Elmore Leonard liest am 5. Dezember 2010 den Anfang seines 1988er Romans „Freaky Deaky“ vor.
TV-Tipp für den 25. März: Tödliche Versprechen
März 25, 2011WDR, 23.15
Tödliche Versprechen – Eastern Promises (GB/USA/Can 2007, Regie: David Cronenberg)
Drehbuch: Steven Knight
Eine Hebamme gerät zwischen die Fronten der Russenmafia. Denn sie besitzt ein Tagebuch, das einige Verbrecher belastet. Ein Killer soll sie umbringen.
Hartes, in London spielendes, top besetztes Gangsterdrama von David Cronenberg.
Steven Knight schrieb unter anderem das Oscar- und BAFTA-nominierte und mit dem Edgar Allan Poe-Preis ausgezeichnete Drehbuch zum Stephen Frears-Film „Kleine schmutzige Tricks“ (Dirty Pretty Things, GB 2002).
„Eastern Promises“, wurde, oft in den Kategorien, bester Film, beste Regie, beste Hauptrolle und bestes Drehbuch, für zahlreiche Preise nominiert und erhielt auch einige. Knights Drehbuch war für den Edgar nominiert.
Im Moment arbeiten Steven Knight, David Cronenberg und Viggo Mortensen an einer Fortsetzung von „Eastern Promises“.
mit Viggo Mortensen, Naomi Watts, Armin Müller-Stahl, Vincent Cassel
Hinweise
Steven Knight: Eastern Promises (Drehbuch)
Englische Homepage zum Film (umfangreich; mit Hintergrundtexten und Filmausschnitten)
Deutsche Homepage zum Film (die Readers Digest-Version; dafür mit einem Cronenberg-Interview)
Die „taz“ redet mit David Cronenberg über „Tödliche Versprechen“
Hat Elmore Leonard seinen Touch verloren?
März 24, 2011„Road Dogs“, Elmore Leonards vorletzter Roman, liest sich über weite Strecken wie das Werk eines Nachahmers: da werden etliche Charaktere aus Leonards grandioser Florida-Phase (als er im Sunshine State lebte und endlich allgemein anerkannt wurde) reanimiert. Mal nur in einem Nebensatz, mal als Hauptcharaktere. Für die Nicht-Leonard-Hardcore-Fans ist dabei Jack Foley, der sympathische Bankräuber aus „Out of sight“ (verkörpert in der gleichnamigen Verfilmung von George Clooney und, so Leonard in einem Interview, auch das Vorbild für den „Road Dogs“-Foley), der bekannteste Charakter. Cundo Rey aus „La Brava“ und Dawn Navarro aus „Riding the Rap“ (Volles Risiko) sind unbekannter.
Aber im Gegensatz zu den früheren Büchern von Elmore Leonard bleiben dieses Mal alle Charaktere blass. Es gibt kaum Situationen, in denen sich ihr Charakter wirklich zeigt und auch die Dialoge sind langweilig. Da ist nichts mehr zu spüren von der typischen Leonard-Brillanz und Coolness.
So fällt – denn Leonard konnte mit seinen knochentrockenen Dialogen über alle Plotlöcher hinwegtäuschen – der absolut vorhersehbare und altbackene Plot von „Road Dogs“ umso mehr auf und der geht so:
Im Knast befreunden sich Foley und der stinkreiche kubanische Gangster Cundo Rey. Rey engagiert eine Anwältin und der gelingt es, Foleys Strafe drastisch zu reduzieren. Draußen soll Foley sich um Reys Freundin Dawn Navarro kümmern. Die ist, als Femme Fatale, gar nicht so brav wie ihr Göttergatte meint und springt auch gleich mit Foley ins Bett und macht ihm das wenig überraschende Angebot, mit der Kohle von Rey abzuhauen. Foley zögert. Immerhin gibt es doch so etwas wie Ganovenehre.
Außerdem wird er von dem FBI-Agenten Lou Adams beobachtet. Der will den Serienbankräuber jetzt endgültig in den Knast bringen. Aber er ist, im Vergleich zu den anderen Leonard-Polizisten einfach nur ein rechthaberischer, geltungssüchtiger Winzling, der gottseidank ziemlich schnell zu einem Teil der vernachlässigbaren Kulisse wird.
Die einzige Überraschung bei diesem Liebesdreieck ist, dass Foley sich mit Dawn Navarro als Hellseher versucht und er sich gleich in seine erste Kundin, die Hollywood-Schauspielerin Danialle Karmanos, verliebt. Die verfällt dem supersympathischen Bankräuber ebenfalls sofort und so plätschert „Road Dogs“ auf sein ziemlich vorhersehbares Ende hin.
Wer jetzt glaubt, dass „Road Dogs“ ein Fehltritt war, wird durch „Djibouti“ eines besseren belehrt. Denn sein neuester Roman liest sich wie eine ganz schlechte Elmore-Leonard-Parodie.
Die erste Hälfte ist fast unlesbar, weil Leonard auf die bescheuerte Idee verfiel, die Dokumentarfilmerin Dara Barr und ihren Freund Xavier LeBo in einem Hotelzimmer einzusperren. Dort sichten sie die von ihnen in den vergangenen Wochen gemachten Aufnahmen für eine Reportage über die derzeitige Piraterie am Golf von Aden und dem Horn von Afrika. Dabei reden sie über die Ereignisse, die sie sich gerade ansehen und ob sie das Material als Dokumentarfilm schneiden oder als Filmidee an Hollywood verkaufen sollen. Das kann mit viel Wohlwollen als Meditation über die Realität in den Medien und über die Prinzipien des filmischen Erzählens gelesen werden.
In der zweiten Hälfte ist ein zum Islamismus und Terrorismus konvertierten Amerikaner, der jeden, der seinen echten Namen kennt, umbringt, und außerdem ein Attentat plant, die die Geschichte bestimmende Kraft. Diese Jagd nach einem Serienmörder sorgt dann für etwas Krimispannung, ohne das Buch zu retten. Denn die zweite Hälfte hat mit der ersten eigentlich nichts zu tun und der Terrorist ist wahrscheinlich der langweiligste Leonard-Charakter. Das mag auch daran liegen, dass Elmore Leonard kein Interesse an einer Serienkillerjagd oder einer Post-9/11-Terroristenjagd hatte. Denn seine Krimis sind mehr oder weniger gut getarnte Western, in denen Gangster und Polizisten gegeneinander antreten und es oft, für einen Hardboiled-Kriminalroman, erstaunlich wenige Leichen gibt.
