Neu im Kino/Filmkritik: „Das Leben gehört uns“ feiert das Leben

April 26, 2012

basierend auf einer wahren Geschichte“ wurde in den letzten Jahren zu der inflationären Floskel bei Spielfilmen, um der Geschichte einen Hauch von Glaubwürdigkeit zu geben; auch wenn die wahre Geschichte anders war.

Auch der französische Spielfilm „Das Leben gehört uns“ basiert auf einer wahren Geschichte. Nämlich der Geschichte von einem jungen Ehepaar und ihrem Kind, dem mit 18 Monaten Krebs diagnostiziert wurde. Die Ärzte räumen dem Kind sehr geringe Überlebenschancen ein.

Selbstverständlich hoffen die Eltern, das ihr Kind überlebt und sie begeben sich, von einem Krankenhaus zum nächsten, auf eine Odyssee durch das Gesundheitssystem.

So weit, so konventionell.

Aber „Das Leben gehört uns“ wurde von Valérie Donzelli inszeniert, die auch das Drehbuch schrieb und die Hauptrolle spielt, und sie erzählt, basierend auf ihren Tagebüchern, die Geschichte ihres Sohnes Gabriel, der im Film Adam heißt und sich heute kerngesund ist. Ihr Ehemann und Gabriels Vater Jérémie Elkaïm schrieb ebenfalls am Drehbuch mit und übernahm die Rolle des oft als überfordert und so ziemlich verantwortungslos erscheinendem Filmvater.

Sie zeichnen in ihrem Film ein ziemlich ungeschminktes Porträt einer jungen Familie, die den Kampf gegen den Krebs und um ihr Kind aufnimmt. Denn plötzlich müssen sie ihr gesamtes Leben umstellen. Anstatt zu arbeiten und Karriere zu machen, sitzen sie in Krankenhäusern.

In gewisser Weise ist dieser Film autobiographisch, weil Jérémie und ich ein Kind haben, das schwer krank wurde. Die Fakten liegen sehr nah an dem, was wir durchgemacht haben, dennoch erzählt der Film nicht unsere Geschichte“, sagt Valérie Donzelli im Presseheft.

Ihr Mann Jérémie Elkaïm ergänzt: „Dass wir uns dann in dieses Projekt gestürzt haben, lag daran, dass unser Sohn im wirklichen Leben geheilt wurde. Wir dachten, dass wir etwas Wundervolles mit den Zuschauern teilen können. Der Gedanke, dass wir das Böse loswerden, um etwas Gutes zu teilen, machte das Projekt verlockend. Der Wunsch, über das Kino eine ideale Version des Lebens zu vermitteln, ist etwas, das Valérie und mich sehr stark verbindet.“

Der teils mit Laien gedrehte Film ist auch eine Danksagung an das staatliche Gesundheitssystem und den Sozialstaat. Denn einerseits – und zu Recht – vertrauen Juliette und Roméo (so heißen die Eltern im Film) darauf, dass Adam eine gute und angemessene Behandlung erfährt, andererseits stehen sie deswegen und obwohl sie nicht mehr berufstätig sein können, nicht vor dem finanziellen Ruin.

Und es ist eine kraftvolle Liebeserklärung an das Leben, den Durchhaltewillen und den Glauben einer Familie aneinander und eine großes, unpathetisches Danke-Schön an die Menschen, die sich über viele Jahre in verschiedenen Krankenhäusern um ihren Sohn Gabriel kümmerten und die auch bei den Dreharbeiten mithalfen.

Das alles wird von Donzelli in einer typisch französischen Mischung, mit klug gewählten Stilbrüchen und einem improvisiert-dokumentarischem Touch, präsentiert, die sich selbstbewusst in die Tradition der Nouvelle Vague stellt, die persönliche Geschichten publikumswirksam erzählen wollte. Das gelingt „Das Leben gehört uns“.

Das Leben gehört uns (La Guerre est déclarée, Frankreich 2011)

Regie: Valérie Donzelli

Drehbuch: Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm

mit Valérie Donzelli, Jérémie Elkaïm, César Desseix, Gabriel Elkaïm, Brigitte Sy, Elina Löwensohn, Michèle Moretti, Philippe Laudenbach, Bastien Bouillon, Béatrice De Staël, Anne Le Ny, Frédéric Pierrot, Elisabeth Dion

Länge: 100 Minuten

Hinweise

Französische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Wikipedia über „Das Leben gehört uns“ (englisch, französisch)

Rotten Tomatoes über „Das Leben gehört uns“

Film-Zeit über „Das Leben gehört uns“

Allocine über „Das Leben gehört uns“

 

taz: Interview mit Valérie Donzelli und Jérémie Elkaïm



TV-Tipp für den 26. April: Das Osterman-Weekend

April 26, 2012

ARD, 00.20

Das Osterman-Weekend (USA 1983, R.: Sam Peckinpah)

Drehbuch: Alan Sharp, Ian Masters

LV: Robert Ludlum: The Osterman-Weekend, 1972 (Das Osterman-Wochende)

Der CIA nimmt an, dass die Freunde von Journalist John Tanner KGB-Spione sind. Mit Tanners Hilfe verwanzen sie für ein Wochenende sein ganzes Haus. Ab da geht alles schief. Seine Freunde wollen ihre Geheimnisse schützen, Tanner will die Wahrheit wissen und CIA-Agent Fassett spielt ein ganz eigenes Spiel.

Peckinpahs letzter Film ist ein kühler Spionagethriller, ein Verwirrspiel (deshalb kann der Film immer wieder angesehen werden. Nach einem Jahr haben Sie die konfuse Handlung schon wieder vergessen.) und eine Studie über den Verfall von Freundschaft und Vertrauen. „Das Osterman-Weekend“ ist einer der schwachen Peckinpah-Filme mit einer deprimierenden Aussage.

