TV-Tipp für den 22. März: Lohn der Angst

März 22, 2010

Arte, 20.15

Lohn der Angst (F/I 1953, R.: Henri-Georges Clouzot)

Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi

LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)

Vier Männer fahren mit einer Ladung Nitro durch den lateinamerikanischen Dschungel.

Klingt langweilig? Ist aber ein Klassiker, der Anfangs das Leben gestrandeter Abenteuerer in den Kolonien extrem genau zeigt, später extrem spannend ist und einen tiefen, illusionslosen Einblick in die menschliche Seele bietet. Eine existentialistische Parabel im Gewand eines Action-Films. – Seine volle Wirkung entfaltet „Lohn der Angst“ allerdings nur auf der großen Leinwand.

Hellmuth Karasek in „Mein Kino – Die 100 schönsten Filme“: „Clouzots Meisterwerk, wahrscheinlich der vollkommenste und geradlinigste Thriller der Filmgeschichte…Clouzot hat hier (gemeint ist der Filmanfang, A. d. V.) als erster gnadenlose Bilder aus der Dritten Welt, ihren kolonialen Strukturen, der vorherrschenden Desperado-Mentalität, der latent homoerotischen Männerbünde, deren letzter Stolz die Frauen- und Eingeborenen-Verachtung ist, eingefangen – lange vor Taverniers Saustall.“

Mit Yves Montand, Peter van Eyck, Charles Vanel

Wiederholungen

Donnerstag, 8. April, 10.00 Uhr

Freitag 9. April, 14.45 Uhr

Hinweise

Arte über die Henri-Georges-Clouzot-Reihe

Wikipedia über Henri-Georges Clouzot (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: Sympathische East-End-Gauner

März 21, 2010

London, East End, Arbeiterviertel mit hoher Kriminalitätsrate, in der Wirklichkeit gefürchtet und in der Popkultur als Reservoir für Gangstermythen geliebt. Mythen, die ihren Ursprung in den Taten von Jack the Ripper und denen der Kray-Brüder haben. Auch die von Nicola Collins inszenierte Doku „The End – Confessions of a real gangster“ führt diesen Mythos fort und, als Tochter des Verbrechers Les Falco, der auch vor die Kamera tritt, hatte sie einen privilegierten Zugang zu diesem Milieu.

In der vor allem aus sprechenden Köpfen montierten Doku erzählen er und einige seiner Freunde von ihrem Leben als Verbrecher. Aber als „Gangster“ sehen sie sich nicht. So wollen sie nicht genannt werden. Denn Gangster seien böse und ehrlos. Der Gangster werde in der Öffentlichkeit glamourisiert. Das sei nicht die Wirklichkeit.

Sie, so sagen die East-End-Gauner, hatten und haben einen Ehrenkodex und sie haben immer gearbeitet.

Nach diesem Auftakt, der wieder einmal zeigt, dass jeder sich selbst als guten Menschen sieht, blickt der Film genauer in eine archaische Gesellschaft, in der der Zusammenhalt viel und die staatliche Macht wenig zählt. Aufgrund des Alters einiger Interviewpartner entsteht auch eine Chronik des East End von den Nachkriegsjahren bis zur Gegenwart. Einen großen Teil der Erzählungen nimmt dabei das Boxen und die nicht lizensierten Wettkämpfe ein. Die Interviewten erzählen von den Zwillingen Ronnie und Reggie Kray und betonen die guten Seiten der Brüder. Sie erzählen auch von ihren Verbrechen; – jedenfalls soweit sie dafür verurteilt wurden. Les Falco meint, dass neun von zehn East Ender wenigstens zeitweise in irgendwelche Gaunereien verstrickt waren.

Gedreht wurden die Interviews in Schwarzweiß. So entsteht zwischen den aktuellen Interviews und historischen Dokumenten, wie Filmschnipsel, Bilder und Zeitungen, kein Bruch. Außerdem verleiht die atmosphärische SW-Fotografie und das Fehlen moderner Gegenstände den Porträts etwas zeitloses.

