Der „Secret Service“ bei Crime Chronicles

April 16, 2012

Meine Besprechung des Jahrbuchs „Secret Service – Jahrbuch 2012“ des Syndikats (genaugenommen „Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur AIEP/IACW) ist bei Crime Chronicles online.

Crime Chronicles ist eine neue Seite, die schon eine Vergangenheit hat:

 

Der Krimikurier wird International: Neu jetzt der CrimeChronicles

 

Seit 2001 wurde der Krimikurier per e-mail verschickt und bei den Alligatorpapieren archiviert.

Zusammen mit literarischen Freunden aus England, Die Niederlanden, Frankreich, Belgien,…, wollen wir ein neues multilinguales Projekt starten.

Für den Krimikurier im neuen Kleid des Crime Chronicles schreiben Experten Buchbesprechungen in ihrer jeweiligen Landessprache und weisen auf nationale und internationale Entwicklungen in der Krimiszene hin.

 

Ein Besuch lohnt sich!

Syndikat: Secret Service – Jahrbuch 2012

Gmeiner Verlag, 2012

336 Seiten

9,90 Euro

Hinweise

Homepage vom Syndikat

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2009“

Meine Besprechung von „Secret Service – Jahrbuch 2011“

 


„Unschuld“ ist ein Fremdwort im „Criminal“-Kosmos von Ed Brubaker und Sean Phillips

April 16, 2012

Ein neuer „Criminal“-Band von Autor Ed Brubaker und Zeichner Sean Phillips ist für Noir-Fans ein Drei-Sterne-Menü. Mindestens.

In „Unschuld“, dem sechsten „Criminal“-Sammelband, erzählen sie, mit Kurzauftritten von alten „Criminal“-Bekannten, von Riley Richards.

Der hoch verschuldete Spieler ist mit Felicity ‚Felix‘ Doolittle, die ihn betrügt, verheiratet. Für ihren Vater ist Richards ein Tunichtgut, den er notgedrungen als Frühstücksdirektor eingestellt hat. Jedenfalls solange seine Tochter mit ihm verheiratet ist.

Als er wegen eines plötzlichen Krankenhausaufenthaltes seines Vaters in seinen Geburtsort Brookview fährt, trifft er seine Sandkastenliebe Lizzie Gordon. Die alten Gefühle erwachen wieder und er fasst einen Plan, mit dem er seine Probleme beseitigen könnte.

Während in den bisherigen „Criminal“-Geschichten Berufsverbrecher im Mittelpunkt standen, ist es in „Unschuld“ ein ganz normaler Mann in einer Noir-Situation.

Und, ebenfalls im Gegensatz zu den bisherigen „Criminal“-Geschichten, bilden die Erinnerungen von Riley Richards einen wichtigen Teil der Geschichte. Sean Phillips zeichnete sie in den schönsten Bonbonfarben im Stil der Walt-Disney-Comics und sofort wird deutlich, wie sehr Richards seine Vergangenheit verklärt.

In „Unschuld“ fragen sich Ed Brubaker und Sean Phillips, wie ihre erwachsenen „Criminal“-Charaktere zu den Männern und Frauen wurden, die sie heute sind. War alles vorherbestimmt? Oder haben sie irgendwann eine falsche Entscheidung getroffen?

Dieser Frage gehen sie in ihrer herrlich knappen und mit gemeinen Wendungen gespickten „Noir“-Geschichte nach. Im letzten Panel werden dann Gegenwart und Vergangenheit miteinander vereinigt.

Das ist, wie immer, wenn Ed Brubaker und Sean Phillips sich zusammentun, sehr empfehlenswert!

Vor wenigen Tagen wurde „Unschuld“ für den Eisner-Award als „Best Limited Series“ und Sean Phillips als „Best Cover Artist“ für seine „Unschuld“-Titelbilder nominiert.

Ed Brubaker/Sean Phillips: Criminal: Unschuld (Band 6)

(mit einem Vorwort von Patton Oswalt)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini Comics, 2012

116 Seiten

16,95 Euro

Originalausgabe

Criminal: The Last of the Innocent, Vol. 1 – 4

Marvel Comics, Juni – September 2011

Hinweise

„A Criminal Blog“ (über „Criminal“)

Homepage von Ed Brubaker

Blog von Sean Phillips

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips” “Criminal 1 – Feigling” (Criminal 1: Coward, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Criminal 2 – Blutsbande” (Criminal 2: Lawless, 2007)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 3 – Grabgesang“ (Criminal 3: The Dead and the Dying, 2008)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 4 – Obsession“ (Criminal Vol. 4: Bad Night, 2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Criminal 5 – Sünder“ (Criminal: The Sinners, 2010)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Colin Wilsons “Point Blank” (Point Blank, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 1 – Das Schaf im Wolfspelz” (Sleeper: Out in the cold, 2003)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ “Sleeper 2 – Die Schlinge zieht sich zu” (Sleeper: All false moves, 2004)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 3 – Die Gretchenfrage“ (Sleeper 3: A crooked line, 2005)

Meine Besprechung von Ed Brubaker/Sean Phillips’ „Sleeper 4 – Das lange Erwachen“ (Sleeper 4: The long walk home, 2005)

Meine Besprechung von Ed BrubakerSean Phillips’ „Incognito 1 – Stunde der Wahrheit“ (Incognito, 2008/2009)

Meine Besprechung von Ed Brubaker (Autor)/Sean Phillips (Zeichner) „Incognito: Schlechter Einfluss (Band 2)“ (Incognito: Bad Influences, Vol. 1 – 5, 2010/2011)

 


TV-Tipp für den 16. April: Lady Vengeance

April 16, 2012

Arte, 22.00

Lady Vengeance – Leben für die Rache (Sudkorea 2005, Regie: Park Chan-wook)

Drehbuch: Park Chan-wook, Jeong Seo-Gyeong Jeong

Geum-ja saß dreizehn Jahre im Gefängnis für den Mord an einem kleinen Jungen, den sie nicht begangen hat. Jetzt will sie sich an dem wirklichem Täter, einem honorigem Englischlehrer, rächen.

