issues—it can be something as simple and universal as, say, friendship, since you used that example. I just enjoy novels where the characters and the writing have a certain depth—to me, that’s good writing. Sometimes, the very best novels, and the very best writing, occur when that stuff is invisible. It might be there. It might be in the writer’s heart, and in the building blocks of the characters, but it’s invisible. Like the best film editing. You never notice–and you shouldn’t notice–the very best film editing, yet editing can make or break a film. If a story isn’t about something, then all you have is episode nine of a crappy TV series. Jesus, who wants to read that? No one.

William Martell setzt bei „Sex in a Submarine“ seine ausführlichen Besprechungen von Alfred-Hitchcock-Filmen fort. Zuletzt:

– Notorious (Weißes Gift, Berüchtigt)

– The Paradine Case (Der Fall Paradin)

Weniger ausführlich schreibt er über die Humphrey-Bogart-Filme „Dark Passage“ (USA 1947, Die schwarze Natter; Das unbekannte Gesicht) und „Dead Reckoning“ (USA 1946, Späte Sühne).

Ken Bruen und seine, hm, Nebendarsteller.

Crime Factory No. 2 ist online.

Und Adrian McKinty enthüllt ein Geheimnis.


TV-Tipp für den 5. April: Capote

April 5, 2010

ZDF, 23.30 (VPS 23.20)

Capote (USA 2005, R.: Bennet Miller)

Drehbuch: Dan Futterman

LV: Gerald Clarke: Capote: A Biography, 1988

Sehr sehenswertes Biopic über Truman Capote und seine Recherchen für “Kaltblütig”.

Philip Seymour Hoffman erhielt für seine Darstellung Capotes zahlreiche Preise, unter anderem den Oscar und Golden Globe als bester Darsteller.

Mit Philip Seymour Hoffman, Catherine Keener, Clifton Collins jr., Chris Cooper, Bob Balaban, Bruce Greenwood, Mark Pellegrino

Wiederholung: Dienstag, 6. April, 03.25 Uhr (VPS 03.15 – Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Truman Capote (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Capote“


David Mamet schreibt ein Memo

April 4, 2010

Inzwischen macht das Memo von David Mamet an die Autoren der grandiosen Militär-Actionserie „The Unit“ im Netz die Runde und es ist zu gut, um in der Kriminalakte nur in Ausschnitten dokumentiert zu werden.

Dummerweise schult das Memo den Blick für überflüssige und schlechte Szenen und damit leider auch für das Gewürge, das ich vor allem in deutschen Filmen viel zu oft sehe. Denn viel zu viele Szenen bringen die Geschichte nicht voran.

Und, nein, das ist nicht unbedingt und nicht immer die Schuld der Autoren. Denn bevor wir einen Film im TV sehen, haben auch Regisseure, Redakteure, Produzenten und eine Busladung anderer „Kreativer“ ihre Finger im Spiel. Nicht immer zum Vorteil des Endproduktes.

TO THE WRITERS OF THE UNIT

GREETINGS.

AS WE LEARN HOW TO WRITE THIS SHOW, A RECURRING PROBLEM BECOMES CLEAR.

THE PROBLEM IS THIS: TO DIFFERENTIATE BETWEEN *DRAMA* AND NON-DRAMA. LET ME BREAK-IT-DOWN-NOW.

EVERYONE IN CREATION IS SCREAMING AT US TO MAKE THE SHOW CLEAR. WE ARE TASKED WITH, IT SEEMS, CRAMMING A SHITLOAD OF *INFORMATION* INTO A LITTLE BIT OF TIME.

OUR FRIENDS. THE PENGUINS, THINK THAT WE, THEREFORE, ARE EMPLOYED TO COMMUNICATE *INFORMATION* — AND, SO, AT TIMES, IT SEEMS TO US.

BUT NOTE:THE AUDIENCE WILL NOT TUNE IN TO WATCH INFORMATION. YOU WOULDN’T, I WOULDN’T. NO ONE WOULD OR WILL. THE AUDIENCE WILL ONLY TUNE IN AND STAY TUNED TO WATCH DRAMA.

QUESTION:WHAT IS DRAMA? DRAMA, AGAIN, IS THE QUEST OF THE HERO TO OVERCOME THOSE THINGS WHICH PREVENT HIM FROM ACHIEVING A SPECIFIC, *ACUTE* GOAL.

SO: WE, THE WRITERS, MUST ASK OURSELVES *OF EVERY SCENE* THESE THREE QUESTIONS.

1) WHO WANTS WHAT?

2) WHAT HAPPENS IF HER DON’T GET IT?

3) WHY NOW?

THE ANSWERS TO THESE QUESTIONS ARE LITMUS PAPER. APPLY THEM, AND THEIR ANSWER WILL TELL YOU IF THE SCENE IS DRAMATIC OR NOT.