Störend sind aber die immer wieder bewusst verschmutzen und ruckelige Bilder und auch mal ein Schwarzbild. So soll der Eindruck von einem historischen Dokument, das man nach Jahrzehnten aus einem Archiv gezogen hat, entstehen. Aber meistens nervt es einfach nur und lenkt von den, ohne einen erklärenden Kommentar, pointiert montierten sprechenden Köpfen ab. Collins gelingt es durch ihre Montage die vielen Gemeinsamkeiten und die wenigen Unterschiede in der Lebenseinstellung ihrer Interviewpartner zu zeigen. Dass sie ihr Geld mal als Boxer, mal als Boxpromoter, mal als Verhandler, mal als Geldeintreiber, mal als Dieb und Räuber verdienten ist eher nebensächlich. Man tat eben, was seinen Talenten entsprach und womit man, mehr oder weniger illegal, Geld verdienen konnte.

Ein Nachteil dieser Methode ist, dass man sich die Hintergründe mühsam zusammenreimen muss und die Selbstdarstellung allzu leicht als wahre Sicht der Ereignisse übernimmt.

Denn letztendlich kommen sie als durchaus sympathische alte Knochen rüber. Arbeiterjungs eben.

The End – Confessions of a real gangster (The End, GB 2008)

Regie: Nicola Collins

Drehbuch: Nicola Collins

mit Les Falco, Victor Dark, Mickey Goldtooth, Danny Woollard, Roy Shaw, Jimmy Tibbs, Michael Gonella, Matt Attrell, Bobby Reading, Mickey Taheny, Alan Mortlock, Charlie Magri, Jimmy Murphy

DVD

Sunfilm

Bild: 16:9 (1:1,85)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Laufzeit: 78 Minuten

Extras: Audiokommentar, Trailer

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

BBC: Interview mit Nicola und Teena Collins (30. April 2009)

Besprechung im Guardian (25. April 2009)


TV-Tipp für den 21. März: Volker Pispers und Gäste

März 21, 2010

3sat, 20.15

Volker Pispers und Gäste

Und nochmal Kabarett. Dieses Mal mit Volker Pispers, Ulan & Bator, Matthias Reuter und Michl Müller.

Im Anschluss gibt es „Neues aus der Anstalt“.


Eine Meldung für die Fans von Henning Mankell

März 20, 2010

Wer mehr über „Der Feind im Schatten“ (erscheint am 30. April) wissen will, muss die deutsche Henning-Mankell-Homepage besuchen.

Und wer sich seine komplette Mankell-Sammlung signieren lassen will, kann dies hier erledigen:

31. März: Zürich (Kaufleuten)

1. Juni: Konstanz (Konzil)

3. Juni: Berlin (Volksbühne)

4. Juni: Düsseldorf (Capitol Theater)

5. Juni: Braunschweig (Stadthalle)


Die Scribe-Nominierungen

März 20, 2010

Die „International Association of Media Tie-In Writers“ (IAMTV) hat ihre diesjährigen Nominierungen veröffentlicht:

BEST NOVEL (GENERAL FICTION)

AS THE WORLD TURNS: THE MAN FROM OAKDALE von Henry Coleman und Alina Adams

CSI: BRASS IN POCKET von Jeff Mariotte

PSYCH: A MIND IS A TERRIBLE THING TO READ von William Rabkin

BEST NOVEL (SPECULATIVE FICTION)

STAR TREK VANGUARD: OPEN SECRETS (Star Trek Vanguard: Offene Geheimnisse) von Dayton Ward

STAR TREK: A SINGULAR DESTINY von Keith R.A. DeCandido

WARHAMMER: SHAMANSLAYER—A GOTREK AND FELIX NOVEL von Nathan Long

TERMINATOR SALVATION: COLD WAR von Greg Cox

ENEMIES & ALLIES von Kevin J. Anderson

BEST ADAPTATION (GENERAL & SPECULATIVE)

COUNTDOWN von Greg Cox

GI JOE: RISE OF THE COBRA von Max Allan Collins

THE TUDORS: THY WILL BE DONE von Elizabeth Massie

BEST YOUNG ADULT (ORIGINAL & ADAPTED)

CLOUDY WITH A CHANCE OF MEATBALLS von Stacia Deutsch and Rhody Cohon

BANDSLAM: THE NOVEL von Aaron Rosenberg

THUNDERBIRDS: DEADLY DANGER von Joan Marie Verba

GRANDMASTER

WILLIAM JOHNSTON

Die Preisverleihung ist während der Comic-Con International (22. – 25. Juli) in in San Diego.

