TV-Tipp für den 24. Februar: La Mala Educación – Schlechte Erziehung

Februar 24, 2011

3sat, 22.25

La Mala Educación – Schlechte Erziehung (E 2004, R.: Pedro Almodóvar)

Drehbuch: Pedro Almodóvar

Nach zwanzig Jahren treffen sich zwei Klosterschüler wieder. Der eine ist jetzt ein gefeierter Regisseur. Der andere ein armer Schauspieler mit einem Drehbuch über seine Zeit im Kloster zwischen Missbrauch, Homosexualität, Lügen und Rachegedanken.

Das ist der Ausgangspunkt für einen typischen Almodóvar, der souverän zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion wechselt. „Wohl das reifste Werk des spanischen Enfant terrible.“ (Margret Köhler, Blickpunkt Film 21/2004)

Mit Gael Garcia Bernal, Daniel Giménez-Cacho, Fele Martinez, Lluis Homar

Hinweise

Film-Zeit über „La Mala Educación“

Wikipedia über „La Mala Educación“


Der „Tatort“, der Mord, der Geschlechtsverkehr und – die schlimmste aller Sünden – die nackten Männer

Februar 23, 2011

Zum vierzigjährigem „Tatort“-Jubiläum wurde wieder einmal überall gemurmelt, der „Tatort“ sei auch eine Kultur- und Sittengeschichte der Bundesrepublik. Dennis Gräf, der erst vor kurzem seine Dissertation „Tatort – Ein populäres Medium als kultureller Speicher“ veröffentlicht hat, und sein Doktorvater Hans Krah versuchen in dem Bändchen „Sex & Crime“ nachzuzeichnen, wie im „Tatort“ in den vergangenen Jahrzehnten Sexualität gezeigt wurde und wie sich verändernde Moralvorstellungen im „Tatort“ auswirkten.

Es geht von den freizügigen Siebzigern und dem damals noch existierendem Bürgertum über die Schimanski-Jahre hin zur derzeitigen Prüderie. Die oft allein lebenden Ermittler haben heute ein sehr überschaubares Sexualleben. Und wenn sie sich doch einmal verlieben, übersteht die Beziehung die Episode nicht.

Und die anderen? Die Mörder? Die Opfer?

Nun, so Gräf und Krah: „Sex funktioniert als Maßstab, an dem moralische Kompetenz gemessen werden kann.“ Ergo: viel Sex = gleich niedrige soziale Kompetenz = Täter oder Opfer.

Dabei werden von den „Tatort“-Machern auch Sexualpraktiken und Delikte als Begründung für spätere Morde herangezogen, die nicht im Strafgesetzbuch stehen. In „Delikt: Nackter Mann“ zeigen die beiden Autoren, wozu diese „Tatort“-Praxis führen kann: danach mindert Nacktheit bei Männern, vor allem in der Post-Schimanski-Ära (der durfte sich noch nackt zeigen), deren Überlebenschancen rapide. Absurd, aber wahr.

Entsprechend wenig überraschend ist das von Gräf und Krah am Schluss von „Sex & Crime – Ein Streifzug durch die ‚Sittengeschichte‘ des TATORT“ gezogene Fazit, wonach der „Tatort“ „eine grundlegende Nähe zu konservativen Weltmodellen aufweist“.

Als Grund dafür vermuten sie „die Verortung des ‚Tatort‘ in den Massenmedien (…), die in der Regel lediglich konsensuale Weltentwürfe zulassen und Extreme vermeiden. Der ‚Tatort‘ ist demnach immer auch eine (moralische) Kompromissbildung, eine Schnittmenge dessen, was gesellschaftlich an Abweichung existiert und was davon medial vermittelbar und akzeptabel ist – bzw., was von den Machern dafür gehalten wird.“

Und da scheinen die „Tatort“-Macher heute den Zuschauern immer weniger zuzumuten.

Links oder aufklärerisch, zwei ebenfalls im Zusammenhang mit dem „Tatort“ gerne benutzte Floskeln, ist dieses Bestätigen der herrschenden Moral nicht. Jedenfalls nicht in den von Gräf und Krah für ihre Argumentation herangezogenen „Tatorten“. Denn auch wenn man das Fazit intuitiv einleuchtend findet, bleibt immer auch der Eindruck bestehen, dass einfach die, teils eher unbekannten, „Tatorte“ genommen wurden, die in die Argumentation hineinpassen.

Aber da bleibt ja immer noch Dennis Gräfs umfangreiches Werk „Tatort – Ein populäres Medium als kultureller Speicher“, das auch die Frage von „Sex & Crime“ behandelt, obwohl in der Dissertation das sich seit den sechziger Jahren wandelnde und zerfallende Bürgertum und die damit zusammenhängende Diskurse über Gesellschaft und die sie zusammenhaltenden Werte wichtiger sind.