Ulrich von Berg schrieb in „Sam Peckinpah – Ein Outlaw in Hollywood“ (1987): „The Osterman Weekend ist von der ersten bis zur letzten Einstellung ein monströses Vexierspiel, in dem jeder jeden täuscht und betrügt. Keine der Figuren ist zur Identifikation tauglich, alle sind nichts als abhängige Marionetten….Die Menschen in diesem Film sind flach und eindimensional, keiner von ihnen macht eine innere Entwicklung durch, ihre Handlungsmotive sind ohne Ausnahme von Eigennutz bestimmt (Macht, Rache, Prestige, materielle Vorteile). Peckinpah interessiert sich für keinen einzigen von ihnen besonders – und das ist gut angesichts des abstrusen Drehbuchs – sondern allein für das alles Vertrauen zerfressende und alle zwischenmenschliche Beziehungen infiltrierende Geflecht aus Intrigen und Gegenintrigen. Die Atmosphäre von Hilflosigkeit und Abhängigkeit ist wichtig, nicht die Plausibilität des Plots…In Peckinpahs letztem Film unterliegen sie (die eigenen vier Wände, AdV) der totalen Kontrolle eines offensichtlich wahnsinnigen CIA-Agenten. Die stoischen Einzelgänger, die sich in allen seinen anderen Filmen gegen Reglementierung und Anpassung zur Wehr setzen, gib es hier nicht mehr. Das Bild, das Peckinpah in The Osterman Weekend von Amerika entwarf, ist die konsequente Weiterentwicklung der düsteren Zukunftsvision seiner Western, das Versprechen einer freien Gesellschaft wird als Lüge entlarvt. Ein Arrangement mit dieser Gesellschaft ist den höchst unterschiedlichen Männern in Peckinpahs zeitgenössischen Filmen unmöglich“.

Mit Rutger Hauer, John Hurt, Craig T. Nelson, Dennis Hopper, Burt Lancaster, Chris Sarandon, Meg Fosters, Helen Shaver

Hinweise

Wikipedia über „Das Osterman-Wochenende“ (deutsch, englisch)

Ludlum Books – The Fansite of Robert Ludlum

Meine Besprechung von Mike Siegels „Passion & Poetry: The Ballad of Sam Peckinpah“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs „Gefährten des Todes“

Meine Besprechung von Sam Peckinpahs “Steiner – Das eiserne Kreuz”

Sam Peckinpah in der Kriminalakte


Kurzkritik: „Luke Cage“ im „Marvel Noir“-Universum

April 25, 2012

Luke Cage“ ist der letzte Band der „Marvel Noir“-Reihe, in der bekannte Marvel-Charaktere wie Spider-Man und Iron-Man in einem Noir-Universum eine Noir-Geschichte erlebten und das Experiment gelang überraschend gut.

In der von Mike Benson und Adam Glass erfundenen und von Shawn Martinbrough schön dunkel gezeichneten Geschichte kehrt Luke Cage nach einem längeren Knastaufenthalt zurück nach Harlem. Es sind die frühen dreißiger Jahre und die Prohibition verschafft den Verbrechern ein einträgliches Einkommen. Sein alter Kumpel Willis Stryker, inzwischen der Pate des Bezirks, bietet ihm einen Job an. Aber Luke Cage will ein ehrliches Leben beginnen. Da wird er von dem vermögendem Weißen Randall Banticoff gebeten, herauszufinden, wer seine Frau Daisy ermordete. Cage nimmt den Auftrag an und Krimifans dürften sich jetzt an die tollen Easy-Rawlins-Romane von Walter Mosley erinnern.

Aber Luke Cage ist mehr Mouse Alexander, der psychopathische Freund von Easy Rawlins: ein gewissenloser Gangster, der nicht davor zurückschreckt, Gewalt anzuwenden.

Marvel Noir: Luke Cage“ liest sich wie eine gelungene Mischung auf einem frühen Easy-Rawlins-Krimi und einem Dreißiger-Jahre-Hollywood-Gangsterfilm. Das ist auch ohne Superhelden und Superkräfte ein Heidenspaß und eine spannende Lektüre.

Mike Benson (Autor)/Adam Glass (Autor)/Shawn Martinbrough (Zeichner): Marvel Noir: Luke Cage

(übersetzt von Gerlinde Althoff)

Panini, 2011

108 Seiten

14,95 Euro

Originalausgabe

Luke Cage Noir, Vol. 1 – 4

August – Oktober 2009

 


TV-Tipp für den 25. April: Die Rebellen von Oberhausen

April 25, 2012

Arte, 22.15

Die Rebellen von Oberhausen (D 2012, R.: Jason Pohland)

Drehbuch: Jason Pohland

Gut einstündige Doku über, nun, „Die Rebellen von Oberhausen“; – also die jungen deutschen Regisseure, die vor fünfzig Jahren in Oberhausen das Ende von Papas Kino beschworen, einen neuen, die Wirklichkeit reflektierenden Film machen wollten und das bundesdeutsche Kino der siebziger Jahre prägten.

Hansjürgen Pohland, der auch zu den Unterzeichnern gehört, unterhielt sich jetzt, unter anderem, mit Alexander Kluge, Volker Schlöndorff, Edgar Reitz (der gerade im Hunsrück „Die andere Heimat“ dreht) und Haro Senft über das Manifest und seine Wirkung.

Anschließend läuft Alexander Kluges „Abschied von Gestern“.