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Elmore Leonard: Road Dogs
(übersetzt von Conny Lösch und Kirsten Riesselmann)
Eichborn, 2011
304 Seiten
19,95 Euro
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Originalausgabe
Road Dogs
William Morrow, 2009
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Elmore Leonard: Djibouti
William Morrow, 2010
288 Seiten
19 Euro (bei Amazon)
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Hinweise
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)
Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)
Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“
Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)
Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)
Elmore Leonard in der Kriminalakte
Eichborn: Karsten Kredel, Programmleiter Literatur bei Eichborn, über „Road Dogs“
Frankfurter Rundschau: Interview mit Elmore Leonard (5. Dezember 2010)
TV-Tipp für den 24. März: Der Killer-Alligator
März 24, 2011Ein kleiner Film anlässlich der Rückkehr des Alligatoren
Arte, 00.05
Der Killer-Alligator (USA 1980, R.: Lewis Teague)
Drehbuch: John Sayles
Weil die Tochter nicht mehr mit dem geschenkten Alligator spielen will, entsorgt der Vater das Tier durch den Klo in die städtische Kanalisation. Dort ernährt der Alligator sich prächtig mit allem, was da so herumliegt und wächst zu einem riesigen Kerl mit einem entsprechendem Appetit heran. Aber nachdem er auch Menschen verzehrt wird zur Jagd geblasen.
Hübscher kleiner Tierhorrorfilm in der Folge von „Der weiße Hai“, der nach Ewigkeiten endlich wieder im TV läuft.
John Sayles, der auch die Drehbücher für die Horrorfilme „Piranhas“ und „Das Tier“ schrieb, wurde später mit Filmen wie „Passion Fish“ und „Lone Star“ als Arthouse-Regisseur bekannt. Mit seinen diversen Hollywood-Arbeiten, wozu auch Überarbeitungen von Drehbüchern wie „Apollo 13“ gehörten, finanziert er seine persönlichen Filme.
Lewis Teague drehte später die unbekannte, aber dennoch sehenswerte Stephen-King-Verfilmung „Cujo“ (wieder mit einem Tier, das sich daneben benimmt) und die Abenteuerkomödie „Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“.
„Lewis Teague hat zwei angstbesetzte Dinge geschickt miteinander verknüpft – die aggressive Fresslust des gnadenlosen Reptils und das unheimliche glitschig-dunkle Milieu der Unterwelt, der Kanalisation.“ (Fischer Film Almanach 1982)
„Ein höllisch spannendes Monsterspektakel, in dem endlich mal jene ihr Fett kriegen, die aus reiner Profitgier die Erde verseuchen.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science-Fiction-Films)
mit Robert Forster, Robin Riker, Michael Gazzo, Perry Lang, Jack Carter, Henry Silva, Bart Braverman
auch bekannt als „Der Horror-Alligator“ (Kinotitel)
Wiederholung: Sonntag, 27. März, 03.00 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Arte über „Der Horror-Alligator“
Wikipedia über „Der Horror-Alligator“ (deutsch, englisch)
Bright Lights Film Journal: Robert Keser über John Sayles und seine Arbeit für Roger Corman
Zwei Elmore-Leonard-Tribute
März 23, 2011Der Film über Elmore Leonard wurde während des Authors Table Dinner bei dem Tucson Festival of Books präsentiert.
Dieser zwanzigminütige Tribute-Film wurde am 13. November 2010 im Community House in Birmingham währen des 1st Annual Elmore Leonard Literary Arts and Film Festival gezeigt.
Ja. „1st“!
Elmore Leonard liest „When the Women come out to dance“ vor
März 23, 2011Elmore Leonard las am 5. Dezember 2010 seine Kurzgeschichte „When the Women come out to dance“ an der Butler University, Indianapolis, vor. Sie erschien 2002 in dem gleichnamigem, bislang nicht übersetztem Kurzgeschichtensammelband.
TV-Tipp für den 23. März: Die verfilmten Kriminalromane
März 23, 2011Arte, 14.45
Die Nacht des Jägers (USA 1954, R.: Charles Laughton)
Drehbuch: James Agee
LV: Davis Grubb: Night of the hunter, 1953
Ein dubioser Wanderprediger jagt zwei Kinder durch die Südstaaten. Sie wissen, wo die 10.000 Dollar aus einem Bankraub versteckt sind.
Country-Noir-Klassiker, der formal an den deutschen expressionistischen Film anschließt, und auch heute noch unglaublich spannend ist. Leider ist „Die Nacht des Jägers“ der einzige Film von Charakterdarsteller Laughton, mit Robert Mitchum als bösem Prediger
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Kabel 1, 20.15
Die purpurnen Flüsse (F 2000, R.: Mathieu Kassovitz)
Drehbuch: Mathieu Kassovitz, Jean-Christophe Grange
LV: Jean-Christophe Grange: Les Rivières pourpres, 1997 (Die purpurnen Flüsse)
Wer bringt in einer abgeschiedenen Alpenuni Menschen um? Kommissar Niémans ermittelt und deckt dabei eine gigantische Verschwörung auf.
Spannender, nicht sonderliche plausibler Thriller: „aufwändig inszenierter Trashfilm“ (tip).
Mit Jean Reno, Vincent Cassel, Dominique Sanda
Wiederholung um 23.45 Uhr
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ZDFneo, 21.00
Kommissarin Lucas: German Angst (D 2007, R.: Thomas Berger)
Drehbuch: Thomas Berger
LV: Friedrich Ani: German Angst, 2000
Nazis entführen die deutsche Frau eines Nigerianers. Sie fordern die Abschiebung seiner Tochter. Kommissarin Lucas ermittelt und gerät zwischen dabei zwischen die politischen Fronten.
Klingt ziemlich konstruiert-didaktisch. Aber die „Südthüringer Zeitung“ sieht es anders: „Ein starker, ein relevanter Film also, der seine Schwächen allenfalls gegen Ende hat, als der Entführungsfall zu einem ebenso überstürzten wie überzogenen Ende geführt wird. Dennoch ist „German Angst“ ein beachtenswerter Krimi, der auf mutige Weise den Unterhaltungsanspruch mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag eint.“
Mit Ulrike Kriener, Thure Riefenstahl, Michale Roll, Monica Bleibtreu, Tilo Prückner, Anke Engelke
Wiederholung: Donnerstag, 24. März, 04.30 Uhr (Taggenau!)
Hinweise
Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)
Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)
Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)
Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)
Meine Besprechung von Martin Schüller “A gmahde Wiesn” (Buch zum Film, 2009)
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RBB, 22.45
Die Apothekerin (D 1997, R.: Reiner Kaufmann)
Drehbuch: Ralf Hertwig, Kathrin Richter
LV: Ingrid Noll: Die Apothekerin, 1994
Die spröde Apothekerin Helle Moormann hat es faustdick hinter den Ohren und kennt sich – berufsbedingt – mit Giften aus.
Schwarze Komödie mit viel Leerlauf.
Mit Katja Riemann, Jürgen Vogel, Richy Müller, August Zirner, Andrea Sawatzki
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WDR, 23.00
Irene Huss, Kripo Göteborg: Der erste Verdacht (S/D 2008, R.: Alexander Moberg)
Drehbuch: Ulf Kvensler
LV: Helene Tursten: Guldkalven, 2004 (Der erste Verdacht)
Kommissarin Irene Huss muss den Mord an einem IT-Unternehmer klären. Sie fragt sich, ob einer der geprellten Anleger ein klärendes Gespräch mit ihm geführt hat.
Sechster und bislang letzter Einsatz von Angela Kovács als Irene Huss. Soll nicht so toll sein.
mit Angela Kovács, Reuben Sallmander, Eric Ericson
TV-Tipp für den 22. März: Der amerikanische Freund
März 22, 2011Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Bruno Ganz!