IF THE SCENE IS NOT DRAMATICALLY WRITTEN, IT WILL NOT BE DRAMATICALLY ACTED.

THERE IS NO MAGIC FAIRY DUST WHICH WILL MAKE A BORING, USELESS, REDUNDANT, OR MERELY INFORMATIVE SCENE AFTER IT LEAVES YOUR TYPEWRITER. *YOU* THE WRITERS, ARE IN CHARGE OF MAKING SURE *EVERY* SCENE IS DRAMATIC.

THIS MEANS ALL THE “LITTLE” EXPOSITIONAL SCENES OF TWO PEOPLE TALKING ABOUT A THIRD. THIS BUSHWAH (AND WE ALL TEND TO WRITE IT ON THE FIRST DRAFT) IS LESS THAN USELESS, SHOULD IT FINALLY, GOD FORBID, GET FILMED.

IF THE SCENE BORES YOU WHEN YOU READ IT, REST ASSURED IT *WILL* BORE THE ACTORS, AND WILL, THEN, BORE THE AUDIENCE, AND WE’RE ALL GOING TO BE BACK IN THE BREADLINE.

SOMEONE HAS TO MAKE THE SCENE DRAMATIC. IT IS NOT THE ACTORS JOB (THE ACTORS JOB IS TO BE TRUTHFUL). IT IS NOT THE DIRECTORS JOB. HIS OR HER JOB IS TO FILM IT STRAIGHTFORWARDLY AND REMIND THE ACTORS TO TALK FAST. IT IS *YOUR* JOB.

EVERY SCENE MUST BE DRAMATIC. THAT MEANS: THE MAIN CHARACTER MUST HAVE A SIMPLE, STRAIGHTFORWARD, PRESSING NEED WHICH IMPELS HIM OR HER TO SHOW UP IN THE SCENE.

THIS NEED IS WHY THEY *CAME*. IT IS WHAT THE SCENE IS ABOUT. THEIR ATTEMPT TO GET THIS NEED MET *WILL* LEAD, AT THE END OF THE SCENE,TO *FAILURE* – THIS IS HOW THE SCENE IS *OVER*. IT, THIS FAILURE, WILL, THEN, OF NECESSITY, PROPEL US INTO THE *NEXT* SCENE.

ALL THESE ATTEMPTS, TAKEN TOGETHER, WILL, OVER THE COURSE OF THE EPISODE, CONSTITUTE THE *PLOT*.

ANY SCENE, THUS, WHICH DOES NOT BOTH ADVANCE THE PLOT, AND STANDALONE (THAT IS, DRAMATICALLY, BY ITSELF, ON ITS OWN MERITS) IS EITHER SUPERFLUOUS, OR INCORRECTLY WRITTEN.

YES BUT YES BUT YES BUT, YOU SAY: WHAT ABOUT THE NECESSITY OF WRITING IN ALL THAT “INFORMATION?”

AND I RESPOND “*FIGURE IT OUT*” ANY DICKHEAD WITH A BLUESUIT CAN BE (AND IS) TAUGHT TO SAY “MAKE IT CLEARER”, AND “I WANT TO KNOW MORE *ABOUT* HIM”.

WHEN YOU’VE MADE IT SO CLEAR THAT EVEN THIS BLUESUITED PENGUIN IS HAPPY, BOTH YOU AND HE OR SHE *WILL* BE OUT OF A JOB.

THE JOB OF THE DRAMATIST IS TO MAKE THE AUDIENCE WONDER WHAT HAPPENS NEXT. *NOT* TO EXPLAIN TO THEM WHAT JUST HAPPENED, OR TO*SUGGEST* TO THEM WHAT HAPPENS NEXT.

ANY DICKHEAD, AS ABOVE, CAN WRITE, “BUT, JIM, IF WE DON’T ASSASSINATE THE PRIME MINISTER IN THE NEXT SCENE, ALL EUROPE WILL BE ENGULFED IN FLAME”

WE ARE NOT GETTING PAID TO *REALIZE* THAT THE AUDIENCE NEEDS THIS INFORMATION TO UNDERSTAND THE NEXT SCENE, BUT TO FIGURE OUT HOW TO WRITE THE SCENE BEFORE US SUCH THAT THE AUDIENCE WILL BE INTERESTED IN WHAT HAPPENS NEXT.

YES BUT, YES BUT YES *BUT* YOU REITERATE.

AND I RESPOND *FIGURE IT OUT*.

*HOW* DOES ONE STRIKE THE BALANCE BETWEEN WITHHOLDING AND VOUCHSAFING INFORMATION? *THAT* IS THE ESSENTIAL TASK OF THE DRAMATIST. AND THE ABILITY TO *DO* THAT IS WHAT SEPARATES YOU FROM THE LESSER SPECIES IN THEIR BLUE SUITS.

