Als auf den zurückgezogen lebenden Ex-CIA-Agenten Frank Moses (Bruce Willis) ein Anschlag verübt wird (danach sind die drei Angreifer tot), trommelt er einige alte Kumpels (Morgan Freeman, John Malkovich, Helen Mirren) zusammen und gemeinsam zeigen sie der CIA, zu was die alten Säcke fähig. Den das Kürzel „R. E. D.“ in der CIA-Akte bedeutet „retired, extremely dangerous“.
Köstlich-kurzweilige Actionkomödie, die die schlanke Comicvorlage mit Humor, mehr Story und mehreren Ex-CiA-Agenten aufbrezelt. Aufgrund des großen Erfolgs dürfen die extrem gefährlichen CIA-Ruheständler dieses Jahr wieder zuschlagen.
Wahrscheinlich ist die 20.15-Uhr-Ausstrahlung gekürzt; die Wiederholung müsste ungekürzt sein.
mit Bruce Willis, Helen Mirren, Morgan Freeman, John Malkovich, Mary-Louise Parker, Karl Urban, Ernest Borgnine, Brian Cox, James Remar, Richard Dreyfuss
Sin City (USA 2005, R.: Frank Miller, Robert Rodriguez, Quentin Tarantino [special guest director])
Drehbuch: Frank Miller
LV: Frank Miller: Sin City (verfilmte Geschichten: The Hard Goodbye [1991], The Big Fat Kill [1994], That Yellow Bastard [1996], The Customer is Always Right[1994])
Kongeniale Verfilmung einiger Geschichten aus der düsteren „Sin City“-Welt.
Heute läuft nicht die Kinofassung, sondern die etwas längere „Recut & Extended“-Version, mit einer Betonung auf „Recut“.
Mit Jessica Alba, Powers Boothe, Jude Ciccolella, Rosario Dawson, Benicio Del Toro. Josh Hartnett, Rutger Hauer, Jamie King, Michael Madsen, Frank Miller, Brittany Murphy, Clive Owen, Mickey Rourke, Nick Stahl, Bruce Willis, Elijah Wood
Die erste Überraschung erleben die Menschen, die bislang noch keinen von Lee Childs Jack-Reacher-Romanen gelesen haben, nach ungefähr zehn Minuten. Denn bis dahin baute Drehbuchautor und Regisseur Christoper McQuarrie in seiner Verfilmung von „Sniper“ (One Shot) die Spannung auf die Ankunft des edlen Retters kontinuierlich auf.
In Pittsburgh, Pennsylvania, erschießt ein Sniper am helllichten Tag fünf Menschen. Detective Emerson (David Oyelowo) sichert die Beweise und schnell hat er einen wasserdichten Fall gegen James Barr (Joseph Sikora). Dieser verlangt nur, dass Jack Reacher geholt werden soll. Aber dieser Reacher ist ein Geist. Er war Militärpolizist, jetzt reist er ohne Gepäck durch die USA und als er in den Nachrichten von der Anklage gegen Barr hört, macht er sich auf den Weg nach Pittsburgh.
Aber er reitet in das Büro des zuständigen Staatsanwalts Rodin (Richard Jenkins) nicht als der große Retter Shane ein, sondern er ist ein Racheengel der nur aus einem Grund nach Pittsburgh gekommen ist: er will sich vergewissern, dass Barr auch wirklich für diese Tat verurteilt wird. Während des Golfkriegs ermordete der Army-Scharfschütze mehrere US-Soldaten aus dem Hinterhalt. Aufgrund höherer politischer Erwägungen und zu Jack Reachers Ärger entging Barr damals seiner Bestrafung.
Das scheint jetzt nicht wieder zu passieren und Reacher will die Stadt wieder verlassen. Aber da bittet Barrs Verteidigerin Helen Rodin (Rosamund Pike) ihn, in dem Ort zu bleiben und sich als ihr Ermittler die Beweise noch einmal anzusehen. Immerhin hat Barr, bevor er ins Koma geprügelt wurde, ausdrücklich darum gebeten, Jack Reacher zu rufen.
Reacher sieht sich die Beweise an und, weil sie zu gut sind, um wahr zu sein, beginnt er nach dem wahren Mörder und den Hintergründen für die Tat zu suchen. Das ist jetzt auch für die Menschen, die noch keinen Jack-Reacher-Roman gelesen haben (es aber unbedingt nach dem Filmbesuch tun sollten) keine Überraschung. Ebenso, dass Jack Reacher eine Menge Ärger bekommt und letztendlich in der Stadt kräftig aufräumt.
Dabei verlässt Jack Reacher sich weniger auf seine Kampfkünste, als auf seinen Verstand und seine Beobachtungsgabe. So scheint er bereits schnell das halbe Komplott durchschaut zu haben.