RBB, 22.45
Der amerikanische Freund (D/F 1976, R.: Wim Wenders)
Drehbuch: Wim Wenders
LV: Patricia Highsmith: Ripley´s Game, 1974 (Ripley´s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley´s Game oder Ein amerikanischer Freund)
Restaurator Jonathan hat Leukämie. Ripley bietet ihm einen gut bezahlten Mordauftrag an. Jonathan nimmt an und sein Leben gerät aus den Fugen.
Die freie Verfilmung des dritten Ripley-Romans ist eine der besten Highsmith-Verfilmungen. Wenders zu den Veränderungen: „Ich möchte, dass meine Filme von der Zeit handeln, in der sie entstehen, von den Städten, den Landschaften, den Gegenständen, von allen, die mitarbeiten, von mir. Diesen Spielraum hat mir Ripley´s Game gelassen. Weil er in der Arbeitsweise der Highsmith auch schon enthalten ist. Deshalb glaube ich, dass ich dem Buch doch nahe geblieben bin, so sehr ich mich auch davon entfernt habe. Es gibt nicht ´die Verfilmung´. Es gibt zwei grundverschiedene Sachen: Bücher und Filme. In ihnen kann eine gleiche ´Einstellung´ zu den Dingen vorhanden sein, aber nicht die gleichen Dinge.“
Stellvertretend für die vielen euphorischen Kritiken Hans C. Blumenberg: „Wenders zeigt den urbanen Alptraum, wie man ihn noch nie in einem europäischen Film gesehen hat: halb als uraltes, verkommenes Abbruchviertel, halb als futuristische Schreckenslandschaft…Die große Faszination dieses Films hat direkt mit seiner Vielschichtigkeit zu tun. Man kann ihn als pessimistischen Kommentar zur nachrevolutionären Bewußtseinskrise der späten siebziger Jahre verstehen, aber auch als brillanten Kriminalfilm, man kann ihn als urbanen Alptraum von der Zerstörung der Städte bewundern, aber man kann ihn auch als poetische Ballade einer Freundschaft lieben. Sein Reichtum, der nicht ohne Gefahren ist, erlaubt bei jedem Sehen neue Abenteuer, neue Entdeckungen.“ Außerdem entwarf er eine Gleichung: „Hitchcock + Ray + Scorsese = Wenders“ (die Gültigkeit dieser Gleichung für andere Wenders-Filme darf bezweifelt werden.)
Mit Bruno Ganz, Dennis Hopper, Lisa Kreuzer, Gérard Blain, Nicholas Ray, Samuel Fuller, Peter Lilienthal, Daniel Schmid, Lou Castel
Hinweise
Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)
Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith
Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)
Krimi-Couch über Patricia Highsmith
Kirjasto über Patricia Highsmith
Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)
Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )
„Unknown Identity“: Vor dem Film war der Roman
März 21, 2011Als der renommierte Biogenetiker Martin Harris in Paris an seiner Wohnungstür klingelt, öffnet ein fremder Mann die Tür und seine Frau Liz sagt, dass sie ihn nicht kenne.
Harris, der nach einem Autounfall einige Tage im Koma lag, glaubt zuerst an einen schlechten Scherz. Aber nachdem sogar die Polizei überzeugt ist, dass sein Nebenbuhler der echte Martin Harris ist und er einen psychischen Knacks habe, will er herausfinden, wer ihm sein Leben stehlen will. Seine einzige Verbündete ist Muriel, die Taxifahrerin, die ihm nach dem Unfall das Leben rettete.
„Unknown Identity“ ist, wie das Buchcover und der deutsche Titel verraten, die pünktlich zum Filmstart übersetzte Romanvorlage von Didier van Cauwelaert, die für den Film kräftig geändert wurde.
Doch bleiben wir zunächst bei van Cauwelaerts kleinem Pulp-Thriller. Denn die Prämisse, dass ein Held ohne Gedächtnis herausfinden will, wer er ist und er dabei einer Verschwörung auf die Spur kommt, ist immer gut für einige spannende Stunden. Auch van Cauwelaerts mit etwas über zweihundert Seiten angenehm kurzem Krimi gelingt das. Gerade am Anfang gibt es einige grandiose Szenen, in denen Martin Harris seine Identität beweisen will. Bei der Polizei führt das zu einer ziemlich absurden Aufnahme seiner Anzeige. Oder, etwas später, sein Besuch bei seinem Kollegen Paul de Kermeur. Dort versucht er de Kermeur und Muriel von seiner Identität zu überzeugen. Als der falsche Martin Harris hinzukommt, entspinnt sich ein Rededuell in dem sie in Harris‘ Fachgebiet und seiner Familiengeschichte brillieren. Denn der echte und der falsche Martin Harris wissen alles über das Leben und die Arbeit von Martin Harris.
Im letzten Drittel, wenn Harris an seinem Verstand zu zweifeln beginnt, weitere Erinnerungen zurückkehren und ein von ihm angeheuerter Detektiv ihm überraschende Fakten aus seiner Vergangenheit präsentiert, verliert die Geschichte etwas an Schwung; – auch weil Harris keinen Schritt näher an die ziemlich unvermittelt präsentierte Lösung des Rätsel kommt und van Cauwelaert einige wichtige Fragen des Komplotts nur sehr rudimentär beantwortet.
Außerdem spielt „Unknown Identity“, obwohl der Krimi in Frankreich erst vor acht Jahren erschien, in einer anderen Zeit. Heute ist es einfach undenkbar, dass im Internet keine Bilder eines bekannten Botanikers zu finden sind und dass so einfach ein Doppelgänger die Stelle eines anderen einnehmen kann. Immerhin geht es nicht um einen profanen Identitätsdiebstahl (bei dem nur die elektronische Identität geklaut wird), sondern darum, dass die Bösewichter innerhalb weniger Tage ein ganzes Leben, bei dem es auch ziemlich viele öffentliche Auftritte auf Konferenzen und Tagungen gab, vollständig auslöschen.
Denn dass niemand den Unterschied zwischen dem echten und dem falschen Martin Harris sieht und dass niemand hinter die wahre Identität von Martin Harris kommt, ist für das Komplott absolut wichtig.
Für die Verfilmung wurde die Handlung, dank der hiesigen Filmförderung, von Paris nach Berlin verlegt, die Prämisse, einige Charaktere und die Erklärung für Martin Harris‘ Amnesie übernommen. Allerdings ist das Ende im Film wesentlich explosiver und der gesamte Film mit zahlreichen Morden, Schlägereien und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto viel actionlastiger. Das ist zwar nicht besonders logisch und glaubwürdig (eigentlich sogar noch unglaubwürdiger als der Roman), aber ziemlich unterhaltsam. Und die Berlin-Bilder, inclusive einem Zusammenstoß mit einer Tram und einer Explosion im Hotel Adlon, erfreuen natürlich das lokalpatriotische Herz.