Dennis Gräf/Hans Krah: Sex & Crime – Ein Streifzug durch die „Sittengeschichte“ des TATORT (Ermittlungen in Sachen TATORT I)

Bertz + Fischer, 2010

128 Seiten

9,90 Euro

Dennis Gräf: Tatort – Ein populäres Medium als kultureller Speicher (Schriften zur Kultur- und Mediensemiotik, Band 1)

Schüren, 2010

332 Seiten

29,90 Euro

Hinweise

Homepage von Dennis Gräf

Homepage von Hans Krah

ARD über den „Tatort“

Tatort-Fundus (umfangreiche Fan-Seite)

Wikipedia über den „Tatort“

 


TV-Tipp für den 23. Februar: Shining

Februar 23, 2011

Kabel 1, 22.25

Shining (GB 1980, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Diane Johnson

LV: Stephen King: The Shining, 1977 (Shining)

Jack Nicholson läuft axtschwingend durch ein einsames Hotel – und wir können eine der besten Stephen King-Verfilmungen (auch wenn der Grandmaster mit Kubricks Version nicht zufrieden war und ihm eine Jahre später gedrehte, inzwischen vergessene TV-Fassung besser gefiel) genießen.

„Der Horrorfilm schlechthin.“ (Der Spiegel)

Mit Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, Scatman Crothers, Barry Nelson

Hinweise

Homepage von Stephen King

Mein Porträt zu Stephen Kings Geburtstag

Meine Besprechung von Stephen Kings/Richard Bachmans „Qual“ (Blaze, 2007)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Nachgelassene Dinge“ (The things they left behind) in Ed McBains „Die hohe Kunst des Mordens“ (Transgressions, 2005)

Meine Besprechung von Stephen Kings „Colorado Kid“ (The Colorado Kid, 2005)

Stephen King in der Kriminalakte und in seinem Trailer-Park


Cover der Woche

Februar 22, 2011


TV-Tipp für den 22. Februar: Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off

Februar 22, 2011

Aufnahmebefehl!

3sat, 02.00

Edgar G. Ulmer – Der Mann im Off (A/USA 2004, R.: Michael Palm)

Sehenswerte Doku über den nur noch in Cineasten-Kreisen bekannten Edgar G. Ulmer (17. 9. 1904 – 30. 9. 1972). Seine Lehrjahre verbrachte er u. a. bei F. W. Murnau, Robert Siodmak und Billy Wilder, ehe er nach Hollywood ging und, dort, nachdem er bei dem Filmmogul Carl Laemmle in Ungnade fiel, hauptsächlich Billigfilme drehte.

Sein bekanntester Film ist der Horrorfilm „Die schwarze Katze“ (The black cat, USA 1934). Im Noir-Genre drehte er „Blaubart“ (Bluebeard, USA 1944), „Umleitung“ (Detour, 1945), „Die Stimme aus dem Jenseits“ (Strange Illusion, USA 1945), „The strange woman“ (USA 1946), „Ohne Erbarmen/Skrupellos“ (Ruthless, USA 1948) und „Mord ist mein Geschäft“ (Murder is my beat, USA 1955).

Hinweise

Wikipedia über Edgar G. Ulmer (deutsch, englisch)

Senses of Cinema über Edgar G. Ulmer


DVD-Kritik: Spike Lees Kriegsfilm „Buffalo Soldiers ’44 – Das Wunder von St. Anna“ erlebt seine Deutschlandpremiere auf DVD

Februar 21, 2011

Wer von Spike Lee nur seinem Thriller „Inside Man“ kennt, wird an „Buffalo Soldiers ’44 – Das Wunder von St. Anna“ verzweifeln. „Bamboolized“ (deutscher Titel „It’s showtime“) und „Summer of Sam“, taugen, wenn wir chronologisch in Lees umfangreichem Schaffen zwischen Spielfilmen, TV-Arbeiten und Dokumentarfilmen zurückgehen, eher als Modell für „Buffalo Soldiers ’44“. Aber „Bamboolized“ und „Summer of Sam“ dürfte fast niemand kennen.

Denn der Kriegsfilm „Buffalo Soldiers ’44“ ist ein typischer, sich zwischen alle Stühle setzender Spike-Lee-Film: etwas zu lang (154 Minuten!), leicht zerfahren, sich lustvoll in Nebengeschichten verlierend, immer wieder deutlich auf den amerikanischen Rassenkonflikt hinweisend und hier sogar öfters unangenehm im Religiösen badend. Aber er hat auch eine beeindruckende Liste bekannter Schauspieler, Jazzer Terence Blanchard schrieb wieder die Musik und es gibt zahlreiche gelungene Szenen in diesem 1944 in de Toskana spielendem Weltkrieg-II-Soldatendrama.

Während eines Gefechtes geraten die vier afroamerikanischen Soldaten Aubrey Stamps (Derek Luke), Bishop Cummings (Michael Ealy), Hector Negron (Laz Alonso) und Sam Train (Omar Benson Miller) hinter die feindlichen Linien. Train rettet einen italienischen Jungen, der mit einem Geist spricht, das Leben. In einem nahe gelegenem Dorf werden sie freundlich aufgenommen. Gleichzeitig kämpfen in den Wäldern die Partisanen gegen die Deutschen und gegeneinander. Die Deutschen umzingeln langsam das Dorf. Außerdem jagen sie einen Deserteur. Und die Amerikaner versuchen ihre Männer zu retten.

Doch Spike Lee ist die Dramatik der Rettungsaktion ziemlich egal. Denn die Bedrohung durch die Deutschen bleibt bis zum Ende abstrakt. Stattdessen scheint das Dorf und die in ihm lebenden Menschen sich in einer Zeitkapsel, die von dem um sie herum tobendem Krieg nichts mitbekommt, zu befinden.