Drehbuchautor und Regisseur Christopher McQuarry („Die üblichen Verdächtigen“, „Operation Walküre“) bemüht sich kräftig, Jack Reacher in möglichst jeder Szene als den großen mythologischen Helden zu inszenieren und er plündert dabei fast jedes Western-Topoi, das irgendwie in den Film hineinpasst und gibt ihm in jeder Szene mindestens einen Oneliner. Dabei ist „Jack Reacher“, wie Lee Childs grandioser Roman „Sniper“, an den der Film sich weitgehend hält, in erster Linie ein Rätselkrimi, in dem ein smarter Ermittler den Mörder (dessen Identität uns Zuschauern von Anfang an bekannt ist) und dessen Auftraggeber sucht. Denn er glaubt nicht, dass die Opfer zufällig ausgewählt wurden.
Der Auftraggeber für die Morde, The Zec, ist ein grandioser Besetzungscoup. Denn er wird von Werner Herzog gespielt, der in den Siebzigern einer der wichtigsten Regisseure des Neuen Deutschen Films war, in den Neunzigern bei uns in Vergessenheit geriet, während er in den USA als Regisseur von Spiel- und Dokumentarfilmen bekannt wurde und dort schon fast kultisch verehrt wird; was sicher auch an seinem Humor liegt. Jedenfalls darf er als Zec, mit ausdruckloser Mine und in der Originalfassung seinem wunderschönem Akzent, einige so tiefsinnige, absurde und böse Sätze sagen, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft. Wahrscheinlich haben McQuarrie und Cruise (der den Film auch produzierte) als sie Herzog engagierten, einfach ihrem Fantum nachgegeben. Jedenfalls war das eine kluge Entscheidung.
„Jack Reacher“ ist ein guter, wenn auch unspektakulärer Thriller mit einem in jeder Beziehung angenehmen Retro-Touch, bei dem die Schauspieler, die Dialoge und altmodische Erzähltugenden im Vordergrund stehen. Entsprechend unaufgeregt inszenierte McQuarrie den Film und Tom Cruise gibt – nachdem die Fans der Romane Cruise lautstark wegen seiner Körpergröße ablehnten (immerhin ist Reacher in den Romanen fast zwei Meter und Tom Cruise ist nur 1,70 Meter) – einen überzeugenden Jack Reacher. Denn er ist im Film genausowenig zu stoppen wie in den Romanen. Außerdem sind die wenigen Action-Szenen, die angenehm altmodisch ohne Wackelkamera, Schnittgewitter und „Mission Impossible“-Overkill inszeniert wurden, so auch viel glaubwürdiger. Denn welche Bande von Kleinstadtmachos fängt eine Schlägerei mit einem Zwei-Meter-Muskelprotz an? In „Jack Reacher“ versuchen sie es. Kurz darauf sind liegen sie krankenhausreif auf dem Boden.
Und was hätten die Die-Hard-Fans der Romane zu Brad Pitt, Hugh Jackman, Jamie Foxx, Vince Vaughn und Will Smith, die alle vor Tom Cruise für die Rolle im Gespräch waren, gesagt?
mit Tom Cruise, Rosamund Pike, Richard Jenkins, David Oyelowo, Werner Herzog, Jai Courtney, Vladimir Sizov, Joseph Sikora , Michael Raymond-James, Alexia Fast, Josh Helman, Robert Duvall, Lee Child (Cameo als Polizist)
Pee-wee’s irre Abenteuer (USA 1985, R.: Tim Burton)
Drehbuch: Phil Hartman, Paul Reubens, Michael Varhol
Musik: Danny Elfman
Anscheinend lief Tim Burtons Spielfilmdebüt „Pee-wee’s irre Abenteuer“, eine Auftragsarbeit von und für den damals populärem Paul Reubens, schon einmal im Fernsehen: 1995 auf Sat.1. Jetzt zeigt Arte die Komödie im Rahmen seiner Tim-Burton-Reihe und als Vorbereitung für seinen neuen, empfehlenswerten Film „Frankenweenie“ (Kinostart: 24. Januar).
Pee-wee Herman „wandelt wie ein Idiot durch einen idiotischen Film, immer auf der Suche nach seinem geklauten Fahrrad. Er findet es in einem Filmstudio, wo verschiedene – wohlbekannte – Filme in Arbeit sind, in die er hineinstolpert. Sinnfälliger kann man nicht machen, dass das gute alte Hollywood zum Selbstbedienungsladen für erbärmliche Epigonen verkommen ist.“ (Fischer Film Almanach 1987) Ähem.