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Didier van Cauwelaert: Unknown Identity
(übersetzt von Olaf Matthias Roth)
Aufbaut Taschenbuch, 2011
224 Seiten
9,95 Euro
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Originalausgabe
Hors de moi
Editions Albin Miche, Paris 2003
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Verfilmung
Unknown Identity (Unknown, Japan/Kanada/USA/Deutschland 2010)
Regie: Jaume Collet-Serra
Drehbuch: Oliver Butcher, Stephen Cornwell
LV: Didier von Cauwelaert: Hors de moi, 2003 (Unknown Identity)
mit Liam Neeson, Diane Kruger, January Jones, Aidan Quinn, Bruno Ganz, Sebastian Koch, Frank Langella, Stipe Erceg
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film
TV-Tipp für den 21. März: Die verfilmten Kriminalromane
März 21, 2011ARD, 10.20
Mord im Spiegel (GB 1980, R.: Guy Hamilton)
Drehbuch: Jonathan Hales, Barry Sandler
LV: Agatha Christie: The mirror crack´d from side to side, 1962 (Mord im Spiegel oder Dummheit ist gefährlich)
In St. Mary Mead soll ein historischer Stoff verfilmt werden. Aber schon beim Empfang des Bürgermeisters wird eine Sekretärin vergiftet. Miss Marple sucht den Mörder unter den Filmleuten.
Starbesetzte Miss-Marple-Verfilmung, mit Angela Lansbury, Geraldine Chaplin, Rock Hudson, Elizabeth Taylor, Tony Curtis, Edward Fox, Kim Novak
Hinweise
Wikipedia über Agatha Christie (deutsch, englisch)
Krimi-Couch über Agatha Christie
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Arte, 14.45
Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)
Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.
In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.
Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Für zwei Stunden ist das aber zu wenig.
Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.
Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack
Hinweise
Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2
Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”
Alfred Hitchcock in der Kriminalakte
Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock
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Arte, 20.15
Die Nacht des Jägers (USA 1954, R.: Charles Laughton)
Drehbuch: James Agee
LV: Davis Grubb: Night of the hunter, 1953
Ein dubioser Wanderprediger jagt zwei Kinder durch die Südstaaten. Sie wissen, wo die 10.000 Dollar aus einem Bankraub versteckt sind.
Country-Noir-Klassiker, der formal an den deutschen expressionistischen Film anschließt, und auch heute noch unglaublich spannend ist. Leider ist „Die Nacht des Jägers“ der einzige Film von Charakterdarsteller Laughton, mit Robert Mitchum als bösem Prediger
Wiederholung: Mittwoch, 23. März, 14.45 Uhr
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ZDFneo, 21.00
Inspector Barnaby: Das Haus des Satans (GB 2002, R.: Peter Smith)
Drehbuch: Alan Plater
LV: Charaktere von Caroline Graham
Bei der Eröffnung des Horror-Themenparks „Haus des Satans“ wird der Hauptdarsteller Larry Smith von einer Bombe zerfetzt. Inspector Barnaby ermittelt.
Britenkrimi der netten Art.
Mit John Nettles, Daniel Casey
Wiederholung: Dienstag, 22. März, 03.25 Uhr (Taggenau!)
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Eins Festival, 01.45
Donna Leon: Blutige Steine (D 2008, R.: Sigi Rothemund)
Drehbuch: Holger Joos
LV: Donna Leon: Blood from a Stone, 2005 (Blutige Steine)
Commissario Brunetti sucht den Mörder eines afrikanischen Straßenhändlers. Als das Innenministerium ihm den Fall entzieht, weiß Brunetti, dass hier etwas oberfaul ist.
Dank bewährter Kräfte hat sich beim Herrichten des vierzehnten Brunetti-Romans für das Puschenkino für die Fans nichts geändert.
Mit Uwe Kockisch, Karl Fischer, Julia Jäger, Michael Degen, Annett Renneberg, Christel Peters, Helmut Zierl, Rosel Zech, Gunnar Möller
R. i. P. Andreas Franz
März 20, 2011Andreas Franz (12. Januar 1954 – 13. März 2011)
Am 13.03.2011 ist unser geliebtes Familienoberhaupt Andreas Franz unerwartet von uns gegangen.
Wir können seinen viel zu frühen Tod noch nicht begreifen.
Ihre Anteilnahme wissen wir sehr zu schätzen, aber wir möchten in unserer tiefen Trauer vorerst nicht
persönlich kontaktiert werden.
Familie Franz
Andreas Franz war zwar kein Kritikerliebling, aber das Publikum liebte den bienenfleißigen Krimi-Autor, der neben Einzelwerken auch die Julia-Durant-, die Peter-Brandt- und die Sören-Henning/Lisa-Santos-Krimiserien schrieb. In den vergangenen fünfzehn Jahren erschien mindestens ein neues Buch von ihm. Seine Gesamtauflage betrug über 5 Millionen Bücher. Sein Verlag Knaur nannte ihn sogar „Deutschlands erfolgreichsten Krimiautor“.
Sein Verleger Hans-Peter Übleis: „Einer unserer treuesten Autoren, der Millionen von Lesern Spannung und Unterhaltung geschenkt hat, aber auch ein Aufbegehren gegen abscheuliche Schattenseiten unserer Gesellschaft vermitteln konnte, ist nicht mehr. Wir sind sprachlos und trauern mit seiner Familie.“
Franz starb am 13. März in seinem Wohnort Hattersheim am Main an einem Herzversagen. Er hinterlässt eine Frau und fünf Kinder.
TV-Tipp für den 20. März: Die verfilmten Kriminalromane
März 20, 2011Arte, 20.15
Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)
Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)
Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.
In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.
Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Für zwei Stunden ist das aber zu wenig.
Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.
Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack
Wiederholung: Montag, 21. März, 14.45 Uhr
Hinweise
Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“
Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2
Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”
Alfred Hitchcock in der Kriminalakte
Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock
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Eins Festival, 20.15
Donna Leon: Blutige Steine (D 2008, R.: Sigi Rothemund)
Drehbuch: Holger Joos
LV: Donna Leon: Blood from a Stone, 2005 (Blutige Steine)
Commissario Brunetti sucht den Mörder eines afrikanischen Straßenhändlers. Als das Innenministerium ihm den Fall entzieht, weiß Brunetti, dass hier etwas oberfaul ist.
Dank bewährter Kräfte hat sich beim Herrichten des vierzehnten Brunetti-Romans für das Puschenkino für die Fans nichts geändert.
Mit Uwe Kockisch, Karl Fischer, Julia Jäger, Michael Degen, Annett Renneberg, Christel Peters, Helmut Zierl, Rosel Zech, Gunnar Möller
Wiederholung: Dienstag, 22. März, 01.45 Uhr (Taggenau!)
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ZDFneo, 20.15
Inspector Lynley: Keiner werfe den ersten Stein (GB 2002, R.: Kim Flitcroft)
Drehbuch: Elizabeth Mickery
LV: Elizabeth George: Payment in Blood, 1989 (Keiner werfe den ersten Stein)
Wer erstach auf dem Landsitz Westerbrae die Autorin Joy Sinclair? Lynley und Havers ermitteln.
„Reizvolle Verfilmung eines Krimi-Bestsellers, der durch das spannungsreiche Verhältnis zwischen dem Inspektor und seiner burschikosen Begleiterin sowie das britische Understatement kurzweilig unterhält.“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Nathaniel Parker, Sharon Small
Wiederholung: Montag, 21. März, 02.20 Uhr (Taggenau!)