Das erinnert dann teilweise an den ebenfalls in Italien spielenden Blake-Edwards-Film „What did you do in the War, Daddy?“ (Was hast du denn im Krieg gemacht, Pappi?). In dem Film inszenieren US-Soldaten und die italienischen Dorfbewohner für die außenstehenden deutschen und alliierten Soldaten eine muntere Kriegscharade, während sie es sich gut gehen lassen. Edwards beschritt eindeutig den komödiantischen Weg. Mehr Burleske, als irgendwie ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg.

Bei Spike Lee ist dagegen keine eindeutige Richtung zu erkennen. Es gibt brutale Gefechtsszenen, mehrere Massaker und kaltblütige Morde, herzige Szenen, etliche mehr oder weniger im nichts verlaufende Subplots, das Übernatürliche und das Banale und auch keine Erklärung, was für ihn das titelgebende „Wunder von St. Anna“ ist. Aber vielleicht verstand Spike Lee den Titel auch zutiefst ironisch.

Und natürlich, das dürfte aber nur die Menschen erstaunen, die „25 Stunden“ und „Inside Man“ für repräsentative Spike-Lee-Filme halten, will er auf die bislang ignorierte Rolle der Afroamerikaner in der amerikanischen Geschichte hinweisen. Denn in „Buffalo Soldiers ’44“ sind die Frontsoldaten, entgegen dem gepflegtem Hollywood-Bild, Afroamerikaner.

A Spike Lee Joint“ steht, wieder einmal, im Abspann. Und das ist der Film auch.

Hundertprozentig.

Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna (Miracle at St. Anna, USA/I 2008)

Regie: Spike Lee

Drehbuch: James McBride

LV: James McBride: Miracle at St. Anna, 2003 (Das Wunder von St. Anna)

mit Derek Luke, Michael Ealy, Laz Alonso, Omar Benson Miller, Pierfrancesco Favino, Valentina Cervi, Matteo Sciabordi, John Turturro, Joseph Gordon-Levitt, John Leguizamo, D.B. Sweeney, Robert John Burke, Michael K. Williams, Alexandra Maria Lara, Jan Pohl, Walton Goggins, Christian Berkel, Waldemar Kobus, Oliver Korittke, Kai Meyer, Alexander Beyer

DVD

Bild: 2,35:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DD 5.1, DTS 5.1), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Deleted Scenes, Historisches Essay, Kinotrailer, Wendecover

Länge: 154 Minuten

FSK: ab 16 Jahre


Buchtipp

Spike Lee“, herausgegeben von Gunnar Landsgesell und Andreas Ungerböck, erschien bereits 2006 in der uneingeschränkt lobenswerten „film“-Reihe von Bertz + Fischer und ist immer noch absolut lesenswert.

Also: Kaufbefehl!

Hinweise

Wikipedia über „Buffalo Solders ’44 – Das Wunder von St. Anna“

Los Angeles Times: Spike Lee über den Film

Moviefone: Interview mit Spike Lee über den Film

 

 

 


TV-Tipp für den 21. Februar: Invasion der Amateure

Februar 21, 2011

WDR, 00.00

Invasion der Amateure – Die USA und der Wiederaufbau des Irak (USA 2007, R.: Charles Ferguson)

Drehbuch: Charles Ferguson

In seinem Regiedebüt fragt der frühere Berater der US-Regierung und diverser Hightech-Firmen Charles Ferguson, was bei der Invasion und dem Wiederaufbau im Irak schief ging. Wie der Titel schon andeutet: viel. Inkompetenz, Planungsmängel und Naivität hatten, so das wenig überraschende, aber gut untermauerte Fazit der Doku, zu der heutigen Situation im Irak geführt. Beim Sundance Filmfestival gab’s dafür 2007 den Spezialpreis der Jury; für den Oscar und den Preis der Writers Guild of America, um nur die in Deutschland bekanntesten Preise zu nennen, war „No End in Sight“ auch nominiert.

Hinweis

Homepage zum Film


TV-Tipp für den 20. Februar: Tatort: Rendezvous mit dem Tod

Februar 20, 2011

ARD, 20.15

Tatort: Rendezvous mit dem Tod (D 2011, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Meike Hauck, Clemens M. Schönborn

Kommissarin Saalfeld ermittelt in einem Selbstmord ohne Leiche (ein akuter Fall von “zu viel Zeit”). Ihr Kollege Keppler sucht den Mörders eines in einer Badewanne ertrunkenen, gefesselten Mannes.

Zehnter Einsatz des Teams Saalfeld/Keppler, das nach einem verheißungsvollem Beginn schnell auf Ehrlicher-Niveau ankam. Aber mit Buddy Giovinazzo als Regisseur könnte es ein spannender Fall werden.

Bei pulp master ist Buddy Giovinazzos neuester Roman “Piss in den Wind” und eine Wiederveröffentlichung von “Cracktown” in Vorbereitung. Das sind wirklich gute Nachrichten für die Noir-Fans.

mit Simone Thomalla, Martin Wuttke, Franziska Walser, André Hennicke, Nadeshda Brennicke

Wiederholungen: Eins Festival, 21.45 Uhr und 00.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo

Tatort-Fundus über das Team Keppler/Saalfeld


TV-Tipp für den 19. Februar: Zwielicht

Februar 19, 2011

Kabel 1, 22.40

Zwielicht (USA 1996, R.: Gregory Hoblit)

Drehbuch: Steve Shagan, Ann Biderman

LV: William Diehl: Primal Fear, 1993

Staranwalt Vail ist im siebten Himmel: er verteidigt den jungen Messdiener, dem vorgeworfen wird, den Erzbischof von Chicago abgeschlachtet zu haben. Vail will, begleitet von kräftigem Medienrummel, die Unschuld seines Mandanten vor Gericht beweisen.