Eine ziemlich SF-lastige Liste, aber mit CSI und Psych ist für Krimifans auch etwas dabei. Schade ist allerdings, dass die CSI-Roman nicht mehr und die Psych-Romane noch nie übersetzt wurden.

(via Lee Goldberg)


TV-Tipp für den 20. März: Gorky Park

März 20, 2010

RBB, 23.45

Gorky Park (USA 1983, R.: Michael Apted)

Drehbuch: Dennis Potter

LV: Martin Cruz Smith: Gorky-Park, 1981 (Gorki Park)

Im Moskauer Gorki Park werden drei verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Renko kommt bei seinen Ermittlungen einer Staatsaffäre auf die Spur.

Martin Cruz Smith schuf mit dem sowjetischen Ermittler Arkadi Renko eine enorm erfolgreiche Serienfigur. Für „Gorky-Park“ erhielt er den Gold Dagger.

Die Verfilmung missfiel der damaligen Filmkritik: „voller naiver Klischees, in der Charakterzeichnung oberflächlich, ohne Stimmung und Atmosphäre. Auch als Genre-Film spröde und spannungslos.“ (Lexikon des internationalen Films). Oder „Nun sind Klischees…nichts schlimmes, wenn nur alles andere stimmt: eine komplexe, nachvollziehbare Story, spannende Atmosphäre, interessante Charaktere und physische Aktion. Das alles aber hat Gorky Park in zu geringem Maße.“ (Fischer Film Almanach 1985).

Wie so oft wurde aus einem guten Buch ein mittelmäßiger Film.

Dennis Potters Drehbuch erhielt den Edgar.

Mit William Hurt, Lee Marvin, Brian Dennehy, Joanna Pacula, Ian Bannen

Hinweis

Meine Besprechung von Martin Cruz Smiths „Stalins Geist“ (Stalin’s Ghost, 2007)


Leipzig mit Martin Cruz Smith

März 19, 2010

In Leipzig auf der Buchmesse gewesen. Einige Autoren gesehen, viele Verlage besucht und jetzt rechtschaffen müde.

Aber weil Martin Cruz Smith auch auf dem Blauen Sofa saß, könnt ihr euch das Gespräch mit ihm ansehen. Es lohnt sich.

Martin Cruz Smith stellt seinen neuen Arkadi-Renko-Roman „Die goldene Meile“ (Three Stations) vor.


TV-Tipp für den 19. März: Bruno Jonas: Bis hierher und weiter

März 19, 2010

BR, 22.30

Bruno Jonas: Bis hierher und weiter

Beim durch den „Satire Gipfel“ ersetzen „Scheibenwischer“ ist Bruno Jonas ausgestiegen. Aber auf den Brettern, die die Welt bedeuten, präsentiert er sein neues Soloprogramm „Bis hierher und weiter“. In den Programm spielt er den Unternehmensberater Hubert Unwirsch, der sich dank Wirtschaftskrise und Wunschkoalition vor Aufträgen nicht retten kann. Auch wenn er im Moment ein Problem hat.


KrimiWelt-Bestenliste April 2010

März 18, 2010

Deutlich früher als erwartet und ohne Sperrfrist trudelt die Bestenliste der Krimiwelt für den Ostermonat April ein. Aber wahrscheinlich wollte man nur die Leipziger Buchmesse mitnehmen.

Jedenfalls haben es diese Werke auf die Liste geschafft:

1 (-) Josh Bazell: Schneller als der Tod

2 (1) Roger Smith: Blutiges Erwachen

3 (-) Martin Cruz Smith: Die Goldene Meile

4 (2) James Ellroy: Blut will fließen

5 (9) Paulus Hochgatterer: Das Matratzenhaus

6 (6) Carol O’Connell: Such mich!

