Eine „geführte Meditation“ sei ihr Film „Samsara“, sagen Regisseur Ron Fricke und Produzent Mark Magidson. „Samsara“ ist das Sanskrit-Wort für das unaufhörlich drehende Rad des Lebens, den Kreislauf des Entstehens und Vergehens, der in hundert Filmminuten visualisiert wird.
Zu einer Meditation gehören, jedenfalls bei einem Kinofilm, Musik und Bilder. Die Musik ist von Ambient-Musiker Michael Stearns, „Dead Can Dance“-Sängerin Lisa Gerrard und Marcello De Francisci. Die Bilder wurden in den letzten fünf Jahren rund um den Globus aufgenommen und sie sind, auf der großen Leinwand, ziemlich atemberaubend.
Fricke und Magidson waren in 25 Ländern. Indien, Japan, Türkei, China, Myanmar, Äthiopien, Frankreich, USA und Brasilien standen auf ihre Reiseliste und dort besuchten sie auch abgelegene und entsprechend selten bis nie abgefilmte Orte.
Sie beobachteten die Natur. Sie filmten alte, neue und auch zerstörte Gebäude. Sie filmten Menschen, bevorzugt in der Masse, beim Sport und Tanz und Soldaten beim Paradieren. Sie werfen einen Blick in eine Schlachterei und in eine Massentierhaltung. Es gibt die Performance eines Künstlers, der sich mit Lehm beschmiert. Es werden Schusswaffen gezeigt, die sich auch in den Händen von Afrikanern befinden.
Sie zeigen diese Bilder mal in Zeitlupe, öfters aber im Zeitraffer.
Mit der Musik entwickelt sich dann ein eigener Rhythmus, bei dem vor allem die ästhetische Komponente zählt. Letztendlich haben das Elend in Afrika, die Akkordarbeit in Fabriken und die giftigen Dämpfe einer Schwefelmine in Indonesien nur noch eine fotogene Funktion, bei der sich, in ihrer Wirkung, die Bilder von einem Slumviertel nicht mehr von den nächtlichen Bildern einer Metropole unterscheiden.
Denn die Gegenüberstellung vom Leben der buddhistischen Mönche, die im Einklang mit der Natur leben, und dem entseelten Leben im Westen, sich blindwütig-monoton bewegenden Menschenmassen, Akkordarbeitern in Schlachtereien und vom Kapitalismus zerstörten Gegenden ist doch arg plakativ und letztendlich ohne größeren Erkenntnisgewinn.
Allerdings sind diese wortlosen, nicht-narrativen Experimentalfilme – Fricke war auch in „Koyaanisqatsi“, „Chronos“ und „Baraka“ involviert – im Kino nichts für mich. Denn ich sehe sie nicht als Kinofilme, sondern als Musikvideos oder Kunstinstallationen in einem Museum oder auch, ganz respektlos, als Bildteppich in einer Kneipe und auf dieser rein ästhetischen Ebene ist „Samsara“ durchaus gelungen.
Samsara (Samsara, USA 2011)
Regie: Ron Fricke
Drehbuch: Ron Fricke
Länge: 100 Minuten
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Hinweise
Amerikanische Homepage zum Film

Ich hatte mir vor kurzem erst Baraka angesehen und war tief beeindruckt von der Schönheit der Bilder und der Art und Weise wie das Genre des Dokumentarfilms erforscht wurden. Was mir persönlich allerdings gefehlt hat, war der Bezug zu zeitgenössischer Lebensart (wie z.B. hier zu sehen). Um ganz genau zu sein: ein positiver Bezug zur heutigen Welt. Ich hatte eher den Eindruck einer, dass ein sehr negativer Blick auf die heutige Zeit geworfen wurde. Das führte in meinen Augen zu einer Verklärung traditioneller Lebensweisen. Ähnliche Tendenzen sehe ich ich beim obigen Film auch wieder. All das ändert natürlich nichts daran, dass wunderschöne Bilder gezeigt werden und das Musik, Schnitt, Licht etc. einen Rausch erzeugen, dem ich mich schwer entziehen kann 🙂