TV-Tipp für den 20. April: Equilibrium

April 20, 2011

Kabel 1, 22.35

Equilibrium (USA 2002, R.: Kurt Wimmer)

Drehbuch: Kurt Wimmer

Nach dem nächsten Weltkrieg verbietet ein Diktator, der sich „Vater“ nennt, die Ursache für alles Übel: Gefühle. Als einer seiner Vollstrecker, der gnadenlos gegen Menschen, die doch Gefühle entwickeln (und damit so etwas wie einen freien Willen haben), jagt, dann doch Gefühle entwickelt…

Kleiner Kultfilm, der ganz hübsch „Fahrenheit 451“ (und ähnliche Dystopien, in denen die Regierung alles ausmerzt, was ihnen nicht in den Kram passt und eine Schöne Neue Welt errichtet) mit „Matrix“-artigen Kämpfen verbindet und das alles mit vielen Aufnahmen aus Berlin (einerseits weil in Babelsberg gedreht wurde, andererseits weil die Architektur zwischen Faschismus und Moderne einfach toll aussieht), etwas „Metropolis“-Style und Faschismus-Look garniert. Die meisten Kritiker mochten den Film nicht (der Rotten-Tomatoes-Frischegrad ist 37 Prozent), die wenigen Zuschauer (in Deutschland war’s eine DVD-Premiere) mochten den durchaus geschickt bekannte Versatzstücke miteinander verbindenden Film und die Phoenix Film Critics Society nominierte den Film in der Kategorie „Übersehener Film des Jahres“.

Kurt Wimmer verspielte seinen Credit in der SF-Szene mit dem komplett misslungenen SF-Film „Ultraviolet“ und Christian Bale wurde Batman.

mit Christian Bale, Emily Watson, Taye Diggs, William Fichtner, Sean Bean, Dominic Purcell, Angus MacFadyen, Mehmet Kurtulus, David Hemmings

Hinweise

Wikipedia über „Equilibrium“ (deutsch, englisch)

Fanseite zum Film

SciFi Dimensions: Interview mit Kurt Wimmer über „Equilibrium“ (Mai 2003)


Wer rettet Dina Foxx?

April 19, 2011

Dieser Clip gefällt mir richtig gut

Diese sind mir etwas zu bemüht auf hip gemacht

Und darum geht es

Hm, das waren schon die wichtigsten Informationen zu dem am Mittwoch, den 20. April, im ZDF startendem Cross-Media-Projekt. Denn nachdem um 23.20 Uhr („Für alle Nachtschwärmer wird ‚Wer rettet Dina Foxx?‘ noch einmal um 2.40 Uhr wiederholt.“ O-Ton ZDF) in einem fünfzigminütigem Film gezeigt wird, wie die radikale Datenschützerin Dina Foxx als Mörderin ihres Freundes im Knast verschwindet, kann danach im Netz nach Spuren für ihre Unschuld und den wahren Schuldigen gesucht werden und Informationen und Hinweise mit anderen Usern ausgetauscht und gemeinsam Spuren verfolgt werden.

Dabei gibt es neben dem hoffentlich spannendem Rätselelement auch einiges an Informationen über die schöne neue Welt des Internets und den Möglichkeiten und Gefahren der modernen Datenverarbeitung. Das soll, was nach dem Ansehen der Clips kein Geheimnis sein dürfte, vor allem ein jüngeres Publikum ansprechen. Das lobenswerte Ansinnen wird von den Programmplanern dann, trotz Osterferien, durch den absolut bescheuerten Sendeplatz (23.20 Uhr!) gleich ordentlich torpediert wird.

Zum Glück gibt es die Mediathek.

Einen hab ich noch


Cover der Woche

April 19, 2011


TV-Tipp für den 19. April: Twin Peaks: Das Geheimnis von Twin Peaks

April 19, 2011

Arte, 22.00

Twin Peaks: Das Geheimnis von Twin Peaks (USA 1990, R.: David Lynch)

Drehbuch: Mark Frost, David Lynch

Wer ermordete die 17-jährige Laura Palmer? Die Frage bewegte vor zwanzig Jahren nicht nur den FBI-Agenten Dale Cooper, der in dem lauschigen Städtchen Twin Peaks ermittelte, sondern auch die Zuschauer.

Zuletzt zeigte Kabel 1 2003 die Serie. Naja, die ersten 16 Folgen, dann schlug der Quotengott erbarmungslos zu und die letzten Episoden wurden nicht gezeigt. Das wird bei Arte nicht passieren. Denn Arte wird ab heute bis Ende Juni jeden Dienstag zwei bis drei Folgen „Twin Peaks“ zeigen. Und das ohne lästige Werbepausen.

Mit Kyle MacLachlan, Michael Ontkean, Mädchen Amick, Dana Ashbrook, Richard Beymer, Lara Flynn Boyle, James Marshall, Everett McGill, Jack Nance, Ray Wise, Joan Chen, Piper Laurie, Sheryl Lee

Wiederholung: Donnerstag, 21. April, 01.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Twin Peaks“ (deutsch, englisch)

Deutsche „Twin Peaks“-Community

In Twin Peaks (englische Fanseite)

Arte über „Twin Peaks“

Guardian: Andrew Anthony über „Twin Peaks“ (21. März 2010)

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch



DVD-Kritik: Der BBC-Krimi-Klassiker „Am Rande der Finsternis“

April 18, 2011

Meilenstein der Fernsehgeschichte“ meint Martin Compart in „Crime TV“ über die sechsteilige BBC-Serie „Am Rande der Finsternis“.

