TV-Tipp für den 4. Mai: Minority Report

Mai 4, 2012

Pro 7, 20.15

Minority Report (USA 2002, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Scott Frank, Jon Cohen

LV: Philip K. Dick: The Minority Report, 1956 (erstmals erschienen in Fantastic Universe, Januar 1956, Der Minderheiten-Bericht, Kurzgeschichte)

Schöne neue Welt: 2054 werden in Washington, D. C., Verbrecher bereits vor der Tat, aufgrund der Prognose von Precogs, verhaftet. Ein perfektes System, bis die Precogs sagen, dass der Polizist John Anderton bald einen Mann, den er überhaupt nicht kennt, umbringen wird. Anderton glaubt nicht an die Prognose. Er flüchtet und versucht herauszufinden, warum er zum Mörder werden soll.

Guter, etwas zu lang geratener Science-Fiction-Thriller, der für den Bram-Stoker-, Nebula- und Hugo-Preis nominiert war und den Saturn-Preis erhielt.

mit Tom Cruise, Colin Farrell, Samantha Morton, Max von Sydow, Lois Smith, Peter Stormare

Wiederholung: Samstag, 5. Mai, 01.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Minority Report“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Minority Report“

Homepage von Philip K. Dick

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” (Indiana Jones and the kingdom of the skull, USA 2008)

Meine Besprechung von Steven Spielbergs “Gefährten” (War Horse, USA 2011)

Steven Spielberg in der Kriminalakte


Die KrimiZeit-Bestenliste Mai 2012

Mai 3, 2012

In ihrer Mai-Bestenliste wünschen die KrimiZeit-Kritiker diesen Werken viele Leser:

1 (4) Fred Vargas: Die Nacht des Zorns

2 (2) Oliver Harris: London Killing

3 (3) Oliver Bottini: Der kalte Traum

4 (1) Donald Ray Pollock: Das Handwerk des Teufels

5 (-) Matthew Stokoe: High Life

6 (8) Bernhard Jaumann: Steinland

7 (-) Don Winslow: Die Sprache des Feuers

8 (-) John Hart: Das eiserne Haus

9 (6) Andrea Maria Schenkel: Finsterau

10 (-) Carol O’Connell: Tödliche Geschenke

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

 


Neu im Kino/Filmkritik: „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ ist 50/50

Mai 3, 2012

Gerade als der 27-jährige Adam Lerner (Joseph Gordon-Levitt) glaubt, dass sein Leben richtig beginnt, erfährt er, dass er Krebs hat. Er kann es nicht fassen. Denn er ist der fleischgewordene Biedermann. Selbstverständlich ist er Nichtraucher und beim Joggen bleibt er brav an einer roten Ampel stehen. Auch wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Aber Krebs kann jeden treffen. Sein Kumpel Kyle (Seth Rogen), der auf den ersten Blick sein vergnügungssüchtiger Antagonist ist, dessen Leben aus Saufen, Sex und pubertären Witzen besteht, tröstet ihn, dass eine Heilungschance von „50/50“ doch gar nicht so schlecht sei und auch später wird er immer mehr, ohne ein Wort darüber zu verlieren, zu seinem treuen Begleiter. Er ist ein echter Freund und Seth Rogen spielt ihn angenehm zurückhaltend.

Auch Adams dominante Mutter (Anjelica Huston) offenbart vor allem am Filmende neue Seiten. Adams Leidensgefährten, die er während der Chemotherapie kennen lernt (Philip Baker Hall, Matt Frewer), sind doppelt so alt, aber geteiltes Leid ist vielleicht nicht halbes Leid, aber die Haschkekse machen es etwas erträglicher. Und dann ist da noch Adams Therapeutin (Anna Kendrick), die noch in der Ausbildung steckt, sichtlich von ihrem gleichaltrigen Patienten überfordert ist und wie sich die Beziehung zwischen ihr und Adam entwickelt, können wir uns, vor allem nachdem Adam sich von seiner Freundin trennt, denken.