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ZDF, 22.00
Inspector Barnaby: Der Wald der lebenden Toten (GB 2008, R.: Richard Holthouse)
Drehbuch: Michael Russell
LV: Charaktere von Caroline Graham
Kurz vor Halloween wird im beschaulichen Midsomer die Assistentin eines Zauberers ermordet. Inspector Barnaby ermittelt.
Ein weiterer TV-Krimi der langlebigen britischen Serie.
mit John Nettles, Jason Hughes, Jane Wymark
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NDR, 00.30
Der Schrei der Eule (D/F/GB/Kan 2009, R.: Jamie Thraves)
Drehbuch: Jamie Thraves
LV: Patricia Highsmith: The Cry of the Owl, 1962 (Der Schrei der Eule)
Robert beobachtet nachts heimlich die schöne Jenny. Sie verliebt sich in ihn und verlässt ihren Verlobten Greg. Als Greg nach einer Schlägerei spurlos verschwindet, wird Robert des Mordes verdächtigt.
Bereits Claude Chabrol und Tom Toelle verfilmten 1987 den Krimi. Während beide Verfilmungen sich sehr ähneln und, wenn man die Prämisse akzeptiert, gelungen sind, kann das anscheinend von Jamie Thraves Film nicht behauptet werden.
mit Paddy Considine, Julia Stiles
Hinweise
Wikipedia über Patricia Highsmith (deutsch, englisch)
Times: The 50 Greatest Crime Writers No 1: Patricia Highsmith
Kaliber .38 über Patricia Highsmith (Bibliographie)
Krimi-Couch über Patricia Highsmith
Kirjasto über Patricia Highsmith
Wired for Books: Don Swain redet mit Patricia Highsmith (1987)
Gerald Peary redet mit Patricia Highsmith (Sight and Sound – Frühling 1988 )
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Tele 5, 00.55
The Boys from Brazil (USA/GB 1978, R.: Franklin J. Schaffner)
Drehbuch: Kenneth Ross, Heywoud Gould
LV: Ira Levin: The Boys from Brazil, 1976 (Die Boys aus Brasilien; The Boys from Brazil – Geheimakte Viertes Reich)
Mengele klont im Dschungel massenhaft kleine Hitlers und möchte mit ihnen weltweit das „Vierte Reich“ ausrufen. Aber Nazi-Jäger Liebermann ist ihm auf der Fährte.
Absurder und immer noch sehr utopischer Politthriller mit Starbesetzung. Und das Suchen und Entdecken bekannter Gesichter in etlichen Nebenrollen steigert das Filmvergnügen mit Freunden beträchtlich.
„Das Handlungskonzept an sich,…,ist vom Autor Gould gut ausgearbeitet, aber der widersprüchliche Schauspielstil von Olivier, der auf dem Auftreten des echten Nazi-Jägers Simon Wiesenthal basiert, und Peck, der in der Rolle des von seinem Ziel Besessenen eine ungewöhnlich zurückhaltende Darstellung zeigt, führen dazu, dass der Film zu einem faden Abenteuer in der Art von Boy’s Own verkommt.“ (Paul Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie) Ähnlich ungnädig: „Ein Langweiler.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films)
Für die deutsche Kinoauswertung wurde der Film um fast zwanzig Minuten gekürzt und erst 1985, nach dem Bekanntwerden von Mengeles Tod, in die Kinos gebracht.
Mit Gregory Peck, Laurence Olivier, James Mason, Lilli Palmer, Uta Hagen, Steve Guttenberg, Bruno Ganz, Wolfgang Preiss, Sky Dumont, Georg Marischka
Fragen zum Film
Sie wollen wissen, wo der deutsche Verleih die Schere angesetzt hat? Hier ist die Antwort.
Und welche Fragen zum Buch soll ein Lehrer seinen Schülern im Unterricht stellen? Hier gibt es die Fragen.
TV-Tipp für den 19. März: Die verfilmten Kriminalromane
März 19, 2011WDR, 13.45
Fury (USA 1936, R.: Fritz Lang)
Drehbuch: Fritz Lang, Bartlett Cormack
LV: Norman Krasna: Mob Rule (Story)
Ein unschuldig Verurteilter sinnt auf Rache.
Fritz Langs erster us-amerikanischer Spielfilm ist die überzeugende Hollywood-Version von Die Nibelungen und M – mit einer fulminanten Rede von Spencer Tracy am Filmende.
Mit Spencer Tracy, Walter Brennan
Auch „Blinde Wut“
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WDR, 15.15
Die zwölf Geschworenen (USA 1957, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Reginald Rose (Story, Bühnenstück)
Hat der angeklagte Puertoricaner seinen Vater ermordet? Die Geschworenen beraten.
Lumets erster Spielfilm ist ein Klassiker des Gerichtsfilms: ein Raum, zwölf Personen, die eine Entscheidung fällen müssen: unerträgliche Spannung. Ausgangspunkt für den Spielfilm war ein einstündiges Fernsehspiel von Reginald Rose, der dafür von eigenen Erfahrungen als Geschworener inspiriert wurde. Beim Start wurde der Film von der Kritik gelobt, für zahlreiche Preise nominiert und floppte – trotz des niedrigen Budgets – an der Kasse. „Sidney Lumets Erstlingsfilm verleiht dem Geschehen durch die Begrenzung des Ortes und der Personen eine große Dichte und Spannung. Die Wahrheitsfindung entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Menschentypen, Ideologien und Interessen – ein Modellfall ´demokratischer´ Aufklärungsarbeit. Hervorragend besetzt, gespielt und fotografiert (Preis der OCIC in Berlin)“ (Lexikon des Internationalen Films)
Mit Henry Fonda, L. J. Cobb, Ed Begley, E. G. Marshall, Jack Warden, Martin Balsam, Jack Klugman, Joseph Sweeney
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ARD, 20.15
Mordkommission Istanbul: Mord am Bosporus (D 2009, R.: Michael Kreindl)
Drehbuch: Mathias Klaschka
LV: Hülya Özkan: Mord am Bosporus, 2006
Zweiter TV-Fall für Kommissar Mehmet Özakin. Dieses Mal sucht er einen Serienkiller, der es auf verheiratete Geschäftsmänner abgesehen hat.
mit Erol Sander, Nadeshda Brennicke, Oscar Ortega Sánchez
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RTL II, 20.15
Der Hades-Faktor (USA 2006, R.: Mick Jackson)
Drehbuch: Elwood Reid
LV: Robert Ludlum, Gayle Lynds: The Hades Factor, 2000 (Der Hades Faktor)
Böse Menschen lassen in den USA einen mörderischen Ableger des Ebola-Viruses frei. Nur der ehemalige Agent Jon Smith kann die Terroristen stoppen.
Die Besetzung ist gut. Es wurde viel in Berlin gedreht (Lokalpatriotismus). Der Trailer sieht sehr nach “24” aus. Stephen Dorff wird zu einem Kiefer Sutherland-Lookalike. Und Anjelica Huston spielt die Präsidentin der USA. Das klingt ziemlich vielversprechend. Am Ende ist es doch nur ein dreistündiger TV-Film, der das Versprechen des Trailers niemals einlöst. Dafür gibt es zu wenig Action, zu wenige Verwicklungen und alles ist zu eindeutig in Gut und Böse unterteilt. Nett, aber trotz der Besetzung verzichtbar.