Es ist aus vielerlei Gründen einer der aufregendsten Filme seit langem, unter anderem, weil er plastisch, mit atmosphärischer Eleganz, vor Augen führt, dass Politik längst nicht mehr das zentrale Steuerungselement der Gesellschaft ist, in dem der Sinn des Systems zusammenfließt“, schrieb Wolfram Knorr im Januar 1988 in der „Weltwoche“.

1986 gewann die Miniserie sechs BAFTA-Awards und war für fünf weitere nominiert. Im Bonusmaterial heißt es, dass keine Serie mehr Preise gewonnen habe; – wobei man den Preisregen natürlich aus damaliger Sicht, als bereits eine Nominierung etwas Besonderes war, sehen muss. In den vergangenen Jahren hat die Zahl der zu vergebenden Preise ja inflationär zugenommen.

Und in England waren Kritiker und Zuschauer von der Krimiserie begeistert.

In Deutschland lief die Serie anscheinend nur einmal im TV; – was für die Qualität der Serie spricht.

2010 gab es dann das Hollywood-Spielfilmremake. „Auftrag Mord“ hieß der Film. Martin Campbell, der bereits das Original inszenierte und danach als James-Bond-Regisseur Weltruhm erlangte, führte wieder Regie (Vielleicht dachte er dabei an Alfred Hitchcock, der seinen „Mann, der zuviel wusste“ auch zweimal drehte.). Mel Gibson übernahm nach siebenjähriger Leinwandabstinenz die Hauptrolle. In etlichen Kritiken stand, dass das Original besser sei. Aber wer kannte damals wirklich das Original?

Denn die Geschichte des Yorkshire-Polizisten Ronald Craven, der zunehmend fanatisch den Mörder seiner in der Öko-Aktivistengruppe GAIA politisch aktiven 21-jährigen Tochter sucht und sich dabei mit der Regierung, den Geheimdiensten und multinationalen Konzernen anliegt, ist fest in den frühen achtziger Jahren (nach Harrisburg, aber noch vor Tschernobyl) verhaftet. Das gilt für die Geschichte und wie sie erzählt wird. Denn die oft scheinbar endlos langen Einstellungen auf unbewegte Gesichter sind heute, abgesehen von langatmig-depressiven skandinavischen Krimis, nicht mehr zeitgemäß.

Dafür ist das Thema des Ökothrillers immer noch und nach Fukushima und je mehr von dem Geschäftsgebaren des AKW-Betreibers Tepco ans Tageslicht kommt, aktueller denn je. Denn auch International Irradiated Fuels Ltd., der Atomkonzern im Film, der in Northmoor schwach radioaktives Material lagern soll (es aber mit den Grenzwerten nicht so genau nimmt), hat de facto einen Staat im Staat errichtet und Staat und Wirtschaft tun alles, um ihre schmutzigen Geschäfte zu schützen.

Vielleicht ist „Am Rande der Finsternis“ aus heutiger Sicht etwas überschätzt. Aber in in jedem Fall ist der Sechsteiler ein sehenswerter, langsam erzählter Öko-Thriller, der einen ziemlich zynischen Blick auf die Geschäfte der Geheimdienste, Konzerne und Politik wirft.

Die DVD

Das umfangreiche Bonusmaterial wurde von der englischen DVD-Ausgabe von 2003 übernommen und allein schon der Umfang zeigt, wie wichtig die inzwischen über 25 Jahre alte Serie ist. Es gibt eine extra für die DVD produzierte, über halbstündige Doku zur Serie, bei dem auch Drehbuchautor Troy Kennedy Martin (Erfinder der langlebigen Polizeiserie „Z Cars“, Drehbücher für Polizeiserie „The Sweeney“ [Die Füchse], „The Italian Job“ [Charlie staubt Millionen ab] und „Kelly’s Heroes“ [Stoßtrupp Gold]) ausführlich zu Wort kommt.

Außerdem wurde in den BBC-Archiven gewühlt. Es gibt Aufnahmen von der BAFTA-Preisverleihung, Interviews mit Hauptdarsteller Bob Peck (der 1999 53-jährig starb) und eine kleine Kritikerrunde, die nach der dritten Folge ausgestrahlt wurde.

Insgesamt gibt es eine sehr informative Stunde, in der die damaligen Reaktionen neben neueren Meinungen und Rückblicken stehen.

Weniger beeindruckend ist dagegen die oft erschreckend schlechte Bildqualität der einzelnen Folgen. Gerade in den Nachtaufnahmen und den Aufnahmen aus der unterirdischen Lagerstätte Northmoor (in der fünften Episode) sind oft milchig-zugesuppt und die Helligkeit schwankt stark. Da glaubt man eher, einen Film aus den dreißiger Jahren als eine TV-Serie aus den Achtzigern zu sehen.