Burtons zweiter Film „Beetlejuice“ läuft bereits um 20.15 Uhr.
Mit Paul Reubens (aka Pee-wee Herman), Elizabeth Daily, Mark Holton, Diane Salinger, Mark Landis, James Brolin, Morgan Fairchild
In Frankreich wird eine junge Frau in einem Gebirgsfluss wach. Sie hat, wie wir, keine Ahnung, wie sie dorthin gelangte und, als sie kurz darauf in einem Dorfhotel eincheckt, hat sie auch keine Ahnung, wie sie heißt und wo sie herkommt. Aber sie hat einen Seesack voller 100-Euro-Geldbündel und eine Pistole. In den Nachrichten hört sie Meldungen über die in der Nähe stattgefundenen Morde an einem Politiker und zwei weiteren, noch unbekannten Toten. Hat sie etwas damit zu tun?
Nun, selbstverständlich. Aber bis wir erfahren, was sie mit den Morden zu tun hat, erleben wir hundert spannende Minuten, die man besser nicht zu sehr auf Wahrscheinlichkeit überprüft und die politische Ebene nimmt man besser als MacGuffin; also als Element, das die Handlung in Gang setzt und vorantreibt, ohne das es genauer erklärt wird.
Denn die schöne Unbekannte scheint aus Dänemark zu kommen und ein Musikstück löst bei ihr Erinnerungen aus. Als sie in Kopenhagen ankommt, erfährt sie, dass sie Ida heißt, die Frau des Opernsängers Just Ore ist und er, ihr Bruder und ihre Freunde als Studenten Mitglieder einer radikalen politischen Gruppe waren.
Während sie noch versucht, ihr Gedächtnis wieder zu erlangen, wird sie von von zwei Männern verfolgt, die sie bereits in Frankreich verfolgten. Die beiden Männern kennen sie von früher. Denn sie waren, als sie sie auf einem Überwachungsvideo erkannten, über ihr Auftauchen in Frankreich sehr erstaunt und auch ihr Mann Just Ore scheint etwas mit den seltsamen Ereignissen und ihren Verfolgern zu tun zu haben.
„ID:A – Identität Anonym“, ist ein feiner, kleiner Thriller, der seine Geheimnisse, als die Heldin Ida während eines weiteren traumatischen Ereignisses ihr Gedächtnis wiedererlangt, in einer für meinen Geschmack zu langen Rückblende enthüllt.
Davon abgesehen erinnert Christiansens Film an die paranoiden französischen Polit- und Psycho-Thriller der sechziger und siebziger Jahre, in denen eine Gesellschaft gezeichnet wird, in der es mafiöse Verbindungen zwischen Verbrechern und Politikern, oft auch Geheimdienstlern, Polizisten und hochrangigen Beamten, gibt, die einen Staat im Staat bilden. Der Held wird von ihnen und ihrer allumfassenden Macht bedroht und er kann nie seiner Wahrnehmung und seinem Gedächtnis trauen; vor allem, weil alle anderen mehr über ihn wissen und er nie weiß, ob oder wie sehr er belogen wird. In „ID:A – Identität anonym“ lebt diese paranoide Stimmung wieder auf.
P. S.: Für die deutsche Fassung wurde die Tonspur komplett synchronisiert. In der Originalfassung wird in den ersten gut zwanzig Minuten, solange Ida in Frankreich ist, französisch gesprochen.
ID:A – Identität anonym (ID:A, Dänemark 2011)
Regie: Christian E. Christiansen
Autor : Tine Krull Petersen
LV: Anne Chaplin Hansen: På knivens æg, 2000
mit Tuva Novotny, Flemming Enevold, Carsten Bjørnlund, Arnaud Binard, John Buijsman, Rogier Philipoom, Jens Jørn Spottag
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 2,35:1 (16:9 PAL)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Dänisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
Auf einem Laster, der Schrott nach Polen transportieren soll, wird die Leiche eines Tischlers gefunden, der im Scheunenviertel lebte. Das Wohn- und Gewerbegebiet in Berlin-Mitte soll luxussaniert werden. Deshalb wollen der Besitzer des Hauses und ein Makler die alten Mieter aus dem Wohnblock vertreiben. Kommissar Markowitz glaubt, dass der Tote etwas gegen sie in der Hand hatte.
Dichte Milieustudie, die die Veränderungen im Nachwendeberlin reflektiert. Denn schon damals wurde gnadenlos gentrifiziert.
Zuletzt lief „Berlin – Beste Lage“ vor 22. September 2004 im Fernsehen. Auch die anderen Markowitz-“Tatorte“ werden selten gezeigt.
