Eine richtige Lesung, in der der Autor seinen Text herunternuschelt und schüchtern die Fragen des wohlgesonnenen und gesitteten Publikums beantwortet, wird es am Samstag, den 1. November, im Alabama Kino (Jarrestraße 30, 22303 Hamburg) ab 21.00 Uhr nicht geben. Frank Göhre wird zwar seinen neuen Text „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (Culturbooks) vorstellen, aber zwei gut abgehangene, immer noch und immer wieder sehenswerte Filme werden die meiste Zeit beanspruchen. Denn zwischen den Leseteilen gibt es, endlich mal wieder im Kino, „Supermarkt“ (1973) von Roland Klick und „Rocker“ (1972, ursprünglich ein TV-Film) von Klaus Lemke.
Beide Filme spielen in Hamburg in den frühen Siebzigern und Zeigen die Schattenseiten der Großstadt. In „Supermarkt“ will ein kleinkrimineller Achtzehnjähriger einem Mädchen helfen, indem er einen Geldtransporter überfällt. In „Rocker“ rutscht ein Fünfzehnjähriger, nachdem sein älterer Bruder ermordet wird, in die Welt der Rocker und Zuhälter ab.
Frank Göhre, der mit seinen Romanen in den vergangenen Jahrzehnten eine Gegenchronik zu Hamburgs offizieller Stadtgeschichte schrieb, befasste sich in mehreren Essays auch mit anderen Autoren und Filmen, die ebenfalls die verbrecherische Seite Hamburgs zeigen.
In seiner Ankündigung schreibt CulturBooks:
Zu mehreren Hamburg-Filmen hat der Krimi- und Drehbuchautor Frank Göhre zwei eBooks veröffentlicht: „Du fährst nach Hamburg, ich schwör´s dir“ (CulturBooks, Mai 2014) und „Die Härte, der Reichtum und die Weite“ (CulturBooks, November 2014). Er erinnert an Filme, deren großes Thema die Stadt ist, oder besser, das Porträt eines Stadtviertels: Hamburg St. Pauli im Wandel der Zeit. Hier haben so unterschiedliche Regisseure wie Francesco Rosi, Jürgen Roland, Klaus Lemke, Roland Klick und Vadim Glowna ihre Geschichten von Gastarbeitern, Gangstern und anderen Ausgegrenzten erzählt.
Zugleich aber lässt sich in ihnen die Entwicklung der Organisierten Kriminalität verfolgen. Von der „rechten Hand“ des berühmt-berüchtigten Mafiosi Lucky Luciano bis hin zur Etablierung der „Hell´s Angels“ und dem Auftraggeber des St. Pauli Killers Werner Pinzner spannt sich der Bogen dieser „Heimatfilme“.
Frank Göhres Texte eröffnen eine neue Sicht auf sie. Es ist der stadtgeschichtlich erhellende Film aus Worten hinter den Kinofilmen, ein Stück Kultur- und Sittengeschichte der Freien und Hansestadt Hamburg.


Frank Göhre: Du fährst nach Hamburg, ich schwör’s dir
CulturBooks, 2014
65 Seiten
4,99 Euro
–
Frank Göhre: Die Härte, der Reichtum und die Weite
CulturBooks, 2014
45 Seiten
3,99 Euro
–
Hinweise
Meine Besprechung von Frank Göhres „Der letzte Freier“ (2006)
Meine Besprechung von Frank Göhres „Zappas letzter Hit“ (2006)
Meine Besprechung von Frank Göhres „St. Pauli Nacht“ (2007, überarbeitete Neuausgabe)
Meine Besprechung von Frank Göhres „MO – Der Lebensroman des Friedrich Glauser“ (2008)
Meine Besprechung von Frank Göhres „An einem heißen Sommertag“ (2008)
Meine Besprechung von Frank Göhres „Abwärts“ (2009, Neuausgabe)
Meine Besprechung von Frank Göhres „Seelenlandschaften – Annäherungen, Rückblicke“ (2009)
Meine Besprechung von Frank Göhres „Der Auserwählte“ (2010)
Meine Besprechung von Frank Göhres “Die Kiez-Trilogie” (2011)
Meine Besprechung von Frank Göhres „I and I – Stories und Reportagen“ (2012)