TV-Tipp für den 16. März: Shining

März 16, 2011

Heute ohne lästige Werbepausen

Arte, 22.15

Shining (GB 1980, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson

LV: Stephen King: The Shining, 1977 (Shining)

Jack Nicholson läuft axtschwingend durch ein einsames Hotel – und wir können eine der besten Stephen King-Verfilmungen (auch wenn der Grandmaster mit Kubricks Version nicht zufrieden war und ihm eine Jahre später gedrehte, inzwischen vergessene TV-Fassung besser gefiel) genießen.

„Der Horrorfilm schlechthin.“ (Der Spiegel)

Mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Barry Nelson

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park


DVD-Kritik: Robert De Niro und Edward Norton treffen sich wieder in „Stone“

März 15, 2011

Vor zehn Jahren trafen Robert De Niro und Edward Norton in „The Score“ erstmals aufeinander. Marlon Brando spielte in dem Einbrecherfilm auch mit und die Kritiker waren von dem Treffen der aus drei verschiedenen Generationen stammenden Schauspielergiganten milde enttäuscht. Denn „The Score“ ist ein altmodischer Einbrecherfilm für den nicht unbedingt so hochkarätige Schauspieler nötig gewesen wären. Aber geschadet hat es dem Film nicht.

Jetzt treffen Robert De Niro und Edward Norton in „Stone“ wieder aufeinander. Es ist wieder ein Kriminalfilm. Naja, irgendwie. Denn „Stone“ ist auch ein religiös angehauchtes Drama und die Charakterstudie eines mit seinem Leben haderndem, introvertiertem Biedermannes. Jedenfalls irgendwie. Denn das vor allem in einem Büro spielende, ursprünglich als Theaterstück geschriebene Zweipersonendrama „Stone“ entscheidet sich nie für ein Genre und damit auch für keine bestimmte Geschichte. Stattdessen plätschert der Film über Jack Mabry reichlich ziellos und langatmig vor sich hin.

Dieser Jack Mabry (Robert De Niro) schreibt im Gefängnis die Gutachten für den Bewährungsausschuss. Er ist gut. Er steht kurz vor seiner Pensionierung. Er lebt seit Jahrzehnten mit Madylyn (Frances Conroy) zusammen. Diese Ehe ist schon lange nur noch ein Gefängnis, in dem beide sich eingerichtet haben. Gemeinsam besuchen sie an den Wochenenden den Gottesdienst.

Auf seine letzten Tage soll Mabry Gerald Creeson (Edward Norton), der lieber „Stone“ genannt werden möchte, begutachten. Stone will unbedingt früher raus und spannt dafür auch seine junge, gutaussehende, enorm heiße Frau Lucetta (Milla Jovovich als Abziehbild der Femme Fatale) ein. Sie macht sich an Jack ran. Der lehnt zunächst ihre Kontaktwünsche, weil sie gegen die Vorschriften verstoßen, schroff ab.

Später nicht mehr – und was spätestens jetzt ein zünftiger, wenn auch etwas unplausibler Noir werden könnte, verläuft im Nichts. Auch das innere Drama von Mabry ist kaum nachvollziehbar.

Und die scheinbar endlosen Gespräche zwischen dem Plappermaul Stone und dem Schweiger Jack Mabry sind auch nicht besonders prickelnd. Es wird einfach nur endlos über Erlösung, den Weg zum besseren Menschen, Glauben undsoweiter räsoniert.

Aber es wird nie klar, warum uns ein Häftling, der alles sagen würde, um aus dem Gefängnis zu kommen, und ein Gutachter, der ein bieder-braver Beamter ist und der schon tausende ähnlich bauernschlaue Häftlinge begutachtet hat, interessieren könnten. Vor allem ist absolut unklar, was der erfahrene alte Hase Mabry in dem Jungspund erblickt, er sich dann ziemlich idiotisch verhält und absolut grundlos vieles riskiert. Denn selbstverständlich hüpft Jack mit Lucetta ins Bett. Aber, wie so vieles in „Stone“, ist dieser Seitensprung für die Geschichte vielleicht nicht unbedingt nebensächlich, aber in jedem Fall folgenlos.

