Nick Louth begibt sich auf „Die Suche“

Louth - Die Suche - 2

Nach einem Blick in das Impressum und nach den ersten Seiten von Nick Louths Debütroman „Die Suche“ fragt man sich: Warum wird 2015 ein Seuchenthriller von 2007 veröffentlicht, der 2002 spielt?
Nun, wegen Amazon.
Denn dort kam Nick Louths Debütroman „Die Suche“ letztes Jahr auf die E-Book-Top-100-Liste und das befeuerte das Interesse an dem Roman. Außerdem spielt Louths Thriller vor dem Hintergrund einer globalen Seuche und seit einigen Jahren sind Seuchenthriller ziemlich beliebt. Auch ohne Zombies.
Dummerweise haben viele dieser Thriller auch die Tendenz dicke Flughafenlektüre zu sein. Mit 416 Seiten ist Loughs Roman zwar nicht besonders dick, aber das bewahrt ihn nicht davor, in erster Linie Kolportage und Recycling allseits bekannter Klischees zu sein. Was nicht so schlimm wäre, wenn „Die Suche“ wenigstens spannend wäre. Aber gerade in Punkto Spannung hat „Die Suche“ wenig zu bieten.
Im Mittelpunkt steht Max Carver, ein Künstler, der vorher bei der Küstenwache das Zuschlagen übte und mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Natürlich unschuldig und nur durch widrige Umstände und seinen Edelmut. Jetzt ist er in Amsterdam. Einerseits weil er in einer Galerie eine Ausstellung hat. Andererseits, weil er seine Freundin Erica Stroud-Jones begleitet. Erica ist Wissenschaftlerin, die auf einer Konferenz eine bahnbrechende Entdeckung zur Bekämpfung von Malaria vorstellen will. Die gesamte Wissenschaftlergemeinde wartet gespannt auf ihren Vortrag. Aber davor verschwindet sie, mitten in der Nacht, spurlos.
Die Bemühungen der Polizei, sie zu finden, halten sich in Grenzen. Denn Erica ist erwachsen und in Amsterdam verschwinden immer wieder Touristen. Meistens haben sie einfach zu viele Drogen genommen und tauchen kurz darauf mit einem dicken Kopf und einem leeren Geldbeutel wieder auf.
Aber Max ist überzeugt, dass ihr etwas zugestoßen ist. Er sucht sie und lernt dabei die Halb- und Unterwelt von Amsterdam kennen.
Währenddessen erkranken mehrere Menschen an Malaria. Unter anderem Jack Erskine, der skrupellose Chef des Pharmakonzerns Pharmstar.
In die aktuellen Geschnisse – Max‘ Suche nach seiner Freundin, der Überlebenskampf von Erskine, die Animositäten der Malaria-Forscher und deren Kampf gegen die Seuche – fügt Nick Louth Ausschnitte aus Ericas Tagebuch ein, das von ihren Erlebnissen in Afrika 1992 berichtet. Diese Ereignisse haben etwas mit der jetzigen Malaria-Seuche zu tun.
Diese drei Plots laufen unverbunden nebeneinander her und gerade die Entführungsgeschichte ist, vor dem Hintergrund einer globalen, potentiell todbringenden Seuche, wenig glaubwürdig. Denn letztendlich sucht Max nur seine spurlos verschwundene Freundin. Er hat dabei einige Probleme mit Gaunern und dann auch mit der Polizei, die ihn bei einigen Straftaten für den Täter hält. Das ist okayer Thrillerstoff, aber vor dem Hintergrund einer globalen Epidemie mit vielen, vielen sterbenden und potentiell sterbenden Menschen ist dieser Marsch durch die Hinterhöfe von Amsterdam nicht gerade das, was einen brennend interessiert.
Der Bösewicht taucht erst gegen Ende auf und sein Motiv ist – na ja. Er ist auch einer dieser Bösewichter, die glauben, dass die Menschheit sie ohne ein erklärendes Wort versteht. Dabei hat er eine Botschaft.
Die Initialzündung für den Roman war in den Neunzigern, so Wirtschaftsjournalist Nick Louth, das mangelnde Interesse von Pharmafirmen bei der Bekämpfung von Malaria. Auf dieses Problem wurde er bei einem Medizinerkongress, den er in Amsterdam besuchte, aufmerksam.
Seitdem änderte sich einiges. Bill Gates und die von ihm gegründete Bill & Melinda Gates Foundation gab in den vergangenen Jahren viel Geld für die Malaria-Bekämpfung aus.
Und neueste Forschungsergebnisse sagen sogar, dass es demnächst einen wirksamen Impfstoff gegen Malaria gibt.
Insofern hat sich seit der Erstveröffentlichung von „Die Suche“ vor acht Jahren einiges geändert. Aber der Roman spielt auch zu Beginn des Jahrtausends.

Nick Louth: Die Suche
(übersetzt von Peter Friedrich)
Ullstein, 2015
416 Seiten
12,99 Euro

Originalausgabe
Bite
Ludensian Books, 2007

Hinweis
Homepage von Nick Louth

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