
Versprochen wird einem „Pulp Fiction meets Science Fiction: Cooles Ermittlerduo auf Mission im Amerika der Zukunft“ und „ein wilder Ritt durch das Großstadtleben der Zukunft“.
Henry Thompson, der „verklemmteste Korinthenkacker in der Geschichte des Bundesamtes für kommunale Infrastruktur“, wird nach einigen Anschlägen auf die Infrastruktur nach Metropolis geschickt. In dieser Multikultimetropole sind der Dienststellenleiter Terrence Kirklin und seine deutlich jüngere Geliebte, die allseits beliebte, supersportliche, superschlaue achtzehnjährige Tochter des Bürgermeisters, Sarah Laury verschwunden. Es wird vermutet, dass ihr Verschwinden etwas mit den Anschlägen zu tun haben.
Um herauszufinden, wer warum die Anschläge verübte und um weitere Anschläge zu verhindern, wird Henry, der ungeeignetste Mann für den Auftrag, nach Metropolis geschickt. Denn er ist nicht nur der Inbegriff des übergenauen Beamten, sondern er hat auch keinerlei Erfahrung als Ermittler. Begleitet wir er von OWEN, der künstlichen Intelligenz der Behörde. Sie ist ein Hologramm, dem von ihrem Erfinder auch eine Liebe zu alten Noir- und Gangsterfilmen einprogrammiert wurde. Deshalb verhält OWEN sich wie ein Regeln ignorierender, literweise Alkohol konsumierender Hardboiled-Detektiv.
Und weil er ein Hologramm ist, kann er sein Aussehen verändern. Er kann auch das Aussehen von Henry verändern und er kann Wesen erschaffen, die vollkommen real erscheinen. Er kann nur keine Türen öffnen und auch keine Waffen abfeuern.
Dieses seltsame Paar wird in Metropolis schnell von den Bösewichtern verfolgt.
Das klingt doch ganz vielversprechend.
Dummerweise löst „Der Metropolis“ keine der von den Ankündigungen und dem Klappentext geschürten Erwartungen ein. Über den Science-Fiction-Part kann man diskutieren. Der Roman spielt 2020, aber in einer Parallelwelt, die mit unserer nichts zu tun hat. Das liegt nicht nur daran, dass es Metropolis nicht gibt und mir in den USA auch keine Großstadt einfällt, die Metropolis sein könnte, sondern dass die im Buch benutzte Hologramm-Technik und die Möglichkeiten einer Künstlichen Intelligenz deutlich fortgeschrittener sind als alles, was es derzeit gibt.
Der Pulp-Fiction-Anteil ist verschwindet gering. Es gibt nur die Erwähnung, dass OWENs Erfinder alte Gangsterfilme mochte und OWEN trinkt. Die Story selbst ist ein gewöhnlicher Terroristenplot in dem Helden mit ihrer ersten Vermutung zuverlässig ans Ziel gelangen. Das liegt auch daran, dass „Der Metropolist“ ein sehr schmales Buch ist.
Humor ist ebenfalls nicht vorhanden. Obwohl man das bei dem Hinweis „wilder Ritt“ und weil Seth Fried laut Autorenbiographie Humorist ist, vermuten könnte.
Selbstverständlich muss ein Humorist nicht immer witzige Bücher schreiben. Allerdings sollte das Wesen und die Weltsicht des Ich-Erzählers, der in „Der Metropolist“ der übergenaue Henry Thompson ist, in jedem Absatz und Satz spürbar sein. Ein detailversessener Beamter sieht die Welt anders als ein von nichts zu beeindruckender Privatdetektiv. Ein Hypochonder nimmt die Welt anders wahr als ein Müllwerker oder eine sich um ihr Baby kümmernde Mutter. Seth Frieds Ich-Erzähler ist dagegen ein Erzähler ohne Eigenschaften.
So ist „Der Metropolist“ kein wilder Ritt durch die Zukunft, sondern ein Langweiler.
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Seth Fried: Der Metropolist
(übersetzt von Astrid Finke)
Heyne, 2019
320 Seiten
12,99 Euro
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Originalausgabe
The Municipalists
Penguin Books, 2019
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