FIGURE IT OUT.

START, EVERY TIME, WITH THIS INVIOLABLE RULE: THE *SCENE MUST BE DRAMATIC*. IT MUST START BECAUSE THE HERO HAS A PROBLEM, AND IT MUST CULMINATE WITH THE HERO FINDING HIM OR HERSELF EITHER THWARTED OR EDUCATED THAT ANOTHER WAY EXISTS.

LOOK AT YOUR LOG LINES. ANY LOGLINE READING “BOB AND SUE DISCUSS…” IS NOT DESCRIBING A DRAMATIC SCENE.

PLEASE NOTE THAT OUR OUTLINES ARE, GENERALLY, SPECTACULAR. THE DRAMA FLOWS OUT BETWEEN THE OUTLINE AND THE FIRST DRAFT.

THINK LIKE A FILMMAKER RATHER THAN A FUNCTIONARY, BECAUSE, IN TRUTH, *YOU* ARE MAKING THE FILM. WHAT YOU WRITE, THEY WILL SHOOT.

HERE ARE THE DANGER SIGNALS. ANY TIME TWO CHARACTERS ARE TALKING ABOUT A THIRD, THE SCENE IS A CROCK OF SHIT.

ANY TIME ANY CHARACTER IS SAYING TO ANOTHER “AS YOU KNOW”, THAT IS, TELLING ANOTHER CHARACTER WHAT YOU, THE WRITER, NEED THE AUDIENCE TO KNOW, THE SCENE IS A CROCK OF SHIT.

DO *NOT* WRITE A CROCK OF SHIT. WRITE A RIPPING THREE, FOUR, SEVEN MINUTE SCENE WHICH MOVES THE STORY ALONG, AND YOU CAN, VERY SOON, BUY A HOUSE IN BEL AIR *AND* HIRE SOMEONE TO LIVE THERE FOR YOU.

REMEMBER YOU ARE WRITING FOR A VISUAL MEDIUM. *MOST* TELEVISION WRITING, OURS INCLUDED, SOUNDS LIKE *RADIO*. THE *CAMERA* CAN DO THE EXPLAINING FOR YOU. *LET* IT. WHAT ARE THE CHARACTERS *DOING* -*LITERALLY*. WHAT ARE THEY HANDLING, WHAT ARE THEY READING. WHAT ARE THEY WATCHING ON TELEVISION, WHAT ARE THEY *SEEING*.

IF YOU PRETEND THE CHARACTERS CANT SPEAK, AND WRITE A SILENT MOVIE, YOU WILL BE WRITING GREAT DRAMA.

IF YOU DEPRIVE YOURSELF OF THE CRUTCH OF NARRATION, EXPOSITION,INDEED, OF *SPEECH*. YOU WILL BE FORGED TO WORK IN A NEW MEDIUM – TELLING THE STORY IN PICTURES (ALSO KNOWN AS SCREENWRITING)

THIS IS A NEW SKILL. NO ONE DOES IT NATURALLY. YOU CAN TRAIN YOURSELVES TO DO IT, BUT YOU NEED TO *START*.

I CLOSE WITH THE ONE THOUGHT: LOOK AT THE *SCENE* AND ASK YOURSELF “IS IT DRAMATIC? IS IT *ESSENTIAL*? DOES IT ADVANCE THE PLOT?

ANSWER TRUTHFULLY.

IF THE ANSWER IS “NO” WRITE IT AGAIN OR THROW IT OUT. IF YOU’VE GOT ANY QUESTIONS, CALL ME UP.

LOVE, DAVE MAMET

SANTA MONICA 19 OCTO 05

(via Slashfilm)


Die Spinetingler-Nominierungen 2010

April 4, 2010

Der Spinetingler-Preis wird dieses Mal nach einem leicht anderen Verfahren (keine Angst, es ist immer noch ein Publikumspreis, aber die Stimmabgabe ist etwas anders) vergeben. Das geht bis Ende April und am 1. Mai werden die Sieger veröffentlicht.