Ein weiteres Meisterwerk des Regisseurs von „Joint Security Area“, „Sympathy for Mr. Vengeance“ und „Oldboy“. Die Kritiker waren vom Abschluß der Rachetrilogie des Südkoreaners begeistert, die zahlenden Zuschauer ebenso – und das Erste zeigte die TV-Premiere, wie erwartet, nach Mitternacht.

Mit Lee Yeong-ae, Choi Min-sik, Oh Dal-su, Kim Shi-hoo, Kim Bu-seon

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über “Lady Vengeance”

Rotten Tomatoes über „Lady Vengeance“

Wikipedia über „Lady Vengeance“ (deutsch, englisch)


Mutti kümmert sich darum: „Jennifer Blood: Selbst ist die Frau“

April 15, 2012

Tagsüber ist Jennifer Fellows eine Hausfrau, die sich rührend um ihre beiden Kinder und ihren Ehemann Andrew kümmert. Sie sind eine bieder-gewöhnliche US-amerikanische Vorstadtfamilie. Aber schon auf der ersten Seite irritiert die Bemerkung in ihrem Tagebuch: „Im Nagelstudio las ich ‚Guns + Ammo‘ und mir fiel auf, wie viele Artikel sich mit 9mm-Waffen beschäftigten (…) Aber was nützen einem doppelt so viele Kugeln, wenn man dreimal so viele braucht, um jemanden zu erledigen?“

Dann schickt sie ihre Familie mit Valium in das Reich der Träume und macht sich in der Nacht, umgezogen in ein Kate-Beckinsale-“Underworld“-Outfit mit Sonnenbrille (nachts zwar unglaublich unpraktisch, aber auch unglaublich cool) und einem Arsenal von Waffen, das einen Navy-Seals-Soldaten vor Neid erblassen lässt, auf den Weg zu einem Schrottplatz. Dort ermordet sie kaltblütig einige Männer und schreibt mit deren Blut „Jennifer Blood“ an eine Wand.

Einer der Männer war ihr Onkel.

In den folgenden fünf Nächten will sie weitere Familienmitglieder töten. Der Grund für ihren erbarmungslosen Rachefeldzug an einer skrupellosen Gangsterfamilie und deren Umfeld wird von Garth Ennis („Judge Dredd“, „Hellblazer“, „Preacher“, „Punisher“) erst mit der Zeit erklärt. Davor muss sie sich auch mit ihrem sexlüsternen Nachbarn und drei Ninja-Girls auseinandersetzen.

Das ist durchaus flott erzählt.

Aber die gesamte Story ist doch etwas zu episodisch aufgebaut. In jeder Nacht, – wobei eine Nacht auch ein Heft ist -, tötet sie einen auf ihrer Liste stehenden Feind. Die Reihenfolge ist dabei eher beliebig und der Spannungsbogen beschränkt sich auf die einzelnen Kapitel. Dann ist das Problem gelöst und sie kann sich dem nächsten Verbrecher zuwenden. Aber ein echter Gegner, der ihr über mehrere Nächte das Leben schwermacht, fehlt.

Insofern bleibt der Eindruck, dass mit einer weniger episodischen Erzählweise eine stärkere Geschichte hätte entstehen können. Spaß machen die sechs Nächte mit Jennifer Blood und ihren schnoddrigen Bemerkungen dennoch.

Garth Ennis hat nach dem ersten, sechs Hefte umfassenden Story-Arc, der in „Jennifer Blood: Selbst ist die Frau“ abgedruckt ist, keine weiteren „Jennifer Blood“-Geschichten geschrieben. Al Ewing hat die Arbeit übernommen und Jennifer Blood mutiert dann wohl zu einer „Punisher“-ähnlichen Gestalt. Das Potential für eine sexy Hausfrau, die nachdem sie ihre Lieben ins Bett geschickt hat, als sexy Racheengel durch die Stadt zieht ist jedenfalls da.

Garth Ennis (Autor)/Adriano Batista/Marcos Marz/Kewber Baal (Zeichner): Jennifer Blood – Selbst ist die Frau (Band 1)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Panini Comics, 2012

148 Seiten

16,95 Euro

(„Empfohlen ab 18 Jahren!“ – Hm, wahrscheinlich wegen der familiären Werte.)

Originalausgabe

Garth Ennis‘ Jennifer Blood: A Woman’s Work is Never Done

Dynamite Entertainment, 2012

(enthält: Jennifer Blood Vol 1 – 6, 2011)

Hinweise

Wikipedia über Garth Ennis (deutsch, englisch)

Geek News: Interview mit Garth Ennis über „Jennifer Blood“

Meine Besprechung von Garth Ennis (Autor)/Leandro Fernandez (Zeichner) „The Punisher – Garth Ennis Collection 7“ (Up is Down and Black is White, The Slavers, 2005/2006)

 


TV-Tipp für den 15. April: Wahl der Waffen

April 15, 2012

BR, 23.45

Wahl der Waffen (Fr 1981, R.: Alain Corneau)

Drehbuch: Alain Corneau, Michel Grisola

Der im Ruhestand lebende Gangster Noel nimmt den jungen, heißblütigen Junggangster Mickey bei sich auf. Durch ihn wird er wieder in sein altes Leben zurückgezogen.

Aus heutiger Sicht beendete Alain Corneau mit dem leicht melancholischem Noir „Wahl der Waffen“ die Ära des klassischen französischen Gangsterfilms indem er noch einmal alle Themen bündelte, neu betrachtete und sie endgültig beantwortete. Nach „Wahl der Waffen“ war die Zeit des Nachkriegsgangsters endgültig vorbei.

Einen schöneren Abgesang hätte er nicht bekommen können.

mit Yves Montand, Gérard Depardieu, Catherine Deneuve, Michel Galabru, Gerard Lanvin, Marc Chapiteau

Hinweise

Wikipedia über „Le choix des armes“

Citizen Poulpe über „Le choix des armes“

Films de France über „Le choix des armes“ (englisch)

Kriminalakte über „Wahl der Waffen“ (Sammlung einiger Kritiken)

Kriminalakte: Meine Besprechung von “Wahl der Waffen”

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Alain Corneau


TV-Tipp für den 14. April: James Bond: Sag niemals nie

April 14, 2012

ARD, 22.15

Sag niemals nie (USA 1983, R.: Irvin Kershner)

Drehbuch: Lorenzo Semple jr.

