In der TV-Serie „Human Target“ war Christopher Chance ein menschliches Schutzschild, dem seine Arbeit gefiel und der von psychischen Problemen gänzlich unbelastet war. Ebenso in dem vor einigen Monaten erschienenem, von Len Wein geschriebenem „Human Target“-Abenteuer „Kopfgeld für den Paten“, das auf der TV-Serie basierte.
In dem jetzt veröffentlichtem Comic „Human Target“ ist das etwas anders. Denn Christopher Chance nimmt hier die Identität des mutmaßlichen Opfers mit Haut und Haaren an – und er beginnt deshalb auch an seiner eigenen Identität zu zweifeln.
Es handelt sich dabei um die beiden Geschichten „Human Target“ und „Human Target: Final Cut“ von Autor Peter Milligan und den Zeichnern Edvin Biukovic und Javier Pulido. Milligan nahm 1999 und 2002 in seinen Geschichten den von Len Wein und Carmine Infantino bereits 1972 erfundenen Charakter, der damals vor allem in „Mission: Impossible“-artigen Geschichten auftrat, und fragte sich, was es für einen Menschen wirklich bedeutet, so sehr in die Haut eines anderen Menschen zu schlüpfen, dass sogar deren besten Freunden und Ehefrauen die Veränderung nicht auffällt.
In der ersten Geschichte des jetzt erschienenen Sammelbandes „Human Target – Band 1“, nimmt Chance in Los Angeles die Identität des afroamerikanischen Predigers Earl James an, der in seinem Viertel gegen die Crack-Lords kämpft und seine Gemeinde zum Kampf gegen die Drogen mobilisieren will. Dass er sich damit auf die Todesliste der Drogenhändler gesetzt hat, muss wohl nicht extra erwähnt werden.
Gleichzeitig ist ein Killer auf Christopher Chance angesetzt – und, hier wird Peter Milligans Geschichte von einer 08/15-Actiongeschichte zu einem komplexen Drama über Identität und Persönlichkeit. Denn Chance fragt sich immer stärker, wer er ist und wie er mit den verschiedenen Identitäten, die er in den vergangenen Jahren eingenommen hat, umgeht. Denn Chance spielt nicht den Charakter, für den er das menschliche Schutzschild ist, sondern er wird zu diesem Menschen und dagegen ist ein Undercover-Einsatz ein Spaziergang.
In „Final Cut“ soll Chance für den Hollywood-Millionär Frank White dessen entführten Sohn Ronan, einen dreizehnjährigen Kinderstar, finden. Chance nimmt dabei auch die Identität von Frank White an. Er entdeckt, wie es sich für eine Krimi-Geschichte gehört, einige Familiengeheimnisse, etwas Schmutz in Hollywoods Hinterhöfen und er findet etwas, das er bisher noch nicht erlebt hat: die wahre Liebe. Dummerweise in seiner Tarnidentität.
Gerade dieser Blick auf die seelischen Nöte von Christopher Chance ist der spannende Aspekt der beiden Geschichten.
–
Peter Milligan (Autor)/Edvin Biukovic (Zeichner)/Javier Pulido (Zeichner): Human Target – Band 1
(übersetzt von Claudia Fliege und Gerlinde Althoff)
Vertigo/Panini Comics, 2011
200 Seiten
19,95 Euro
–
Originalausgabe/enthält
Human Target 1- 4
DC Comics 1999
–
Human Target: Final Cut
DC Comics, 2002
–
Hinweise
Kriminalakte über die TV-Serie „Human Target“
Thrilling Detective über Christopher Chance
