In Frankreich wird eine junge Frau in einem Gebirgsfluss wach. Sie hat, wie wir, keine Ahnung, wie sie dorthin gelangte und, als sie kurz darauf in einem Dorfhotel eincheckt, hat sie auch keine Ahnung, wie sie heißt und wo sie herkommt. Aber sie hat einen Seesack voller 100-Euro-Geldbündel und eine Pistole. In den Nachrichten hört sie Meldungen über die in der Nähe stattgefundenen Morde an einem Politiker und zwei weiteren, noch unbekannten Toten. Hat sie etwas damit zu tun?
Nun, selbstverständlich. Aber bis wir erfahren, was sie mit den Morden zu tun hat, erleben wir hundert spannende Minuten, die man besser nicht zu sehr auf Wahrscheinlichkeit überprüft und die politische Ebene nimmt man besser als MacGuffin; also als Element, das die Handlung in Gang setzt und vorantreibt, ohne das es genauer erklärt wird.
Denn die schöne Unbekannte scheint aus Dänemark zu kommen und ein Musikstück löst bei ihr Erinnerungen aus. Als sie in Kopenhagen ankommt, erfährt sie, dass sie Ida heißt, die Frau des Opernsängers Just Ore ist und er, ihr Bruder und ihre Freunde als Studenten Mitglieder einer radikalen politischen Gruppe waren.
Während sie noch versucht, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen, wird sie von von zwei Männern verfolgt, die sie bereits in Frankreich verfolgten. Die beiden Männern kennen sie von früher. Denn sie waren, als sie sie auf einem Überwachungsvideo erkannten, über ihr Auftauchen in Frankreich sehr erstaunt und auch ihr Mann Just Ore scheint etwas mit den seltsamen Ereignissen und ihren Verfolgern zu tun zu haben.
„ID:A – Identität Anonym“, ist ein feiner, kleiner Thriller, der seine Geheimnisse, als die Heldin Ida während eines weiteren traumatischen Ereignisses ihr Gedächtnis wiedererlangt, in einer für meinen Geschmack zu langen Rückblende enthüllt.
Davon abgesehen erinnert Christiansens Film an die paranoiden französischen Polit- und Psycho-Thriller der sechziger und siebziger Jahre, in denen eine Gesellschaft gezeichnet wird, in der es mafiöse Verbindungen zwischen Verbrechern und Politikern, oft auch Geheimdienstlern, Polizisten und hochrangigen Beamten, gibt, die einen Staat im Staat bilden. Der Held wird von ihnen und ihrer allumfassenden Macht bedroht und er kann nie seiner Wahrnehmung und seinem Gedächtnis trauen; vor allem, weil alle anderen mehr über ihn wissen und er nie weiß, ob oder wie sehr er belogen wird. In „ID:A – Identität anonym“ lebt diese paranoide Stimmung wieder auf.
P. S.: Für die deutsche Fassung wurde die Tonspur komplett synchronisiert. In der Originalfassung wird in den ersten gut zwanzig Minuten, solange Ida in Frankreich ist, französisch gesprochen.
ID:A – Identität anonym (ID:A, Dänemark 2011)
Regie: Christian E. Christiansen
Autor : Tine Krull Petersen
LV: Anne Chaplin Hansen: På knivens æg, 2000
mit Tuva Novotny, Flemming Enevold, Carsten Bjørnlund, Arnaud Binard, John Buijsman, Rogier Philipoom, Jens Jørn Spottag
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 2,35:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Dänisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
Länge: 100 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
–
Hinweise
Rotten Tomatoes über „ID:A – Identität anonym“