Hinweise

Arte über die Doku und das Oberhausener Manifest

Wikipedia über das Oberhausener Manifest

Seite der Internationale Kurzfilmtage Oberhausen über das Oberhausener Manifest


Cover der Woche

April 24, 2012

Und darum geht es, nach der Hollywood-Bearbeitung:


TV-Tipp für den 24. April: Herr der Fliegen

April 24, 2012

ZDFkultur, 22.20

Herr der Fliegen (GB 1963, R.: Peter Brook)

Drehbuch: Peter Brook

LV: William Golding: Lord of the Flies, 1954 (Herr der Fliegen)

Nach einem Flugzeugabsturz versucht eine Gruppe britischer Schuljungen zu überleben. Zuerst halten sie sich an die in der Schule eingeübten Regeln. Doch schnell legen sie die Fesseln der Zivilisation ab.

eine exzellente und intelligente Verfilmung der literarischen Vorlage“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon) deren pessimistische Botschaft für Kontroversen sorgte und sorgt. Brooks selten gezeigte Verfilmung erlebte seine Deutschlandpremiere erst 1971 im ARD und 1983 dann auch im Kino.

William Golding erhielt 1983 den Nobelpreis für Literatur. Sein Debütroman „Herr der Fliegen“ ist inzwischen ein Klassiker.

1990 drehte Harry Hook ein Remake.

mit James Aubrey, Tom Chapin, Hugh Edwards, Roger Elwin, Tom Gaman, David Brunjes, Kent Fletcher

Wiederholung: Mittwoch, 25. April, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Herr der Fliegen“

Screen Online über „Herr der Fliegen“

Peter Brook über „Herr der Fliegen“

Fanseite zum Film


TV-Tipp für den 23. April: Rosemaries Baby

April 23, 2012

Arte, 22.00

Rosemaries Baby (USA 1968, R.: Roman Polanski)

Drehbuch: Roman Polanski

LV: Ira Levin: Rosemary’s Baby, 1967 (Rosemaries Baby)

Die sensible Rosemarie und ihr Mann ziehen in New York in ein Apartment ein, das in einem Haus, in dem seltsame Dinge geschehen sollen, ist. Schnell fragt sie sich, ob an den Gerüchten doch etwas dran ist. Vor allem nachdem sie überraschend schwanger wird. Sie glaubt, dass ihr Kind verhext ist. Aber niemand glaubt ihr.

Ein Horrorfilmklassiker, den ich, als ich ihn als Jugendlicher sah, als ziemlich langweilig empfand – und gerade das ist ein Grund, sich diesen Film noch einmal anzusehen und damit das erste Urteil zu revidieren. Außerdem fand ich Levins Roman, dem Polanski sehr genau folgt, gar nicht so schlecht.

mit Mia Farrow, John Cassavetes, Ruth Gordon, Sidney Blackmer, Ralph Bellamy, Charles Grodin, Elisha Cook jr.

Wiederholung: Mittwoch, 25. April, 00.00 Uhr (Taggenau!)

HInweise

Wikipedia über „Rosemaries Baby“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Roman Polanskis “Der Ghostwriter” (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)

Roman Polanski in der Kriminalakte

Ira Levin in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 22. April: Scoop – Der Knüller

April 22, 2012

ARD, 23.50

Scoop – Der Knüller (GB/USA 2006, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen

Auf Wunsch eines frisch verstorbenen Star-Reporters ermitteln ein Magier (Allen gewohnt panisch) und eine junge Journalistin (Johansson ungewohnt tapsig) in einem Mordfall.

Nach dem hochgelobten Krimi „Matchpoint“ gab es mit „Scoop“ wieder einen typischen Allen-Film bei dem die in seiner damaligen Heimat Großbritannien spielende Krimigeschichte nur der Aufhänger für Witze ist. Danach drehte er in England noch den Krimi „Cassandras Traum“ und ging dann nach Spanien.

mit Scarlett Johansson, Woody Allen, Hugh Jackman, Ian McShane, Anthony Head

Hinweis

Französische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Scoop – Der Knüller“

Homepage von Woody Allen

Deutsche Woody-Allen-Seite

Woody Allen in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 21. April: Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel

April 21, 2012

Pro7, 20.15

Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel (USA 2007, R.: Ben Affleck)

Drehbuch: Ben Affleck, Aaron Stockard

LV: Dennis Lehane: Gone, Baby, Gone, 1998 (Kein Kinderspiel; später, aufgrund des Films „Gone Baby Gone“)

In Boston suchen die Privatdetektive Patrick Kenzie und Angela Gennaro die spurlos verschwundene vierjährige Amanda.

Tolle Verfilmung eines tollen Privatdetektivkrimis. Alles weitere in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Casey Affleck, Michelle Monaghan, Morgan Freeman, Ed Harris, John Ashton, Amy Ryan

Hinweise

Wikipedia über “Gone Baby Gone” (deutsch, englisch)

Homepage von Dennis Lehane

Thrilling Detective über Patrick Kenzie und Angela Gennaro

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Coronado“ (Coronado, 2006)

Meine Besprechung von Dennis Lehanes „Moonlight Mile“ (Moonlight Mile, 2010)

Meine Besprechung von „Gone Baby Gone – Kein Kinderspiel“ (Gone Baby Gone, USA 2007)

Dennis Lehane in der Kriminalakte



DVD-Kritik: Und noch ein guter französischer Krimi: „R. I. F. – Ich werde dich finden!“

April 20, 2012

Auch wenn „R. I. F. – Ich werde dich finden!“ anders als erwartet ist, reiht sich Franck Mancusos Film nahtlos in die Reihe der guten französischen Kriminalfilme ein, die seit einigen Jahren bei uns vor allem als DVD veröffentlicht werden und im TV meist zu publikumsunfreundlichen Zeiten laufen. In Frankreich sind sie dagegen äußerst beliebt. Auch „R. I. F.“ gelang der Sprung in die Kino-Top-10. Dabei ist der düstere Polizeikrimi nicht gerade das typische Kinohitfutter, das sich normalerweise irgendwo zwischen hirnlosen Blockbustern und anspruchslosen Komödien bewegt.