Wendungsreicher, etwas lang geratener Justiz-Thriller mit guten Leistungen der Darsteller. Vor allem Edward Norton wurde in seinem Spielfilmdebüt für etliche Preise nominiert (unter anderem ein Oscar als bester Nebendarsteller) und er erhielt auch einige, wie den Golden Globe.

Mit Richard Gere, Laura Linney, Edward Norton, Frances McDormand

Hinweise

Washington Post: Nachruf auf William Diehl (29. November 2006)

Wikipedia über „Zwielicht“ (deutsch, englisch)



DVD-Kritik: „Das Experiment“-Regisseur will „Five Minutes of Heaven“

Februar 18, 2011

Das Experiment“ war großes Kino.

Mein letzter Film“ war ein Einpersonenstück mit Hannelore Elsner.

Der Untergang“ war noch größeres Kino.

Ein ganz gewöhnlicher Jude“ war ein Einpersonenstück mit Ben Becker.

Invasion“ war als großes Hollywood-Kino mit Weltstars geplant und wurde ein Flop.

Five Minutes of Heaven“ ist wieder ein kleiner Film. Nach dem Trailer ein Zweipersonenstück mit Liam Neeson und James Nesbitt.

Und sein nächster Film ist wieder großes Theater. Denn nach „Five Minutes of Heaven“ inszenierte Oliver Hirschbiegel die hier noch nicht gezeigte, sechsteilige TV-Serie „Borgia“. Das dürfte wieder pralles Historienkino mit großen Schauwerten sein.

Die Schauwerte in „Five Minutes of Heaven“ sind vor allem in dem Spiel der beiden Hauptdarsteller Liam Neeson und dem bei uns eher unbekanntem James Nesbitt, dessen bekanntester Auftritt immer noch der des nordirischen Politikers, Bürgerrechtlers und Demonstrationsführers Ivan Cooper in Paul Greengrass‘ semidokumentarischem Spielfilm „Bloody Sunday“ sein dürfte. In dem Film ging es um den blutigen Sonntag am 30. Januar 1972 in der nordirischen Stadt Derry. Das britische Militär schoss auf eine friedliche Demonstration. 14 Demonstranten starben. Anschließend radikalisierte sich die Situation in Nordirland.

Five Minutes of Heaven“ beginnt im Februar 1975 in Nordirland, als ein siebzehnjähriges Mitglied der Ulster Volunteer Force (UVF) einen katholischen Handwerker erschießt. Einen Jungen, der ihn dabei beobachtet, lässt er leben. Der Zeuge ist der Bruder des Ermordeten.

Fast 35 Jahre später soll es zu einer vom Fernsehen inszenierten Begegnung zwischen dem Mörder Alistair Little (Liam Neeson) und dem damaligem Zeugen Joe Griffin (James Nesbitt) kommen. Der Sender plant eine große Versöhnungsshow. Aber Little trägt selbst schwer an seiner Tat und Griffin will vor allem seine titelgebenden „Fünf Minuten Himmel“ indem er Little tötet.

Zu dieser Begegnung kommt es aber zunächst nicht. Denn Little und Griffin erzählen in getrennten Handlungssträngen über den Mord und welche Folgen er für sie hatte.

Es geht um Schuld, Sühne und Vergebung. Dabei verweigert der Film letztendlich die offensichtlichen Antworten und demaskiert bereits in den ersten Minuten die große Versöhnungsshow im TV als banal-falsche Inszenierung. Das TV attestiert sich selbst, immerhin ist „Five Minutes of Heaven“ ein TV-Film, die Unmöglichkeit einer medialen Versöhnung. Die geht, so die Botschaft des Films, nur individuell.

Es geht natürlich auch um die Nachwirkungen des Bürgerkriegs in Nordirland und es geht auch um den Weg in den Terrorismus. Denn Little erzählt vor laufender TV-Kamera, wie er zum Mörder wurde und was getan werden kann, um andere Jugendliche von diesem Weg in den Terrorismus abzuhalten. In diesen Momenten geht es auch um den aktuellen islamistischen Terrorismus.

Gerade in diesen Monologen wirkt der Film dann wie ein Theaterstück. Das kann an seiner Herkunft liegen. „Five Minutes of Heaven“ ist eine TV-Produktion mit teilweise arg pathetischen und theaterhaften Monologen. So schütten Little und Griffin den verschiedenen TV-Leuten und Psychologen ihr Herz aus.

Aber dank der guten Besetzung und Hirschbiegels Regie entstehen immer wieder Bilder, die auch für die große Leinwand geeignet sind. Auch die ständigen Flashbacks und die Verknüpfung von Bildern und Voice-Overs verlangen einen aufmerksamen Zuschauer. In diesen Momenten zeigt sich wieder, dass in England die TV-Macher es als ihre Aufgabe ansehen, die Zuschauer auch intellektuell zu fordern und gleichzeitig auf hohem Niveau zu unterhalten. Denn „Five Minutes of Heaven“ weigert sich konsequent, einfache Antworten zu geben. Stattdessen wird man zum Denken aufgefordert.