Drehbuchautor Will Reiser, der selbst Krebs hatte, und Regisseur Jonathan Levine („All the Boys love Mandy Lane“) gehen das ernste Thema mit einer ordentlichen Portion Humor und entsprechend unsentimental an. „50/50 – Freunde fürs (Über)leben“ umschifft so gekonnt die offensichtlichen Fallen der Geschichte, die leicht zu einer tränenreichen Schmonzette hätte werden können. Aber über die Krankheit, wie sie behandelt wird und was sie für einen bedeutet, erfährt man auch ziemlich wenig, weil in dem Film der Krebs schnell zur austauschbaren Probe für den Protagonisten, die ihn zum Mann machen soll, wird. Mit einer 50/50-Chance ist die Probe allerdings gar nicht so schwer. In dem letzte Woche im Kino angelaufenen französischen Spielfilm „Das Leben gehört uns“ müssen die jungen Eltern von dem keine zwei Jahre altem Adam erfahren, dass ihr Kind Krebs und keine reelle Überlebenschance hat. Und während Valérie Donzelli in ihrer kraftvollen Ode an das Leben spürbar macht, wie die Krebsbehandlung und das Leben in Krankenhäusern plötzlich das gesamte Leben der jungen Eltern bestimmt, schrecken Reiser und Levine genau davor zurück.

50/50“ ist halt nur gut gespieltes und gut gemachtes Independent-Kino über einen jungen Mann, der erwachsen wird und eine neue Freundin findet.

Vielleicht sollten wir Europäer ein Remake von „50/50“ machen…

50/50 – Freunde fürs (Über)leben (50/50, USA 2011)

Regie: Jonathan Levine

Drehbuch: Will Reiser

mit Joseph Gordon-Levitt, Seth Rogen, Anna Kendrick, Bryce Dallas Howard, Anjelica Huston, Matt Frewer, Philip Baker Hall

Länge: 100 Minuten

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „50/50“

Rotten Tomatoes über „50/50“

Wikipedia über „50/50“ (deutsch, englisch)

Zeit Online: Interview mit Will Reiser zum Film

 


Neu im Kino/FIlmkritik: Die gut besetzte Enttäuschung „The Cold Light of Day“

Mai 3, 2012

Mit „The Cold Light of Day“ gibt Mabrouk El Mechri sein Hollywood-Debüt.

Das ist ungefähr das erfreulichste, was über den neuen Film des Regisseurs von „JCVD“ gesagt werden kann. Während er in „JCVD“ mit Jean-Claude van Damme nur einen Star hatte, der sich selbst spielte und Mabrouk El Mechri so aus einem eher durchschnittlichen Banküberfall-Thriller eine intelligent-böse Meditation über das Startum und die Verbindungen von Schein und Sein machte, hat er in „The Cold Light of Day“ mit Bruce Willis, Sigourney Weaver und Henry Cavill (früher Charles Brandon in „Die Tudors“ , demnächst Superman/Clark Kent in „Man of Steel“) gleich mehrere bekannte Namen an Bord.

Dafür wurde dann auf ein intelligentes Drehbuch verzichtet. Um nicht falsch verstanden zu werden: verglichen mit infantilen Gurken wie „Battleship“ oder „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ hat „The Cold Light of Day“ ein fein ziseliertes Drehbuch. Aber verglichen mit Agententhrillern wie den „Bourne“-Filmen oder den actionlastigen Politthrillern der siebziger Jahre oder auch Arthur Penns Gene-Hackman-Matt-Dillon-Pappa-ist-Geheimagent-Vehikel „Target“ ist „The Cold Light of Day“ ein liebloses Malen nach Zahlen, in dem Will Shaw (Henry Cavill) beim Spanienurlaub feststellen muss, dass sein Vater (Bruce Willis) CIA-Agent ist, in irgendeiner sehr tiefen Scheiße steckt, bei der es um einen Koffer geht, den alle haben wollen (Zum Glück kein USB-Stick) und kaum beginnt sein Vater ihm die Sache zu erklären, wird er aus dem Hinterhalt erschossen. Wills Restfamilie wurde inzwischen entführt und er muss jetzt das tun, was ein Mann in dieser Situation eben tun muss. Dass er dabei als Normalo verdammt sportlich ist und über ein beachtliches Improvisationstalent verfügt – geschenkt. Das ist in diesen Filmen eben so. Dass Carrack (Sigourney Weaver im schießwütigen Bad-Ass-Modus) als Bösewicht Probleme gerne auch mit wüsten Ballereien auf offenen Plätzen erledigt – ebenso.

Immerhin hat sie ihren Spaß dabei. Dass das eine idiotische Art ist, mit Personalproblemen umzugehen; – geschenkt.