Die acht Markowitz-“Tatorte“ sind immer noch ein Rätsel. Denn der SFB (heute RBB) produzierte von 1991 bis 1995 eine Reihe hochkarätiger „Tatorte“, die die damaligen Veränderungen in Berlin reflektierten. Und das in einer Qualität, die davor und danach nicht erreicht wurde. Denn davor ermittelte Heinz Drache als Kommissar Bülow (Gähn!), danach Winfried Glatzeder als Kommissar Roiter (Grusel! Zwei Giftschrankfolgen und „Ein Hauch von Hollywood“, der so schlecht war, dass er an einem Montag um 23.00 Uhr versendet wurde).
mit Günther Lamprecht, Hans Nitschke, Claudia Balko, Thomas Schendel, Renate Küster
Es hilft wirklich, vor dem „Genuss“ des Films die offizielle Inhaltsangabe zu lesen. Die verrät zwar fast den gesamten Thriller, aber so ist man beim Sehen von „Priest of Evil – Satans dunkle Wege“ nicht ganz so verloren in dem Chaos verschiedener Handlungsstränge, die sich erst langsam entwirren. Dabei verwechseln die Macher Komplexität und Rätsel einfach nur mit Schlamperei beim Konstruieren der Geschichte.
Denn diese ist letztendlich ziemlich einfach: da gibt es einmal einen durchgeknallten, religiösen Mörder. Als er eines seiner Opfer vor die U-Bahn schubst, beginnt Kommissar Timo Harjunpää zu ermitteln. Er ist – klar – ein Superbulle, der allerdings seit zwei Jahren kaum noch arbeitsfähig ist, weil ein Jugendlicher seine Tochter nach einem Discobesuch ermordete. Als der Täter jetzt entlassen wird, will Harjunpää irgendwie seine Tochter rächen. Der Handlungsstrang endet aber ziemlich schnell im Nirgendwo. Seine Frau hat einen eher milden religiösen Rappel und macht ihn immer noch für den Tod ihrer Tochter verantwortlich. Immerhin ist ihre zweite Tochter normal.
Und – Überraschung! – der U-Bahn-Mörder, der gleichzeitig ein Serienmörder mit einer Mission ist, nähert sich Harjunpääs Frau.
So weit, so konventionell. Aber Drehbuchautor Leo Viirret rückt diese Informationen nur bruchstückhaft heraus und überlässt uns so lange die Denkarbeit, bis wir uns nicht mehr darüber freuen, dass wir einige Sachen herausgefunden haben, ohne dass die Charaktere sie ausgesprochen haben oder sie uns gezeigt werden, sondern dass wir uns darüber ärgern, dass der Autor seine Arbeit, nämlich eine Geschichte zu schreiben, bei der wir mit den Charakteren, weil wir ihre Motive verstehen, mitfiebern, nicht getan hat. Die Charaktere sind uns nämlich alle herzlich egal.
Regisseur Olli Saarela inszenierte das dann zwar optisch ansprechend wie einen überlangen Videoclip, aber ohne Gespür für Dramaturgie an austauschbaren Orten. Sowieso könnte die Geschichte genausogut in irgendeiner anderen Großstadt spielen. Die Schauspieler, vor allem die Polizisten, sehen wie eine Abteilung der Hells Angels aus. Die halbe Zeit benehmen sie sich auch so.
Immerhin ist der vermurkste Film schnell vergessen.
Priest of Evil – Satans Dunkle Wege (Harjunpää ja pahan pappi, Finnland 2010)
Regie: Olli Saarela
Drehbuch: Leo Viirret
LV: Matti Yrjänä Joensuu: Harjunpää ja pahan pappi, 2003 (Das Taubenritual)
mit Peter Franzén, Irina Björklund, Sampo Sarkola, Rosa Salomaa, Tommi Korpela, Ville Virtanen, Jenni Banerjee, Maria Järvenhelmi
–
DVD
Ascot-Elite
Bild: 2,35:1 (16:) PAL)
Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Finnisch (Dolby Digital 5.1)
Little Miss Sunshine (USA 2006, R.: Jonathan Dayton, Valerie Faris)
Drehbuch: Michael Arndt
Die siebenjährige Olive Hoover will an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen. Also macht sich die Familie (eine sympathische Ansammlung gescheiterter Existenzen) in einem klapprigen VW-Bus auf den Weg quer durch die USA.
„Sehenswert.“ (Lexikon des internationalen Films)
Ein Feelgood-Independent-Movie, das unter anderem zwei Oscars erhielt (Drehbuch und beste Nebenrolle, es war auch als bester Film des Jahres nominiert) und ein Kritiker- und Publikumserfolg war.
Mit Abigail Breslin, Greg Kinnear, Paul Dano, Alan Arkin, Toni Collette, Steve Carell