Während des Abspanns fragt man sich, warum man sich von so einem Film zwei Stunden seines Lebens stehlen ließ. Warum De Niro und Norton, die ihre Rollen desinteressiert-lieblos runterspielen, zusagten, fragte man sich schon während des Films. Warum das zähe Drama bei uns seine Premiere auf DVD erlebte, ist allerdings schon vor dem ersten Zusammentreffen von De Niro und Norton, die in den vergangenen Jahren keine glückliche Hand bei ihrer Rollenauswahl hatten, klar. Der von Robert De Niro gespielte Jack Mabry ist uns egal.

Stone (Stone, USA 2010)

Regie: John Curran

Drehbuch: Angus MacLachlan

mit Robert De Niro, Edward Norton, Milla Jovovich, Frances Conroy

DVD

Ascot Elite

Bild: 2,4:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Making Of, Interviews, Beim Dreh, Originaltrailer

Länge: 102 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Wikipedia über „Stone“

Drehbuch „Stone“ von Angus MacLachlan


Cover der Woche

März 15, 2011


TV-Tipp für den 15. März: Unter Verdacht: Brubeck

März 15, 2011

Arte, 23.10

Unter Verdacht: Brubeck (D 2008, R.: Ed Herzog)

Drehbuch: Wolfgang Stauch

LV: Wolfgang Stauch: Brubecks Echo, 2000

Bei einem Autounfall starben Frau und Kind von Hauptkommissar Brubeck. Er will sich an den Tätern, einer Pharmavertreterin und einem Starpianisten, rächen. Eva Prohacek versucht das zu verhindern.

Alle, die Stauchs Roman gelesen haben und denen er gefiel, sollten wahrscheinlich nicht einschalten. Denn der Film „Brubeck“ entstand „nach Motiven von“.

Ansonsten: eine weitere gelungene Folge von derzeit Deutschlands bester Krimiserie.

Mit Senta Berger, Rudolf Krause, Gert Anthoff, Fritz Karl, Ben Becker

Hinweisd

ZDF über „Unter Verdacht“

Wikipedia über „Unter Verdacht“

Homepage von Wolfgang Stauch


Zehn Fragen an James Ellroy

März 14, 2011

James Ellroy beantwortet zehn Fragen von Time-Lesern.


TV-Tipp für den 14. März: Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood

März 14, 2011

Arte, 22.45

Hans Zimmer – Der Sound für Hollywood (D 2011, R.: Ariane Riecker, Dirk Schneider)

Drehbuch: Ariane Riecker, Dirk Schneider

Einstündige Doku über einen Deutschen, der als Mitglied der Gruppe „The Buggles“ (Ihre Hit-Single war „Video killed the Radio Star“.) erfolgreich war, die Musik für einige Filme, wie „Die Geschichte der O. – 2. Teil“ (Uh, hat den jemand gesehen?) und „The Fruit Machine“, schrieb und sich dann auf den Weg nach Hollywood machte. Dort schrieb er die Musik für „Rain Man“ und ungefähr hunderttausend weitere Filme.

Ein Gerücht sagt, dass er für einen Blockbuster der vergangenen zwanzig Jahre nicht die Musik schrieb. Aber das kann auch eine Hollywood-Legende sein.

Wiederholungen

Samstag, 19. März, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 30. März, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die die Doku

Wikipedia über Hans Zimmer (deutsch, englisch)

IMDB über Hans Zimmer

Homepage von Hans Zimmer


TV-Tipp für den 13. März: Wahre Lügen – Where the Truth Lies

März 13, 2011

Tele 5, 00.00

Wahre Lügen (Can/GB 2005, R.: Atom Egoyan)

Drehbuch: Atom Egoyan

LV: Rupert Holmes: Where the Truth Lies, 2003

1972 will eine junge, ehrgeizige Journalistin herausfinden, was 1957 in einem Hotelzimmer geschah. Damals wurde die Leiche einer Studentin in der Suite der erfolgreichen Entertainer Lanny Morris und Vince Collins gefunden. Die Todesursache wurde nie geklärt, aber die Freundschaft der beiden Entertainer zerbrach.

Eleganter Neo-Noir von Kritikerliebling Atom Egoyan.

