Tipps von Billy Wilder für Autoren

April 2, 2012

Das ist schon etwas älter, aber einfach zu gut, um es nicht zu posten. In Cameron Crowes „Conversations with Wilder“ sind auch die Tipps von Billy Wilder zum Erzählen von guten Geschichten abgedruckt:

  1. The audience is fickle.
  2. Grab ‘em by the throat and never let ‘em go.
  3. Develop a clean line of action for your leading character.
  4. Know where you’re going.
  5. The more subtle and elegant you are in hiding your plot points, the better you are as a writer.
  6. If you have a problem with the third act, the real problem is in the first act.
  7. A tip from Lubitsch: Let the audience add up two plus two. They’ll love you forever.
  8. In doing voice-overs, be careful not to describe what the audience already sees. Add to what they’re seeing.
  9. The event that occurs at the second act curtain triggers the end of the movie.
  10. The third act must build, build, build in tempo and action until the last event, and then –
  11. – that’s it. Don’t hang around.

Tja, ausdrucken, gut sichtbar an die Wand heften und sich dran halten – oder einen sehr guten Grund haben, um diese Tipps nicht zu befolgen.

(dank an The Uncool)

 


Wieder erhältlich: „From Hell“ von Alan Moore und Eddie Campbell

April 2, 2012

Allein vom Umfang, immerhin liegen die über sechshundert Seiten schwer in der Hand, ist „From Hell“ von Autor Alan Moore und Zeichner Eddie Campbell imposant. Denn „From Hell“ ist nicht einfach eine Sammlung von Comics à la „Alle Tarzan-Comics in einem Band“, sondern ein eigenständiges, in sich abgeschlossenes Werk, das historisch mehr als gesättigt, die Geschichte von Jack the Ripper, wie seine Taten auf die arme Bevölkerung in Whitechapel wirken, wie er von Inspector Frederick Abberline gejagt wird, wer Jack the Ripper ist und weshalb bestimmte Kreise alles tun, um dessen Täterschaft zu verschleiern, erzählt.

Denn bevor und während Alan Moore „From Hell“ schrieb, recherchierte er viel über das viktorianische England und den heute immer noch legendären Frauenmörder. Dabei brachte Jack the Ripper 1888 nur vier oder fünf Prostituierte um und wenn man sich daran erinnert, wie hoch damals Prostituierte in der Gesellschaft angesehen waren (Naja, heute eigentlich immer noch. Oder erinnern sie sich an lustige Abendgesellschaften, bei denen freimütig gesagt wird, man gehe oder sei selbst eine Prostituierte?), ist die Bekanntheit von Jack the Ripper, vor allem im Vergleich zu anderen Serienmördern, erstaunlich. Eine Erklärung ist sicher, dass sogar spekuliert wurde, dass Jack the Ripper mindestens enge Beziehungen zum Königshauses hatte, der Täter nie enttarnt wurde und dass die Taten einen großen Medienrummel entfachten.

In der jetzt von Cross Cult veröffentlichten Ausgabe von „From Hell“ sind auch die Anmerkungen von Alan Moore zu einzelnen Panels, Seiten, Szenen und Heften (selbstverständlich erschien „From Hell“ zunächst im klassischen Heftformat) enthalten. Auf 56 dreispaltig bedruckten Seiten zählt Moore fast schon korinthenkackerisch seine Rechercheergebnisse auf.

Aber wen interessiert das?

Denn wenn ich eine historische Abhandlung lesen will, schnappe ich mir ein Lexikon oder ein Sachbuch. Bei einem Comic will ich in erster Linie unterhalten werden und gerade auf dieser Ebene enttäuscht „From Hell“.

Denn anstatt sich auf einen Hauptplot zu konzentrieren, springt die Geschichte zwischen mehreren Erzählsträngen und Zeitebenen hin und her. Es wird nie wirklich deutlich, wohin das alles führen soll; vor allem weil die Identität von Jack the Ripper ziemlich früh enthüllt wird. Stattdessen wird sich auf die Bemühungen von Gull konzentriert, der im Namen des Königshauses die Täterschaft verhüllen soll. Mit der Zeit entsteht ein weitgehend statisches Sittenbild, in dem London der Spielplatz für eine riesige Verschwörung und okkultes Treiben ist. Aber ohne eine Geschichte, die eben dieses Sittenbild mit erzählerischem Leben erfüllt, ist es ein weitgehend ermüdend zu lesendes Aneinanderreihen von Episoden.

Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Eddie Campbell steigern die Verwirrung über die verschiedenen Erzählstränge und ihren Zusammenhang eher noch. Denn sie sind zeichnerisch zu wenig differenziert und teilweise sehen sich Charaktere zu ähnlich.

Trotz zahlreicher Preise, wie dem „Prix de la critique“ und mehrere Eisner-Awards, und Lobeshymnen in verschiedenen Zeitungen und bei den Fans, bleibt am Ende von „From Hell“ nur der Respekt für die Recherche übrig. Denn im Gegensatz zu „Watchmen“, wo Alan Moore ähnlich viel Zeit darauf verwandt, eine alternative Welt zu zeichnen, bleibt „From Hell“ immer im engen Korsett der historischen Fakten stecken.