R. I. F.“ ist ein realistisch erzähltes Drama über Stéphane Monnerau (Yvan Attal [Die Schlange, Fluchtpunkt Nizza]), einen Pariser Kriminalpolizisten mit Borderline-Tendenzen. Als er mit seiner Frau Valérie und ihrem sechsjährigem Sohn in Urlaub fährt, haben sie eine Autopanne. Er lässt sie für wenige Minuten an einer Tankstelle zurück. Als er wiederkommt, ist Valérie spurlos verschwunden.

Regisseur Franck Mancuso, der selbst viele Jahre Polizist war, die Drehbücher für die grandiosen Polizeithriller „36 – Tödliche Rivalen“ und „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ schrieb und „Counter Investigation“ auch inszenierte, konzentriert sich in „R. I. F.“ auf die realistische Beschreibung der Arbeit der Polizei bei einem Routinefall. Aus dem genauen Beobachten der Ermittlungsroutine der Polizei, kombiniert mit dem Drama eines Vaters, der sich fragt, warum seine Frau verschwunden ist und der, als Polizist, etwas mehr in die Ermittlungen involviert ist als ein Normalbürger, entwickelt Mancuso eine gehörige Spannung. Anfangs, weil wir uns fragen, warum Valérie spurlos verschwunden ist. Später, wenn Stéphane in Verdacht gerät, das spurlose Verschwinden seiner Frau inszeniert zu haben, weil wir uns fragen, ob er ein falsches Spiel spielt und wir alles bisher Gesehene neu betrachten.

R. I. F.“ ist, gedreht mit einer Handkamera, die immer nah bei den Charakteren ist, in rauen, meist etwas zu dunklen Bildern, ein noirischer Polizeikrimi, wie er in Deutschland höchstens von Dominik Graf gedreht wird und natürlich ist dieser Noir tausendmal besser als das, was uns wöchentlich als „Tatort“ angeboten wird.

Als Bonusmaterial gibt es ein informatives vierzigminütiges „Making of“, das auf dem DVD-Cover nicht erwähnt wird.

R. I. F. – Ich werde dich finden! (R. I. F. [Recherche dans l’Intérêt des Familles], Frankreich 2011)

Regie: Franck Mancuso

Drehbuch: Franck Mancuso, Herve Albertazzi

mit Yvan Attal, Pascal Elbé, Armelle Deutsch, Valentina Cervi, Eric Ruf,

DVD

Atlas Film/Koch Media

Bild: 16:9 (2,35:1)

Ton: Deutsch, Französisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Deutscher und Originaltrailer

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Allocine.fr über den Film

Meine Besprechung von Franck Mancusos „Counter Investigation – Kein Mord bleibt ungesühnt“ (Hey, es ist eine Lawrence-Block-Verfilmung!)

 


TV-Tipp für den 20. April: Die letzte Spur: Verantwortung

April 20, 2012

ZDF, 21.15

Die letzte Spur: Verantwortung (D 2012, R.:Judith Kennel)

Drehbuch: Ortun Ertener

Gutgut, der Pitch war sicher „die deutsche Version von ‚Without a Trace’“, aber ich freue mich über jede Krimiserie, in der nicht einige tapfere Kommissare (oder deren Sekretärinnen) böse Mörder jagen.

Das ZDF zeigt sechs Folgen. Über eine Fortsetzung entscheidet dann die Einschaltquote.

mit Hans-Werner Meyer, Susanne Bormann, Jasmin Tabatai, Florian Panzner

Hinweise

ZDF über „Die letzte Spur“

Spiegel Online über „Die letzte Spur“

Süddeutsche Zeitung über „Die letzte Spur“

Tagesspiegel über „Die letzte Spur“

 


Neu im Kino/FIlmkritik: Schön war „My Week with Marilyn“ Monroe

April 19, 2012

My Week with Marilyn“ Monroe liefert einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten für die Laurence-Olivier-Marilyn-Monroe-Schmonzette „Der Prinz und die Tänzerin“ (The Prince and the Showgirl, USA 1957) und einen Blick in die Anfänge des Superstartums. Denn obwohl Sir Laurence Olivier damals ein hoch geachteter Schauspieler war, war Marilyn Monroe als Sexbombe der Liebling der Massen und des Boulevards. Egal wo sie auftauchte, schnell wurde sie von Fans und Fotografen belagert. Und das war in den fünfziger Jahren, als es noch keine Paparazzi gab. Jedenfalls nannte erst Frederico Fellini sie in „Das süße Leben“ so.

Sogar heute, fünfzig Jahre nach ihrem Tod am 5. August 1962, ist die am 1. Juni 1926 als Norma Jeane Baker geborene Schauspielerin und Sängerin immer noch allgemein bekannt.

Mitte der Fünfziger versuchte Marilyn Monroe, die damals mit Arthur Miller verheiratet war, endlich als ernsthafte Schauspielerin anerkannt zu werden. Mit ihrer Produktionsfirma (was in „My Week with Marilyn“ nicht thematisiert wird) beteiligte sie sich an der Verfilmung eines Bühnenstücks von Terence Rattigan, die in England im Sommer 1956 mit ihr in der Hauptrolle in den Pinewood Studios entstehen sollte. „Der Prinz und die Tänzerin“ ist eine Schmonzette, die nicht mehr als zwei Stunden anspruchslose Unterhaltung liefern sollte. Laurence Olivier wurde als Hauptdarsteller und Regisseur engagiert.