“Relativ aufwändiger und prominent besetzter TV-Zweiteiler, der sich stereotyper Feindbilder bedient.“ (Lexikon des internationalen Films)
Für heute ist eine etwas über zweistündige Fassung angekündigt.
Mit Stephen Dorff, Danny Huston, Mira Survino, Anjelica Huston, Blair Underwood, Sophia Myles
Hinweise
Wikipedia über Robert Ludlum (deutsch, englisch)
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ARD, 22.15
JAMES BOND: Goldfinger (GB 1964, R.: Guy Hamilton)
Drehbuch: Richard Maibaum, Paul Dehn
LV: Ian Fleming: Goldfinger, 1959
Goldfinger (Gert Fröbe) will Fort Knox ausräumen. James Bond (Sean Connery) hat etwas dagegen.
Mit „Goldfinger“ hatte sich James Bond endgültig im Kino etabliert und der Presserummel bei „Feuerball“ und „Man lebt nur zweimal“ war gigantisch. Ebenso die Zahl der mehr oder weniger missglückten Kopien in Buch und Film. Da scheint der heutige Rummel um „Harry Potter“/“Herr der Ringe“/“Krieg der Sterne“/“Matrix“ ein Klacks zu sein.
Mit Sean Connery, Gert Fröbe, Honor Blackman, Shirley Eaton, Harold Sakata, Bernard Lee, Lois Maxwell
Hinweise
James Bond in der Kriminalakte
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MDR, 00.00
Misery (USA 1990, R.: Rob Reiner)
Drehbuch: William Goldman
LV: Stephen King: Misery, 1987 (Sie)
Des Schriftstellers Alptraum (hilflos ans Bett gefesselt in den Händen eines fanatischen Fans), des Zuschauers Vergnügen. Eine der besten Verfilmungen des Grandmasters der Mystery Writers of America.
Kathy Bates erhielt für ihre furchterregende Darstellung der helfenden Krankenschwester den Oscar, den Chicago Film Critics Association Awards und den Golden Globe als beste Schauspielerin.
Mit James Caan, Kathy Bates, Richard Farnsworth, Lauren Bacall, Frances Sternhagen
Hinweise
Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag
Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)
Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)
Wiglaf Droste, die Sprache und die Wirklichkeit
März 18, 2011In einem Rutsch sollte man die in „Im Sparadies der Friseure“ gesammelten über vierzig Kolumnen von Wiglaf Droste nicht lesen. Dann sind sie zwar auch noch witzig und oft erhellend, aber auch etwas ermüdend. Wenn sie dagegen in kleinen Häppchen genossen werden, verschönern sie den Tag und bieten amüsante Einsichten in den deutschen Alltag und unsere Muttersprache.
Denn, so Droste: „Sprache ist nicht nur Mittel zum Zweck der Kommunikation – sie ist eine Möglichkeit, die Welt zu erlernen, sie sich zu eigen zu machen, nicht in einem rohen, barbarischen Akt der Unterwerfung und Untertanenmachung, sondern langsam, behutsam, staunend, hingebungsvoll. Sprache wohnt die Chance inne, die Welt spielerisch zu begreifen, ohne sie dumpf zu begrapschen.“
Aber: „Die Deutschen bedürfen nicht der englischen Sprache oder der Anglizismen, um sich falsch, inhaltsarm oder idiotisch auszudrücken; es ist ihnen dazu jede Sprache recht, von der sie nichts verstehen. Meistens ist das die deutsche, sie nehmen aber auch jede andere, die sie kriegen können, und lassen sich dabei nicht stören.“
Und er hat eine reichhaltige Auswahl an treffenden Beispielen gefunden. In vielen Texten beschäftigt Wiglaf Droste sich mit dem uns alltäglich umgebendem Sprachmüll. Das sind die Namen von Friseurgeschäften, „Public Viewing“ (was, so Droste, in den USA eigentlich Leichenschau bedeutet; – da soll noch einer sagen, dass Lesen nicht bildet), der Sucht nach Superlativen für alles und jedes und viele, viele weitere Beispiele aus der Wirtschaft, bei schreibenden Kollegen und natürlich in der um Vertrauen werbenden Politik. Auch das „Unwort des Jahres“ und die es verleihende Gesellschaft ist Wiglaf Droste einige wohlgesetzte Worte wert.
Eingefleischte Droste-Fans werden etliche der in „Im Sparadies der Friseure“ gesammelten Kolumnen bereits aus dem Bayerischen Rundfunk, MDR Figaro, „jungle World“ und den Zeitschriften „Das Magazin“ und „Häuptling Eigener Herd“ kennen. Die Gelegenheits-Droste-Fans dürfen sich dagegen freuen, dass sie nicht ständig in Kiosken und im ÖR-Rundfunk nach Droste-Texte suchen müssen.
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Wiglaf Droste: Im Sparadies der Friseure – Eine kleine Sprachkritik
Goldmann, 2010
160 Seiten
7,95 Euro
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Erstausgabe
Edition Tiamat, 2009
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Hinweise
Tourmanagement von Wiglaf Droste
Homepage von „Häuptling Eigener Herd“
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Bonusmaterial (nicht im Buch enthalten)
Beginnen wir mit einem klassischen Wiglaf-Droste-Text
Auch gut
Kurzmeldungen
März 18, 2011–
Eine „The Lincoln Lawyer“-Filmkritik (deutscher Filmstart ist am 23. Juni als „Der Mandant“) gibt es im Rap Sheet:
The Lincoln Lawyer does its job as a meat-and-potatoes legal thriller–and, let’s be honest, we haven’t had one of those in a while.
Much of this movie feels like a welcome return to the days when studios made entertaining films for adults. Those were movies you could take a date to on a Friday night and not feel pandered to.
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Die Übersetzung erschien jetzt als „28 Minuten“ bei Suhrkamp.
Bei „My Book, The Movie“ verrät Zeltserman auch, dass die Filmrechte verkauft sind und es bereits ein Drehbuch gibt, das sich von der Vorlage unterscheidet.
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Ebenfalls bei „My Book, The Movie“ verrät Mark Alpert einiges über die Pläne von Hollywood, seine Bücher zu verfilmen und welche Schauspieler er gerne in der Verfilmung von „The Omega Theory“ sehen würde.
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Und selbstverständlich ist die März-Ausgabe von „The Big Thrill“ schon seit Ewigkeiten online. Dieses Mal gibt es unter anderem Porträts von und Interviews mit F. Paul Wilson, Harlan Coben, Linda Fairstein, Jonathan Maberry und Erin Brokovich (Erinnert ihr euch an den Film?)/CJ Lyons.