Die Kategorien blieben gleich:

New Voice (eins bis drei Romane)

A Bad Day For Sorry, von Sophie Littlefield

Balzac of the Badlands, von Steve Finbow

Dope Thief, von Dennis Tafoya

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville

I-5, von Summer Brenner

In Their Blood, von Sharon Potts

The Lost Sister, von Russel D. McLean

Mixed Blood (Kap der Finsternis), von Roger Smith

Ravens, von George Dawes Green

The Weight of Silence, von Heather Gudenkauf

Rising Star (vier bis acht Romane)

50 Grand, von Adrian McKinty

Await Your Reply, von Dan Chaon

The Devil’s Staircase, von Helen Fitzgerald

Finch, von Jeff VanderMeer

Last Days, von Brian Evenson

Safer, von Sean Doolittle

Legend (mindestens neun Romane)

The Complaints (Ein reines Gewissen), von Ian Rankin

The Midnight Room, von Ed Gorman

The Mystic Arts of Erasing All Signs of Death (Das Clean-Team), von Charlie Huston

The Scarecrow, von Michael Connelly

Shadow Season, von Tom Piccirilli

Tower, von Reed Farrel Coleman und Ken Bruen

Best Short Story on the Web

M-N-S (n) murder-necrophilia-suicide, von Anonymous 9 aus Plots with Guns

Flesh Rule, von Frank Bill aus Plots with Guns

Blurred Lines, von Michael Moreci aus A Twist of Noir

Survival Instincts, von Sandra Seamans aus Pulp Pusher

At Least I felt Something, von Sophie Littlefield aus The Drowning Machine

My Father’s Son, von Alan Griffiths aus A Twist of Noir

The Present, von Mark Joseph Kiewlak aus A Twist Of Noir

Insatiable, von Hillary Davidson aus Beat to a Pulp

A Wild and Crazy Night, von John Kenyon aus Beat to a Pulp

The Tut, von Paul D Brazill aus Beat to a Pulp

Best Mystery or Crime Comic/Graphic Novel

Back to Brooklyn, von Garth Ennis, Jimmy Palmiotti und Mihailo Vukelic (Image)

Britten and Brulightly, von Hannah Berry (Metropolitan Books)

Chew, von John Layman und Rob Guillory (Image)

Leo Pulp, von Claudo Nizzi und Massimo Bonfatti (IDW)

Low Moon, von Jason (Fantagraphics Books)

Noir, von verschiedenen Autoren (Dark Horse)

Parker: The Hunter, von Darwyn Cooke (IDW)

Scalped, von Jason Aaron und R. M. Guéra (Vertigo)

West Coast Blues, von Jacques Tardi und Jean-Patrick Manchette (Fantagraphic Books)

You Have Killed Me, von Jamie Rich und Joelle Jones (Oni Press)

Best Mystery/Crime Fiction Press, Publisher or Imprint

Bitter Lemon Press

Busted Flush Press

New Pulp Press

Serpent’s Tail

Soho Press Books

Switchblade

Special Services to the Industry & Community

The Big Adios

Bookgasm

Crimeculture

Friday’s Forgotten Books

My Little Corner

Best Reviewer

Jen Forbus

Lesa Holstine

The Nerd of Nor

Peter Rozovsky

Cory Wilde

Best Cover

Ja, nee, das müsst ihr euch ansehen. Da hilft nichts.


TV-Tipp für den 4. April: Live Flesh – Mit Haut und Haar

April 3, 2010

3sat, 02.05

Live Flesh – Mit Haut und Haar (E/F 1997, R.: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar, Ray Loriga, Jorge Guerricaechevarria

LV: Ruth Rendell: Live Flesh, 1986 (In blinder Panik)

Sechs Jahre nachdem Victor einen Polizisten zum Krüppel schoss, kreuzen sich wieder ihre Wege.

Halt ein typischer Almodovar-Film. „Almodóvar pendelt in überraschenden Wendungen geschickt zwischen Pathos und Ironie, ohne völlig in den schrillen Erzählton früherer Werke zu kippen.“ (Zoom 8/98)

mit Liberto Rabal, Javier Bardem, Francesca Neri, Angela Molina

Wiederholung: Dienstag, 6. April, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Ruth Rendell (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Ruth Rendell

Contemporary Writers über Ruth Rendell

Womankind: Interview mit Ruth Rendell (1994)


TV-Tipp für den 3. April: Nacht über Manhattan

April 3, 2010

Eins Festival, 23.50

Nacht über Manhattan (USA 1997, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Sidney Lumet

LV: Robert Daley: Tainted Evidence, 1993 (Nacht über Manhattan)

Der junge Staatsanwalt Casey möchte seinen Vater verteidigen. Nur ist der Vater nicht so unschuldig, wie sein Sohn annimmt.

Lumet inszenierte eine makellose Mischung aus Polizeifilm, Gerichtsdrama und Thriller.