LV: Ian Fleming: Thunderball, 1961 (Feuerball)

James Bond bei seiner Lieblinsbeschäftigung: Welt retten. Aktuelle Einsatzorte: Bahamas, Südfrankreich und Nordafrika.

Nach einer langen Pause (und bei einer anderen Produktionsfirma) spielte Sean Connery wieder Bond; Klaus Maria Brandauer den Bösewicht, Kim Basinger das ´love interest´ der beiden Männer. Außerdem sind Barbara Carrera, Max von Sydow, Edward Fox, Bernie Casey und Rowan Atkinson dabei.

„Sag niemals nie“ konnte entstehen, weil Ian Fleming zusammen mit Kevin McClory und Jack Whittingham für einen Film die Geschichte „Longitude 78 West“ entwarf. Fleming verarbeitete sie später in dem Bond-Roman „Feuerball“. McClory, der bei „Feuerball“ Co-Produzent war, hatte die Rechte für weitere Verfilmungen dieser Geschichte. Die Auflage war, dass er sich möglichst eng an das gemeinsam entworfene Story-Gerüst halten müsse. Die juristischen Streitigkeiten und der Konkurrenzkampf zwischen dem Ur-Bond Connery und dessen Nachfolger Roger Moore waren ein gefundenes Fressen für die damalige Presse. Denn „Octopussy“ (mit Moore) startete fast zeitgleich in den Kinos. An der Kinokasse war der Moore-Bond etwas erfolgreicher, bei der Kritik war es – zu Recht – umgekehrt.

Hinweise

Wikipedia über „James Bond: Sag niemals nie“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

Meine Besprechung von Jeffery Deavers James-Bond-Roman „Carte Blanche“ (Carte Blanche, 2011)

James Bond in der Kriminalakte


Sechs deutsche Regisseure über „Hollywood – Traum und Wirklichkeit“

April 13, 2012

Warum verlassen deutsche Regisseure ihre Heimat und versuchen in Hollywood ihr Glück? Und wie ist für sie die Arbeit in Hollywood? Für „Hollywood – Traum und Wirklichkeit: Deutsche Regisseure im Studiosystem“ unterhielt Marko Kregel sich mit sechs Regisseuren darüber. Dabei hat er nicht die großen, allgemein bekannten Namen wie Wolfgang Petersen, Roland Emmerich, Werner Herzog, Wim Wenders oder Michael Ballhaus (Uups, der ist ja nur Kameramann) interviewt, sondern die junge Garde, die oft in Deutschland ihren ersten Spielfilm gedreht hat, meist ein Genrewerk, das in Hollywood für Aufsehen sorgte und ihnen viele Gespräche bei Produzenten verschaffte. Denn Hollywood ist immer auf der Suche nach jungen, unverbrauchten Talenten.

In Deutschland sieht es etwas anders aus. So sagt Christian Alvart, fast schon stellvertretend für die anderen befragten Regisseure: „Ich habe zusammen mit meinem Produzenten in München dem Bayrischen Rundfunk ‚Antikörper‘ im Kino vorgeführt, das war lange, bevor er im Kino rauskam. Mit der Reaktion: Das ist ja alles schön und gut, aber ich sei ja noch jung und der Nachfolgefilm wäre viel zu groß für mich. Der sollte fünf Millionen kosten. Ich solle doch erst einmal einen ‚Polizeiruf 110‘ für sie machen. Das war im direkten Kontrast zu einem ernsthaften Angebot von einem großen Studio, den neuesten Teil ihres 80-Millionen-Franchises zu machen.“

Ungefähr hier hören allerdings die Gemeinsamkeiten zwischen Marc Schölermann („Pathology“), Lexi Alexander („Hooligans“, „Punisher: War Zone“), Martin Weisz („Rohtenburg“, „The hills have eyes 2“), Christian Alvart („Antikörper“, „Fall 39“, „Pandorum“), Josef Rusnak („Kaltes Fieber“, „Schimanski: Die Schwadron“, „The 13th Floor – Abwärts in die Zukunft“, „The Contractor“, „The Art of War II: Der Verrat“) und Mennan Yapo („Lautlos“, „Die Vorahnung“), die alle weiterhin in Hollywood arbeiten wollen und die Kregel für „Hollywood – Traum und Wirklichkeit“ interviewte, auf. Denn obwohl sie teilweise ähnliche Erfahrungen machten, gab es auch große Unterschiede und alle sechs erzählen erstaunlich offen über ihre Erlebnisse vor, während und nach der Dreharbeiten und über gescheiterte Projekte.

So erzählt Christian Alvart, warum „Fall 39“ nicht sofort nach der Fertigstellung in die Kinos kam, Martin Weisz über seine Zusammenarbeit mit Wes Craven bei „The hills have eyes II“, Josef Rusnak über die von Roland Emmerich produzierte Daniel-F.-Galouye-Verfilmung „The 13th Floor – Abwärts in die Zukunft“, die dummerweise fast zeitgleich mit „Matrix“ in die Kinos kam und Mennan Yapo über „Die Vorahnung“, seine Zusammenarbeit mit Sandra Bullock und wie er die Version erstellte, die in Flugzeugen gezeigt werden kann: „Der Cutter, der das dort seit neun oder zehn Jahren macht, meinte, ich sei der erste Regisseur seit fünf Jahren, der da hin kommt und sich das anschaut. Die anderen tun sich das normalerweise nicht an, weil sie es zum Kotzen finden. (…) Alles was blutete, musste raus und wenn das nicht ging, wurde es schwarz eingefärbt. Die Krähe, in der Szene im Garten, war komplett raus, man hat Sandys blutige Hände nicht mehr gesehen. (…) Noch extremer war, dass der Unfall am Ende komplett draußen war! Alles weg! (…) Das Härteste war aber die Nippel-Retusche! Also wenn du durch ein Shirt einen Nippel sehen konntest, dann musst der glattgebügelt werden. Da könnte ja einer im Flugzeug geil werden!“

Mit einigen Interviewpartnern hat Kregel sich öfter getroffen. Weil er diese Werkstattgespräche dann einfach hintereinander abdruckte ohne kenntlich zu machen, wann das eine Interview endet und wann das Nächste beginnt und sie in den Interviews teilweise wieder Dinge besprechen, die bereits vorher, fast wortgleich gesagt wurden, gibt es einige kleine vermeidbare Wiederholungen, die man spätestens beim Lektorieren hätte streichen müssen. Denn selbstverständlich ist ein niedergeschriebenes Interview kein 1-zu-1-Transkript des Gespräches, sondern eine Bearbeitung.