Schnell prallten die verschiedenen Schauspielerhaltungen aufeinander. Olivier gehörte noch zur alten Schule. Die Lee-Strasberg-Schülerin Monroe versuchte mit der Hilfe von Paula Strasberg als ihrer immer anwesenden Schauspiellehrerin sich in die Rolle hineinzufühlen. Was schon etwas absurd ist, weil sie damit eine Tiefe in einer Rolle suchte, die eben diese Tiefe nicht hatte und sie hätte sich sicher, um als Schauspielerin zu glänzen, eine anspruchsvollere Rolle aussuchen können. Außerdem zweifelte sie an sich, war alkohol- und tablettensüchtig, launenhaft und bei den Dreharbeiten extrem unzuverlässig. Immer wieder mussten alle anderen auf sie warten. Am Ende dauerten die Dreharbeiten sechs Monate.

Colin Clark, der später als Dokumentarfilmer eine beachtliche Karriere hatte, war damals der „Dritte Assistent“, was eine höfliche Umschreibung für „Mädchen für alles“ oder „Laufbursche“ ist. So konnte er die Dreharbeiten beobachteten und überall hingehen. Denn es gehörte zu seinen Aufgaben, überall und nirgends zu sein. Später schrieb er zwei Bücher darüber: „The Prince, the Showgirl and Me“ (1995) über die Dreharbeiten und „Meine Woche mit Marilyn“ (My Week with Marilyn, 2000) über einen mehrtägigen Ausflug aufs Land, den er mit Marilyn Monroe unternahm und er sich auch in sie verliebte.

Für den Film wurde selbstverständlich der publikumsträchtigere Titel gewählt, aber im Film geht es – zum Glück! – vor allem um die Dreharbeiten und dieser Einblick ist bestes britisches Kino. Ein pointiertes Drehbuch von Adrian Hodges („Tom & Viv“, „Metroland“, „Primeval – Rückkehr der Urzeitmonster“, „Survivors“, „Rome“, um nur die auch bei uns bekannten Werke zu nennen), in dem die verschiedenen Charaktere scharfzüngig aufeinanderprallen. Regisseur Simon Curtis, der bereits viele englische TV-Filme und Serien inszenierte, die bei uns nicht gezeigt wurden, inszenierte „My Week with Marilyn“ angenehm altmodisch, indem er auf modischen Schnickschnack verzichtet und alles in den Dienst der Geschichte stellt. Das erstklassige Ensemble hat viele Gelegenheiten für grandiose Auftritte und der genaue Blick für die Details, die einen tiefen Blick in die unterschiedlichen Mentalitäten und die damaligen Arbeitsbedingungen an einem Filmset geben, macht diese Coming-of-Age-Geschichte auch zu einer kleinen Geschichtsstunde.

My Week with Marilyn (My Week with Marilyn, GB/USA 2011)

Regie: Simon Curtis

Drehbuch: Adrian Hodges

LV: Colin Clark: My Week with Marilyn

mit Michelle Williams, Kenneth Branagh, Eddie Redmayne, Dominic Cooper, Philip Jackson, Derek Jacobi, Toby Jones, Michael Kitchen, Julia Ormond, Zoë Wanamaker, Emma Watson, Judi Dench

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „My Week with Marilyn“

Rotten Tomatoes über „My Week with Marilyn“

Wikipedia über „My Week with Marilyn“ (deutsch, englisch)

Und jetzt noch drei MM-Bilder, aus dem Film

und der Trailer zum Film, dessen Entstehungsgeschichte in „My Week with Marilyn“ erzählt wird


Neu im Kino/Filmkritik: Die Janet-Evanovich-Verfilmung „Einmal ist keinmal“

April 19, 2012

Als die Actionkomödie „Einmal ist keinmal“ mit Katherine Heigl als Kopfgeldjägerin Stephanie Plum in den US-Kinos startete, wurde sie von den US-Kritikern regelrecht geschlachtet.

Als ich den Film sah, fragte ich mich, woher dieser Hass auf den Film kam. Denn obwohl „Einmal ist keinmal“ wahrlich kein Meisterwerk ist, versucht er auch nicht mehr zu sein, als eine kleine, launige Actionkomödie, die wie ein hoch budgetierter TV-Serienpilot wirkt, der irrtümlich im Kino läuft. Denn Regisseurin Julie Anne Robinson stellt in ihrer Verfilmung des ersten Stephanie-Plum-Krimis, wie auch Janet Evanovich in ihrem Roman, ausführlich Stephanies Familie, die Kautionsagentur ihres Vetters Vinnie samt leicht schrägem Personal und ihren künftigen Freund vor. Dieser ist Polizist, soll eine Frau ermordet haben und ist untergetaucht.

Für Stephanie, die händeringend einen Job sucht und deshalb notgedrungen bei Vinnie anheuert, wäre das Kopfgeld von 50.000 Dollar (im Buch 10.000 Dollar), wenn sie Joe Morelli bei der Polizei abliefert, das Ende ihrer Geldsorgen. Dass Morelli sie vor Jahren betrogen hat, stachelt ihren Jagdeifer zusätzlich an. Ohne einen Plan und ohne irgendetwas über die Arbeit zu wissen, aber mit einem losen Mundwerk, macht sie sich in ihrer Heimatstadt Trenton, New Jersey, auf die Jagd.