Aber auch dann hat „The Cold Light of Day“ mit krassen Logiklöchern und Absurditäten zu kämpfen, die einem den Spaß an diesem touristischen Action-Thriller vergällen, der von der ersten bis zur letzten Minute wie die Kopie von vielen anderen, ungleich besseren Filmen wirkt.

Der groß angekündigte Auftritt von Bruce Willis beschränkt sich auf die ersten Minuten des Films. Danach wird er aus dem Hinterhalt erschossen und, das mag jetzt etwas schockierend sein, er ist wirklich tot. Ja, er taucht im Finale nicht als rettender Engel auf. Insofern ist „The Cold Light of Day“ ein weiterer Film in Bruce Willis‘ umfangreicher Filmographie, in dem er sich mit einer kleinen Rolle begnügt, um etwas auszuprobieren oder, was hier wahrscheinlich der Fall war, um mit Mabrouk El Mechri zusammen zu arbeiten.

The Cold Light of Day (The Cold Light of Day, USA 2011)

Regie: Mabrouk El Mechri

Drehbuch: Scott Wiper, John Petro

mit Henry Cavill, Verónica Echegui, Bruce Willis, Sigourney Weaver, Joseph Mawle, Caroline Goodall, Roschdy Zem, Colm Meaney

Länge: 94 Minuten

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Cold Light of Day“

Rotten Tomatoes über „The Cold Light of Day“

Wikipedia über „The Cold Light of Day“


TV-Tipp für den 3. Mai: Nachtschicht: Ich habe Angst

Mai 3, 2012

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Ich habe Angst (D 2008, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Auch in ihrer fünften Nacht gibt es für den Hamburger Kriminaldauerdienst viel zu tun. Bei einer Razzia entwischt ihnen der Kopf der Fälscherbande. Eine Lehrerin meldet sich anonym beim KDD und zeigt eine Kindesmisshandlung an. Ein Mann wird erstochen.

Zufälle über Zufälle – aber von Lars Becker schlüssig, pointiert und gewohnt unterhaltsam als Porträt einer Nacht zusammengefügt.

Mit Armin Rohde, Minh-Khai Phan-Thi, Ken Duken, Barbara Auer, Pierre Semmler, Ulrike Krumbiegel, Matthias Brandt

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Ein Blick in die Vergangenheit von Garth Ennis: „Hellblazer“ und „The Punisher“

Mai 2, 2012

Wer sich nach der Lektüre von „Jennifer Blood: Selbst ist die Frau“ fragt, woher dieser Garth Ennis kommt, kann einen Blick in seine ersten „Hellblazer“-Geschichten und seine „The Punisher“-Geschichten werfen.

1991 übernahm der damals Zwanzigjährige die von Alan Moore erfundene Serie „Hellblazer“. Im Mittelpunkt steht John Constantine, ein Dämonenjäger, starker Trinker und Raucher. In seiner ersten, aus sechs Heften bestehenden „Hellblazer“-Geschichte „Gefährliche Laster“ (die jetzt zusammen mit zwei weiteren Geschichten im ersten Band der „Hellblazer“-Garth-Ennis-Collection erschien) lässt Ennis John Constantine dann sterben.

Nun, gut. Nicht ganz. Aber er muss sich mit seiner eigenen Sterblichkeit beschäftigen. Denn er hat Lungenkrebs im Endstadium. Eine Operation bringt nichts und auch die ganze Zauberei hilft nicht dagegen.

In der zweiten Geschichte, die als „Der Pub, in dem ich geboren wurde“ und „Liebe tötet“ erschien, wird’s nostalgisch. Denn in seiner alten Stammkneipe erinnert Constantine sich mit seiner Freundin Kit an die in dem Pub verbrachten Stunden. Als kurz darauf Spekulanten den Pub abfackeln, stirbt auch die Besitzerin. Aber ihr Geist und der Geist ihres bereits früher verstorbenen Mannes wollen Rache.

Da ist die am Heiligabend spielende Weihnachtsgeschichte „Lord of the Dance“ eine nette Entspannung.

Gerade in der sechsteiligen Geschichte „Gefährliche Laster“ behandelt Garth Ennis erstaunlich erwachsen die Frage des eigenen Todes. Immerhin war er damals in einem Alter, in dem man normalerweise nicht an den eigenen Tod denkt. Aber so gelang ihm auch ein ungewöhnlicher Beginn seiner „Hellblazer“-Ära.