Die DVD

Das Bonusmaterial ist mit den interessanten Interviews (in denen wir auch einiges über die wahren Hintergründe des Films und Alistair Little und Joe Griffin erfahren) und dem Making-of, das eigentlich eine B-Roll ist, sehr überschaubar. Da hätte man für den deutschen Markt schon noch einige Informationen über den Nordirlandkonflikt dazupacken können.

Five Minutes of Heaven (Five Minutes of Heaven, GB 2009)

Regie: Oliver Hirschbiegel

Drehbuch: Guy Hibbert

mit Liam Neeson, James Nesbitt, Barry McEvoy, Anamaria Marinca

DVD

Koch-Media

Bild: 1,85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 5.1, DTS 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Interviews mit Liam Neeson, James Nesbitt, Oliver Hirschbiegel, Guy Hibbert und Eoin O’Callaghan (Produzent), Trailer (deutsch, englisch)

Länge: 86 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Five Minutes of Heaven“

Wikipedia über „Five Minutes of Heaven“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 18. Februar: Im Schatten der Blutrache

Februar 18, 2011

Arte, 23.25

Im Schatten der Blutrache (D 2007, R.: Jana Matthes, Andrea Schramm)

Drehbuch: Jana Matthes, Andrea Schramm

Spielfilmlange Doku über eine Blutrache in Deutschland unter zwei kurdischen Familien. Alles beginnt damit, dass die mehrfache Mutter Gülnaz ihren gewalttätigen Ehemann nach 22 Ehejahren verlässt. Sie will die Scheidung. Er will seine Ehre wiederherstellen.

Im Schatten der Blutrache“ gibt „bedrückende Einblicke in Lebensrealitäten mitten in Deutschland (…) Über zwei Jahre haben die Autorinnen die Familie von Gülnaz in langen Einstellungen mit der Kamera begleitet und die Blutfehde unter zwei kurdischen Familien protokolliert. Entstanden ist das Porträt einer Welt, die archaische Werte reproduziert und Abweichungen gnadenlos bestraft.“ (Rainer Braun: Tödliches Ehrgefühl in Berliner Zeitung, 17. Juni 2007)

Auf beklemmende Weise schildert er das Aufeinanderprallen zweier Kulturen.“ (Lexikon des internationalen Films)

Wiederholung: Dienstag, 22. Februar, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Jana Matthes und Andrea Schramm

Arte über „Im Schateen der Blutrache“

Wikipedia über „Im Schatten der Blutrache“



Ein Mädel auf Mörderjagd

Februar 17, 2011

Ja früher ließen sich die Autoren immer unglaublich viel Zeit, bevor sie mit ihrer Geschichte anfingen. Nicht wie heute, wo, streng nach Schreibratgeber, bereits der erste Satz den Leser packen muss. Zum Beispiel dieser Romananfang:

Heutzutage glaubt kein Mensch mehr, dass ein vierzehnjähriges Mädchen mitten im Winter sein Elternhaus verlassen könnte, um den Mord an seinem Vater zu rächen; aber damals erschien das nicht so seltsam – wenn ich auch sagen muss, dass es sicher nicht alle Tage vorkam. Ich war gerade vierzehn, als ein Feigling namens Tom Chaney meinen Vater unten in Fort Smith, Arkansas, über den Haufen schoss und ihm sein Leben, sein Pferd, 150 Dollar sowie zwei kalifornische Goldstücke raubte, die er im Hosenbund trug.

Und das kam so:

Das sind die ersten Zeilen von Charles Portis‘ Western „True Grit“, der jetzt dank der Coen-Brüder, die den Roman verfilmten, wiederveröffentlicht wurde. Auf den folgenden zweihundert Seiten erzählt Mattie Ross ein halbes Jahrhundert später von dieser Jagd. Denn in Fort Smith muss sie schnell feststellen, dass für die dortigen Gesetzeshüter die Verfolgung von Tom Chaney nicht an erster Stelle steht. Chaney ist nur einer von vielen flüchtigen Verbrechern. Also fragt sie nach dem besten Marshal und trifft auf Rooster Cogburn. Der ist Marshal, zäh, furchtlos, und ein versoffenes Schlachtross, das Verbrecher während der Verhaftung gerne erschießt. Gerade der letzte Punkt gefällt der rachedurstigen Mattie. Sie engagiert ihn. Später schließt sich ihnen Texas-Ranger LaBoeuf an. Er jagt Chaney, weil dieser den Hund eines Senators erschossen hat und der Senator ein hohes Kopfgeld auf den Hundemörder aussetzte. Mattie will Chaney allerdings nicht LaBoeuf überlassen. Denn Chaney soll nicht für einen Hund, sondern für den Mord an ihrem Vater am Galgen baumeln.

Chaney ist in das Indianerterritorium geflüchtet und hat sich der skrupellosen Bande von Lucky Ned Pepper angeschlossen. Mattie, Cogburn und LaBoeuf nehmen die Verfolgung auf. Dabei muss Mattie sich zuerst den Respekt der beiden Männer erarbeiten. Denn die wollen Chaney ohne ein Kind als lästige Begleitung jagen.