Der Film folgt dem vor fast zwanzig Jahren erschienenem Roman erstaunlich genau und ist sogar witziger als der Roman. Denn der ist eine ziemlich dröge Mischung aus Romanze und Krimi, mit einer sich mir nicht erschließenden humoristischen Note.

Dagegen ist die Verfilmung, tief in den achtziger Jahre steckend, ziemlich kurzweilig-nette Unterhaltung für Zwischendurch, die nie behauptet mehr zu sein als eine kleine Actionkomödie mit einem vernachlässigbaren Krimiplot voller Unwahrscheinlichkeiten und viel Romantic.

Einmal ist keinmal (One for the Money, USA 2012)

Regie: Julie Anne Robinson

Drehbuch: Stacy Sherman, Karen Ray, Liz Brixius

LV: Janet Evanovich: One for the Money, 1994 (Einmal ist keinmal)

mit Katherine Heigl, Jason O’Mara, Daniel Sunjata, John Leguizamo, Sherri Shepherd, Debbie Reynolds

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Vorlage, jetzt mit neuem Cover

Janet Evanovich: Einmal ist keinmal

(übersetzt von Regina Rawlinson)

Goldmann, 2012

288 Seiten

8,99 Euro

Deutsche Erstausgabe

Goldmann, 1996

Taschenbuchausgabe

Goldmann, 1997

Originalausgabe

One for the Money

Scribner’s, New York 1994

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Einmal ist keinmal“

Rotten Tomatoes über „Einmal ist keinmal“

Wikipedia über „Einmal ist keinmal“

Homepage von Janet Evanovich

Deutsche Homepage von Janet Evanovich

Krimi-Couch über Janet Evanovich

Wikipedia über Janet Evanovich (deutsch, englisch)

Thrilling Detective über Stephanie Plum 

Meine Besprechung von Janet Evanovichs „Kuss mit lustig“ (Fearless Fourteen, 2008)

 


TV-Tipp für den 19. April: Nachtschicht: Tod im Supermarkt

April 19, 2012

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Tod im Supermarkt (D 2006, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Dieses Mal sucht das Nachtschicht-Team den Mörder eines Supermarkt-Wachmanns.

Dritter Nachtschicht-Krimi, der auf seiner Plus-Seite zahlreiche ironische Anspielungen und gute Schauspieler, auf der Minus-Seite einen nicht sonderlich logischen Whodunit verbucht. Und dabei waren die ersten beiden Nachtschicht-Filme gerade weil sie die Whodunit-Stereotypen vermieden gut.

Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Ken Duken, Minh-Phai-Thi, Marie Bäumer, Devid Striesow

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte

 


Jon Ronson erkennt: „Die Psychopathen sind unter uns“

April 18, 2012

Herrje, wer hat nur den deutschen Titel von Jon Ronsons neuem Buch verbrochen? „Die Psychopathen sind unter uns“ ist okay. Macht neugierig und beschreibt auch den Inhalt durchaus zutreffend. Aber der Untertitel „Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht“ ist Quatsch. Denn genau dorthin geht Ronson nicht. Der Originaltitel „The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry“ trifft den Inhalt viel genauer.

Ausgehend von zwei Erlebnissen fragt Jon Ronson sich, was Psychopathen sind und wie man sie erkennen kann. Dabei stößt er auf den Psychopathentest von Bob Hare, die Hare-PCL-R-Checkliste. Er besucht ein Seminar bei ihm und versucht anschließend mit diesem Test Psychopathen zu erkennen.

Dafür macht er sich, betont naiv und vorurteilsfrei, auf die Reise zu einem Mann, der in der psychiatrischen Klinik Broadmoor, der Irrenanstalt für Verbrecher, sitzt und behauptet, normal zu sein, einen Unternehmer, der für den wirtschaftlichen Erfolg erbarmungslos Leute entließ, Abteilungen schloss und stolz darauf ist, eine ehemalige Fernsehproduzentin für Nachmittagstalkshows, die dafür Gäste mit der richtigen Art von Wahnsinn suchte und einen Kriminalpsychologen, dessen Hilfe bei den polizeilichen Ermittlungen zur Verurteilung eines Unschuldigen führten.

Bei den Gesprächen mit diesen Menschen, fragt Ronson sich immer wieder, ob deren Verhalten nun psychopathisch ist oder nicht. Er wendet, sehr erfolgreich, den Psychopathentest von Hare bei sich und bei anderen Menschen an. Plötzlich ist fast jeder ein Psychopath oder hat mindestens einige Merkmale eines Psychopathen.

Doch je mehr Psychopathen Ronson erkennt, umso mehr fragt er sich, ob er nicht falsche Diagnosen erstellt.

Auf diese Frage gibt ihm ein Blick auf die Arbeit der Vorläufer von Bob Hare eine Antwort.

1973 schickte der Psychologe David Rosenhan, der die pseudowissenschaftliche Psychoanalyse ablehnte, mehrere Freunde, die keine psychischen Probleme hatte, in den USA zu psychiatrischen Kliniken. Sie alle sagten, sie hörten eine Stimme im Kopf. Ansonsten benahmen sie sich vollkommen normal. Alle wurden sofort eingewiesen und sie verbrachten im Durchschnitt 18 Tage in der Klinik. Rosenhan selbst wurde erst nach zwei Monaten entlassen. Als er das erzählte, forderte ihn eine Klinik auf, das Experiment zu wiederholen. In den nächsten Wochen entdeckten sie 41 Simulanten. Aber Rosenhan hatte niemand geschickt. Für die amerikanische Psychiatrie und deren Glaubwürdigkeit war das Experiment ein Desaster, das dazu führte, dass als Ausweg aus den unzuverlässigen Diagnosen nach zuverlässigen Indikatoren gesucht und immer mehr messbaren Variablen und Checklisten erstellt wurden. Diese Checklisten führten zu einer enormen Zunahme von wissenschaftlich exakt diagnostizierten Erkrankungen. Knapp gesagt, entdeckten die Psychologen, was sie suchten (Sie glauben nicht, dass das funktioniert? Dann suchen Sie mal auf ihrem nächsten Spaziergang nach der Zahl „23“.).