Am Rande der Finsternis (Edge of Darkness, GB 1985)

Regie: Martin Campbell

Drehbuch: Troy Kennedy Martin

mit Bob Peck, Joanne Whalley, Joe Don Baker, John Woodvine, Charles Kay, Ian McNeice

auch bekannt als „Der Plutonium-Affäre“

DVD

Polyband

Bild: 1,33:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital Mono 1.0)

Untertitel: –

Extras (mit deutschen Untertiteln): MAGNOX – Die Geheimnisse von „Am Rande der Finsternis“, Haben Sie das gesehen?, Broadcasting Press Guild Award 1986, Der 1986er BAFTA-Award, Interview mit Bob Peck, Alternativer Abspann Episode 6

Länge: 318 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

BBC über „Am Rande der Finsternis“

BFI Screen Online über „Am Rande der Finsternis“

Wikipedia über „Am Rande der Finsternis“ (deutsch, englisch)

Umfangreiche Fanseite über „Am Rande der Finsternis“

Troy Kennedy Martin über „Am Rande der Finsternis“ (1989)

Bournemouth University: Troy Kennedy Martin über das Drehbuchschreiben


TV-Tipp für den 18. April: Vengeance – Killer unter sich

April 18, 2011

HR, 23.30

Vengeance – Killer unter sich (Hongkong/Frankreich 2009, R.: Johnny To)

Drehbuch: Ka-Fai Wai

In Macao wird die Tochter des französischen Restaurantbesitzers Francis Costello in ihrer Wohnung schwer verletzt. Ihre Familie wird ermordet. Costello beschließt, die Täter zu stellen. Dabei helfen dem ehemaligen Profikiller einige Kollegen, die er zufällig im Hotel trifft.

Das ging aber schnell. Bereits wenige Monate nach der DVD-Premiere läuft Johnny Tos neuester Neo-Noir-Thriller im TV.

Mit seinen neuesten Film „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.

Anschließend läuft, um 01.10 Uhr: Triangle – Die Jagd nach dem Goldschatz

mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam

Hinweis

Meine ausführliche Besprechung von „Vengeance“


TV-Tipp für den 17. April: Denn sie kennen kein Erbarmen

April 17, 2011

BR Alpha, 23.55

Denn sie kennen kein Erbarmen (D 2006, R.: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger)

Drehbuch: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger

Sehr informative, spielfilmlange Doku über den Italo-Western.

Mit Franco Nero, Ferdinando Baldi, Claudia Cardinale, Pierre Brice, Sergio Corbucci, Damiano Damiani, Clint Eastwood, Alberto Grimaldi, Robert Hossein, Sergio Leone, Antonio Margheriti, Tomas Milian, Ennio Morricone, Bud Spencer, Jean-Louis Trintignant, Eli Wallach


DVD-Kritik: Alice Creed ist nicht „Spurlos“ verschwunden

April 16, 2011

Zwei Männer entführen die junge, gut aussehende und vermögende Alice Creed (Gemma Arterton aka Bond-Girl Strawberry Fields in „Ein Quantum Trost“). Die beiden Entführer, der ältere Vic (Eddie Marsan) und sein Gehilfe, der jüngere Danny (Martin Compston), haben sich, wie schon die präzise wie ein Schweizer Uhrwerk abgelaufenen Vorbereitungen gezeigt haben, gut auf die Entführung vorbereitet.

Die beiden Ex-Knackis haben offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht und sich auf alles vorbereitet, bis Danny allein mit Alice im Apartment ist und sie auf die Toilette muss. Er stellt ihr einen Eimer vor’s Bett und sie soll, angekettet an einen Bettpfosten, ihr Geschäft erledigen. Es gelingt ihr trotzdem, an Dannys Pistole zu kommen – und wir erleben, nach 28 straff erzählten Minuten, unsere erste echte Überraschung. Zahlreiche weitere folgen in dem kleinen, aber sehr feinem, wendungsreichem Entführungsthriller, der aus der bekannten Situation und einem sehr überschaubarem Budget ein Maximum an Spannung herausholt. Denn „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ ist ein Drei-Personen-Stück, das die meiste Zeit in dem absolut anonymem Apartment, in dem Alice Creed gefangen gehalten wird, spielt. Diese Beschränkung wird von Autor und Regisseur J. Blakeson, der hier nach zwei Kurzfilmen sein Spielfilmdebüt vorlegt, als Vorteil gesehen. Denn so lenkt nichts von den sich ständig verändernden Beziehungen innerhalb des Trios ab. Und Blakeson weiß, wie er mit minimalen Mitteln, wie einer Kugelhülse, Spannung aufbaut.

Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ will einfach nur neunzig Minuten spannend unterhalten. Und das tut er glänzend.

Spurlos – Die Entführung der Alice Creed (The Disappearance of Alice Creed, GB 2009)

Regie: J. Blakeson

Drehbuch: J. Blakeson

mit Gemma Arterton, Martin Compston, Eddie Marsan

DVD

Ascot-Elite

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Originaltrailer, Making of Featurette, Interview mit Regisseur, Interview mit Produzent, Interview mit Gemma Arterton, Interview mit Eddie Marsan, Interview mit Martin Compston, Interview mit Philip Blaubach (Kameramann), Behind the Scenes, Wendecover

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“

Und noch zwei Bilder aus dem Film


TV-Tipp für den 16. April: Road to Perdition

April 16, 2011

RTL II, 20.15

Road to Perdition (USA 2002, R.: Sam Mendes)

Drehbuch: David Self

LV: Max Allan Collins (Text), Richard Piers Rayner (Zeichnungen): Road to Perdition, 1998 (Road to Perdition, Graphic Novel)

Buch zum Film: Max Allan Collins: Road to Perdition, 2002 (Road to Perdition)

Chicago, 30er Jahre: Profikiller Michael Sullivan steht plötzlich selbst auf der Abschußliste. Nachdem seine Familie umgebracht wird, flüchtet er mit seinem Sohn aus Chicago.