Der Fischer Film Almanach schrieb zutreffend: „Großes Kino alter Schule: Perfekte Inszenierung, psychologisch ausgefeilte Szenen, die das Ringen der Personen transparent machen, eine adäquat karge Ausstattung, exzellente Darsteller und die Musik von Mark Isham fesseln bis zur letzten Minute.“

Mit Andy Garcia, Richard Dreyfuss, Lena Olin, Ian Holm, Ron Leibman, James Gandolfini

Hinweise

Wikipedia über “Night Falls on Manhattan”

Trailerseite: Deutscher Filmtrailer (bessere Qualität, anders geschnitten)

The Hollywood Interview: Alex Simon interviewt Sidney Lumet über “Night Falls on Manhattan” (Erstveröffentlichung: Venice Magazine, Mai 1997)


Neu im Kino: Gesetz der Straße

April 1, 2010

Gesetz der Straße (Brooklyn’s Finest, USA 2009)

Regie: Antoine Fuqua

Drehbuch: Michael C. Martin

Vor seinem Spielfilmdebüt gehörte Michael Martin zu den Autoren von „Sleeper Cell“ und Antoine Fuquas „Training Day“ (ebenfalls mit Ethan Hawke) gehört zu den besten Cop-Filmen des vergangenen Jahrzehnts. Seine Stephen-Hunter-Verfilmung „Shooter“ war auch nicht schlecht. Ein gewisses Niveau ist also garantiert.

In ihrem starbesetzten „Gesetz der Straße“ erzählen sie parallel drei Geschichten: ein ausgebrannter Cop will seine letzten Arbeitstage gemütlich abfeiern; ein Undercoverpolizist will aussteigen; ein Drogenfahnder ist in illegale Geschäfte verstrickt und den Rest können wir uns denken.

Die Achillesferse von ‚Gesetz der Straße‘ zeigt sich in diversen Erzähllinien, die allzu vorhersehbar abgespult werden, aber es gelingt Fuqua doch über weiteste Strecken, seine drei Geschichten zu spannungsreich vibrierenden Dramen auszuformen.“ (Rainer Gansera in epd Film 4/2010). Das Rotten-Tomatoes-Fazit ist ähnlich.

mit Richard Gere, Don Cheadle, Ethan Hawke, Wesley Snipes, Vincent D’Onofrio, Lili Taylor, Ellen Barkin, Will Patton

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gesetz der Straße“

The Root: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Go into the Story: Interview mit Michael C. Martin über „Brooklyn’s Finest“

Variety über Michael C. Martin (10. Juni 2008)


TV-Tipp für den 2. April: L. A. Confidential

April 1, 2010

Vox, 22.00

L.A. Confidential (USA 1997, R.: Curtis Hanson)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: James Ellroy: L. A. Confidential, 1990 (Stadt der Teufel, L. A. Confidential)

Drei unterschiedliche Polizisten versuchen einen Mord aufzuklären und müssen dabei einen tiefen Sumpf aus Drogen, Sex, Gewalt und Abhängigkeiten trockenlegen.

Grandiose Verfilmung eines grandiosen Buches, das den Deutschen Krimipreis erhielt.

Brian Helgeland schaffte das scheinbar unmögliche: er raffte den 500-seitigen Thriller gelungen zu einem etwa zweistündigen Film zusammen und erhielt dafür einen Oscar. Kim Basinger für ihre Rolle als Edelhure erhielt ebenfalls die begehrte Trophäe.

Mit Guy Pearce, Russell Crowe, Kevin Spacey, Kim Basinger, Danny DeVito

Wiederholung: Samstag, 3. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

SPLICEDwire: Interview mit James Ellroy zu “L. A. Confidential” (1997)

Drehbuch „L. A. Confidential“ von Brian Helgeland

Meine Besprechung von James Ellroys Unterwelt-Trilogie

James Ellroy in der Kriminalakte


DVD-Kritik: „Las Bandidas“ schlagen zu

April 1, 2010

Jean-Luc Godard sagte: „Um einen Film zu machen genügen eine Waffe und ein Mädchen.“

Las Bandidas“ hat vier gutaussehende, vornehmlich knapp begleitete Frauen und ein ganzes Arsenal von Waffen.

Damit erfüllt „Las Bandidas“ Godards Minimaldefin ition für einen Film locker.

Aber ein guter Film ist es nicht geworden.

Denn nach dem Versprechen von Cover und Trailer folgen einfach nur zwei Stunden Langeweile.

Woran liegt das?

Nun, mal wieder an grundlegenden Plotproblemen.

Denn auch wenn die einzelnen Charaktere ein Ziel haben (die mexikanischen Gangster wollen mit den Koreanern ein Drogengeschäft abwickeln; die spanischen Einbrecherinnen wollen sie ausrauben), müssen wir Zuschauer erstens wissen, was sie erreichen wollen, und zweitens, wie sie es erreichen wollen. Erst dann können wir mitfiebern.