Bei den Zeichnungen von William Simpson, Mike Hoffman und Steve Dillon fällt auf, wie sehr sich der Zeichenstil für Comics in den vergangenen zwanzig Jahren änderte.

In dem achten Band der „Garth Ennis Collection“ von „The Punisher“ sind zwei eher ungewöhnliche „Punisher“-Geschichten enthalten. Denn in „Barracuda“ und „Mann aus Stein“ kämpft Frank Castle, der sich als gnadenloser Bekämpfer des Verbrechens „The Punisher“ nennt und auf dessen Konto unzählige tote Verbrecher gehen, gegen für ihn ungewöhnliche Verbrecher.

In „Barracuda“ ist sein Gegner nicht ein Drogenhändler oder Menschenschmuggler, sondern ein honoriger Unternehmer, der seine Aktionäre mit zwar legalen, aber unmoralischen Geschäften bereichert. Denn er manipuliert skrupellos den Strommarkt in Florida.

Neben den Kapitalisten kann der „Punisher“ Frank Castle sich im sonnigen Florida mit Barracuda, einem Muskelprotz, der keinen Schmerz empfindet, kloppen. Allerdings stehen die beiden Erzählstränge etwas unverbunden nebeneinander und die „Punisher“-Methode, erst mal alle Bösewichter zu töten, stößt hier an seine Grenzen.

In „Mann aus Stein“ geht es dann nach Afghanistan und die Geschichte erinnert eher an den Einsatz eines Spezialkommandos der Armee in feindlichem Gelände.

Sein Gegner ist ein hochrangiger Offizier der russischen Armee, der als Soldat über Leichen geht und ein wahrer Schlächter ist. Aber halt in Uniform.

Barracuda“ und „Mann aus Stein“ sind zwei gute, jeweils sechsteilige Geschichten, die gekonnt mit der „Punisher“-Formel spielen und auch das für „Punisher“-Fans nötige Level an Gewalt haben.

Garth Ennis/Will Simpson/Steve Dillon: Hellblazer – Gefährliche Laster (Garth-Ennis-Collection Band 1)

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini 2012

236 Seiten

29,95 Euro

Originalausgabe/enthält

Gefährliche Laster, Teil 1: Der Anfang vom Ende (Dangerous Habits, Part One: The Beginning of the End, Hellblazer 41, Mai 1991)

Gefährliche Laster, Teil 2: Ein Tropfen harter Stoff (Dangerous Habits, Part Two: A drop of the hard stuff, Hellblazer 42, Juni 1991)

Gefährliche Laster, Teil 3: Einflussreiche Freunde (Dangerous Habits, Part Three: Friends in High Places, Hellblazer 43, Juli 1991)

Gefährliche Laster, Teil 4: Mein Weg (Dangerous Habits, Part Four: My Way, Hellblazer 44, August 1991)

Gefährliche Laster, Teil 5: Der Trick (Dangerous Habits, Part Five: The Sting, Hellblazer 45, September 1991)

Gefährliche Laster, Teil 6: Ab in die Hölle (Dangerous Habits, Part Six: Falling into Hell, Hellblazer 46, Oktober 1991)

Der Pub, in dem ich geboren wurde (The Pub where I was born, Hellblazer 47, November 1991)

Liebe tötet (Love kills, Hellblazer 48, Dezember 1991)

Lord of the Dance (Lord of the Dance, Hellblazer 49, Januar 1992)

Garth Ennis/Goran Parlov/Leandro Fernandez: The Punisher – Garth-Ennis-Collection 8

(übersetzt von Uwe Anton)

Panini, 2011

284 Seiten

24,95 Euro (Softcover)

39,00 Euro (Hardcover)

Originalausgabe/enthält

Barracuda, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 31 – 36), Mai – Oktober 2006

Man of Stone, Part 1 – 6 (Punisher [MAX] 37 – 42), November 2006 – April 2007

Hinweise

Wikipedia über Garth Ennis (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner) „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ (Up is Down and Black is White, The Slavers, 2005/2006)

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Adriano Batista/Marcos Marz/Kewber Baal (Zeichner) „Jennifer Blood – Selbst ist die Frau (Band 1)“ (Garth Ennis’ Jennifer Blood: A Woman’s Work is Never Done, 2012)


„Nemesis“ oder ein Superschurke will in Washington, D. C., spielen

Mai 2, 2012

Nemesis ist ein Superschurke, der bislang in Asien wütete, indem er Attentate auf Polizisten ankündigte, sie dann möglichst spektakulär umbrachte und dabei auch etliche Unschuldige ermordete.