„Die retrospektiv erzählte Mischung aus Film noir und 1950er-Jahre-Melodram ist als faszinierendes Spiel mit Chiffren und Symbolen konzipiert, das, inszenatorisch perfekt, auf höchst vergnügliche Weise den Widerspruch zwischen Schein und Sein demonstriert.“ (Lexikon des internationalen Films)

mit Kevin Bacon, Colin Firth, Alison Lohman, Rachel Blancard

Hinweise

Wikipedia über „Wahre Lügen“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Wahre Lügen“

Homepage von Atom Egoyan

Deutsche Atom-Egoyan-Fanseite


Zehn Fragen an Elmore Leonard

März 12, 2011

Elmore Leonard beantwortet zehn Fragen von Time-Lesern.


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

März 12, 2011

Eine empfehlenswerte Krimiverfilmung, die die Tage im TV läuft, ist „Blood Work“ (Connelly! Eastwood! Helgeland!).

Die anderen Krimiverfilmungen sind in den von mir geschriebenen, von Alfred wunderschön bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps bei den Alligatorpapieren einsehbar:

Zu den sehenswerten Krimiverfilmungen der kommenden Tage gehören Clint Eastwoods Michael-Connelly-Verfilmung „Blood Work“, Atom Egoyans Rupert-Holmes-Verfilmung „Wahre Lügen“, Lars Beckers „Amigo – Bei Ankunft Tod“ (nach seinem Roman), Fritz Langs Norman-Krasna-Verfilmung „Fury“, Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Guy Hamiltons Ian-Fleming-Verfilmung „James Bond: Goldfinger“, Rob Reiners Stephen-King-Verfilmung „Misery“, Charles Laughtons Davis-Grubb-Verfilmung „Die Nacht des Jägers“, Wim Wenders Patricia-Highsmith-Verfilmung „Der amerikanische Freund“ und die Stieg-Larsson-Fans dürfen sich die Kinoversion von „Verblendung“ im Heimkino ansehen.


TV-Tipp für den 12. März: Blood Work

März 12, 2011

RTL II, 23.30

Blood Work (USA 2002, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Brian Helgeland

LV: Michael Connelly: Bloodwork, 1997 (Das zweite Herz)

FBI-Mann Terry McCaleb sucht auf Bitten von Graciella nach dem Mörder ihrer Schwester. Immerhin hat er jetzt ihr Herz.

Ausgezeichnete Adaption des dicken Buches von Michael Connelly, bei dem einige für einen Film sehr sinnvolle Änderungen vorgenommen wurden.

„I am very happy with it. I think it is a solid cop story and I think it captured the character and spirit of the book.” (Michael Connelly, auf seiner Homepage)

Mit Clint Eastwood, Jeff Daniels, Wanda De Jesus, Anjelica Huston

Wiederholung: Sonntag, 13. März, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Michael Connelly

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Echo Park” (Echo Park, 2006)

Michael Connelly in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Über Alejandro González Iñárritus „Biutiful“

März 11, 2011

Nachdem ich die Welt mit ‚Babel‘ bereist hatte, fand ich, dass es genug war mit parallel verlaufenden Handlungssträngen, zersplitterten Strukturen und sich kreuzenden Erzählungen. Jeder Film, den ich gemacht hatte, wurde in einer anderen Sprache gedreht, in einem anderen Land“, sagt Alejandro González Iñárritu im Presseheft zu seinem neuestem Film „Biutiful“.

Also konzentriert Iñárritu sich, im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen „Amores Perros“, „21 Gramm“ und „Babel“, in „Biutiful“ auf eine Geschichte. Und, während sich dem Zuschauer in seinen früheren Filmen erst langsam erschloss, wie die einzelnen Geschichten miteinander zusammenhängen, die Form die manchmal arg plakative Botschaft verdeckte und gerade in „Babel“ die Verknüpfung der einzelnen rund um den Globus spielenden Geschichten arg gewollt war, erzählt Iñárritu in „Biutiful“ chronologisch und ohne Abschweifungen die Geschichte der letzten Tage des in Barcelona lebenden Kleingangsters Uxbal (grandios: Javier Bardem).