Aber in „Las Bandidas“ bohren die Frauen sich nur durch irgendwelche Gemäuer, schrauben an Fahrrädern herum, kriechen im roten Abendkleid durch Fenster und klettern irgendwelche Mauern hoch (Jaja, sieht lecker aus.) und machen dann irgendetwas furchtbar kompliziertes (was wahrscheinlich auch einfacher ginge), um an eine im Safe des Gangster liegende Festplatte zu kommen. Keine Ahnung, warum sie die externe Festplatte klauen und das Geld im Safe lassen. Keine Ahnung, warum sie dann die Festplatte gegen einen ziemlich geringen Geldbetrag zurückgeben und dann etwas noch viel komplizierteres anstellen, um an eine riesige Tasche voller Geld zu kommen.

Das bietet – Habe ich schon erwähnt, dass die Einbrecher vier heiße Weiber sind? – natürlich einiges für das Auge des männlichen Betrachters. Aber solange dem Zuschauer nicht gesagt wird, wie Ana, Aurora, Gloria und Paloma an die Kohle rankommen wollen, langweilen die ziemlich irrwitzigen Aktionen der Frauen. Zum Beispiel: Warum müssen sie eine Laser-Schusswaffe bauen, diese dann in dem Fahrrad verstecken und kurz vor ihrem Einsatz mühevoll zusammenbauen? Warum – und wo – buddeln sie ein Loch in den Boden und tarnen es anschließend fein säuberlich? Sowieso ist unklar, wie sie in die Zentrale des Gangsterbosses einbrechen und anschließend flüchten wollen.

Irgendwann zertrümmert der Gangsterboss, der wahrlich keine Zierde für uns Männer ist, einer der Einbrecherinnen die Hand. In den nächsten Szenen scheint ihre Hand geheilt zu sein. Später ist sie wieder dick verbunden und sie eignet sich gut als Schlagwaffe. Die kaputte Hand scheint außer einer kleinen körperlichen Unbequemlichkeit den Einbruchsplan der Frauen überhaupt nicht zu beeinflussen. Bei einem besseren Drehbuch wäre in diesem Moment der ursprüngliche Einbruchsplan ein Fall für die Geschichtsbücher.

Auch die anderen Taten der drei Einbrecherinnen (Ana liegt nach einem Unfall im Koma) und der Gangster wirken zufällig und haben meist keine Konsequenzen für die weitere Geschichte. Subplots werden plötzlich fallengelassen. Über weite Strecken wirkt „Las Bandidas“ wie der lieblose Zusammenschnitt aus einigen möglicherweise interessanten Filmen.

Außerdem erfahren wir niemals, warum die Frauen die Einbrüche verüben. Diese Nicht-Psychologie führt auch dazu, dass die Vier bis zum Ende austauschbar bleiben – Gutgut, die eine ist etwas älter und hat hellere Haare als die beiden Schwarzhaarigen. – und uns herzlich egal sind. Sie scheinen sogar die gleichen Einbruchsfähigkeiten zu haben. In einem klassischen Heist-Movie, wozu „Las Bandidas“ gehören möchte, hat jeder Gauner seine feste Rolle und seine für das gelingen des Unternehmens wichtigen Aufgaben.

Am meisten psychologische Tiefe in diesem Desaster hat noch der Killer Gabriel. Er hat keine Probleme damit, Männer umzubringen. Aber Frauen – immerhin hat sein Vater seine Mutter erschlagen – bringt er nicht um. Als sein Boss und Freund beginnt, die Frauen schlecht zu behandeln, zerbricht auch diese Freundschaft.

Autor und Regisseur Augustín Díaz Yanes konnte sich allerdings nicht entscheiden, ob er die Geschichte von Gabriel und seinem Gewissenskonflikt oder von den vier Frauen und ihren Einbrüchen bei den Gangstern erzählen wollte. Also entschloss er sich, weder die eine noch die andere Geschichte zu erzählen, sondern uns einfach nur mit Bildern von heißen Frauen, grenzdebilen, blowjobgeilen Gangstern, schmutzigen mexikanischen Straßen und austauschbaren Zimmern zu bedienen.

Denn Yanes scheint sich vor allem, in der Hoffnung, dass die konfuse Geschichte dann nicht weiter auffällt, darüber Gedanken gemacht zu haben, wie er die Frauen apart ins Bild setzt und das ganze relativ jugendfrei mit Sex und Gewalt garniert. Das ist ihm gelungen.

Aber ein guter Gangsterfilm ist so nicht entstanden.

Las Bandidas – Kann Rache schön sein! (Solo Quiero Caminar, Spanien/Mexiko 2009)

Regie: Agustín Díaz Yanes

Drehbuch: Agustín Díaz Yanes

mit Victoria Abril, Diego Luna, Ariadna Gil, Pilar López de Ayala, Elena Anaya, José María Yazpik

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:2,35)

Ton: Deutsch, Spanisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Interviews mit dem Regisseur, Making of, Trailer

Länge: 122 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Anmerkung

Der Film lief als „Just Walking“ auf der Berlinale 2009 und dem Fantasy Filmfest 2009.