7 (-) Bernhard Jaumann: Die Stunde des Schakals

8 (-) Arne Dahl: Dunkelziffer

9 (-) Ian Rankin: Ein reines Gewissen

10 (7) Pablo de Santis: Das Rätsel von Paris

In ( ) ist die Platzierung des Vormonats.

Und schon wieder fünf neue Bücher. So schnell komm ich mit dem Lesen ja gar nicht nach.


TV-Tipp für den 18. März: 3satbuchzeit

März 18, 2010

3sat, 21.00

3satbuchzeit

Eine Stunde lang gibt’s Infos von der Leipziger Buchmesse über die Eröffnung, Preisverleihungen, neue Bücher (ich befürchte mit einem viel zu geringem Krimianteil) und natürliche auch Gespräche mit den Autoren. Außerdem werden alle Gespräche am 3sat-Stand für die Mediathek aufgezeichnet.


Quentin Tarantinos „My Best Friend’s Birthday“

März 17, 2010

Vor allem für die Menschen, die sich wirklich alles von Quentin Tarantino ansehen müssen, ist „My Best Friend’s Birthday“; ein unvollendetes Werk, das er von 1985 bis 1987 mit seinen Kollegen von Video Archives für lau drehte. Als im Labor die letzten beiden Akte zerstört wurden, beerdigte man das Projekt. Tarantino verwandte einige Ideen aus dem Film für seine späteren Drehbücher und Filme.

My Best Friend’s Birthday“, gedreht auf 16mm in Schwarzweiß, sollte eine Screwball-Comedy werden. Die Story: ein Mann verliert einen Tag vor seinem dreißigsten Geburtstag seinen Job und seine Freundin. Sein bester Freund versucht ihn aufzuheitern.

Tarantino plante den Film nicht als Regiedebüt, sondern als schauspielerische Talentprobe. Aber später nannten sie das unvollendete Werk ihre Filmschule.

Tarantinos allererste Regiearbeit „Lovebirds in Bondage“ (USA 1983) existiert nicht mehr. Die wenigen gedrehten Szenen wurden zerstört.

So, und jetzt: Vorhang auf für „My Best Friend’s Birthday“

(via Die fünf Filmfreunde)


TV-Tipp für den 17. März: Verzockt, verloren, verstaatlicht…

März 17, 2010

ZDF, 00.35

Verzockt, verloren, verstaatlicht… – Was kostet die Hypo Real Estate? (D 2010, R.: Karl Hinterleitner, Michael Haselrieder)

Drehbuch: Karl Hinterleitner, Michael Haselrieder

Weit nach Mitternacht gibt’s die Premiere einer halbstündigen Doku über die Pleite der Hypo Real Estate. Erstmals äußern sich auch Mitarbeiter der Bank zu den Ereignissen und den überhörten Warnungen.

Wenn vor der Doku nicht eine weitere Johannes-Mario-Simmel-Verfilmung (Brauchen wir wirklich Updates von gut fünfzig Jahre alten Schmökern?), „Abenteuer Wissen“ über den Kölner Dom (Aktuell?), das „auslandsjournal“ (keine Einwände) und „Markus Lanz“ (kein Kommentar) kämen, würde ich sagen: Gute Anlage der Gebührengelder.

Daher: Morgen in der Mediathek nachsehen, ob der „Tipp“ (ZDF-Homepage) dort jederzeit angesehen werden kann.


Cover der Woche

März 16, 2010


Left Coast Crime vergibt Preise

März 16, 2010

Am Wochenende war die Left Coast Crime Convention. Die Stimmung war ausgezeichnet (denk ich mal; jedenfalls war das Wetter in Los Angeles besser als in Berlin), es gab spannende Diskussionen (eine mit Lee Child) und es wurden auch einige Preis vergeben. Die glücklichen Gewinner sind:

Dilys Award (given out by the Independent Mystery Booksellers Association to “the mystery title of the year which the member booksellers have most enjoyed selling”)

The Sweetness at the Bottom of the Pie, von Alan Bradley (Delacorte)

nominiert

A Quiet Belief in Angels, von R.J. Ellory (Overlook)