Die geradlinige Geschichte gewinnt durch die Stimme der Erzählerin Mattie. Die vierzehnjährige Mattie ist zwar willensstark, aber auch entsetzlich vorlaut, rechthaberisch und altklug. Und einige ihrer Ansichten sind heute nicht mehr P. C.. Damals, als 1968 der Roman erschien, waren sie es wahrscheinlich auch nicht. Aber Charles Portis lässt die Geschichte ja um 1878 spielt und erst Jahrzehnte später von der älteren, unverheirateten Presbyterianerin und Bankerin Mattie erzählen. So sagt sie über eine Gruppe von Häftlingen: „Es waren meistens Weiße, aber ein paar Indianer, Mischlinge und Neger waren auch darunter. Es war ein schrecklicher Anblick, man darf jedoch nicht vergessen, dass diese Bestien in Ketten Räuber und Mörder und Fälscher waren, dass sie Züge zum Entgleisen gebracht und in Bigamie gelebt hatten – Abschaum der Menschheit.“

Gerade dieser unverstellte Blick in die Vergangenheit, in der Charles Portis nicht über seine Charaktere urteilt, trägt dazu bei, dass sich „True Grit“ wie ein historisches Dokument liest. Und sicher auch deshalb wurde Mattie Ross öfters mit Huckleberry Finn verglichen. Nur schrieb Mark Twain seine Geschichten einige Jahrzehnte vor Charles Portis.

Ach, und „True Grit“ kann mit wahrer Mumm oder echte Tapferkeit übersetzt werden. In dieser Hinsicht war der alte deutsche Titel „Die mutige Mattie“ absolut gelungen. Der neue Titel „True Grit“ ist dagegen der Hollywood-Manie geschuldet, Filme überall mit dem Originaltitel zu starten, auch wenn ihn niemand versteht und sich deshalb nichts darunter vorstellen kann.

Charles Portis: True Grit

(Überarbeitete Neuausgabe)

(übersetzt von Richard K. Flesch)

rororo, 2011

224 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Die mutige Mattie

Rowohlt Verlag, 1969

Originalausgabe

True Grit

Simon & Schuster, New York, 1968

Verfilmungen

Der Marshal (True Grit, USA 1969)

Regie: Henry Hathaway

Drehbuch: Marguerite Roberts

mit John Wayne, Kim Darby, Glen Campbell, Jeremy Slate, Jeff Corey, Robert Duvall, Dennis Hopper, Strother Martin


True Grit (True Grit, USA 2010)

Regie: Joel Coen, Ethan Coen

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

mit Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin, Barry Pepper

Hinweise

Wikipedia über Charles Portis (deutsch, englisch) und „True Grit

New York Times über Charles Portis (19. Dezember 2010)

Amerikanische Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Deutsche Homepage zu „True Grit“ (Coen-Version)

Film-Zeit über „True Grit“ (Coen-Version)

Drehbuch „True Grit“ von Joel und Ethan Coen


TV-Tipp für den 17. Februar: A. C. Stephen

Februar 17, 2011

Arte, 21.55

A. C. Stephen (Deutschland/Bulgarien 2010, R.: Jordan Todorov)

Einstündige Doku über den Regisseur A. C. Stephen, der in den 60er Jahren in den USA als König der Schmuddelfilmer galt. Sein bekanntester Film ist „Orgy of the Dead“, für das ein gewisser Ed Wood das Drehbuch schrieb.

Jordan Todorov lässt Zeitzeugen von A. C. Stephen zu Wort kommen. Unter anderen berichten seine Kinder, seine Witwe, Schauspieler aus seinen Filmen und Weggefährten aus Hollywoods B-Movie-Milieu. Ihre Erzählungen lassen zusammen mit Sequenzen aus A. C. Stephens schauerlich-schönem Gesamtwerk das unterhaltsame und erhellende Bild einer ungemein schrägen Epoche der filmischen Popkultur entstehen, deren Einflüsse bis ins heutige populäre Kino nachwirken. Regisseure wie Paul Verhoeven („Showgirls“), Robert Rodríguez („Planet Terror“) und Quentin Tarantino („Death Proof“) haben ihre Liebe zum Trash öffentlich erklärt und filmisch umgesetzt, so dass zahlreiche Elemente, die ursprünglich dem Sexploitation-Genre eigen waren, heutzutage als selbstverständliche Stilmittel angesehen werden. (Arte)

Wiederholung: Samstag, 26. Februar, 05.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über A. C. Stephen

Turner Classic Movies über A. C. Stephen


Die Glauser-Nominierungen 2011

Februar 16, 2011

Jetzt hat das Syndikat, die Vereinigung deutschsprachiger Krimiautoren, in der Königskategorie Romane die Shortlist (basierend auf der Longlist und schneller als erwartet) und die Nominierungen in den anderen Kategorien veröffentlicht:

Bester Roman

Frank Göhre – Der Auserwählte, Pendragon

Paulus Hochgatterer – Das Matratzenhaus, Deuticke

Bernhard Jaumann – Die Stunde des Schakals, Rowohlt

Kurt Palm – Bad Fucking, Residenz

Klaus Stickelbroeck – Fischfutter, KBV

Bestes Debüt

Johanna Alba und Jan Chorin -Halleluja, rororo

Petra Busch – Schweig still, mein Kind, Knaur

Lukas Erler – Ölspur, Kein & Aber

Rita Falk – Winterkartoffelknödel, dtv

Tanja Griesel – Rothard, Hoffmann und Campe

Bester Kurzkrimi

Zoe Beck – Rapunzel (in: “Märchenmörder”, Kölnisch-Preußische Lektoratsanstalt)