„Sam Mendes ist eine äußerst sehenswerte, in die Tiefe des Vater-Sohn-Verhältnisses lotende Film-noir-Tragödie gelungen, mit exzellenten Schauspielern und großartiger Kamerarbeit von Conrad L. Hall.“ (Sönke Lars Neuwöhner, tip 18/2002) oder „großartig besetzter, klassisch epigonaler Gangsterfilm“ (Adrian Prechtel, AZ 5. 9. 2002). Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Menschen, die die Graphic Novel dem etwas langatmigen Film vorziehen.

Max Allan Collins schrieb nach der erfolgreichen Verfilmung weitere Romane und Graphic-Novels, in denen die Geschichte von Michael Sullivan jr. weitererzählt wird. Übersetzt wurde nur die erste Fortsetzung „Road to Purgatory“ (2004, Road to Purgatory – Straße der Vergeltung).

Wie üblich dürfte die 20.15 Uhr-Ausstrahlung gekürzt sein.

Im Anschluss läuft um 22.20 Uhr  „A History of Violence“. Auch gut.

Mit Tom Hanks, Paul Newman, Jude Law, Jennifer Jason Leigh, Daniel Craig, Stanley Tucci

Hinweise

Homepage von Max Allan Collins

Thrilling Detective über Max Allan Collins

January Magazine: Interview mit Max Allan Collins (1999)

Comic Book Resources: Interview mit Max Allan Collins (2002 – unter anderem zu „Road to Perdition“)

Sean Chercover redet mit Max Allan Collins (2005)

Things I’d rather be doing redet mit Max Allan Collins (2007)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “Two for the Money” (2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „Der erste Quarry“ (The First Quarry, 2008)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „The last Quarry“ (2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“ (Bones: Buried deep, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes“ (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: NY – Blutiger Mond“ (Bloody Murder, 2006 – Comic)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “CSI – Das Dämonenhaus” (Demon House, 2004 – Comic)


R. i. P. Craig Thomas

April 14, 2011

R. i. P. Craig Thomas (24. November 1942, Cardiff – 4. April 2011, Somerset)

Für mich war der Engländer Craig Thomas, der Erfinder des Techno-Thrillers, ein sehr wichtiger Autor. Zum ersten Mal begegnete ich ihm als Ideenlieferant für den Clint-Eastwood-Film „Firefox“. Mein erster Clint-Eastwood-Film, aber nicht der letzte. Danach las, nein, verschlang ich die Vorlage, einem, so mein damaliges Gefühl, spannender Thriller über einen Amerikaner, der den Russen ein Superduperflugzeug mopsen soll, und Craig Thomas wanderte auf meine Zu-lesen-Liste. Er gehörte auch zu den ersten Autoren, die ich im Original las, weil der Heyne Verlag nicht schnell genug die Übersetzungen lieferte und einige Bücher, wie sein Debüt „Rat Trap“, überhaupt nicht übersetzte.

Rat Trap“ ist ein 250-seitiger Thriller über eine Flugzeugentführung. Das war damals – der Roman erschien 1976 – ein großes Thema und der britische SIS-Geheimdienstchef Kenneth Aubrey, der in fast allen Romanen von Craig Thomas eine wichtige Rolle hatte, musste sich hier noch mit einem Cameo-Auftritt begnügen.. Die späteren Romane von Craig Thomas waren dann länger. So um die vier- bis fünfhundert Seiten.

Die direkt an „Firefox“ anschließende Fortsetzung „Firefox Down“ verschlang ich in wenigen Tagen.

Craig Thomas war auch der erste Autor, von dem ich mit meinem schmalen Taschengeld ein Hardcover im Original kaufte. „The Bear’s Tears“ hieß das Werk – und ich erinnere mich an keine einzige Zeile mehr.

Irgendwann in den frühen Neunzigern verlor ich das Interesse an den dicken Geheimdienstschinken des ehemaligen Lehrers. Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte er, wie alle Spionageromanschriftsteller, sein großes Thema, den Kampf zwischen Ost und West, verloren. Es wurde sogar gefragt, ob es jetzt, am „Ende der Geschichte“, überhaupt noch Geheimdienste geben müsse. Naja, die Frage wurde schnell und schon lange vor 9/11 beantwortet.

Craig Thomas schrieb weiter. 1998 veröffentlichte er mit „Slipping into Shadow“ seinen letzten Roman. Warum er danach aufhörte zu schreiben, weiß ich nicht.

Was Craig Thomas schreibt, ist Kolportage, allerdings in Vollendung. Er nistet sich in den Lücken der Zeitgeschichte ein und spekuliert munter drauflos.“ (Rudi Kost/Thomas Klingenmaier: Steckbriefe, rororo 1995)

Gleichzeitig war er (lange vor Tom Clancy) der erste, der in seinen Agentenschmökern die Geschichte mit Unmengen an technischen Details über mehr oder weniger fantastischen militärischen Waffensystemen aufpeppte. Das Publikum, wie die Millionenauflagen zeigten, liebte ihn dafür.

