DVD-Kritik: Französische Bullen im „Crossfire“

Mit einer blutigen Geiselbefreiung beginnt der französische Polizeithriller „Crossfire“. Als SEK-Polizisten verkleidete Gangster erschießen echte Polizisten und befreien ihren Boss, einen Ex-Fremdenlegionär, dem eine jahrzehntelange Haftstrafe droht.

Nach diesem Auftakt nimmt Regisseur Claude-Michel Rome das Tempo heraus. Denn er will nach zahlreichen TV-Filmen in seinem Spielfilmdebüt keinen weiteren actionlastigen Franco-Thriller, sondern ein grundsolides Genrestück über einige Polizisten und Bewohner eines Ortes, mit einer satten Portion Action am Anfang und Ende des Films, drehen.

Die nächste Szene und der gesamte Film spielt in einem Industrieviertel am Arsch der Welt (genaugenommen ein Vorort von Marseille mit Myriaden von Ölraffinerien und Industriebrachen). Vincent Drieu (Richard Berry [Waffenbrüder, Der Lockvogel, 22 Bullets]) steigt an einem Provinzbahnhof aus dem Zug und lagert eine Tasche in einem Schließfach des Bahnhofs. Er wurde aus Paris in ein Revier versetzt, das in drei Monaten geschlossen wird. Die Polizisten erscheinen zwar zum Dienst, aber ihnen Dienst nach Vorschrift zu bescheinigen, wäre ein Euphemismus. Auch die hochschwangere Revierchefin versucht ihm bei ihrer ersten Begegnung gleich jegliche Arbeitsmoral auszutreiben.

Drieu versucht trotzdem als Polizist zu arbeiten und er entdeckt zwischen einigen scheinbar nicht zusammenhängenden Ereignissen Verbindungen. Dazu gehören ein in einer Wohngegend stehengelassenes Luxusauto mit falschem Kennzeichen, das entgegen den Ghettogewohnheiten nicht sofort ausgeräumt wurde, ein verschwundener Ehemann und ein kleiner, jugendlicher Drogenhändler, der plötzlich guten Stoff hat. Es gibt den Chef des örtlichen Discobordells, bei dem der Ausdruck „weiße Weste“ nur für seinen Anzug gilt. Und dann ist da auch noch der am Filmanfang befreite Ex-Fremdenlegionär, der – das dürfte jetzt niemanden überraschen – sich auch in das am Meer liegende Industriegebiet verirrt.

Der Quasi-Western „Crossfire“ reiht sich gelungen in die aktuelle Reihe französischer Kriminalfilme ein, die zeitgemäß aufbereitet, die einheimische Kriminalfilmtradition pflegen und sich an Hollywood-Vorbildern bedienen.

Das ist in „Crossfire“ vor allem der Western à la „Mein großer Freund Shane“ und seiner unzähligen Variationen. Das Ende (also der gesamte dritte Akt) ist eine überdeutliche Referenz an „Assault on Precint 13“. Wobei sich diese Referenz eher an dem Remake von Jean-François Richet und weniger dem Original von John Carpenter orientiert. Und Carpenters Film war eine Hommage an den John-Wayne-Westernklassiker „Rio Bravo“ von Howard Hawks. Richard Berry übernimmt in „Crossfire“ als schweigsamer Mann in Schwarz die Rolle von John Wayne oder von „Shane“ Alan Ladd. Am Ende streckt er, sicher nicht zufällig ausgewählt, mit einem Dirty-Harry-Gedenkrevolver zielsicher die bösen Buben nieder.

Das sind alles nette kleine Referenzen an bekannt-beliebte Filme und Charaktere, die den Filmfan erfreuen, ohne von der angenehm altmodisch erzählten Geschichte abzulenken. Ein feiner Film.

 

Die DVD

 

Das Bonusmaterial besteht aus dem Trailer und einem vierzigminütigem Making-of, das einen guten Einblick in die Vorbereitungen und Dreharbeiten in Martigues, Bouches-du-Rhône gibt. Wie üblich nehmen die Statements der Schauspieler einen großen Teil der Zeit ein, während die anderen Beteiligten kaum zu Wort kommen.

Crossfire (Les insoumis, Frankreich 2008)

Regie: Claude-Michel Rome

Drehbuch: Claude-Michel Rome, Olivier Dazat

mit Richard Berry, Pascal Elbé, Zabou Breitman, Aïssa Maïga, Bernard Blancan, Guilaine Londez, Moussa Maaskri, Fred Saurel, Aure Atika

DVD

Koch Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Französisch (DVD: DTS, Dolby Digital 5.1, Blu-ray: DTS HD-Master Audio 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making-of, Trailer

Länge: 91 Minuten (DVD), 94 Minuten (Blu-ray)

FSK: ab 16 Jahren

Hinweise

Homepage zum Film (dann Recherche nach „Les Insoumis“ machen)

Tout le Cine: Interviews mit den Machern

Wikipedia über „Crossfire“

 

2 Responses to DVD-Kritik: Französische Bullen im „Crossfire“

  1. […] Mehr in meiner Besprechung der DVD. […]

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