Doch das mindert den Wert dieses hochinteressanten Einblicks in die Arbeit von sechs Regisseuren und zwei sehr verschiedene Produktionssysteme nicht.

Marko Kregel: Hollywood – Traum und Wirklichkeit: Deutsche Regisseure im Studiosystem

Schüren, 2012

240 Seiten

19,90 Euro

 


TV-Tipp für den 13. April: 8 Blickwinkel

April 12, 2012

Pro7, 20.15

8 Blickwinkel (USA 2008, R.: Pete Travis)

Drehbuch: Barry L. Levy

Salamanca, Spanien, großer Antiterrorgipfel: der amerikanische Präsident will auf dem Marktplatz eine Rede halten. Da wird er erschossen und eine Bombe explodiert. Sein Leibwächter Thomas Barnes hat aber etwas gesehen und er nimmt die Spur auf.

„8 Fremde, 8 Sichtweisen, 1 Wahrheit“ lautet der Werbespruch, der ziemlich genau die erzählerische Pointe des Films verrät. Denn das Ereignisse vor, während und nach dem Attentat werden aus acht verschiedenen Sichtweisen erzählt und am Ende gibt es eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd. Das unterhält prächtig über die knapp neunzig Minuten und ist filmisch und darstellerisch auch sehr gut gelöst. Denn mit den verschiedenen Blickwinkeln ändert sich auch immer der Blick auf die Ereignisse und die beteiligten Personen.

Dass der ganze Attentatsplan, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich konstruiert ist, fällt einem erst nach dem Abspann auf.

mit Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, William Hurt, Edgar Ramirez, Ayelet Zurer, Bruce McGill, Zoe Saldana

Wiederholung: Samstag, 14. April, 00.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „8 Blickwinkel“

Los Angeles Times über Barry Levy


Neu im Kino/Filmkritik: Liam Neeson als Hauptdarsteller in Joe Carnahans „The Grey“

April 11, 2012

Mit „The Grey – Unter Wölfen“ hat Joe Carnahan nach dem düsteren Polizeithriller „Narc“, der durchgeknallten, schwarzhumorigen Actionkomödie „Smokin‘ Aces“ und der Blockbuster-Actionkomödie „The A-Team“ einen geradlinigen Abenteuerfilm gedreht, der zwar in Alaska spielt, aber nur wenige Kilometer entfernt in Kanada, in der Nähe von Smithers (5500 Einwohner), zwölf Autostunden nördlich von Vancouver, mitten in den verschneiten und entsprechend kalten Ausläufern der Rocky Mountains gedreht wurde.

Dieses Mal erzählt Joe Carnahan die Geschichte einer Gruppe Männer, deren Flugzeug mitten in der Einöde abstürzt und die dann um ihr Überleben kämpft. So weit, so konventionell und die Jack-London-Fans sind wahrscheinlich schon begeistert in das nächste Kino gerannt.

Die Liam-Neeson-Fans dürfen sich anschließen. Immerhin hat Neeson hier die Hauptrolle und er ist brillant als verbitterter, einzelgängerischer Aufpasser John Ottway. Der Biologe hat sich, wie die anderen Arbeiter in der Ölraffinerie, in die menschenfeindliche Einöde zurückgezogen. Sie sind, nun, nicht unbedingt die Männer, mit denen man im Club bei einem Glas Rotwein über abendländische Philosophie diskutiert. Ottways Job ist es, die Arbeiter vor herumstreunenden Tieren, vor allem Wölfe, zu schützen.

Wegen eines Schichtwechsels fliegen Ottway und die aktuelle Crew zurück nach Kanada in die Zivilisation. Während des Flugs stürzt das Flugzeug mitten im Nirgendwo ab. Nur acht Männer überleben den Absturz. Weil Ottway am meisten Ahnung vom Überleben in der Wildnis hat, wird er ihr Anführer. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg zur nächsten Siedlung. Dabei werden sie von einem Rudel Wölfe, für die sie nur die nächste Mahlzeit sind, verfolgt.

Dieses archetypische Duell zwischen Mensch und Tier erzählt Joe Carnahan ohne störende Subplots und ausgewalzte Hintergrundgeschichten, in denen wir alles über die Charaktere erfahren. Sogar Ottways Vergangenheit und der Grund für seinen Rückzug in die Einöde bleibt, bis auf einige Bilder, die so kryptisch sind, dass sie eher die Funktion einer Fantasie erfüllt, im Dunkeln. Umso kraftvoller wird der Hauptplot, der gerade in seiner Reduktion, auch als Allegorie mit einer sehr klaren Botschaft gesehen werden kann: Nur wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Im Dunkeln bleiben die meiste Zeit auch die Wölfe. Sie attackieren die Überlebenden schnell und rücksichtslos. Oft auch in der Dunkelheit. Sie belauern die Menschen und oft sind nur Details von ihnen sicht- und hörbar. Die Fantasie des Zuschauers, unterstützt von einem genial-furchterregendem Soundtrack, der die gefühlte Temperatur im Kino um einige Grad senkt, übernimmt den Rest. Das erinnert in seinem Schreckenspotential an das Monster in Ridley Scotts „Alien“, der auch einer der „The Grey“-Produzenten ist. Und natürlich weiß Joe Carnahan, dass er nichts zeigen kann, was nicht von der Fantasie des Zuschauers übertroffen wird. Also kann er gleich die Arbeit machen.