Unter Thriller-Fans wird er deshalb als Erfinder des Techno-Thrillers und der Vorlage für einen Clint-Eastwood-Film in Erinnerung bleiben.

Craig Thomas starb am 4. April 2011 an einer Pneumonie, die die Folge eines kurzen Kampfes gegen eine akute myeloische Leukämie war.

Nachrufe gibt es im Guardian, Express & Star, Wales Online, BBC,  und in der Bear Alley (Steve Holland – mit vielen Covers) .

Weitere Informationen gibt es bei Wikipedia (deutsch, englisch) und einer umfangreichen englischen Fanseite. Es gab auch mal eine deutsche Fanseite. Aber die finde ich im Moment nicht.


TV-Tipp für den 15. April: James Bond: Stirb an einem anderen Tag

April 14, 2011

Pro 7, 20.15

James Bond: Stirb an einem anderen Tag (USA/GB 2002, R.: Lee Tamahori)

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Die Another Day, 2002

Nachdem James Bond kurzzeitig von M gefeuert wird, darf er wieder die Welt retten. Aktuelle Schauplätze sind Nordkorea, Hongkong, Kuba, London und Island.

Vierter und letzter Bond-Film mit Pierce Brosnan, der sich nicht sonderlich von den vorherigen unterscheidet: kurzweiliges Popcornkino für die ganze Familie.

Mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Rick Yune, Judi Dench, John Cleese, Toby Stephens, Michael Madsen, Rosamund Pike, Michael G. Wilson, Madonna

Wiederholung: Samstag, 16. April, 23.00 Uhr

Hinweise

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte


ITW nominiert beste Thriller 2011

April 14, 2011

Die amerikanische Autorenvereinigung International Thriller Writers (ITW) hat die Nominierungsliste für ihren diesjährigen Thriller Award veröffentlicht:

Best Hard Cover Novel

Michael Connelly: The Reversal (Little Brown)

Jeffery Deaver: Edge (Simon & Schuster)

Brian Freeman: The Burying Place (Minatour)

Mo Hayder: Skin (Grove)

John Sandford: Bad Blood (Putnam)

Best Paperback Original

Robert Gregory Browne: Down Among The Dead Men (St. Martin’s)

Max Allan Collins/Matthew Clemens: You Can’t Stop Me (Pinnacle)

J.T. Ellison: The Cold Room (Mira)

Shane Gericke: Torn Apart (Pinnacle)

John Trace: The Venice Conspiracy (Hachette Digital)

Best First Novel

Carla Buckley: The Things That Keep Us Here (Random House)

Paul Doiron: The Poacher’s Son (Minatour)

Reece Hirsch: The Insider (Berkley)

Thomas Kaufman: Dring The Tea (Minatour)

Chevy Stevens: Still Missing (St. Martin’s)

Best Short Story

Mike Carey: Second Wind (in „The New Dead“, St. Martin’s)

Michael Connelly: Blue on Black (Strand Magazine)

Richard Helms: The God for Vengeance Cry (Dell Magazine)

Harley Jane Kozak: Madeeda (Crimes By Midnight)

Nicolas Kaufman: Chasing the Dragon (ChiZine Magazine)

Mickey Spillane/Max Allan Collins: Long Time Dead (Strand Magazine)

Die Preisverleihung ist während des Thriller Fest am 9. Juli 2011 im Grand Hyatt, New York City.

Bis jetzt wurde (wenn ich mich nicht irre) noch kein nominiertes Buch übersetzt, aber gerade die in der Kategorie „bestes Hardcover“ nominierten Thriller dürften demnächst alle übersetzt werden.


TV-Tipp für den 14. April: Håkan Nesser’s Inspektor Barbarotti: Verachtung

April 14, 2011

Ein ruhiger Abend, vor allem weil David Leans „Reise nach Indien“ erst um 00.35 Uhr (wahrscheinlich mit Verspätung) startet und der „Satire Gipfel“ (ebenfalls ARD, 23.30 Uhr) mit dem neuen Moderator und der seltsamen Gästeauswahl auch nicht mehr so toll ist. Daher

ARD, 20.15 (auch im Livestream)

Håkan Nesser’s Inspektor Barbarotti: Verachtung (D 2011, R.: Hannu Salonen)

Drehbuch: Serkal Kus

LV: Håkan Nesser: En helt annan historia, 2007 (Eine ganz andere Geschichte)

Inspektor Barbarotti erhält einen Brief, in dem der Mord an Anna Palme angekündigt wird. Kurz darauf ist sie tot und Barbarotti hat einen neuen Fall, der, nachdem er weitere Briefe erhält, an Dramatik gewinnt.

Zweiter “Inspektor Barbarotti”-Film, in dem Anders W. Berthelsen nach Sylvester Groth die Hauptrolle übernahm und die Macher sich anscheinend kaum an die Vorlage halten.

mit Anders W. Berthelsen, Trine Dyrholm, Godehard Giese, Suzan Anbeh, Henriette Confurius

Hinweise

Homepage von Håkan Nesser

Deutsche Homepage von Håkan Nesser

ARD über den Film


Live und in Farbe: Joe Jackson: „I’m the man“

April 14, 2011

TV-Tipp für den 13. April: Jerichow

April 13, 2011

Arte, 22.00 (VPS 21.45)

Jerichow (D 2008, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold

Der unehrenhaft entlassene Soldat Thomas hilft nach einem Unfall Ali Özkan, dem Besitzer einer Imbisskette. Ali stellt ihn als Fahrer ein und bald macht er sich an Alis Frau Laura ran.