Jetzt will er in Washington, D. C., eine alte Rechnung begleichen, indem er den Polizeichef Blake Morrow umbringt. Unter Morrows Führung sank die Kriminalitätsrate in Washington um sechzig Prozent, er gilt als künftiger Leiter des Heimatschutzministeriums, ist ein glücklich verheirateter Vater und Katholik.

Nemesis ist dagegen das schwarze Schaf der stinkreichen Familie Anderson. Er macht Morrow für den Tod seines Vaters verantwortlich und er ist erst dann zufrieden, wenn er eine gehörige Portion Chaos verbreitet. Seine erste Aktion in Washington ist die Entführung des Präsidenten.

Was wäre, wenn Batman der Joker wäre?“ fragte ein Teaser, der 2009 die Neugierde auf den neuen Comic von Autor Mark Millar, dessen Comics „Wanted“ und „Kick-Ass“ verfilmt wurden, wecken sollte und selbstverständlich ist das eine gute Frage, die eine Erwartung schürt, die dann von „Nemesis“ nicht eingehalten wird. Denn anstatt in der Geschichte Gut und Böse zu vertauschen, wie Jimmie Robinson es sehr erfolgreich mit „Bomb Queen“ tut, oder zu fragen, was von der geistigen Gesundheit von Superhelden und Superschurken (beide oft erkennbar an ihrer Kleidung) zu halten ist, wird in „Nemesis“ doch ein weitgehend bekannter Kampf zwischen einem bösen Schurken und einem ehrenwerten Polizisten, der gut als moralisch sauberer Held der Geschichte funktioniert, abgespult.

Aber dank der Kürze von „Nemesis“ und der wirklich überraschenden Auflösung ist die Geschichte dann doch gelungen als sarkastischer Thriller. Dabei ist Millars Schlusspointe noch gemeiner als die Prämisse von John Woos „Harte Ziele“ (Hard Target, USA 1993). Allerdings macht sie, wenn man darüber nachdenkt, noch weniger Sinn.

Mark Millar (Autor)/Steve McNiven (Zeichner): Nemesis

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini 2012

108 Seiten

14,95 Euro(Softcover)

39,00 Euro (auf 222 Exemplare limitiertes Hardcover)

Originalausgabe

Nemesis, Vol 1 – 4

Mai 2010/August 2010/November 2010/Februar 2011

Hinweise

Homepage von Mark Millar

Wikipedia über Mark Millar (deutsch, englisch)

Homepage von Steve McNiven


TV-Tipp für den 2. Mai: Der große Coup/Die schwarze Windmühle

Mai 2, 2012

Eine kleine Don-Siegel-Nacht

HR, 23.15

Der große Coup (USA 1973, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Dean Riesner, Howard Rodman

LV: John Reese: The Looters, 1968 (später wegen des Films “Charley Varrick”)

Zufällig klaut Charley Varrick bei einem Überfall auf eine Provinzbank eine dreiviertel Million Dollar. Dummerweise gehört das Geld der Mafia – und die versteht keinen Spaß.

Herrlich amoralischer Gangsterfilm, bei dem ein Einzelner einen scheinbar hoffnungslosen Kampf gegen eine große, skrupellose Organisation aufnimmt.

„In diesem besten von Siegels späten Filmen wird nicht nur mit dem Genre gespielt, bis ein Westernmuster in einem Mafiafilm aufscheint, sondern sein Drehbuch ist auch derart ausgefeilt, dass es seine Wahrheit erst im letzten Moment offenbart.“ (Kevin Gough-Yates, in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)

John Reese schrieb in erster Linie Western.

Mit Walter Matthau, Joe Don Baker, John Vernon, Felicia Farr, Don Siegel (als Tischtennisspieler)

Hinweise

Wikipedia über „Der große Coup“ (deutsch, englisch)

HR, 01.00

Die schwarze Windmühle (GB 1974, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Leigh Vance

LV: Clive Egleton: Seven days to a killing, 1973

Der Sohn des britischen Geheimagenten Tarrant wird entführt. Tarrants Vorgesetzten scheinen kein Interesse an einer Befreiung zu haben. Also kämpft Tarrant allein um das Leben seines Sohnes.