Joe Carnahan haucht der altbekannten Überleben-in-der-Wildnis-Story durch die raue Art seines Erzählens so viel neues Leben ein, dass „The Grey“ trotz, oder wegen, der grandiosen Landschaft ein beklemmend-düsterer, alptraumhafter Abenteuerfilm ist.

Die Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films, die die prestigeträchtigen Saturn Awards verleiht, hat „The Grey“ als besten Horrorfilm/Thriller nominiert und bei der Konkurrenz (unter anderem „Contagion“ und „Verblendung“) hat er gute Chancen den Preis bei der Preisverleihung am 20. Juni zu erhalten.

The Grey – Unter Wölfen (The Grey, USA 2012)

Regie: Joe Carnahan

Drehbuch: Joe Carnahan, Ian Mackenzie Jeffers

LV: Ian Mackenzie Jeffers: Ghost Walker (Publikationsdatum und -ort unklar)

mit Liam Neeson, Frank Grillo, Dermot Mulroney, Dallas Roberts, Joe Anderson, Nonso Anozie, James Badge Dale

Länge: 117 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Grey“

Rotten Tomatoes über „The Grey“

Wikipedia über „The Grey“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Liam Neeson als Nebendarsteller in Peter Bergs „Battleship“

April 11, 2012

Battleship“ ist die Filmversion von „Schiffe versenken“ – und genau das ist der Film: Schiffe versenken. Mit möglichst viel Lärm und möglichst wenig Dialog. Wenn es mehr als fünf zusammenhängende Worte sind, dann ist es schon eine Ansprache.

Weil aber ein profanes Schiffe versenken zwischen zwei Ländern heute ungefähr so spannend wie eine Regierungserklärung ist, haben die Macher sich eine Science-Fiction-Geschichte ausgedacht und die geht so: Während eines Flottenmanövers bei Hawaii tauchen außerirdische Raumschiffe auf und, gemäß der allseits bekannten Doktrin der Militärischen Intelligenz, wird gleich begonnen, sich zu beschießen.

Mehr will ich jetzt von der Handlung nicht verraten. Außer vielleicht, dass es in dem Drehbuch, das anscheinend von einem Schreibcomputer zusammengestückelt wurde, ein, zwei minimale Überraschungen gibt, die den ganzen Mist aber nicht retten. „Battleship“ ist einfach komplett unlogische Militär-Pornographie, in der Wissenschaftler nur als grenzdebile, lebensuntaugliche Deppen und Politiker überhaupt nicht vorkommen. Immerhin stören sie so nicht das Militär bei der Arbeit.

Der Held Alex Hopper (Taylor Kitsch, anfangs mit „John Carter“-Frisur, später militärisch kurz) ist einer dieser in solchen Filmen immer vorkommenden, unangepassten Hallodris, die im Kampf bei sich unerwartete Führungsqualitäten (die wir, auch ohne Kenntnis des Drehbuchs, kannten) entdecken und zum Mann (aus Sicht des Militärs) werden.

Auch die anderen Charaktere sind ähnlich Nulldimensional angelegt. Eindimensional wäre schon eine außerordentliche Steigerung und die Charaktere in „Independence Day“ oder „Armageddon – Das jüngste Gericht“ hatten dagegen schon eine ungeheure Tiefe.

Liam Neeson hat als knurriger Admiral Shane ungefähr eine Handvoll Auftritte, die wegen der Menge über den Cameo-Status hinausgehen. Außerdem hat er hierfür sicher ein hübsches Sümmchen auf sein Konto überwiesen bekommen.

R&B-Sängerin Rihanna hat in „Battleship“ ihre erste Filmrolle und sie fällt als Eye Candy mit Wumme auch nicht unbedingt negativ auf. Nur singen tut sie nicht. Obwohl Musik doch, wie wir seit „Mars Attacks!“ wissen, ein probates Mittel gegen Aliens ist.

Herrje, wenn Regisseur Peter Berg („Operation: Kingdom“, „Hancock“) und die Drehbuchautoren Joe und Erich Hoeber („Whiteout“, „R. E. D.“) nicht schon einige ordentliche bis gute Filme auf ihrem Konto hätten, wäre das ziemlich humorfreie, tatkräftig vom Militär unterstützte „Battleship“ nicht so enttäuschend.

Ein strunzdummer, ohrenbetäubender, das Militär und militärische Tugenden (Ballern! Ballern! Ballern bis der Gegner pulverisiert ist.) hochhaltender Film wäre es trotzdem.

Oder in der Sprache des Film: Treffer! Film versenkt! Mission erfüllt! Kollateralschäden egal!

Aber zum Glück nur in 2D.

Battleship (Battleship, USA 2012)

Regie: Peter Berg

Drehbuch: Joe Hoeber, Erich Hoeber

mit Taylor Kitsch, Alexander Skarsgård, Rihanna, Brooklyn Decker, Tadanobu Asano, Greg Gadson, Liam Neeson, Peter MacNicol, Louis Lombardi (eine Szene als Barkeeper)

Länge: 131 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Battleship“

Rotten Tomatoes über „Battleship“

Wikipedia über „Battleship“


TV-Tipp für den 12. April: Nachtschicht: Vatertag

April 11, 2012

ZDFneo, 20.15

Nachtschicht: Vatertag (D 2004, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

Eine ruhige Nacht wird das nicht für Erichsen und sein Team: ein unheilbar an Krebs erkrankter Knacki will seine letzten Tage mit seinem Sohn verbringen. Deshalb entführt er ihn von seinen Adoptiveltern: einem Polizisten, der gerade gegen Erichsen ermittelt. Außerdem macht ein entlaufener Irrer das Revier unsicher.

Nach dem überwältigenden Erfolg des ersten Nachtschicht-Filmes durfte Lars Becker mit den bewährten Schauspielern ein weiteres Mal zuschlagen. Und weil auch der zweite „Nachtschicht“-Film ein voller Erfolg war, folgten seitdem einige weitere sehr gelungene Krimis.