Bei ihm hat Alejandro González Iñárritu tief in die Klischeekiste des guten Verbrechers gegriffen. Er ist ein alleinerziehender Vater, der seine beiden Kinder liebevoll erzieht und niemals schlägt. Er kümmert sich, wenn auch widerwillig, um seine emotional gestörte Ex-Frau, die an Bipolarität leidet. Er passt auf die von ihm geführten Verbrecher, die illegal in Barcelona leben, auf. Das ist einerseits seine Pflicht. Andererseits tut er etwas mehr als nötig. Er versucht das Leben der Illegalen, die in einer Werkstatt und auf einer Baustelle arbeiten, besser zu gestalten. Er steckt, obwohl er selbst kaum Geld hat, immer wieder den Menschen, für die er sich verantwortlich fühlt, Geld zu. Er wirkt immer so, als trage er das Leid der gesamten Welt auf seinen Schultern. Denn auch wenn sein Bruder ihm rät, sich weniger um die anderen zu kümmern, kann er es nicht.

Und er hat Krebs im Endstadium. Deshalb will er kurz vor seinem Tod noch alles regeln.

Das könnte jetzt leicht in einer endlos-unerträglichen Kitschorgie über die guten, armen Menschen enden.

Tut es aber nicht. Das liegt einerseits an Javier Bardem, der Uxbal glaubhaft als einen zwischen seinem Anspruch und der tristen Wirklichkeit zerrissenem Charakter spielt. Andererseits liegt dies an den anderen Charakteren, die mit ihren Fehlern, Unfähigkeiten und Egoismen einen wohltuenden Kontrast zu dem gnadenlos idealisiertem Uxbal bilden.

Alejandro González Iñárritu und sein langjähriger Kameramann Rodrigo Prieto halten die Handkamera immer drauf. Sie gönnen den oft unangenehm nah aufgenommenen Schauspielern und dem Publikum nur wenige Sekunde, in denen die Handkamera mal nicht kunstvoll wackelt, Ruhe. Während früher eine Kamerabewegung eine Sensation war, ist es bei Iñárritu keine Kamerabewegung.

Und genauso wie die Kamera etwas zu sehr wackelt, ist das Elend in den schmuddeligen Wohnungen und Straßen Barcelonas, das nichts von der „Vicky Cristina Barcelona“-Idylle hat, etwas zu dick aufgetragen in dem, wie immer bei Iñárritu, etwas zu langem Film. Denn obwohl „Biutiful“ nur die Passionsgeschichte eines sterbenden Kleingangsters erzählt, braucht er dafür, wie bei „Amores Perros“ und „Babel“, zweieinhalb Stunden.

Dennoch ist „Biutiful“ deutlich gelungener als „Babel“ und, wenn vielleicht nicht Alejandro González Iñárritus bester, dann nach „Amores Perros“, sein zweitbester Film.

Biutiful (Biutiful, Mexiko/USA 2010)

Regie: Alejandro González Iñárritu

Drehbuch: Alejandro González Iñárritu, Armando Bo, Nicolás Giacobone

mit Javier Bardem (Uxbal), Maricel Álvarez (Marambra), Hanaa Bouchaib (Ana), Guillermo Estrella (Mateo), Eduard Fernández (Tito), Cheikh Ndiaye (Ekweme), Diaryatou Daff (Ige), Taisheng Cheng (Hai), Luo Jin (Liwei)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Biutiful“

Collider: Interview mit Alejandro González Iñárritu (26. Dezember 2010)


TV-Tipp für den 11. März: Amigo – Bei Ankunft Tod

März 11, 2011

Arte, 20.15

Amigo – Bei Ankunft Tod (D/I 2010, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

LV: Lars Becker: Amigo, 1991

Zwei BKA-Ermittler sollen in Neapel einen vor zwanzig Jahren untergetauchten RAFler verhaften. Die Verhaftung geht schief und der RAFler macht sich auf den Weg nach Hamburg. Dort will er den Mann, der ihn an die Polizei verriet, zur Strecke bringen.

Seltsam, seltsam, dass Lars Becker jetzt einen zwanzig Jahre alten Krimi verfilmt, bei dem das Zeitkolorit sehr wichtig war.

mit Tobias Moretti, Jürgen Prochnow, Florian David Fitz, Luca Ward, August Zirner, Ina Weisse, Uwe Ochsenknecht

Wiederholung: Montag, 14. März, 14.45 Uhr

Hinweise

Arte über „Amigo – Bei Ankunft Tod“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker


DVD-Kritik: Gary Cooper meint „Der General starb im Morgengrauen“

März 10, 2011

Um den Abenteuerfilm „Der General starb im Morgengrauen“ als „Film noir“ einzusortieren, muss man schon einen sehr weiten Begriff von Noir haben. Denn nur in Madeleine Carrolls Rolle kann etwas vom klassischen Noir-Ethos entdeckt werden.