2001 wurde „From Hell“ von den Hughes Brothers mit Johnny Depp, Heather Graham, Robbie Coltrane und Ian Holm verfilmt. Alan Moore gefiel die Verfilmung nicht. Dabei wusste er damals noch nicht, dass es mit „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ noch viel schlimmer kommen würde. Spätestens seitdem lästert Moore nur noch über die Verfilmungen, verzichtet auf eine Namensnennung und lehnt auch – ungewöhnlich konsequent – das Geld ab.

Alan Moore (Autor)/Eddie Campbell (Zeichnungen): From Hell

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Cross Cult, 2011

604 Seiten

49,80 Euro

Deutsche Erstausgabe dieser Ausgabe

Cross Cult, 2008

Originalausgabe/überarbeitete Gesamtausgabe

From Hell

Eddie Campbell Comics, 1999

Hinweise

Comic Book Database über Alan Moore

Alan-Moore-Fanseite (etwas veraltet)

Blog von Eddie Campbell

Wikipedia über „From Hell“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alan Moore/Dave Gibbons’ „Watchmen“




TV-Tipp für den 2. April: Zerrissene Umarmungen

April 2, 2012

Eins Festival, 20.15

Zerrissene Umarmungen (Spanien 2009, R.: Pedro Almodovar)

Drehbuch: Pedro Almodovar

Die Erinnerungen eines erblindeten Drehbuchautoren an eine nicht fertig gestellte Komödie, seine große Liebe und einen für sie tödlichen Autounfall dienen Almodovar als Ausgangspunkt für einen Film im Film im Film – und wir Zuschauer sind nie verwirrt, sondern verzaubert, wenn flugs und zitatreich die Zeitebenen und Genres gewechselt werden.

Für das „Lexikon des internationalen Films“ gehört „Zerrissene Umarmungen“ „zum Anrührendsten und Schönsten, was das europäische Kino aktuell zu bieten hat“.

mit Penélope Cruz, Lluís Homar, Blanca Portillo, José Luis Gómez, Rubén Ochandiano, Tamar Novas

Wiederholungen

Dienstag, 3. April, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Samstag, 7. April, 20.15 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Zerrissene Umarmungen“

Rotten Tomatoes über „Zerrissene Umarmungen“

Wikipedia über „Zerrissene Umarmungen“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „Zerrisse Umarmungen“


TV-Tipp für den 1. April: Die Nacht

April 1, 2012

ZDF Kultur, 23.00

Die Nacht (I/F 1960, R.: Michelangelo Antonioni)

Drehbuch: Michelangelo Antonioni, Ennio Flaiano, Tonino Guerra

La Notte beschreibt, wie Lidia und Giovanni Pontano in dieser Zeit [gemeint ist ein Sommewochenende in Mailand, A. d. V.] verschieden intensiv und bewusst erfahren, dass sie sich nicht mehr oder vielleicht in anderer Weise lieben als zuvor. Partikel ihrer langen Geschichte tragen sie nur mit Gesten, Blicken und Bemerkungen in den Film hinein; es sind Zeichen von Enttäuschung, für Differenzen oder Borniertheit. Eine Kette von Episoden gibt Raum für die Kontrastierung ihrer Wahrnehmungsweisen und emotionalen Anteilnahme. Ihre Begegnungen mit anderen Menschen beschreiben ambivalent die äußere Ablenkung von der Krise, aber zugleich deren innere Eskalation in einer verhaltenen Spiralbewegung. (…)

Diese Beobachtungen beschreiben Antionionis Mittel, paradox zu erzählen und einen Zustand der Agonie in Bewegung zu zeigen: den Fluss der Bilder gegen die Dedramatisierung von Sprache und Sprechsituationen zu setzen. (…)

La Notte erzählt eine Liebesgeschichte an ihrem Ende.“ (Claudia Lenssen in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte, Hrsg: Michelangelo Antonioni – Hanser Reihe Film 31, 1984)

Spätestens mit seiner Trilogie „Die mit der Liebe spielen“ (L’Avventura), „Die Nacht“ (La Notte) und „Liebe 1962“ (L’Eclisse) über das Leben von jungen Paaren im Nachkriegseuropa und dem Ende ihrer Beziehung hatte Antonioni den Durchbruch beim intellektuellen Kinopublikum (heute würde es Arthaus-Publikum heißen), das genug vom „Förster im Silberwald“ und „Bettgeflüster“ hatte. Und es gab die in Europa im Filmgeschäft die kreativen Talente, die diese Bedürfnisse abseits konventioneller Muster befriedigen wollten. Zur Erinnerung: in Frankreich gab’s die „Neue Welle“, in England die „Spülstein-Filme“, in Deutschland den „Neuen deutschen Film“ und die anderen Länder, auch jenseits des eisernen Vorhangs, lieferten eine nie gekannte Zahl bahnbrechender Werke von höchst individuellen Regisseuren.

Mit Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau, Monica Vitti, Bernhard Wicki

Wiederholung: Montag, 2. April, 04.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte zum Film

Wikipedia über „Die Nacht“