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Bei Mulholland Books gibt es unter anderem
– ein Gespräch zwischen Drehbuchautor Leslie Dixon und Romanautor Alan Glynn. Dixon schrieb das Drehbuch für die Glynn-Verfilmung „Limitless“ („Ohne Limit“, deutscher Kinostart am 14. April)
– Alan Glynn über seine Erfahrungen mit Hollywood
– den neunten Teil von Ken Bruens „Black Lens“
– Joe R. Lansdale über „Doggone Justice“
– Michael A. Gonzales über Ernest Tidyman und über die Entstehung von „Shaft“
– Wallace Stroby über die New-Jersey-Mafia und warum er nicht mehr über sie schreiben wollte
TV-Tipp für den 18. März: Die verfilmten Kriminalromane
März 18, 2011Weil der Alligator sich wieder auf die Jagd begeben hat: die verfilmten Kriminalromane
ZDFneo, 00.20
Der Preis des Verbrechens: Gefallener Engel – Teil 1 (GB 2004, R.: Paul Unwin)
Drehbuch: Lynda La Plante
Die Detectives Walker und Connor müssen den Mord an einer Edelprostituierten aufklären. Sie arbeitete in einem SM-Club, in dem sich auch hochrangige Politiker vergnügen.
Die achte Ausgabe der von Lynda La Plante erfundenen Serie „Trial & Retribution“ ist zwar auch ein Zweiteiler, aber mit jeweils siebzig Minuten ist diese Folge wesentlich kürzer als gewohnt geraden.
Den zweiten Teil gibt es am Freitag, den 25. März, um 00.20 Uhr.
Mit David Hayman, Victoria Smurfit, Colin Salmon
Hinweise
Wikipedia über „Trial & Retribution“
Fernsehserien über „Der Preis des Verbrechens“
ITV über „Trial & Retribution“
Meine Besprechung von „Der Preis des Verbrechens – Volume 1“
Meine Besprechung von „Der Preis des Verbrechens – Volume 2“
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Eins Festival, 00.50
Commissario Laurenti: Der Tod wirft lange Schatten (D 2008, R.: Hannu Salonen)
Drehbuch: Lothar Kurzawa
LV: Veit Heinichen: Der Tod wirft lange Schatten, 2005
Auf dem Marktplatz von Triest wird ein Mann erschossen. Das Motiv scheint, so findet Commissario Laurenti heraus, eine Mappe mit wichtigen Dokumenten zu sein, die der Tote bei sich hatte.
Die Spannung des vierten Laurenti-Krimis scheint sich in sehr überschaubaren Grenzen zu halten: „schnarchig inszeniert“ (TV Spielfilm)
Mit Henry Hübchen, Barbara Rudnik, Hanns Zischler, Katharina Thalbach, Christopher Buchholz, Rolf Hoppe, Ludwig Trepte, Inga Busch, Luise Berndt, Horst Krause, Catherine Flemming
Hinweis
Harlan Coben und das lauschige Vorstadtleben mit pubertierenden Kindern
März 17, 2011Wahrscheinlich muss man Amerikaner sein oder die dortige Kultur und Psychosen gut kennen, um die Geschichte von Harlan Cobens neuem Roman „In seinen Händen“ wirklich genießen zu können. Denn im Mittelpunkt des Thrillers steht, wieder einmal, das Vorstadtleben und die Mühen und Sorgen von liebevollen Eltern und ihren heranwachsenden Kindern, die einerseits Alkohol trinken wollen, andererseits dies vor dem Gesetz noch nicht dürfen. Denn in den USA darf man zwar mit 16 Jahren ein Auto fahren, aber erst mit 21 Jahren Alkohol trinken. Eine Regel, die bei uns immer wieder für Kopfschütteln sorgt.
Eine andere große Sorge amerikanischer Eltern und ihrer Kinder ist, dass sie auf die richtige Universität kommen. „Richtig“ bedeutet vor allem eine Elite-Universität. Jede Universität hat ein Auswahlverfahren und, neben den Noten, spielen auch bestimmte Quoten (wie dass eine bestimmte Zahl Afroamerikaner oder sozial Schwacher aufgenommen werden sollen) und das Verhalten der Bewerber eine Rolle. Da kann einem schon eine Strafe wegen Alkoholkonsum die Traumuni vermasseln.
In Deutschland sind die Unterschiede zwischen den Universitäten nicht so groß und es gibt keine großartigen Auswahlverfahren.
Und dann gibt es in den USA noch eine gewaltige, teils schon hysterische Jagd auf Pädophile und Sexualstraftäter. Das dafür wichtigste Gesetz ist „Megan’s Law“. Danach können die Namen von Sexualstraftätern, die sich an Minderjährigen vergangen haben, veröffentlicht werden. Das gilt auch, wenn der Geschlechtsverkehr einvernehmlich war und der Altersunterschied zwischen beiden nur einige Monate beträgt. Minderjährig ist Minderjährig.
All diese Regeln und Konventionen sind für uns eher fremd, aber sie bestimmen noch mehr als in den vorherigen Thrillern des vierfachen Vaters Harlan Coben seinen neuesten Roman „In seinen Händen“, der mit der Bloßstellung des pädophilen, enorm beliebten und engagierten Sozialarbeiters Dan Mercer durch die TV-Journalistin Wendy Tynes beginnt.
Während der Gerichtsverhandlung beginnt sie an Mercers Schuld zu zweifeln. Denn außer einigen Bildern in seiner Wohnung und vier Jugendlichen hat sich keines seiner Opfer gemeldet. Aber normalerweise ist ein Pädophiler ein Serientäter mit vielen Opfern. Außerdem steht seine Ex-Frau zu ihm. Kurz nachdem die Klage vom Gericht abgewiesen wird, ruft Mercer bei der Journalistin an. Er will sich mit ihr Treffen und sagt, dass nichts so sei, wie es aussehe.
Sie willigt ein und während des Treffens wird Mercer vor ihren Augen erschossen. Sie glaubt, dass Ex-U.-S.-Marshal Ed Grayson, dessen Sohn zu Mercers Opfern gehört, der Täter ist. Aber es gibt keine Beweise gegen Grayson und eigentlich will ihn auch niemand anklagen.
Als dann in Mercers Hotelzimmer das iPhone der vor einigen Monaten verschwundenen siebzehnjährigen Musterschülerin Haley McWaid gefunden wird, scheint der Fall klar.
Nur Wendy Tynes zweifelt weiter. Vor allem, als sie entdeckt, dass in letzter Zeit mit halbseidenen Anschuldigungen das Leben von Mercers Studentenfreunde zerstört wurde. Sie fragt sich, ob sich jemand an ihnen für irgendetwas, das sie während des Studiums taten, rächen will.
Dieser Hauptplot entwickelt sich allerdings arg zäh und verschwindet immer wieder unter verschiedenen Nebengeschichten, die die Hauptgeschichte nicht wirklich voranbringen, aber dafür das Vorstadtleben ausmalen. Außerdem geschehen einige Plotwendungen arg plötzlich und das Verhalten einiger Charaktere ist arg rätselhaft. So hat Wendy keinen Grund, Mercers Collegefreunden zu vertrauen. Vor allem nachdem sie annehmen muss, dass sie in der Vergangenheit irgendetwas ausgefressen haben, das sie ihr nicht verraten wollen. Trotzdem suchen sie gemeinsam den Täter.