Gary Cooper spielt den Abenteurer O’Hara, der in China einen Gürtel mit Geld von den Rebellen nach Shanghai schmuggeln soll. Dort soll das Geld für den Kauf von Waffen im Kampf gegen einen blutrünstigen Herrscher, eben dem titelgebenden General, verwandt werden. Eine Frau (Madeleine Carroll) wird auf O’Hara angesetzt. Sie verliebt sich in ihn. Aber gleichzeitig will sie auch ihrem Vater, der sie in das Komplott hineinzog, helfen. Denn er benötigt das Geld für eine Reise zurück in seine amerikanische Heimat. Dort möchte er seine letzten Monate verbringen.

Was nach den ersten Minuten zu einer zünftigen, kolportagehaften Abenteuergeschichte werden könnte, versinkt ziemlich schnell in einem verwirrend-langatmigem Spiel, in dem Pläne öfters scheitern und die Motive der Charaktere öfters im Dunkeln bleiben. Im Dunkeln bleibt auch, warum O’Hara das Geld schmuggeln soll (denn einen auffallenderen Kurier dürfte es in ganz China nicht geben), warum der ach so blutrünstige General einige Leute nicht tötet und warum die Bösewichte einen so furchtbar komplizierter Plan für den Raub des Geldgürtels ersinnen, anstatt O’Hara einfach zu schnappen und zu töten.

Letztendlich ist die 1936 gedrehte und heute sehr antiquiert wirkende Studioproduktion „Der General starb im Morgengrauen“ nur noch von historischem Interesse. Auch die sehr bescheidene Bildqualität des Films, der erst 1981 im NDR seine deutsche Premiere erlebte, verstärkt diesen Eindruck.

Der General starb im Morgengrauen (The General died at dawn, USA 1936)

Regie: Lewis Milestone

Drehbuch: Clifford Odets

LV: Charles G. Booth: The General died at dawn, 1936

mit Gary Cooper, Madeleine Carroll, Akim Tamiroff, Dudley Diges, Porter Hall

DVD

Koch-Media (Film Noir Collection 7)

Bild: 1,37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie, Original Kinotrailer, Booklet

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Der General starb im Morgengrauen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Der General starb im Morgengrauen“


TV-Tipp für den 10. März: Angriff aus dem Internet

März 10, 2011

ARD, 22.45

Angriff aus dem Internet (D 2011, R.: Klaus Scherer)

Drehbuch: Klaus Scherer

Wie Online-Täter uns bedrohen“ wird uns in 45 Minuten erklärt. Online und auch offline.

Hinweis

ARD über die Doku


Die lügenden Politiker und ihre Lügen

März 9, 2011

Lassen wir mal den marktschreierischen Titel „Die verlogene Politik – Macht um jeden Preis“ links liegen. Denn taz-Autor Pascal Beucker und Financial-Times-Deutschland-Autorin Anja Krüger schreiben in ihrem Sachbuch in elf Kapiteln wie sich die öffentlichen Reden der Politiker in Talkshows und im Parlament von ihrem Tun und von den Fakten unterscheiden.

Das zeigt sich in der Parteienfinanzierung und den teilweise erstaunlich schnellen Berufswechseln von Politikern in hohe Positionen in Unternehmen (Zyniker würden von Bestechlichkeit sprechen, aber nach dem deutschen Recht ist es für Politiker fast unmöglich, bestechlich zu sein). Einige Politiker können sogar während des Abgeordnetenmandats etliche weitere Vollzeitjobs erledigen. Diese Doppelzüngigkeit zeigt sich auch bei der Förderung von Frauen in den Parteien und der Wirtschaft. Denn auch wenn inzwischen in allen Parteien mehr Frauen in den oberen Rängen sitzen, sind sie, außer bei den Grünen (die heute allerdings auch keine reine Frauenlisten mehr aufstellen würden) in der Minderheit. Das Schlusslicht ist die FDP mit 22,6 Prozent Frauenanteil bei den Mitgliedern.