The Dark Horse, von Craig Johnson (Viking)

The Girl Who Played with Fire (Verdammnis), von Stieg Larsson (Knopf)

The Ghosts of Belfast, von Stuart Neville (Soho)

The Brutal Telling, von Louise Penny (Minotaur)

The Shanghai Moon, von S.J. Rozan (Minotaur)

The Lefty Award (for a humorous mystery)

Getting Old Is a Disaster, von Rita Lakin (Dell)

nominiert

Swan for the Money, von Donna Andrews (Minotaur)

Living with Your Kids Is Murder, von Mike Befeler (Five Star)

Strangle a Loaf of Italian Bread, von Denise Dietz (Five Star)

High Crimes on the Magical Plane, von Kris Neri (Red Coyote Press)

The Bruce Alexander Award (for a historical mystery set before 1950)

A Trace of Smoke, von Rebecca Cantrell (Forge)

nominiert

Tears of Pearl, von Tasha Alexander (Minotaur)

In a Gilded Cage, von Rhys Bowen (Minotaur)

Freedom’s Fight, von Gary Phillips (Parker Publishing)

Serpent in the Thorns, von Jeri Westerson

The Panik Award (for L.A.-based noir, honoring deceased LCC 2010 chairman Paul Anik)

Death Was in the Picture, von Linda L. Richards (St. Martin’s Press)

nominiert

Cemetery Road, von Gar Anthony Haywood (Severn House)

Trust No One, von Gregg Hurwitz (St. Martin’s Press)

Boulevard, von Stephen J. Schwartz (Forge)

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 16. März: Sterben für Afghanistan

März 16, 2010

ZDF, 21.00

Sterben für Afghanistan (D 2010, R.: Stefan Aust, Claus Richter)

Drehbuch: Stefan Aust, Claus Richter

45-minütige Doku, die anscheinend weniger die Frage, warum wir Soldaten nach Afghanistan schicken, sondern mehr die Frage, was in Kundus geschah und wer in Berlin wann was wusste, beantwortet.

Dürfte in jedem Fall informativer als die nächste Talkrunde zum Thema sein.

Wiederholung: Mittwoch, 17. März, 03.30 Uhr (VPS 04.05 Uhr, Taggenau!)

Hinweis

ZDF über „Sterben für Afghanistan“


R. i. P. Peter Graves

März 15, 2010

R. i. P. Peter Graves (18. März 1925 – 14. März 2010)

1949 ging Peter Graves mit dem Ziel, der nächste Gary Cooper zu werden, nach Hollywood. Das wurde er nicht. Er wurde James Phelps in der legendären Agentenserie „Mission: Impossible“, die bei uns als „Kobra, übernehmen Sie“ (Orignal), „Unmöglicher Auftrag“ (Original) und „In geheimer Mission“ (Remake) ausgestrahlt wurde.

Dagegen verblassen seine anderen Rollen in zahlreichen TV-Filmen (wie „Der Feuersturm“ [Herman Wouk’s The Winds of War] und, als Lew Archer, in dem in Deutschland nicht gezeigten „The Underground Man“), Serienauftritte (unter anderem „Cold Case“, „Dr. House“, „Simon & Simon“ und, als Hauptdarsteller, in „Fury“) und Spielfilme, wie „Die Nacht des Jägers“ (The Night of the Hunter), „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (Airplane!) und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“ (Airplane II: The Sequel).

Er hatte vor seiner Wohnung in Pacific Palisades, Kalifornien, einen Herzanfall.

Eigentlich hieß er Peter Arness, aber er wollte nicht mit seinem Bruder James Arness, dem Marshall Dillon aus der langlebigen Westernserie „Rauchende Colts“ (Gunsmoke) verwechselt werden.

Nachrufe gibt es in im Spiegel, Guardian, L. A. Times und der New York Times.


Kurzkritik: Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen…

März 15, 2010

Lassen Sie es mich so sagen…“ ist ein typisches Klobuch. Nicht weil es so schlecht ist, sondern weil die Texte so kurz sind, dass ein einzelner Text bequem während einer Sitzung gelesen werden kann und man danach eine geistige und eine körperliche Erleichterung verspürt.