Und wenn dann am Ende der Haupttäter der taffen Reporterin freiwillig seine Taten gesteht, zeigt sich, dass Coben ein gewaltiges Problem mit dem Ende hatte. Auch die anderen Verbrecher gestehen freiwillig ihre Taten. Aber warum sollte jemand freiwillig ein Verbrechen gestehen?
Außerdem deutet Harlan Coben dieses Mal schon sehr früh und sehr deutlich die Lösung an. Das ist vor allem deshalb erstaunlich, weil er in seinen anderen Thrillern am Ende immer einige absolut überraschende, aber schlüssige Twists bot.
„In seinen Händen“ ist, nach dem enttäuschendem Myron-Bolitar-Pulp „Von meinem Blut“ (denn Terrorismus und weltumspannende Verschwörungen gehören nicht in die Welt eines Sportagenten), wieder ein flott geschriebenes, letztendlich aber enttäuschendes Werk von Harlan Coben. Vielleicht sollte er mal – persönliche Betroffenheit hin, persönliche Betroffenheit her – die Sorgen der Eltern über die Schulabschlüsse ihrer Kinder und die Wunschuniversität links liegen lassen und einen ordentlichen Thriller schreiben.
Sein neuestes Buch „Live Wire“, dem zehnten Myron-Bolitar-Roman, der die Tage in den USA erscheint, könnte ein solches Buch sein.
Harlan Coben: In seinen Händen
(übersetzt von Gunnar Kwisinski)
Page & Turner, 2011
448 Seiten
14,99 Euro
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Originalausgabe
Caught
Dutton, 2010
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Lesereise (naja, eher Stippvisite)
Freitag, 18. März, 20.00 Uhr, Köln, MS RheinEnerngie/Literaturschiff (im Rahmen der lit.cologne)
Samstag, 19. März, 20.30 Uhr, München, Hugendubel Fünf Höfe (im Rahmen des Krimifestival München)
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Hinweise
Mein Gespräch mit Harlan Coben über Myron Bolitar und seine Arbeit
Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein böser Traum“ (Just one look, 2004)
Meine Besprechung von Harlan Cobens „Kein Friede den Toten“ (The Innocent, 2005)
Meine Besprechung von Harlan Coben „Der Insider“ (Fade away, 1996)
Meine Besprechung von Harlan Cobens „Das Grab im Wald“ (The Woods, 2007)
Meine Besprechung von Harlan Cobens „Sie sehen dich“ (Hold tight, 2008)
Meine Kurzbesprechung der Harlan-Coben-Verfilmung „Kein Sterbenswort“ (F 2006)
Meine Besprechung von Harlan Cobens „Von meinem Blut“ (Long Lost, 2009)
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Bonusmaterial
Ein ausführliches Interview mit Harlan Coben
TV-Tipp für den 17. März: 3satbuchzeit
März 17, 20113sat, 21.00
3satbuchzeit
Eine Stunde lang gibt’s Infos von der Leipziger Buchmesse über die Eröffnung, Preisverleihungen, neue Bücher (ich befürchte mit einem viel zu geringem Krimianteil) und natürliche auch Gespräche mit den Autoren. Außerdem werden alle Gespräche am 3sat-Stand für die Mediathek aufgezeichnet und auf der 3sat-Homepage gibt es auch einige Infos zu der Buchmesse.
Robert B. Parker, Spenser und ein „Trügerisches Bild“
März 16, 2011Zuerst die schlechte Nachricht: Hawk hat in „Trügerisches Bild“, dem neuesten Spenser-Krimi von Robert B. Parker, keinen Auftritt.
Aber sonst verläuft alles in den gewohnten Bahnen. Auf den ersten Seiten übernimmt der in Boston arbeitende Privatdetektiv Spenser einen neuen Auftrag. Er soll seinen Auftraggeber, Dr. Ashton Prince, zu einer Geldübergabe begleiten. Im Hammond Museum wurde das Gemälde „Dame mit einem Finken“ des im siebzehnten Jahrhundert lebenden Malers Frans Harmenszoon gestohlen und jetzt verlangen die Erpresser Lösegeld für das Bild.
Nachdem Prince den Erpressern das Geld gegeben hat, wird er von einer Bombe zerfetzt. Spenser fühlt sich, weil sein Auftraggeber vor seinen Augen umgebracht wurde, in seiner Berufsehre gekränkt. Er sucht also auf eigene Faust und pro bono den Täter.
Er beginnt in Princes Vergangenheit herumzustochern. Noch bevor er eine erste handfeste Spur hat, wird ein hinterhältiger Anschlag auf ihn verübt. Diese Anschläge bestimmten dann den Rhythmus der Geschichte. Denn Spenser versteckt sich nicht, sondern präsentiert sich ohne Bodyguards den Attentätern, in der Hoffnung über sie an die Bilderdiebe zu gelangen (Total genialer Plan!).
Später entdeckt er eine Verbindung zur seltsamen Herzberg-Stiftung, die Nazi-Beutekunst sucht, etwas mit dem Harmenszoon-Gemälde und Princes Vergangenheit zu tun hat und wahrscheinlich hinter dem Diebstahl und den Anschlägen auf Spenser steckt.
Robert B. Parker starb am 18. Januar 2010 an seinem Schreibtisch und „Trügerisches Bild“ ist eines der letzten Werke des enorm produktiven Schriftstellers. In den siebziger Jahren leitete er mit seinen Spenser-Romanen eine Renaissance des Privatdetektivromans ein. In den folgenden Jahren beeinflusste er zahlreiche jüngere Autoren und viele Elemente des modernen Privatdetektivromans gehen auf ihn zurück. Am bekanntesten dürfte dabei der skrupellose Freund des Helden sein. Für Spenser ist das seit Ewigkeiten Hawk.
In den vergangenen Jahren, nachdem es in den späten Achtzigern und Neunzigern einige sehr schwache Spenser-Romane gab, fand Parker halbwegs zu seiner alten Form zurück. Denn viel zu oft scheint er einfach drauf los zu schreiben und sein Seitenlimit (immer noch um die zweihundert Seiten) mit vielen kurzen Kapiteln („Trügerisches Bild“ besteht aus 67 Kapiteln) und Dialogen zu füllen. Diese lakonischen Dialoge und der unprätentiöse Schreibstil von Robert B. Parker sorgen dann immer wieder für einen vergnüglichen Abend.
Zuletzt die gute Nachricht: „Trügerisches Bild“ ist nicht der letzte Spenser-Roman. In den USA ist für September „Sixkill“, der, wenn man den Young-Spenser-Roman „Chasing the bear“ mitzählt, vierzigste Spenser-Roman angekündigt.
Und das dürfte dann der endgültig letzte Spenser-Roman sein.
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Robert B. Parker: Trügerisches Bild
(übersetzt von Frank Böhmert)
Pendragon, 2011
216 Seiten
9,95 Euro
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Originalausgabe
Painted Ladies
G. P. Putnam’s Sons, New York 2010
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Hinweise
Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker
Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)
Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)
Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)
Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)
Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)
Mein Nachruf auf Robert B. Parker
Robert B. Parker in der Kriminalakte
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Bonus

Veröffentlicht von AxelB 





