Kaum kehrt der verlorene Sohn, verfolgt von einem skrupellosen Kopfgeldjäger, zurück in die alte Heimat und versöhnt sich wieder mit seinem Vater, wird dieser in der Poststation von einigen Strauchdieben erschossen. John Mason will jetzt die Mörder seines Vaters finden. Dummerweise ist der Bruder seiner wieder entflammten Jugendliebe der Anführer der Banditen und der würde alles tun, um die hochverschuldete, von den Eltern geerbte Ranch zu retten.
Aus dieser zünftigen Ausgangslage machen Regisseur Terry Miles und die Drehbuchautoren Joseph Nasser und Evan Jacobs allerdings nur ein belangloses, von A bis Z vorhersehbares Westernabenteuer, das man sich an einem verregneten Sonntagnachmittag wegen der Hauptdarsteller ansehen kann. Donald Sutherland als Kopfgeldjäger hat einige markante Auftritte, die er allein mit seiner Präsenz trägt. „Crossing Jordan“ Jill Hennessy als schlagkräftige Ranchbesitzerin ist ein Augenschmaus, aber in „Small Town Murder Songs“ überzeugte sie auch als Schauspielerin. Christian Slater als John Mason bleibt dagegen erstaunlich blass und er ist vollkommen deplatziert; was etwas erstaunlich ist, weil er seine Karriere mit „Im Namen der Rose“ und „Robin Hood – König der Diebe“ im Mittelalter begann, sich quer durch die Genres und Jahrhunderte spielte und oft der einzige Grund war, sich den Film anzusehen. In „Dawn Rider“ ist er fast der Grund, sich den Film nicht anzusehen.
Und das wären schon die Gründe, sich diesen mit einem arg überschaubaren Budget inszenierten Western anzusehen, der nie die Weite des Wilden Westens, sondern eher die Ärmlichkeit der Poverty Row atmet.
Ach ja, „Dawn Rider“ ist ein Remake. Die Geschichte wurde erstmals 1931 als „Galloping Thru“ verfilmt. Der Western gilt als verschollen. Die letzte Verfilmung war 1938 als „Western Trails“. Aber die bekannteste Verfilmung ist von 1935. Denn da spielte John Wayne die Hauptrolle. „Dawn Rider“ hieß der für Lone Star Western in fünf Tagen gedrehte Western, in dem die Dialoge nur die Verschnaufpause für die Pferde waren und eine zünftige Schlägerei Freundschaften festigte und beendete. In Deutschland wurde der Film nie gezeigt, aber in der Reihe „Western von Gestern“ wäre er gut aufgehoben gewesen.
Das kann von der 2012er Version der Geschichte nicht gesagt werden. Denn jetzt wird deutlich mehr gesprochen und geküsst, als geschlagen, geritten und geschossen. Obwohl auch in Terry Miles‘ „Dawn Rider“ etliche Männer sterben.
Dawn Rider (Dawn Rider, USA 2012)
Regie: Terry Miles
Drehbuch: Joseph Nasser, Evan Jacobs
mit Christian Slater, Donald Sutherland, Jill Hennessy, Lochlyn Munro, Ben Cotton
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DVD
Bild: 1,78:1 (16:9)
Ton Deutsch (Dolby Digital 5.1, DTS 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Trailer (deutsch, englisch)
Länge: 96 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Rotten Tomatoes über „Dawn Rider“
Vans Cine Blog über „Dawn Rider“
Dust on Movies über „Dawn Rider“
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Bonusfilm
John Wayne in „Dawn Rider“ (USA 1935, Regie: Robert N. Bradbury) in sehr bescheidener Bild- und Tonqualität
Auch im Internet Archive gibt es das Werk.