Denn Georg Schramms schwarzhumorig-respektlosen Solonummern, die es jetzt auch im handlichen Taschenbuchformat gibt, sind als Satiren so nah an der Wirklichkeit, dass Unvorbereitete sie kaum von der Realität unterscheiden können.

Heute, nachdem er dank dem „Scheibenwischer“ und „Neues aus der Anstalt“, deutschlandweit allgemein bekannt ist, spricht er bei seinen Auftritten vor einem Publikum, das weiß, was auf es zukommt und sich, mehr oder weniger, in seiner Meinung bestätigt fühlt. Es ist auch ein Publikum, das die Satire sofort als Satire erkennt.

In seinen Anfängen muss Schramms Methode vollständig und ohne ironisches Augenzwinkern aus der Sicht eines bestimmten Charakters, wie Oberstleutnant Sanftleben oder der Rentner Lothar Dombrowski, Tacheles zu sprechen mehr als einmal das Publikum verstört haben. So erzählt er in „Lassen Sie es mich so sagen…“ von einem Auftritt als katholischer Hassprediger bei einem Ostermarsch oder von der Eröffnung einer Wohltätigkeitsgala, bei der er den versammelten Konstanzer Honoratioren die Leviten las.

Es gelang, die selbstzufriedene Feststimmung der Gala so nachhaltig zu stören, dass sich die Gäste dem von mir eröffneten Buffet verweigerten. (…) Für mich ein gelungener Abend“, schreibt Schramm über seine, auch in dem Sammelband dokumentierten Anfänge als Kabarettist in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die meisten Texte sind neuer und meistens für die TV-Satiresendungen „Scheibenwischer“ und „Neues aus der Anstalt“ entstanden. Außerdem gibt es einige Nummern aus seinen verschiedenen Soloprogrammen, vor allem aus „Thomas Bernhard hätte geschossen“. Ergänzt werden die Satiren oft durch einleitende Worte. So wird aus einer Sammlung von Satiren (was für eine Kaufempfehlung schon ausreichen würde) auch eine kleine Biographie des Künstlers Georg Schramm und eine ätzende Chronik Deutschlands zwischen Friedensbewegung und Großer Koalition.

Georg Schramm: Lassen Sie es mich so sagen… – Dombrowski deutet die Zeichen der Zeit

Heyne, 2010

272 Seiten

8,95 Euro

Erstausgabe

Karl Blessing Verlag, 2008

Hinweise

Homepage von Georg Schramm

Homepage von „Neues aus der Anstalt (In der nächsten Sendung, am Dienstag, den 16. März, um 22.15 Uhr im ZDF begrüßen Urban Priol und Georg Schramm Arnulf Rating, Jochen Malmsheimer und Olaf Schubert.)



TV-Tipp für den 15. März: Die Wahrheit

März 15, 2010

Arte, 20.15

Die Wahrheit (F/I 1960, R.: Henri-Georges Clouzot)

Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Véra Clouzot, Simone Drieu, Jérôme Géronimi, Michèle Perrein, Christiane Rochefort

Dominique Marceau ist angeklagt ihren Liebhaber, einen Musikstudenten, ermordet zu haben. Der Staatsanwalt will sie vor allem wegen ihres unmoralischen Lebenswandels ins Gefängnis schicken. Ihr Verteidiger versucht dagegen das Bild einer lebenshungrigen jungen Frau zu zeichnen.

Mit diesem selten gezeigten Werk beginnt Arte eine kleine Henri-Georges-Clouzot-Reihe. Seine weitaus bekannteren Krimis „Lohn der Angst“ und „Die Teuflischen“ folgen an den kommenden Montagen.

In „Die Wahrheit“ benutzt Clouzot den Gerichtssaal, um über die damalige Moral zu urteilen. Brigitte Bardot überzeugte hier auch als Schauspielerin. Der Film war für einen Oscar nominiert und erhielt einen Golden Globe (natürlich in der Kategorie „Bester ausländischer Film“). Clouzot erhielt beim Mar del Plata Film Festival den Preis als bester Regisseur.