Mit Armin Rohde, Katharina Böhm, Minh-Khai Phan-Thi, Ken Duken, Ercan Durmaz, Axel Prahl

Hinweise

ZDF über „Nachtschicht“

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker

Lars Becker in der Kriminalakte


Mennan Yapos Kurzfilm „Framed“

April 11, 2012

Bevor Mennan Yapo „Lautlos“ (mit Joachim Król) und „Die Vorahnung“ (Premonition, mit Sandra Bullock) drehte, drehte er 1999 den Kurzfilm „Framed“

„Wir hatten ihn weltweit zu Festivals geschickt und er kam wirklich überall gut an. Die Leute kamen aus dem Film mit einem seltsamen, unerklärlichen Gefühl. Ich weiß noch, wie er in Bilbao lief, Seattle oder in Palm Springs. Und in Hof. Als er dort gezeigt wurde, gab es großartige Reaktionen. Da kamen Filmemacher auf mich zu, die ich nicht kannte. Die haben gesagt: ‚Wow, das ist dein erster Film? Respekt, sehr assoziativ.'“

(Mennan Yapo in Marko Kregel: Hollywood – Traum und Wirklichkeit, Schüren 2012)

 


Die Nominierungen für den Thriller Award 2012 der ITW

April 11, 2012

Die International Thriller Writers (ITW) haben die Finalisten für den diesjährigen Thriller Award veröffentlicht. Um die Trophäe für den besten Thriller des Jahres kämpfen:

BEST HARD COVER NOVEL

Jonathan Hayes – A HARD DEATH (Harper)

Stephen King – 11/22/63 (Scribner) (Der Anschlag)

Michael Koryta – THE RIDGE (Little, Brown and Co.)

Marcus Sakey – THE TWO DEATHS OF DANIEL HAYES (Dutton Adult)

BEST PAPERBACK ORIGINAL

Jeff Abbott – THE LAST MINUTE (Sphere/Little, Brown UK)

John Gilstrap – THREAT WARNING (Pinnacle)

Helen Grant – THE GLASS DEMON (Delacorte Press)

Steven James – THE QUEEN (Revell)

John Rector – ALREADY GONE (Thomas & Mercer)

BEST FIRST NOVEL

James Barney – THE GENESIS KEY (Harper)

Melinda Leigh – SHE CAN RUN (Montlake Romance)

Paul McEuen – SPIRAL (The Dial Press)

H.T. Narea – THE FUND (Forge Books)

Leslie Tentler – MIDNIGHT CALLER (Mira)

BEST SHORT STORY

James Scott Bell – “One More Lie” (Compendium Press)

Michael Lewin – “Anything to Win” (Strand Magazine)

Twist Phelan – “Happine$$” (MYSTERY WRITERS OF AMERICA PRESENTS THE RICH AND THE DEAD, Grand Central Publishing)

Tim L. Williams – “Half-Lives” (Dell Magazine)

Dave Zeltserman – “A Hostage Situation” (Ellery Queen Mystery Magazine)

Die Preisverleihung ist, während des sechsten Thriller Fest, am 14. Juli im Grand Hyatt, New York City.

(via ITW)


TV-Tipp für den 11. April: Lone Star

April 11, 2012

SWR, 23.00

Lone Star (USA 1996, R.: John Sayles)

Drehbuch: John Sayles

In Texas wird in der Wüste ein Skelett mit einem Sheriffstern gefunden. Sheriff Sam Deeds (Chris Cooper) versucht den vierzig Jahre alten Mordfall zu klären und schnell fragt er sich, was sein verstorbener Vater, der ungekrönte und immer noch geachtete Herrscher der Stadt, mit dem Mord zu tun hat und ob er sein Andenken beschmutzen soll.

„Sayles ist ein Meisterwerk mehrschichtigen Erzählens gelungen: mit knapp einem Dutzend wichtigen Rollen, mit überlegter Koppelung von Gegenwart und Vergangenheit, lakonisch-doppelsinnigen Dialogen, ausgefeilter Kameraarbeit, Musik, die drei Kulturen einfängt, und atemberaubenden Zeitübergängen.“ (Fischer Film Almanach 1998)

Bei dem Lob vergisst man fast, dass „Lone Star“ auch ein verdammt unterhaltsamer Krimi ist.

Das Drehbuch war für einen Oscar („Fargo“ gewann), einen Golden Globe, den BAFTA, den Independent Spirit Award und den Preis der Writers Guild of America (wieder gewann „Fargo“) nominiert.

mit Chris Cooper, Elisabeth Pena, Kris Kristofferson, Miriam Colon, Matthew McConaughey, Frances McDormand

Hinweise

Wikipedia über „Lone Star“ (deutsch, englisch)

Homepage von John Sayles

John Sayles in der Kriminalakte


DVD-Kritik: James Mason ist „Ausgestoßen“ in einem Noir von Carol Reed

April 10, 2012

Wenn man „Film Noir“ als Genre, als Bezeichnung für Filme, die eine bestimmte Weltsicht und formale Charakteristika teilen, begreift, dann kann ein Noir überall entstehen und spielen. Auch in England und „Ausgestoßen“ von „Der dritte Mann“-Regisseur Carol Reed ist ein ausgezeichnetes Beispiel für einen gelungen Noir. Als der Film kurz nach dem zweiten Weltkrieg für Two Cities Production entstand, war es eine Prestigeproduktion, die auch den BAFTA als bester englischer Film gewann. Gerade deshalb erstaunt, wie konsequent die Noir-Weltsicht in ihrer schwärzesten Form gezeichnet wurde.

Dabei beginnt „Ausgestoßen“ fast harmlos. Der aus dem Gefängnis geflüchtete, in der Bevölkerung als Volksheld verehrte Johnny McQueen (James Mason) plant mit seinen Kumpels einen Banküberfall. Der Überfall geht gründlich schief. Er erschießt in einen Handgemenge einen Kassierer. Er wird angeschossen. Bei der Flucht müssen seine Freunde ihn zurücklassen.

Schwerverletzt stolpert Johnny durch ein labyrinthisches Belfast, das von Polizisten, die ihn jagen, besetzt ist. Während er von einem provisorischem Versteck zum nächsten taumelt und dabei versucht, zu seiner Freundin zu gelangen und dann mit ihr aus der Stadt zu flüchten, entfaltet Carol Reed in prägnanten Szenen ein Panorama menschlicher Niedertracht, Gier und Angst. Denn letztendlich will jeder, der Johnny trifft, ihn nur für seine eigenen Interessen benutzen. Kann es ein noch düsteres Bild der Conditio Humana geben?