Petzolds Variante von James M. Cains „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (The Postman always rings twice, 1934).

mit Benno Fürmann, Hilmi Sözer, Nina Hoss, André Hennicke, Claudia Geisler

Wiederholung: Mittwoch, 27. April, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Arte über „Jerichow“

Film-Zeit über „Jerichow“

Wikipedia über „Jerichow“


Im Verhörzimmer: Friedrich Ani und die Sache mit dem „Süden“

April 12, 2011

Die Rückkehr von Tabor Süden in sein geliebtes München in dem grandiosen Roman „Süden“ verschaffte mir einen guten Vorwand für ein Gespräch mit Krimiautor Friedrich Ani. Das fast „Tatort“-lange Gespräch fand vor einer Woche ohne Zeugen in einem Nebenzimmer des Hotel Savoy in der Nähe des legendären Bahnhof Zoo statt.

 

Süden“

 

Am Ende von „Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel“ quittierte Tabor Süden („Ich arbeite auf der Vermisstenstelle der Kripo und kann meinen eigenen Vater nicht finden.“) seinen Dienst bei der Kripo und, bis auf das kurze Gastspiel „Der verschwundene Gast“ 2008 in der „Kaliber.64“-Reihe (wobei Süden in der Geschichte noch Polizist ist), gab es in den vergangenen Jahren kein Lebenszeichen von ihm. Er war verschwunden. In Köln hieß es. Mit „Süden“ kehrt Tabor Süden jetzt nach sechs Jahren wieder in ein verändertes München zurück. Er hat einen Anruf von seinem Vater erhalten. Und weil der Mensch auch etwas zum Beißen braucht (wobei Tabor Süden sich in „Süden“ vor allem flüssig ernährt), nimmt er einen Job in der Detektei von Edith Liebergesell an. Sein erster Auftrag: er soll einen vermissten Wirt finden.

Für Süden-Erfinder Friedrich Ani war Tabor Süden in den vergangenen Jahren allerdings sehr präsent. Es gab die schon erwähnte „Kaliber.64“-Geschichte. Es gab die beiden im April 2009 ausgestrahlten, hochkarätig besetzte, sehenswerte TV-Filme „Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin“ (Regie: Martin Enlen) und „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ (Regie: Dominik Graf), für die Ani die Drehbücher schrieb und auch einen Grimme-Preis erhielt. Ursprünglich war eine Tabor-Süden-TV-Serie mit Ulrich Noethen als Tabor Süden geplant, aber irgendein ZDF-interner Kuddelmuddell (auch Ani weiß immer noch nicht, was genau zur Einstellung nach nur zwei Filmen führte, aber er ist darüber immer noch verärgert) beendete die Serie, bevor sie ihr Publikum finden konnte. Wiederholungen gab es bislang keine und auch auf DVD wurden die beiden „Kommissar Süden“-Filme nicht veröffentlicht. Und dabei waren die Quoten gar nicht so schlecht.

Damals bekam Ani wieder Lust auf Tabor Süden.

Für den dritten, 2009 erschienenen Polonius-Fischer-Roman „Totsein verjährt nicht“ hatte er ursprünglich ein Treffen von Fischer und Süden geplant. Der Verlag war von der Idee nicht begeistert und so musste Fischer das verschwundene Mädchen suchen.

Und dann schrieb Ani den neuen Süden-Roman und gleichzeitig drei halbstündige Hörspiele für den SWR, die im Juni und Juli gesendet werden. In diesen kurzen Vermisstengeschichten ist Tabor Süden ein Privatdetektiv. Das ist nur der Beginn einer Süden-Offensive.

Im November gibt es als Taschenbuch die Weihnachtsgeschichte „Süden und die Schlüsselkinder“. Der Knaur-Verlag plant parallel dazu eine Wiederveröffentlichung der ersten drei Süden-Bücher mit einem neuen Cover. Im Frühjahr 2012 wird es einen zweiten, kürzeren Süden-Roman geben und die zweite, wieder aus drei Süden-Büchern bestehende Lieferung und im Herbst 2012 die letzten vier Süden-Romane des zehnbändigen Zykluses; parallel zur Taschenbuch-Ausgabe von „Süden“. Im Frühjahr 2013 gibt es einen weiteren Süden-Roman als Hardcover, für den es auch schon erste Ideen gebe. Denn Ani will ihn weiter als Detektiv ermitteln lassen und dann auch mehr von der Detektei erzählen.

Dieser Wechsel von der Polizei in eine Detektei war von Ani gewollt. Dennoch stellt sich die Frage, ob Ani mit dem Wechsel seine Charakters von einem an Recht und Gesetz gebundenen Polizisten zu einem Privatdetektiv, der über keine besondere Rechte verfügt, aber auch nicht mehr gezwungen ist, einen Verbrecher zu verhaften, eine Verschiebung in seinem erzählerischem Kosmos plant.

