Kurzkritik: Matti Rönkä: Zeit des Verrats

Viktor Kärppä ist zurück und, wie seine vorherigen vier Abenteuer, unterscheidet sich „Zeit des Verrats“ angenehm vom tiefsinnig-trüben skandinavischen Krimi-Mainstream-Einerlei mit depressiven Ermittlern und erhöhtem Alkoholgenuss.

Obwohl auch in „Zeit des Verrats“ ordentlich gebechert wird. Viktor Kärppä, den wir in „Der Grenzgänger“ als Privatdetektiv mit farbiger Vergangenheit, militärischer Spezialausbildung, daher guten Sowjet-Geheimdienstkontakten, viel zu guten Beziehungen in das kriminelle Milieu diesseits und jenseits des nicht mehr existierenden Eisernen Vorhangs und entsprechenden kriminellen Verwicklungen, kennen lernten, ist jetzt endgültig zum Bauunternehmer geworden.

Während eines feucht-fröhlichen Abends wenige Kilometer hinter der russischen Grenze, mit Saunabesuch und Geschäftsangeboten von Typen, mit denen er nichts zu tun haben will, wozu auch ein wenig vertrauenswürdiger Militärkamerad gehört, deponieren sie in seinem Auto vier Metallröhrchen.

Als er in seiner Garage sein Auto durchsucht, entdeckt Kärppä die Röhrchen eher zufällig. Er hat keine Ahnung, was sie enthalten. Aber er vermutet, immerhin gehörten die Russen, mit denen er den Saunaabend verbrachte, in das Halbweltmilieu zwischen Mafia, Geheimdienst und Weißer-Kragen-Kriminalität, und die finnische Polizei beobachtet ihn, dass es etwas mit dem demnächst anstehenden Besuch des russischen Präsidenten zu tun hat und er gar nicht so genau wissen will, was drin ist.

Während Kärppä versucht mit heiler Haut aus der Sache rauszukommen, will er auch seinen Schnitt machen.

Matti Rönkä erzählt auch seinen neuesten Viktor-Kärppä-Krimi im lakonischen Hardboiled-Stil. Seine Charaktere sind angenehm verkommen und herrlich frei von jeglichem Weltschmerz. Die Story gewinnt dem altbekannten Ein-Mann-verhindert-einen-Anschlag-auf-den-Präsidenten-Plot etliche neue Facetten ab. Denn obwohl Kärppä den Anschlag verhindert, falls überhaupt ein Anschlag geplant war, geht es in „Zeit des Verrats“ viel mehr um Freundschaft, Verrat, Intrige, Gegenintrige und wer wen am Ende besser aufs Kreuz legen kann.

Matti Rönkä: Zeit des Verrats

(übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara)

Lübbe, 2012

272 Seiten

14,99 Euro

Originalausgabe

Tuliaiset Moskovasta

Gummerus Kustannus Oy, 2009

Hinweise

Wikipedia über Matti Rönkä

Deutschlandradio: Alexander Budde über Matti Rönkä (19. April 2010)

Krimi-Couch: Jochen König interviewt Matti Rönkä (Februar 2011)

Meine Besprechung von Matti Rönkas „Der Grenzgänger“

Meine Besprechung von Matti Rönkäs „Bruderland“

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