Groucho Marx war auch ein Meisterdetektiv

Hollywood, 1937: Die bekannten Privatdetektive Philip Marlowe, Sam Spade und Dan Turner helfen den Schwachen und bekämpfen die Bösen. Ihre Fälle sind gut dokumentiert und daher entsprechend bekannt. Dass zur gleichen Zeit auch der weltweit bekannte Komiker und Schauspieler Groucho Marx nebenher als Privatdetektiv arbeitete, ist dagegen weniger bekannt. Schließlich waren seine damaligen Filme, wie „Die Marx Brothers im Krieg“, „Skandal in der Oper“ und „Das große Rennen“ (um nur einige Prä-1937-Filme zu nennen) Kassenschlager. Heute sind es Komödien- und auch Filmklassiker. Verschiedene Sammlungen von Marx-Brothers-Sketchen sind immer noch sehr beliebt. Und die in mehreren Büchern aufgeschriebenen Erinnerungen von Groucho Marx verkaufen sich auch gut. Da kann schon einmal eine Nebentätigkeit unter den Tisch fallen. Vor allem eine unbezahlte.

Zum Glück hat Frank Denby, ein ehemaliger Polizeireporter, der damals auch die Bücher für die Hörspiele „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ (kein wirklich guter Titel, aber die anderen Vorschläge waren viel schlimmer) schrieb, die Fälle aufgeschrieben.

In dem Roman „Groucho Marx, Meisterdetektiv“ lernen die zwei sich kennen und sie müssen auch gleich einen kniffligen Fall aufklären. Das Starlet Peg McMorrow soll sich umgebracht haben. Groucho Marx, der eine kurze Affäre mit ihr hatte, glaubt dagegen, dass sie ermordet wurde. Als bei der Polizei und dem Bestatter die Unterlagen verdächtig schnell verschwinden, die Leiche sofort eingeäschert wird und niemand mit ihnen über den Fall reden will, scheint die Vermutung von Groucho Marx zu stimmen. Und nachdem ein erster Mordanschlag auf die beiden verübt wird, wissen sie, dass sie mit ihren Ermittlungen einige Leute sehr beunruhigen.

Groucho Marx, Meisterdetektiv“ lebt von den fetzigen Dialogen und den Gemeinheiten von Groucho Marx, der sich (wie in den Filmen) erfolgreich bemüht, jeden, der in seine Nähe kommt, angemessen zu beleidigen. Dass dagegen der Plot, gemessen an den Fällen des Kollegen Marlowe, eher vorhersehbar ist, ist egal. Denn die Geschichte hat ein überaus angenehmes Retro-Feeling. Alles wirkt direkt wie aus einem der großartigen SW-Filme der Schwarzen Serie oder, wegen der vielen Witze, „Der dünne Mann“ übernommen und mit der Marxschen Anarchie überzogen.

Aber so war das eben damals in Hollywood. Denn ein ehemaliger Polizeireporter ist letztendlich doch nur der Wahrheit verpflichtet.

Ron Goulart: Groucho Marx, Meisterdetektiv

(übersetzt von Joachim Körber)

Phantasia Paperback, 2010

264 Seiten

16,90 Euro

Originalausgabe

Groucho Marx, Master Detective

Thomas Dunne Books/St. Martins Press, 1998

Hinweise

Wikipedia über Ron Goulart

Fantastic Fiction über Ron Goulart

Phantastik Couch über Ron Goulart

P. S.: Dan Turner hat nie gelebt.

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