Ein intensiv gestalteter, schauspielerisch eindrucksvoller Film, der freilich bei der Aufdeckung der psychologisch-geistigen Ursachen für gesellschaftliche und individuelle Verirrungen auf eine eigene Grundhaltung verzichtet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Clouzots Film ist eine Anklage gegen ein Justizsystem, in dem der Bourgeoisie entstammende, zumeist ältere Richter über Fälle zu entscheiden hatten, zu deren Umfeld und sozialen Ursprüngen sie keinerlei Bezug hatten. (…) Der Film (…) war ein Riesenerfolg.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

mit Brigitte Bardot, Charles Vanel, Marie-José Nat, Sami Frey, Louis Seigner, Claude Berri

Wiederholungen

Freitag 19. März, 14.45 Uhr

Dienstag 23. März, 14.45 Uhr (und das bei einem Film, der FSK-18 ist)

Hinweise

Arte über die Henri-Georges-Clouzot-Reihe

Wikipedia über Henri-Georges Clouzot (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. März: Columbo: Bluthochzeit

März 14, 2010

SRTL, 22.15

Columbo: Bluthochzeit (USA 1992, R.: Alan J. Levi)

Drehbuch: Robert Van Scoyck

LV: Ed McBain: So Long As You Both Shall Live, 1976 (So lang ihr zwei noch lebt)

Ein persönlicher Fall für Columbo: Ein Irrer hat die Braut seines Neffen gekidnappt.

Ein Columbo, der sich nicht an die Columbo-Formel hält. Aber wer hätte das bei einer Ed McBain-Story erwartet?

Bluthochzeit“ ist einer der besten neuen Columbo-Fälle; jedenfalls wenn man auch einmal auf die Columbo-Formel verzichten kann: ein ungewöhnlicher Fall (kein Mord, sondern ein Kidnapping ohne Lösegeldforderung), bei dem die normale Polizeiarbeit im Vordergrund steht (es wird öfters gezeigt, wie frustrierend langwierig das Beschaffen von Informationen ist), es fast keine Columbo-Maniriesmen gibt (und die verbleibenden sind eher zufällig) und die Geschichte ungewohnt straff erzählt (ein Manko der neuen Columbos ist, dass sie alle altmodischer als die klassischen Columbos wirken) wird. „Bluthochzeit“ ist ein Columbo, der auch Columbo-Hassern gefallen könnte.

Oh, es ist auch einer der ganze wenigen Fälle, in denen Columbo eine Pistole trägt.

Mit Peter Falk, Joanna Going, Daniel Davis, Thomas Calabro, Dan Butler, Doug Savant, Daniel McDonald, Donald Moffat

Hinweise

Mehr über Ed McBains Columbo-Filme

Homepage von Ed McBain

Meine Besprechung des von Ed McBain herausgegebenen Buches „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2006)

Meine Besprechung von Ed McBains “Die Gosse und das Grab” (The Gutter and the Grave, 2005, Erstausgabe: Curt Cannon: I’m Cannon – For Hire, 1958)


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

März 13, 2010

Die Antwort auf die weltbewegende Frage, welche Krimiverfilmungen die kommenden vierzehn Tage im Fernsehen laufen,gibt es, mit vielen schönen Bildern, bei den Alligatorpapieren. Hier, wie gewohnt, nur ein kleiner Überblick:

Wer nicht gerade ein Wallander- oder Fan britischer TV-Krimis ist, wird die kommenden Tage auf Diät gesetzt. Aber Martin Ritts schon länger nicht mehr gezeigte John-le-Carré-Verfilmung „Der Spion, der aus der Kälte kam“, Michael Apteds zweimal gezeigte Martin-Cruz-Smith-Verfilmung „Gorky Park“ (als Einstimmung zur Veröffentlichung seines neuen Romans „Die goldene Meile“), Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Georges Lautners Raf-Vallet-Verfilmung „Der Fall Serrano“, Henri-Georges Clouzots Georges-Arnaud-Verfilmung „Lohn der Angst“ und zweimal Sam Peckinpah („Die Killer-Elite“ und „Sacramento“) trösten darüber hinweg.