Für James Mason war seine Darstellung des aufgrund seiner Verletzung weitgehend passiven Johnny die Beste in seiner Karriere und es ist auch sein liebster Carol-Reed-Film.

Auch Roman Polanski ist ein Fan des heute zu Unrecht fast unbekannten Noirs: „Kein Film hat mich glücklicher gemacht.“

Ausgestoßen (Odd Man Out, GB 1947)

Regie: Carol Reed

Drehbuch: F. L. Green, R. C. Sheriff

LV: F. L. Green: Odd Man Out, 1945 (Der Terrorist)

mit James Mason, Robert Newton, Cyril Cusack, Kathleen Ryan, F.J. McCormick, William Hartnell, Fay Compton, Denis O’Dea, W.G. Fay, Maureen Delaney

DVD

Koch Media (Film Noir Collection 9)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: 12-seitiges Booklet mit einem Essay von Thomas Willmann, Bildergalerie, Drehbuch (als PDF)

Länge: 111 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Ausgestoßen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Ausgestoßen“ (und hier der Eintrag)

Noir of the Week über „Ausgestoßen“


Die Hugo-Nominierungen 2012

April 10, 2012

Nach einer komplizierteren Abstimungsprozedur (Details hier) hat die World Science Fiction Society die Finalisten für den diesjährigen Hugo-Preis gefunden:

Best Novel

Among Others“ von Jo Walton (Tor)

A Dance With Dragons“ von George R. R. Martin (Bantam Spectra)

Deadline“ von Mira Grant (Orbit)

Embassytown“ von China Miéville (Macmillan / Del Rey)

Leviathan Wakes“ von James S. A. Corey (Orbit)

Best Novella

Countdown von Mira Grant (Orbit)

The Ice Owl” von Carolyn Ives Gilman (The Magazine of Fantasy & Science Fiction, November/December 2011)

Kiss Me Twice” von Mary Robinette Kowal (Asimov’s, June 2011)

The Man Who Bridged the Mist” von Kij Johnson (Asimov’s, September/October 2011)

The Man Who Ended History: A Documentary” von Ken Liu (Panverse 3)

Silently and Very Fast von Catherynne M. Valente (Clarkesworld / WSFA)

Best Novelette

The Copenhagen Interpretation” von Paul Cornell (Asimov’s, July 2011)

Fields of Gold” von Rachel Swirsky (Eclipse Four)

Ray of Light” von Brad R. Torgersen (Analog, December 2011)

Six Months, Three Days” von Charlie Jane Anders (Tor.com)

What We Found” von Geoff Ryman (The Magazine of Fantasy & Science Fiction, March/April 2011)

Best Short Story

The Cartographer Wasps and the Anarchist Bees” von E. Lily Yu (Clarkesworld, April 2011)

The Homecoming” von Mike Resnick (Asimov’s, April/May 2011)

Movement” von Nancy Fulda (Asimov’s, March 2011)

The Paper Menagerie” von Ken Liu (The Magazine of Fantasy & Science Fiction, March/April 2011)

Shadow War of the Night Dragons: Book One: The Dead City: Prologue” von John Scalzi (Tor.com)

Best Related Work

The Encyclopedia of Science Fiction, Third Edition edited von John Clute, David Langford, Peter Nicholls, and Graham Sleight (Gollancz)

Jar Jar Binks Must Die… and Other Observations about Science Fiction Movies von Daniel M. Kimmel (Fantastic Books)

The Steampunk Bible: An Illustrated Guide to the World of Imaginary Airships, Corsets and Goggles, Mad Scientists, and Strange Literature von Jeff VanderMeer and S. J. Chambers (Abrams Image)

Wicked Girls von Seanan McGuire

Writing Excuses, Season 6 von Brandon Sanderson, Dan Wells, Howard Tayler, Mary Robinette Kowal, and Jordan Sanderson

Best Graphic Story

Digger von Ursula Vernon (Sofawolf Press)

Fables Vol 15: Rose Red von Bill Willingham und Mark Buckingham (Vertigo)

Locke & Key Volume 4, Keys to the Kingdom geschrieben von Joe Hill, gezeichnet von Gabriel Rodriguez (IDW)

Schlock Mercenary: Force Multiplication geschrieben und gezeichnet von Howard Tayler, Farben von Travis Walton (The Tayler Corporation)

The Unwritten (Volume 4): Leviathan erfunden von Mike Carey und Peter Gross. geschreiben von Mike Carey, gezeichnet von Peter Gross (Vertigo)

Best Dramatic Presentation (Long Form)

Captain America: The First Avenger, Drehbuch von Christopher Markus und Stephan McFeely, Regie Joe Johnston (Marvel)

Game of Thrones (Season 1), erfunden von David Benioff und D. B. Weiss; geschrieben von David Benioff, D. B. Weiss, Bryan Cogman, Jane Espenson und George R. R. Martin; Regie Brian Kirk, Daniel Minahan, Tim van Patten und Alan Taylor (HBO)

Harry Potter and the Deathly Hallows Part 2, Drehbuch von Steve Kloves; Regie David Yates (Warner Bros.)

Hugo, Drehbuch von John Logan; Regie Martin Scorsese (Paramount)

Source Code, Drehbuch von Ben Ripley; Regie Duncan Jones (Vendome Pictures)

Best Dramatic Presentation (Short Form)

The Doctor’s Wife” (Doctor Who), Drehbuch von Neil Gaiman; Regie Richard Clark (BBC Wales)

The Drink Tank’s Hugo Acceptance Speech,” Christopher J Garcia und James Bacon (Renovation)

The Girl Who Waited” (Doctor Who), Drehbuch von Tom MacRae; Regie Nick Hurran (BBC Wales)

A Good Man Goes to War” (Doctor Who), Drehbuch von Steven Moffat; Regie Peter Hoar (BBC Wales)

Remedial Chaos Theory” (Community), Drehbuch von Dan Harmon und Chris McKenna; Regie von Jeff Melman (NBC)

Best Semiprozine

Apex Magazine herausgegeben von Catherynne M. Valente, Lynne M. Thomas und Jason Sizemore

Interzone herausgegeben von Andy Cox

Lightspeed herausgegeben von John Joseph Adams

Locus herausgegeben von Liza Groen Trombi, Kirsten Gong-Wong, et al.