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Las Bandidas“


TV-Tipp für den 1. April: Tatort – Flieder für Jaczek

April 1, 2010

HR, 21.45

Tatort: Flieder für Jaczek (D 1977, R.: Fritz Umgelter)

Drehbuch: Stefan Murr, Jürgen Scheschkewitz

LV: Stefan Murr: Vorsicht – Jaczek schießt sofort, 1975

Kommissar Konrad glaubt, dass der gerade aus der Haft entlassene, skrupellose Geldräuber Franz Jaczek bereits seinen nächsten Coup plant.

Zuletzt lief dieser Tatort am 7. Dezember 1996 im WDR.

mit Klaus Höhne, Walter Renneisen, Alfred Reiterer, Günter Lamprecht, Hans Brenner, Michaela May, Peter Roggisch, Suzanne Roquette, Günter Strack

Hinweise

Tatort-Fundus über Kommissar Konrad

Lexikon der deutschen Krimiautoren über Stefan Murr

Kriminalakte: Nachruf auf Stefan Murr


ITW nominiert beste Thriller 2010

März 31, 2010

Die Autorenorganisation International Thriller Writers (ITW) hat die Nominierungsliste für den diesjährigen Thriller Award veröffentlicht:

Best Hard Cover Novel

VANISHED von Joseph Finder

LONG LOST von Harlan Coben

FEAR THE WORST von Linwood Barclay

THE NEIGHBOR von Lisa Gardner

THE RENEGADES von T. Jefferson Parker

Best Paperback Original

SHADOW SEASON von Tom Piccirilli

URGE TO KILL von John Lutz

VENGEANCE ROAD von Rick Mofina

THE COLDEST MILE von Tom Piccirilli

NO MERCY von John Gilstrap

Best First Novel

FRAGMENT von Warren Fahy

DEAD MEN’S DUST (Der Knochensammler) von Matt Hilton

COLLISION OF EVIL von John J. Le Beau

DRACULA: THE UN-DEAD von Dacre Stoker

RUNNING FROM THE DEVIL von Jamie Freveletti

Best Short Story

THE DESERT HERE AND THE DESERT FAR AWAY von Marcus Sakey

A STAB IN THE HEART von Twist Phelan

AFTERSHOCK & OTHERS von F. Paul Wilson

ICED von Harry Hunsicker

BOLDT’S BROKEN ANGEL von Ridley Pearson

Da sind dieses Jahr viele Autoren (Finder, Coben, Parker, Piccirilli, Lutz, Mofina, Hilton) und Werke dabei, die ich noch unbedingt lesen will. Etliche der nominierten Werke dürften auch dieses und nächstes Jahr übersetzt werden.


Kleinkram zwischen Stoker Award 2009 und Spinetingler Award 2010

März 31, 2010

Die Horror Writers Association hat den „Bram Stoker Award 2009“ vergeben:

Superior Achievement in a NOVEL

AUDREY’S DOOR von Sarah Langan (Harper)

Superior Achievement in a FIRST NOVEL

DAMNABLE von Hank Schwaeble (Jove)

Superior Achievement in LONG FICTION

THE LUCID DREAMING von Lisa Morton (Bad Moon Books)

Superior Achievement in SHORT FICTION

In the Porches of My Ears” von Norman Prentiss (POSTSCRIPTS #18)

Superior Achievement in an ANTHOLOGY

HE IS LEGEND herausgegeben von Christopher Conlon (Gauntlet Press)

Superior Achievement in a COLLECTION

A TASTE OF TENDERLOIN von Gene O’Neill (Apex Book Company)

Superior Achievement in NONFICTION

WRITERS WORKSHOP OF HORROR von Michael Knost (Woodland Press)

Superior Achievement in POETRY

CHIMERIC MACHINES von Lucy A. Snyder (Creative Guy Publishing)

Those Sexy Vintage Sleaze Books hat ein Buch von Sheldon Lord (auch bekannt als one and only Lawrence Block) entdeckt: Of Shame and Joy.

Joe Lansdale beantwortet den Sons of Spade einige Fragen:

I based a lot of Hap on myself, and Leonard on friends of mine. It’s that simple. But, of course, a lot of who they are is made up. I had a number of the jobs Hap had, and some of the other experiences. No murders and killings, but the background.