In anderen Kapiteln nehmen sich Beucker und Krüger die heftig umstrittenen Politikfelder der vergangenen Jahre vor: Gesundheit, Bildung, Arbeitsmarkt, Renten, Steuern, Integration und militärische Auslandseinsätze. Immer haben die Politiker gesagt, dass sie die Systeme retten und zukunftsfähig machen wollen, dass sie den Armen helfen wollen und dass sie die Ungleichheit zwischen Arm und Reich verringern wollten.

Das waren die Sonntagsreden.

Die Wirklichkeit sieht anders aus.

Doch das dürfte niemand, der in den vergangenen Jahren die Medien aufmerksam verfolgte, überraschen. Aber man vergisst vieles so schnell.

Allerdings bleiben die beiden Journalisten in den Kapiteln, die unabhängig voneinander gelesen werden können, bei der Analyse (vulgo dem Sammeln von Fakten) stehen. Sie verzichten auf Vorschläge, wie „die verlogene Politik“ geändert werden kann.

Deshalb liegt Wert des Buches nur in der Gesamtschau und der sauberen Recherche, die immer einen Schlag nach links hat. Denn die Reformen der letzten Jahre werden durchgehend kritisch beurteilt. „Die verlogene Politik“ kann, auch dank der vielen Unterkapitel, als schnelles Nachschlagewerk, Einstieg in vertiefende Lektüre und Argumentationshilfe für den Stammtisch fungieren.

Pascal Beucker/Anja Krüger: Die verlogene Politik – Macht um jeden Preis

Knaur, 2010

304 Seiten

8,99 Euro

Hinweise

Homepage von Pascal Beucker

Stadtrevue: Interview mit Pascal Beucker und Anja Krüger


TV-Tipp für den 9. März: Ein Köder für die Bestie

März 9, 2011

Arte, 21.45

Ein Köder für die Bestie (USA 1962, R.: J. Lee Thompson)

Drehbuch: James R. Webb

LV: John D. MacDonald: The executioners, 1957 (eine gekürzte deutsche Ausgabe erschien unter „Ein Köder für die Bestie“, ungekürzt – 1992 im Heyne Verlag – unter „Kap der Angst“)

Nach seinem Knastaufenthalt beginnt Max Cady Sam Bowden und dessen Familie zu terrorisieren. Immerhin brachte dessen Aussage ihn ins Gefängnis.

Spannender Psychoschocker

Mit Gregory Peck, Robert Mitchum, Martin Balsam, Telly Savalas

Hinweise

Wikipedia über John D. MacDonald (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über John D. MacDonald

Krimi-Couch über John D. MacDonald

Umfangreiche amerikanische John D. MacDonald-Fanseite


Cover der Woche

März 8, 2011


TV-Tipp für den 8. März: 8 Frauen

März 8, 2011

BR, 23.40

8 Frauen (F 2002, R.: Francois Ozon)

Drehbuch: Francois Ozon, Marina de Van

LV: Robert Thomas: Huit Femmes, 1958/1962 (Theaterstück)

Weihnachten in einem verschneiten Landhaus: In der Nacht wird der Hausherr ermordet. Die Täterin ist eine der acht Frauen, die im Haus sind. Selbstverständlich hat jede von ihnen auch ein gutes Motiv das Ekel umzubringen.

Ein Cozy mit Gesang und einem Darstellerinnenensemble, das über jeden Zweifel erhaben ist und die Crème de la Crème des französischen Films versammelt.

mit Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Danielle Darrieux, Ludivine Sagnier, Firmine Richard, Dominique Lamure

Hinweise

Wikipedia über „8 Frauen“ (deutsch, englisch, französisch)

Spiegel: Interview mit Francois Ozon über „8 Frauen“

Blickpunkt Film: Interview mit Francois Ozon über „8 Frauen“

epd Film: Interview mit Francois Ozon (8/2007)


„Casino Royale“ – das verlorene Drehbuch

März 7, 2011

Jeremy Duns schrieb im Telegraph einen Artikel über das verlorene Drehbuch von Ben Hecht für die James-Bond-Verfilmung „Casino Royale“, das nach zahlreichen Überarbeitungen in der desaströsen 1966er James-Bond-Parodie „Casino Royale“ endete.

Hier gibt es einige Ausschnitte aus dem Drehbuch.


Ohne Kommentar

März 7, 2011

Volker Pispers über „Doktor“ Karl-Theodor zu Guttenberg