Anne Chaplet – Countdown in Selm (in: “Mord am Hellweg V”, Grafit)

Anke Laufer – Die Abweichung (in: “Wie fühlt es sich an ein Tier zu sein”, Swiridoff)

Judith Merchant- Annette schreibt eine Ballade (in: “Mörderisches Münsterland”, KBV)

Sybille Zimmermann – Kleiner Tod (in: “Die lange Tote vom Münsterplatz”, Wellhöfer)

Hansjörg-Martin-Preis 2011 (Kinder- und Jugendkrimi)

Anja Fröhlich – Benni, ich und der Fall Tuckermann , Klopp

Agnes Hammer – Dorfbeben, script5

Irma Krauss – Glücksgift, cbt

Silke Lambeck – Die wilde Farm, Bloomsbury

Ursula Poznanski – Erebos, Loewe

Friedrich-Glauser-Ehrenpreis 2011

Dr. Jürgen Alberts

Die Verleihung ist auf der Criminale (4. bis 8. Mai).

Tja, nun, auch wenn ich die meisten Werke nicht kenne: einen herzlichen Glückwunsch an alle Nominierten.

 


TV-Tipp für den 16. Februar: Sophie Scholl – Die letzten Tage

Februar 16, 2011

RBB, 23.15

Sophie Scholl – Die letzten Tage (D 2005, R.: Marc Rothemund)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Das sei Schulfernsehen, sagte Breinersdorfer, als Rothemund ihm vorschlug die letzten Tage der Geschwister Scholl zu verfilmen. Dann vertiefte er sich in die Protokolle der Verhöre und schrieb das Drehbuch zu einem von Kritikern, Kollegen und Publikum hochgelobten Film. Über eine Million sahen „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ in den deutschen Kinos.

Mit Julia Jentsch, Alexander Held, Fabian Hinrichs, Jörg Hube

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Wikipedia über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Bundeszentrale für politische Bildung über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ (Filmheft, undsoweiter)

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)


Cover der Woche

Februar 15, 2011

Und hier der Trailer zur „Verfilmung“ (denn genaugenommen ist „Das zehnte Opfer“ der Roman zum Film von Elio Petri, der auf einer Kurzgeschichte von Robert Sheckley basiert)


Die diesjährigen Barry-Nominierungen

Februar 15, 2011

Die Nominierungen für den Barry Award 2010, vergeben von den Lesern des Krimimagazins Deadly Pleasures Mystery Magazine sind draußen:

Best Novel

Nowhere to Run, von C.J. Box (Putnam)

Crooked Letter, Crooked Letter, von Tom Franklin (Morrow)

The Lock Artist, von Steve Hamilton (Minotaur)

Moonlight Mile, von Dennis Lehane (Morrow)

Bury Your Dead, von Louise Penny (Minotaur)

Savages, von Don Winslow (Simon & Schuster)

Best First Novel

Gutshot Straight, von Lou Berney (Morrow)

Rogue Island, von Bruce DeSilva (Forge)

The Poacher’s Son, von Paul Doiron (Minotaur)

The Sherlockian, von Graham Moore (Twelve)

The Holy Thief, von William Ryan (Minotaur)

Once a Spy, von Keith Thomson (Doubleday)

Best British Novel

Started Early, Took My Dog, von Kate Atkinson (Doubleday)

Blood Harvest, von S.J. Bolton (Bantam Press)

The Whisperers, von John Connolly (Hodder & Stoughton)

The Woodcutter, von Reginald Hill (HarperCollins)

Three Seconds, von Anders Roslund and Börge Hellström (Quercus)

Fourth Day, von Zoë Sharp (Allison & Busvon)

Best Paperback Original

The Hanging Tree, von Bryan Gruley (Touchstone)

The Dead Lie Down, von Sophie Hannah (Penguin)

Eggsecutive Orders, von Julie Hyzy (Berkley)

Fever at the Bone, von Val McDermid (Harper)

The Rhetoric of Death, von Judith Rock (Berkley)

A Small Death in the Great Glen, von A.D. Scott (Atria)

Best Thriller

13 Hours, von Deon Meyer (Grove Atlantic)

American Assassin, von Vince Flynn (Atria)

The Bricklayer, von Noah Boyd (Harper)

Bolt Action, von Charles Charters (Hodder UK)

On Target, von Mark Greaney (Jove)

The Rembrandt Affair, von Daniel Silva (Putnam)

Best Short Story

• “Requiem for Antlers,” von Mitch Alderman (Alfred Hitchcock Mystery Magazine [AHMM], January-February 2010)

• “Family Values,” von Robert Barnard (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM], February 2010)

• “The Body in the Dunes,” von Caroline Benton (EQMM, January 2010)

• “The List,” von Loren D. Estleman (EQMM, May 2010)

• “The Seven Sorrows,” von Terence Faherty (EQMM, March-April 2010)

• “When the Apricots Bloom,” von Ellen Larson (AHMM, July-August 2010)

Ab jetzt darf abgestimmt werden. Die Preisverleihung ist auf der Bouchercon in St. Louis.