Im Gegensatz zu seinem vorherigen Buch „Männer, die auf Ziegen starren“, das wegen der zahlreichen Zeitsprünge und Ortswechsel (wir begleiten Ronson bei seinen Gesprächen, in der Reihenfolge, in der er sie führte) unter seiner chaotischen Struktur litt, arbeitet Ronson sich hier chronologisch durch sein Thema.

Das ist amüsant zu lesen, aber auch etwas langatmig, weil wir Ronson auf seiner persönlichen Entdeckungsreise begleiten. Denn vieles, was er entdeckte, hätte auch in ein, zwei längeren Reportagen behandelt werden können.

So bleibt nach der Lektüre von „Die Psychopathen sind unter uns“ nur ein vergnüglich zu lesender Sachbuch-Schmöker, garniert mit einigen Lachern, übrig.

Und natürlich ist es keine Reise zu den Schaltstellen der Macht, sondern ein etwas unkonzentrierter Einblick in die „Madness Industry“, also in das lukrative Geschäft mit dem Wahnsinn und seelischen Erkrankungen, an dem viele Menschen gut verdienen.

Jon Ronson: Die Psychopathen sind unter uns – Eine Reise zu den Schaltstellen der Macht

(übersetzt von Martin Jaeggi)

Tropen, 2012

272 Seiten

19,95 Euro

Originalausgabe

The Psychopath Test – A Journey through the Madness Industry

Riverhead Books, 2011

Hinweise

Homepage von Jon Ronson

Meine Besprechung der Jon-Ronson-Verfilmung „Männer, die auf Ziegen starren“ (The men who stare at goats, USA 2009)


TV-Tipp für den 18. April: Fahrenheit 451

April 18, 2012

3sat, 22.25

Fahrenheit 451 (GB 1966, R.: Francois Truffaut)

Drehbuch: Francois Truffaut, Jean-Louis Richard

LV: Ray Bradbury: Fahrenheit 451, 1953 (Fahrenheit 451)

Im Rahmen des heutigen Thementages „Spirit of the Sixties: Die 60er Jahre“ zeigt 3sat heute Truffauts selten gezeigten Anti-Utopie, in der Bücher, weil sie subversive Gedanken enthalten, verboten sind. Feuerwehrmann Montag erfüllt brav seine Pflicht und verbrennt Bücher, bis er Clarissa kennenlernt und zunehmend an seinem Leben und seinem Tun zweifelt.

Der spätere Regisseur Nicholas Roeg war der Kameramann und Alfred-Hitchcock-Komponist Bernard Herrmann komponierte den Soundtrack

mit Julie Christie, Oskar Werner, Cyril Cusack, Anton Diffring, Jeremy Spenser

Hinweise

Wikipedia über Ray Bradbury (deutsch, englisch), „Fahrenheit 451“ (deutsch, englisch) und Francois Truffaut (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Ray Bradbury

Tagesspiegel: Denis Scheck interviewt Ray Bradbury (20. August 2008)

Arte über Francois Truffaut

Erster Teil meines Francois-Truffaut-Porträts (mit einer Besprechung von Emmanuel Laurents “Godard trifft Truffaut”)

Zweiter Teil meines Francois-Truffaut-Porträts: Die Antoine-Doinel-Filme

Francois Truffaut in der Kriminalakte

 


DVD-Kritik: „Big Fish“-Drehbuchautor debütiert mit „The Nines“

April 17, 2012

Bei „The Nines“ will ich nicht viel über die Handlung erzählen, denn es ist gerade ein großer Spaß, selbst herauszufinden, wie die drei Geschichten miteinander zusammenhängen. In dem ersten Teil „Der Gefangene“ geht es um den Star einer dümmlichen TV-Action-Polizeiserie (Ryan Reynolds), der nach einem Unfall (verursacht durch Trennungsschmerz und Drogeneinnahme), in dem Haus eines Drehbuchautoren, der gerade weg ist, unter Hausarrest gestellt wird. Dort langweilt er sich, lernt die sexy Nachbarin (Hope Davis) kennen, hat eine hyperagile, ewig gut gelaunte Aufpasserin (Melissa McCarthy) und glaubt, dass er nicht der einzige Bewohner des Hauses ist.

In dem zweiten Teil „Reality TV“ geht es um einen Drehbuchautor (Ryan Reynolds), der gerade, begleitet von einem TV-Team, als Showrunner in der Produktion für einen TV-Serienpiloten steckt.

Und wir begegnen wieder Melissa McCarthy als seiner Wunsch-Hauptdarstellerin in der TV-Serie und Hope Davis als seiner Ansprechpartnerin beim Sender.

Im dritten Teil „Wissend“ muss ein PC-Spieldesigner (Ryan Reynolds) nach einem Ausflug mit seiner Familie in die Berge feststellen, dass ihr Auto nicht startet. Er lässt seine Frau (Melissa McCarthy) mit ihrer Tochter zurück und trifft auf dem Weg zu einem Telefon eine Wanderin (Hope Davis).

Und immer wieder, wird der Zahl „Neun“ (was wir schon bei dem Titel „Die Neunen“ ahnten) eine besondere Bedeutung beigemessen.