New York Review of Science Fiction herausgegeben von David G. Hartwell, Kevin J. Maroney, Kris Dikeman und Avram Grumer

Best Fanzine

Banana Wings herausgegeben von Claire Brialey und Mark Plummer

The Drink Tank herausgegeben von James Bacon und Christopher J Garcia

File 770 herausgegeben von Mike Glyer

Journey Planet herausgegeben von James Bacon, Christopher J Garcia, et al.

SF Signal herausgegeben von John DeNardo

Best Fancast

The Coode Street Podcast, Jonathan Strahan & Gary K. Wolfe

Galactic Suburbia Podcast, Alisa Krasnostein, Alex Pierce und Tansy Rayner Roberts (Präsentatoren) und Andrew Finch (Produzent)

SF Signal Podcast, John DeNardo und JP Frantz, produziert von Patrick Hester

SF Squeecast, Lynne M. Thomas, Seanan McGuire, Paul Cornell, Elizabeth Bear und Catherynne M. Valente

StarShipSofa, Tony C. Smith

Best Professional Editor – Long Form

Lou Anders

Liz Gorinsky

Anne Lesley Groell

Patrick Nielsen Hayden

Betsy Wollheim

Best Professional Editor – Short Form

John Joseph Adams

Neil Clarke

Stanley Schmidt

Jonathan Strahan

Sheila Williams

Best Professional Artist

Dan dos Santos

Bob Eggleton

Michael Komarck

Stephan Martiniere

John Picacio

Best Fan Artist

Brad W. Foster

Randall Munroe

Spring Schoenhuth

Maurine Starkey

Steve Stiles

Taral Wayne

Best Fan Writer

James Bacon

Claire Brialey

Christopher J Garcia

Jim C. Hines

Steven H Silver

John W. Campbell Award for Best New Writer (Award for the best new professional science fiction or fantasy writer of 2010 or 2011, sponsored von Dell Magazines (not a Hugo Award))

Mur Lafferty

Stina Leicht

Karen Lord

Brad R. Torgersen

E. Lily Yu

Die Preisverleihung ist auf der World Science Fiction Convention (Worldcon) am 2. September 2012 in Chicago.


Cover der Woche

April 10, 2012


TV-Tipp für den 10. April: Rufmord – Jenseits der Moral

April 10, 2012

ZDFneo, 20.15

Rufmord – Jenseits der Moral (USA/GB/D 2000, R.: Rod Lurie)

Drehbuch: Rod Lurie

Als der US-Präsident eine Frau (damals praktisch undenkbar, heute egal) zu seiner Stellvertreterin ernennt, beginnt ein Republikaner eine Schmutzkampagne.

Gut, das Zieren der designierten Stellvertreterin, nichts aus ihrem Privatleben der Öffentlichkeit zu verraten, weil es nichts mit ihrer Arbeit zu tun hat, ist so weltfremd in der Politik, dass es den gesamten Film schwächt. Davon abgesehen bietet „Rufmord“ tolles Schauspielerkino, das auch einen guten Blick hinter die Kulissen der Macht gibt.

Inspiriert wurde „Rufmord“ von der zunehmend unappetitlichen Kampagne der Republikaner gegen Präsident Bill Clinton.

mit Gary Oldman, Joan Allen, Jeff Bridges, Christian Slater, Sam Elliott, William Petersen, Saul Rubinek, Philip Baker Hall

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Rufmord“

Wikipedia über „Rufmord“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. April: Duplicity – Gemeinsame Geheimsache

April 9, 2012

ZDF, 22.00

Duplicity – Gemeinsame Geheimsache (USA 2009, R.: Tony Gilroy)

Drehbuch: Tony Gilroy

Nach Agententhriller (die “Bourne”-Serie) und Politthriller (“Michael Clayton”) ist er jetzt bei der romantischen Thriller-Komödie mit Screwball-Elementen angelangt: zwei Industriespione, die eine Liebe-Hass-Beziehung (ersteres persönlich, letzteres beruflich) pflegen, beschließen, ihre Bosse um einige Millionen zu erleichtern. Aber können sie sich trauen? Und können sie mit dem Geld entkommen?

Die Kritiken tendieren zu einem leichten „ich hätte mehr erwartet“, aber zwei Stunden gepflegte Unterhaltung sind garantiert. „Mit viel doppelbödigem Charme und herausragendem Ensemble macht Tony Gilroy aus der Agentenromanze einen wunderbaren Film.“ (Thomas Klein, tip 10/2009)

Mit Julia Roberts, Clive Owen, Tom Wilkinson, Paul Giamatti, Ulrich Thomsen (als Big Swiss Suit; – was einiges über die Größe der Rolle aussagt)

Wiederholung: Mittwoch, 11. April, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Duplicity“

Rotten Tomatoes über „Duplicity“

Wikipedia über „Duplicity“ (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 8. April: Avatar – Aufbruch nach Pandora

April 8, 2012

RTL, 20.15

Avatar – Aufbruch nach Pandora (USA 2009, R.: James Cameron)

Drehbuch: James Cameron

Optisch beeindruckender, storytechnisch ziemlich unterirdischer SF-Fantasy-Film, der den 3D-Boom auslöste und Unsummen einspielte. Denn Cameron erzählt einfach die sattsam bekannte Geschichte vom edlen Wilden und dem gierigen Kapitalisten, voller Logiklöcher, Merkwürdigkeiten und auch Längen nach.

mit Sam Worthington, Zoe Saldana, Sigourney Weaver, Michelle Rodriguez, Giovanni Ribisi, Joel David Moore, Stephen Lang, CCH Pounder, Wes Studi

Wiederholung: Montag, 9. April, 14.55 Uhr

Hinweise

Film-Zeit über „Avatar“

Rotten Tomatoes über „Avatar“

Wikipedia über „Avatar“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Avatar“ von James Cameron