 


TV-Tipp für den 15. Februar: Kaufen für die Müllhalde

Februar 15, 2011

Arte, 20.15

Kaufen für die Müllhalde – Die moderne Wegwerfgesellschaft (F 2010, R.: Cosima Dannoritzer)

75-minütige Diskussion mit anschließender 30-minütiger Diskussion (pompös „Themenabend: Die Wegwerfer“ genannt) über die moderne Wegwerfgesellschaft, in der die Industrie Produkte herstellt, bei denen die Reparatur oder Ersatzteile teurer als ein gleichwertiger Neukauf sind. Das ist zwar unökologisch, kurbelt aber das Wirtschaftswachstum an.

Wiederholungen

Freitag, 18. Februar, 10.30 Uhr

Freitag, 25. Februar, 03.25 Uhr (Taggenau!)


Übersetzen? Donald E. Westlake: Get real

Februar 14, 2011

Am 31. Dezember 2008 starb der enorm produktive Krimiautor Donald E. Westlake. In den vergangenen Jahren kehrte er nach einer jahrelangen Pause unter seinem Pseudonym Richard Stark mit den harten Parker-Romanen über einen No-Nonsense-Einbrecher wieder auf den deutschen Buchmarkt zurück.

Westlakes zweiter bei Krimifans sehr beliebter und ähnlich langlebiger Seriencharakter, der in New York lebende Einbrecher John Dortmunder, entstand aus der Parker-Serie. Westlake hatte die Idee, dass Parker einen Gegenstand mehrmals stehlen müsse. Allerdings würde Parker niemals einen Gegenstand mehrmals stehlen und so zum Clown werden.

Also erfand Donald Westlake den glücklosen Einbrecher John Dortmunder und seine Gang, die 1970 in „The hot rock“ (Finger weg von heißem Eis) einen wertvollen Smaragden mehrmals stehlen müssen. Das Buch wurde von Peter Yates mit Robert Redford und George Segal in den Hauptrollen verfilmt. Westlake schrieb in den kommenden Jahren dreizehn weitere brüllend komische Dortmunder-Romane, von denen etliche verfilmt und wenige übersetzt wurden, und die Kurzgeschichten-Sammlung „Thieves‘ Dozen“.

In dem vierzehntem und letztem Dortmunder-Roman, der in den USA ein halbes Jahr nach Westlakes Tod erschien, will der Reality-TV-Macher Doug Fairkeep mit John Dortmunder und seiner gut eingespielten Gang eine Reality-Show über einen echten Einbruch machen.

Natürlich sagen Dortmunder und die anderen, auch wegen des in Aussicht gestellten Geldes, nach einer kurzen Bedenkzeit, zu. Sie haben zwar noch keine Ahnung, wie sie für den Einbruch nicht ins Gefängnis wandern sollen, aber als sie in dem Lagerhaus, in dem das Filmatelier ist, eine gut gesicherte Tür entdecken, wissen sie, dass sie hier einen lohnenswerten Einbruch begehen können. Und aus der Show können sie ja jederzeit aussteigen. Jedenfalls war das am Anfang der Plan.

Get real“ ist, wie alle Dortmunder-Romane, ein genialer Comic-Crime-Roman mit treffenden Pointen, trockenen Dialogen, genauen Betrachtungen zur Gesellschaft und menschlichen Psyche und einer sich rasant entwickelnden Geschichte, in der Fiktion und Realität und Reality, denn für das Reality-TV wird die Wirklichkeit in Unterhaltung umgeformt, aufeinandertreffen.

Dieses Mal hinterlässt die Lektüre, die, wie immer bei Donald Westlake, glänzende Unterhaltung ist, ein zwiespältiges Gefühl. Denn es ist

schade, dass „Get real“ der letzte Dortmunder-Roman ist, aber es

schön, dass Donald E. Westlake ihm und sich einen so guten Abgang verschaffte.

Donald E. Westlake: Get real

Grand Central Publishing, 2009

288 Seiten

17,99 Euro (Hardcover Grand Central)

6,99 (Taschenbuch Grand Central)

9,99 (Taschenbuch Quercus)

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


TV-Tipp für den 14. Februar: Hellboy

Februar 14, 2011

Kabel 1, 20.15

Hellboy (USA 2004, Guillermo del Toro)

Drehbuch: Guillermo del Toro (nach einer Geschichte von Guillermo del Toro und Peter Briggs

LV: Mike Mignola: Hellboy

Hellboy, ein zum Guten erzogener Dämon, verkloppt im Auftrag einer geheimen FBI-Einheit Dämonen. Jetzt kämpft er gegen den untoten Mönch Rasputin und den SS-Mann Kroenen, die ihr vor sechzig Jahren unterbrochenes Werk vollenden wollen.

Guillermo del Toro könnte ein Bruder von Robert Rodriguez sein. Auch seine Filme sehen teurer aus als sie sind und auch er liebt die Popkultur.

„Hellboy“ ist eine der wenigen gelungenen Comicverfilmungen. Kein Wunder. Schließlich hat hier ein Fan einen Film für andere Fans (alle mit einem kindischen Gemüt) gemacht.

Mit Ron Perlman, John Hurt, Selma Blair, Rupert Evans

Wiederholung: Dienstag, 15. Februar, 00.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Hellboy-Comic-Seite (oder Mike Mignolas Hellboy-Seite)

Amerikanische Hellboy-Film-Seite

Deutsche Hellboy-Film-Seite

Wikipedia über „Hellboy“ (deutsch, englisch)