Aber gerade das Herausfinden dieser Zusammenhänge ist, wie zum Beispiel in David Cronenbergs „Existenz“ oder Christopher Nolans „Inception“, ein großer intellektueller Spaß. Denn John August hatte zwar wenig Geld für den Film (so spielt der halbe Film in seiner Wohnung), aber dafür etliche hübsche und intellektuell herausfordernde Ideen und, natürlich, ein gutes Drehbuch. Ein Drehbuch, das viele Fragen stellt, viele beantwortet, zum Nachdenken anregt und, dank der wandlungsfähigen Schauspieler (für die drei Hauptdarsteller ist es eine gute Demonstration ihres Könnens) und der unterschiedlichen Stile in den drei Segmenten, bis zur letzten Minute das Interesse wach hält. Dabei hat „The Nines“ einen zutiefst freundlich-humane Ton, die durchaus an die Stimmung in Tim Burtons „Big Fish“ erinnert. „Big Fish“ war die erste Zusammenarbeit von Tim Burton und John August. Danach arbeiteten sie bei „Charlie und die Schokoladenfabrik“, „Corpse Bride – Hochzeit mit einer Leiche“, „Dark Shadows“ (Kinostart 10. Mai 2012) und „Frankenweenie“ (geplanter Kinostart 24. Januar 2013) zusammen.

In „The Nines“ fragt John August ziemlich verspielt, teils mit satirischem Unterton, was wirklich ist und wie brüchig die Wirklichkeit ist. Ein großer Spaß.

Das Bonusmaterial ist mit einer Stunde (ohne die vielen Audiokommentare) angenehm umfangreich und sehr informativ. Vor allem John August gibt viele Informationen zur Entstehung des Films, zu den einzelnen Filmsegmenten, wie sie miteinander und mit seinem Kurzfilm „God“, der ebenfalls auf der DVD ist, zusammenhängen.

The Nines – Dein Leben ist nur ein Spiel (The Nines, USA 2007)

Regie: John August

Drehbuch: John August

mit Ryan Reynolds, Melissa McCarthy, Hope Davis, Elle Fanning, David Denman, Octavia Spencer, Ben Falcone, Dahlia Salem, John Gatins

DVD

Koch Media

Bild: 1.85:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (DTS, Dolby-Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Audiokommentar mit Regisseur John August und Hauptdarsteller Ryan Reynolds, Audiokommentar mit Regisseur John August, Cutter Douglas Crise und Darstellerin Mellisa McCarthy, 9 Deleted Scenes (mit Audiokommentar von Regisseur John August und Editor Douglas Crise), Featurette „Script to Screen“, Featurette „Summing up the Nines“, Interview mit John August, Kurzfilm „God“ (mit Audiokommentar von Regisseur John August, Deutscher Trailer, Origininaltrailer

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Blog von John August – und über „The Nines“

Drehbuch „The Nines“ und weitere Hintergrundinformation (etwas scrollen)

Wikipedia über „The Nines“ 

Ein schönes Interview mit Regisseur und Autor John August und Hauptdarstellerin Melissa McCarthy, das allerdings einiges vom Film verrät

und eines mit Hauptdarsteller Ryan Reynolds, der auch einiges verrät


Verlosung: Sven Koch: Brennen muss die Hexe

April 17, 2012

Durch Umstände, die ich nicht beeinflussen konnte, habe ich Sven Kochs Krimi „Brennen muss die Hexe“ zweimal erhalten. Das eine Exemplar will ich lesen, das andere verlose ich.

In seinem zweiten Krimi mit der Polizeipsychologin Alexandra von Stietencron erzählt Sven Koch, wie sie einen Ritualmörder jagt. In der 100.000-Einwohner-Stadt Lemfeld foltert ein Unbekannter Frauen nach mittelalterlichen Methoden und verbrennt sie auf dem Scheiterhaufen. Von Stietencron fürchtet, dass die Walpurgisnacht in einem Blutbad endet.

Könnte, auch wenn die Geschichte eher gemütlich beginnt, spannend sein.

Und jetzt zu den Teilnahmebedingungen:

Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de

Einsendeschluss ist Dienstag, der 24. April, um Mitternacht.

Danach…

Sven Koch: Brennen muss die Hexe

Knaur, 2012

416 Seiten

8,99 Euro


Cover der Woche

April 17, 2012


TV-Tipp für den 17. April: Edward mit den Scherenhänden

April 17, 2012

Super RTL, 20.15

Edward mit den Scherenhänden (USA 1990, R.: Tim Burton)

Drehbuch: Tim Burton, Caroline Thompson

Zwischen seinen beiden „Batman“-Filmen drehte Tim Burton, der hier erstmals Carte Blanche hatte, dieses dunkle, romantische Märchen über den einsam in einem Schloss auf einem Hügel lebenden „Edward mit den Scherenhänden“. Als eine Kosmetikvertreterin ihn trifft, ist sie fasziniert von ihm und nimmt ihn mit in die typisch amerikanische Vorstadt. Dort ist Edward wegen einer motorischen Fähigkeiten zuerst sehr beliebt.

Ein schöner trauriger Film voller Humor und Skurrilitäten.

ein Märchen. Und das erzählt er einem Publikum, das schon alle Märchen kennt, an keins mehr glaubt und sich doch danach sehnt. Und er erzählt es mit allen Emotionen, aller Naivität, aller Grausamkeit und auch aller Komik, die das Publikum erwarten darf.“ (Fischer Film Almanach 1992)

mit Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Anthony Michael Hall, Kathy Baker, Vincent Price (seine letzte Rolle in einem Spielfilm), Alan Arkin

Hinweise

Wikipedia über „Edward mit den Scherenhänden“ (deutsch, englisch)