Ein Spätwerk von Don Siegel: ein harter, eiskalter Agententhriller, der seine Story konzentriert und ohne Mätzchen geradlinig erzählt.

„‘The black Windmill’ ist kein bedeutendes Werk in Siegel Karriere, aber etwas, das es heute kaum noch gibt: ein mit Konzentration und Originalität erzählter Genrefilm.“ (Marcus Stiglegger in Frank Arnold/Michael Esser, Hrsg.: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme, 2003)

Mit Michael Caine, Donald Pleasence, John Vernon, Delphine Seyrig

Hinweise

Wikipedia über Clive Egleton und über „Die schwarze Windmühle“ (deutsch, englisch)

Fantastic Fiction über Clive Egleton

Meine Besprechung von Don Siegels „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964 – Ronald Reagans letzter Film)

Meine Besprechung von Don Siegels „Der letzte Scharfschütze“ (The Shootist, USA 1976 – John Waynes letzter Film)

Kriminalakte über Don Siegel


Cover der Woche

Mai 1, 2012


Die Edgar-Preisträger 2012

Mai 1, 2012

Die Mystery Writers of America haben die diesjährigen Edgar-Preise an folgende Krimis verliehen:

Best Novel

Gone, von Mo Hayder (Grove/Atlantic)

Best First Novel by an American Author

Bent Road, von Lori Roy (Dutton)

Best Paperback Original

The Company Man, von Robert Jackson Bennett (Orbit)

Best Fact Crime

Destiny of the Republic: A Tale of Madness, Medicine, and the Murder of a President, von Candice Millard (Doubleday)

Best Critical/Biographical

On Conan Doyle: Or, the Whole Art of Storytelling, von Michael Dirda (Princeton University Press)

Best Short Story

The Man Who Took His Hat Off to the Driver of the Train, von Peter Turnbull (Ellery Queen Mystery Magazine [EQMM])

 

Best Juvenile

Icefall, von Matthew J. Kirby (Scholastic Press)

Best Young Adult

The Silence of Murder, von Dandi Daley Mackall (Knopf Young Readers)

Best Play

The Game’s Afoot, von Ken Ludwig (Cleveland Playhouse, Cleveland, Ohio)

Best Television Episode Teleplay

Pilot,” Homeland, Drehbuch von Alex Gansa, Howard Gordon und Gideon Raff (Showtime)

Robert L. Fish Memorial Award

A Good Man of Business, von David Ingram (EQMM)

Grand Master

Martha Grimes

Raven Awards

M is for Mystery Bookstore, San Mateo, California

Molly Weston, Meritorious Mysteries

Ellery Queen Award

Joe Meyers, Connecticut Post/Hearst Media News Group

The Simon & Schuster-Mary Higgins Clark Award

Learning to Swim, by Sara J. Henry (Crown)

Die Liste mit den Nominierungen finden Sie hier.


TV-Tipp für den 1. Mai: Inglourious Basterds

Mai 1, 2012

RTL, 22.25

Inglourious Basterds (USA/D 2009, R.: Quentin Tarantino [Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth])

Drehbuch: Quentin Tarantino (deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

Frankreich, 1944: Aldo Raine und seine Spezialeinheit sind zum Nazi-Skalpieren nach Europa gekommen. Die Jüdin Shosanna will den SS-Mann Hans Landa (Oscar für Christoph Waltz), der ihre Familie umbrachte, töten. In Paris, in einem Kino, treffen sie sich.

Ein feiner Kriegsfilm, den man unbedingt in der Originalfassung, in der meisterlich zwischen den verschiedenen Sprachen gewechselt wird, ansehen sollte. Außerdem wird auch im Original die meiste Zeit deutsch gesprochen.

RTL wird aber wahrscheinlich die deutsche Synchronisation bringen.

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

Wiederholung: Mittwoch, 2. Mai, 03.25 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz “Inglourious Basterds” (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)

Meine Besprechung von Georg Seeßlens „Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über ‚Inglourious Basterds’“ (Kleine Schriften zum Film: 1, 2009)

 Quentin Tarantino in der Kriminalakte