Es war schon eine extrem bewusste Entscheidung, jetzt mal jemand zu haben, der nicht eine Polizeibelobigungsfunktion hat. Ich wollte, dass er seine Arbeit weitermachen kann. Das Suchen von vermissten Personen geht auch in einer Detektei sehr gut. Das ist relativ realistisch und passt auch gut zum Süden. So ein Freelancer, der Geld verdienen muss, und seine Arbeit machen kann. Der Süden ist in dem Sinn ja kein Anarcho. Er ist vielleicht ein bisschen viel im Gasthaus oder er trinkt gelegentlich Bier, aber er ist von seiner Haltung kein anarchistischer Mensch. Er ist ein gewissenhafter Mensch. Er ist gern unter Leuten. Er ist gern dabei. Deshalb braucht er einen Beruf, wo er nicht versandelt. Die Gefahr bei Tabor Süden ist, dass er vereinsamt, wenn er nichts zu tun hat. Das spürt er. Deshalb braucht er einen Job – und den hat er jetzt. Ich bin schon froh, dass ich den Polizeiapparat jetzt nicht mehr beschreiben muss. Das fand ich auch immer ein bisschen einengend.

Manchmal bin ich da etwas mürrisch. Weil ich finde, wir schreiben genug Polizeibelobigungskrimis und irgendwann ist auch mal gut“, sagt Ani.

Von Anfang an war „Süden“ als längeres Werk geplant. Die Romane „Die Erfindung des Abschieds“, „German Angst“ und „Verzeihen“ mit Tabor Süden waren zwar auch länger, aber am bekanntesten ist die aus zehn Bänden bestehende, zwischen 2001 und 2005 erschienene Süden-Serie, deren Titel mit „Süden und…“ beginnen. Diese Bücher hatten immer zweihundert Seiten. „Süden“ ist ungefähr doppelt so lang. Dafür erzählt Ani auch drei Geschichten: die lange Geschichte vom verschwundenen Wirt, die private Geschichte von Südens Suche nach seinem Vater und eine kurze Geschichte von einer verschwundenen Mutter. Diese Struktur habe er von den TV-Filmen übernommen. Trotzdem sieht er seinen Stil als konträr zur TV-Dramaturgie an.

Der Roman ist meine Art zu schreiben“, betont er. Dort könne er auch Nebenfiguren ihren Raum geben und er müsse sich nicht an feste Vorgaben, wozu inzwischen die streng festgelegte Länge eines TV-Films und, bei einer Reihe wie „Tatort“, die Wünsche der Stammschauspieler gehören, halten.

Denn er nimmt sich lieber Zeit und, auch wenn am Ende von „Süden“ eine Thriller-Spannung aufkommt, ist es in einem gewissen Rahmen egal, ob Süden den Wirt tot oder lebendig findet.

(Kurzer Einschub: ich würde jetzt gerne unsere Diskussion über das Ende einfügen, aber das wäre ein Mega-Spoiler. Deshalb lasse ich es heute bleiben, aber ich will einige Ausschnitte aus dem Interview transkribieren. Dann erfahrt ihr auch Friedrich Anis Meinung zu dem Ende von „Süden“, warum der „Süden“ die viereinhalbte Fassung ist und ihr könnt einiges über die von uns während des Interviews beschrittenen Irrwege lesen. Doch jetzt weiter im Text.)

Das liegt auch daran, dass in „Süden“ die einzelnen Geschichten sich zu einem kunstvollem Ganzen fügen, das von Tabor Süden der wieder einmal im Milieu der kleinen Leute und Wirte ermittelt, zusammengehalten.

Mei, ich find halt; – ich hab halt immer gedacht, man sollte über das schreiben, was man kennt, was man liebt, was einen aufregt, was einem nahe ist. Ich glaub schon, dass ich mich auch in andere Milieus hineindenken könnte oder kann. Aber die kleinen Leute, die Unscheinbaren, sind mir halt die liebsten und einer muss es machen. Es ist halt meine Welt. Das bin halt ich. Und – und ich find, das gibt immer noch einen Menge her. Das erschöpft sich nicht. Der Simenon hat auch hunderte von Büchern über sehr unscheinbare Leute geschrieben. Das geht. Man muss halt nur die Augen aufhalten. Ich versuch das auch oft im Drehbuch. Dass ich Leute habe, die auch ganz normale Berufe haben. Und die Redakteure sind dann immer wieder ganz erstaunt, dass das auch mal wieder vorkommt.

Es gibt auch Leute, die das gar nicht mögen. Die sagen dann, das ist so sozialkritisch.

Aber Sozialkritik interessiert mich nicht. Ist eigentlich auch Quatsch.“

Für mich ist das Buch zeitlos. Es gibt keine plakative Hartz-IV-Kritik und Handys und Computer kommen eigentlich nicht vor“, werfe ich ein. So besitzt Tabor Süden erst am Ende des Romans ein Handy.

Ja, vieles ist vielleicht doch spürbar, wenn man es will.

Aber mir gefällt das eigentlich. Ich mag das, dass die alle etwas wie aus der Zeit gefallen sind. Das war auch in den zwei Verfilmungen so. Vor allem im „Luftgitarristen“ vom Dominik Graf. Dass man das Gefühl hat, die sind alle etwas neben der Gegenwart. Das ist mir da so bewusst geworden.

Das ist eine schöne Vorstellung. – Dabei bleib ich.“

Und diese Vorstellung hat Friedrich Ani in „Süden“ kongenial umgesetzt. Denn in „Süden“ ist Tabor Süden ganz bei sich – und Friedrich Ani ist auch ganz bei sich. Ein feines Buch.