„Battlefield Earth“ hat kürzlich den Razzie als schlechtester Film des Jahrzehnts erhalten. Drehbuchautor J. D. Shapiro hat den Preis persönlich entgegengenommen und die Gelegenheit genutzt, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern:

It wasn’t as I intended — promise. No one sets out to make a train wreck. Actually, comparing it to a train wreck isn’t really fair to train wrecks, because people actually want to watch those. (…)

My script was very, VERY different than what ended up on the screen. My screenplay was darker, grittier and had a very compelling story with rich characters. What my screenplay didn’t have was slow motion at every turn, Dutch tilts, campy dialogue, aliens in KISS boots, and everyone wearing Bob Marley wigs.(…)

The only time I saw the movie was at the premiere, which was one too many times. (…)

Now, looking back at the movie with fresh eyes, I can’t help but be strangely proud of it. Because out of all the sucky movies, mine is the suckiest.

Horrorautor Norman Partridge hat sich mit Duane Swierczynski (aka Duane Louis) unterhalten:

It’s the work that matters. Don’t get caught up in the rest of the nonsense — the business and marketing and trend-watching and all of that. Sure, it’s important. But the work comes first. Sit your butt in a chair and keep writing. When you’re not writing, read your eyeballs out.

Spinetingler hat sich mit P. D. James unterhalten.
Die neue Ausgabe von Plots with Guns ist online.
Spinetingler hat die Nominierungsliste für die „Best Short Story on the Web“ veröffentlicht:

A Wild and Crazy Night by John Kenyon from Beat to a Pulp

At Least I felt Something by Sophie Littlefield from The Drowning Machine

Blurred Lines by Michael Moreci from A Twist of Noir

Flesh Rule by Frank Bill from Plots with Guns

Insatiable by Hilary Davidson from Beat to a Pulp

My Father’s Son by Alan Griffiths from A Twist of Noir

M-N-S (n) murder-necrophilia-suicide by Anonymous 9 from Plots with Guns

The Present by Mark Joseph Kiewlak from A Twist Of Noir

Survival Instincts by Sandra Seamans from Pulp Pusher

The Tut by Paul D Brazill from Beat to a Pulp

und demnächst wird der Weg zur Wahlkabine ausgeschildert.

TV-Tipp für den 31. März: Bis nichts mehr bleibt

März 31, 2010

ARD, 20.15

Bis nichts mehr bleibt (D 2010, R.: Niki Stein)

Drehbuch: Niki Stein

Endlich ist es soweit: nach wochenlanger Vorberichterstattung und pflichtschuldigem Gemaule von Scientology können wir den Anlass für die ganze Aufregung ansehen.

Weil Niki Stein auch einige der guten „Tatorte“ (vor allem mit dem Frankfurter Team Dellwo/Sänger) drehte, dürfte dieser TV-Film über einen Studenten, der mit seiner Frau, in die Fänge der Sekte gerät und nach jahrelanger Mitgliedschaft aussteigen will, immerhin ansehbar sein. Vielleicht ist er sogar wirklich gut.

Mit Felix Klare, Silke Bodenbender, Kai Wiesinger, Nina Kunzendorf, Suzanne von Borsody, Paula Schramm, Sabine Postel, Robert Atzorn

Wiederholung: Donnerstag, 1. April, 10.30 Uhr

Hinweise

Das Erste über „Bis nichts mehr bleibt“ (und in der Mediathek)

Tagesspiegel: Besprechung des Films


R. i. P. Peter Herbolzheimer

März 30, 2010

R. i. P. Peter Herbolzheimer (31. Dezember 1935 – 27. März 2010)

Mit Peter Herbolzheimer ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten des deutschen Jazz gestorben. Als Bigbandleiter begleitete er mit seiner 1969 gegründeten „Rhythm Combination & Brass“ US-Größen wie Dizzy Gillespie, Stan Getz, Nancy Wilson, Clark Terry, Nat Adderley, Toots Thielemans, Gerry Mulligan und Al Jarreau. Er schrieb die Musik für die Eröffnung der Olympischen Spiele 1972 in München. In TV-Sendungen wie „Bios Bahnhof“ und dem „ZDF Jazzclub“ erreichte er ein Millionenpublikum. Sein Geniestreich war 1987 die Gründung des Bundesjugend-Jazzorchesters (BuJazzO), das er zwanzig Jahre leitete und unter seiner Ägide zur Talentschmiede wurde. Till Brönner, Claudio Puntin, Steffen Roger Cicero, Michael Wollny und Peter Weniger gehörten zum BuJazzO.

Herbolzheimer starb am Samstag in der Kölner Universitätsklinik an einer schweren Krankheit.

Nachrufe gibt es in der Spiegel Online (dpa), Der Standard, Tagesspiegel (Christian Schröder), Frankfurter Allgemeine Zeitung (Wolfgang Sandner), Badische Zeitung (Reiner Kobe), WDR (Interview mit Bernd Hoffmann) und der Frankfurter Rundschau (Hans-Jürgen Linke).