Friedrich Ani: Süden

Droemer, 2011

368 Seiten

19,99 Euro

Lesungen

Dienstag, 12. April 2011, 19 Uhr

Café Weiß, Geißstraße 16, Stuttgart (Krimi & Hörbuch Undercover)

Mittwoch, 13. April 2011, 20 Uhr

Der Monarch, Skalitzer Straße 134, Berlin (Krimibuchhandlung Hammett)

Donnerstag, 14. April 2011, 20 Uhr

Goldener Löwe, Kellergewölbe, Am Markt 6, Olpe (Buchhandlung Dreimann)

Freitag, 15. April 2011, 20 Uhr

Die Fabrik, Mittlerer Hasenpfad 5, Frankfurt (Buchhandlung Schutt)

Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Planet-Interview: Interview mit Friedrich Ani (18. Dezember 2008)


Cover der Woche

April 12, 2011


DVD-Kritik: Brittany Murphys Abschiedsvorstellung „Ohne jede Spur“

April 12, 2011

Selten ist der letzte Film eines Künstlers ein Klassiker. Auch Brittany Murphys letzter Film „Ohne jede Spur“ – sie starb 32-jährig am 20. Dezember 2009 an einer Lungenentzündung – wäre, wenn er nicht die Adelung des letzten Films hätte, ein vollkommen unerhebliches Nebenwerk, bei dem die teilweise ziemlich namhafte Besetzung erstaunt. Denn die Story – Eine junge Frau sucht ihren spurlos im Krankenhaus verschwundenen Freund. Dabei ist sie, weil niemand den Verschwundenen gesehen hat, auf sich allein gestellt. – versackt nach einer bekannt-bewährten Prämisse zuerst im dramaturgischem Leerlauf (dafür darf die erstaunlich schlecht aussehende Frau Murphy durch die Gänge des Krankenhauses wandeln) und, nachdem nach einer knappen Stunde der Grund für das Verschwinden ihres Freundes enthüllt wird, endet alles in einem kläglich vorhersehbarem Showdown.

Mit knapp neunzig Minuten vergeht die Zeit bei diesem Direct-to-DVD-Werk halbwegs schnell, aber nicht angenehm.

Denn wenn es nicht etliche, wahrscheinlich ungewollte, Irritationen gäbe (wie holprige Dramaturgie, Logiklöcher von epischen Ausmaßen, schlecht ausgelegte falsche Fährten, banalste Dialoge, uneinheitliche Charakterzeichnungen und Darstellungen [wobei Regisseur und Filmhistoriker Peter Bogdanovich in einem Kurzauftritt als Psychiater grandios neben der Spur spielt; fast wie einer der verrückten Wissenschaftler aus der goldenen Zeit der B-Pictures], eine uneinheitlicher Erzählhaltung [Soll es eine Pseudo-Doku sein? Ein Noir? Ein Thriller? Eine Psycho-Thriller? Ein Drama über eine Frau, die den Kontakt zur Realität verliert? – Es ist mal dieses, mal jenes, am Ende nichts von allem, aber dafür gibt es immer wieder bedeutungsschwanger eingeblendete Überwachungsaufnahmen], uneinheitliche Kameraarbeit und Schnitt), wäre „Ohne jede Spur“ Malen nach Zahlen. Aber dann wäre am Ende wenigstens ein rundes Bild herausgekommen.

Ohne jede Spur“ dürfte nur den Die-Hard-Brittany-Murphy-Fans gefallen. Alle anderen können das mit einem Minimal-Budget gedrehte Werk getrost ignorieren.

Weil der Trailer den Film ziemlich gelungen zusammenfasst, gibt es ihn erst jetzt

 

Ohne jede Spur (Abandoned, USA 2010)

Regie: Michael Feifer

Drehbuch: Peter Sullivan (nach einer Geschichte von Jeffrey Schenck und Peter Sullivan)

mit Brittany Murphy, Dean Cain, Mimi Rogers, Peter Bogdanovich, Jay Pickett, Tim Thomerson, Scott Anthony Leet, America Young, Tara Subkoff

DVD

Sunfilm

Bild: 1:1,85 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweis

Homepage zum Film

 


TV-Tipp für den 12. April: Tödliche Entscheidung

April 11, 2011

RBB, 23.00

Tödliche Entscheidung (USA 2007, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem bislang letztem Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Tödliche Entscheidung“

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


TV-Tipp für den 11. April: Fluchtziel Europa: Jenseits vom Traum

April 11, 2011

3sat, 23.25

Fluchtziel Europa: Jenseits vom Traum (Aus 2007, R.: Johanna Tschautscher)

Drehbuch: Johanna Tschautscher

Nachdem unser neuer Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU-liberal bis auf die Knochen) aus aktuellem Anlass ein Zeichen wahrer europäischer Solidarität aussendet („Italien muss sein Flüchtlingsproblem selbst regeln.“) lohnt es sich, einen Blick auf die Flüchtlinge zu werfen.

Auch wenn die Doku schon etwas älter ist, sind die Probleme und Sehnsüchte der aus Afrika Flüchtenden noch immer aktuell.

Hinweise

3sat über die Doku

Wikipedia über Johanna Tschautscher

Homepage von Johanna Tschautscher